{"id":3099,"date":"2000-01-01T00:00:22","date_gmt":"1999-12-31T22:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3099"},"modified":"2022-07-26T14:26:25","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:25","slug":"wer-erschos-martin-luther-king","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/01\/wer-erschos-martin-luther-king\/","title":{"rendered":"Wer erscho\u00df Martin Luther King?"},"content":{"rendered":"<p>Vor allem auf Grund der radikalisierten Lebensentwicklung Kings haben die Untersuchungen und Verd\u00e4chtigungen bis heute nie aufgeh\u00f6rt. Und noch 1999 wollte das US-Justizministerium einen vorl\u00e4ufig letzten Bericht ver\u00f6ffentlichen ((1)), ob der damals verurteilte M\u00f6rder James Earl Ray auch der tats\u00e4chliche war. Ray starb 1998 als verurteilter M\u00f6rder im US-Gef\u00e4ngnis &#8211; doch er konnte 1997 noch einen gro\u00dfen Triumph feiern, als ihn Dexter King, M.L. King\u2019s Sohn, im Gef\u00e4ngnis besuchte und ihm glaubte, dass er nicht der M\u00f6rder sei. Auf die Anschuldigungen der King-Familie, es sei eine Staatsaktion gewesen, geht auch die aktuelle Forderung einer nochmaligen umfassenden Untersuchung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>M.L. King hatte sich in den letzten Phasen seines Lebens nicht nur deutlich gegen den Vietnam-Krieg ausgesprochen, sondern die Aktionskampagnen von ihm und seinen MitarbeiterInnen befassten sich auch innenpolitisch immer mehr mit sozialem Rassismus. Nachdem der institutionalisierte Rassismus in Form der Segregation erfolgreich bek\u00e4mpft worden war, setzte sich Kings libert\u00e4re Utopie einer antirassistischen Gesellschaft noch keineswegs in die Realit\u00e4t um. Soziale Deklassierung etablierte in den US-St\u00e4dten neue, diskriminierende Lebensbedingungen in den Schwarzenvierteln. Bereits die Kampagne um Jobs in Chicago und die dortige radikale Demo von Schwarzen in die Vorstadtviertel der reichen Wei\u00dfen deutete den Schwenk Kings zu sozialen Themen an. Zwar sprach King weiter in christlichen Redewendungen, der Inhalt seiner Reden und Kampagnen ging jedoch kaum \u00fcbersehbar in eine sozialistische Richtung, wobei ein weitgehender Begriff von Freiheit allerdings nie fallengelassen wurde.<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser Kampagnen unterst\u00fctzte King im Fr\u00fchjahr 1968 den Streik schwarzer M\u00fcllarbeiter (die bei der st\u00e4dtischen M\u00fcllabfuhr arbeitenden Schwarzen waren nur M\u00e4nner) in Memphis\/Tennessee und bereitete einen &#8222;Marsch der Armen&#8220; auf Washington vor. Die Stimmung kochte und King hatte auch bereits mit einer Gruppe nationalistischer &#8222;Black Power&#8220;-Leute in den eigenen Reihen zu k\u00e4mpfen, die die gewaltfreie Aktion, die Beteiligung verarmter Wei\u00dfer und die Aktionsb\u00fcndnisse mit der j\u00fcdischen Gemeinde in den USA in Frage stellten. ((2)) Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen kam es bei einer Demonstration am 28.3.68 zur Unterst\u00fctzung des M\u00fcllarbeiterstreiks, an der sich auch King beteiligte, zu schweren Stra\u00dfenschlachten, bei denen neben den obligatorischen Polizeigewalten auch erstmals schwarze DemonstrantInnen mitmischten. King brach die Demo ab und ver\u00f6ffentlichte am 1.4. den Aufruf zu einer neuen, diesmal wieder gewaltfreien Demo, die in der ersten Aprilwoche stattfinden sollte. Dazu kam King am 3.4. wieder in die Stadt, wo er abends eine vielbeachtete Rede hielt. Am n\u00e4chsten Tag um 18 Uhr abends traf King der t\u00f6dliche Schuss, als er auf der Veranda seines Hotels stand.