{"id":30454,"date":"2023-10-27T17:41:49","date_gmt":"2023-10-27T15:41:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/10\/arbeitsrechte-fuer-alle\/"},"modified":"2023-11-03T19:10:54","modified_gmt":"2023-11-03T17:10:54","slug":"arbeitsrechte-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/10\/arbeitsrechte-fuer-alle\/","title":{"rendered":"Arbeitsrechte f\u00fcr alle"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Kaum etwas ist selbstverst\u00e4ndlicher, als heute auf die Streikbewegung von 1973 in Deutschland zu blicken, ein 50-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um erfordert es geradezu. Entsprechend gibt es eine F\u00fclle von Artikeln und Veranstaltungen, die auf die Streiks von damals zur\u00fcckblicken. Und es ist nicht nur immer begr\u00fc\u00dfenswert aus der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung \u2013 ihren Erfolgen wie auch Fehlern \u2013 zu lernen. Es ist auch dringlich, wollen wir die AktivistInnen von damals noch zu Wort kommen lassen.<br \/>\nSchwieriger wird es bei der Frage, wie wir uns der Retrospektive n\u00e4hern wollen. Mein Arbeitstitel f\u00fcr diesen Artikel lautete z.B.: \u201eWenn MigrantInnen 1973 wie heute deutsche Lohnabh\u00e4ngige zum Streik tragen m\u00fcssen\u201c. Das hat auf den ersten Blick in dieser Sto\u00dfrichtung seinen Charme, wirft aber schon auf den zweiten viele Probleme auf. Ja, bei Ford in K\u00f6ln ging die Initiative eindeutig von den t\u00fcrkischen Kollegen aus und in Pierburg waren es migrantische Frauen,\u2013 doch schon bei Opel in Bochum sah es anders aus und es war ein gemeinsamer Streik der Belegschaft. Aber nat\u00fcrlich gilt noch schwerwiegender die Gefahr von Nationalismen, eng gefolgt vom drohenden Rassismusvorwurf. So wie es unter Einheimischen wie MigrantInnen ebenso Arschl\u00f6cher wie solidarische Menschen gibt, kann die Streikbereitschaft schwer mit nationalen Mentalit\u00e4ten verallgemeinert werden.<br \/>\nUnterschiede gibt es dennoch, die sich wohl aber eher mit unterschiedlicher Sozialisierung erkl\u00e4ren lassen. Hatte Lenin noch keine Probleme damit, \u201edie Deutschen\u201c pauschal mit der ber\u00fchmten Bahnsteigkarte in Verbindung zu bringen, w\u00fcrde ich vorsichtiger behaupten, dass viele immer noch einen Irrglauben an Ordnung und Hierarchien pflegen, und sei es aus Bequemlichkeit. Da es in Deutschland, grob gesch\u00e4tzt, weder mehr noch weniger Streiks als im Rest der Welt gibt, vermute ich die Gr\u00fcnde eher in unterschiedlicher Sozialisierung durch unterschiedliches Streikrecht. An dessen restriktiver Auslegung hat sich bekanntlich bis heute in Deutschland nichts ge\u00e4ndert, wohl auch, weil die DGB-Gewerkschaften hieran kein Interesse haben.<br \/>\nViele der Erz\u00e4hlungen von 1973 sind schon gekennzeichnet vom unterschiedlichen Blick auf den Betriebsrat, der f\u00fcr die meisten deutschen KollegInnen (zun\u00e4chst) als der nat\u00fcrliche Ansprechpartner bei der bestehenden Unzufriedenheit mit dem Lohnniveau und den Arbeitsbedingungen erschien. Ansprechpartner und Akteur zugleich. Was dem Selbstbild vieler Betriebsr\u00e4te durchaus entgegen kam: \u201eIch regle das f\u00fcr Dich, Kollege\u201c, klang noch vor kurzem durch die Werkshallen. Die migrantischen KollegInnen hatten damals kaum eine Chance, sich \u00fcberhaupt vom Betriebsrat vertreten zu f\u00fchlen und entsprechend geringere Erwartungen an diesen. Die Streiks von 1973 fungierten ja als &#8222;wilde&#8220;, weil viele Gewerkschaftsapparate und Betriebsr\u00e4te ihnen ihre Unterst\u00fctzung versagten und sie viel zu oft Hand in Hand mit Kapital und Polizei niederschlugen (vgl. GWR 482).