{"id":29238,"date":"2023-02-07T11:40:29","date_gmt":"2023-02-07T09:40:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=29238"},"modified":"2023-03-18T12:53:27","modified_gmt":"2023-03-18T10:53:27","slug":"luetzi-chronik-der-letzten-tage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/02\/luetzi-chronik-der-letzten-tage\/","title":{"rendered":"L\u00fctzi \u2013 Chronik der letzten Tage"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Traum ist aus?! Innerhalb von wenigen Wochen verwandelt sich das AktivistInnen-Dorf L\u00fctzerath St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in eine Festung. Immer mehr Barrikaden, Tripods, Monopods werden gebaut und in einer der gro\u00dfen Hallen ist eine beeindruckende H\u00e4ngeplattform entstanden, die viel Platz bietet. Die R\u00e4umung soll solange wie m\u00f6glich hinausgez\u00f6gert, ja bestenfalls verhindert werden. Seit Dezember 2022 bereiten sich die Menschen auf einen R\u00e4umungsversuch vor. Die Mobilisierung l\u00e4uft auf Hochtouren und immer mehr Menschen reisen an. Essensvorr\u00e4te, Wasser, Brennholz etc. wird zusammengetragen und unter den Barrios aufgeteilt. Die K\u00fcche f\u00fcr Alle (K\u00fcfa) muss, sobald die R\u00e4umung beginnt, ihre Versorgung einstellen und ab dann ist jedes Barrio auf sich alleine gestellt. Eviction-Food ist wichtig! Ohne Mampf kein Kampf!<\/p>\n<figure id=\"attachment_29371\" aria-describedby=\"caption-attachment-29371\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29371\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi2.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi2.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi2-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi2-600x338.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi2-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi2-150x84.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29371\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Herbert Sauerwein<\/figcaption><\/figure>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Doch warum das alles?<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weiler L\u00fctzerath und die meisten anliegenden Fl\u00e4chen geh\u00f6ren dem Konzern RWE Power AG, Betreiber des Tagebaus Garzweiler 2 und Europas gr\u00f6\u00dfter Klimakiller. Am 20.12.2022 erl\u00e4sst der Landrat des Kreises Heinsberg, Stefan Pusch, eine Allgemeinverf\u00fcgung. Ab dem 10.1.2023 gilt f\u00fcr L\u00fctzerath ein Aufenthaltsverbot. Die RWE Power AG will das zu Erkelenz geh\u00f6rende L\u00fctzerath r\u00e4umen und abrei\u00dfen, um die darunter liegende Kohle abzubauen. Stephan Muckel, B\u00fcrgermeister von Erkelenz, hatte sich geweigert, die R\u00e4umung zu verf\u00fcgen und die Polizei Aachen um Vollzugshilfe zu bitten. \u201eErkelenz verliert wertvolle Fl\u00e4chen des Stadtgebietes\u201c, so Muckel bei einer Informationsveranstaltung, dar\u00fcber hinaus ist er um den sozialen Frieden in den Gemeinden besorgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1.2023<\/strong> Im Morgengrauen rollt das Zerst\u00f6rungskommando an. Mannschaftsbus an Mannschaftsbus, LKWs, Bagger, Security, He-beb\u00fchnen, RWE &#8230; Die Polizei betont, dass sie im Tagebauvorfeld von L\u00fctzerath Infrastruktur aufbauen m\u00f6chte und nicht in das Dorf reingehen wird. Die R\u00e4umung von L\u00fctzerath, so sichert Aachens Polizeipr\u00e4sident (PP) Dirk Weinspach zu, wird nicht vor dem 10.1. beginnen. Fast gebetsm\u00fchlenartig wiederholt Weinspach, \u201eman werde mit maximaler Transparenz, Kommunikation und deeskalierend vorgehen\u201c. Die Menschen sind fest entschlossen, L\u00fctzerath zu verteidigen, damit die rund 280 Millionen Tonnen Braunkohle im Boden bleiben. Das martialische Auftreten der Polizei wird teilweise als Provokation empfunden. