{"id":3029,"date":"1999-12-01T00:00:56","date_gmt":"1999-11-30T22:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3029"},"modified":"2022-07-26T12:59:12","modified_gmt":"2022-07-26T10:59:12","slug":"treffen-west-und-ostdeutscher-frauenhauser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/12\/treffen-west-und-ostdeutscher-frauenhauser\/","title":{"rendered":"Treffen west- und ostdeutscher Frauenh\u00e4user"},"content":{"rendered":"<p>Neben zahlreichen aktiv in die Frauenhausarbeit eingebundenen Referentinnen aus Ost- und West, wurde Prof. Dr. Maria Mies als Eingangsreferentin eingeladen, die Mitbegr\u00fcnderin des Frauenhauses K\u00f6ln, dem 1.autonomen Frauenhaus in Westdeutschland war und in der Nachfolgezeit immer wieder in ihren Publikationen den direkten und ihrer Analyse nach notwendigen Zusammenhang zwischen der Ausbeutung von Frauen in der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung, der Ausbeutung der sogenannten unterentwickelten L\u00e4nder und der Ausbeutung der Natur herstellte und der Frage nach der Funktion von Gewalt zur Herstellung sowohl der geschlechtshierarchischen als auch der internationalen Arbeitsteilung nachging. Nachzulesen in &#8222;Frauen, die letzte Kolonie&#8220; zur Hausfrauisierung der Arbeit.&#8220;<\/p>\n<h3>Den gesamtgesellschaftlichen Blickwinkel verloren<\/h3>\n<p>In ihrem Vortrag konfrontierte Maria Mies die Mitarbeiterinnen der Frauenh\u00e4user sehr schnell mit den einschneidenden Folgen der Globalisierung f\u00fcr die politischen und sozialen Projekte in Deutschland. Zwar sei das sogenannte MAI- Abkommen (Multilaterale Abkommen \u00fcber Investitionen)auf weltweiten und vor allem franz\u00f6sischen Druck hin 1998 zun\u00e4chst gescheitert, doch schon stehe ein neuer Versuch eine Liberalisierung der Weltwirtschaft zugunsten der transnationalen Konzerne erreichen zu wollen, um die geplante Konzernherrschaft in allen L\u00e4nder der Welt auf Dauer zu etablieren, ins Haus. Ende November startet(e) die sogenannte Milleniumsrunde der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle\/USA mit einem erweiterten Entwurf. F\u00fcr die kapitalistische Marktwirtschaft und Verwertungsinteressen soll nach diesen Pl\u00e4nen auch der Dienstleistungssektor und damit alle sozialen und sozialpolitischen Errungenschaften weltweit, ge\u00f6ffnet werden. Das bedeutet in der Praxis, da\u00df Sozialleistungen ausschreibungspflichtig sind und sich AnbieterInnen aus aller Welt an dem Verfahren beteiligen k\u00f6nnen. Der billigste Anbieter f\u00fcr die &#8222;Sozialleistung&#8220; kann dann z. B. aus den USA kommen und in Deutschland Frauenh\u00e4user, Krankenh\u00e4user oder auch Schulen betreiben, durchaus auch mit Arbeitskr\u00e4ften aus den sogenannten unterentwickelten L\u00e4ndern, um die Lohnkosten zu dr\u00fccken, so Maria Mies ((*)).<\/p>\n<p>Gewalt und Einsch\u00fcchterung haben dabei immer die Funktion die neuen Verh\u00e4ltnisse durchzusetzen. