{"id":29237,"date":"2023-02-07T11:40:30","date_gmt":"2023-02-07T09:40:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=29237"},"modified":"2023-02-07T11:40:30","modified_gmt":"2023-02-07T09:40:30","slug":"was-bleibt-luetzi-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/02\/was-bleibt-luetzi-lebt\/","title":{"rendered":"Was bleibt? L\u00fctzi lebt!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">L\u00fctzerath lebt weiter in unseren gemeinsamen Erinnerungen, Tr\u00e4umen und Visionen als begeisternde Utopie und warnende Dystopie. L\u00fctzi ist sowohl ein Brennpunkt der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung als auch ein Symbol f\u00fcr die destruktiven Auswirkungen des fossilen Kapitalismus.<br \/>\nF\u00fcr viele Aktivist*innen wurde L\u00fctzi zu einem Ort, wo sie einen herrschaftsfreieren und naturverbundenen Gegenentwurf zum Alltagsleben kapitalistischer Herrschaft in Ans\u00e4tzen verwirklichen konnten. \u201eWir setzen ihm ein solidarisches Zusammenleben entgegen, in dem wir f\u00fcreinander da sind und unser Ziel ist, dass alle ihre Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen k\u00f6nnen\u201c, so Mara von \u201eL\u00fctzerath lebt!\u201c im Januar 2023 in der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/12\/luetzerath-lebt-immer-noch\/\">GWR 476.<\/a><br \/>\nEs sind auch Erinnerungen an eine solidarische Vielfalt, trotz teils sehr unterschiedlicher politischer Orientierungen und Motive, sich zu engagieren bei der Verteidigung von L\u00fctzerath. Menschen aller Altersstufen haben sich auf das, was sie verbindet, konzentriert. Sie haben sich der umfassenden Zerst\u00f6rung von RWE entgegengestellt und mit vielf\u00e4ltigen Mitteln \u2013 u.a. mit Mahnwachen, mit direkten Aktionen des Zivilen Ungehorsams, mit juristischen Mitteln \u2013 versucht, die 1,5 Grad Grenze zu verteidigen und die Braunkohlebagger vor L\u00fctzerath zu stoppen.<br \/>\nDenn es gibt so viele gute Gr\u00fcnde f\u00fcr \u201eKeep it, keep it in the ground\u201c, f\u00fcr den real notwendigen sofortigen Ausstieg aus der Braunkohle.<br \/>\nDiese Form der Energiegewinnung ist die klimasch\u00e4dlichste, extrem gesundheitssch\u00e4dlich und todbringend. Die Zwangsumsiedlungen von mehr als vierzigtausend Menschen allein im Rheinischen Braunkohlerevier haben Traumatisierungen verursacht, wertvolle Ackerb\u00f6den und Artenvielfalt wurden und werden zerst\u00f6rt. Es kommt zu gef\u00e4hrlichen Grundwasserabsenkungen, auch das Trinkwasser vieler Menschen wird beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Meine pers\u00f6nlichen Motive und die B\u00fcndnisarbeit als gewaltfreier Anarchist<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit \u00fcber zw\u00f6lf Jahren ist der Widerstand im Rheinischen Braunkohlerevier gegen diese obengenannte massive strukturelle Gewalt durch RWE der Schwerpunkt in meinem politischen Engagement. Auch im Kampf gegen die zun\u00e4chst drohende, nun seit einigen Jahren l\u00e4ngst auch schon bei 1,2 Grad eingetretene Klimakatastrophe, bin ich hier am richtigen Ort.<br \/>\nAls gewaltfreier Anarchist habe ich mit vielen Anderen auch versucht, hierarchiefreiere Gruppen mitzuinitiieren und zu konstruktiver B\u00fcndnis- und Zusammenarbeit beizutragen. Es gelang dabei oft, den Spaltungs- und Kriminalisierungbestrebungen durch den NRWE-Komplex entgegenzutreten.<br \/>\nAnstatt sich nach Au\u00dfen zu distanzieren, wurden nicht immer, aber meistens die Prinzipien der Fehlerfreundlichkeit und der kritischen Solidarit\u00e4t in der internen Auseinandersetzung realisiert. Ganz aktuell, zu Beginn der R\u00e4umung von L\u00fctzerath, gab es wieder den Spaltungsversuch von Herbert Reul, dem NRW-Innenminister bzw. dem \u201eChef des NRWE-Clans\u201c: die \u201eFriedlichen\u201c sollten sich von den militanten Steinewerfern distanzieren.<br \/>\nEine klare, eindeutige interne Kritik an nicht-gewaltfreien militanten Aktionen halte ich f\u00fcr notwendig. Nach au\u00dfen gerichtet ist z.B. die Pressemitteilung der KURVE Wustrow, der Bildungs- und Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr gewaltfreie Aktion, aus meiner Sicht gut gelungen. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eKURVE Wustrow solidarisiert sich mit den Aktivist*innen in L\u00fctzerath.