{"id":29242,"date":"2023-02-07T11:40:30","date_gmt":"2023-02-07T09:40:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=29242"},"modified":"2023-02-07T11:40:30","modified_gmt":"2023-02-07T09:40:30","slug":"hans-paasche-ein-leben-fuer-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/02\/hans-paasche-ein-leben-fuer-die-zukunft\/","title":{"rendered":"\u201eHans Paasche: Ein Leben f\u00fcr die Zukunft\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das dieser Besprechung zugrundeliegende Buch ist ein weiterer Beitrag des Bremer Verlegers, Helmut Donat, uns die Biografie des Menschen Hans Paasche n\u00e4her zu bringen. Mit dem er vor 40 Jahren seine Nachforschungen \u00fcber Personen des <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/08\/feindbild-deutscher-pazifismus\/\">Pazifismus<\/a> begann. Daraus entstand, noch im improvisierten Eigenverlag, quasi als Pioniertat das erste Buch: \u201eAuf der Flucht\u201c erschossen&#8230; Schriften und Beitr\u00e4ge von und \u00fcber Hans Paasche\u201c. Bremen\/Zeven 1981. Gut zehn Jahre sp\u00e4ter folgte in erg\u00e4nzender Erweiterung \u201eHans Paasche: \u00c4ndert Euren Sinn! Schriften eines Revolution\u00e4rs. Hrsg. von Helmut Donat und Helga Paasche mit einem Nachwort von Robert Jungk\u201c, der darin fragt, wo die Paasches der Jahrtausendwende w\u00e4ren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donat setzte sich damals ein Ziel: Wenn er es schaffe, mit seinem Paasche-Anliegen jenseits historischer Fachpublizistik in eines der \u00fcberregionalen b\u00fcrgerlichen Bl\u00e4tter zu kommen, habe er gewonnen. Er gewann. \u201eDIE ZEIT\u201c war alsbald die erste, die an die ausgelegte Angel anbiss und mit einem gro\u00dfen Paasche-Artikel von Donat reagierte. Ihr folgten noch viele andere. Die Liste von Vortr\u00e4gen, die Donat in ganz Deutschland zu Paasche und anderen relevanten Friedens-Themen hielt sowie der Aufs\u00e4tze, die er dazu verfasste, ist lang. Der Verlag ist vor allem mit seiner Reihe Geschichte &amp; Frieden, die im Zentrum steht, zu einer wichtigen Adresse f\u00fcr pazifistische Literatur geworden. ((1))<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das neue Werk ist als Quintessenz auch eine eindrucksvolle Illustration zu Donats umfangreicher Forschungs- und Dokumentationsarbeit \u00fcber den zum Pazifisten und Lebensreformer gewandelten, einstigen Kapit\u00e4nleutnant der Kaiserlichen Marine und Milit\u00e4roffizier in Deutsch-Ostafrika.<br \/>\nPaasche drang in kolonialen Milit\u00e4rdiensten zu seinem sp\u00e4teren \u201eComing out\u201c als Kriegsgegner durch. Paasche wurde zum teilnehmenden Feldforscher in eigener Sache. Immer weniger war ihm noch an seiner Aufgabe als Kolonialoffizier gelegen. Er wandelte sich ungew\u00f6hnlich zum Liebhaber und Bewunderer Afrikas, seiner Menschen, einmaligen Tierwelt und elementaren Landschaften. Literarische Zeugnisse, ja Bekenntnisse wie \u201eDas verlorene Afrika\u201c (1919) oder die Sammlung \u201eIm Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reiserlebnisse in Ostafrika. Mit 97 photographischen Aufnahmen des Verfassers\u201c (1907) zeugen davon. Patrick Hemingway, zweiter Sohn des jagdbesessenen amerikanischen Schriftstellers, entlieh sich bei Paasche sogar f\u00fcr sein posthum herausgegebenes Werk seines Vaters dreister Weise noch den Titel: \u201eTrue at First Light\u201c \u2013 \u201eDie Wahrheit im Morgenlicht. Eine afrikanische Safari\u201c (1999) \u00fcber die letzte Safari-Jagd in Kenia 1953 seines da schon kr\u00e4ftehinf\u00e4lligen Vaters. Der Hemingway-Sohn, selbst Gro\u00dfwildj\u00e4ger, kannte sich nach eigenem Bekunden gut aus mit der Geschichte und