<br \/>\nGewerkschaftspolitisch waren es daher die ersten Widerst\u00e4nde gegen Betriebsr\u00e4te und teilweise auch gegen die Vertrauensleutek\u00f6rper (wenn diese nicht mit den MigrantInnen gemeinsam k\u00e4mpften). 1973 hie\u00dfen sie noch einfach \u201eVerr\u00e4ter\u201c, sp\u00e4ter, als eine der Lehren des Kapitals, wurde ihre Vereinnahmung und Einbindung in die Betriebs- und Standortinteressen bis weit \u00fcber die Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes hinaus professionalisiert und das \u201eCo-Management\u201c geboren. Dies geschah teilweise schleichend durch kleine Privilegien, wie z.B. Normalarbeitszeit in einem Schichtbetrieb, oder durch direkte Korruption durch Geh\u00e4lter und Ausstattung auf Managementebene bis hin zu den ber\u00fchmten Puffbesuchen im Fall VW. Allerdings galt diese Strategie vor allem in Gro\u00dfbetrieben der Auto-, Stahl- oder Chemieindustrie, w\u00e4hrend in Kleinbetrieben die Betriebsratsgr\u00fcndung m\u00f6glichst behindert wurde und immer noch wird, nun unter dem Namen \u201eUnion Busting\u201c. Dies f\u00e4llt umso leichter, als die kleine \u201eF\u00fchrungsspanne\u201c in kleinen Betrieben viele der Lohnabh\u00e4ngigen zur Illusion verleitet, Konflikte direkt und auf gleicher Augenh\u00f6he mit \u201edem Chef\u201c l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, denn ginge es diesem gut&#8230;<br \/>\nAuch heute noch sind die Belegschaften in jungen Dienstleistungsbetrieben (Call Center z.B.) und \u201eStartups\u201c daf\u00fcr bekannt, nach Gewerkschaft und Betriebsrat erst zu rufen, wenn es ihnen existenziell an den Kragen geht. Auch deshalb wird in Gro\u00dfkonzernen der Einbindung der Betriebsr\u00e4te nicht ganz vertraut und zus\u00e4tzlich versucht, arbeitsorganisatorisch kleinbetriebliche Strukturen zu simulieren.<br \/>\nDenn die Lehren des Kapitals bezogen sich, \u00fcber die Domestizierung der Betriebsr\u00e4te hinaus, auch auf die Einbindung der Belegschaften \u2013 und ihre Spaltung. Hierf\u00fcr gab es im Laufe der Jahrzehnte mehrere Schritte auf verschiedenen Handlungsebenen.<br \/>\nDie auff\u00e4lligsten betrieblichen Ver\u00e4nderungen folgten hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation \u2013 hier zeigte sich auch am besten die bekannte F\u00e4higkeit des Kapitals, empanzipatorische Forderungen aufzugreifen, anzueignen und gegen uns zu wenden.<br \/>\nUrsache f\u00fcr die betrieblichen Aufst\u00e4nde von 1973 waren ja bekanntlich nicht nur die Inflation (\u201eEine Mark mehr!\u201c) und (doppelte) Lohndiskriminierung, der Kampf galt auch der Diktatur des Flie\u00dfbandes. Dieses gibt es bekanntlich bis heute, doch in den 1970er bis 90er Jahren tummelten sich viele ArbeitssoziologInnen (ich war eine davon), ArbeitsmedizinerInnen und ArbeitspsychologInnen in staatlich finanzierten Projekten mit den wohlklingenden Zielen der \u201eHumanisierung der Arbeitswelt\u201c und der \u201eZeitsouver\u00e4nit\u00e4t\u201c. Die entgrenzenden Folgen von \u201eVertrauensarbeitszeit\u201c, Gleitzeit und flexiblen Arbeitszeiten k\u00f6nnen auch heute beobachtet werden. Doch vor allem die damalige Einf\u00fchrung der Gruppenarbeit in den Fabriken wurde dabei als Erfolg gefeiert und (meine) Kritik daran auch von KollegInnen scharf kritisiert. Dabei war schon damals offensichtlich, dass die Forderungen der Belegschaften nur vorgeblich aufgegriffen wurden und auch ihre Aufwertung durch verbale Wertsch\u00e4tzung (z.B. im kontinuierlichem Verbesserungsprozess) das \u201eGold in den K\u00f6pfen\u201c derjenigen absch\u00f6pfen sollte, die bislang nicht zum Denken in die Fabrik kommen, sich aber nun selbst wegrationalisieren sollten.