{"id":30838,"date":"2024-02-02T20:16:17","date_gmt":"2024-02-02T18:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/02\/madagaskarplan-2024-faschistische-deportationsstaedte\/"},"modified":"2024-02-04T17:07:40","modified_gmt":"2024-02-04T15:07:40","slug":"madagaskarplan-2024-faschistische-deportationsstaedte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/02\/madagaskarplan-2024-faschistische-deportationsstaedte\/","title":{"rendered":"Madagaskarplan 2024 \u2013 Faschistische Deportationsst\u00e4dte"},"content":{"rendered":"<p>Die Enth\u00fcllung des Geheimtreffens von Potsdam hat zu Massenprotesten gegen die AfD gef\u00fchrt. Sehr gut. Endlich gibt es diese Proteste auf der Stra\u00dfe, wo Hunderttausende demonstrierten. Aber merkw\u00fcrdigerweise wurde \u00fcber den \u201eMasterplan\u201c von Martin Sellner, der der Ausl\u00f6ser f\u00fcr diese Proteste war, nur ansatzweise berichtet. Dies soll hier nun nachgeholt werden und zwar nicht deshalb, weil fanatische Faschisten einen teuflischen Plan ausgeheckt haben, sondern weil die Umsetzung dieser Pl\u00e4ne sehr realistisch ist.<\/p>\n<p><strong>Millionenfache Deportation: Ein altes Ziel der AfD<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst: Wer ist Martin Sellner? Sellner gilt als der f\u00fchrende Kopf der faschistischen \u201eIdentit\u00e4ren Bewegung\u201c in \u00d6sterreich und Deutschland. Es war vor allem die Identit\u00e4re Bewegung, die den politikwissenschaftlichen Begriff \u201eRemigration\u201c als neurechten Kampfbegriff neudefinierte, weil die Formulierung \u201eAusl\u00e4nder raus!\u201c politisch verbrannt war.<br \/>\nSellner arbeitet eng mit dem \u201eInstitut f\u00fcr Staatspolitik\u201c zusammen, einer rechten Propagandaschmiede aus Sachsen-Anhalt, welches wiederum eng mit den AfD-Funktion\u00e4ren Maximilian Krah und Bj\u00f6rn H\u00f6cke verbunden ist. Weder Krah noch H\u00f6cke sind formal die Vorsitzenden der AfD, aber Krah ist der Spitzenkandidat f\u00fcr die Europawahlen Anfang Juni 2024 und mit H\u00f6cke k\u00f6nnte erstmals ein AfDler in die Landesregierung einziehen, er ist Spitzenkandidat f\u00fcr die Wahlen in Th\u00fcringen Anfang September 2024. Sowohl Krah als auch H\u00f6cke haben in ihren B\u00fcchern \u201ePolitik von rechts\u201c und \u201eNie zweimal in den selben Flu\u00df\u201c hervorgehoben, dass f\u00fcr sie auch Deutsche mit nicht-deutschen Vorfahren ein Problem sind. Krah problematisiert den Migrationshintergrund von 25 Millionen Menschen in Deutschland: \u201eBleibt die Frage, was mit den dann im Land befindlichen Menschen mit Migrationshintergrund geschehen soll. Das werden in Deutschland prognostisch \u00fcber 25 Millionen Menschen sein, davon deutlich \u00fcber 15 Millionen deutsche Staatsangeh\u00f6rige.\u201c (Krah, S. 60) Er formuliert das Problem, dass auch in den n\u00e4chsten zehn Jahren noch nicht alle abgeschoben werden k\u00f6nnten, weil es verfassungsrechtliche und technische Probleme gebe und sich eine breite Mehrheit dagegen wehren w\u00fcrde. Die \u201eRemigration der nicht Integrationsf\u00e4higen und -willigen\u201c m\u00fcsse daher auf zwei Ebenen hergestellt werden:<br \/>\nErstens finanziell. Hier fordert er zun\u00e4chst den \u201eUmbau\u201c \u2013 er meint eher die \u201eZerst\u00f6rung\u201c \u2013 des Sozialstaates. Dies ist quasi die Urforderung der AfD. Den \u201eLeistungsscheuen\u201c \u2013 warum nicht gleich \u201eArbeitsscheue\u201c? \u2013 d\u00fcrften nicht weiter \u201eH\u00e4ngematten\u201c gew\u00e4hrt werden. Sozialhilfe soll auf eine \u201eLebenshilfe\u201c verk\u00fcrzt werden, ansonsten gilt Arbeitszwang. Der Sozialstaat \u201emu\u00df grundlegend korrigiert werden\u201c, schreibt Krah auf Seite 61.