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Demonstrierenden und Aktivist*innen l\u00e4sst sich aber nicht provozieren und agiert die ganzen Tage \u00fcber gewaltfrei. Die ersten Aufeinandertreffen zwischen AktivistInnen und Polizei enden damit, dass sich die Hundertschaften fr\u00fcher oder sp\u00e4ter dann doch zur\u00fcckziehen. RWE hat inzwischen alle Zufahrtsstra\u00dfen weitr\u00e4umig abgesperrt.<br \/>\nIn Anbetracht des Tempos, in dem Polizei und RWE planieren und Infrastruktur aufbauen, wird \u201eTAG X\u201c ausgerufen. Die Mobilisierung l\u00e4uft! Alle nach L\u00fctzerath! Dar\u00fcber hinaus blicken die AktivistInnen zuversichtlich auf den Dorfspaziergang am Sonntag, zu dem die Waldp\u00e4dagogInnen Eva T\u00f6ller und Michael Zobel eingeladen haben. Auch Luisa Neubauer von Fridays For Future sowie die K\u00f6lner Band AnnenMayKantereit sind angek\u00fcndigt. Der Einladung folgen ca. 4000 Menschen aller Generationen. W\u00fcsste man nicht, dass sich L\u00fctzerath in der Vorstufe einer R\u00e4umung mit Polizeipr\u00e4senz befindet, k\u00f6nnte der Eindruck entstehen, es w\u00e4re alles wie immer. BesucherInnen unterhalten sich mit AktivistInnen, an der Mahnwache wird, wie in den letzten zwei Jahren, Kaffee ausgeschenkt. Come together!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AnnenMeyKantereit hat sogar eine Ode an die AktivistInnen mitgebracht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eDie Kohle unter diesem Dorf wird nicht gebraucht und<br \/>\nunabh\u00e4ngingen Gutachten wird nicht geglaubt.<br \/>\nUnd w\u00e4re die Regierung klug genug, um es einzusehen,<br \/>\nm\u00fcssten die Aktivisti keine R\u00e4umung \u00fcberstehen\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe des Tages entstehen vor den Augen der Polizei weitere Barrikaden, zum Teil packen sogar BesucherInnen mit an. Im Tagebauvorfeld holt sich eine AktivistInnengruppe das bereits planierte Gel\u00e4nde zur\u00fcck. Weitere Hindernisse entstehen. In der Dunkelheit kommt es zwischen einer gr\u00f6\u00dferen Menschengruppe und der Polizei zu Auseinandersetzungen. Es sollen Pyrotechnik und Matschklumpen geflogen sein, an anderer Stelle wird ein Fahrzeug der KontaktpolizistInnen besch\u00e4digt. Sp\u00e4ter in der Nacht entspannt sich die Lage.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>\u201eJa, ich bin w\u00fctend und entt\u00e4uscht! Und darum bin ich hier in L\u00fctzerath!\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10.1.2023<\/strong> Nun gilt: Wer drin ist, ist drin. Die Polizei l\u00e4sst keine Menschen mehr in L\u00fctzerath rein. Am Abend findet in Erkelenz eine gut besuchte Informationsveranstaltung zur R\u00e4umung statt. Im Anschluss m\u00f6chten sich Hinz und Weinspach von der Polizei Aachen, Landrat Pusch und der Erkelenzer B\u00fcrgermeister Muckel den Fragen der Anwesenden stellen. Fast alle, die sich in die Schlange stellen, um ans Mikro zu d\u00fcrfen, versuchen doch noch das entscheidende Argument vorzubringen, das eine R\u00e4umung noch in letzter Sekunde abwenden k\u00f6nnte. Die Hauptfrage dabei ist: Wird die Kohle unter L\u00fctzerath \u00fcberhaupt noch gebraucht?<br \/>\nDie Regierung argumentiert mit Versorgungssicherheit bei einer Gasmangellage, basierend auf mehreren Gutachten. Luisa Neubauer h\u00e4lt in einer Rede bereits 2022 dagegen: \u201eSeit wann argumentieren die Gr\u00fcnen mit gefakten Zahlen von RWE?