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Gew\u00f6hnung der Anwesenheit von Krieg und der Out-of Area-Eins\u00e4tze der NATO und Bundeswehr hin, die nichts anderes st\u00fctzten als die Durchsetzung der neuen Weltwirtschaftsordnung. Zur Durchsetzung dieser Interessen ist die nicht mehr an ethische Werte (z.B. wir k\u00e4mpfen f\u00fcr das Vaterland) gebundene Ramboisierung der westlichen M\u00e4nner notwendig, die dann auch auf die Frauen und Kinder in Deutschland zur\u00fcckschl\u00e4gt, so ihre These.<\/p>\n<p>Die beschriebenen weltwirtschaftlichen Entwicklungen sind erst durch den Zusammenbruch der sozialistischen L\u00e4nder m\u00f6glich geworden. Gro\u00dfe Teile der FrauenLesbenbewegung und auch die Frauenhausbewegung in Deutschland habe die letzten Jahre verschlafen und sich durch die Konzentration auf die einzelne Projektarbeit, den Blick auf die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen komplett verstellt.<\/p>\n<h3>Zustandsbeschreibung Ost\/West<\/h3>\n<p>Wie recht Frau Mies haben sollte, spiegelte sich an den selbstkritischen Zustandsbeschreibungen der ost- und westdeutschen Frauenh\u00e4user. Die ost- und westdeutschen Frauenh\u00e4user unterscheiden sich ma\u00dfgeblich durch ihre Entstehungsgeschichte. W\u00e4hrend im Westen die Frauenhausprojekte von unten initiiert und \u00fcber den Zeitraum vieler Jahre erk\u00e4mpft werden mu\u00dften, wurden die ostdeutschen Frauenh\u00e4user h\u00e4ufig von &#8222;oben&#8220; initiiert. Wichtige Impulse kamen von Frauen unter dem Dach der Kirche, der ein Ort der Widerstandsbewegung in Ostdeutschland war.<\/p>\n<p>Die Differenzerfahrungen der Frauen aus Ost und West wurden nicht als eine Chance sondern als eine Bedrohung begriffen, die schlie\u00dflich zu einer frauenpolitische Stillschweigestrategie gef\u00fchrt hat und letztendlich die Kr\u00e4fte auf das \u00dcberleben des eigenen Projektes b\u00fcndelten. Zwar wurden im Osten die Frauenh\u00e4user durch eine gro\u00dfz\u00fcgige Anfangsfinanzierung angeschoben von der aber 10 Jahre nach der Wende, so gut wie nichts mehr \u00fcbrig blieb. Die ostdeutschen Frauenh\u00e4user haben heute massive Existenzprobleme, die z. T. soweit gehen, da\u00df Mittel f\u00fcr die Teilnahme an Vernetzungstreffen oder f\u00fcr Heizkosten des Frauenhauses nicht vorhanden sind. Bei einem Stellenschl\u00fcssel von 1:10 arbeitet z.B. in einem Haus mit 10 Pl\u00e4tzen lediglich eine Frau mit BAT 5b\/Osttarif. Wo soll die Zeit f\u00fcr politische Arbeit herkommen, wenn die Unterst\u00fctzungsarbeit f\u00fcr mi\u00dfhandelte Frauen und Kinder noch nicht einmal ausreichend sichergestellt werden kann, so eine Frage. Doch auch im Westen besteht hinsichtlich der Finanzierung dringender Handlungsbedarf. Auch nach zwanzig Jahren autonomer Frauenhausarbeit haben Frauenh\u00e4user weder Planungssicherheit noch eine solide den Anforderungen entsprechende Finanzierung.<\/p>\n<h3>Die Einzel&#8220;fall&#8220;finanzierung und ihre skandal\u00f6sen Folgen<\/h3>\n<p>Im Osten und im Westen, zeitlich und \u00f6rtlich versetzt rutschen immer mehr Frauenh\u00e4user in die Finanzierungsformen \u00fcber das Bundessozialhilfegesetz. Die von den autonomen Frauenh\u00e4usern von Anbeginn an abgewiesene Einzel&#8220;fall&#8220;hilfe \u00fcber das BSHG, hat in manchen Frauenh\u00e4usern zu Tagess\u00e4tzen bis zu 150&#8243;- DM gef\u00fchrt. Das Einkommen und das Verm\u00f6gen der