{"id":31120,"date":"2024-04-01T14:22:18","date_gmt":"2024-04-01T12:22:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/04\/arbeits-dienstpflicht\/"},"modified":"2024-05-14T16:26:09","modified_gmt":"2024-05-14T14:26:09","slug":"arbeits-dienstpflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/04\/arbeits-dienstpflicht\/","title":{"rendered":"(Arbeits-)Dienstpflicht?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Kaum k\u00fcndigt sich in Deutschland das Sommerloch an, schon kommt sie wieder, die Dienstpflicht-Debatte (f\u00fcr Jugendliche). Gef\u00fchlt schon seit der Aussetzung der Milit\u00e4rdienstpflicht 2011. Was anfangs noch als mehr oder minder kurios abgetan wurde, hat inzwischen aber Fahrt aufgenommen. Die Jugendlichen w\u00fcrden nur surfen, chillen und daten. So gehe das nicht, sie m\u00fcssten auch etwas f\u00fcr die Gesellschaft bzw. den Staat tun. F\u00fcr die Betroffenen h\u00e4tte das nur Vorteile: Sie k\u00f6nnten sich sozial engagieren, im Umweltschutz t\u00e4tig sein, neue Erfahrungen machen und berufliche Perspektiven entwickeln.<br \/>\nWas es mit diesem scheinbar f\u00fcrsorglichen und freundlichen Zwang auf sich hat, soll in diesem Artikel anhand der Erfahrungen mit dem Reichsarbeitsdienst, den es ja f\u00fcr M\u00e4nner wie Frauen gab, und den aktuellen Ideen untersucht werden.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Vorgeschichte des Reichsarbeitsdienst (RAD)<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Krieg kann der Soldat nur dann k\u00e4mpfen, wenn die Unterst\u00fctzung durch die Gesellschaft sichergestellt ist. Der Bedarf steigt mit den zunehmenden Verlusten. So wie der Soldat \u00fcber die Milit\u00e4rdienstpflicht zum Dienst gezwungen wird, so ist auch die Unterst\u00fctzung kaum allein \u00fcber Freiwillige zu gew\u00e4hrleisten. Deshalb ist im Krieg eine allgemeine Arbeitsdienstpflicht f\u00fcr Staaten naheliegend (\u201eTotaler Krieg\u201c).<br \/>\nIn Deutschland, im Ersten Weltkrieg, wurde bereits im August 1914 die \u201eReichszentrale f\u00fcr Arbeitsnachweise\u201c gegr\u00fcndet. Logisch, denn wenn der Staat jemand verpflichten will, muss er wissen, auf wen er zugreifen kann. Das verpflichtende \u201eArbeitsbuch\u201c war daf\u00fcr die Voraussetzung. Die Reichszentrale organisierte Erntehilfen als Ersatz f\u00fcr die Bauern, die einberufen waren, zog aber auch die Verf\u00fcgbaren, ebenso wie die Kriegsgefangenen, zu Festungsarbeiten heran. W\u00e4hrend das anfangs noch mehr oder minder sporadisch geschah, wurde es im Dezember 1916 mit dem \u201eHilfsdienstgesetz\u201c systematisiert.<br \/>\nDann: Der Krieg war verloren, die Verluste und Sch\u00e4den enorm. Aufst\u00e4nde, Revolution allerorten. Dem galt es einen Riegel vorzuschieben \u2013 und so wurde in der Weimarer Verfassung von 1919 die Arbeitsdienstpflicht verankert. Fortan gab es finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Arbeitslosen nur noch, wenn ihnen die Beh\u00f6rden keine Arbeit anbieten konnten. Jugendliche waren davon besonders betroffen: Sie wurden als erste entlassen bzw. fanden erst gar keine Arbeit. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wurde die gesetzliche M\u00f6glichkeit dann aber nicht mehr weiterverfolgt.<br \/>\nDa es noch keine staatliche Jugendarbeit gab, nutzten private Tr\u00e4ger ihre Chance. Das waren vor allem die Kirchen und die b\u00fcrgerlich-nationalistischen Verb\u00e4nde wie der Wandervogel, die Lebensreform-Bewegung und nat\u00fcrlich auch die extrem-rechten, nach ihren politisch-milit\u00e4rischen Idolen benannten: Bismarck- und Hindenburgjugend, Scharnhorstbund\u2026 Sie organisierten Fahrten und (Arbeits-)Lager. So entstand eine regelrechte Arbeitslagerbewegung, an der viele Jugendliche teilnahmen \u2013 und ideologisch formiert wurden.