{"id":3167,"date":"2000-02-01T00:00:51","date_gmt":"2000-01-31T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3167"},"modified":"2022-07-26T14:26:25","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:25","slug":"move-far-out","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/02\/move-far-out\/","title":{"rendered":"MOVE far out?"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend vielerorts den Worten Ramona Africas, der einzigen erwachsenen \u00fcberlebenden der Bombadierung des MOVE- Hauses in Cobbs Creek, Philadelphia, am 14. Mai 1985 durch die Polizei, and\u00e4chtig gelauscht wurde, kam es in Heidelberg zu einem Eklat.<\/p>\n<h3>Homophobie-Vorw\u00fcrfe<\/h3>\n<p>MOVE wurde massiv mit Homophobie-Vorw\u00fcrfen konfrontiert, am Ende mu\u00dfte die Veranstaltung abgebrochen werden. Die OrganisatorInnen distanzierten sich von ihrer eigenen Veranstaltung. Ziel dieses Artikels ist keinesfalls, eine Entsolidarisierungskampagne gegen MOVE ins Rollen zu bringen.<\/p>\n<p>An der menschlichen Integrit\u00e4t Ramona Africas besteht nicht der geringste Zweifel, ihre Haltung und Festigkeit trotz grauenhafter Erlebnisse und permanenten Drucks der Staatsorgane ist bewundernswert &#8211; das allein sollte gen\u00fcgen, auch mit berechtigter und scharfer Kritik an MOVE die Grenzen der H\u00f6flichkeit und des Respekts einem weitgereisten Gast gegen\u00fcber nicht leichtfertig zu verletzen. Auf der anderen Seite wird europ\u00e4ischen Linken sehr gerne jedes Recht abgesprochen, sich \u00fcberhaupt zu Fragen des afroamerikanischen Widerstandes zu \u00e4u\u00dfern &#8211; ob nun kritisch oder nicht.<\/p>\n<h3>Keule des &#8222;Eurozentrismus&#8220;<\/h3>\n<p>Mit der Keule des &#8222;Eurozentrismus&#8220; wird jeder warnende Einwand, jede zweifelnde Frage fortgepr\u00fcgelt. Es ist aber schlichtweg unverzichtbar, sich genau und gegebenenfalls auch skeptisch mit Gruppen und Organisationen auseinanderzusetzen, die um Solidarit\u00e4t werben oder bereits eine lange Geschichte internationaler Unterst\u00fctzung haben. Unkritische Solidarit\u00e4t, &#8222;Heldenverehrung&#8220;, l\u00e4uft immer Gefahr, in ihr Gegenteil umzuschlagen &#8211; dann n\u00e4mlich, wenn mit einem Male h\u00e4ssliche Flecken auf der Weste der PKK, der ETA oder der Zapatistas sichtbar werden und sich ein weiteres Mal erweist, da\u00df es leider keine politische Organisation gibt, die stellvertretend die Tr\u00e4ume einer jeden wohlmeinenden Unterst\u00fctzerIn realisiert &#8211; schon gar nicht tausende von Kilometern entfernt. Dieser Artikel soll ein Akt der kritischen Solidarit\u00e4t MOVE gegen\u00fcber sein.<\/p>\n<p>Er bezieht sich, soweit dies m\u00f6glich war, auf Zeugnisse und Texte der MOVE-Organisation selber, die alle in gedruckter Form vorliegen und somit nachpr\u00fcfbar sein sollten. Die &#8222;Zugeh\u00f6rigkeit&#8220; meiner selbst zur m\u00e4nnlichen, wei\u00dfen, westeurop\u00e4ischen Mittelschicht sei sogleich freim\u00fctig eingestanden, um keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen zu lassen und (sicherlich anstehende) Kritik auf ein sachliches Gleis zu lenken. F\u00fcr etwaige Unbeholfenheiten bei der \u00dcbersetzung der englischen Zitate bitte ich um Nachsicht. Verf\u00e4lschungen sind mir, so hoffe ich, nicht unterlaufen.<\/p>\n<h3>MOVEs politische Bedeutung<\/h3>\n<p>&#8222;Wir arbeiten mit jeder Organisation zusammen, die das will. Aber wir werden nicht zulassen, da\u00df sie unsere Arbeit dominieren. Sie m\u00fcssen mit uns zusammenarbeiten&#8220; (Ramona Africa in Black Power S.136).<\/p>\n<p>Mumia Abu-Jamal geh\u00f6rt zu MOVE. Auf eine diesbez\u00fcgliche Frage antwortete er Ende 1989 im Todestrakt von Huntington: &#8222;Ich bin Mitglied und langj\u00e4hriger Unterst\u00fctzer der Organisation MOVE&#8220; (Still black-still strong S.104), und schon w\u00e4hrend seiner Arbeit als Radiojournalist f\u00fcr verschiedene Community Stations in Philadelphia nannten ihn seine KollegInnen sp\u00f6ttisch &#8222;Mumia Africa&#8220;. Die MOVE-Organisation ist in Europa vor allem durch Jamal bekannt geworden &#8211; zun\u00e4chst durch seine journalistischen Arbeiten \u00fcber blutige Repression gegen MOVE, danach durch seine Verurteilung zum Tode.