mi\u00dfhandelten Frauen wird dann zur Deckung herangezogen. Immense Schuldenberge k\u00f6nnen auf diejenigen zu die Opfer von M\u00e4nnergewalt sind. Sie werden verpflichtet die Folgekosten zu tragen, von einer gesellschaftlichen \u00dcbernahme der Verantwortung ist hier nichts mehr zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Ein besonders gravierender Druck entsteht dort, wo die Finanzierung direkt an die Belegung gekoppelt ist. Im Zuge von Kosteneinsparungsbestrebungen wird von Land, Kommunen und Gemeinden der Blick immer st\u00e4rker auf die Auslastung von Frauenh\u00e4usern gerichtet und damit ein eingeschr\u00e4nkter Blickwinkel auf Frauenh\u00e4user als Orte von &#8222;Opferhilfe&#8220; hergestellt. Ein gro\u00dfer Teil von Frauenhausarbeit sei aber darauf ausgerichtet, Gewalt im Vorfeld aufzugreifen und Ursachen von M\u00e4nnergewalt zu thematisieren. Die Bundesregierung hat sich mit dem &#8222;Nationalen Aktionsplan gegen h\u00e4usliche Gewalt&#8220; zum Ziel gemacht, diese im Vorfeld anzugehen, die vielf\u00e4ltigen pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen, die heute schon Frauenh\u00e4usern geleistet werden, sollen dagegen nicht finanziert werden. Hingegen soll sich immer weiter vernetzt werden, in Netze, in denen sich heute bereits viele verfangen, die Teilnahme an weiteren Runden Tischen f\u00fcr Frauenhausmitarbeiterinnen soll Verpflichtung werden, Runde Tische \u00fcber die frau bei den ungleichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen leicht gezogen werden kann.<\/p>\n<p>Einig waren sich die Teilnehmerinnen des Ost-West-Treffens, da\u00df eine effektive Anti-Gewalt-Arbeit von den Frauenh\u00e4usern nur dann geleistet werden kann, wenn die H\u00e4user als Projekte und nicht \u00fcber ausgelastete Pl\u00e4tze finanziert werden. Dabei, so wurde weiter kritisiert, habe die von au\u00dfen und z.T. auch von innen vorgenommenen Definitionen von Frauenh\u00e4usern als Orte sozialer Arbeit und der derzeitigen Umdeutung der Bezeichnungspraxis von M\u00e4nnergewalt\/Gewalt gegen Frauen zu h\u00e4uslicher Gewalt\/Gewalt im sozialen Nahraum eine begriffliche Verw\u00e4sserung zur Folge, die weder T\u00e4ter noch Opfer benennt. Die weitere Entpolitisierung der M\u00e4nnergewalt\/Gewalt gegen Frauen wird \u00fcber die Bereitstellung und Annahme dieser Begrifflichkeiten miterzeugt.<\/p>\n<h3>Gesellschaftliche Strukturbedingungen<\/h3>\n<p>Heute sind viele Frauenh\u00e4user und Frauenprojekte der Frauenlesbenbewegung an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr ausschlie\u00dflich um die Durchsetzung gemeinsamer politischer Ziele geht, sondern prim\u00e4r bereits um die Verteidigung der M\u00f6glichkeiten und Orte der Zusammenkunft um diese Ziele gemeinsam zu erstreiten.