{"id":31280,"date":"2024-04-30T10:29:16","date_gmt":"2024-04-30T08:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/04\/the-zine-is-not-dead-but-it-is-archived\/"},"modified":"2024-06-22T14:23:24","modified_gmt":"2024-06-22T12:23:24","slug":"the-zine-is-not-dead-but-it-is-archived","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/04\/the-zine-is-not-dead-but-it-is-archived\/","title":{"rendered":"The Zine is not dead \u2013 but it is archived!"},"content":{"rendered":"<p>\u201eVideo killed the radio star\u201c, sangen einst The Buggels. In Anlehnung an das 30 Jahre sp\u00e4ter erschienene \u201eInternet killed the video star\u201c von The Limousines kann man heute sagen, dass das Aufkommen des Internets und die damit verbundenen M\u00f6glichkeiten wie Blogs auch das klassische Fanzine gekillt haben. Selbst gr\u00f6\u00dfere Fanzines wie das mittlerweile feministisch-orientierte Zine Plastic Bomb k\u00e4mpfen derzeit ums \u00dcberleben. Neue Zines entstehen nur sehr vereinzelt \u2013 und Festivals wie das queerfeministische Cakezinefestival in Berlin stehen auf weiter Strecke alleine da. Fr\u00fcher geh\u00f6rte das Produzieren von Fanzines in vielen Subkulturen zur klassischen Sozialisation und stellte eine wichtige Kommunikationsplattform f\u00fcr die jeweilige Subkultur dar. Die Fanzinekultur verband so unterschiedliche Gruppen wie Ultras, Punks, Anarchist_innen, Riotgrrrls und LGBTIQ+-Aktivist_innen miteinander und ist mittlerweile in kaum einer Subkultur noch wirklich pr\u00e4sent. In den Fanzines wurde subjektiv berichtet, sich kreativ ausgelebt, Diversit\u00e4t gefeiert oder einfach nur \u00fcber die gesellschaftlichen Zust\u00e4nde abgekotzt.<\/p>\n<p>In Frankreich versuchen immer noch ein paar Aktive in unterschiedlichen St\u00e4dten, das Genre des Zines zu erhalten und die Kultur des do-it-yourself-produzierten Heftes in Zeiten von Social Media sowie steigenden Druck- und Papierkosten am Leben zu halten. In mehreren St\u00e4dten gibt es hier \u2013 nat\u00fcrlich selbst-\u2028organisiert \u2013 Fanzinotheken, d.\u2009h. Bibliotheken f\u00fcr Fanzines. Eine dieser Fanzinotheken ist das L\u2018Uzine in der Hafenstadt Le Havre \u2013 die neben dem in Paris ans\u00e4ssigen Fanzinarium (unweit des dortigen CNT-B\u00fcros) die gr\u00f6\u00dfte ihrer Art in unserem Nachbarland sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Unweit des Bahnhofs der kleinen normannischen Hafenstadt, im ersten Stock eines Hauses mit Projekten wie einem Tattoo-Studio, Galerien und einem Yoga-Studio, der \u201eL\u2018Etage\u201c, residiert die kollektive Fanzinothek. Zuvor hatte man in einer Rockkneipe in der Innenstadt, dem \u201eLes Zazous\u201c, die W\u00e4nde als Pr\u00e4sentationsfl\u00e4che genutzt. Als Grundstock der Fanzinothek dienten die Privatsammlungen der beiden Gr\u00fcnder_innen Isabelle Bianchini und Olivier Aventin. In der Zwischenzeit ist einiges an Material hinzugekommen. Auf ca. 20m\u00b2 stehen alphabetisch sortierte 2.500 bis 3.000 Fanzines parat, die vor Ort eingesehen oder nach Hause ausgeliehen werden k\u00f6nnen. Es sind Fanzines eines \u00f6rtlichen Fu\u00dfballclubs, anarchistische Zines, Streetartpublikationen, Literaturzines \u2013 und nat\u00fcrlich viel Zeug aus der Punkszene. Neben franz\u00f6sischsprachigen Publikationen, die ungef\u00e4hr 90\u00a0% des Bestandes ausmachen, haben sich auch englisch-, spanisch-, deutsch-, italienisch- und polnischsprachige Publikationen hierher verirrt. Und auch diese nicht-franz\u00f6sischsprachigen Publikationen werden gerne entliehen, wie Olivier auf Nachfrage erkl\u00e4rt. Ein paar Expats kommen regelm\u00e4\u00dfig hierher, um Zines zu entleihen.<br \/>\nEin St\u00fcck weit kontr\u00e4r zur als chaotisch geltenden Kultur der Zines ist die Ordnung und die Professionalit\u00e4t des Uzines. Ein fettes Macbook steht auf dem Tisch und erm\u00f6glicht es den Nutzer_innen, w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten im Katalog nach gew\u00fcnschten Zines zu suchen. Allerdings wird das Angebot, hier auch bei dem einen oder anderen Bierchen auf dem Sessel sitzend ein Zine zu lesen, wahrscheinlich eher von dem hier regelm\u00e4\u00dfig verkehrenden Publikum genutzt. Das Publikum, was hier vorbeikommt, ist durchmischt \u2013 sowohl im Alter wie auch im Gender. Die Generation 40+, d.\u2009h. Leute, die mit Fanzines sozialisiert wurden ist allerdings etwas \u00fcberpr\u00e4sentiert, w\u00e4hrend Menschen in den 20er Jahren, vorrangig Kunststudierende, erst an zweiter Stelle kommen. Derzeit gibt es ca. 65 regelm\u00e4\u00dfige Nutzer_innen.<\/p>\n<blockquote><p><em><strong>In den Fanzines wurde subjektiv berichtet, sich kreativ ausgelebt, Diversit\u00e4t gefeiert oder einfach nur \u00fcber die gesellschaftlichen Zust\u00e4nde abgekotzt.<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Alleine von den Beitr\u00e4gen k\u00f6nnen die anfallenden Kosten noch nicht abgedeckt werden. Aus diesem Grund gab es in letzter Zeit u.a. ein Solikonzert im legend\u00e4ren CICP in Paris, einem bekannten Alternativprojekt.<\/p>\n<p>Neben den regelm\u00e4\u00dfigen \u00d6ffnungszeiten der Fanzinothek, bei denen die Best\u00e4nde frequentiert werden k\u00f6nnen, gibt es auch immer wieder Veranstaltungen \u2013 z.\u2009B. Fanzine-Release-Events wie z.\u2009B. vom legend\u00e4ren \u201eOn a faim\u201c, dem die wohl bekannteste franz\u00f6sische Punkband B\u00e9ruier Noir einst einen Song widmeten, bis hin zu Workshops in Kooperation mit der hiesigen Kunstschule. Es geht darum, dass nicht nur die reichhaltige Kultur des Genres \u201eFanzine\u201c zu dokumentieren und zu archivieren, sondern jene Form bzw. (Sub-)Kulturtechnik am Leben zu halten und zu propagieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVideo killed the radio star\u201c, sangen einst The Buggels. 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