<\/p>\n<p>\u00dcber MOVEs politische Relevanz innerhalb des afroamerikanischen Widerstands ist damit freilich wenig gesagt&#8230;<\/p>\n<p>Aber selbst was die Unterst\u00fctzung Jamals angeht, lud Ramona Africas Vortrag zu Missverst\u00e4ndnissen ein. Denn MOVE ist keineswegs die einzige Organisation, die sich aktiv f\u00fcr das Leben Mumia Abu-Jamals starkmacht, wenn sie auch f\u00fcr ihn pers\u00f6nlich die wichtigste sein mag. Sie war auch nicht die erste (was man MOVE allerdings kaum ver\u00fcbeln kann, sa\u00dfen doch zur Zeit von Jamals Verhaftung immer noch eine gro\u00dfe Anzahl ihrer Mitglieder in diversen Gef\u00e4ngnissen). Heute ist Pam Africa Vorsitzende der Concerned Family and Friends of Mumia Abu-Jamal. Diese Organisation war es, die den bekannten Strafverteidiger Leonard Weinglass engagierte und bis heute daf\u00fcr sorgt, da\u00df der &#8222;Fall Jamal&#8220; nicht aus der \u00f6ffentlichen Debatte verschwindet.<\/p>\n<p>Daneben aber gab und gibt es eine F\u00e4lle anderer Organisationen: die African Revolutionary People&#8217;s Unity Movement (ARPUM) etwa besch\u00e4ftigte sich schon vor Jamals Verhaftung mit ausufernder Polizeibrutalit\u00e4t in den schwarzen Wohnbezirken von Philadelphia und fungierte als \u00fcbergreifendes Forum. Sofort nach Jamals Verhaftung iniziierte sie ein &#8222;Comitee to Defend Jamal&#8220;. Die Vereinigung schwarzer Journalisten, deren Pr\u00e4sident Jamal gewesen war, richtete sofort einen Solidarit\u00e4tsfond ein. Und das Partisan Defense Committee, eine &#8222;klassenk\u00e4mpferische, nichtsektiererische Organisation zur juristischen Verteidigung&#8220;(Weinglass S.300) sorgte ma\u00dfgeblich durch eine franz\u00f6sische Schwesterorganisationen daf\u00fcr, den &#8222;Fall Jamal&#8220; in Europa in die Diskussion zu bringen (Juli 1989, CDS Frankreich macht Jamals Fall erstmals in Europa bekannt, gemeinsam mit der Reggaegruppe Rising Souls). Die M\u00f6glichkeiten dieser Organisationen, auch international t\u00e4tig zu werden, \u00fcberstiegen die der MOVE-Gruppe.<\/p>\n<h3>Viele Parteien, Gruppierungen und Organisationen f\u00fcr Jamal<\/h3>\n<p>Gegenw\u00e4rtig sind die Parteien, Gruppierungen und Organisationen, die sich mit Jamal solidarisieren, kaum mehr zu z\u00e4hlen. Nichts desto trotz gef\u00e4llt sich MOVE darin, sich als Nucleus und Speerspitze im Kampf um Jamals Leben darzustellen. Eine Haltung, die zumindest nicht vollkommen richtig ist.<\/p>\n<p>Die Frage nach MOVEs politischer Bedeutsamkeit \u00fcber den &#8222;Fall Jamal&#8220; und die Verteidigung ihrer eigenen Mitglieder und Strukturen hinaus ist schwer zu beantworten. Von \u00fcbergro\u00dfer Bescheidenheit zeugen MOVEs Verlautbarungen in dieser Hinsicht nicht: &#8222;Wir sind die Speerspitze der Revolution, die Avantgarde&#8220; (Ramona Africa in Black Power S.139) MOVE versteht sich als eine &#8222;revolution\u00e4re Organisation&#8220;, die allerdings nicht auf Massenmobilisierung setzt sondern als eine Art &#8222;Beispiel&#8220; fungieren m\u00f6chte &#8211; durch besondere Radikalit\u00e4t und Unbeugsamkeit ihrer Mitglieder. &#8222;Wir sind eine zutiefst religi\u00f6se Organisation. Wir wissen, da\u00df das gegenw\u00e4rtige politische System unser sauberes, aufrechtes Beispiel verabscheut und uns daran hindern will, weiter seine Korruptheit aufzuzeigen, selbst wenn sie uns daf\u00fcr t\u00f6ten m\u00fcssen&#8220; (MOVE: Belief &amp; Practice S.70). Ob MOVE aber tats\u00e4chlich die L\u00fccke schlie\u00dfen kann, die in den politischen Strukturen des afroamerikanischen Widerstandes klafft, bleibt fragw\u00fcrdig:<\/p>\n<p>&#8222;Seit der Zerschlagung der Black Panthers, wie \u00fcberhaupt aller wirksamen Organisationen der schwarzen Community, gab es keine Strukturen, die in der Lage gewesen w\u00e4ren, dem Aufflackern militanter Wut eine Richtung und einen langen Atem zu geben.