<\/p>\n<p>Bremskl\u00f6tze sind hier vorallem gesellschaftspolitische Strukturentscheidungen zu Ungunsten von Frauen. Immer mehr werden aus ihren Berufen, aus dem Land, gedr\u00e4ngt oder erst gar nicht mehr hineingelassen. Mittel werden permanent gek\u00fcrzt, sei es im Bereich der Projektf\u00f6rderung, der ABM&#8217;s, der Sozialhilfe oder des Asylbewerberleistungsgesetzes. Die Rahmenbedingungen f\u00fcr Migrantinnen haben sich insgesamt verschlechtert. Die Novellierung des \u00a7 19 AuslG hat die Situation von Migrantinnen nicht verbessert. Noch immer ist es so, da\u00df mi\u00dfhandelten Frauen anderer Herkunftsl\u00e4nder bei Unterschreitung der Ehebestandsfrist die Ausweisung drohen kann. Noch immer ist es so, da\u00df der Sozialhilfebezug den Entzug der Aufenthaltsberechtigung zur Folge haben kann. Zunehmend schwieriger ist es f\u00fcr betroffene Frauen, die im Asylverfahren sind, Umverteilungsantr\u00e4ge durchzusetzen. Die Zust\u00e4ndigkeiten werden hin und her geschoben, oberstes Prinzip auf kommunaler Ebene ist keine weiteren Sozialhilfekosten entstehen zu lassen. H\u00e4ufig m\u00fcssen sich Migrantinnen Monat f\u00fcr Monat den Aufenthaltsstempel neu erbetteln.<\/p>\n<p>Die Konfrontation mit der bundesrepublikanischen Abschiebepraxis sind ein Teil des Frauenhausalltages geworden.<\/p>\n<p>M\u00e4nnergewalt und damit auch die Gewalt gegen Frauen\/ Kinder\/MigrantInnen etc. haben jedoch insgesamt zugenommen, zu dem haben sich die Probleme der Frauen, die ins Frauenhaus fl\u00fcchten jenseits von Leistungsstandards &#8211; erweitert.<\/p>\n<p>Als Stichpunkte wurden genannt: Die Zunahme von Obdachlosigkeit, Alkoholismus, psychische Erkrankungen, Drogenabh\u00e4ngigkeit und Armut als Folge der erlebten Gewalt, die nicht in Frauenh\u00e4usern aufgefangen werden k\u00f6nnen und f\u00fcr die es keine (feministischen) Angebote gibt. Weiter wurden die katastrophal ungleichen Ausgangsvoraussetzungen f\u00fcr mi\u00dfhandelte Migrantinnen, komplizierte juristische Sachverhalte, die Installierung eines neuen Kindschaftsrecht, da\u00df durch das gemeinsame Umgangs- und Sorgerechts den u. U. uneingeschr\u00e4nkten Zugriff des Mi\u00dfhandlers auf die Frau \u00fcber das Kind und ihren Bewegungsspielraum f\u00fcr Jahre festschreibt und einschr\u00e4nkt benannt.<\/p>\n<h3>Zwischen Lebensqualit\u00e4ten und industriellen Qualit\u00e4tsstandards<\/h3>\n<p>Ein weiterer thematischer Schwerpunkt waren die sogenannten &#8222;Qualit\u00e4tssicherungsanforderungen&#8220;, die ebenfalls zeitlich und \u00f6rtlich versetzt an die Frauenh\u00e4user herangetragen werden. Die derzeitigen \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen um &#8222;Qualit\u00e4tssicherung&#8220; suggerierten akuten Handlungsbedarf nicht nur in den Frauenh\u00e4usern, als habe es eine Absicherung von Arbeitsinhalten und -zielen bisher nicht gegeben. Alle zur Zeit diskutierten Formen der &#8222;Qualit\u00e4tssicherung&#8220; (z.B. Controlling, ISO 9000 ff) haben ihren Ursprung in industriellen Modellen, deren oberstes Ziel der Erfolg auf dem kapitalistischen Markt ist. Technische Instrumente, so w\u00fcrde suggeriert, bieten gen\u00fcgend M\u00f6glichkeiten um soziale Leistungen als &#8222;qualitativ&#8220; hochwertiges Produkt zu erzeugen. Schon kursieren Begriffe wie &#8222;Netto-Betreuungsaufwand&#8220; und Input und Output. Formulierungen wie &#8222;Vermarktung von Produkten&#8220;, &#8222;Produktbeschreibungen&#8220; und &#8222;Verk\u00e4uferin- Kundin-Verh\u00e4ltnisse&#8220; haben in der Arbeit von Frauenh\u00e4usern und auch in anderen sozialen Einrichtungen nichts zu suchen. Die