\u201c Tats\u00e4chlich sind die Gutachten in sehr kurzer Zeit und mit Einfluss von RWE entstanden. Unabh\u00e4ngige Gutachten, wie z.B. von Aurora Energy Research, besagen genau das Gegenteil. Die Braunkohle, die in den Tagebauen Hambach und Garzweiler 2 noch gef\u00f6rdert wird, reicht v\u00f6llig. Geht es vielleicht nur um die kosteng\u00fcnstigste Abbauroute f\u00fcr RWE ? Oder soll der wertvolle L\u00f6\u00dfboden nur lediglich vernichtet werden, um an anderer Stelle den Tagebau aufzuf\u00fcllen? Abgesehen davon, w\u00e4re die Kohle unter L\u00fctzerath fr\u00fchestens in drei Jahren nutzungsfertig.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Wor\u00fcber wurde bei dem Deal zwischen RWE und Landesregierung verhandelt?<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verdacht steht im Raum, dass der Abriss L\u00fctzeraths eine Gef\u00e4lligkeitsentscheidung ist. Vielleicht, weil die Regierung auf RWE angewiesen ist? So fliegt der gr\u00fcne Bundeswirtschafts- und -klimaminister Habeck mit RWE-Chef Krebber nach Katar, um Fl\u00fcssigerdgas zu kaufen. Der Folterstaat Katar ist der gr\u00f6\u00dfte Einzelaktion\u00e4r der RWE Power AG. Von Mauscheleien ist die Rede, und von einem Hinterzimmer-Deal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eJa, ich bin w\u00fctend und entt\u00e4uscht! Und darum bin ich hier in L\u00fctzerath!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eEs kann doch nicht sein, dass wir hier sein m\u00fcssen, um die Bundesregierung aufzufordern ihre eigenen Vertr\u00e4ge einzuhalten!\u201c,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sagen Stimmen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung. Damit ist das Pariser Klimaabkommen gemeint, das besagt, den weltweiten Temperaturanstieg m\u00f6glichst auf 1,5 Grad zu beschr\u00e4nken. Mit der Verstromung der 280 Millionen Tonnen Braunkohle, die unter L\u00fctzerath liegen, w\u00fcrde Deutschland aber die Klimaziele deutlich verfehlen.<br \/>\nL\u00fctzerath ist inzwischen in allen Medien und immer wieder werden die AktivistInnen als arbeitsunwillige, krawallbereite Linksradikale tituliert, die wegen ihrer R\u00e4umung aus den paar alten H\u00e4usern den SteuerzahlerInnen so viel kosten. In den sozialen Netzwerken versuchen die HasskommentatorInnen sich gegenseitig zu \u00fcberbieten. Selten habe ich zu einem Thema solch menschenverachtende \u00c4u\u00dferungen und Aufrufe zur Gewalt gelesen, wie gegen die AktivistInnen. \u201eWir sind hier auch f\u00fcr eure Kinder!\u201c, und aus einer anderen Ecke rufen einige den Polizeikr\u00e4ften entgegen, die inzwischen rund um die Uhr pr\u00e4sent sind: \u201eEure Kinder sind schon l\u00e4ngst hier!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>11.1.2023 <\/strong>GROSSALARM!<br \/>\nDer Tag beginnt mit einem \u00dcberfallkommando! Kurz nach acht ist L\u00fctzerath komplett von Hundertschaften umstellt. Menschen, die Dorfzug\u00e4nge blockieren, werden ger\u00e4umt. Manche gehen freiwillig. Am Ortseingang haben sich christliche Menschen von \u201eKirchen im Dorf lassen\u201c (KiDl) sch\u00fctzend und singend in der Eibenkapelle versammelt. Auch sie werden ger\u00e4umt. Zeitgleich hat RWE begonnen, L\u00fctzerath einzusperren in Form zweier parallel verlaufenden Bauzaunreihen, die am Ende 1,5 km sein werden. Die Polizei r\u00fcckt z\u00fcgig vor. Sie r\u00e4umt Tripods und Sitzblockaden, pfl\u00fcckt Menschen aus den B\u00e4umen. Fast schon hastig werden Barrikaden in Form einbetonierter Stahltr\u00e4ger von einer Spezialeinheit aus der Stra\u00dfe gestemmt, parallel wird auch an den anderen Dorfausg\u00e4ngen angesetzt. Vereinzelt fliegen Steine, aber \u201eder \u00fcberwiegende Teil leistet friedlichen, passiven Widerstand\u201c, betont Polizeipr\u00e4sident Weinspach. Er meint die gut 1100 AktivistInnen, die sich entschlossen haben, sich in L\u00fctzerath der R\u00e4umung in den Weg zu stellen.