(&#8230;) Und zu wenige k\u00fcmmerten sich wirklich, zu sehr hatten (&#8230;) schon Lethargie, Drogen, Verbrechen gegen die eigenen Leute und Perspektivlosigkeit die Community ergriffen. Und auf der anderen Seite der Kampf um den Erhalt des Erreichten in den &#8222;besseren&#8220; Gegenden der Community, wo man sich die Hoffnung auf ein besseres Leben als anerkannte amerikanische B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger noch nicht hatte nehmen lassen wollen&#8220; (J\u00fcrgen Heiser nach Weinglass, S.297\/ 300). An MOVEs radikaler &#8211; und zu Zeiten selbst f\u00fcr den (Noch) Sympathisanten Jamal &#8222;entnervender&#8220;- Ablehnung des &#8222;Systems&#8220; besteht kein Zweifel. Der schwarze B\u00fcrgerrechtler Jesse Jackson etwa mu\u00dfte sich bei seinem Besuch in Philadelphia einiges anh\u00f6ren: &#8222;Dieser d\u00e4mliche Nigger-Arsch kriecht vor demselben System auf Knien, das ihn unterdr\u00fcckt!&#8220; Jackson quittierte: &#8222;Wer schert sich schon um eine handvoll dreckiger, ungewaschener Nigger, die sich die Haare nicht k\u00e4mmen&#8220; (Jamal 1995, 230) Au\u00dferdem \u00e4hnelt vieles, was MOVE in der Community auf die Beine stellte, den Bem\u00fchungen der Black Panther Party. So war 1992 etwa das neue MOVE-Haus in Cobbs Creek der einzige Ort, an dem schwarze Kinder jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen konnten. Mitglieder von MOVE verkaufen &#8222;pure&#8220; Nahrungsmittel mit Handkarren auf M\u00e4rkten und in der Nachbarschaft. Selbst zu solch kleinen Handreichungen wie der Versorgung von Haustieren sind MOVE-Leute gern bereit &#8211; aus Prinzip. Trotzdem:<\/p>\n<h3>&#8222;Numbers are numbers, and power is power!&#8220;<\/h3>\n<p>die MOVE-Leute bleiben unter sich! Kaum mehr als 30 hat es je in den USA gegeben, und die meisten bewohnten verschiedene, kommunengleiche H\u00e4user in und um Philadelphia. Dar\u00fcber hinaus ist die MOVE-Organisation allem Anschein nach gespalten. Darauf angesprochen, reagierte Ramona Africa 1992 bemerkenswert unwirsch: &#8222;Wir wissen nicht viel \u00fcber den anderen Teil der MOVE-Organisation, weil das zu unserem eigenen Schutz und unserer Sicherheit nicht notwendig ist. Wir sind die legale Gruppe.(&#8230;) Andere MOVE-Leute haben ihre Aktivit\u00e4ten und wir haben unsere, und gemeinsam arbeiten wir als ganzes zusammen&#8220; (Black Power S.139).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des M\u00fcnsteraner Vortrages im Dezember 1999 war von solchen &#8222;Br\u00fcchen&#8220; nichts zu vernehmen. Und auf die doch recht bescheidene Gr\u00f6\u00dfe ihrer Organisation angesprochen antwortete Ramona Africa mit einem Zitat John Africas: &#8222;Numbers are numbers, and power is power!&#8220;. Ja, gewiss, nur&#8230;<\/p>\n<h3>John Africa<\/h3>\n<p>MOVE wurde 1972 von John Africa gegr\u00fcndet, und auf seine Lehren berufen sich s\u00e4mtliche Mitglieder der Organisation unver\u00e4ndert bis heute. Sie sind die eigentliche Glaubensbasis von MOVE. John Africa lebte als Vincent Africa bis 1985 in verschiedenen MOVE-H\u00e4usern von Philadelphia und New York. Den Polizeiakten zufolge kam er mit den \u00fcbrigen AktivistInnen (F\u00fcnf Kinder und sechs Erwachsene mit Ausnahme von Ramona und Birdy Africa) 1985 bei der Bombadierung des MOVE-Hauses ums Leben. Wer Texte von MOVE liest, wird der ewigen, ehrerbietigen Nennung seines Namens rasch m\u00fcde: &#8222;ein weiser, strategisch denkender Schwarzer namens John Africa (&#8230;). Um unseren geliebten Gr\u00fcnder zu ehren und die Weisheit und St\u00e4rke anzuerkennen, die er uns gegeben hat, sagen wir &#8222;Lang lebe John Africa&#8216; (MOVE: Belief &amp; Practice S.68). Die Tatsache, da\u00df alle Mitglieder