Betonung von &#8222;Sicherheit&#8220;, die in einer starken Normierung und Standardisierung der Unterst\u00fctzungsangebote ihren Ausdruck finden soll, kann eine engagierte Arbeit, die gerade auf Flexibilit\u00e4t ausgerichtet ist, regelrecht torpedieren, so die Referentin. Die Optimierung technischer Kontrollen und Selbstkontrollen k\u00f6nnen schnell in Projekten die auf Engagement und Motivation setzen, kontraproduktiv und demotivierend wirken, weil sie die unentbehrlichen selbstbestimmten Handlungsspielr\u00e4ume eingrenzen und die h\u00e4ufig nur situativ zu findenden Unterst\u00fctzungsmuster reglementieren. Von irrigen Erwartungen an derartige &#8222;Qualit\u00e4tssicherungsmodelle&#8220; sollte sich dringend verabschiedet werden, vielmehr sollten sie in den Zusammenhang gesetzt werden, wo sie hingeh\u00f6ren: Sie sind ein Beitrag zur Entpolitisierung und Ausschaltung der Frauenhausbewegung und leisten der Bildung von Sozialkonzernen unmittelbar Vorschub.<\/p>\n<p>Die Festschreibung und Vereinheitlichung fachlicher Mindeststandards, gekoppelt damit, da\u00df Frauenh\u00e4user \u00fcber Leistungsvertr\u00e4ge zunehmend zu Delegationsnehmerinnen werden und die Kommune als Bestellerin einer Dienstleistung auftritt, birgt somit eine Anzahl von Gefahren, die direkt an den Vortrag von Maria Mies ankn\u00fcpfen. So gehen die Senatsverwaltungen von Berlin und Hamburg bereits heute davon aus, da\u00df bei der bundesweiten Umstellung auf Leistungsvertr\u00e4ge im sozialen Bereich eine Ausschreibepflicht besteht, sowie es die Vergabevorschriften des Bundeshaushaltsrechts vorsehen. Leistungsvertr\u00e4ge f\u00fcr soziale Dienstleistungen sollen hier in Zukunft ausgeschrieben werden. Der billigste Anbieter f\u00fcr die abgefragte Leistung wird dann den Zuschlag bekommen.<\/p>\n<h3>Das autonome Frauenhaus Braunschweig steht vor dem Aus<\/h3>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr, wie sich die unhinterfragte \u00dcbertragung von auf Profitmaximierung ausgelegten Standards und Normen aus der Wirtschaft auf den sozialen non-profit-Bereich auswirken kann, zeigen Versuche kommunaler Verwaltungen, sog. qualit\u00e4tssichernde Ma\u00dfnahmen in Leistungsvertr\u00e4gen mit freien Tr\u00e4gern festzuschreiben. Frauenh\u00e4user sind hiervon ebenso betroffen wie viele andere Einrichtungen. Aktuelles Beispiel f\u00fcr eine neue Politik im sozialen Bereich, Angebote auf reine Dienstleistungen zu reduzieren, die auf Ausschreibung hin und in Konkurrenz mit anderen &#8222;Anbietern&#8220; an den \u00f6rtlichen Tr\u00e4ger der Sozialhilfe zu verkaufen sind, ist das autonome Frauenhaus Braunschweig.<\/p>\n<p>Nachdem sich der Tr\u00e4gerverein geweigert hatte, eine Vereinbarung \u00fcber sog. qualit\u00e4tssichernde Ma\u00dfnahmen zu unterschreiben, welche die langj\u00e4hrige erfolgreiche Frauenhausarbeit tats\u00e4chlich unterlaufen und behindert h\u00e4tte, versucht die Stadt per \u00f6ffentlicher Ausschreibung der F\u00f6rdermittel einen neuen Tr\u00e4ger zu installieren. Parallel starteten Politik und Verwaltung eine \u00f6ffentliche Verleumdungskampagne und versuchten den Verein mit verschiedenen Mitteln zur Aufgabe zu zwingen.