Literatur der britischen und deutschen kolonialen Minderheiten in Ostafrika, seine Titelwahl ist also kaum zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem anderen Herangehen dreht Paasche den Spie\u00df um: In seinem wohl bis heute bekanntesten Werk, dem \u201eLukanga Mukara\u201c, l\u00e4sst er fiktiv einen Afrikaner das Land der \u201eWasungu\u201c, der zivilisierten Deutschen, bereisen und davon seinem gro\u00dfen H\u00e4uptling Mukama im schwarzen Erdteil blumig, vor allem jedoch ironisch bis satirisch in Briefen berichten. Heraus kam ein kritisches Unsittengem\u00e4lde der vermeintlich hoch entwickelten wei\u00dfen \u201eRasse\u201c um die Jahrhundertwende. Das allein verhei\u00dft schon vergn\u00fcglichen Lesespa\u00df eines B\u00fcchleins, das sich bestens zum Verschenken und Vorlesen in illustrer Runde eignet.<br \/>\nIn seiner kritischen Draufsicht aufs typisch Zivilisatorische, bediente sich Paasche eines verbreiteten literarischen Stilmittels der exotisch-utopischen Roman-Parabel wie etwa \u201eGullivers Reisen\u201c, \u201eRobinson Crusoe, \u201eDie Schiffbr\u00fcchigen der Jonathan\u201c (Jules Verne), oder den \u201ePerserbriefen\u201c (\u201eLettres persannes\u201c) von Charles de Montesquieu. Sie sollten den angeblich \u201e\u00dcberlegenen\u201c den Spiegel ihrer Unzul\u00e4nglichkeiten und moralischen Anma\u00dfungen vorhalten. Lukanga Mukara (alias Paasche) macht sich lustig \u00fcber das \u201eRauchstinken mit Rauchrollen\u201c, dar\u00fcber, weshalb die Wasungu best\u00e4ndig hin und her laufen und fahren, was sie in st\u00e4ndige Zeitnot bringt, das Bezahlen mit schwerem Metall und buntem, beschriebenem Papier, die Unsitte des zugekn\u00f6pften Bekleidens, was und wie die Wasungu essen, die Narrheit, die die Wasungu \u201eVolkswirtschaft\u201c nennen und wie die Deutschen ihren K\u00f6nig (sprich Kaiser) feiern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem \u201eLukanga Mukara\u201c im Verh\u00e4ltnis zu einem anderen exotischen Buch jener Zeit, \u201eDer Papalagi\u201c, des Autors Erich Scheurmann. Eine Schl\u00fcsselrolle spielte dabei die Zeitschrift \u201eDer Vortrupp\u201c, Halbmonatsschrift f\u00fcr das Deutschtum heute. Scheurmann, der die S\u00fcdsee bereiste, suchte u. a. in Deutsch-Samoa nach verwertbaren Motiven und Stoffen f\u00fcr sein Schreiben. Er war nach Paasches R\u00fccktritt von der Vortrupp-Herausgeberschaft Mitarbeiter der Zeitung geworden. Als solcher hatte er Zugriff auf die im \u201eVortrupp\u201c erstmals publizierten Lukanga-Briefe, die er sich zum Muster w\u00e4hlte. Zum Teil hat Scheurmann den \u201eLukanga\u201c bis in die Wortwahl kopiert. Das Afrikaner-Buch war in den 1920er Jahren das nach dem Liederbuch des \u201eZupfgeigenhansel\u201c zweitbeliebteste Buch der damaligen Jugendbewegung. Der \u201ePapalagi\u201c rangierte weit dahinter. Dass Scheurmann nach 1933 Oden auf Hitler verfasste, also einen ganz anderen Weg als Paasche eingeschlagen hat, wollte der Papalagi-Verlag stets unter der Decke halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201ePapalagi\u201c hat die Sozial- und Kapitalismuskritik des \u201eLukanga\u201c verw\u00e4ssert, unkenntlich gemacht und stattdessen vor allem den Aussteiger-Mythos bedient, was ihn besonders handlich erscheinen lie\u00df f\u00fcr die 68er-Gegenkultur und ihre alternativen Epigonen. Es kam an, dass mit der \u201eFlucht ins rein Exotische\u201c niemandem wehgetan wurde. Darauf fuhren die Leute ab. Der \u201ePapalagi\u201c, man darf mutma\u00dfen, wie viel \u201eBlut-und-Boden\u201c-Ideologie in ihm steckt, errang die Auflagenoberhand und gr\u00f6\u00dfere Bekanntheit, weil es niemanden gab, der den \u201eLukanga\u201c noch verlegte. Das \u00e4nderte sich mit den Raubdrucken seit den sechziger Jahren, doch blieb der \u201eLukanga\u201c das unbekanntere Buch. Donat erwarb 1985 die Rechte von der Tochter, Helga Paasche, was die Raubdrucker auch versucht haben, ihnen aber nicht gelang. Der \u201eLukanga Mukara\u201c ist das stil- und gehaltvollere Buch, das zudem die interessanteren Original-Illustrationen bietet. Der Donat-Verlag hat wiederholt eigene Auflagen gestaltet bis hin zur derzeit vorliegenden in gebundener bibliophiler und farbig illustrierter Aufmachung. Ein Kleinod und die vielleicht sch\u00f6nste Erinnerung, die wir an Paasche haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das neue Paasche-Reminiszens-Buch besticht durch seine zahlreichen Illustrationen, Faksimiles und Farbfotos. Donat fungiert als Herausgeber und wie stets akribischer Gestalter und stellt sich im abgedruckten Interview der Frage nach der Aktualit\u00e4t Paasches (S. 95-105). Kapit\u00e4n zur See a. D., P. Werner Lange, er\u00f6ffnet den Reigen der Beitr\u00e4ge mit einer biografischen Skizze und historischen Einordnung des 1920 durch politischen Mord j\u00e4h beendeten, kurzen Lebens Hans (S. 9-23). Heinz Kraschutzskis Beitrag \u201eMeine Wandlung: Fort vom Militarismus!\u201c schlie\u00dft sich daran an (S. 41-49). Er basiert auf dem unver\u00f6ffentlichten Manuskript der Lebenserinnerungen des Kapit\u00e4nleutnant-Kollegen Kraschutzki an Hans Paasche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Buch-Beitr\u00e4ge stammen u. a. von J\u00fcrgen Reulecke: \u201eHelga Paasche \u2013 Auf den Spuren ihres Vaters\u201c; Geert Platner: \u201eWider die M\u00e4chtigen und ihre Arroganz \u2013 Zum bleibenden Verm\u00e4chtnis Hans Paasches\u201c; Wolfgang Schlott: \u201eZur Bedeutung Lukanga Mukaras heute\u201c. Das Buch enth\u00e4lt eine ausf\u00fchrliche Zeittafel (S. 175-182), die Orientierung \u00fcber Stationen und Ereignisse im abenteuerlichen Leben des 1881 in Rostock geborenen Paasche gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Fotos zeigen Paasche als \u00e4u\u00dferlich schneidigen, feschen jugendlichen Milit\u00e4r mit sanftem, beinahe jungenhaftem Gesichtsausdruck. Das war kein \u201eNeger\u201c-Schl\u00e4chter oder Kolonial-Rabauke. Davon einige Fotos mit seiner Ende 1918 an der Spanischen Grippe verstorbenen Frau, Ellen Witting. Vier Kinder hatte das Paar, wovon die Tochter Helga (+2011) und der Sohn Ivan ein hohes Alter erreichten und Donat wichtige Informationen zur Familiengeschichte gaben. Helga Paasche wusste zun\u00e4chst nichts von der politischen Seite ihres Vaters. Donat stellte ihr darum das von ihm \u00fcber Paasche gesammelte Material zur Verf\u00fcgung. Danach begann sie selbst den Spuren ihres Vaters nachzugehen und entdeckte z. B. die Untersuchungsakten in der DDR zum \u201eFall\u201c Paasche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kinder wurden auch Zeug-:innen jenes dunklen Tages im Mai 1920. Als ein Kommando von 40 Soldaten, 10 Unteroffizieren und zwei Offizieren auf dem Paasche-Gut Waldfrieden in der Neumark (heute Polen) auftauchte, um Haus und Gel\u00e4nde nach angeblich versteckten Waffen zu durchsuchen, die nie gefunden wurden. Es ging darum, alte Rechnungen der extremen politischen Rechten mit Paasche, der diese in seiner Kritik stets scharf anging, zu begleichen. Vor den Augen der Kinder (au\u00dfer Ivan) erschossen sie ihren Vater. Der vorgeschickte Dorfpolizist holte Paasche vom nahegelegenen See ab, wo er am Baden war. Als er in Sichtweite des Soldatentrupps kam, schwante ihm nichts Gutes. Er versuchte zur\u00fcck in den Wald zu laufen, dabei streckten ihn zwei Kugeln von hinten