{"id":3068,"date":"2000-01-01T00:00:23","date_gmt":"1999-12-31T22:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3068"},"modified":"2022-07-26T12:59:11","modified_gmt":"2022-07-26T10:59:11","slug":"willkommen-in-schlamputopia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/01\/willkommen-in-schlamputopia\/","title":{"rendered":"Willkommen in Schlamputopia"},"content":{"rendered":"<h3>[Sexualit\u00e4t]<\/h3>\n<p>Wenn die Welt voller Schlampen ist, wird Prostitution zu einem Fremdwort. Weil die Liebe einer Schlampe nicht k\u00e4uflich ist. Weil keine Frau sich mehr aus materieller Abh\u00e4ngigkeit an einen Mann verkaufen mu\u00df &#8211; weder im w\u00f6rtlichen, noch im \u00fcbertragenen Sinne. Auch die b\u00fcrgerliche Doppelmoral der sexuell besessenen und eingeschr\u00e4nkten &#8218;treuen Ehefrau&#8216;, bzw. Lebensabschnittsgef\u00e4hrtin, und des sexuell unbeschr\u00e4nkten Mannes wird es nicht mehr geben. Weil jede Frau ihre Lust verschenkt, wann immer es f\u00fcr sie stimmig ist. Ohne R\u00fccksicht auf die Ketten \u00fcberholter Konventionen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird auch Abtreibung gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcberfl\u00fcssig, weil alle Frauen uneingeschr\u00e4nkten Zugang zu dem n\u00f6tigen Wissen und den Mitteln haben, um ihre Geb\u00e4rf\u00e4higkeit selbst kontrollieren zu k\u00f6nnen. Es wird keine Vergewaltigungs-, Selbstaufwertungs-, Ersatzlebenszweck- und Pflichtkinder mehr geben. Nur noch erw\u00fcnschte und geliebte. Das wird der Menschheit verdammt gut tun.<\/p>\n<h3>[Sinnlichkeit]<\/h3>\n<p>Schlampen leben im Schlaraffenland: sie schlemmen und schlampampen gern, sind lustvoll dick und genie\u00dfen die F\u00fclle aller denkbaren Sinnenfreuden ohne Schuldgef\u00fchle. Schlampen schlafen, so viel sie wollen und brauchen. Kein Wecker und keine gleitzeitlosen Erwerbsarbeitspl\u00e4tze zwingen sie dazu, ein Leben lang ihren Biorhythmus zu vergewaltigen. Sie achten darauf, sich nicht bis zur v\u00f6lligen Selbstaufgabe ohne jedes Ma\u00df f\u00fcr andere aufzuopfern, sondern pflegen sich selbst genauso sorgsam wie ihre Lieben.<\/p>\n<h3>[Parlamentarismus]<\/h3>\n<p>Schlampen lassen sich nicht beHERRschen. Den Anweisungen aufgeplusterter Autorit\u00e4ten und Uniformtr\u00e4ger begegnen sie mit Lachsalven und Schenkelschlagen. Nie geben sie ihre Stimme ab. Sie wissen darum, da\u00df Verantwortung die Schwester der Macht ist und handeln sorgsam und auf das Wohl Aller bedacht. Sie organisieren sich unterschiedlich, je nach dem zu l\u00f6senden Problem. Strukturen, Normen und Wertesysteme, die sie schaffen, sind nicht festbetoniert auf Ewigkeit, sondern beweglich und flexibel. Sie passen sich den wechselnden Erfordernissen des Lebens immer wieder neu an. Entscheidungen werden von den davon Betroffenen gef\u00e4llt. Selbstverst\u00e4ndlich per Konsens und so, da\u00df sich wirklich alle einbringen k\u00f6nnen. Keine Schlampe hat es n\u00f6tig, sich an Machtpositionen festzuklammern als Ersatzbefriedigung f\u00fcr fehlende Lebendigkeit.