{"id":30585,"date":"2023-11-27T13:46:37","date_gmt":"2023-11-27T11:46:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/11\/der-vergessene-krieg-2\/"},"modified":"2023-12-04T22:32:19","modified_gmt":"2023-12-04T20:32:19","slug":"der-vergessene-krieg-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2023\/11\/der-vergessene-krieg-2\/","title":{"rendered":"Der vergessene Krieg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu den Darstellungen in manchen Berichten erlebe ich Rojava in diesen Tagen nicht als funktionsunf\u00e4hig, mit weitgehend zerst\u00f6rter Infrastruktur, und schon gar nicht am Boden liegend. Vieles funktioniert, ist unzerst\u00f6rt geblieben oder wurde repariert. Die Bedingungen sind sehr schwierig, aber die Menschen der Region sind trotz alledem nicht nur Opfer, sondern auch aktiv Agierende. Wir sollten vorsichtig sein mit Darstellungen, die das Zerst\u00f6rungswerk Erdo\u011fans gr\u00f6\u00dfer machen als es ist. Denn damit w\u00fcrden wir seiner Strategie, Angst und Schrecken zu verbreiten, in die H\u00e4nde spielen.<br \/>\nDie aktuellen, seit Anfang Oktober verst\u00e4rkt ausgef\u00fchrten Bombenangriffe durch das t\u00fcrkische Milit\u00e4r haben massive Auswirkung auf die Bev\u00f6lkerung Rojavas, auf materieller Ebene vor allem im Bereich der Energie- und Wasserversorgung. War die Infrastruktur durch fr\u00fchere t\u00fcrkische Angriffe auf Pumpstationen und die Niedrigregulierung des Euphrat bereits in einem schlechten Zustand, sind nun die Verh\u00e4ltnisse in bestimmten Bereichen katastrophal.<br \/>\nSchon seit vielen Monaten greifen Kampfflugzeuge und Drohnen der t\u00fcrkischen Armee immer wieder Menschen, Fahrzeuge und lebenswichtige Infrastruktur in dem autonomen, vom syrischen Assad-Regime unabh\u00e4ngigen, selbstverwalteten Gebiet an. Die Situation in Nordostsyrien hat sich jedoch in den letzten Wochen noch einmal deutlich versch\u00e4rft. Auch Mitte bis Ende Oktober, als ich mich erneut im Gebiet aufhielt, wurden Luftangriffe mit Drohnen auf Menschen und Fahrzeuge geflogen, die Beschie\u00dfung der Gebiete um Tal Tamir und Ain Issa mit Gesch\u00fctzen wurde fortgesetzt.<br \/>\nLaut der Vertretung der Selbstverwaltung ergibt sich allein seit Anfang Oktober folgende Bilanz (Stand 19.10.2023): Bei 580 Luftangriffen wurden 44 Menschen get\u00f6tet, darunter zwei Kinder, 55 wurden verletzt. Elf Kraftwerke wurden besch\u00e4digt, zwei Krankenh\u00e4user (laut meinen Recherchen zum Zeitpunkt der Angriffe unbelegt) wurden zerst\u00f6rt, 48 Bildungsst\u00e4tten wurden angegriffen, ein Fortbildungszentrum einer Einheit f\u00fcr Anti-Drogen-Eins\u00e4tze wurde bombardiert. Dem t\u00fcrkischen Regime dient ein Anschlag, zu dem sich die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK bekannt hat, als Vorwand f\u00fcr die verst\u00e4rkten Angriffe. Bei dem am 1. Oktober 2023 erfolgten Angriff auf das Innenministerium in Ankara kamen die beiden Attent\u00e4ter ums Leben, zwei Polizisten wurden verletzt. Neben der Tatsache, dass die Menschen Rojavas nicht f\u00fcr den Anschlag verantwortlich sind, ist diese Begr\u00fcndung auch vor dem Hintergrund seit Jahren bestehender Angriffe und Invasionen auf Nordostsyrien zynisch. Von Anbeginn der Selbstorganisierung der multiethnischen Bev\u00f6lkerung im Norden Syriens, hier leben neben kurdischen Menschen u.a. arabische, aram\u00e4ische und jesidische Bewohner*innen, wird Rojava von der T\u00fcrkei zunehmend attackiert.