von MOVE zu Ehren ihres &#8222;Gr\u00fcnders&#8220; den Nachnahmen Africa annehmen, hat zu Verwirrungen gef\u00fchrt und MOVE in die N\u00e4he der einflu\u00dfreichen &#8222;Back-to-africa&#8220;- Bewegung ger\u00fcckt. Tats\u00e4chlich hat MOVE mit &#8222;Back-to-africa&#8220; nur Oberfl\u00e4chliches gemein: &#8222;Die Mitglieder von MOVE \u00fcbernehmen den Namen Africa als eine Form des Respekts gegen\u00fcber dem Gr\u00fcnder der MOVE-Organisation(&#8230;). Wir anerkennen, da\u00df alles menschliche Leben in Africa seinen Anfang nahm. Der erste Mann, das erste Kind, die erste Frau, die auf der Erde umher ging, sie betraten, auf ihr spielten, lebten in Africa&#8220; (Jamal in Still black &#8211; still strong S.107). In Sprache und Darstellung von MOVE entsteht leicht der Eindruck, als sei John Africa mehr (und mehr gewesen), als ein talentierter Normalsterblicher. Am 13. Mai 1981 z.B. wurden in Rochester, New York, 9 MOVE-Mitglieder verhaftet. Alfonso und Vincent (John) Africa wurden nach Philadelphia ausgeliefert und wegen Bombenherstellung und Waffendelikten angeklagt (Juli 1981). Das Verfahren erhielt rasch den Namen &#8222;John Africa vs. The System&#8220;. Vincent Africa verschlief provozierend einen Gutteil seiner eigenen Verhandlung. &#8222;In einem leidenschaftlichen Schlu\u00dfwort, seinem einzigen formalen Beitrag zum Verfahren, ging Vincent keineswegs unmittelbar auf die von der Regierung vorgelegten Beweise und Zeugenaussagen ein. Statt dessen verdammte er das System der &#8222;zivilisierten&#8220; Welt als ganzes und stellte die Gerichte als blo\u00dfe Spielzeuge der Industrie dar, die davon profitiere, die Luft zu vergiften, das Wasser und die Nahrung &#8211; alle unverzichtbar f\u00fcr jedes Leben. Die Regierung war v\u00f6llig verbl\u00fcfft, als die Jury Vincent und Alfonso im Sinne s\u00e4mtlicher Anklagepunkte f\u00fcr nicht schuldig erkl\u00e4rte&#8220; (MOVE Belief &amp; Practice S.39). Suggeriert wird, John Africas Weisheit und Wahrheit sei so zwingend, da\u00df selbst die Schergen des &#8222;Systems&#8220; sie anerkennen m\u00fc\u00dften. Ramona Africa macht dies mit aller w\u00fcnschenswerten Deutlichkeit klar: &#8222;Die Leute fragen oft, woher John Africa seine Weisheit hatte. Das kann ich nicht beantworten. Ich stelle die Weisheit nicht in Frage. Die Weisheit, die John Africa hat, ist die Weisheit Gottes. Sie kann nicht widerlegt werden, weil sie die Wahrheit ist&#8220; (Black Power S.139) Auch Vorhersagen der Zukunft bereiten John Africa scheint&#8217;s wenig Probleme: &#8222;Ramona Africa wurde eingeladen, in so anerkannten Einrichtungen wie der Harvard Universit\u00e4t zu sprechen und erf\u00fcllt so eine jahrzehntealte Prophezeiung John Africas&#8220; (MOVE: Belief &amp; Practice S.65), hei\u00dft es etwa \u00fcber Ramona Africas rege Vortragsaktivit\u00e4ten nach ihrer siebenj\u00e4hrigen Haftstrafe. Es geht mir nicht darum, den Glauben anderer Menschen ins L\u00e4cherliche zu ziehen, noch weniger, die Person John Africas &#8211; der ein sehr beeindruckender Mensch gewesen sein mag &#8211; zu verunglimpfen. Mumia Abu-Jamal hatte in seinem Verfahren verlangt, von John Africa verteidigt zu werden &#8211; es wurde ihm verweigert. Mag aber auch die Festigkeit im Glauben das eigentliche &#8222;Erfolgsgeheimnis&#8220; von MOVE sein, so offenbart sich doch bereits die relative Enge ihres Weltbildes &#8211; trotz aller progressiven und emanzipatorischen Tendenzen.<\/p>\n<p>Ein weites, enges Dogma, das Grunddogma der Lehren John Africas, ist &#8211; auf den ersten Blick &#8211; einfach und umfassend. Es hei\u00dft, schlicht und ergreifend, Life. Leben freilich, das mit esoterischer Mystik geradezu aufgetankt ist: &#8222;Nichts ist wichtiger oder so wichtig wie das Leben, die Kraft, die uns am Leben h\u00e4lt. Alles Leben kommt aus einer Quelle, von Gott, Mutter Natur, Mama. Jedes einzelne Leben h\u00e4ngt von allen anderen Leben ab, und alles Leben hat ein Ziel. Somit sind alle Lebewesen, Dinge die sich bewegen, gleich wichtig, seien sie menschliche Wesen, Hunde, V\u00f6gel, Fische, B\u00e4ume, Ameisen, (&#8230;) Fl\u00fcsse, Wind oder Regen.