<\/p>\n<h3>Selbstkritik als Anfang einer Neuverortung<\/h3>\n<p>Als selbstkritische Bilanz aus diesem Treffen wurde gezogen, da\u00df wesentliche Bem\u00fchungen insbesondere der westdeutschen autonomen Frauenh\u00e4user sich darauf konzentrierten, die Auseinandersetzung um M\u00e4nnergewalt auf das Feld der Staatspolitik zu bringen. Dieses Feld mutierte jedoch zur Sparpolitik.<\/p>\n<p>Ohne eine sich erneuernde FrauenLesbenbewegung, die bereit ist sich zu bewegen, Risiken einzugehen, Eigensinn und Widersinn auszubauen und zu entwickeln, k\u00f6nnen derartig zielgerichtete Forderungen nur verflachen, wie am &#8222;Nationalen Aktionsb\u00fcndnis&#8220; zu sehen ist. Sie greifen die Ursachen der M\u00e4nnergewalt nicht an. Eine Befreiung im Singular (Christina Th\u00fcrmer-Rohr) wird es auch f\u00fcr Frauenh\u00e4user nicht geben.<\/p>\n<p>In \u00dcbereinstimmung, da\u00df das Kernst\u00fcck von Frauenhausarbeit &#8211; n\u00e4mlich f\u00fcr die Betroffenen und f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit einen Zusammenhang zwischen individuell erlebter Gewalt und gesellschaftlicher Verursachung herzustellen &#8211; wieder ins Zentrum der Frauenhauspolitik zu r\u00fccken ist, soll nun, so die Absichtserkl\u00e4rung, der reduzierte und eingeschr\u00e4nkte Blickwinkel auf die Sicherung der eigenen Projektarbeit, der den Zugang zu gesellschaftlichen Entwicklung verstellt, aufgegeben werden. Eine Wende im Denken und Handeln mu\u00df her, so das Fazit.<\/p>\n<p>In einer bundesweiten Unterschriftenaktion, die am 25.November offiziell startet, soll nun auf den politischen und gesellschaftlichen Skandal aufmerksam gemacht werden, da\u00df Frauenhausbewohnerinnen f\u00fcr die erlittene Gewalt in zunehmenden Ma\u00dfe f\u00fcr sich und ihre Kinder die Folgekosten zu tragen haben. Zudem soll die Suche nach B\u00fcndnispartnerInnen auch bei der Zur\u00fcckweisung der &#8222;standardisierten Qualit\u00e4tsanforderungen&#8220; einen weiteren wichtigen Schwerpunkt der zuk\u00fcnftigen Arbeit darstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben zahlreichen aktiv in die Frauenhausarbeit eingebundenen Referentinnen aus Ost- und West, wurde Prof. Dr. Maria Mies als Eingangsreferentin eingeladen, die Mitbegr\u00fcnderin des Frauenhauses K\u00f6ln, dem 1.autonomen Frauenhaus in Westdeutschland war und in der Nachfolgezeit immer wieder in ihren Publikationen den direkten und ihrer Analyse nach notwendigen Zusammenhang zwischen der Ausbeutung von Frauen in der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/12\/treffen-west-und-ostdeutscher-frauenhauser\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Treffen west- und ostdeutscher Frauenh\u00e4user - graswurzelrevolution","description":"Neben zahlreichen aktiv in die Frauenhausarbeit eingebundenen Referentinnen aus Ost- und West, wurde Prof. Dr. Maria Mies als Eingangsreferentin eingeladen, die"},"footnotes":""},"categories":[193,1038],"tags":[],"class_list":["post-3029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-244-dezember-1999","category-kleine-unterschiede"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3029\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}