<\/p>\n<h3>[Kapitalismus]<\/h3>\n<p>Weil Schlampen sich nicht ausbeuten lassen &#8211; weder als unbezahlt reproduzierende Hausfrau, Mutter und Pflegerin, noch als Konsumentin oder Billigarbeitssklavin &#8211; werden sie den weltumspannenden Wahnsinn eines auf krebsartig wucherndem Endlos-Kamikaze-Wachstum basierenden Wirtschaftens, das auf der Ausbeutung und letztlich der Zerst\u00f6rung der Erde und all ihrer Lebewesen beruht, beenden. Sie bescheiden sich mit dem Lebensnotwendigen, leiden keinen Mangel, teilen ihren Besitz, achten darauf, da\u00df genug f\u00fcr alle da ist, da\u00df alles gerecht verteilt wird, und sind unendlich reich an Sinnlichkeit und Lebenslust. (In &#8218;armen&#8216; L\u00e4ndern tun das die Frauen seit Jahrhunderten. Nur in den materiell &#8218;reichen&#8216; L\u00e4ndern haben Frauen verlernt zu teilen und geben stattdessen Almosen, die die Menschenw\u00fcrde beleidigen. Aber auch diese Frauen fangen an zu verstehen, da\u00df das Anh\u00e4ufen von Besitz die Seele korrumpiert&#8230;)<\/p>\n<h3>[Soziale Bez\u00fcge]<\/h3>\n<p>Statt in der Isolation anonymer Wohnsilos und vereinsamter Kleinstfamilien, eifers\u00fcchtig \u00fcberwacht vom sie besitzenden Ehemann, Freund oder Vater, oder aber verzweifelt in der Armut und \u00dcberforderung einer Alleinerziehenden, leben Schlampen in einem Netz wohltuender, verbindlicher Freundinschaften. Erziehungsgemeinschaften, Nachbarschaftshilfe, Tauschhandel und Solidarit\u00e4t untereinander machen ihnen das Leben leicht.<\/p>\n<h3>[Nationalismus]<\/h3>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich bewegen sich Schlampen frei, wohin sie wollen, lassen sich nieder, wo es ihnen gef\u00e4llt, lieben alle, die sie m\u00f6gen, \u00fcberall auf der Welt, und sch\u00fctteln verst\u00e4ndnislos den Kopf \u00fcber so antiquierte und sinnlose Vorstellungen wie Grenzen, Staaten oder Nationalit\u00e4ten. Erz\u00e4hlst du ihnen, da\u00df diese sonderbaren Vorstellungen fr\u00fcher als Rechtfertigung f\u00fcr Kriege benutzt wurden, weinen sie w\u00fctend und bitterlich \u00fcber all die Grausamkeit und unerkl\u00e4rliche Selbstzerst\u00f6rung der Menschheit.<\/p>\n<h3>[Heilungsarbeit]<\/h3>\n<p>Schlampen schaffen sich R\u00e4ume und M\u00f6glichkeiten, ihre Wunden zu heilen, mit den Folgen von Gewalttraumata leben zu k\u00f6nnen und all den Wahnsinn angemessen zu betrauern. Sie brechen Tabus und graben auch kollektive Traumata aus. Sie beachten und behandeln die teilweise seit Jahrhunderten verdr\u00e4ngten und immer noch heillos schw\u00e4renden Wunden: Hexenverfolgung, Holocaust, Witwenverbrennung, die vielf\u00e4ltigen Verst\u00fcmmelungen von Frauen in aller Welt durch Sch\u00f6nheitsideale und Traditionen, Zwangssterilisation, V\u00f6lkermorde, Massenvergewaltigungen&#8230;<\/p>\n<h3>[Gewalt]<\/h3>\n<p>Wo immer Schlampen mit Gewalt konfrontiert sind, wissen sie sich zu wehren, leisten Widerstand, schlie\u00dfen sich zusammen, entwickeln Gegenstrategien, unterh\u00f6hlen die Bedingungen der Gewalt und setzen ihr entschiedene, wenn n\u00f6tig todesmutige Gewaltfreiheit entgegen.