{"id":29602,"date":"2023-03-30T10:13:02","date_gmt":"2023-03-30T08:13:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=29602"},"modified":"2023-04-07T12:20:52","modified_gmt":"2023-04-07T10:20:52","slug":"gemeinschaftliches-wohnen-liegt-im-trend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/03\/gemeinschaftliches-wohnen-liegt-im-trend\/","title":{"rendered":"Gemeinschaftliches Wohnen liegt im Trend"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Immer mehr Leute m\u00f6chten nicht kleinfamili\u00e4r oder als Single leben, sondern suchen nach mehr oder weniger gemeinschaftlichen Wohnformen. Viele Wohngemeinschaften werden mit der Versch\u00e4rfung des Wohnungsmarktes als eher pragmatische Zweckgemeinschaften gegr\u00fcndet, aber es scheint auch einen Aufwind an intentionalen Gemeinschaften zu geben \u2013 Gruppen, die gemeinsame Werte teilen und mit ihrem Zusammenleben realisieren m\u00f6chten, und die in Netzwerken miteinander verbunden sind \u2013 beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/03\/seid-im-mai-dabei\/\">Kommuja<\/a> (politische Kommunen) und GEN Deutschland (Global Ecovillage Network).<br \/>\nDen steigenden Bedarf versuchen Dienstleister*innen wie Projektentwickler, Architektinnen und Gemeinschaftsberater*innen zu decken. \u201eRaus aus der Nische \u2013 rein in den Markt!\u201c ist der Titel einer Brosch\u00fcre der Stiftung trias, Untertitel: \u201eEin Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Produkt \u201agemeinschaftliches Wohnen\u2018. Mit einem Matching, wie es auch Partnerschaftsb\u00f6rsen einsetzen, m\u00f6chte das Startup bring-together Projekte und Suchende zusammenbringen. Auf der j\u00e4hrlich stattfindenden internationalen Immobilienmesse MIPIM im franz\u00f6sischen Cannes wird erstmals Mitte M\u00e4rz 2023 ein \u201eCo-Liv Summit\u201c angeboten \u2013 es gibt nichts, das die kapitalistische Marktwirtschaft sich nicht einverleiben und zur Ware machen w\u00fcrde. In den folgenden Buchbesprechungen geht es um selbstorganisierte Wohnprojekte.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Auf der Suche nach Gemeinschaft<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lennart Herberhold fragt sich, wie lange er sich seine Wohnung in Hamburg noch leisten kann, streift den Gedanken an Alterseinsamkeit, und macht sich auf die Suche nach Alternativen. In \u201eZusammen! Wie Deutschland neues Wohnen ausprobiert\u201c stellt er f\u00fcnf Projekte vor, die unterschiedliche Antworten geben auf Fragen wie: \u201eWas ist Solidarit\u00e4t, und wie weit muss sie reichen? Wie viel Platz brauche ich wirklich? Was will ich mit anderen teilen?\u201c (S. 12). Wer sich von dem befremdlichen Untertitel nicht abschrecken l\u00e4sst, bekommt erhellende Einblicke in vielf\u00e4ltige Formen gemeinschaftlichen Wohnens.<br \/>\nDas Dorf Hitzacker im <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2020\/06\/40-jahre-republik-freies-wendland-2\/\">Wendland<\/a> war f\u00fcr 300 Bewohner*innen geplant: \u201eEin Drittel alte Menschen, ein Drittel junge Familien, ein Drittel Gefl\u00fcchtete\u201c (S. 24). Nach einem jahrelangen Planungs- und Entwicklungsprozess leben heute 80 Menschen in der genossenschaftlichen Neubausiedlung, aber nur wenige Gefl\u00fcchtete. Das Hausprojekt Viertel 8 in Mannheim konnte von den Bewohner*innen selbst erworben werden, um zu verhindern, dass es von einer Investorin an eine andere weiterverkauft wird. Die Stiftung trias erwarb das Grundst\u00fcck und gab das Geb\u00e4ude im Erbbaurecht an eine GmbH, deren Gesellschafterin ein Verein der Bewohner*innen ist. Eine Kombination aus GmbH und Verein hat sich auch das ebenfalls in Mannheim befindliche Projekt umBAU\u00b2 gegeben, und sich dem Verbund des <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/03\/sechzehn-personen-aus-neun-haushalten\/\">Mietsh\u00e4user Syndikat<\/a> angeschlossen, das zweite Gesellschafterin der GmbH ist, als Absicherung gegen einen Weiterverkauf des Hauses. San Riemo in M\u00fcnchen ist das erste Neubauprojekt der Genossenschaft KooGro (Kooperative Gro\u00dfstadt). Als \u201eatmendes Haus\u201c (S. 94) ist das Architekt*innenprojekt durch eine Flexibilit\u00e4t der Grundrisse gekennzeichnet, um sich ver\u00e4ndernde Wohnbed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Seit 25 Jahren leben in der Hamburger Wohngemeinschaft Brot und Rosen einheimische Christ*innen und Gefl\u00fcchtete zusammen. Der kleinen Kerngemeinschaft, die ihr Einkommen teilt, haben sich jedoch keine Gefl\u00fcchteten angeschlossen.