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Vom Freiwilligen zum Reichsarbeitsdienst (RAD)<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Infolge der \u201eWeltwirtschaftskrise\u201c (1929\u20131933) verdreifachte sich in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen auf \u00fcber sechs Millionen. Nun h\u00e4tte die Regierung Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen beschlie\u00dfen k\u00f6nnen, wie das z.\u2009B. in den USA mit dem \u201eNew Deal\u201c unter Pr\u00e4sident Roosevelt geschah. Die rechtsnationalistische deutsche Regierung unter Hindenburg und Br\u00fcning dagegen w\u00e4lzte ihr Versagen auf die Betroffenen ab. Sie begrenzte die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes f\u00fcr Erwachsene auf 36 und f\u00fcr Jugendliche auf 21 Wochen. F\u00fcr Saisonarbeiter:innen gab es \u00fcberhaupt keine Unterst\u00fctzung mehr. Und ab Mitte 1931 wurde sie f\u00fcr Jugendliche und verheiratete Frauen ganz eingestellt. Gleichzeitig wurde die Arbeitslosenunterst\u00fctzung abgesenkt, auf 12 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Zudem wurden 1932 die L\u00f6hne eingefroren, so dass auch mit Verdienst kaum noch ein Auskommen war. Diese Ma\u00dfnahmen haben sicherlich dazu beigetragen dem Faschismus die Tore zu \u00f6ffnen.<br \/>\nEine zentrale Ma\u00dfnahme zur Bek\u00e4mpfung der Jugendarbeitslosigkeit war 1931 der von Reichskanzler Br\u00fcning verordnete \u201eFreiwillige Arbeitsdienst\u201c, der nach der Macht\u00fcbernahme durch die Faschisten unter dem Reichsarbeitsf\u00fchrer Konstantin Hierl schnell zu einem verpflichtenden Arbeitsdienst, dann auch f\u00fcr den Krieg, wurde.<br \/>\n\u201eFreiwillig\u201c klingt gut, ist es aber nicht. Wenn heutzutage abgelehnte Fl\u00fcchtlinge \u201efreiwillig\u201c ausreisen, dann doch nur, weil man ihnen hier die Lebensgrundlage entzogen hat. Gleiches gilt f\u00fcr die \u201eFreiwilligkeit\u201c beim Arbeitsdienst.<br \/>\nF\u00fcr die Vision der Faschisten, eines neuen Reiches, brauchte man Erfolge \u2013 und die gab es mit der Zeit offensichtlich immer mehr, was wiederum die Leute nicht gerade zum Nachdenken \u00fcber die Ziele anregt, sondern regelrecht begeisterte: Die Arbeitslosigkeit sank bis Herbst 1936 auf eine Million und schon bald waren Arbeitskr\u00e4fte gesucht. Die Olympiade, Saarland, \u00d6sterreich und Sudetenland wieder deutsch \u2013 Erfolge allerorten, und dann auch im Krieg, zumindest anfangs. \u201eDu wirst gebraucht! Ohne dich geht es nicht!\u201c, hie\u00df die Parole. Da lohnte es sich bei der entstehenden \u201eVolksgemeinschaft\u201c mitzumachen. Da war dann auch \u201edie Sache mit den Juden\u201c, den KZs usw. nicht mehr so wichtig und der Krieg, den \u201eman uns aufgezwungen hat\u201c, irgendwie unvermeidlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zwangsarbeiter Wolf-Dietrich Kroll: \u201eWas gesagt wurde, wurde gemacht. 