{"id":29236,"date":"2023-02-07T11:40:29","date_gmt":"2023-02-07T09:40:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=29236"},"modified":"2023-02-07T11:40:29","modified_gmt":"2023-02-07T09:40:29","slug":"hat-die-menschheit-noch-eine-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/02\/hat-die-menschheit-noch-eine-chance\/","title":{"rendered":"Hat die Menschheit noch eine Chance?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vielf\u00e4ltige Krisen stellen eine weitere Existenz der Menschheit ernsthaft infrage, aber die Party geht weiter. Die erneuten Warnungen im 2022 erschienene Bericht \u201eEarth for All\u201c\u00a0((1)) des Club of Rome bleiben ungeh\u00f6rt, L\u00fctzerath wird abgebaggert und die Welt sehenden Auges vor die Wand gefahren. Im Dezember 2022 verhandelten Vertreter*innen aus fast 200 L\u00e4ndern auf dem Weltnaturgipfel COP15 \u00fcber den Erhalt der Biodiversit\u00e4t. Diese Konferenzen finden regelm\u00e4\u00dfig statt, formulieren wohlklingende Ziele, die nie erreicht werden.<br \/>\nNun sollen bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresfl\u00e4chen unter Naturschutz gestellt, und es soll mehr Geld in den Artenschutz gesteckt werden. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die Gelder in Greenwashing-Projekte flie\u00dfen, und dass Indigene im Namen des Naturschutzes vertrieben werden. Davor hatten Amnesty International und andere NGOs schon vor COP15 gewarnt. ((2)) Um die \u00d6kosysteme zu sch\u00fctzen, m\u00fcssten die Rechte derjenigen gesch\u00fctzt werden, \u201edie in ihnen leben und auf sie angewiesen sind\u201c, denn 80 Prozent der gesamten biologischen Vielfalt der Erde komme \u201eauf dem angestammten Land indigener V\u00f6lker vor\u201c. Deren Rechte auf Land und Selbstbestimmung seien zu sch\u00fctzten, so wie es \u201ein internationalen Menschenrechts\u00fcbereinkommen festgeschrieben\u201c sei.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Kapitalismuskritik reicht nicht<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Degrowth-Diskussionen des globalen Nordens ist die Einsicht, dass der Kapitalismus strukturellen Wachstumszw\u00e4ngen unterliegt, weit verbreitet. Unterbelichtet bleibt jedoch die Frage, wie es zur Gewaltt\u00e4tigkeit gegen\u00fcber Mensch und Natur kommen konnte, die der kapitalistischen Wirtschaftsweise kulturell eingeschrieben ist. Steht nicht die strukturell r\u00fccksichtslose kapitalistische Konkurrenz in Wechselwirkung mit mitmenschlicher R\u00fccksichtslosigkeit, die ignorant ist gegen\u00fcber der Einbettung des Menschen in die Natur, und die tendenziell anderen ihr Menschsein abspricht? Aus feministischer Perspektive ist eine andere Wirtschaft zwar notwendig, aber nicht hinreichend f\u00fcr eine Postwachstumsgesellschaft, denn patriarchale und koloniale Macht, Herrschaft und Gewalt sind \u00e4lter als der Kapitalismus.<br \/>\nIch bin davon \u00fcberzeugt, dass indigene Weltsichten f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis hilfreich sein k\u00f6nnen. Nicht um sie unkritisch zu \u00fcbernehmen, aber um die eigenen eingefahrenen Denk- und Empfindungsmuster, ja auch die eigenen Vorurteile gegen ganz andere Perspektiven auf Mensch und Natur, und auf das Leben selbst, kritisch zu hinterfragen. F\u00fcr Gewaltfreiheit brauche ich hier nicht werben, aber es reicht nicht aus, wenn sie auf Menschen beschr\u00e4nkt bleibt, sondern ich glaube, dass dazu auch Respekt, ja Demut gegen\u00fcber den Geheimnissen des Lebens geh\u00f6rt. \u201eWir\u201c k\u00f6nnen nicht alles wissen und machen \u2013 was ja keineswegs bedeutet, nichts zu tun! Aber es ist h\u00f6chste Zeit, sich von westlich dominierten Vorstellungen von \u201eEntwicklung\u201c zu verabschieden. Die Begrenztheit des naturwissenschaftlichen Weltverst\u00e4ndnisses hatte Fabian Scheidler ((3)) in \u201eDer Stoff, aus dem wir sind\u201c sehr sch\u00f6n dargelegt (siehe Rezension in der Graswurzelrevolution Oktober 2021). ((4))<br \/>\nDIE eine L\u00f6sung f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Krisen gibt es sicher nicht. Postwachstum und Postdevelopment, das hei\u00dft die Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft ohne das auf Wachstum ausgerichtete Fortschritts- und Entwicklungsparadigma, kann ich mir nur als vielf\u00e4ltige Wege vorstellen, die nicht geradlinig und selbstgewiss, quasi patriarchal-milit\u00e4risch orchestriert verlaufen, sondern eher in spiralf\u00f6rmigen Suchbewegungen, feministisch und globalsolidarisch fragend voran.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Ein Pluriversum vieler Welten<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Einblick in die Vielfalt einer Welt, in der viele Welten Platz haben, gibt das Buch \u201ePluriverse \u2013 A Post-Development Dictionary\u201c (Pluriversum \u2013 Ein Post-Development Lexikon). Mehr als 100 Autor*innen stellen vielf\u00e4ltige wirtschaftliche, sozialpolitische, kulturelle und \u00f6kologische Konzepte, Weltanschauungen und Praktiken aus aller Welt vor. Diese Post-Development-Ans\u00e4tze zeigen Alternativen auf, die das Leben auf der Erde sch\u00fctzen und respektieren: Ein Pluriversum, das eine Vielzahl von Systemkritiken und Lebensweisen umfasst. Gewidmet ist das Buch all jenen, \u201edie sich f\u00fcr das Pluriversum einsetzen, die sich gegen Ungerechtigkeit wehren und Wege f\u00fcr ein Leben in Harmonie mit der Natur suchen\u201c. Ihre marxistische Analyse m\u00f6chten die Herausgeber*innen \u201edurch Perspektiven wie Feminismus und \u00d6kologie sowie durch Vorstellungen aus dem globalen S\u00fcden, einschlie\u00dflich Gandhianischer Ideale\u201c erg\u00e4nzen.<br \/>\nDie englische Erstausgabe erschien 2019 in Indien und wurde bereits ins Franz\u00f6sische, Italienische, Portugiesische und Spanische \u00fcbersetzt, weitere \u00dcbersetzungen sollen folgen. Der Verlag AG SPAK ((5)) wird das Pluriversum-Buch noch in diesem Jahr auch f\u00fcr deutschsprachige Leser*innen zug\u00e4nglich machen, online und als gedrucktes Buch. Die darin aufgeworfenen Fragen m\u00f6chten wir breit diskutieren, gerne auch hier in der Graswurzelrevolution.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielf\u00e4ltige Krisen stellen eine weitere Existenz der Menschheit ernsthaft infrage, aber die Party geht weiter. Die erneuten Warnungen im 2022 erschienene Bericht \u201eEarth for All\u201c\u00a0((1)) des Club of Rome bleiben ungeh\u00f6rt, L\u00fctzerath wird abgebaggert und die Welt sehenden Auges vor die Wand gefahren. 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