{"id":31156,"date":"2024-04-10T13:34:03","date_gmt":"2024-04-10T11:34:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=31156"},"modified":"2024-04-15T17:20:16","modified_gmt":"2024-04-15T15:20:16","slug":"linke-medien-in-deutschland-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/04\/linke-medien-in-deutschland-retten\/","title":{"rendered":"Linke Medien in Deutschland retten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Medienmarkt wandelt sich generell seit Jahren extrem. Immer mehr Printprodukte werden eingestellt, weil sie f\u00fcr die Mutterkonzerne nicht gen\u00fcgend Profit abwerfen, oder gehen aus mangelnder Finanzierung durch Einnahmen aus Abos, Verkauf und Spenden ein. Gerade im linken Bereich haben wir seit Jahren ein Sterben von Publikationen bzw. eine Umstellung auf reine Onlineprojekte zu verzeichnen. Zeitschriften wie die antifaschistische <i>Blick nach Rechts <\/i>oder die anarchosyndikalistische <i>Direkte Aktion<\/i> existieren seit mehr als einem Jahrzehnt nur noch als Onlineausgabe; das sozialwissenschaftlich-orientierte linke Magazin <i>Katapult <\/i>und <i>Melodie &amp; <\/i>Rhythmus<i> <\/i>wurden vor nicht allzulanger Zeit eingestellt. Gleichzeitig gibt es im rechten Spektrum eine Gegenbewegung. Hier verzeichnen die Publikationen noch partiell Auflagensteigerungen (im Falle der \u201erechtskonservativen\u201c <i>Jungen Freiheit<\/i>) und es kommt immer wieder mal zu Neugr\u00fcndungen von Printmedien. Daran \u00e4ndert sich auch nichts durch die Verbannung von Publikationen wie der rechtsextremen <i>Compact<\/i>aus dem Bahnhofsbuchhandel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Medien haben immer eine wichtige Rolle in der buntgef\u00e4cherten linken Szene gespielt. Die ersten anarchistischen Gruppen in Deutschland des 19. Jahrhunderts entstanden in Form von Lesekreisen rund um ausl\u00e4ndische anarchistische Printmedien, die Autonomen erhielten ihren Namen in Anlehnung an eine Zeitschrift (<span style=\"color: #202122;\"><span style=\"font-family: sans-serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>autonomia<\/i><\/span><\/span><\/span>) und die Gr\u00fcndung der Tageszeitung <i>taz<\/i> stellte einen Meilenstein linker Vernetzung dar. Der R\u00fcckgang von linken (Print-)Medien ist allerdings mehr als nur ein kultureller Wandel. Es ist auch ein Zeichen von der derzeitig desolaten Lage der gesamten linken Szene. Dabei sind die Zeitungen \/ Zeitschriften von sehr gro\u00dfer Bedeutung \u2013 f\u00fcr Information, Austausch und Vernetzung. Das vielbeschworene Internet kann dies vermeintlich zwar besser gew\u00e4hrleisten, aber es gibt bis heute grundlegende Unterschiede zwischen der Online- und Printlekt\u00fcre. Studien belegen immer wieder, dass wir Texte am Bildschirm weniger konzentriert lesen als auf Papier. Die Inhalte bleiben weniger im Gehirn h\u00e4ngen und wir werden schneller abgelenkt \u2013 z.B. durch Hyperlinks. Selbst die L\u00e4nge der Texte, die wir konzentriert lesen k\u00f6nnen, unterschiedet sich. Lange Zeit galt als Regel, dass ein Online ver\u00f6ffentlichter Text nicht mehr als 10.000 Zeichen, d.h. umgerechnet eine Seite in der <i>Contraste<\/i>, lang sein darf, damit er \u00fcberhaupt gelesen wird. L\u00e4ngere Texte am Bildschirm zu konsumieren f\u00e4llt uns schwer. Die Liste liesse sich noch um ein paar Punkte erg\u00e4nzen\u2026. Der sich stetig vollziehende Wandel der Mediennutzung ist nat\u00fcrlich nicht aufzuhalten und sollte es auch nicht werden. Dennoch scheint es \u2013 sowohl im Rahmen dieses Wandels als auch in einer Zeit, wo wir im Internet st\u00e4ndig mit Fakenews konfrontiert werden \u2013 noch wichtig zu sein, dass wir \u00fcber Medien verf\u00fcgen, die jenseits von Algorhythmen Informationen verbreiten und deren Gehalt zumindest ein St\u00fcck weit durch Redakteur_innen vor der Verbreitung \u00fcberpr\u00fcft und gegebenenfalls auch sprachlich redigiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus diesem Grund m\u00f6chte ich hier zur Rettung und Unterst\u00fctzung akut bedrohter linker Zeitungsprojekte \u2013 nicht nur der <i>Contraste<\/i> \u2013 aufrufen. Die Satirezeitschrift <i>Titanic<\/i>, die auch lange bin ihrer Existenz bedroht war, wurde ja bereits erfolgreich gerettet. Viele der Zeitschriften bieten Probeabos oder zumindest Probehefte an. Vereinzelt gibt es die Zeitschriften auch an Kiosken, linken Buchhandlungen oder im Bahnhofsbuchhandel. Es ist auch hier nur eine kleine und subjektive Auswahl. Es sind leider weitaus mehr Zeitungsprojekte bedroht.