{"id":30570,"date":"2023-11-27T13:46:27","date_gmt":"2023-11-27T11:46:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/11\/von-schweden-nach-spanien\/"},"modified":"2023-11-28T15:25:45","modified_gmt":"2023-11-28T13:25:45","slug":"von-schweden-nach-spanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/11\/von-schweden-nach-spanien\/","title":{"rendered":"Von Schweden nach Spanien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In Schweden erschien mit \u201eSvenska anarkister och syndikalister i spanska inb\u00f6rdeskrieget\u201c (Schwedische Anarchist*innen und Syndikalist*innen im Spanischen B\u00fcrgerkrieg) von Per Lindblom ein Buch \u00fcber Anarcho-Syndikalist*innen, die von Schweden aus nach Spanien gingen, um sich ab 1936 am Kampf gegen Franco und f\u00fcr die Soziale Revolution zu beteiligen.<br \/>\nIm Kapitel \u201eKorrespondent*-\u2028innen im Dienst der Revolution\u201c stehen die schwedischen Syn\u2028dikalist*innen Margit Manus (1909\u20131971), Axel \u00d6sterberg (1911\u20131968), Rudolf Berner (1907\u20131977), Maja Funseth (1907\u20131994) und das Kasseler FAUD-Mitglied Fred Schr\u00f6der (1904\u20131984) im Mittelpunkt. Sie arbeiteten 1936 und 1937 f\u00fcr das \u201eOficina des Information Exteri\u00f3r de la CNT und FAI\u201c, dem Ausw\u00e4rtigen Informationsb\u00fcro der CNT (Confederaci\u00f3n Nacional del Trabajo, Konf\u00f6deration anarchosyndikalistischer Gewerkschaften in Spanien) und der FAI (Federaci\u00f3n Anarquista Ib\u00e9rica, Iberische Anarchistische F\u00f6deration).<br \/>\nBevor Fred Schr\u00f6der mit seiner Freundin Maja Funseth in der Nachfolge von Manus und \u00d6sterberg f\u00fcr das Ausw\u00e4rtige Informationsb\u00fcro von CNT und FAI arbeitete, wurde er auf Anraten von dem deutschen Syndikalisten Helmut R\u00fcdiger (1903\u20131966) f\u00fcr den Nachrichtendienst der CNT und FAI rekrutiert. Eine Aufgabe innerhalb des Servicios de Information e Investigaci\u00f3n de la CNT-FAI war die Spionageabwehr gegen deutsche Nazis, die sich noch in der Stadt aufhielten. Das Ermittlungsteam, dem Schr\u00f6der angeh\u00f6rte, war ausschlie\u00dflich deutschsprachig und hatte vor allem die Aufgabe, die \u00dcberreste der nationalsozialistischen Auslandsorganisation in Katalonien aufzudecken. Die Gruppe bestand zun\u00e4chst aus Ferdinand G\u00f6tze (1907\u20132003), Arthur Lewin (1907\u20131976), Emil Hessenthaler (1914\u2013?) und Egon Illfeld (1914\u20131985), wobei die beiden letztgenannten ehemalige Kommunisten waren, die erst k\u00fcrzlich der Exilorganisation DAS (Deutsche Anarchosyndikalisten) beigetreten waren. Einige Zeit sp\u00e4ter kam Helmut Kirschey (1913-2003) hinzu. Sie waren bewaffnet und mit CNT- und FAI-Ausweisen und -Zertifikaten ausgestattet, die ihnen die Befugnis gaben, ihre Arbeit auszuf\u00fchren, ohne dass jemand das Recht hatte, sie daran zu hindern.<br \/>\nBerner war die Arbeit im Informationsb\u00fcro von CNT und FAI immer zu wenig. Er wollte reisen und davon berichten. Er durfte Ende Dezember 1936 in einem Wagen der CNT von Barcelona ins revolution\u00e4re Arag\u00f3n fahren. Silvester verbrachte er in Bujaraloz einige Kilometer hinter der Front bei der Kolonne Durruti. Neujahr machten sie sich auf dem Weg nach einem der D\u00f6rfer an die Front im Sektor der Kolonne Durruti. In der Arbetaren berichtet er begeistert \u00fcber das Fortschreiten der sozialen Revolution in Arag\u00f3n und von der Kollektivierung. In der ersten Januarwoche 1937 kam er wieder in Barcelona an.