<br \/>\nNat\u00fcrlich galten die revolution\u00e4r klingenden Ver\u00e4nderungen den Zielen der Kostenersparnis auf allen Ebenen (Material, Arbeitskraft, Platz und Zeit), der sich die Lean Production \/ schlanke Produktion verschrieben hatte \u2013 zun\u00e4chst in den Fabriken, schnell auch in Dienstleistung und Verwaltung. Was mir damals niemand glauben wollte, ist heute allseits bekannt, auch als der \u00dcberausbeutung dienender permanenter Personalmangel.<br \/>\nF\u00fcr unseren Zusammenhang sind die psychologischen Nebeneffekte dieser Strategien bedeutsamer, denn sie wirken bis heute und haben meines Erachtens gro\u00dfen Anteil an unseren heutigen gewerkschaftlichen Mobilisierungsproblemen.<br \/>\nDenn mit der Dezentralisierung der Arbeitssturkturen, v.a. mit Hilfe der gewerkschaftlich geforderten Gruppenarbeit, ist es gelungen, Konkurrenz nicht mehr \u201enur\u201c zwischen Nationen, Unternehmen und gar ihren internationalen Standorten, sondern sogar innerhalb eines Betriebes, zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen zu verankern. Steuerung durch Zahlen und Arbeitsvorgaben (\u201ees ist uns egal, wie ihr das macht\u201c) macht offen autorit\u00e4re F\u00fchrung \u00fcberf\u00fcssig \u2013 nun perfektioniert in der Steuerung durch eine App, wie sie vor allem die EssenslieferantInnen erleben. Fast nebenbei wurden allt\u00e4gliche Konflikte vom direkten Vorgesetzten zu den KollegInnen umgeleitet: Sei es die nun den Gruppen selbst \u00fcberlassene Urlaubsplanung, sei es die Jagd auf Kranke. Letzte entstand als Konfliktherd untereinander durch konzernweiten Wettbewerb der Krankheitsquoten einerseits und die Abschaffung der fr\u00fcheren \u201ePersonalreserven\u201c andererseits. Heute kann bis zum Gesundheitswesen der perverse Druck aufeinander zur \u201eAnwesenheit im Krankheitsfall\u201c beobachtet werden.<br \/>\nSolche Internalisierung der Unternehmensziele und Dezentralisierung von F\u00fchrung und Kontrolle geschah durch die konstruierte N\u00e4he zum Markt und dessen Sachzw\u00e4ngen, wie sie in einem kleinen Handwerksbetrieb meist leider erlebt werden. Doch kamen und kommen die KollegInnen z.B. in kleinen Klitschen nicht in den \u201eGenuss\u201c von Unternehmensaktien, die diese gezielte Identifikation verst\u00e4rken: \u201eWir m\u00fcssen mir k\u00fcndigen, weil ich zu oft krank gefeiert habe\u201c.<br \/>\nNat\u00fcrlich gibt es solche Einbindungstrategien auch hinsichtlich der Entlohnung. \u201eEine Mark mehr!\u201c oder \u201e300 Mark und keinen Pfennig weniger!\u201c bei Opel in Bochum \u2212 in dieser Forderung f\u00fcr Teuerungszulagen hatten sich 1973 MigrantInnen und Deutsche, Frauen und M\u00e4nner verb\u00fcndet. Vor allem bei Pierburg in Neu\u00df k\u00e4mpften migrantische Frauen zudem erfolgreich gegen die Diskriminierung durch sogenannte Leichtlohngruppen und f\u00fcr einen bezahlten Hausfrauentag im Monat.