<br \/>\nDie Menschen in Rojava distanzieren sich vom Assad-Regime und haben die Gleichberechtigung der Geschlechter eingef\u00fchrt. Im B\u00fcndnis mit der Anti-IS-Koalition haben sie die islamistische Terrororganisation \u201eIslamischer Staat\u201c (IS) milit\u00e4risch zerschlagen. Dieser Selbstorganisierungsprozess, verbunden mit einer Erstarkung der Selbstverteidigungsf\u00e4higkeit, wird von Erdo\u011fan machtpolitisch gef\u00fcrchtet. Auch im angrenzenden Nordirak existiert eine kurdische Regionalregierung, diese ist jedoch als konservative Clangesellschaft strukturiert (Barzani- und Talabani-Familie) und kooperiert mit dem t\u00fcrkischen Machthaber Erdo\u011fan, anders als die Selbstverwaltung Nordostsyriens. Das Erdo\u011fan-Regime befahl vor diesem Hintergrund mehrfach den Einmarsch in Nordsyrien, in Afrin ((2)) 2018, ebenso wie die Invasion 2019. Die \u00dcberf\u00e4lle hatten nicht nur zahlreiche Tote und Verletzte zur Folge, sondern vertrieben zudem Hunderttausende aus ihren angestammten Gebieten. Die Attacken des NATO-Landes T\u00fcrkei auf Rojava sind also keine Reaktion auf ein aktuelles Ereignis, sondern finden schon seit Jahren statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Angriffe der T\u00fcrkei zielen, neben der Zerst\u00f6rung von vor allem ziviler Infrastruktur, auch auf die mentale Verfasstheit der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wurden bei den wiederholten Invasionen der T\u00fcrkei hunderttausende Menschen entwurzelt, folgen nun seit geraumer Zeit unberechenbare Angriffe: T\u00fcrkische Piloten und Soldaten bombardieren und beschie\u00dfen M\u00e4nner, Frauen, Kinder, es kann prinzipiell jeden treffen, immer und \u00fcberall. Dies verursacht tiefe Unsicherheit und ein Gef\u00fchl andauernder Bedrohung. Die so erzeugte Angst ist entscheidender Faktor der Kriegsf\u00fchrung.<br \/>\nPsychische Gesundheit ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) \u201eein integraler Bestandteil von Gesundheit und Wohlbefinden und untermauert unsere individuellen und kollektiven F\u00e4higkeiten, Entscheidungen zu treffen, Beziehungen aufzubauen und die Welt, in der wir leben, zu gestalten. Psychische Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Und ist entscheidend f\u00fcr die pers\u00f6nliche, gemeinschaftliche und sozio\u00f6konomische Entwicklung.\u201c<br \/>\nGenau hier setzt die Strategie des Erdo\u011fan-Regimes an. Die Angriffe auf Menschen und zivile Infrastruktur durch das NATO-Land T\u00fcrkei sind Kriegsverbrechen. Sie zielen auf die psychische Verfasstheit und folgen dem erkennbaren Konzept eines andauernden Psychoterrors gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung Nordostsyriens. Die Angriffe t\u00f6ten und verletzen Menschen, zerst\u00f6ren Infrastruktur und versetzen weitere Menschen in Angst und Schrecken. Sie sollen verunsichern und letztlich ein Leben in Frieden verunm\u00f6glichen.<br \/>\nIm Rahmen meines Aufenthaltes konnte ich im Auftrag der St\u00e4dtepartnerschaft Kreuzberg-Friedrichshain Derik und der St\u00e4dtefreundschaft Frankfurt-Koban\u00ea Spendengelder an die jeweiligen B\u00fcrgermeisterinnen \u00fcbergeben. Beim Besuch der Rath\u00e4user, sie liegen mehrere hundert Kilometer entfernt im Westen und Osten Rojavas, wurde mir eindr\u00fccklich die Not und die Folgen f\u00fcr abertausende Menschen der Regionen geschildert. Zerst\u00f6rte Pumpstationen und Leitungssysteme lassen die Versorgung durch Tankwagen notwendig werden. Noch funktionierende Pumpen sind durch zerst\u00f6rte Kraftwerke nur noch mit Hilfe von Dieselgeneratoren zu betreiben. Zum Teil lassen sich die Sch\u00e4den nicht beheben, da sie im direkten Feuerbereich t\u00fcrkischer Gesch\u00fctze liegen. Soweit die praktisch-materiellen Folgen.