{"id":29951,"date":"2023-06-05T11:03:22","date_gmt":"2023-06-05T09:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/06\/wir-werden-alles-tun-um-diesen-krieg-zu-stoppen\/"},"modified":"2023-06-13T00:26:39","modified_gmt":"2023-06-12T22:26:39","slug":"wir-werden-alles-tun-um-diesen-krieg-zu-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/06\/wir-werden-alles-tun-um-diesen-krieg-zu-stoppen\/","title":{"rendered":"\u201eWir werden alles tun, um diesen Krieg zu stoppen\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Alex Kempfle: Ecodefense wurde vom russischen Staat als \u201eausl\u00e4ndischer Agent\u201c eingestuft und ihr wurdet gezwungen, euch selbst so zu bezeichnen. Hat diese Stigmatisierung funktioniert und betrachtet euch die russische Zivilbev\u00f6lkerung als \u201eausl\u00e4ndische Agenten\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vladimir Slivyak: Das ist eine interessante Frage. Das \u201eGesetz \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/07\/solidaritaet-gegen-die-verfolgung-von-ngos-als-foreign-agents-in-russland\/\">ausl\u00e4ndischen Agenten<\/a>\u201c wurde 2012 von Putin erlassen, auch um das Land auf den Krieg vorzubereiten. Zu dieser Zeit hatte Putin mit den Oligarchen und anderen Gruppen bereits abgerechnet, die waren keine Gefahr mehr f\u00fcr ihn und seinen Machtapparat \u2013 es blieb nur die Zivilgesellschaft. Der Hintergrund dieses Gesetzes ist es, den Menschen in Russland einzureden: \u201eDas sind eure Feinde\u201c. Es hat Putin nur einige Jahre gekostet, das zu zerst\u00f6ren, was die Zivilgesellschaft in Jahren in Russland aufgebaut hat, damit sie seine Pl\u00e4ne, in den Krieg zu ziehen, um das imperialistische Russland wieder aufzubauen, nicht st\u00f6ren kann. Meine Organisation Ecodefense war 2014 die erste Umweltschutzorganisation in Russland, die als \u201eausl\u00e4ndischer Agent\u201c eingestuft wurde. Ecodefence klagte dagegen und wehrte sich gegen die damit verbundenen Einschr\u00e4nkungen. Seit 2014 hatte das Justizministerium an die 20 Gerichtsprozesse gegen uns angestrengt, teilweise auch Kriminalprozesse. Meine Kollegin Alexandra Kaleva musste schlie\u00dflich aus Russland fliehen, weil sie sonst ins Gef\u00e4ngnis gekommen w\u00e4re. Sie ist jetzt auch im Exil in Deutschland.<br \/>\nUm die Frage, ob die Stigmatisierung erfolgreich war, zu beantworten: Ich denke, mit den Menschen in Russland ist das so wie \u00fcberall auf der Welt; wenn sie dich und deine Arbeit pers\u00f6nlich kennen, und wenn sie wissen, dass du etwas Gutes tust, dann haben sie kein Problem mit dir und glauben nicht an solche Einstufungen als \u201eausl\u00e4ndische Agenten\u201c. Aber wir sind nur eine kleine Organisation und haben nur zu wenigen Menschen Zugang. Der Rest, die vielen anderen, die dich nicht pers\u00f6nlich kennen, glauben oft einfach das, was ihnen die Regierung \u2013 insbesondere eine autorit\u00e4re Regierung \u2013 erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bernd Dr\u00fccke: Du bist seit Jahrzehnten in den sozialen Bewegungen aktiv und hast mir privat mal von der ersten anarchistischen Demonstration in Kaliningrad, noch zu Zeiten der Sowjetunion, erz\u00e4hlt. Auch von der freiheitlichen Aufbruchstimmung, die es bei der Gr\u00fcndung von Ecodefence in Russland noch gab. Ein krasser Kontrast zu heute, wo es in Russland keine freie Presse mehr gibt und soziale Bewegungsaktivist:innen und Antimilitarist:innen Angst um \u2028ihr Leben haben m\u00fcssen. Wie hat sich das in Russland entwickelt, von der Zeit der Gr\u00fcndung von Ecodefence bis heute? Erz\u00e4hl bitte mal.