<\/p>\n<h3>Instinktives Verhalten und Naturgesetz<\/h3>\n<p>Um gesund und stark zu bleiben, braucht Leben saubere Luft, sauberes Wasser und unverseuchte Nahrung. Werden ihm diese Dinge genommen, bewegt Leben sich zyklisch auf die n\u00e4chste Ebene, oder, wie das System sagt, es &#8222;stirbt&#8220;. (MOVE: Belief &amp; Practice S.68) Teleologie, &#8222;Urmutter&#8220; und Vorstellungen von Tod und Wiedergeburt sind hier auf befremdliche Weise miteinander verschr\u00e4nkt, ganz abgesehen von der Frage, ob man &#8211; bei aller Sch\u00f6nheit! &#8211; Wind und Regen den Lebewesen zuordnen sollte. Das Weltbild MOVEs ist streng zweiteilig. Es gibt auf der einen Seite das &#8222;System&#8220;, das alles beinhaltet, was lebenszerst\u00f6rend, entfremdend, schlicht &#8222;unnat\u00fcrlich&#8220; ist, und auf der anderen Seite das wirkliche, &#8222;nat\u00fcrliche&#8220; Leben, das die Mitglieder von MOVE beispielhaft praktizieren, bis sie sich &#8222;zyklisch auf die n\u00e4chste Ebene&#8220; begeben. MOVEs revolution\u00e4rer Impuls geht dahin, das &#8222;System&#8220; als ganzes zu beseitigen, da es ein &#8222;nat\u00fcrliches&#8220; Leben verunm\u00f6glicht und gef\u00e4hrdet. &#8222;Es gab viele Leute, die gesagt haben, da\u00df dieses System weg mu\u00df, aber sie meinten nicht das gesamte System. Sie wollten ein System ausradieren und daf\u00fcr ein anderes schaffen. John Africa sagt: Gar kein System!&#8220; (Theresa Africa in Black Power S.137) Man soll sich h\u00fcten, hier allzu rasch \u00fcber origin\u00e4ren Anarchismus zu jubeln! Denn eine nachrevolution\u00e4re Utopie ist in MOVEs Texten nicht zu finden. Wozu auch, sie ist schlicht \u00fcberfl\u00fcssig. Die beiden Regularien des Lebens hei\u00dfen instinktives Verhalten und Naturgesetz. Die Beschreibung und Herleitung der Naturgesetze entbehrt nicht einer gewissen Komik: &#8222;Wir glauben an Naturgesetze, an Herrschaft, die sich selber reguliert (&#8230;) In den ungest\u00f6rten Dschungeln, Ozeanen und W\u00fcsten der Welt gibt es keine Gerichtss\u00e4le oder Gef\u00e4ngnisse. Die Tiere und Pflanzen brauchen sie nicht. Kein Lebewesen braucht ein Gesetzbuch zu konsultieren, um zu wissen, ob es husten, schniefen oder urinieren mu\u00df. Wenn etwas zu nahe an dein Auge herankommt, wirst Du zwinkern, ganz gleich, ob Du deutscher Sch\u00e4fer oder Richter am Obersten Gerichtshof bist &#8211; es ist ein Naturgesetz&#8220; (MOVE: Belief &amp; Practice S.68). Da sich im &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Leben quasi alles von selbst reguliert, ist auch Fatalismus den MOVE-Mitglieder keineswegs fremd: &#8222;Wenden wir die Strategie von John Africa an, so wissen wir, da\u00df wir nicht scheitern k\u00f6nnen. Alles, was uns geschieht, geschieht auf ganz bestimmte Weise, weil es so geschehen mu\u00df&#8220; (ebenda S.70). Nun haben einfache und unmittelbare Erkl\u00e4rungen hochkomplexer Zusammenh\u00e4nge durchaus ihren Reiz, und der zeitweise fast poetische, freundliche Sprachduktus der MOVE-Texte setzt sich vom Jargon trockener Gesellschaftsanalysen wohltuend ab. Ramona Africa wird recht haben, wenn sie sagt: &#8222;Die Sache ist die: Alle waren auf der Suche nach L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Probleme, als sie zu MOVE kamen. Und sie sahen in MOVE die Antwort auf ihre Probleme. Sie sahen, da\u00df MOVE stark und verbindlich ist. Je h\u00e4ufiger die Leute bei MOVE vorbeikamen, desto mehr merkten sie, da\u00df dies die L\u00f6sung ihrer Probleme ist&#8220; (Black Power S.138). MOVE wird sich unter diesen Umst\u00e4nden freilich schwer tun, der Stigmatisierung als &#8222;Sekte&#8220; glaubw\u00fcrdig widersprechen zu sollen. MOVEs Naturgesetze sind rigide, relativ willk\u00fcrliche