<br \/>\n\u00dcberall ert\u00f6nen Motorenl\u00e4rm, Stemmger\u00e4usche, Kettens\u00e4gen, dazwischen die Dorf-Sirene. In Abst\u00e4nden wird immer wieder aus den Baumh\u00e4usern skandiert: \u201eL\u00fctzi bleibt!\u201c, \u201eKlimaschutz ist kein Verbrechen\u201c und, w\u00e4hrend AktivistInnen ger\u00e4umt werden, ein solidarisches \u201eDu bist nicht allein\u201c.<br \/>\nAllein ist hier wirklich kein Mensch! Denn es ist nicht nur der Kampf f\u00fcr eine klimagerechte Zukunft und f\u00fcr ein gutes Leben f\u00fcr alle Menschen auf der Welt, der verbindet. Es ist auch der Wunsch nach einem hierarchiefreien Miteinander, nach einem Leben, in dem Mensch so sein darf wie er ist. Der Wunsch nach einer achtsamen Gemeinschaft, frei von jeglicher Diskriminierung und Ausbeutung. \u201eWenn das in einer Gemeinschaft klappt, kann es doch auch in einem Dorf, einer Stadt, einem Land und auf der ganzen Welt klappen.\u201c<br \/>\nNur knapp einen halben Tag sp\u00e4ter geht es den Hallen an den Kragen. Als erstes der K\u00fcfa (K\u00fcche f\u00fcr alle), als w\u00fcrde die Polizei Kriegsstrategie anwenden und zuerst die Infrastruktur und Hauptversorgung ausl\u00f6schen. Es liegt eine leichte Anspannung in den Augen der Kr\u00e4fte vor Ort, als das erste Tor aufgeflext wird. Kein Mensch wei\u00df, was sich dahinter verbirgt. Doch auch hier leisten die AktivistInnen gewaltfreien Widerstand. Sie werden im Minutentakt herausgef\u00fchrt oder -getragen. Mobile Flutlichtanlagen werden aufgebaut. L\u00fctzerath wird dauerhaft ausgeleuchtet. Die Zerst\u00f6rung kennt keine Pause und keine Schlafenszeit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_29372\" aria-describedby=\"caption-attachment-29372\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29372\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi3.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi3.jpg 1000w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi3-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi3-600x338.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi3-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Luetzi3-150x84.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29372\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Herbert Sauerwein<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den n\u00e4chsten Tagen sind alle Beteiligten Dauerregen, Wind und Sturmb\u00f6en um die 75 km\/h ausgesetzt. Unbeirrt wird im Eiltempo ger\u00e4umt, gerodet und abgerissen. In den B\u00e4umen schwanken AktivistInnen im Wind, trotzdem wird in n\u00e4herer Umgebung gef\u00e4llt und mit Hebeb\u00fchnen vorgegangen. Seile werden gekappt, mit denen Tripods und Monopods gesichert sind. Gl\u00fccklicherweise ist dadurch kein Mensch schwer verungl\u00fcckt. Die R\u00e4umung soll schnellstens \u00fcber die B\u00fchne gehen, am besten noch vor der Gro\u00dfdemonstration am Samstag.