1944 wurde ich eingezogen (von Schwerin) nach B\u00f6hmen zum Arbeitsdienst. Morgens marschierten wir in den Steinbruch oder zum Stra\u00dfenbau. \u2026 Ich habe mich gefreut, f\u00fcr mein Land k\u00e4mpfen zu d\u00fcrfen. Im Jahr darauf habe ich dann gek\u00e4mpft: Ich war 17 Jahre alt\u2026\u201c (Spiegel 28 \u2013 4.7.20)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 26. Juni 1935 war es soweit, der \u201efreiwillige\u201c wurde zum verpflichtenden Reichsarbeitsdienst (RAD). Da die Arbeitslosigkeit weitgehend \u00fcberwunden war und die Einf\u00fchrung der Milit\u00e4rdienstpflicht beschlossen, fehlten billige Arbeitskr\u00e4fte und so sollte er vor allem die Jugend ideologisch formieren, einbinden und erziehen, gem\u00e4\u00df dem Gesetzestext: \u201eDie deutsche Jugend im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur geb\u00fchrenden Achtung der Handarbeit erziehen.\u201c Zun\u00e4chst wurden nur M\u00e4nner ab 18 Jahren f\u00fcr das verpflichtende halbe Jahr eingezogen (sp\u00e4ter dann auch f\u00fcr Frauen, dazu mehr im Extra-Beitrag in dieser GWR). Es gab Krankenversicherung, (braune) Uniform, Essen, 12-Mann-Unterkunft (Baracken), wie in den Kasernen gab es t\u00e4glichen Fahnen- und Stubenappell und mindestens 25 Reichspfennig (umgerechnet ca. 3 \u20ac) pro Tag. Dazu Hierl: Die Arbeit \u201emuss getan werden, auch wenn sie materiell wenig abwirft\u201c.<br \/>\nGleich zu Beginn hatte man 250.000 zum Dienst verpflichtet. 135.000 M\u00e4nner f\u00fcr den Stra\u00dfen- und Autobahnbau, der Rest: Erntehilfe, Aufforstung, Flussregulierung, Dammbau, Moore entw\u00e4ssern&#8230; Die Arbeit war zweifelsohne \u201ehart\u201c: Bei dem 1935 beschlossenen Bau der Autobahnen z.\u2009B. waren 12\u201316 \u2028Stunden-Schichten \u00fcblich. Bei Schlechtwetter gab es keine Bezahlung. Und es gab viele Unf\u00e4lle: Auf sechs Autobahnkilometer kam ein Toter.<br \/>\nHermann G\u00f6ring am 10.9.39: \u201eHeute gibt es einen Mobilmachungsbefehl f\u00fcr jeden Deutschen, sobald er 16 Jahre alt geworden ist. M\u00e4dchen wie Jungen. \u2026In Zeiten wo wir mitten im Kampf um Sein oder Nichtsein stehen, h\u00f6rt das Vergn\u00fcgen auf.\u201c<br \/>\nMan hatte Gro\u00dfes vor, und es wurden immer mehr einberufen: Ab 1938 war der RAD quasi ein milit\u00e4rischer Hilfsdienst und ab September 1939 unterstand er direkter milit\u00e4rischer Kontrolle. 1939 waren bereits 390.000 M\u00e4nner beim RAD, der zur Bautruppe der Wehrmacht mutierte: Flugpl\u00e4tze, Bunker. Das kriegswichtigste Bauwerk war der Westwall (\u201eeine Mauer des Herzens\u201c). Die Grenze zu Frankreich sollte f\u00fcr den \u201eErzfeind\u201c un\u00fcberwindlich werden. Deshalb wurden \u00fcber die 600 km von Aachen nach Basel von 1938 bis August 1939 ca. 15.000 Bunkeranlagen, Panzersperren usw. errichtet. Der Westwall hat dann aber die Alliierten nicht aufgehalten. Die Reste des Westwalls kann man immer noch bestaunen.<br \/>\nDie Arbeitsdienstleute waren nicht nur bei der Arbeit gefragt: Sie waren auch ein zentraler Bestandteil der \u00f6ffentlichen Pr\u00e4sentation etwa bei Parteitagen, bei Feiern zu Hitlers Geburtstagen usw., wo sie immer in Kolonnen aufmarschieren durften.<br \/>\nDas Zeichen des RAD war der Spaten. Die Ideologie der Faschisten, von den Bewegungen der 1920er Jahre \u00fcbernommen, war, dass \u201eArbeit adelt!\u201c und \u201efrei\u201c mache. Der Deutsche leiste \u201eschaffende\u201c Arbeit, entgegen der \u201eraffenden\u201c der Juden. Schuld an der Misere der 1920er Jahre sei der dem Kapitalismus innewohnende \u201eRationalisierungswahnsinn\u201c, darum der weitgehende Verzicht auf maschinelle Hilfsmittel. Man war geleitet von der \u201eErziehung der Jugend\u201c, wer arbeitet komme nicht auf \u201edumme Gedanken\u201c, Arbeit sei eine Vorbereitung f\u00fcr den \u201eErnst des Lebens\u201c. Durch harte Arbeit werde der Mann \u201eim sp\u00e4teren Leben\u201c zu einem guten Arbeiter \u2013 und Soldat. \u201eK\u00e4lte, Hunger, Durst, Marsch in der Nacht, Lager im Schnee, das will die Jungenschaft. Das macht die Buben hart und stark\u201c, so die Zeitschrift \u201eJungvolk\u201c, herausgegeben von der Reichsjugendf\u00fchrung 1934. In Selbstzeugnissen der Teilnehmenden spielte diese \u201eBew\u00e4hrungsprobe\u201c eine durchaus positiv bewertete, herausragende Funktion.