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vladimir: Zu Beginn unserer Geschichte, wir kamen 1989 zusammen, waren wir eine kleine anarchistische Bewegung und unser Ziel war es, anarchistische Agitation zu betreiben. In dieser Gruppe gab es einige, die damit zufrieden waren, nichts zu tun und ihr Bier zu trinken. Es gab aber auch einige, die etwas ver\u00e4ndern wollten. Diese Menschen waren mit der Organisierung, die es bereits gab, nicht zufrieden, weil sie der Meinung waren, dass nicht genug getan wird. Wir suchten also nach einem Feld, in dem wir aktiv werden und arbeiten k\u00f6nnen. Dabei haben wir uns f\u00fcr das Feld des Umweltschutzes und vor allem f\u00fcr Anti-Atomkraft-Arbeit entschieden.<br \/>\nUnsere erste Aktion war aber nicht im Anti-Atom-Bereich, sondern die Demonstration in Kaliningrad, anl\u00e4sslich des ersten Mai. Der erste Mai ist in Russland ein offizieller Feiertag, aber halt von der Regierung instrumentalisiert und als \u201ekommunistischer Feiertag\u201c pr\u00e4sentiert \u2013 obwohl es ja in Wirklichkeit ein anarchistischer Jahrestag ist, der zur\u00fcckgeht auf die Ermordung anarchistischer Streikf\u00fchrer in <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2019\/05\/chicago-und-der-1-mai\/\">Chicago 1886<\/a>. In Russland ist es aber eben ein kommunistischer Feiertag, mit vielen roten Flaggen und tausenden Menschen. Unsere erste Aktion war es, dies zu st\u00f6ren und zu unterbrechen. Wir sind mit einigen Leuten und schwarzen Fahnen auf ein Lenin-Monument geklettert. Die Kommunisten fanden das gar nicht gut.<br \/>\nNat\u00fcrlich hat die Polizei uns runter geholt, aber ich war sehr \u00fcberrascht von der Aggressivit\u00e4t der Demonstrierenden uns gegen\u00fcber. Ich hatte fast den Eindruck, dass die uns t\u00f6ten wollten, wegen dieser lustigen Aktion. Am Ende war es eigentlich die Polizei, die uns vor den kommunistischen Demonstrierenden gesch\u00fctzt hat. Seitdem bin ich nicht mehr so ganz konform mit den Kommunist:innen, wir haben uns ja nur einen kleinen Witz erlaubt.<br \/>\nUnsere Gruppe hat sich dann ziemlich schnell zu einer Umweltschutz-Organisation entwickelt. Die Menschen, die nichts tun wollten, sind aus der Gruppe ausgetreten und die anderen haben sich eben dem Bereich des Umweltschutz-Aktivismus gewidmet. Wir wollten etwas ver\u00e4ndern und es war offensichtlich, dass der Staat die Umwelt zerst\u00f6rt. F\u00fcr uns als Anarchist:innen hat es Sinn ergeben, sich gegen die Umweltzerst\u00f6rung durch den Staat zu engagieren.<br \/>\nStaaten, die Atomkraftwerke haben, haben oft auch Atomwaffen. F\u00fcr uns gab es einen sehr geringen Unterschied zwischen Atomwaffen und ziviler Atomkraftnutzung \u2013 das geh\u00f6rt zusammen.<br \/>\nIch bin sehr zufrieden damit, was wir seit 1989 geleistet haben. Wir waren die effektivste Umweltschutzorganisation in Russland und haben extrem viel erreicht. Wir haben Kampagnen aufgezogen, die keine andere Organisation h\u00e4tte durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Wir haben den Bau von Atomkraftwerken gestoppt, auch in der \u00d6lindustrie haben wir einige Sachen aufhalten k\u00f6nnen. Wir haben nicht nur Proteste organisiert, sondern auch viel Bildungsarbeit gemacht. Wir haben Lehrer:innen gezeigt, wie sie die Sch\u00fcler:innen f\u00fcr Umweltthemen sensibilisieren k\u00f6nnen. Das alles haben wir erreicht, obwohl wir nicht mal eine Organisation aus der Hauptstadt sind, wir haben uns ja in Kaliningrad zusammengetan. Ich bin sehr stolz, dass wir das alles im 21. Jahrhundert geleistet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bernd: Da hast du allen Grund zu. Das ist eine gro\u00dfartige Arbeit, die ihr geleistet habt. <\/strong><strong>Wie sch\u00e4tzt du die Situation sozialer Bewegungen heute ein, vor allem auch antimilitaristischer, emanzipatorisch und anarchistisch denkender Menschen in Russland? Welche Chancen siehst Du, dass durch massenhafte Desertion und Kriegsdienstverweigerung der imperialistische Angriffskrieg des Putin-Regimes gestoppt werden kann?