<\/p>\n<h3>Der Rassismus von James Earl Ray und seine N\u00e4he zum Nationalsozialismus<\/h3>\n<p>Der M\u00f6rder, James Earl Ray, der King vom Klofenster eines gegen\u00fcberliegenden Motels mit einem Gewehr erschoss, entkam vom Tatort und wurde erst Wochen sp\u00e4ter auf der Flucht nach Rhodesien (damals noch Apartheid-Staat!) am Londoner Flughafen gefasst. Ray hatte aus Panik sein Gewehr am Tatort hinterlassen und es nicht sorgf\u00e4ltig abgewischt, so dass seine Fingerabdr\u00fccke auf dem Gewehr gefunden wurden.<\/p>\n<p>Sofort nach seiner Verhaftung und R\u00fcck\u00fcberf\u00fchrung in die USA st\u00fcrzten sich Anw\u00e4lte und Journalisten auf Ray, machten mit ihm Exklusivvertr\u00e4ge f\u00fcr die publizistische Verwertung, bei denen Ray hoffte, viel Geld zu machen, bei denen er jedoch real \u00fcber\u2019s Ohr gehauen wurde. In dieser Zeit \u00fcberzeugte ihn einer seiner vielen Anw\u00e4lte, die Ray bis zu seinem Tode f\u00fcr sich arbeiten lie\u00df, sich schuldig zu bekennen, um der Hinrichtung zu entgehen. Bei Schuldeingest\u00e4ndnis kommt es in den USA nicht zum \u00f6ffentlichen Prozess, so dass der ganze Fall juristisch eigentlich nie verhandelt wurde. Ray beteuerte sofort nach seinem Schuldeingest\u00e4ndnis seine relative Unschuld: er sei nur das letzte Kettenglied einer von langer Hand vorbereiteten Staatsaktion gewesen. Ein gewisser &#8222;Raoul&#8220;, den er Monate vor dem Mord kennengelernt habe, h\u00e4tte ihm die Anweisung zum Mord an King gegeben. Diese Version variierte er \u00fcber Jahre hinweg, und kurz vor seinem Tod behauptete er sogar, gar nicht geschossen zu haben.<\/p>\n<p>James Earl Ray, geboren 1928, wuchs im kleinen Nest Alton\/Illinois und im benachbarten St. Louis\/Missouri auf, jeweils in verarmten Vierteln proletarisierter Wei\u00dfer. Auf Grund der mangelnden Pr\u00e4senz einer radikalen und antirassistischen ArbeiterInnenbewegung waren diese Stadtviertel in Illinois und in Missouri &#8211; Bundesstaaten, in denen mit Ausnahme von Chicago jeweils kaum Schwarze lebten &#8211; eine regelrechte Brutst\u00e4tte des wei\u00dfen Rassismus. Dass die Rays immer wieder mit Diebst\u00e4hlen und Raub\u00fcberf\u00e4llen, bei denen sie, auch James, mehrfach gefasst wurden, Zuflucht aus der Armut suchten, kann man\/frau als AnarchistIn ja noch nachvollziehen. Aus dem nagenden und gleichzeitig abgewehrten Schuldbewusstsein aber, es im Sinne der US-Ideologie vom individuellen Erfolg &#8222;nicht geschafft zu haben&#8220;, entstand die Schuldzuweisung an Schwarze und Juden\/J\u00fcdinnen. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges hatte der junge Ray Kontakt mit Henry Stumm, einem Deutschen, der von Hitler schw\u00e4rmte. Gemeinsam w\u00fcnschten sie sich einen Sieg der Nazis. Die Deutschen galten Ray fortan als stolzes Volk, das sich nicht von Schwarzen und Juden\/J\u00fcdinnen unterwandern lasse. Aus diesem Grund ging er Ende der 40er Jahre als GI nach Deutschland, war dann aber entt\u00e4uscht von den angeblich gebrochenen, opportunistischen Menschen, die er vorfand. Der Kontakt mit Henry Stumm, Rays tiefsitzender Hass auf Schwarze und j\u00fcdische Menschen, sein durchg\u00e4ngiger Rassismus &#8211; und auch der seiner Br\u00fcder