<br \/>\nIch bin in meinem Buch \u201eSarrazins Correctness. Ideologie und Tradition der Menschen- und Bev\u00f6lkerungskorrekturen\u201c auf diese Form von Korrektionsforderungen n\u00e4her eingegangen. Ich empfehle an dieser Stelle mein Buch, weil auch der Mitarbeiter von Krah, Erik Ahrens, diese Forderung nach Menschen- und Bev\u00f6lkerungskorrekturen ank\u00fcndigt: \u201eMit dem Rechtsruck und der AfD kommen neue Formen der Politik auf: \u201eBiopolitik und Geopolitik. Beides war in Deutschland fast 80 Jahre lang unm\u00f6glich. Aber nun bricht sich vieles im Deutschen wieder Bahn, was vorher unterdr\u00fcckt wurde\u201c, schreibt er am 22.01.2024 bei X (ehemals Twitter). Er k\u00fcndigt dort am selben Tag ein Buch an, in dem es \u201enicht nur um Rasse, sondern auch um andere genetische Themen\u201c gehe. Vor allem aber gehe es darum, \u201ewie man die Genetikfrage mit der Politik verbindet\u201c.<br \/>\nNeben der \u201eBiopolitik\u201c in Form der Zerst\u00f6rung des Sozialstaates findet sich ein weiterer finanzieller Ansatz der Remigration bei Krah in Form von \u201eInvestitionen\u201c im Globalen S\u00fcden. Diese Investitionen dienen aber lediglich dem Ziel, Deutschland von Nicht-Deutschen frei zu halten. Hier setzt auch Sellner mit seiner Musterstadt an, worauf ich gleich zu sprechen komme.<br \/>\nDer zweite Ansatz ist kultureller Natur: \u201eNicht polizeiliche Ma\u00dfnahmen f\u00fchren zur Remigration, sondern nur ein sich seiner kulturellen Identit\u00e4t bewu\u00dftes Volk aus Alteingesessenen und sich neu Angeschlossenen, das selbstbewu\u00dft seine Ordnung im eigenen Territorium durchsetzt.\u201c<br \/>\nDies scheint H\u00f6cke in seinem Buch \u201eNie zweimal in den selben Flu\u00df\u201c anders zu sehen. Ich hatte in der Graswurzelrevolution Nr. 431 vom September 2018 H\u00f6ckes Position zu einem \u201egro\u00dfangelegten Remigrationsprojekt\u201d der \u201ewohltemperierten Grausamkeit\u201c ausf\u00fchrlich dargelegt. Dieser Artikel wurde bekanntlich zur Beobachtung H\u00f6ckes durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Th\u00fcringen herangezogen, f\u00fchrte aber merkw\u00fcrdigerweise nicht wie jetzt die Correctiv-Recherche zu Massendemonstrationen. Ich muss die Passagen aus dem Artikel hier nicht wiederholen, sondern fordere zur Relekt\u00fcre auf. ((3))<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Wir m\u00fcssen uns den Faschismus des 21. Jahrhunderts anders vorstellen als den aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, da sich der neue Faschismus mit Merkmalen des aktuellen Kapitalismus modernisieren wird. Hierzu geh\u00f6rt auch das Prinzip des Outsourcing. Wenn wir den neuen Faschismus verhindern wollen, sollten wir einen Blick auf die entdemokratisierten Stadtprojekte haben.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Kurz umrissen: H\u00f6cke \u201edenkt in Generationen\u201c und fordert eine Deportation von j\u00e4hrlich mindestens 400.000 Menschen und eine Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des Islam \u201ehinter den Bosporus\u201c, sowie eine wirtschaftliche, einwanderungspolitische und milit\u00e4rische Abschottung von \u201eKulturkreisen\u201c in der Gr\u00f6\u00dfe von Kontinenten. Hierbei ist zu hinterfragen, ob H\u00f6cke dem afrikanischen Kontinent \u00fcberhaupt eine Kultur zutraut.