<br \/>\nEin weiterer Schwerpunkt sind die schwedischen Syndikalisten, die in der Kolonne Durruti k\u00e4mpften. Es waren Olov Jansson (1913\u20131984), der von November 1936 bis Februar 1937 in Spanien war, und Nils \u201eLisse\u201c N\u00e4tt (1907\u20131988), der dort von Januar 1937 bis Dezember 1937 lebte. Beide waren an der Aragon-Front im Einsatz. Drei weitere Schweden stie\u00dfen zur Kolonne Durruti. Dabei handelte es sich um Yngve Andersson, Ejlert Hagberg und Harry Norrblom. Alle drei waren Mitglieder der Sozialistischen Partei in Schweden, standen aber in der \u201eSpanienfrage\u201c der schwedischen, (anarcho-)syndikalistischen Gewerkschaft SAC (Sveriges Arbetares Centralorganisation) nahe. F\u00fcr L\u00e4tt enden die K\u00e4mpfe in der Columna Durutti mit dem Verlust eines Auges, auch die drei anderen Schweden wurden verwundet. Alle wurden in einem Krankenhaus in Tarragona behandelt.<br \/>\nIn dem Kapitel \u201eIn der untergegangen Republik\u201c geht es noch einmal um Rudolf Berner. Im Mai 1938 kam Berner erneut in Spanien an. Er sollte die L\u00fccke schlie\u00dfen, die Maja Funseth und Fred Schr\u00f6der mit ihrer Abreise nach Schweden hinterlie\u00dfen. Die CNT bat die SAC, jemanden zu schicken. Berner war nun bei der CNT angestellt und arbeitete im internationalen Informationsb\u00fcro der CNT-FAI. Seit Berner Spanien das letzte Mal verlassen hatte, hatte sich viel ver\u00e4ndert. Die Aragonfront war zusammengebrochen und die entstandene anarchistische Gesellschaftsstruktur war weitgehend verschwunden. Die Militarisierung der anarchistischen Milizen war abgeschlossen und die CNT war in die Regierung eingetreten. Berner blieb bis zum Juli 1939.<br \/>\nBei allen geht Lindbolm auf den politischen Werdegang ein und er nutzt die Aktivit\u00e4ten der genannten Personen, um \u00fcber die Ereignisse und den Verlauf der sozialen Revolution und des B\u00fcrgerkrieges in Spanien zu erz\u00e4hlen. Lindbolm konnte f\u00fcr sein Buch auf die Artikel zugreifen, die die Syndikalist*innen aus Spanien nach Schweden schickten und in der schwedischen anarchosyndikalistischen Zeitung \u201eArbetaren\u201c ver\u00f6ffentlicht wurden, und eine Reihe von Briefen. Daraus konnte Lindbolm rekonstruieren, was die in Spanien machten, was sie erlebten und wie sie die Dinge sahen.<br \/>\nAm Ende beschreibt Lindbolm, wie das Leben der Syndikalist*innen nach ihrer R\u00fcckkehr nach Schweden bis zu ihrem Tod verlief. Interessant f\u00fcr die deutschen Leser*innen ist das Kapitel \u00fcber Fred Schr\u00f6der da hier noch mal die Aktivit\u00e4ten deutscher Syndikalist*innen um Schr\u00f6der, w\u00e4hrend des Krieges beschrieben werden. Lindbolm hat mit diesem Buch eine L\u00fccke in der syndikalistischen Geschichte und der Sozialen Revolution und des B\u00fcrger*innenkrieges in Spanien geschlossen. Aber hier warten noch einige Aufgaben f\u00fcr uns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Schweden erschien mit \u201eSvenska anarkister och syndikalister i spanska inb\u00f6rdeskrieget\u201c (Schwedische Anarchist*innen und Syndikalist*innen im Spanischen B\u00fcrgerkrieg) von Per Lindblom ein Buch \u00fcber Anarcho-Syndikalist*innen, die von Schweden aus nach Spanien gingen, um sich ab 1936 am Kampf gegen Franco und f\u00fcr die Soziale Revolution zu beteiligen. 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