{"id":29798,"date":"2023-05-04T17:42:23","date_gmt":"2023-05-04T15:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/05\/ein-tag-der-freude\/"},"modified":"2023-05-05T22:53:19","modified_gmt":"2023-05-05T20:53:19","slug":"ein-tag-der-freude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/05\/ein-tag-der-freude\/","title":{"rendered":"Ein Tag der Freude"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Leser:innen,<br \/>\nzwischen 1957 und 2004 wurden in Deutschland 110 \u201ekerntechnische Anlagen\u201c, also Atomkraftwerke und \u201eForschungsreaktoren\u201c, in Betrieb genommen. Eigentlich wollte die Atomindustrie noch viel mehr AKWs bauen. Das konnte sie angesichts des Widerstands der Anti-AKW-Bewegung nicht durchsetzen.<br \/>\nAm 15. April 2023 sind Isar 2, Emsland und Neckarwestheim als letzte AKWs der BRD vom Netz gegangen. Ein toller Erfolg, f\u00fcr den die bundesweite Anti-AKW-Bewegung 50 Jahre gek\u00e4mpft hat. Es ist auch ein Triumph der Direkten Gewaltfreien Aktion, die sich seit den erfolgreichen Protesten gegen den AKW-Bau in Whyl in den 1970ern in weiten Teilen der Sozialen Bewegungen als Selbstverst\u00e4ndlichkeit etabliert hat. Dazu hat auch die Graswurzelrevolution beigetragen, die seit 51 Jahren als soziales Bewegungsorgan gewaltfreien Widerstand unterst\u00fctzt und f\u00fcr eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft agitiert.<br \/>\nDas Wetter am 15. April war schlecht, aber die Stimmung bei den Anti-Atom-Aktivist:innen war gro\u00dfartig. Freuen k\u00f6nnen wir uns auch \u00fcber das Jammern der Atomlobby, die seit Monaten in den Massenmedien f\u00fcr eine erneute Verl\u00e4ngerung der Laufzeiten getrommelt hat \u2013 vergeblich. Erschreckend ist, dass viele Menschen angesichts der Propaganda-Offensive der Atomlobby vergessen haben, dass es keine sichere Endlagerung f\u00fcr den eine Million Jahre strahlenden Atomm\u00fcll gibt. Auch der Beinahe-GAU 1979 im US-amerikanischen AKW Harrisburg, der Gr\u00f6\u00dfte Anzunehmende Unfall (GAU) 1957 im sowjetischen AKW Majak und die Super-GAUs 1986 in Tschernobyl und 2011 in Fukushima sind vielen offenbar nicht mehr im Bewusstsein.<br \/>\nSo erkl\u00e4rte Friedrich Merz den 15. April 2023 zum \u201eschwarzen Tag f\u00fcr Deutschland\u201c und traf damit wahrscheinlich die Stimmung, die zuvor von S\u00f6der, BILD und Co. erzeugt worden war.<br \/>\nSchwarz hat f\u00fcr Anarchist:innen eine andere Bedeutung als f\u00fcr den CDU-Chef. Die schwarze Fahne des Anarchismus steht f\u00fcr Freiheit und dr\u00fcckt die Ablehnung von Herrschaft aus. Die meisten Anarchist:innen bevorzugen heute die schwarze-rote Fahne, die f\u00fcr Freiheitlichen Sozialismus steht.<br \/>\nF\u00fcr Anarchist:innen war der 15. April also ein schwarz-roter Tag der Freude. Denn der Atomstaat wurde vor allem durch den Widerstand sozialer Bewegungen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Anarchist:innen hatten einen gro\u00dfen Anteil am erfolgreichen Kampf gegen den Atomstaat. Erinnern m\u00f6chte ich hier an Jochen Stay, den ehemaligen GWR-Redakteur, Mit-Initiator der Anti-Atom-Kampagne x-1000mal-quer und der Organisation .ausgestrahlt. Jochen konnte den 15. April 2023 leider nicht mehr erleben. Unser Freund starb vor einem Jahr. ((1))<br \/>\nWir m\u00fcssen ohne ihn weiter k\u00e4mpfen. Die Atom-Mafia ist noch nicht am Ende, auch nicht in Deutschland. Eine sozial-\u00f6kologische Energiewende ist noch nicht durchgesetzt, der Klimakatastrophe zum Trotz. Auch die sofortige Stilllegung der Brennelementefabrik in Lingen und der Urananreicherungsanlage in Gronau geh\u00f6ren auf die Tagesordnung. Ein weltweiter Kohle- und Atomausstieg ist unabdingbar, um der Menschheit eine lebenswerte Zukunft zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nNur wenige Meter von dem jetzt abgeschalteten AKW Emsland will der franz\u00f6sische Atomkonzern Framatome die Brennelementefabrik Lingen ausbauen, um gemeinsam mit Putins staatlichem Atomkonzern Rosatom Brennelemente f\u00fcr die AKWs russischer Bauart in Osteuropa herzustellen. Auch gegen diesen Wahnsinn haben am 15. April rund 500 Anti-Atom-Aktivist:innen in Lingen protestiert. W\u00e4hrend die russische Armee seit Februar 2022 einen blutigen Angriffskrieg gegen die Ukraine f\u00fchrt, unterst\u00fctzt Framatome den Kreml-Atomkonzern massiv. \u201eDas nehmen wir nicht hin, weil es den Atomausstieg konterkariert und Lingen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte zur Au\u00dfenstelle der franz\u00f6sisch-russischen Atomindustrie machen w\u00fcrde\u201c, so die Anti-Atomgruppe SofA. Eine Rede des russischen \u00d6ko-Aktivisten Vladimir Slivyak findet Ihr auf Seite 14. F\u00fcr die GWR 480 planen wir ein Interview mit ihm, in dem es u.a. um den russisch-deutsch-franz\u00f6sischen Atomdeal gehen soll.