<br \/>\nBevorzugt herangezogen wurde, wer keine Arbeit hatte bzw. L\u00fccken im Arbeitsbuch. Mit Fehlzeiten galt man als \u201earbeitsscheu\u201c und \u201easozial\u201c. Jugendliche sind durchaus eigenwillig, sie wollen sich den gegebenen Zw\u00e4ngen nicht automatisch unterwerfen. So nimmt es auch kein Wunder, dass sich an vielen Orten Gruppen bildeten, die sich den Arbeits- und Dienstverpflichtungen widersetzten und den Faschisten die Stirn boten: Edelwei\u00df-Piraten, Navajos, Blasen, Kittelbach-Piraten, Swing-Cliquen, die Leipziger Meuten, Junge Garde usw. Sie bekamen den Hass des Systems zu sp\u00fcren: Wer sich der Arbeitspflicht entzog, wurde ab 1938 polizeilich verfolgt und konnte zu Zuchthaus verurteilt werden. Aber schon bald wurde die Einlieferung ins KZ die \u00fcbliche Strafe. KZs waren ja eigentlich Zwangsarbeitslager. F\u00fcr \u201earbeitsscheue\u201c Jugendliche wurde 1940 in Moringen (bei G\u00f6ttingen) ein spezielles KZ errichtet. Sie mussten den \u201eschwarzen Winkel\u201c tragen. Einige wurden wegen ihres Widerstands sogar hingerichtet.<br \/>\nUm f\u00fcr den \u201eEndsieg\u201c alle Kr\u00e4fte zur \u201eh\u00f6chstm\u00f6glichen Entfaltung zu bringen\u201c gab es schlie\u00dflich am 27. Januar 1943 \u2028die \u201eDritte Welle des Volkssturms\u201c, den verpflichtenden, zeitlich unbegrenzten Arbeitseinsatz f\u00fcr alle M\u00e4nner vom 16. bis zum 65. Lebensjahr und f\u00fcr Frauen von 17 bis 45. Der RAD wurde zur \u201eReichsarbeitsdienst-Division\u201c im Frontkampf.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassung<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir gesehen haben: Arbeitslosigkeit und Krieg sind Determinanten, die leicht zu einem verpflichtenden Arbeitsdienst f\u00fchren k\u00f6nnen. Dabei war der RAD nur ein, wenngleich ein wichtiger Teil der Arbeitsverpflichtungen f\u00fcr den Krieg.<br \/>\nWer Mitglied der Hitlerjugend (HJ) war, und das waren fast alle ab zehn Jahren (1938: 8,7 Mio. Mitglieder), der\/die hatte keine Freizeit mehr. Standen anfangs noch Basteln, Singen, Tanz, Lager, Fahrten auf der Tagesordnung, wurde dies im Laufe der Zeit immer mehr zum Dienst f\u00fcr den Krieg: Lumpen- und Knochensammeln (z.\u2009B. 1938 120.000 Tonnen Knochen), Spenden f\u00fcr die Partei eintreiben, Veranstaltungen vorbereiten, Aufm\u00e4rsche\u2026 also Arbeitseins\u00e4tze allerorten. Ab dem 25. M\u00e4rz 1938 musste jeder Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren unter Strafandrohung Dienst f\u00fcr die Hitlerjugend bzw. den Parteiorganisationen SA und SS leisten. Die Jugendlichen wurden verschiedenen Interessensgruppen zugeordnet: Flieger-HJ: 115.000, Nachrichten-HJ: 30.000, Motor-HJ: 141.000, Marine-HJ (ohne Angaben).<br \/>\nAuch Medizinstudierende hatten an vorlesungsfreien Wochen Arbeitsdienst abzuleisten. Dazu kamen etwa 10 Mio. Fremd-arbeiter:innen, die aus den besetzten Gebieten deportiert wurden und zu Zwangsarbeit verpflichtet waren, sowie die Kriegsgefangenen. Zwangsarbeit musste auch, wie schon erw\u00e4hnt, in den KZs geleistet werden, f\u00fcr die Kriegsproduktion und f\u00fcr die SS.