<\/p>\n<p>Wo immer Schlampen mit eigener Gewaltt\u00e4tigkeit konfrontiert sind, nehmen sie die Vorw\u00fcrfe der Verletzten ernst, gehen in sich und lernen, wohltuender, fairer und achtsamer miteinander umzugehen. Sie erf\u00fcllen Forderungen nach Wiedergutmachung ohne ihre Verantwortung zu leugnen oder abzuschieben, und ohne das Ausma\u00df des angerichteten Schadens herunterzuspielen.<\/p>\n<h3>[Ahninnen]<\/h3>\n<p>Schlampen wissen um ihre Geschichte. Sie gedenken ihrer Ahninnen und halten sie in Ehren: die Hexen und Heilerinnen und weisen Frauen, die Blaustr\u00fcmpfe und die Frauenbewegten, die Jungfrauen, Beginen und Eheverweigerinnen, die H\u00f6hlenmalerinnen von Lascaux und die Erbauerinnen von Catal H\u00fcy\u00fck, die Gewerkschafterinnen und Revolution\u00e4rinnen, die Poetinnen, Tr\u00e4umerinnen und Idealistinnen, die Forschenden und die Wissenden, die Demonstrantinnen und Friedensmarschiererinnen, die Frauen in Schwarz und die M\u00fctter gegen Atomkraft, all die stolzen und freien Frauen &#8218;matriarchaler&#8216; Kulturen, all die Namenlosen und die Bekannten. (Nicht aber Alice Schwarzer oder Margaret Thatcher.)<\/p>\n<h3>[Zeit]<\/h3>\n<p>Schlampen haben alle Zeit der Welt und zugleich ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr die jeweiligen Erfordernisse der Zeiten. Sie leben nach den zyklischen Rhythmen der Natur innerhalb und au\u00dferhalb ihres K\u00f6rpers. Stre\u00df kennen sie nicht.<\/p>\n<h3>[Weltbild]<\/h3>\n<p>Schlampen leben und denken in Kreisl\u00e4ufen und Spiralen, nicht in einem eindimensional-linearen Weltbild. Sie wissen um die Zusammengeh\u00f6rigkeit von Werden und Vergehen, von Leben und Tod. Sie holen das Sterben aus dem Tabu und machen es wieder zu einem w\u00fcrdevollen Teil des Lebens. Schlampen brauchen keine menschenverachtende High Tech, um dem Leben ins Handwerk zu pfuschen. Sie kennen und achten die Grenzen der Natur und der Menschlichkeit. Schlampen lassen nicht an sich herummanipulieren und tun das auch nicht mit anderen Lebewesen, sei es Pflanze, Tier oder Mensch. Sie sagen NEIN zur Euthanasie, zum Machbarkeitswahn der Medizin und dem verantwortungslosen Wahnsinn der Gentechnik.<\/p>\n<p>Tr\u00e4umereien? Vielleicht. Aber mit einem Traum beginnt die Wirklichkeit. (Das ist altes Hexenwissen. Auch das holen wir uns zur\u00fcck!) Und welche genauer hinsieht, entdeckt: diese Wirklichkeit hat schon ein St\u00fcck weit begonnen. Oder auch: nie aufgeh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Sexualit\u00e4t] Wenn die Welt voller Schlampen ist, wird Prostitution zu einem Fremdwort. Weil die Liebe einer Schlampe nicht k\u00e4uflich ist. Weil keine Frau sich mehr aus materieller Abh\u00e4ngigkeit an einen Mann verkaufen mu\u00df &#8211; weder im w\u00f6rtlichen, noch im \u00fcbertragenen Sinne. Auch die b\u00fcrgerliche Doppelmoral der sexuell besessenen und eingeschr\u00e4nkten &#8218;treuen Ehefrau&#8216;, bzw. 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