<br \/>\nNoch ein abschlie\u00dfender Satz zu Krah und H\u00f6cke: Sie sind in ihren Zielvorstellungen nicht weit auseinander, sondern haben sich in einem gemeinsamen \u00f6ffentlichen Gespr\u00e4ch gegenseitig versichert, dass sie ein europ\u00e4isches Reich unter deutscher F\u00fchrerschaft w\u00fcnschen. Diese deutsche F\u00fchrerrolle w\u00fcrde vor allem mit dem deutschen \u201eMythos\u201c ((4)) einhergehen.<\/p>\n<p><strong>\u201eCharter Cities\u201c<\/strong><\/p>\n<p>H\u00f6cke forderte in \u201eNie zweimal in den selben Flu\u00df\u201c bereits die Beendigung der Entwicklungshilfe (S. 191) und lobte den deutschen Kolonialismus: \u201eMan darf Kolonisation auch nicht ausschlie\u00dflich negativ betrachten: Im Grund ist Kultur immer die Folge erfolgreicher Kolonisation. Doch nach der Landnahme mu\u00df die T\u00fcchtigkeit, die Selbstausbeutung zur Grundlage des Wohlstands werden und nicht die Ausbeutung der Kolonie und ihrer Menschen.\u201c ((5))<br \/>\nDie AfD scheint ebenfalls diese Position zu vertreten und wurde im Bundestag 2021 konkreter. Dort forderte sie am 5. Mai 2021: \u201eStrategiewechsel in der Entwicklungspolitik einleiten \u2013 Sonderverwaltungszonen als entwicklungspolitisches Instrument etablieren\u201c ((6))<br \/>\nIn diesem Antrag der AfD hei\u00dft es: \u201eDeutschland muss seinen entwicklungspolitischen Fokus weg von der fragmentierten, klassischen Entwicklungshilfe hin zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit ausgew\u00e4hlten Regierungen und der Privatwirtschaft verlagern. Eine solche wirtschaftliche Zusammenarbeit kann, neben klassischen Kooperationen, auch mit Hilfe von sogenannten \u201aCharter Cities\u2019 vollzogen werden. Als entwicklungspolitisches Modell wurden \u201aCharter Cities\u2019 von dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Paul Romer vor rund zehn Jahren in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. \u201aCharter Cities\u2019 bezeichnet als Sonderverwaltungszonen entworfene St\u00e4dte, deren Territorium von einem Staat (Entwicklungsland) freiwillig zur Verf\u00fcgung gestellt und in dem von einem anderen Staat (Industrieland) Recht gesetzt wird. Auf diese Weise dienen \u201aCharter Cities\u2019 als Orte mit guter Infrastruktur, stabilen politischen Verh\u00e4ltnissen, Rechtssicherheit und marktwirtschaftlichem Wirtschaftsrecht in Regionen, die oftmals von Instabilit\u00e4t und Korruption gepr\u00e4gt sind. Das unterscheidet sie grundlegend von Sonderwirtschaftszonen, die lediglich marktwirtschaftliche Vorz\u00fcge bieten, jedoch weitere elementare Standortfaktoren wie Infrastruktur, Verwaltung und Sicherheit unber\u00fccksichtigt lassen.\u201c<\/p>\n<p>Ich hatte in meinem Buch \u201ePrivatstst\u00e4dte. Labore f\u00fcr einen neuen Manchesterkapitalismus\u201c Paul Romers Modell ausf\u00fchrlich dargestellt. Romer hatte zun\u00e4chst in Madagaskar zwei Charter Cities geplant. Noch w\u00e4hrend der Verhandlungen 2009 kam es zu Massenprotesten gegen den Plan, mehr als die H\u00e4lfte des fruchtbaren Ackerlands zu enteignen und an den Konzern Daewoo und an zwei Charter Cities zu verpachten. Das Milit\u00e4r schoss in die Menge, es gab Tote und zahlreiche Schwerverletzte, der Pr\u00e4sident musste schlie\u00dflich zur\u00fccktreten.<br \/>\nKurze Zeit sp\u00e4ter nahmen rechtsnationale Putschisten aus Honduras Kontakt mit Romer auf, um dort Charter Cities zu errichten. 