{"id":2935,"date":"1999-11-01T00:00:02","date_gmt":"1999-10-31T22:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=2935"},"modified":"2022-07-26T12:59:13","modified_gmt":"2022-07-26T10:59:13","slug":"die-schlampagne-widerstandig-liebende-lesben-kommen-raus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/11\/die-schlampagne-widerstandig-liebende-lesben-kommen-raus\/","title":{"rendered":"Die Schlampagne &#8211; Widerst\u00e4ndig l(i)ebende Lesben kommen raus!"},"content":{"rendered":"<p>Einladung war an alle Lesben ergangen, die &#8222;von der Debatte um die Homoehe angenervt sind, die mit ihrer eigenen, anderen Lebensweise sichtbar werden wollen und Lust haben, ein deutliches politisches Gegengewicht zu setzen&#8220;. Die Frage ist: wie sehen sie eigentlich genau aus, diese &#8222;anderen&#8220; Lebensweisen, die bei der Ausdehnung einiger Eheprivilegien auf die begrenzte Gruppe heiratswilliger und -f\u00e4higer Schwuler und Lesben leer ausgehen werden? Was sind das f\u00fcr Menschen, die &#8211; aus Not, aus guten Gr\u00fcnden oder aus bewu\u00dftem politischen Widerstand &#8211; in sozialen Beziehungsnetzen jenseits von Ehe und Zweierkiste leben und lieben?<\/p>\n<p>Beim Versuch, diese Lebensweisen zu benennen, tut sich ein Abgrund an Sprachlosigkeit, Totschweigen, Verfemung und Tabuisierung auf. Ohne Sprache keine Sichtbarkeit, keine \u00d6ffentlichkeit, keine Einflu\u00dfm\u00f6glichkeit. So wurde die Namens- und Sprachfindung zum ersten und vordringlichsten Arbeitsschwerpunkt des Treffens. Unter Anspielung auf die gesellschaftliche \u00c4chtung selbstbestimmter Lebensweisen von Frauen und auf das Widerstandspotential von Beziehungsformen, die der herrschenden Ordnung entgegengesetzt sind, entschieden sich die Teilnehmerinnen des Treffens f\u00fcr die <cite>Schlampe<\/cite>als passendste Bezeichnung. \u00c4hnlich wie die Lesbenbewegung in ihren Anf\u00e4ngen ein Schimpfwort \u00fcbernahm und es f\u00fcr sich selbst neu und positiv besetzte, soll mit der Selbstbezeichnung Schlampe die Abwertung vielf\u00e4ltiger Beziehungsnetze karikiert und letztlich aufgel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Die <cite>Schlampagne<\/cite>als &#8222;Schlamping-Out&#8220;-Kampagne f\u00fcr Lesben ruht auf drei Beinen: der Selbsthilfe (Vernetzung und Kontakt untereinander, Treffen, Erfahrungsaustausch, Unterst\u00fctzung, Identit\u00e4tsfindung); der \u00d6ffentlichkeitsarbeit nach au\u00dfen, und zwar sowohl in Lesbenzusammenh\u00e4ngen als auch in der gesamten Gesellschaft; und der politischen Einflu\u00dfnahme in Gestalt von Lobbyarbeit und Vernetzung mit solidarischen Organisationen.<\/p>\n<p>Um eine solide Basis f\u00fcr weitergehende Aktionen aufzubauen, wird sich die <cite>Schlampagne<\/cite>zun\u00e4chst auf die \u00d6ffentlichkeitsarbeit in der Lesbenszene und auf die Vernetzung vereinzelter Schlampen konzentrieren, ohne da\u00df deswegen eine l\u00e4ngerfristige Ausweitung auf &#8222;undefinierte&#8220; Singles, Heteras, bi-, trans-, inter- oder a-sexuelle Frauen und ihre Zusammenh\u00e4nge ausgeschlossen w\u00e4re. In (monogamen) Zweierbeziehungen lebende Lesben, die aus politischen Gr\u00fcnden gegen die Eingetragene PartnerInnenschaft und f\u00fcr eine Abschaffung der Eheprivilegien sind, geh\u00f6ren ebenfalls zu den potentiellen Verb\u00fcndeten der Schlampagne. Auch gibt es eine lange Tradition von \u00e4hnlichen Vorstellungen zu widerst\u00e4ndigen Lebensweisen in der linken Kommunenszene, bei HausbesetzerInnen, Bauwagenleuten und anderen gemischten Zusammenh\u00e4ngen, die als B\u00fcndnispartnerInnen mit \u00e4hnlichem gesellschaftspolitischem Interesse ebenfalls willkommen sind. Gleiches gilt f\u00fcr die emanzipatorischen Forderungen bestimmter Schwulengruppen (z.B. whk Berlin oder Rosa L\u00fcste Wiesbaden).<\/p>\n<p>Als unterst\u00fctzende B\u00fcndnispartnerInnen beteiligen sich bereits jetzt der <strong>Lesbenring<\/strong> e.V. (der bundesweite Zusammenschlu\u00df feministischer Lesben), <strong>Furien und Companjeras<\/strong> e.V. (Verein von Lesben, die mit Kindern leben) und die FrauenLesbenredaktion der anarchistischen Zeitung <strong>Graswurzelrevolution<\/strong>(GWR) an der Schlampagne. An einer Zusammenarbeit interessierte Organisationen werden gebeten, sich mit einer der Ansprechschlampen in Verbindung zu setzten. Es ist angestrebt, eine m\u00f6glichst breite Vernetzung aller Gruppen aufzubauen, die sich aus emanzipatorischen Gr\u00fcnden f\u00fcr eine Abschaffung der Eheprivilegien einsetzen, um im Falle einer Gesetzesvorlage zur Homoehe reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Schlampentreffen f\u00fcr Lesben findet am Wochenende 5.\/6. Februar 2000 im Frauencaf\u00e9 Heidelberg, Blumenstr. 43 statt und wird von der dortigen Regionalgruppe des Lesbenrings organisiert und finanziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einladung war an alle Lesben ergangen, die &#8222;von der Debatte um die Homoehe angenervt sind, die mit ihrer eigenen, anderen Lebensweise sichtbar werden wollen und Lust haben, ein deutliches politisches Gegengewicht zu setzen&#8220;. 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