und seiner Familie &#8211; sind einfach nicht zu vernachl\u00e4ssigen, wenn es um die Motive f\u00fcr den Mord an King geht. Vor diesem Hintergrund ist es nachgerade betr\u00fcblich, wenn die Familie Kings in den 90er Jahren soviel Verst\u00e4ndnis und Glauben an Ray aufbrachte, dass sie ihn \u00f6ffentlich rehabilitierte. Immer wieder hatte Ray seinen Rassismus auch in die Tat umgesetzt: er unterst\u00fctzte aktiv die Wahlkampagne des rassistischen Gouverneurs von Alabama, George Wallace. Nach dem Mord an King lie\u00df sich Ray ab 1969 zeitweise von J.B. Stoner verteidigen, einem Anwalt der rechtsextremen NSRP (National States Right Party). Stoner gr\u00fcndete zudem die politischen Todgeburten &#8222;Stoner Anti-Jewish Party&#8220; und &#8222;Christian Anti-Jewish Party&#8220;. James Ray\u2019s Bruder Jerry Ray arbeitete zehn Jahre f\u00fcr Stoner als Bodyguard und pers\u00f6nlicher Fahrer.<\/p>\n<p>Diese Verbindungen sowie vielfach bezeugte Ausf\u00e4lle gegen Schwarze von James Earl Ray in Kneipen, sp\u00e4ter im Knast (wo er sich weigerte, mit Schwarzen zusammenzuarbeiten oder in einen integrierten Knastfl\u00fcgel \u00fcberzuwechseln) belegen eine rassistische Motivation, die gleichzeitig, wie in der US-amerikanischen Rechten \u00fcblich, gegen den US-Staat gerichtet war, denn der war ja angeblich schon in der Hand von Schwarzen und Juden\/J\u00fcdinnen.<\/p>\n<h3>Die &#8222;Conspiracy&#8220;-Theorien<\/h3>\n<p>Diese rechtsextrem-ideologisierte Sicht f\u00fchrte in der Zeit nach der Verurteilung Rays zu lebensl\u00e4nglicher Haft, ja noch bis heute, oftmals rechtsextreme und linke Staatsaktions-\u00dcberzeugte (US-Fachbegriff &#8222;Conspiracy Buffs&#8220;) zu einer unheilvollen Allianz zusammen. Auf Ray&#8217;s Seite inszenierte vor allem das Anwaltsb\u00fcro William Pepper insbesondere in den 90er Jahren immer neue Theorien um eine Staatsaktion.<\/p>\n<p>Nahezu alle m\u00f6glichen Szenarien wurden durchgespielt und auch in Fernsehsendungen \u00f6ffentlich als belegt und erwiesen behauptet, oft mit zurechtgestutzten ZeugInnenaussagen, die sich jedoch bei nochmaliger Untersuchung von Unabh\u00e4ngigen alle als haltlos erwiesen ((3)). W\u00e4hrend der ganzen Zeit gab es sowohl immer wieder offizielle Untersuchungen des Falles wie auch unabh\u00e4ngige journalistische Studien &#8211; oft mit unterschiedlichen Ergebnissen. Einige der publicitywirksamten Conspiracy-Theorien &#8211; und der kurzzeitige Medieneffekt wurde nur allzugern in bare M\u00fcnze umgesetzt &#8211; waren die &#8222;Confession&#8220;, die angebliche Auffindung von Raoul und schlie\u00dflich die Armeeverschw\u00f6rung.<\/p>\n<p>1993 erkl\u00e4rte in einer Live-Fernsehsendung der Besitzer eines Grill-Restaurants unweit vom Attentatsort, Jowers, er habe Geld f\u00fcr einen Auftrag zur Ermordung Kings bekommen und daf\u00fcr einen Profi (&#8222;Liberto&#8220;) zur Ausf\u00fchrung engagiert &#8211; Ray sei somit unschuldig (&#8222;Confession&#8220;-These). Im Laufe der weiteren Nachforschungen verwickelte sich Jowers jedoch in Widerspr\u00fcche, Liberto wurde nie gefunden. Nichts konnte belegt werden und der Verdacht erh\u00e4rtete sich, da wolle jemand auf seine alten Tage durch Publicity Geld absahnen.