2011, nachdem das Verfassungsgericht abgesetzt und von den Putschisten ausgetauscht wurde, sollte die erste Charter City gestartet werden. Es gab jedoch Streit um die von Romer vorgesehene Transparenz-Kommission, die honduranische Regierung setzte eher auf die weitgehend unkontrollierten Privatstadt-Konzepte von Patri Friedman (Enkel von Milton Friedman) und Peter Thiel ((7)). Die Kontrolle der Privatst\u00e4dte bzw. ZEDES, wie sie in Honduras hei\u00dfen, sollte durch eine Gruppe von rechtslibert\u00e4ren Ausl\u00e4nder*innen \u00fcbernommen werden, an deren Spitze kurzzeitig die \u00f6sterreichische FP\u00d6lerin Barbara Kolm stand ((8)).<\/p>\n<p><strong>\u201eRefugee Cities\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den Ideen, Charter Cities oder Privatst\u00e4dte zu gr\u00fcnden, gibt es Projekte, die St\u00e4dte f\u00fcr Gefl\u00fcchtete bauen wollen. In den Organisationen Refugee City, Politas Consulting oder SDZ Alliance finden sich auch Deutsche wie der UN-Mitarbeiter Kilian Kleinschmidt (SDZ Alliance, Refugee City) oder der ehemalige Botschafter Joachim R\u00fccker (SDZ Alliance, Politas). Kleinschmidt hatte im jordanischen Fl\u00fcchtlingscamp Za\u2019atari mit 84.000 Menschen als UN-Mitarbeiter Stadtstrukturen geschaffen, und auch R\u00fccker arbeitete als Sonderbeauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Stabilit\u00e4tspartnerschaft Mittlerer Osten f\u00fcr die Umsetzung des \u201eJordan Compact\u201c, in der es um Privatisierungen und Sonderentwicklungszonen in Jordanien ging.<br \/>\nDiese NGOs und Organisationen fordern \u201eCities, not Camps\u201c.<br \/>\nEin Problem sehe ich darin, dass mehrere Teammitglieder dieser Refugee Cities Organisationen mit den Privatstadtprojekten in Honduras zusammenarbeiten oder diese vorangebracht haben, wie beispielsweise Michael Castle-Miller, Patrick Lamson-Hall, Lotta Moberg und eben auch Joachim R\u00fccker.<br \/>\nNennenswert ist hier auch G\u00fcnter Nooke, ein ehemals pers\u00f6nlicher afrikapolitischer Berater der Bundeskanzlerin Angela Merkel. In der Weltwoche vom 13. Februar 2019 schlug Nooke im Artikel \u201eMigrantenst\u00e4dte statt Fl\u00fcchtlingslager\u201c, die Gr\u00fcndung privat finanzierter, selbstverwalteter St\u00e4dte in Afrika vor. \u201eWas kann ein angemessenes Angebot sein, wenn es in den n\u00e4chsten drei Jahrzehnten nicht um einige 100.000 afrikanische Wirtschaftsmigranten, sondern um einige 100 Millionen geht? Ein Ausweg aus diesem strategischen Dilemma besteht in der Schaffung geografisch definierter und klar administrierter \u201aInseln guter Regierungsf\u00fchrung\u2018. Die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Paul Romer im letzten Jahr bietet Anlass zur Diskussion.\u201c<br \/>\nHierbei hat Nooke nicht nur vor Augen, dass Afrikaner*innen in Afrika bleiben, sondern es geht auch um \u201eunproblematische\u201c \u201eR\u00fcckf\u00fchrungen\u201c: \u201eDamit sich Staatschefs darauf einlassen, Hunderte Quadratkilometer f\u00fcr solche Stadtgr\u00fcndungen freizugeben, braucht es erfolgreiche Modellst\u00e4dte und einen konkreten Mehrwert f\u00fcr das Land. [&#8230;] F\u00fcr Deutschland w\u00e4re die Unterst\u00fctzung des Konzepts \u00fcberlegenswert, insbesondere wenn in solche St\u00e4dte auch R\u00fcckf\u00fchrungen unproblematisch m\u00f6glich w\u00fcrden. Auch hierdurch k\u00f6nnte ganz allgemein der Migrationsdruck auf Europa abgebaut werden.