<br \/>\nNeben diesen f\u00fcnf Projekten gibt es einen R\u00fcckblick auf gemeinschaftliches Wohnen in den letzten Jahrhunderten und in der Berliner Kommune 2 im Jahr 1967. Auch wenn dies andere Wohnen keine L\u00f6sung f\u00fcr alle ist, kann es doch einen Beitrag zur Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum leisten, \u201ein einem engen Zusammenspiel zwischen den Initiativen, den st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden und Agenturen, die neue Projekte im Auftrag der Kommune beraten und begleiten.\u201c (S.\u00a0153). Erg\u00e4nzt wird das empfehlenswerte Buch durch eine \u00fcbersichtliche Literatur-, Film- und Linkauswahl.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Sozial-\u00f6kologisches, genossenschaftliches Wohnen<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zweisprachige Buch \u201eSocial-Ecological Cooperative Housing. Gemeinschaftliches, transformatives Bauen und Wohnen\u201c, herausgegeben vom id22: Institute for Creative Sustainability, ist nur digital zu haben. An Beispielen von Wohnprojekten \u2013 \u00fcberwiegend in Berlin, erg\u00e4nzt durch modellhafte Vorhaben in Wien, Basel, Z\u00fcrich und Hannover \u2013 soll gezeigt werden, wie es mit nachhaltigeren Wohnformen gelingen kann, \u201enicht nur die Effizienz zu steigern, sondern auch daf\u00fcr zu sorgen, dass Suffizienz in der Art und Weise, wie wir miteinander teilen, leben und arbeiten, eine zentrale Rolle spielt.\u201c (S. 8).<br \/>\nIn einleitenden Beitr\u00e4gen wird dies vertieft, sowie Fragen zu Genossenschaften, Gemeinschaft und Eigentum am Boden behandelt. Acht inhaltliche Beitr\u00e4ge beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven die Potenziale von Genossenschaften und welche Unterst\u00fctzung diese f\u00fcr ihre volle Entfaltung br\u00e4uchten.<br \/>\nAbschlie\u00dfend wird auf die Dringlichkeit der behandelten Themen angesichts sich versch\u00e4rfender Umweltkatastrophen hingewiesen und aus den vielf\u00e4ltigen praktischen Erfahrungen abgeleitete Forderungen formuliert, beispielsweise: Solarbau- und Gr\u00fcndachpflicht, F\u00f6rderung gemeinschaftlichen Wohnens durch landeseigene Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften, Wiederverwendung von Baumaterialien, Vergabe \u00f6ffentlicher Grundst\u00fccke nach niederschwelligen Konzeptverfahren, F\u00f6rdermittel zum Erwerb von Genossenschaftsanteilen durch Grundsicherungsempf\u00e4nger*innen, kommunales Vorkaufsrecht f\u00fcr gemeinn\u00fctzigen Wohnungsbau etc. (S. 137ff).<br \/>\nMit vielen Links zu weiterf\u00fchrenden Beitr\u00e4gen und Organisationen bietet das Buch einen guten Einstieg in das weite Feld der Diskussion und Praxis von Nachhaltigkeit im Wohnbereich. Ich habe das Buch als ePDF erhalten und am Laptop gelesen. Um die internen und externen Links optimal nutzen zu k\u00f6nnen, empfiehlt es sich, die ePDF im Browser zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Gemeinschaftliche Wohnprojekte professionell entwickeln<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pers\u00f6nliche Erfahrungen als Wohnprojektmitgr\u00fcnder und Berater sind die Grundlage des \u201ePraxishandbuch Leben in Gemeinschaft. partizipativ planen, bauen und wohnen\u201c von Heinz Feldmann. Der Autor lebt im Wohnprojekt Wien, das Barbara Nothegger im von ihm empfohlenen Buch \u201eSieben Stock Dorf\u201c beschrieben hat. In einer Rezension in der Berliner Umweltzeitung Rabe Ralf vom Juni\/Juli 2018 hatte ich dazu geschrieben: Das Buch zeigt anschaulich, wie es einer gro\u00dfen Baugruppe von Mittelschichtsangeh\u00f6rigen gelingt, ihren Traum vom guten Wohnen in einem \u00fcberschaubaren Zeitraum zu verwirklichen, und wie auch das Miteinander gelingen kann.