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vladimir: Ich zweifle daran, dass dies in Russland passieren wird. Es w\u00e4re sehr sch\u00f6n und es w\u00e4re die richtige Art und Weise diesen Krieg zu stoppen, indem sich die russische Bev\u00f6lkerung weigert, dem Milit\u00e4r zu dienen. Aber von meiner Einsch\u00e4tzung her sehe ich daf\u00fcr keine M\u00f6glichkeit, dass dies im gro\u00dfen Stil durchgef\u00fchrt werden kann.<br \/>\nDie Wahrheit \u00fcber Russland ist, dass es nie eine Friedensbewegung oder nennenswerte anti-militaristische Bewegung gegeben hat. Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass der russische Staat sich selbst als anti-militaristisch dargestellt hat. Das war er nat\u00fcrlich nie, aber er hat die Begriffe okkupiert. Der Staat hat zum Beispiel nie gesagt: \u201eWir ziehen in den Krieg\u201c, sondern immer: \u201eWir wollen den Krieg beenden\u201c. Deshalb ist nie eine gro\u00dfe Friedensbewegung oder anti-militaristische Bewegung entstanden. Jetzt gibt es eine kleine Bewegung, und ich hoffe sehr, dass sie \u00fcberleben wird \u2013 aber das bleibt abzuwarten.<br \/>\nVladimir Putin hat schon seit Beginn seiner Amtszeit alles daf\u00fcr getan, um die Zivilgesellschaft zu zerst\u00f6ren. Ich erinnere mich an sein erstes Interview im Jahr 2000, als er Pr\u00e4sident wurde, in dem schon klar wurde, dass er die Zivilgesellschaft als Gefahr sieht. Er und die russischen Geheimdienste haben in den letzten Jahren alles daf\u00fcr getan, diese Bedrohung \u2013 aus ihrer Sicht \u2013 zu eliminieren.<br \/>\nIch glaube, dass die einzige Chance f\u00fcr Russland eine Niederlage in diesem Krieg ist. Die einzige Chance insofern, dass die Russen sich dadurch wieder kritisch hinterfragen, sich dadurch Fragen stellen wie: \u201eWie ist es dazu gekommen?\u201c. Ich sage nicht, dass alle Menschen in Russland eine Schuld haben, an dem was passiert ist, aber sie haben eine Verantwortung, denn sie haben zugelassen, dass es passiert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Alex: Russland bezieht einen gro\u00dfen Teil seiner Energie aus Atomkraft, Gas und Kohle. Nachhaltige Energien werden kaum gef\u00f6rdert. Aber ohne die Energie-Kooperation mit Russland ist das 1,5 Grad-Ziel nicht zu erreichen. Wie geht mensch damit um? Kann mensch mit Russland verhandeln?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vladimir: Man sollte das nicht mit Russland verhandeln. Ich habe die Klimaverhandlungen der Staaten schon seit langer Zeit verfolgt. Die erste Verhandlung war 1995 in Berlin. Was ich beobachtet habe, war, dass jeder Versuch, Russland mit einzubeziehen, auch als Russland noch als relativ demokratischer Staat angesehen wurde, gescheitert ist. Sei es der Versuch, erneuerbare, saubere Energien zu f\u00f6rdern, oder die Industrien sauberer zu gestalten, geschweige denn der Versuch, irgendwelche Aktivit\u00e4ten im Rahmen des Umweltschutzes von Russland zu erzielen \u2013 alle Versuche sind gescheitert, denn Vladimir Putin und die Leute um ihn herum schei\u00dfen auf das Klima.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Die Wahrheit \u00fcber Russland ist, dass es nie eine Friedensbewegung oder nennenswerte anti-militaristische Bewegung gegeben hat. Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass der russische Staat sich selbst als anti-militaristisch dargestellt hat. Das war er nat\u00fcrlich nie, aber er hat die Begriffe okkupiert.<\/strong> <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke, dass der einzige Weg, die Emissionen von Russland zu reduzieren, Sanktionen sind. Auch wenn ich kein Fan davon bin, internationale Politik mit Sanktionen zu betreiben, bin ich trotzdem der Meinung, dass es im Fall von Russland die einzige effektive M\u00f6glichkeit ist. Wir sehen es jetzt gerade, dass aufgrund des Krieges und eben aufgrund der Sanktionen, die Industrie stagniert und infolgedessen auch die CO2-Emissionen geringer werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Alex: Deutschland hat am 15. April 2023 die letzten AKWs abgeschaltet (vgl. GWR 479), wozu du und deine Organisation Ecodefense beigetragen haben, aber die Atomdeals gehen trotzdem weiter. Stichworte: Rosatom und Framatom. M\u00f6chtest du darstellen, was da gerade passiert und wie wir dagegen vorgehen k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vladimir: Seit Beginn des Krieges habe ich mich vor allem damit besch\u00e4ftigt, Politiker:innen zu bilden bzw. zu informieren, welche Art von Sanktionen gegen Russland n\u00fctzlich und hilfreich daf\u00fcr sind, den Geldfluss nach Russland zu stoppen, um zu verhindern, dass der Krieg finanziert werden kann. Vieles meiner Arbeit hatte mit der emsl\u00e4ndischen Atomfabrik in <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2021\/10\/es-wie-absicht-klingen-lassen\/\">Lingen<\/a> zu tun, denn sehr viel von Russlands Uran geht immer noch nach Lingen. Diese Situation ist mies und schrecklich. Es ist n\u00e4mlich nicht nur so, dass russisches Uran nach Lingen kommt, und dass der franz\u00f6sische Atomkonzern Framatom oder seine deutsche Tochterfirma somit Geld nach Russland schicken. Sondern es ist sogar so, dass <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2022\/09\/strahlende-geschaefte-im-krieg\/\">Framatom und Rosatom<\/a> ein Joint Venture, also ein gemeinsames Unternehmen, einen Zusammenschluss von Unternehmen zum Zweck der gemeinsamen Durchf\u00fchrung von Projekten, gr\u00fcnden wollen. Sie wollen in Lingen gemeinsam nukleare Brennst\u00e4be produzieren.<br \/>\nEs gab am 15. April 2023 eine Demo in Lingen (vgl. GWR 479). Dort habe ich auch mit dem nieders\u00e4chsischen Umweltminister Christian Meier \u00fcber das Joint Venture von Framatom und Rosatom gesprochen. Ich habe ihn gefragt, ob diese Kooperation nicht bedeuten w\u00fcrde, dass Russen nach Lingen kommen, um dort zu arbeiten. Seine Antwort war: \u201eNein, nein, nein, das w\u00fcrde es nicht bedeuten\u201c \u2013 aber nat\u00fcrlich stimmt das nicht. Durch diese Kooperation w\u00fcrden russische Arbeitskr\u00e4fte nach Lingen kommen, denn das ist ihre Technologie, ihre Technik, welche benutzt wird, um Brennst\u00e4be zu produzieren. Ich finde das verr\u00fcckt von der deutschen Regierung. Wenn diese russischen Arbeitskr\u00e4fte nach Lingen kommen, wei\u00df man ja nicht, was das f\u00fcr Menschen sind, man wei\u00df nicht genau, was sie dort tun werden. Ich verstehe nicht, warum dieses Thema so lange diskutiert wird, anstatt einfach zu sagen: \u201eNein, das wird nicht gemacht\u201c.<br \/>\nEs gibt eine wichtige Sache, die die Menschen in Westeuropa h\u00e4ufig nicht verstehen: Rosatom ist nicht irgendein Unternehmen, wie z.B. RWE, wo es darum geht, Geld zu verdienen. Rosatom ist ein Teil des russischen Staates, ein Staatsinstrument, das der Verwirklichung von Putins Zielen dient. Die Menschen im Kreml sind boshaft und verr\u00fcckt. Sie haben einen Krieg angefangen, ohne wirklich zu wissen, wieso.