{"id":2876,"date":"1999-10-01T00:00:29","date_gmt":"1999-09-30T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=2876"},"modified":"2012-01-29T13:30:14","modified_gmt":"2012-01-29T11:30:14","slug":"geht-zu-der-wilden-frau-der-wusten-arizonas-und-lernt-von-ihr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/10\/geht-zu-der-wilden-frau-der-wusten-arizonas-und-lernt-von-ihr\/","title":{"rendered":"Geht zu der wilden Frau der W\u00fcsten Arizonas und lernt von ihr&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;\u00dcber die Navajo-Frau habe ich nur dieses zu sagen&#8220; hielt ein fr\u00fcher Besucher des amerikanischen S\u00fcdwestens fest, &#8222;sie ist die unabh\u00e4ngigste Frau unter der Sonne. Sie ist Herrin \u00fcber ihren gesamten Besitz. Heirat nimmt ihr nichts. Scheidung liegt ebenso in ihrer Hand wie in der ihres Mannes. Ihre Familie ist ihre eigene. (&#8230;) Eine Lieblingsfiktion von Soziologen ist, die Lage der Frauen verbessere sich in direktem Verh\u00e4ltnis zum Vordringen der Zivilisation. La\u00dft Euch nicht t\u00e4uschen, oh Schwestern, geht zu der wilden Frau der W\u00fcsten Arizonas und lernt etwas von ihr.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Sogar Personen, die das Leben unterschiedlichster indianischer Gesellschaften urspr\u00fcnglich als Gefangene kennenlernten, lebten sich manches Mal derart gut in der neuen Umgebung ein, da\u00df sie sich weigerten, diese wieder zu verlassen, wenn sich ihnen einige Zeit sp\u00e4ter eine entsprechende Gelegenheit bot. (&#8230;) Die Engl\u00e4nder hatten ebenfalls Probleme, Individuen, die in die Gefangenschaft indianischer Nationen geraten waren, dazu zu bringen, die indianische Lebensweise wieder aufzugeben: &#8218;Keine Argumente, keine Bitten, noch Tr\u00e4nen ihrer Freunde und Verwandten konnten viele von ihnen dazu bewegen, ihre neuen indianischen Freunde und Bekannten zu verlassen; einige, die (&#8230;) \u00fcberredet wurden, nach Hause zu kommen, wurden unsere Art zu leben nach kurzer Zeit m\u00fcde, liefen wieder weg zu den Indianern und blieben bis zum Ende ihrer Tage bei ihnen.'&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;In indianische Gefangenschaft geratene europ\u00e4ische und anglo-amerikanische Frauen berichteten anschlie\u00dfend oftmals mit einer gewissen Verwunderung, da\u00df sie dabei trotz ihres v\u00f6lligen Ausgeliefertseins keinerlei sexuelle Bel\u00e4stigung erfahren hatten. Der Respekt, den die M\u00e4nner indianischer Gesellschaften ihren eigenen Frauen entgegenbrachten, wurde offenbar auch auf weibliche Gefangene ausgedehnt.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Freigebigkeit wurden innerhalb der Lakota-Gesellschaft nicht nur von F\u00fchrerpers\u00f6nlichkeiten, sondern auch von allen anderen Menschen erwartet. Lakota-Frauen und -M\u00e4nner, die mehr G\u00fcter ansammelten, als sie tats\u00e4chlich ben\u00f6tigten, und sie f\u00fcr sich behielten, anstatt sie an Bed\u00fcrftige weiterzuverschenken, galten als erb\u00e4rmlich. &#8218;Pers\u00f6nlicher Wert wurde nicht daran gemessen, wieviel G\u00fcter eine Person besa\u00df, sondern wieviel sie loslassen konnte.'&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Jeder Mensch&#8220;, so Dhyani Ywahoo, &#8222;hat eine Verpflichtung, diesem Planeten und all unseren Verwandten (Menschen, Tieren, Pflanzen) den Klang von Sch\u00f6nheit, die Macht des Gebetes und das Gef\u00fchl von Harmonie wiederzugeben.&#8220;<\/p>\n<p>Dies und mehr l\u00e4\u00dft sich nachlesen in dem Buch &#8222;Indianische Frauen Nordamerikas&#8220; von Heidelis Bode-Paffenholz &#8211; ein Lesebuch, historisch anspruchsvoll und \u00fcberzeugend, und gleichzeitig \u00fcberraschend angenehm und spannend zu lesen: mit Begeisterung und Sympathie geschrieben, doch von &#8222;neuem indianischem Mythos&#8220; und den &#8222;guten Wilden&#8220; keine Spur.<\/p>\n<p>Die Autorin hat eine enorme Menge an Material zusammengetragen und gr\u00fcndlich recherchiert, die Quellenangaben sind korrekt und klar und umfassen ein breites Spektrum &#8211; sowohl klassische Quellen sind vertreten als auch solche, die von der traditionellen westlichen Geschichtsschreibung gerne \u00fcbersehen werden (wie z. B. Paula Gunn Allen).<\/p>\n<p>Das Buch unterteilt sich in zwei gro\u00dfe Abschnitte: der erste gibt einen \u00dcberblick \u00fcber den Status der Frauen indianischer V\u00f6lker Nordamerikas, eine geschichtliche Einf\u00fchrung und eine Einf\u00fchrung in das traditionelle Weltbild uramerikanischer Frauen.<\/p>\n<p>Im zweiten Abschnitt werden Frauen einzelner St\u00e4mme und Regionen exemplarisch herausgegriffen und verschiedene Bereiche ihres Lebens n\u00e4her beschrieben.<\/p>\n<p>Wie in einem Kaleidoskop lernen wir die verschiedenen Aspekte kennen, die das Leben uramerikanischer Frauen ausmachten: Nahrungsgewinnung, Wohnformen, Zusammenleben und soziale Beziehungen, Kindererziehung, Rechtsprechung, Stellung der Frau innerhalb ihrer Gemeinschaft, Umgang mit internen und externen Konflikten, Arbeit, Spiritualit\u00e4t, Besitz und vieles mehr. Wir erfahren, wie unterschiedlich die \u00fcber 300 damals existierenden &#8222;nations&#8220; lebten und worin sich viele doch \u00e4hnelten. Auch die fatalen Folgen der Eroberung durch die Europ\u00e4erInnen und der Untergang vieler uramerikanischer Gesellschaften werden in ihrem bedr\u00fcckenden Ausma\u00df deutlich.<\/p>\n<p>Jenseits trockener historischer Belehrung ist hier ein &#8222;Lesebuch&#8220; entstanden, ein wunderbarer Schm\u00f6ker &#8211; ein Hochgenu\u00df f\u00fcr alle, die es lieben, wenn eingefahrene Vorstellungen durcheinandergewirbelt und auf den Kopf gestellt werden!<\/p>\n<p>Bedauerlich ist nur der Preis: 79 DM sind f\u00fcr das Buch angemessen, machen es aber leider f\u00fcr normale Geldbeutel nicht gerade erschwinglich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;\u00dcber die Navajo-Frau habe ich nur dieses zu sagen&#8220; hielt ein fr\u00fcher Besucher des amerikanischen S\u00fcdwestens fest, &#8222;sie ist die unabh\u00e4ngigste Frau unter der Sonne. Sie ist Herrin \u00fcber ihren gesamten Besitz. Heirat nimmt ihr nichts. 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