<br \/>\nBeide B\u00fcrgermeisterinnen beklagen jedoch \u00fcbereinstimmend neben der Zerst\u00f6rung ziviler Infrastruktur vor allem den \u201esteigenden Verlust von Sicherheit\u201c. Sie beschreiben die \u201eVerbreitung von Angst und Schrecken\u201c als wesentliche negative Auswirkung auf die Bev\u00f6lkerung. \u201eDie Angriffe durch t\u00fcrkische Kampfflugzeuge und Drohnen, aber auch durch direkten Beschuss \u00fcber die Grenze hinweg, sind eine permanente unberechenbare Bedrohung.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Das Erdo\u011fan-Regime erh\u00e4lt im Rahmen des sogenannten \u201eEU-T\u00fcrkei-Fl\u00fcchtlingspakts\u201c seit Jahren Milliardenbetr\u00e4ge zur Versorgung, sprich der Zur\u00fcckhaltung von Geflohenen. Gleichzeitig ist das Regime tatkr\u00e4ftig f\u00fcr die Schaffung neuer Fluchtursachen verantwortlich.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie real diese Aussage von Rawsan Abdi, der B\u00fcrgermeisterin von Koban\u00ea ist, zeigt sich, als mir ein Durchschuss in der Wand ihres B\u00fcros auff\u00e4llt. Auf meine Nachfrage hin werden mir zahlreiche Durchsch\u00fcsse in den W\u00e4nden des Rathauses gezeigt, sowie Projektile schwerer Maschinenwaffen.<br \/>\nDas Rathaus liegt wenige Hundert Meter entfernt in direkter Sichtweite der t\u00fcrkischen Grenzsoldaten. Eine hohe Mauer und Stacheldrahtverhaue trennt nicht nur die Staaten T\u00fcrkei und Syrien, sondern auch die beiden kurdischen Gebiete h\u00fcben und dr\u00fcben. Die t\u00fcrkischen Posten schie\u00dfen des \u00d6fteren und v\u00f6llig grundlos auf das Geb\u00e4ude der Kommune, die Geschosse durchschlagen die W\u00e4nde und sind ohne weiteres in der Lage, die hier Besch\u00e4ftigten zu verletzen oder gar zu t\u00f6ten. Es ist reiner Zufall, dass hier bis jetzt niemand getroffen wurde. Ich kann problemlos durch die Einschuss-l\u00f6cher ins Freie sehen, eine f\u00fcr mich unfassbare Perspektive.<br \/>\nNicht selten werden Menschen, die auf den grenznahen Feldern arbeiten, durch Gewehr- oder Granatfeuer getroffen, verletzt oder umgebracht. Die unberechenbare Grausamkeit t\u00fcrkischer Grenztruppen ist nicht neu. Ich erlebte dies bereits 2015 in Ser\u00eakaniy\u00ea, einer 30.000-Ein-wohner:innen-Stadt, in der Kur-\u2028d:innen, Armenier:innen, Suryoye, Tschetschen:innen, Turk-men:innen und Jezid:innen bis zur Invasion der T\u00fcrkei 2019 zusammenlebten. Im Krankenhaus von Ser\u00eakaniy\u00ea wurde mir 2015 ein auf einem grenznahen Feld arbeitender Jugendlicher mit Beindurchschuss zur Versorgung gebracht. Auf ihn war ohne jeden Grund geschossen worden. Ziel der Angriffe ist die Destabilisierung auf materieller, aber vor allem auch auf mentaler Ebene.<br \/>\nDie forcierten systematischen Angriffe auf Menschen und Material seit Anfang Oktober 2023 haben jedoch weitaus weniger mit individueller Grausamkeit zu tun, als vielmehr mit der Strategie einer nachhaltigen Zerm\u00fcrbung. Hochfliegende Drohnen sind unsichtbar und nicht zu h\u00f6ren, nichts rettet vor der pl\u00f6tzlich einschlagenden Rakete, sie t\u00f6tet, verletzt, zerst\u00f6rt. Betroffen sind explizit nicht nur milit\u00e4rische Ziele der Selbstverteidigungseinheiten YPG\/YPJ\u00a0((1)), sondern auch zivile Menschen und Einrichtungen.