Setzungen. Wer ihnen nicht entspricht, hat &#8211; um es \u00fcberspitzt zu formulieren &#8211; den Pfad der Tugend verlassen und droht \u00fcberzuwechseln auf die Seite des Systems: do not discuss with mother nature! MOVEs Naturgesetze beinhalten eine Reihe ganz konkreter Verhaltensvorschriften, die politisch mehr als nur bedenklich sind. Der scheinbaren Weite ihres Dogmas entspricht die ganz bewu\u00dfte, keineswegs sch\u00e4dliche oder schw\u00e4chende, aber nicht zu leugnende Enge der MOVE-Organisation selbst. Das, was viele Menschen dazu veranla\u00dfte und veranla\u00dft, sich von MOVE (als Unterst\u00fctzerInnen) abzuwenden, folgt mit erstaunlicher Konsequenz aus diesem &#8222;Grunddilemma&#8220;.<\/p>\n<h3>Gegen Abtreibung und Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung<\/h3>\n<p>In Oliver Demnys ausgezeichnetem Buch &#8222;Die Wut den Panthers&#8220; finden sich drei trockene S\u00e4tze, die knapp und nonchalant zusammenfassen, was immer wieder zu scharfen Anw\u00fcrfen gegen MOVE gef\u00fchrt hat: &#8222;In ihrer Ideologie orientiert sie (Die MOVE-Organisation Anm.MB) das gew\u00fcnschte Gesellschaftssystem an dem von Tieren. So tritt sie gegen Abtreibung und Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung auf. Genauso ist Homosexualit\u00e4t f\u00fcr sie unnat\u00fcrlich&#8220; (Demny S.134). MOVE beschr\u00e4nkt diese Ablehnung keineswegs nur auf die Kriterien einer m\u00f6glichen Mitgliedschaft in ihrer Organisation, sondern tritt auch \u00f6ffentlich gegen Abtreibung auf. Die kompromi\u00dflose Ablehnung selbstbestimmter Geburtenkontrolle leitet sich konsequent von MOVEs Grunddogma her, das sich nicht nur auf den Schutz allen Lebens bezieht, sondern genauso auf dessen Reproduktion &#8211; wiederum als ein naturgegebenes Gesetz. &#8222;John Africa hat uns gelehrt, da\u00df Kindergeb\u00e4ren eine nat\u00fcrliche, instinktive Funktion einer Mutter ist (&#8230;)&#8220; (MOVE: Belief &amp; Practice S.70). Dementsprechend stimmt MOVE allenthalben das hohe Lied der M\u00fctterlichkeit an. In ihrer Zeitung First Day, 1980 gegr\u00fcndet, um die steten Verleumdungen von MOVE in der \u00d6ffentlichkeit richtig zu stellen, findet sich ein Artikel von Janet Africa: &#8222;In touch with motherhood &#8211; thanks to John Africa&#8220; . Darin hei\u00dft es: &#8222;Ich hatte alle Hoffnung aufgegeben (eine gute Mutter sein zu k\u00f6nnen Anm. MB), aber John Africa lie\u00df mich die Mutterschaft begreifen, gab mir Bewu\u00dftsein und Empfindung f\u00fcr das Leben und schenkte mir Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Arbeit und Hingabe, die es braucht, um eine gute Mutter zu sein. John Africa wischte all meine Verwirrung fort und erkl\u00e4rte mir, da\u00df der Grund, warum ich mich so hoffnungslos f\u00fchlte, der sei, da\u00df ich meine Verbindung zur Mutterschaft verloren habe. Die Natur in mir, mein nat\u00fcrlicher Instinkt, eine Mutter zu sein, war ersetzt worden, \u00fcberdeckt, vernichtet durch dieses systematische Training derer, die einem beibringen wollen, was eine Mutter zu sein habe&#8220; (First Day S.5). Auch die sogenannte sanfte Hausgeburt ist bei MOVE teil des revolution\u00e4ren Prozesses, gemeinsam mit zwei, drei weiteren Zuschreibungen nat\u00fcrlicher Weiblichkeit, die einen wiederum schmunzeln lassen: &#8222;Die Revolution, f\u00fcr die MOVE k\u00e4mpft, findet auf jeder Ebene statt. Da\u00df die Frauen ihre Babys auf nat\u00fcrliche Weise zu Hause zur Welt bringen und sich daf\u00fcr nicht auf die Krankenh\u00e4user und die medizinische Technologie des Systems verlassen, das ist revolution\u00e4r. Wei\u00dft Du, wie sehr das den Gesundheitsapparat trifft? Wieviel Geld ihnen dadurch verloren geht? Oder: Wir k\u00e4mmen unsere Haare nicht, wir lassen sie wachsen. Wir tragen kein Make up, keine Kosmetik. Wei\u00dft Du, was das f\u00fcr die Kosmetikindustrie bedeutet?