nieder. Ein Haftbefehl existierte nicht und die Hausdurchsuchung h\u00e4tte man auch ohne ihn durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Es war ein geplanter Mord. Die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen erheblichen Teil des Buches nehmen die beiden Abschnitte \u201eHans Paasche in Selbstzeugnissen\u201c (S. 107-149) und \u201eAus Nachrufen und W\u00fcrdigungen\u201c (S. 151-174) ein. Dort versammelt sind u. a. Aussagen von Friedrich Wilhelm Foerster, Franz Pfemfert, <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/12\/ein-gewaltfreier-anarchist\/\">Carl von Ossietzky<\/a>, und Kurt Tucholsky. Letzterer widmete dem Freund den Nachruf \u201ePaasche\u201c in Gedichtform in der Ausgabe vom 3. Juni 1920 der Zeitschrift \u201eDie Weltb\u00fchne\u201c. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWieder einer. \/ Das ist nun im Reich \/ Gewohnheit schon. \/ Es gilt ihnen gleich. \/ So geht das alle, alle Tage. \/ Hierzuland l\u00f6st die soziale Frage \/ ein Leutnant, zehn Mann \/ Pazifist ist der Hund? \/ Schie\u00dft ihm nicht erst die Knochen wund! \/ Die Kugel ins Herz! \/ Und die Dienststellen logen: \/ Er hat sich seiner Verhaftung entzogen. \/ Leitartikel, Dementi, Geschrei. \/ Und in vierzehn Tagen ist alles vorbei.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt Anekdoten \u00fcber Paasche, die einen humorvollen Menschen erkennen lassen. So soll sich der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/12\/anarchismus-vegetarismus-und-veganismus\/\">Vegetarier<\/a> und Abstinenzler Paasche an Tische in Berliner Speiserestaurants begeben und freundlich bestimmt gefragt haben, wie den gerade Fleisch speisenden Herrschaften denn die fleischernen \u201eNachtt\u00f6pfe\u201c (= Nieren) schmecken w\u00fcrden? Oder eine andere Kolportage aus seiner Dienstzeit im Krieg als Leuchtturmw\u00e4rter auf Roter Sand in der Weserm\u00fcndung: demnach soll Paasche mit japanischem Kimono bekleidet, im Aussichtsrundgang gewandelt sein und den Schiffen Zeichen zum Passieren gegeben haben; auf seinem Gut Waldfrieden hat Paasche nach seiner Entlassung 1916 aus dem Milit\u00e4rdienst wegen Insubordination (er weigerte sich, als Marinerichter an der Verurteilung eines Matrosen mitzuwirken) lie\u00df er f\u00fcr die franz\u00f6sischen Zwangsarbeiter am Unabh\u00e4ngigkeitstag des 14. Juli die Trikolore hissen und von einem Grammophon die Marseillaise erklingen. Auch als ziviler Akt war das Landeshochverrat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der bis zum psychiatrischen Negativgutachten geschm\u00e4hte Offizier Paasche, hatte nach dem Krieg die Schrift \u201eMeine Mitschuld am Weltkriege\u201c (1919) verfasst. Er wollte, von Matrosen in den Arbeiter- und Soldatenrat gew\u00e4hlt, in Berlin die Verantwortlichen f\u00fcr das sinnlose Schlachten in h\u00f6chsten Milit\u00e4rkreisen verhaften, einsperren und vor ein Gericht stellen. Doch die SPD-Volksbeauftragten, darunter Friedrich Ebert, verweigerten die Unterschrift und so war Paasches Vorhaben von einer von Militarismus und Nationalismus befreiten deutschen Politik gescheitert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Buch\u00fcberschrift spricht von einem \u201eLeben f\u00fcr die Zukunft\u201c. Gemeint ist auch neben Paasches entschiedenem Protest gegen den Krieg sein Eintreten f\u00fcr die Belange von Natur und Kreatur. Man kann ihn durchaus als einen Vordenker der <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/02\/ein-etappensieg-der-oekologiebewegung\/\">\u00d6kologiebewegung<\/a> bezeichnen. Er schrieb gegen die \u00fcppige Federmode auf Damenh\u00fcten an und erwog damals schon jagdfreie Schutzrefugien