<br \/>\nUnd schlie\u00dflich die ebenfalls 1935 eingef\u00fchrte einj\u00e4hrige Milit\u00e4rdienstpflicht, die ja nichts anderes ist als eine entrechtete Zwangsarbeit. Auch das zeigt, wie immer breitere Kreise der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Krieg nutzbar gemacht wurden. 1936 wurde die Dienstzeit auf zwei Jahre verl\u00e4ngert und w\u00e4hrend bis 1939 lediglich die 19- bis 20-J\u00e4hrigen einberufen wurden, mussten 1942 bereits die 18-J\u00e4hrigen einr\u00fccken, 1944 die 17-J\u00e4hrigen und schlie\u00dflich durch F\u00fchrererlass am 25. Sept. 1944 alle ab 16 Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heinrich Br\u00fcning, geboren in M\u00fcnster. Er stammte aus einer Kaufmannsfamilie, wurde Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des christlichen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reichstagsabgeordneter der Zentrumspartei und schon bald deren Vorsitzender. Er wurde im M\u00e4rz 1930 vom Reichspr\u00e4sidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Ein Ziel der Regierung: Bek\u00e4mpfung der Massenarbeitslosigkeit. Zu diesem Zweck schuf er 1932 den \u201eFreiwilligen Arbeitsdienst\u201c. Er regierte autorit\u00e4r (Pr\u00e4sidialregierung) mit immer neuen Notverordnungen. Br\u00fcning wurde Ende Mai 1932 auf Betreiben von General von Schleicher entlassen. Dieser wollte die NSDAP z\u00e4hmen, indem er ihre Vorstellungen vorwegnahm. Schleicher wurde 1934 beim sogenannten R\u00f6hm-Putsch ermordet. Bei dieser von Hitler befohlenen Mordaktion gegen die SA-F\u00fchrung wurden am 30.6.1934 rund 200 get\u00f6tet. Br\u00fcning floh daraufhin, zuerst in die Niederlande, dann in die USA. Nach dem Krieg war er Professor in K\u00f6ln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konstantin Hierl. Der Offizier wurde bereits 1927 Mitglied der NSDAP. Der \u201ealte Gefolgsmann von Adolf Hitler\u201c stieg 1929 in die Reichsleitung auf, wurde 1932 Beauftragter Hitlers f\u00fcr den Arbeitsdienst, den er als Reichsarbeitsf\u00fchrer ab 1935 zum Reichsarbeitsdienst (RAD) ausbaute und ihn zu einer milit\u00e4rischen Hilfstruppe f\u00fcr den Krieg machte. Hierl wurde nach dem Krieg, bei den N\u00fcrnberger Prozessen, als \u201eHauptschuldiger\u201c, je nach Quelle, zu drei Jahren Internierungshaft oder f\u00fcnf Jahren Arbeitslager verurteilt.<br \/>\nNoch 1977 war er einer von 17 Ehrenb\u00fcrgern seiner Geburtsstadt Parsberg in der Oberpfalz. Der damalige B\u00fcrgermeister Heinrich Tr\u00e4ger: Es \u201ebesteht und bestand keine Veranlassung ihm die Ehrenb\u00fcrgerrechte abzuerkennen\u201c. Die RAD-Veteranenorganisation \u201eBund der Notgemeinschaften der berufsm\u00e4\u00dfigen ehemaligen Arbeitsdienstangeh\u00f6rigen und ihrer Hinterbliebenen\u201c wandte sich gegen die \u201esattsam bekannte Verleumdungskampagne\u201c und bescheinigt ihrem Chef \u201euntadelige und vorbildhafte Eigenschaften\u201c, \u201emoralisch saubere Grundhaltung\u201c und \u201ewirkliche Herzensg\u00fcte\u201c. Hierl, kurz vor seinem Tod 1955, in seinen Memoiren \u201eIm Dienst f\u00fcr Deutschland\u201c: Harte Arbeit habe noch nie jemand geschadet. \u201eHaltet die Treue unserer Idee\u2026 als Ehrendienst am Volk, als Erziehungseinrichtung zu einem hohen Sozialethos und damit als hohe Schule der Volkskameradschaft.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum k\u00fcndigt sich in Deutschland das Sommerloch an, schon kommt sie wieder, die Dienstpflicht-Debatte (f\u00fcr Jugendliche). Gef\u00fchlt schon seit der Aussetzung der Milit\u00e4rdienstpflicht 2011. 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