<\/p>\n<p>&#8222;Raoul&#8220; als der von James Earl Ray genannte Auftraggeber war ein st\u00e4ndig von &#8222;Conspiracy Buffs&#8220; gejagter Mann. Er konnte nur nie gefunden werden. Ray log, was das Zeug hielt. Er gab immer nur soviel preis, dass er nicht sofort widerlegt werden konnte. Und wenn ihm sp\u00e4ter seine Aussagen, wo und wann er Raoul vor dem Mord getroffen habe, doch widerlegt wurden, passte er seine Geschichte durch leichte \u00c4nderungen immer wieder dem aktuellen Stand der Ermittlungen an. 1994 pr\u00e4sentierte Pepper eine Zeugin, die &#8222;Raul&#8220; angeblich gekannt hatte. Dass sie den Namen &#8222;Raul&#8220; anders schrieb als Ray (&#8222;Raoul&#8220;) machte die Anw\u00e4lte nicht misstrauisch. Und so wurde \u00fcber Wochen hinweg eine New Yorker Familie, in der ein Mensch namens Raul wohnte, durch die Anwaltskanzlei \u00fcberwacht. Raul konnte belegen, da\u00df er zur Mordzeit als Automechaniker weit weg von Memphis gearbeitet hatte. Die Nachricht von der \u00dcberwachung wurde jedoch \u00f6ffentlich und die v\u00f6llig \u00fcberraschte Familie wurde bekannt und musste jahrelange \u00c4ngste und Todesdrohungen \u00fcber sich ergehen lassen. Die Anw\u00e4lte Rays waren so skrupellos, dass sie andere gef\u00e4hrdeten, um Ray zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich die Armeeverschw\u00f6rung: William Pepper brachte sie durch sein Buch &#8222;Orders to Kill&#8220; ins Gespr\u00e4ch, und zwar 1995. Im Buch war von der &#8222;Raul&#8220;-\u00dcberwachung schon gar nicht mehr die Rede. Die Armeeverschw\u00f6rung brachte schlie\u00dflich die Familie Kings auf die Seite Rays, denn sie glaubte aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden ebenfalls an eine Staatsaktion durch die Armee. Pepper behauptete, Heckensch\u00fctzen der 20th Special Forces Group der Armee, h\u00e4tten den Auftrag der Armee gehabt, King umzubringen. In der Tat gab es ab 1968 ein von Pr\u00e4sident Johnson etabliertes Armee\u00fcberwachungsprogramm zur Fr\u00fcherkennung von &#8222;zivilen St\u00f6rungen, die Bundestruppen erforderten.&#8220; ((4)) F\u00fcnf \u00dcberwacher der lokalen 111. Military Intelligence Group beobachteten damals in Memphis auch King und den M\u00fcllarbeiter-Streik. Sie waren jedoch nachrichtendienstlich ausgebildet und keine Spezialgruppe f\u00fcr T\u00f6tungen (da h\u00e4tte die Armee schon Profis eingesetzt), w\u00e4hrend alle Nachforschungen ergaben, dass die 20th Forces Special Group in dieser Zeit ganz woanders stationiert war. F\u00fcr die &#8222;Conspiracy Buffs&#8220; sind alle schriftlichen Belege nat\u00fcrlich gef\u00e4lscht und so lassen sie sich davon nicht von ihren Theorien abbringen. Pepper legte im Laufe der Kampagne eine geheime Anordnung der 20th Forces Special Group zur \u00dcberwachung Kings \u00f6ffentlich vor, die dann u.a. von Daniel Ellsberg, der als Insider die geheimen Pentagon Papiere zum Vietnam-Krieg 1970 ver\u00f6ffentlichte, unabh\u00e4ngig untersucht und wiederum selbst als F\u00e4lschung ausgelegt wurde.<\/p>\n<h3>Die virtuelle Realit\u00e4t in der US-Linken<\/h3>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung der 25 Jahre unter Verschluss liegenden FBI-Akten um King hat ergeben, da\u00df der damalige FBI- Chef J. Edgar Hoover King als einen der gef\u00e4hrlichsten Staatsfeinde ansah und ihn in den letzten Jahren \u00fcber das Counter-Insurgency-Programm &#8222;COINTELPRO&#8220; \u00fcberwachen lie\u00df. King war jedoch bereits so popul\u00e4r, da\u00df die Taktik des FBI eindeutig auf Desavouierung &#8211; nicht auf Mord, der nur eine unkalkulierbare