f\u00fcr wilde Tiere in Afrikas Savannen und Trockensteppen, lange bevor es einen deutschen Serengeti-Lobbyisten wie den Frankfurter Zoodirektor Grzimek gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paasche war fr\u00fch mit der freideutschen Jugendbewegung und dem Wandervogel verbunden, ja einer ihrer Wortf\u00fchrer. Im Oktober des Jahres 1913 wurde der erste Freideutsche Jugendtag auf dem 750-Meter-H\u00f6henzug des Hohen Mei\u00dfner \u00f6stlich von Kassel mit tausenden Teilnehmenden abgehalten, die die Mei\u00dfnerh\u00e4nge mit Zeltlagern, Lagerfeiern und -feuern, Ringt\u00e4nzen und vielen Reden und Ansprachen ringsum bev\u00f6lkerten. Auch Hans Paasche war zugegen. Eine deutsche Jugend schwor sich am Vorabend eines heraufziehenden Krieges mit der \u201eMei\u00dfner-Formel\u201c auf Frieden gegen Krieg ein. Paasche warnte vehement, sich nicht wieder in altes Fahrwasser ziehen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So war die Buch\u00fcberschrift auch schon der Titel einer Veranstaltung 1985 in Bremen mit der Paasche-Tochter Helga unter Mitwirkung von Helmut Donat und Johann G. K\u00f6nig, deren Mittr\u00e4ger der BUND war. Eine Br\u00fccke zu heute schlug in Erinnerung an 1913 achtzig Jahre sp\u00e4ter das AufTakt-Jugendumweltfestival in Magdeburg unter der Schirmherrschaft des schon schwerkranken Robert Jungk. Die Zeitschrift Graswurzelrevolution (damals Heidelberger Redaktion) \u00fcbernahm die Erstellung der t\u00e4glichen Festival-Zeitschrift \u201eTaktlos\u201c, in deren ersten Ausgabe der Verfasser \u00fcber die Wurzeln und Anf\u00e4nge der Jugendbewegung in Deutschland noch vor dem Ersten Weltkrieg berichtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Burg Ludwigstein hoch \u00fcber dem nordhessischen Werratal, nahe dem Mei\u00dfner, wo sich das Archiv der Deutschen Jugendbewegung und das Paasche-Archiv befinden, erinnerte lange eine 1921 gepflanzte Linde an Paasche, die Paasche-Linde. Nachdem sie 2002 einem Sturm zum Opfer fiel, wurde f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter von polnischen und deutschen Jugendlichen im Beisein von Paasche-Nachfahren ein neuer Lindensetzling vom Gel\u00e4nde des polnischen Waldfrieden eingepflanzt. Das Buch berichtet fotodokumentarisch dar\u00fcber. Insgesamt ist zu sagen, ein neuer gelungener Wurf aus der unerm\u00fcdlichen politischen Geschichtswerkstatt des Helmut Donat, dem daf\u00fcr zu danken ist!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das dieser Besprechung zugrundeliegende Buch ist ein weiterer Beitrag des Bremer Verlegers, Helmut Donat, uns die Biografie des Menschen Hans Paasche n\u00e4her zu bringen. Mit dem er vor 40 Jahren seine Nachforschungen \u00fcber Personen des Pazifismus begann. Daraus entstand, noch im improvisierten Eigenverlag, quasi als Pioniertat das erste Buch: \u201eAuf der Flucht\u201c erschossen&#8230; Schriften und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/02\/hans-paasche-ein-leben-fuer-die-zukunft\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\u201eHans Paasche: Ein Leben f\u00fcr die Zukunft\u201c - graswurzelrevolution","description":"Das dieser Besprechung zugrundeliegende Buch ist ein weiterer Beitrag des Bremer Verlegers, Helmut Donat, uns die Biografie des Menschen Hans Paasche n\u00e4her zu b"},"footnotes":""},"categories":[1835,1032],"tags":[1843],"class_list":["post-29242","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-476-februar-2023","category-spurensicherung","tag-hans-paasche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29242"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29242\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}