\u201c<br \/>\nNooke stellt die Frage, warum Deutschland nicht im UN-Sicherheitsrat eine Resolution einbringen solle, \u201eum solch eine SDZ zum Beispiel in Libyen einzurichten? Die daf\u00fcr notwendige Blauhelmmission und die Interimsverwaltung brauchen ein Uno-Mandat, die Unterst\u00fctzung und Finanzierung durch die EU und vor allem die Zustimmung der afrikanischen Staaten. Das k\u00f6nnte auf dem Weg zu einer wirklich europ\u00e4ischen Afrikapolitik ein wichtiger Meilenstein sein.\u201c Diese neuen St\u00e4dte oder Sonderentwicklungszonen d\u00fcrften \u201ekein Denkverbot darstellen, auch wenn solche Entwicklungszonen oder Freist\u00e4dte von einer nationalen Regierung einen gewissen \u2013 zeitlich und r\u00e4umlich begrenzten \u2013 v\u00f6lkerrechtlichen Souver\u00e4nit\u00e4tsverzicht erfordern\u201c.<\/p>\n<p><strong>B\u00f6rsennotierte Klimamigrations-St\u00e4dte<\/strong><\/p>\n<p>Auf Initiative von G\u00fcnter Nooke fand im Mai 2022 in Davos als Bestandteil des World Economic Forum die Konferenz \u201eCities, not Camps\u201c statt. Eingeladen war neben Paul Romer auch der deutsche Privatstadtunternehmer Titus Gebel. Am Rande der Konferenz kam es zu einem Treffen mehrerer Konferenzteilnehmer mit Christian K\u00e4lin vom Unternehmen Henley&amp;Partners. Dieses Unternehmen vermittelt Superreichen Staatsangeh\u00f6rigkeiten. Seit dieser Tagung arbeiten Gebel und K\u00e4lin zusammen. So sa\u00df Gebel im November 2022 w\u00e4hrend einer EU-finanzierten Konferenz im Auftrag einer K\u00e4lin-Stiftung auf einem Podium mit dem griechischen Minister f\u00fcr Asyl und Migration und versuchte, ihm die Gr\u00fcndung von privatisierten, b\u00f6rsennotierten, entpolitisierten Refugee Cities schmackhaft zu machen. Gegen Ende des Jahres 2023 fand in Dubai eine Konferenz von Henley&amp;Partners statt, in der er\u00f6rtert wurde, wo in zwanzig Jahren die Erde aufgrund der Klimakatastrophe bewohnbar bzw. unbewohnbar ist, und wo sich die Gr\u00fcndung von \u201eGlobal Cities\u201c lohnen w\u00fcrde, privat betriebene, \u201eentpolitisierte\u201c St\u00e4dte \u201ef\u00fcr\u201c Menschen, die aufgrund der Klimakatastrophe auf der Flucht sind.<\/p>\n<p><strong>Deports \u2013 Deportationsst\u00e4dte<\/strong><\/p>\n<p>Auf diese oben aufgef\u00fchrten Vorarbeiten k\u00f6nnen sich nun die AfD und die mit ihr verbundenen faschistischen Str\u00f6mungen st\u00fctzen, wenn sie \u201eCharter Cities\u201c oder \u201eMusterst\u00e4dte\u201c in Afrika fordern. Wobei hier die Frage nach dem Huhn und dem Ei aufkommt, schlie\u00dflich hatte die NSDAP bereits in den 1940er Jahren einen \u201eMadagaskar-Plan\u201c erwogen, die millionenfache Deportation von J\u00fcd*innen nach Madagaskar, der afrikanischen Insel, auf der siebzig Jahre sp\u00e4ter auch die ersten Charter Cities entstehen sollten.<br \/>\nMartin Sellner hatte diesen Plan w\u00e4hrend des oben genannten Geheimtreffens zum Besten gegeben. Sellner macht eine Rechnung auf. Es geht nicht nur um Migrant*innen, sondern auch um die H\u00e4lfte von zw\u00f6lf Millionen Deutschen, die eine Migrationsgeschichte haben und sich nach Ansicht Sellners \u201em\u00f6glicherweise\u201c nicht ausreichend assimiliert h\u00e4tten. Insgesamt spricht Sellner von 14 Millionen Menschen, die deportiert werden k\u00f6nnten.