Solidarisierungswelle hervorrufen konnte &#8211; hinauslief. Deswegen war die FBI-Auswertung und -\u00d6ffentlichkeitsarbeit bei King auch eindeutig auf potentielle Skandale und &#8222;Frauengeschichten&#8220; ausgerichtet, um ihn in den eigenen Reihen und bei der Unterst\u00fctzung durch die black community entscheidend schw\u00e4chen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die USA und ihre Geheimdienste, vom FBI, NSA, CIA bis zur Armee, pr\u00e4gen die Weltpolitik. Klar, dass da auch die innere Ordnung mit allen Mitteln versucht wird, aufrechtzuerhalten und systemkritische Revolten im Keim erstickt werden sollen. Und es gibt ja auch die Erfahrung, dass etwa der Krieg des Staates gegen die Black Panther Party durch Infiltrierung von Spitzeln gef\u00fchrt wurde. Doch die \u00dcberpr\u00e4senz der Geheimdienste, so etwa der anarchistische Black- Rose-Books-Herausgeber Dimitri Roussopoulos aus Montr\u00e9al ((5)), f\u00fchre die linken und libert\u00e4ren Gruppen zu einer Kultur des gegenseitigen Mi\u00dftrauens, der rein negativen Haltung und des Abschottens. In diesem Klima k\u00f6nnen Verschw\u00f6rungstheorien gut gedeihen. Im Falle des King-Mordes bl\u00fchten sie vor allem in den 90er Jahren auf. Und gerade als Anarchist bin auch ich geneigt, den US-Geheimdiensten oder der US-Armee alles zuzutrauen. Es ist allerdings f\u00fcr AnarchistInnen auch nicht n\u00f6tig, den sowieso schon real vorhandenen Verbrechen des US-Staates noch unbelegte Verschw\u00f6rungen hinzuzuf\u00fcgen. Der Staat muss King nicht umgebracht haben, um sich als Gewaltfreier und Anarchist in der Kritik des US-Staates best\u00e4tigt zu sehen. Die &#8222;Conspiracy&#8220;-Theoretiker denken sich in eine virtuelle Realit\u00e4t hinein, die sich gegen Kritik dadurch immunisiert, dass alle Gegenbeweise angeblich fingiert worden sind. Durch diese Verschw\u00f6rungs-Mentalit\u00e4t wird die Realit\u00e4t eines unheilvollen B\u00fcndnisses zwischen der symbolhaft f\u00fcr Emanzipationsbewegungen immer noch wichtigen King-Familie, Dexter King und Coretta Scott-King, mit den rechtsextremen Unterst\u00fctzern von James Ray \u00fcbersehen. Ergebnis ist die Aufwertung des Attent\u00e4ters, Antisemiten und Rassisten Ray &#8211; ganz unabh\u00e4ngig von der libert\u00e4ren Frage \u00fcbrigens, ob Lebenslang eine vertretbare Strafe f\u00fcr Mord ist. Wie schon bei Gandhis M\u00f6rder Ghose wird am Ende des Jahrhunderts auch Kings M\u00f6rder Ray rehabilitiert, die Ma\u00dfst\u00e4be verschwimmen, Rassismus wird wieder salonf\u00e4hig. Die Schuld des Staates aber liegt bis zum Beweis des Gegenteils woanders:<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4hrend sie wahrscheinlich nicht den Abzug bet\u00e4tigt hat, hat die Regierung jedoch (&#8230;) eine Atmosph\u00e4re erzeugt, in welcher Rassisten denken konnten, es sei relativ risikoarm, einen Schwarzenf\u00fchrer des S\u00fcdens zu erschie\u00dfen und dann damit davonzukommen.&#8220; ((6))<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor allem auf Grund der radikalisierten Lebensentwicklung Kings haben die Untersuchungen und Verd\u00e4chtigungen bis heute nie aufgeh\u00f6rt. Und noch 1999 wollte das US-Justizministerium einen vorl\u00e4ufig letzten Bericht ver\u00f6ffentlichen ((1)), ob der damals verurteilte M\u00f6rder James Earl Ray auch der tats\u00e4chliche war. 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