<br \/>\nIn der Geschichte mussten immer wieder Gesetze \u00fcbertreten werden, weil das geltende Recht (z.B. zu demonstrieren) nicht ausreichte, um Ver\u00e4nderungen hin zum Erhalt der Lebensgrundlagen, zu Gerechtigkeit, Demokratie etc. zu bewirken. Viele dieser Gesetzes\u00fcberschreitungen finden als \u201aZiviler Ungehorsam\u2018 statt und sind ein legitimes Mittel der Konfliktaustragung in Demokratien. Der einstmals kriminalisierte breite Widerstand gegen die in Gorleben geplanten Atomanlagen wird heute von Politiker*innen der meisten Richtungen als Beitrag zur Demokratieentwicklung hochgelobt. Als Bildungs- und Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr gewaltfreie Aktion, die seit \u00fcber 40 Jahren im Wendland und dar\u00fcber hinaus aktiv ist, schaut die KURVE Wustrow fassungslos auf die Kriminalisierung der Klimagerechtigkeitsbewegung und ihrer vielf\u00e4ltigen Protestformen. Polarisierende und populistische Sprache ist bei den Parteien ebenso wie in vielen Medien zu finden: Es wird von \u201aKlimaterroristen\u2018 gesprochen, Begriffe wie \u201afriedlich\u2018 und \u201agewaltt\u00e4tig\u2018 werden missbraucht, um von der berechtigten Kritik an der Politik von Bundes- und Landesregierungen abzulenken. Doch es ist kein \u201aTerrorismus\u201c\u2018, die R\u00e4umung eines Dorfes zu blockieren, \u201afriedlich\u2018 hei\u00dft nicht immer \u201alegal\u2018, und das Erschweren einer R\u00e4umung durch Tripods oder Ankleben ist nicht \u201aGewalt\u2018.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich gab es w\u00e4hrend der R\u00e4umung und am Tag der Gro\u00dfdemo geringf\u00fcgige militante Aktionen von Seiten der Aktivist*innen, im Gegensatz zu h\u00e4ufiger teilweise massiver direkter Gewalt durch einzelne Polizisten und <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/03\/der-werkzeugkasten-der-innenpolitik-kennt-nur-polizei-ueberwachung-und-repression\/\">Polizei-Einheiten<\/a>. Auch das unerbittliche und Menschenleben gef\u00e4hrdende H\u00f6chst-Tempo der R\u00e4umungsmaschinerie erlebten viele Augenzeug*innen als sehr gewaltt\u00e4tig. W\u00e4hrend der Demo am 17.01., am Aktionstag des Unr\u00e4umbar-B\u00fcndnisses, berichtete eine Augenzeugin u.a. von den panisch fl\u00fcchtenden Eichh\u00f6rnchen, als die B\u00e4ume ger\u00e4umt und gerodet wurden und von durchgeschnittenen Sicherungsseilen an Baumh\u00e4usern, in denen sich noch Menschen befanden. R\u00e4umungstrupps mit Motors\u00e4gen zers\u00e4gten alles, was ihnen in den Weg kam.<br \/>\nBei der Gro\u00dfdemo am 14.01. gab es unter den Verletzungen durch Polizeikr\u00e4fte, u.a. zahlreiche Knochenbr\u00fcche, Folgen von gezielten Schl\u00e4gen auf den Hals mit F\u00e4usten und Schlagst\u00f6cken.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Hintergr\u00fcnde<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum wollen RWE und die schwarz-gr\u00fcne Landesregierung gerade jetzt L\u00fctzerath abbaggern, obwohl sich im Tagebau Garzweiler noch ca. 170 Millionen Tonnen Braunkohle vor L\u00fctzerath befinden? J\u00e4hrlich kann der RWE-Konzern nur bis zu ca. 30 Millionen Tonnen f\u00f6rdern. Also mindestens f\u00fcnf Jahre k\u00f6nnte gebaggert werden, ohne L\u00fctzerath anzutasten. Es gibt zum einen den Grund der st\u00e4rksten \u201eFl\u00f6zm\u00e4chtigkeit\u201c bei L\u00fctzerath und damit der schnellsten und einfachsten Verwertung durch RWE und zum anderen auch einen politischen Grund: In einer Stellungnahme des Konzerns von August 2022 hei\u00dft es: \u201eKeine Befriedung: Es entst\u00fcnde eine Motivation zu weiteren Blockaden&#8230;\u201c<br \/>\nDie wird es aber trotz der leider vollzogenen R\u00e4umung und der damit verbundenen Trauer weiter geben, denn die Kohle unter L\u00fctzerath und auch im gesamten Revier mu\u00df im Boden bleiben. So gab es am 17.01. zahlreiche Blockaden, wie z.B. der Kohlebahn vor dem Kraftwerk Neurath und Besetzungen eines Kohlebaggers im Tagebau Inden.<br \/>\nVenceremos!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fctzerath lebt weiter in unseren gemeinsamen Erinnerungen, Tr\u00e4umen und Visionen als begeisternde Utopie und warnende Dystopie. L\u00fctzi ist sowohl ein Brennpunkt der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung als auch ein Symbol f\u00fcr die destruktiven Auswirkungen des fossilen Kapitalismus. F\u00fcr viele Aktivist*innen wurde L\u00fctzi zu einem Ort, wo sie einen herrschaftsfreieren und naturverbundenen Gegenentwurf zum Alltagsleben kapitalistischer Herrschaft in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/02\/was-bleibt-luetzi-lebt\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Was bleibt? 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