\u201c<br \/>\nDetailliert und praxisnah f\u00fchrt Feldmann durch die Phasen der Projektentwicklung, von der Entwicklung einer Vision \u00fcber die Gruppenfindung und Gemeinschaftsbildung bis zur praktischen Organisation, Wahl einer geeigneten Rechtsform und Aufstellung von Finanzpl\u00e4nen. Er behandelt auch die Frage Neubau oder Umbau, und was im Zusammenleben beachtet werden sollte. Er bezeichnet dies als \u201eeine Art \u201aKochbuch\u2018\u201c (S\u00a016), in dem er recht direktiv darlegt, was warum wie getan werden sollte.<br \/>\nVor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen empfiehlt und bespricht der Autor Methoden wie Dragon Dreaming, Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck, Soziokratie und Systemisches Konsensieren, <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/09\/gewaltfreie-kommunikation-gfk-nach-marshall-b-rosenberg\/\">Gewaltfreie Kommunikation<\/a> und den Gemeinschaftskompass von Eva St\u00fctzle.<br \/>\nFeldmann war Konzernmanager, bevor er nach einer Weltreise sein Leben grundlegend \u00e4nderte. Dem Buch ist die Begeisterung f\u00fcr seine neuen Lebensziele anzumerken, allerdings habe ich an einigen Stellen auch ein Unbehagen gesp\u00fcrt angesichts einer gewissen Enge von professionellen Effizienzvorstellungen. Ungebrochen nennt er die Vor- und Nachteile bestimmter Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, die meines Erachtens eher wertfreie Besonderheiten und keineswegs objektiv sind. So m\u00f6gen es beispielsweise einige mit dem Autor als Nachteil ansehen, dass beim Mietsh\u00e4user Syndikat dauerhaft Miete gezahlt werden muss, auch wenn das Haus abbezahlt ist (S. 240), f\u00fcr andere ist gerade dies als Ausdruck von Wohngenerationen \u00fcbergreifender Solidarit\u00e4t ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht und insofern ein Vorteil gegen\u00fcber anderen Formen.<br \/>\nDurch seine hybride Form ist das Buch ein umfangreiches Kompendium, das auf beeindruckende Weise die M\u00f6glichkeiten der Kombination von Print und Online nutzt. Zu den Projektentwicklungsthemen enth\u00e4lt es Interviews mit Fachleuten, die online in einer Langfassung zu finden sind. Mit QR-Codes und praktisch nummerierten Links k\u00f6nnen Arbeitshilfen und weiterf\u00fchrende Medien abgerufen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Leute m\u00f6chten nicht kleinfamili\u00e4r oder als Single leben, sondern suchen nach mehr oder weniger gemeinschaftlichen Wohnformen. Viele Wohngemeinschaften werden mit der Versch\u00e4rfung des Wohnungsmarktes als eher pragmatische Zweckgemeinschaften gegr\u00fcndet, aber es scheint auch einen Aufwind an intentionalen Gemeinschaften zu geben \u2013 Gruppen, die gemeinsame Werte teilen und mit ihrem Zusammenleben realisieren m\u00f6chten, und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/03\/gemeinschaftliches-wohnen-liegt-im-trend\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Gemeinschaftliches Wohnen liegt im Trend - graswurzelrevolution","description":"Immer mehr Leute m\u00f6chten nicht kleinfamili\u00e4r oder als Single leben, sondern suchen nach mehr oder weniger gemeinschaftlichen Wohnformen. Viele Wohngemeinschafte"},"footnotes":""},"categories":[1877,1058,1045],"tags":[1257],"class_list":["post-29602","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-478-april-2023","category-libertaere-buchseiten","category-von-huetten-und-palaesten","tag-wohnen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29602"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29602\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}