<br \/>\nRosatom muss sanktioniert werden. Man muss verstehen, dass Rosatom ein Teil der russischen Regierung ist. Rosatom war fr\u00fcher das Ministerium f\u00fcr Atomkraft und ist heute immer noch verantwortlich f\u00fcr Nuklearwaffen. Wenn Putin also mit Nuklearwaffen droht, sind daf\u00fcr Leute von Rosatom verantwortlich. Bei Rosatom geht es zudem um den geopolitischen Einfluss des russischen Staates. Russland geht in Entwicklungsl\u00e4nder, z.B. Bangladesch, und bietet diesen L\u00e4ndern an, dort f\u00fcr sie ein Atomkraftwerk zu bauen und daf\u00fcr zu bezahlen. Ein \u00e4rmeres Land, wie eben Bangladesch, wird solch ein Angebot dankend annehmen. F\u00fcr Russland geht es dabei nicht darum, die Menschen in diesen L\u00e4ndern tats\u00e4chlich unterst\u00fctzen zu wollen, sondern es ist Teil seines Kriegs gegen den Westen. Es geht Putin dabei nicht nur darum, dass ihn m\u00f6glichst viele L\u00e4nder unterst\u00fctzen. Diese Strategie verschlechtert die Situation in den Entwicklungsl\u00e4ndern enorm. Das ist normalerweise etwas, wogegen die Linke protestieren w\u00fcrde, wenn es andere kapitalistische L\u00e4nder machen, da die Entwicklungsl\u00e4nder in Schulden versinken. Dazu kommt noch der Atomm\u00fcll. F\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder ist diese Strategie nur schlecht. Einzig und allein Putins autokratisches Regime profitiert davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bernd: Welche Aktivit\u00e4ten stehen in n\u00e4chster Zeit auf deinem Plan?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vladimir: Worauf unser Fokus zurzeit liegt, ist es, gegen den Krieg in der Ukraine zu k\u00e4mpfen und ihn zu stoppen. Die meisten aus meiner Organisation leben aktuell im <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/05\/im-rauch-der-scheiterhaufen\/\">Exil<\/a> in Westeuropa und wir versuchen, den Geldfluss von Europa nach Moskau zu stoppen. Das ist der Bereich, wo wir denken, dass wir am meisten Einfluss haben k\u00f6nnen. F\u00fcr mich, meine Kolleg:innen und die vielen gefl\u00fcchteten Russen, ist es eine komplett neue Realit\u00e4t. Ich wei\u00df nicht, wie viele Menschen in Westeuropa das wirklich verstehen, f\u00fcr die Russen ist das etwas ganz Neues. Diese neue Realit\u00e4t beinhaltet komplett neue Herausforderungen. Wir m\u00fcssen erst einmal einen neuen Platz zum Leben finden, wir m\u00fcssen unsere Grundbed\u00fcrfnisse decken, wir m\u00fcssen gleichzeitig daf\u00fcr k\u00e4mpfen, diesen Krieg zu stoppen. Wir m\u00fcssen wieder Arbeit finden, denn h\u00f6chstwahrscheinlich werden wir in unserem Leben nicht mehr nach Russland, in unsere Heimat, zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bernd: Hast Du noch ein Schlusswort?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vladimir: Das Wichtigste f\u00fcr mich und meine Organisation ist es, weiterhin die M\u00f6glichkeit zu haben, unsere Arbeit gegen diesen Krieg und f\u00fcr Frieden durchzuf\u00fchren. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um den Krieg zu stoppen \u2013 um Putin zu stoppen. Denn diese schreckliche Tat ist in unserer Zeit geschehen. Es liegt in unserer Verantwortung, das zu stoppen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alex Kempfle: Ecodefense wurde vom russischen Staat als \u201eausl\u00e4ndischer Agent\u201c eingestuft und ihr wurdet gezwungen, euch selbst so zu bezeichnen. 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