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* Graswurzelrevolution<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die seit 1972 erscheinende <i>Graswurzelrevolution <\/i>ist mit die letzte, wenn nicht gar die letzte, anarchistische Zeitschrift im Printformat. Aus gewaltfrei-anarchistischer Sicht wird monatlich kompetent \u00fcber Politik und Kultur berichtet. Daneben erscheint zweimal j\u00e4hrlich eine kostenfreie Beilage zur jeweiligen Buchmesse \u2013 die <i>Libert\u00e4ren Buchseiten. <\/i>Antimilitarismus, \u00d6kologie und Feminismus sind wichtige Themen, die aus einer anarchistischen Perspektive beleuchtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: https:\/\/www.graswurzel.net<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* ila<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Informationsstelle Lateinamerika in Bonn gibt seit 50 Jahren eine gleichnamige Zeitschrift, die <i>ila<\/i>, heraus. Sie d\u00fcrfte eine der wichtigsten, emanzipatorischen Publikationen zu dieser Thematik im deutschsprachigen Raum sein. \u00c4hnlich wie die <i>Contraste<\/i> oder die<i> Graswurzelrevolution<\/i> lebt sie von der ehrenamtlichen Unterst\u00fctzung von vielen freien Mitarbeiter_innen. Dennoch ist auch sie gerade existenziell in ihrer Existenz bedroht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: <a href=\"https:\/\/www.ila-web.de\/\">https:\/\/www.ila-web.de<\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* konkret<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <i>konkret<\/i>, die einst mit Mitteln aus der DDR finanziert wurde, war eines der Leitmedien der Studierendenbewegung um 1968. Sie machten damals als eine der ersten Magazine die Abbildung nackter K\u00f6rper auf dem Cover hoff\u00e4hig. Zur Redaktion geh\u00f6rte u.a. Ulrike Meinhof vor ihrer Zeit als RAF-Aktivistin und sp\u00e4ter auch der Publizist J\u00fcrgen Els\u00e4sser, bevor er nach rechts abdriftete und das <i>Compact<\/i>-Magazin gr\u00fcndete. Als linkes, streitbares Monatsmagazin ist es kaum auf dem Potpourri linker Medien wegzudenken. Ein interner Streit, der mit einem offenen Brief von ehemaligen Autor_innen einherging, hat die Situation versch\u00e4rft. Damit das Magazin als Medien weiter existieren kann, ben\u00f6tigt man ca. 2.000 neue Abos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: <a href=\"https:\/\/konkret-magazin.de\/\">https:\/\/konkret-magazin.de<\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* Missy Mag<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im Bereich der feministischen Presse kriselt es. Das M<i>issy Mag<\/i>, ein feministisches Magazin, welches sich der Berichterstattung aus Perspektiven von BPoC-Feminist_innen ((1)) verschrieben hat, k\u00e4mpft ums \u00dcberleben. Die Einstellung jenes Magazins w\u00e4re ein herber Verlust im Diskurs \u2013 nicht nur im feministischen Diskurs, wo ein feministisches Flaggschiff wie die <i>Emma <\/i>immer wieder problematische Positionen zu feministischen Themen vorbringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: <a href=\"https:\/\/missy-magazine.de\/\">https:\/\/missy-magazine.de<\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* nd. Der Tag<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das einstige SED-Blatt <i>Neues Deutschland <\/i>(<i>nd<\/i>) hat mit viel M\u00fche die Wendezeit \u00fcberstanden und im Gegensatz zur mittlerweile verkn\u00f6cherten kleinen Schwester <i>Junge Welt<\/i>, deren Genossenschaftskonzept bislang aufzugehen scheint, sich dem linken Pluralismus ge\u00f6ffnet. Nun droht ihr