&#8220; (Black Power S.137). Tja: bei circa drei\u00dfig Mitgliedern von MOVE in den USA erscheint das tats\u00e4chlich als eine berechtigte Frage&#8230;<\/p>\n<p>&#8222;Numbers are numbers, and power is power&#8220;. Es darf allerdings nicht unerw\u00e4hnt bleiben, da\u00df es gerade die Kinder und schwangeren Frauen von MOVE waren, die viehischen Brutalit\u00e4ten seitens der Polizei ausgesetzt wurden. Wei\u00dfe Polizisten schlugen in Philadelphia mit Vorliebe auf hochschwangere MOVE-Mitglieder ein, so da\u00df sie Fr\u00fch- oder Fehlgeburten bekamen. Und Life Africa, dem, kaum ein paar Monate alt, 1977 ein Polizeibeamter den Sch\u00e4del auf dem Stra\u00dfenpflaster zertrat, war keineswegs das einzige minderj\u00e4hrige Opfer der Staatsgewalt. Trotzdem: MOVEs neukatholische Elegie auf schn\u00f6de Reproduktionsfunktionen einer Frau r\u00fccken sie in \u00fcble Nachbarschaft und sind keineswegs stillschweigend hinzunehmen.<\/p>\n<h3>Homophobie<\/h3>\n<p>Homosexuellenfeindlichkeit ist der heftigste Vorwurf, mit dem sich MOVE konfrontiert sieht. Fast alle Unterst\u00fctzerInnengruppe haben bereits versucht, Aufkl\u00e4rung von MOVE zu erhalten: &#8222;Wir haben (&#8230;) nach unserer R\u00fcckkehr in die BRD versucht, mit MOVE eine Diskussion unter anderem um Homophobie zu f\u00fchren, sind damit aber nicht sehr weit gekommen&#8220; (Redaktionskollektiv Right on in Black Power S.128). Die Rechtfertigungen MOVEs zum Thema Homophobie sind schwammig und unverbindlich. Die ganze Sache werde von den Feinden MOVEs in den USA aufgebauscht, meinte Ramona Africa im Dezember 1999 in M\u00fcnster. Und selbst Mumia Abu-Jamal \u00e4u\u00dferte sich in einem (unver\u00f6ffentlichten) Schreiben aus dem Todestrakt (obwohl er wahrhaftig andere Sorgen haben d\u00fcrfte). Auch seine \u00c4u\u00dferungen blieben freilich unbefriedigend &#8211; er k\u00f6nne zwar nicht nachvollziehen, warum es jemand &#8222;cool f\u00e4nde, schwul zu sein&#8220;, ihn pers\u00f6nlich jedoch st\u00f6re dies in keinster Weise&#8230; Es scheint mehr als unwahrscheinlich, da\u00df Homosexuelle Zugang zu MOVE finden k\u00f6nnen. Von \u00f6ffentlichen Auftritten der MOVE-Organisation gegen Homosexualit\u00e4t allerdings ist mir nichts bekannt &#8211; ein Hoffnungsschimmer, da\u00df es sie vielleicht nicht gibt! Trotzdem sprechen MOVEs grundlegende Texte eine klare Sprache: &#8222;Auch wenn wir die legale Institution Ehe des Systems nicht anerkennen, richten wir uns nach dem Naturgesetz, da\u00df es einen Mann und eine Frau braucht, um neues Leben produzieren und erhalten zu k\u00f6nnen&#8220; (MOVE: Belief &amp; Practice S.70). Das klingt zun\u00e4chst banal und f\u00fcr sich genommen v\u00f6llig richtig. Sieht man es aber im Zusammenhang der MOVE-Philosophie insgesamt, offenbart sich die Ungeheuerlichkeit dieser Aussage. Denn f\u00fcr MOVE ist es auch ein Naturgesetz, Leben zu reproduzieren (Siehe Abtreibung). Jede Liebesbeziehung, deren Ziel es nicht ist, Kinder in die Welt zusetzen, wird damit unnat\u00fcrlich. Und was unnat\u00fcrlich ist, geh\u00f6rt in MOVEs streng dichotomischem Weltbild auf die Seite des Systems, das als ganzes zu verschwinden habe. M\u00f6chte MOVE, da\u00df auch die unnat\u00fcrliche Homosexualit\u00e4t verschwinde? Das mag eine \u00dcberinterpretation sein. Wieder aber scheint MOVE keine Probleme damit zu haben, sich in Argumentation und Einstellung in nichts von den klassischen vorurteilsbeladenen Reden zu unterscheiden, mit denen Homosexuelle rund um den Globus bis heute konfrontiert werden.<\/p>\n<p>Der letzte Vorwurf (dieses Artikels) gegen MOVE ist der unzweifelhaft am d\u00fcrftigsten belegte &#8211; er bezieht sich lediglich auf eine einzige Aussage Ramona Africas, und diese war zu allem \u00fcbel auch noch m\u00fcndlich. Was nun folgt, mag also sehr wohl ein Irrweg sein: Ramona Africa verteidigte in M\u00fcnster das Recht auf Selbstverteidigung. Sie paraphrasierte dabei die Thesen Malcom X recht \u00fcberzeugend und schlo\u00df mit den Worten: &#8222;Wer sich nicht &#8211; auch mit Gewalt, wenn es sein mu\u00df &#8211; selbst verteidigt, der begeht Selbstmord. Und Selbstmord ist die h\u00f6chste Form der Gewalt!