<br \/>\nDie Strategie der T\u00fcrkei folgt offensichtlich dem Muster eines Krieges niedriger Intensit\u00e4t: die Beschie\u00dfung einzelner, auch kleinerer Ziele, die Ermordung der Insassen einzelner PKWs, die Zerst\u00f6rung einzelner wichtiger Anlagenbereiche. Die Bombardierung einer Polizeieinheit in der N\u00e4he der \u00d6lfelder bei Rimelan, bei der 29 Menschen starben, stellte den Angriff mit den meisten Opfern dar. Obwohl milit\u00e4rtechnisch weit \u00fcberlegen, vermeidet die t\u00fcrkische Armee zurzeit massive gro\u00dfe Angriffe, die Bombardierung von ganzen Wohnvierteln, oder eine erneute \u00dcberschreitung der Grenze mit Panzereinheiten, um keine gr\u00f6\u00dfere negative Aufmerksamkeit zu wecken. Dies zeigt Erfolg, denn obwohl sich die Angriffe massiv auf Rojava auswirken, entziehen sie sich der medialen Aufmerksamkeit, die auf den russischen Angriff auf die Ukraine, den Terror der Hamas und die Bombardierung Gazas fokussiert ist. Eine perfide Strategie, sich nicht im Ranking der Kriegsverbrechen und des Terrors im quantitativen Spitzenbereich zu bewegen\u2026<br \/>\nDa auch die westlichen Regierungen, wie meist, zu den Verbrechen Erdo\u011fans schweigen, k\u00f6nnen Mord und Zerst\u00f6rung ungest\u00f6rt weitergehen. Es sind die gleichen Regierungen, die vor nicht allzu langer Zeit das Ende des IS bejubelten und nun jene vergessen, die daf\u00fcr die K\u00f6pfe hingehalten haben. Schwerer als der Respekt vor den Opfern kurdischer K\u00e4mpfer*innen wiegen Abkommen \u00fcber Geflohene und die NATO-Partnerschaft. Die R\u00fccksichtnahme auf den Potentaten und seine Kriegsverbrechen beweist eiskalten politischen Zweckpragmatismus, sowie unertr\u00e4gliche Doppelmoral, da vergleichbare Unmenschlichkeit an anderen Fronten zu Recht beklagt und angeprangert wird. Anstatt alles daf\u00fcr zu tun, die Angriffe zu verhindern und vielmehr endlich massive notwendige Aufbauunterst\u00fctzung f\u00fcr Nordostsyrien zu leisten, wird die von Seiten der t\u00fcrkischen Regierung beabsichtigte Instabilisierung der Region in Kauf genommen. Ein Fehler, der nicht zuletzt dem im Untergrund lauernden IS weiter m\u00f6rderische Spielr\u00e4ume er\u00f6ffnen wird. Der IS-Gef\u00e4ngnisaufstand in Haseke 2022, mit mehreren Hundert Toten, und die latente Bedrohung durch \u00fcber 50.000 IS-Angeh\u00f6rige im Lager Al Hol, mit weitgehend unklarer Perspektive, sprechen eine eindeutige Sprache.<br \/>\nSchon jetzt zeitigen die t\u00fcrkischen Angriffe, neben den direkten Auswirkungen der Zerst\u00f6rung, weitere negative Konsequenzen. Die basisdemokratischen Ans\u00e4tze, die Gleichberechtigung der Geschlechter, die emanzipativen Projekte generell, leiden an der sich versch\u00e4rfenden Kriegssituation. War die Auseinandersetzung mit tradierten Dominanzstrukturen, mit tief verankerten archaisch-patriarchalen Mustern, immer schwierig und den Alltag bestimmend, wird sie durch wachsende Unsicherheit und Angst negativ befeuert. Die gesellschaftlichen Entscheidungsabl\u00e4ufe sind von Krieg und Terror stark beeinflusst, sie drohen zunehmend milit\u00e4rischen Pr\u00e4missen zu folgen, anders als unter friedlichen gesellschaftlichen Bedingungen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_30650\" aria-describedby=\"caption-attachment-30650\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-30650\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Wilk2.jpg\" alt=\"Micah\" width=\"495\" height=\"504\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Wilk2.jpg 495w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Wilk2-300x305.