das Aus, wenn nicht gen\u00fcgend Abos und Spenden eingehen. Als Sparma\u00dfnahme wurde schon die t\u00e4gliche Ausgabe aus dem Kioskverkauf genommen. Hier gibt es nur noch die Wochenausgabe zu kaufen. Ab n\u00e4chsten Jahr soll dann die Montagsausgabe nur noch Online erscheinen, um Druckkosten zu sparen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/\">https:\/\/www.nd-aktuell.de<\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* Oxi<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Weile mit dem <i>ND<\/i> liiert war die linke Wirtschaftszeitschrift <i>Oxi. Wirtschaft anders denken<\/i>. Nach der Losl\u00f6sung von der Tageszeitung versuchte man sich als unabh\u00e4ngiges Printmagazin und scheiterte auf dem Markt. Seit einer Weile gibt es das Magazin nur noch als Blog, aber auch dieser muss sich durch Spenden finanzieren, um weiterexistieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: <a href=\"https:\/\/oxiblog.de\/\">https:\/\/oxiblog.de<\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* Plastic Bomb<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201ePunk\u2018s not dead!\u201c Lautet eine alte Punkweisheit. Dennoch sterben langsam die klassischen Punkfanzines aus. Eines der wenigen \u00dcberbleibsel der Szenezeitschriften ist die quartalsweise erscheinende <i>Plastic Bomb<\/i>. Zusammen mit der <i>Ox <\/i>und dem <i>Zap<\/i> geh\u00f6rt sie zum Triumvirat der Punkfanzines.<i> <\/i>Steigende Druck- und Vertriebskosten bereiten der <i>Bombe<\/i> aber gro\u00dfe Schwierigkeiten und drohen dem Projekt den Garaus zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: <a href=\"https:\/\/www.plastic-bomb.eu\/\">https:\/\/www.plastic-bomb.eu<\/a><\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">* Rabe Ralf<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <i>Rabe Ralf<\/i>, ein kostenloses Blatt der Gr\u00fcnen Liga, informiert seit Jahren kritisch und kompetent \u00fcber \u00f6kologische und gesellschaftliche Themen, bietet interessante vegane Rezepte, gibt Tipps f\u00fcr einen \u00f6kologischen Lebensstil und druckt wichtige Termine ab \u2013 nicht nur aus seiner Heimatstadt Berlin. Immer wieder gab es in der Vergangenheit auch Nachdrucke von Artikeln aus dem jeweils anderem Magazin. Damit der <i>Rabe<\/i> weiterfliegen kann, ist er nun auf 600 neue Abos bis Jahresende angewiesen. Weiterhin w\u00e4re auch das Schalten bezahlter Werbung eine hilfreiche Unterst\u00fctzung des Projektes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Website: <a href=\"https:\/\/www.grueneliga-berlin.de\/publikationen\/der-rabe-ralf\/\">https:\/\/www.grueneliga-berlin.de\/publikationen\/der-rabe-ralf\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn das Geld nicht f\u00fcr ein eigenes Abo reicht, w\u00e4re es dennoch ein solidarischer Akt, als Kollektiv eine (oder mehrere der Publikationen) zu abonnieren bzw. bei Stadtteill\u00e4den, Caf\u00e9s oder Szenekneipen nachzufragen, ob dort nicht ein Abo bestellt werden k\u00f6nnte. Es geht ja nicht nur um die Publikationen als physische Objekte oder nur die \u2013 meist schlecht bezahlten \u2013 Stellen der verbliebenen Redakteur_innen sondern um die darin vertretenen Inhalte und Informationen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Medienmarkt wandelt sich generell seit Jahren extrem. Immer mehr Printprodukte werden eingestellt, weil sie f\u00fcr die Mutterkonzerne nicht gen\u00fcgend Profit abwerfen, oder gehen aus mangelnder Finanzierung durch Einnahmen aus Abos, Verkauf und Spenden ein. Gerade im linken Bereich haben wir seit Jahren ein Sterben von Publikationen bzw. eine Umstellung auf reine Onlineprojekte zu verzeichnen. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/04\/linke-medien-in-deutschland-retten\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":31166,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Linke Medien in Deutschland retten - graswurzelrevolution","description":"Der Medienmarkt wandelt sich generell seit Jahren extrem. 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