<br \/>\nIm Socialmedia-Portal X (vormals Twitter) behauptet der Account \u201eF\u00e4denzieher\u201c, Martin Sellner zu sein, was meines Erachtens auch gut passen k\u00f6nnte. F\u00e4denzieher hat auf X herausgearbeitet, wie der \u201eMasterplan\u201c der Deportation aussieht. Er schreibt dort unter dem Titel \u201eRemigration: Eine Stadt f\u00fcr Staatenlose\u201c, dass es ein Abschiebungsproblem mit fehlenden kooperierenden Drittstaaten g\u00e4be. Daher solle eine \u201eMusterstadt\u201c in Nordafrika errichtet werden. Zun\u00e4chst sollten an der K\u00fcste Nordafrikas Ankerzentren mit Containerlagern eingerichtet werden. Im n\u00e4chsten Schritt werde eine Fl\u00e4che in der Gr\u00f6\u00dfe von Berlin f\u00fcr zwei Millionen Menschen gepachtet. Migrant*innen k\u00f6nnten bei den Bauarbeiten fair bezahlt mitwirken. Infrastruktur, Sicherheit und Verwaltung werde von der EU organisiert und bezahlt. Jede*r k\u00f6nne dort drei Jahre leben, danach erfolge Abschiebung ins Heimatland, Verl\u00e4ngerung oder bei \u201easozialem\u201c Verhalten Abschiebung in \u201eweniger attraktive\u201c Ankerzentren. Diese Musterstadt soll eine \u201eSonderwirtschaftszone mit weitgehender Steuerfreiheit\u201c sein und Start Ups anziehen. Die \u201eMigrationslobby\u201c k\u00f6nne ihren \u201eSchuldkomplex\u201c durch Arbeit in der Musterstadt \u201egutmachen\u201c. Sollte die Stadt zu schnell wachsen, werden weitere Musterst\u00e4dte gegr\u00fcndet. Ziel sei, dass die Musterst\u00e4dte sich wirtschaftlich selbst tragen.<br \/>\nMit der Musterstadt werde der gordische Knoten der \u201eUnabschiebbarkeit\u201c durchschlagen, in dem jede*r Ausl\u00e4nder*in dorthin deportiert werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Ich halte die Gr\u00fcndung solcher \u201eMusterst\u00e4dte\u201c leider f\u00fcr sehr realistisch. Hier laufen viele proprietaristische (\u201erechtslibert\u00e4re) Projekte ((9)) zusammen, von Freih\u00e4fen, Sonderwirtschaftszonen, Privatst\u00e4dten, Charter Cities, Refugee Cities bis zu den Deportations-St\u00e4dten, also quasi von Freeports zu Deports, Deportationsst\u00e4dten.<br \/>\nZudem arbeiten auch Konservative an \u00e4hnlichen Projekten, die Tories in Gro\u00dfbritannien wollen Migrationslager in Ruanda einrichten. Die CDU spricht im Entwurf des neuen Grundsatzprogramms davon, Vertr\u00e4ge mit \u201esicheren Drittstaaten\u201c abzuschlie\u00dfen: \u201eJeder, der in Europa Asyl beantragt, soll in einen sicheren Drittstaat \u00fcberf\u00fchrt werden und dort ein Verfahren durchlaufen. Im Falle eines positiven Ausgangs (!) wird der sichere Drittstaat dem Antragsteller vor Ort Schutz gew\u00e4hren. Dazu wird mit dem sicheren Drittstaat eine umfassende vertragliche Vereinbarung getroffen.\u201c ((10)). Diese Konzeptionen sind nicht mehr sehr weit entfernt von dem oben ausgef\u00fchrten faschistischem Projekt von Sellner.<br \/>\nWir m\u00fcssen uns den Faschismus des 21. Jahrhunderts anders vorstellen als den aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, da sich der neue Faschismus mit Merkmalen des aktuellen Kapitalismus modernisieren wird. Hierzu geh\u00f6rt auch das Prinzip des Outsourcing. Wenn wir den neuen Faschismus verhindern wollen, sollten wir einen Blick auf diese entdemokratisierten Stadtprojekte haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Enth\u00fcllung des Geheimtreffens von Potsdam hat zu Massenprotesten gegen die AfD gef\u00fchrt. Sehr gut. Endlich gibt es diese Proteste auf der Stra\u00dfe, wo Hunderttausende demonstrierten. Aber merkw\u00fcrdigerweise wurde \u00fcber den \u201eMasterplan\u201c von Martin Sellner, der der Ausl\u00f6ser f\u00fcr diese Proteste war, nur ansatzweise berichtet. 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