&#8220;. Selbstmord als h\u00f6chste Form der Gewalt? Dr\u00e4ngt sich da nicht der Eindruck auf, auch der Selbstmord k\u00f6nne in MOVEs Glauben nicht wohlgelitten sein? Wenn das Leben h\u00f6chstes und heiligstes Gut ist &#8211; kann es dann nur das System wagen, Hand an es zu legen? Man braucht nicht gleich Jean Amery, den &#8222;Apologeten des Freitodes&#8220;, zu zitieren, um einzusehen, da\u00df der Selbstmord &#8211; bei allem Grausigen, das ihm vorangehen mag! &#8211; gewisserma\u00dfen ein letztes und unver\u00e4u\u00dferliches Recht eines jeden Menschen ist, frei \u00fcber sein Leben zu entscheiden. Primo Levi nennt ihn sogar als Unterscheidungsmerkmal zwischen Mensch und Tier. Es stellt sich also, anstelle eines Fazits, die grunds\u00e4tzliche Frage an MOVE:<\/p>\n<h3>Who&#8217;s freedom do you mean?<\/h3>\n<p>&#8222;Die Revolution von MOVE (ist) gegen externe Herrschaft, gegen jede Gewalt gerichtet, die ihren Willen dem Willen der Menschen, frei zu sein, aufzwingt. Weil der Wille, frei zu sein, jedem mitgegeben ist. Er ist angeboren. Er ist in allem Menschsein, umfa\u00dft das ganze Leben. Das ist die Lehre von John Africa&#8220; (Jamal nach Still black &#8211; still strong S.106). Auch Ramona Africa wurde nicht m\u00fcde, immer und immer wieder einzufordern, die Menschen sollten &#8222;Freiheit ganz oben auf ihre Liste setzen&#8220; &#8211; welche Freiheit? Die Freiheit der MOVE-Organisation? Alles in allem erscheint diese Freiheit recht mager, eingeschr\u00e4nkt durch einen Katalog von Naturgesetzen und Instinkten, gegen die allem Anschein nach kein Widerspruch m\u00f6glich ist. Wie sehr diese Naturgesetze zuzeiten fragw\u00fcrdig sind und nach rechts abzurutschen drohen, ist hoffentlich deutlich geworden. Aber nat\u00fcrlich ist es unangemessen, MOVE und vor allem die Arbeit von MOVE in Bausch und Bogen zu verdammen. Es sollte auch in der kritischen Auseinandersetzung so etwas geben wie eine &#8222;Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Kritik&#8220;. MOVE ist gegen Abtreibung. Aber kein Mitglied ist deshalb in US-amerikanischen Abtreibungskliniken Amok gelaufen, wie einige katholische (wei\u00dfe) Fundamentalisten. MOVE ist, so scheint es, \u00fcbel homophob. Aber auch hier sollte die Frage gestellt werden, wie sich MOVEs Homophobie denn \u00e4u\u00dfere &#8211; mit Sch\u00fcssen und Bomben am Christopher-Street-Day bestimmt nicht. MOVE ist, trotz aller politischen Radikalit\u00e4t, eine esoterische Glaubensgemeinschaft, die unwillk\u00fcrlich an Gruppen wie die Zeugen Jehovas denken l\u00e4\u00dft (MOVE-Mitglieder weigern sich zum Beispiel wie diese, sich Blut abnehmen zu lassen etc.). Ramona Africa wurde in Deutschland allerdings nicht m\u00fcde zu betonen, es gehe ihr nicht darum, neue Mitglieder f\u00fcr MOVE zu werben. Und wenn man MOVEs eigentliches und prim\u00e4res Ziel so versteht, eine Welt zu schaffen, in der jeder und jede frei und ohne den anderen zu schaden sein Leben selbst gestalten k\u00f6nne, dann k\u00f6nnte man wohl auch in Deutschland eine radikale politische Flurbereinigung noch aufschieben. Es geht aber nat\u00fcrlich auch anders. Ein Freund meinte, von mir angesprochen, nur lapidar: &#8222;Was soll&#8217;s! Ich kann auch ohne MOVE leben&#8220;. Ich auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend vielerorts den Worten Ramona Africas, der einzigen erwachsenen \u00fcberlebenden der Bombadierung des MOVE- Hauses in Cobbs Creek, Philadelphia, am 14. Mai 1985 durch die Polizei, and\u00e4chtig gelauscht wurde, kam es in Heidelberg zu einem Eklat. Homophobie-Vorw\u00fcrfe MOVE wurde massiv mit Homophobie-Vorw\u00fcrfen konfrontiert, am Ende mu\u00dfte die Veranstaltung abgebrochen werden. 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