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Wilk2-295x300.jpg 295w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Wilk2-147x150.jpg 147w\" sizes=\"auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30650\" class=\"wp-caption-text\">Michael Wilk mit der B\u00fcrgermeisterin von Kobane &#8211; Foto: Michael Wilk<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nBasisdemokratische Entscheidungsprozesse ben\u00f6tigen Zeit, Raum und ein gewisses Ma\u00df an Gelassenheit und Sicherheit. Voraussetzungen, die unter Terror und Krieg massiv leiden. Zeitdruck und die Folgen der zunehmenden Kriegsgewalt begleiten alle Entscheidungsprozesse, st\u00e4rken jene, die auf Befehl, Gehorsam und eine starke F\u00fchrung bauen. Terror und Krieg sind Faktoren, die geeignet sind, autorit\u00e4re Muster zu legitimieren und zu forcieren, sie sind Gift f\u00fcr eigenst\u00e4ndiges Denken und Handeln.<br \/>\nWie mir Vertreter*innen der Selbstverwaltung und von Nichtregierungsorganisationen berichten, m\u00fcssen wichtige Projekte des Gesundheitssektors und anderer gesellschaftlicher Bereiche verschoben werden, weil Reparaturma\u00dfnahmen massiv Ressourcen binden. Sp\u00fcrbar sei ebenso ein \u00f6konomisch relevanter R\u00fcckgang privater Investitionen. Feststellbar sei zudem ein erkennbarer Anstieg der Migration, die in meinen Augen wichtigste Folge der t\u00fcrkischen Angriffe und des damit verbundenen Psychoterrors.<br \/>\nDas Erdo\u011fan-Regime erh\u00e4lt im Rahmen des sogenannten \u201eEU-T\u00fcrkei-Fl\u00fcchtlingspakts\u201c seit Jahren Milliardenbetr\u00e4ge zur Versorgung, sprich der Zur\u00fcckhaltung von Geflohenen. Gleichzeitig ist das Regime tatkr\u00e4ftig f\u00fcr die Schaffung neuer Fluchtursachen verantwortlich. W\u00e4hrend in Europa zunehmend Geflohene negativ bewertet, ausgegrenzt und auch dem Tod \u00fcberantwortet werden, schafft das Erdo\u011fan-Regime ungestraft Ursachen f\u00fcr Flucht und Vertreibung. Die perfide Methode, populistisch Geflohene zum Problem zu erkl\u00e4ren, sich jedoch um die Fluchtursachen einen Dreck zu scheren, wird einmal mehr unter Beweis gestellt. Auch von der deutschen Bundesregierung.<br \/>\nRawsan Abdi, B\u00fcrgermeisterin von Koban\u00ea, sagt: \u201eKoban\u00ea ist eine sch\u00f6ne Stadt, aber jetzt ist die Situation schlimm, wir brauchen Hilfe.\u201c Das sollten wir ernst nehmen. Es gilt zu informieren und den Druck zu erh\u00f6hen. Die westliche Toleranz gegen\u00fcber Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen muss ein Ende haben. Die Angriffe der t\u00fcrkischen Armee m\u00fcssen gestoppt werden. St\u00e4dtepartnerschaften, Solidarit\u00e4tsarbeit von Initiativen und Nichtregierungsorganisationen ist wichtiger denn je. Entscheidend w\u00e4re eine starke Unterst\u00fctzung zum Wiederaufbau der Zivilgesellschaft. Um diese verwirklichen zu k\u00f6nnen, ist ein Paradigmenwechsel der Politik notwendig. Die Verbrechen der t\u00fcrkischen Autokratie m\u00fcssen endlich als solche benannt und geahndet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zu den Darstellungen in manchen Berichten erlebe ich Rojava in diesen Tagen nicht als funktionsunf\u00e4hig, mit weitgehend zerst\u00f6rter Infrastruktur, und schon gar nicht am Boden liegend. Vieles funktioniert, ist unzerst\u00f6rt geblieben oder wurde repariert. 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