<br \/>\nNat\u00fcrlich sind wir 2023 leider immer noch weit entfernt von echter Gleichstellung, doch offene Lohndiskriminierung gibt es nicht mehr \u2013 diese w\u00e4re zu platt, zu angreifbar \u2013 und ist auch nicht mehr n\u00f6tig. Denn wurden 1973 noch offen untereinander die Lohnzettel verglichen (wenn nicht oder wenn auch arbeitsvertraglich verboten), hat diese Offenheit untereinander sp\u00e4testens seit der Leanproduction und den \u201eNasenpr\u00e4mien\u201c, Leistungszulagen, Anwesenheitspr\u00e4mien etc. leider meist aufgeh\u00f6rt. Dies ist keine Bagatelle, sondern lediglich ein Indiz von vielen, wie es dem Kapital gelungen ist, gew\u00fcnschte Spaltungslinien zu internalisieren und die Individualisierung im Kampf untereinander um den G\u00f6tzen \u201eArbeitsplatz\u201c voranzutreiben \u2013 auch wenn dieser l\u00e4ngst nicht die Existenz sichert.<br \/>\nDenn: Werden die Streiks von 1973 oft als Arbeitsk\u00e4mpfe gegen das System gespaltener Belegschaften bezeichnet, sind seitdem viele weitere Spaltungslinien im Betrieb hinzugekommen \u2013 Entlohnung ist nur der offensichtlichste Faktor davon. Die damals offen rassistische Betriebshierarchie ist nun verdeckter, die Spaltungslinien verlaufen nicht mehr offensichtlich entlang der Nationalit\u00e4t oder des Geschlechtes, sondern zwischen den \u201eKernbelegschaften\u201c und der zunehmenden Anzahl ihrer R\u00e4nder von Befristungen bis zu Leiharbeit. Diese Spaltungen samt Unterschieden in Entlohnung, Arbeitsplatzsicherheit, Urlaubsanspr\u00fcchen etc. werden als Erfolg der betrieblichen Wettbewerbsstrategien von Stammbelegschaften und ihren gewerkschaftlichen Interessenvertretungen mitgetragen als vermeintliches \u201eSicherheitspuffer\u201c gegen Entlassungen oder auch nur Lohnabbau. Auch deshalb hat es z.\u00a0B. unsere Leiharbeitskampagne so schwer, auch bei vielen Gewerkschaftslinken&#8230;<br \/>\nBei so vielen Spaltungslinien innerhalb der Klassen (Erwerbslose habe ich ausnahmsweise aus der Betrachtung ausgenommen), ger\u00e4t die rassistische schnell aus dem Blick. Und ja, Gewerkschaftsapparate haben seitdem vieles gegen Rassismus unternommen, nicht nur die ber\u00fchmte Gelbe-Hand-Kampagne. Doch faktisch sind MitgrantInnen in Betriebsr\u00e4ten oder gar Gewerkschaftsvorst\u00e4nden Mangelware.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzlich sorgte ein Urteil f\u00fcr Emp\u00f6rung, das den Belegschaftsversammlungen eine \u00dcbersetzung versagt \u2013 aber auch ver.di tut sich schwer, z.\u00a0B. Rider zu organisieren \u2013 mit Verweis auf sprachliche H\u00fcrden&#8230; \u00dcber rechte Betriebsr\u00e4te oder die erschreckenden \u00fcberdurchschnittlichen Anteile von Gewerkschaftsmitgliedern an den AfD-W\u00e4hlerInnen wird ungern gesprochen.<br \/>\nAllerdings werden erneut dringend Arbeitskr\u00e4fte ben\u00f6tigt, um den \u201eStandort Deutschland\u201c zu retten \u2013 die weltweite Anwerbung von Fachkr\u00e4ften (und nur diesen!) findet aber nun unter anderen Voraussetzungen statt, denn mittlerweile hat eine breite \u201eMigrantisierung\u201c der Arbeitsbedingungen stattgefunden im Sinne ihrer Prekarisierung \u2013 aller Konzentration der Gewerkschaften auf diese zum Trotz auch in den Kernbelegschaften. Und die betriebliche Integration der ArbeitsmigrantInnen findet nun vor dem Hintergrund einer angeblich antiautorit\u00e4ren Unternehmenskultur des mitdenkenden und mitverantwortlichen \u201eMitarbeiters\u201c statt. Solche haben Solidarit\u00e4t lediglich als diejenige mit den Unternehmenszielen im weltweiten Wirtschaftskampf zu verstehen \u2013 und tun es leider oft genug.