<br \/>\nNicht ganz \u00fcberraschend wird einen Tag zuvor in einer Hausruine der Eingang zu einem Tunnelsystem entdeckt. Nicht schwer herauszufinden, denn Pinky und Brain haben \u00fcber Kontaktpersonen eine Videobotschaft ver\u00f6ffentlicht. Es geht ihnen gut, sie haben alles und brauchen nicht gerettet zu werden. Die Polizei und das Technische Hilfswerk (THW) sind aufgrund der Konstruktion etwas ratlos. Speziell geschulte Einheiten sollen durch Dialoge zur Aufgabe \u00fcberzeugen. Zur \u00dcberraschung aller stehen auf einmal Luisa Neubauer und Greta Thunberg unter den Baumh\u00e4usern, zeigen sich beeindruckt, sprechen Dank f\u00fcr das Durchhalteverm\u00f6gen und die Entschlossenheit aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>14.1.2023<\/strong> Gro\u00dfdemonstration. Die Polizei rechnete anfangs mit 7000 TeilnehmerInnen. Gekommen sind ca. 35.000, die Polizei spricht abends von 15.000. Die Demo startet zun\u00e4chst in Keyenberg mit kleinen und gro\u00dfen Klimasch\u00fctzerInnen. Sie endet mit einer Kundgebung in der N\u00e4he von L\u00fctzerath. Eine gr\u00f6\u00dfere Menschenmenge spaltet sich ab und l\u00e4uft Richtung Abbruchkante und L\u00fctzerath. Dabei werden sie zun\u00e4chst weitr\u00e4umig von der Polizei am Weitergehen gehindert. Es ist fraglich, ob diese polizeiliche Vorgehensweise durchweg rechtm\u00e4\u00dfig ist, da nicht alle Flurst\u00fccke hinter L\u00fctzerath im Besitz der RWE Power AG sind. Bengalos f\u00e4rben kurzweilig den tristen Himmel. Es regnet, es st\u00fcrmt, es ist kalt. Hin und wieder leuchtet Feuerwerk auf. Die Polizei redet von Steinw\u00fcrfen, es sind, wenn man sich umschaut, eher nasse Erdbrocken. L\u00fctzerath wird anl\u00e4sslich der Demonstration zus\u00e4tzlich mit Mannschaftsbussen, Sto\u00dfstange an Sto\u00dfstange geparkt, abgeschirmt, zus\u00e4tzlich mit einer Polizeikette verst\u00e4rkt. Im Hintergrund stehen mehrere Wasserwerfer bereit. Offensichtlich un\u00fcberwindbar und eine beeindruckende Machtdemonstration. Es stellt sich daher die Frage, warum Menschen hunderte Meter vor L\u00fctzerath im freien Feld von der Polizei mit Schlagst\u00f6cken und Pfefferspray bearbeitet werden. Die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MvypprBcDjQ\">Schlammschlacht<\/a> um L\u00fctzerath scheint langsam au\u00dfer Kontrolle zu geraten.<br \/>\nIn der Polizeistaffel scheuen mehrfach Pferde, eine Reiterin wird abgeworfen.<br \/>\nPolizeigruppen, die auf Kommando laut br\u00fcllend und mit gez\u00fccktem Tonfa (Mehrzweckeinsatzstock) in Menschengruppen laufen. Unweit davon stecken gleich mehrere PolizistInnen so tief im Matsch fest, dass sie ohne fremde Hilfe nicht rauskommen. Sp\u00e4ter wird die Polizei erkl\u00e4ren, die Menschen mussten zu ihrer eigenen Sicherheit von der Abbruchkante ferngehalten und daran gehindert werden, in L\u00fctzerath einzudringen. Die Polizei rechtfertigt das Vorgehen mit Aufforderungen, das Gel\u00e4nde zu verlassen, sowie der mehrfach zuvor erfolgten Androhung des unmittelbaren Zwanges. Wieviele DemonstrantInnen bei den Wetterverh\u00e4ltnissen, der Ger\u00e4uschkulisse und angesichts des weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4ndes die Ansagen \u00fcberhaupt geh\u00f6rt haben, ist fraglich. Rechtfertigt das den wahllosen Einsatz von Schlagst\u00f6cken, Faustschl\u00e4ge gegen K\u00f6pfe und Tritte auf Personen, die am Boden liegen? Diese Polizeigewalt wurde gefilmt, dokumentiert und skandalisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um es mit den Worten von Greta Thunberg zu sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eWas in L\u00fctzerath passiert, bleibt nicht in L\u00fctzerath!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht die Emissionen, nicht die Bilder. Sie gehen nun um die Welt. 2023. Mitten in der Klimakrise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Traum ist aus?! Innerhalb von wenigen Wochen verwandelt sich das AktivistInnen-Dorf L\u00fctzerath St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in eine Festung. 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