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Reaktionen auf die GWR<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die GWR l\u00f6st unterschiedliche Reaktionen aus. ((2)) So rief am 28. M\u00e4rz ein emp\u00f6rter Mann in der Redaktion an und beschimpfte uns: \u201eWegen eurer Hetze gegen Sahra Wagenknecht: Ihr seid CIA-Abschaum! Das werdet ihr bereuen! Wir werden euch kriegen!\u201c Hintergrund des surreal wirkenden Wut-Anrufs ist der Ukraine\/Belarus\/Russland-Schwerpunkt der GWR 477, in dem sich zwei Artikel kritisch aus einer antimilitaristischen Perspektive mit Wagenknecht und Co. auseinandersetzen. W\u00fcrden wir nur solche R\u00fcckmeldungen bekommen, m\u00fcssten wir uns wohl Sorgen machen. Aber wo Schatten ist, ist auch Licht. So \u00e4u\u00dferte sich ein anderer GWR-Leser auf rbb24 wie folgt: \u201eWer wissen will wie \u201alinke\u2018 Friedenspolitik gehen kann, sollte die Zeitung Graswurzelrevolution abonnieren. Seit \u00fcber 50 Jahren im \u201aKampf\u2018 f\u00fcr Frieden, Antimilitarismus, Pazifismus und Gewaltfreiheit. Unterst\u00fctzer der WRI, der antimilitaristischen Internationalen.\u201c ((3)) Danke!<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Ein Blick in die GWR 479<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die GWR 479 hat 28 statt 24 Seiten. Das liegt an der vierseitigen Aktionszeitung #OBJECT WAR Campaign, die Ihr auf den Seiten 21 ff. findet. Hier geht es um die Aktionswochen \u201eSchutz und Asyl f\u00fcr alle aus Russland, Belarus und der Ukraine, die den Kriegsdienst verweigern! vom 8. bis zum 21. Mai\u201c. Sie wurden von der DFG-VK und Connection e.V. initiiert und werden von der GWR und 30 weiteren Organisationen unterst\u00fctzt. Antimilitarismus ist ebenfalls Thema in den Beitr\u00e4gen \u00fcber Kriegsdienstzwang in \u00d6sterreich (S. 1 und 5) und anarchistischen Widerstand in Bulgarien (S. 2). Wie Thespina Lazaridu schildert (S. 3 f.) ben\u00f6tigt Solidarit\u00e4t auch Julian Assange, seit vier Jahren in Isolationshaft und von 175 Jahren Haft bedroht, weil er US-Kriegsverbrechen dokumentiert hat. Ein Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das Thema \u201eArbeit\u201c (S. 1, 15\u201320), wobei wir die Situation der Arbeiter:innen in den Krankenh\u00e4usern und Pflegeeinrichtungen ebenso thematisieren wie die K\u00e4mpfe gegen Union Busting und f\u00fcr den Vier-Stunden-Tag. Rosalia Krenn beschreibt in zwei bewegenden Artikeln wie in Wien mit Arbeitssuchenden umgegangen und im \u00f6sterreichischen Fernsehen die Menschenw\u00fcrde angetastet wird.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Nie wieder Faschismus!<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Schwerpunkt ist antifaschistische Aufkl\u00e4rungs- und Erinnerungsarbeit. Peter K\u00fchn berichtet \u00fcber den Protest gegen ein \u201eEhrenmal\u201c in Speyer, das seit 1932 zwei faschistische Auftragsm\u00f6rder zu \u201eHelden\u201c verkl\u00e4rt. (S. 6) 90 Jahre nach der B\u00fccherverbrennung der Nazis im Mai 1933, erinnert Martin Baxmeyer an den verbrannten Dichter Max Hermann Neisse. Vorgestellt wird auch das antifaschistische Fritz Bauer Forum, das in Bochum als Ort f\u00fcr Menschenrechte entsteht. (S. 9) 1933 wurde aus der Weimarer Republik die Nazi-Diktatur. \u201eWird der b\u00fcrgerlich-demokratische Parlamentarismus in heutiger Zeit erneut diktaturoffen?\u201c, fragt Lou Marin (S. 7). Steffi Wassermann berichtet \u00fcber die afro-indigenen Gar\u00edfuna in Honduras. (S. 25) Wer sich durch gelebte Utopien inspirieren lassen m\u00f6chte, wird auf den Seiten 10 bis 13 f\u00fcndig, wo wir meinen Freiburger Vortrag und ein Interview mit der \u201eArbeitet nie!\u201c-Autorin Hanna Mittelst\u00e4dt zur Diskussion stellen. Sind die Toten Hosen eigentlich noch Punkrock? Antwort auf Seite 28. Ich halte es da lieber mit Ton, Steine, Scherben: \u201eArbeit macht das Leben s\u00fc\u00df, so s\u00fc\u00df wie Maschinen\u00f6l.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Anarchie und Gl\u00fcck,<\/strong><br \/>\n<strong>Bernd Dr\u00fccke (GWR-Red.)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser:innen, zwischen 1957 und 2004 wurden in Deutschland 110 \u201ekerntechnische Anlagen\u201c, also Atomkraftwerke und \u201eForschungsreaktoren\u201c, in Betrieb genommen. Eigentlich wollte die Atomindustrie noch viel mehr AKWs bauen. Das konnte sie angesichts des Widerstands der Anti-AKW-Bewegung nicht durchsetzen. Am 15. 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