<br \/>\nGewerkschaften haben dem nichts entgegen zu setzen\u2013. Sie wollen es auch nicht, solange auch sie die nationalen Wirtschaftsinteressen zu ihren machen. Es regt mich sp\u00e4testens seit der zaghaften Ablehnung der Hartz-4-Gesetze durch den DGB auf, als Erwerbslose als Tr\u00e4ger von Kaufkraft betrachtet werden mussten, um die skandal\u00f6se H\u00f6he der sog. Grundsicherung zu kritisieren. Auch bei jeder Tarifrunde stellen L\u00f6hne nicht das dar, was die Menschen brauchen, sondern potenzielle Nachfrage. Statt vielen weiteren Beispielen sei hier nur das neueste genannt, der verbilligte Strompreis f\u00fcr die Industrie und nicht f\u00fcr die Lohnabh\u00e4ngigen. Solch ein instrumentelles Menschenbild spielt dem Kapital in die H\u00e4nde und steht jeglicher Form der Solidarit\u00e4t der Klasse untereinander entgegen.<br \/>\nWenn heute ein Rider in der 4. Etage ein Essen oder vergessenes Lebensmittel liefert (und oft daf\u00fcr kein Trinkgeld bekommt), stehen an der T\u00fcr zwei Lohnabh\u00e4ngige gegen\u00fcber, vermittelt \u00fcber eine vermeintlich anonyme und neutrale App. Der unsichere Aufenthalt des einen wird jedoch durch das gleiche Kapital ausgebeutet, wie die unbezahlten \u00dcberstunden der anderen. Und sie sind aufeinander angewiesen: \u201eW\u00e4rst Du nicht hungrig (m\u00fcde oder tr\u00e4ge), w\u00e4re ich l\u00e4ngst ausgewiesen\u201c. Eine Gewerkschaft, die in meinen Augen aus 1973 (und der Entwicklung danach) gelernt h\u00e4tte, w\u00fcrde uns den (unn\u00f6tigen) Verzicht nicht mit dem Verweis auf kapitalistische Sachzw\u00e4nge und unsere vermeintlichen Konsumw\u00fcnsche schmackhaft machen wollen. Sie w\u00fcrde f\u00fcr Bedingungen k\u00e4mpfen, die beiden ein w\u00fcrdiges und gesundes Leben und (Nicht)Arbeiten erm\u00f6glichen.<br \/>\nSo aber besteht die Gefahr, dass die aktuell vielen Artikel und Veranstaltungen zu 1973 bei einem rein nostalgischen Charakter verbleiben. Es ist gef\u00e4hrlich, weil die bestehende Krise einer Gewerkschaftsbewegung, die auf die Kapitalstrategien und ihre Spaltungen immer noch keine durchschlagende Antwort gefunden hat (oder gar diese mittr\u00e4gt), schon lange zu oft den Blick zur\u00fcck verf\u00e4lscht. So nachvollziehbar es ist, sich in Zeiten zur\u00fcckzusehnen, in denen Tariferh\u00f6hungen rituellen Charakter hatten, die angeblich \u201egoldenen 70er Jahre\u201c der Gewerkschaften beruhten auf der Systemkonkurrenz und nicht unserer St\u00e4rke. Zu viele \u00e4ltere und v.\u00a0a. m\u00e4nnliche Gewerkschafter vergessen seit Jahrzehnten, dass es diese angeblich \u201egoldenen\u201c Jahre nur f\u00fcr m\u00e4nnliche und deutsche Facharbeiter gab, nicht f\u00fcr Frauen, nicht f\u00fcr Migranten und f\u00fcr migrantische Frauen schon gar nicht. Besser und f\u00fcr uns zielf\u00fchrender w\u00e4re, den Streiks von 1973 als denjenigen zu gedenken, in denen in vielen Betrieben erstmals internationale und geschlechter\u00fcbergreifende Solidarit\u00e4t ge\u00fcbt wurde. Diese gilt es n\u00e4mlich wieder zum Leben zu erwecken.<br \/>\nEs gibt keine Arbeitsrechte, es sei denn f\u00fcr alle.<br \/>\nEs gibt keinen Sozialstaat, es sei denn f\u00fcr alle.<br \/>\nEs gibt keine Menschenrechte, es sei denn f\u00fcr alle.<br \/>\nWenn wir das, wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen, f\u00fcr alle wollen, hat der Faschismus keine Chance.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum etwas ist selbstverst\u00e4ndlicher, als heute auf die Streikbewegung von 1973 in Deutschland zu blicken, ein 50-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um erfordert es geradezu. Entsprechend gibt es eine F\u00fclle von Artikeln und Veranstaltungen, die auf die Streiks von damals zur\u00fcckblicken. 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