{"id":31724,"date":"2024-10-01T12:30:13","date_gmt":"2024-10-01T10:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/10\/anarchistische-zukuenfte\/"},"modified":"2024-10-01T12:30:13","modified_gmt":"2024-10-01T10:30:13","slug":"anarchistische-zukuenfte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/10\/anarchistische-zukuenfte\/","title":{"rendered":"Anarchistische Zuk\u00fcnfte"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im Jahr 1890 vermischte der libert\u00e4re Autor und Sozialist William Morris (1834\u20131896) in seinem Roman \u201eKunde vom Nirgendwo\u201c Elemente der klassischen Utopie und Science Fiction miteinander. Sein nicht n\u00e4her benannter Protagonist erwacht zu Beginn des Romans in einem zuk\u00fcnftigen London, wo das Geld und die klassische Schule abgeschafft ist und Gro\u00dfst\u00e4dte wie London in gro\u00dfz\u00fcgig angelegte Gartenst\u00e4dte verwandelt sind. Mit diesem Roman beginnt letztendlich das Genre der \u201eanarchistischen Science Fiction\u201c.<br \/>\nGenerell bietet sich das Genre Science Fiction an, um Theorien aufzustellen, Modelle f\u00fcr neue Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen durchzuspielen und m\u00f6gliche gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen bereits zu antizipieren. Seit 1945 sind daher auch eine Reihe von anarchistischen oder zumindest libert\u00e4ren Romanen und Erz\u00e4hlungen entstanden, die eine (erneute) Lekt\u00fcre lohnen. Von anarchistischer Seite sind diese h\u00e4ufig \u2013 bis auf ein paar Klassiker \u2013 weitestgehend ignoriert worden oder in Vergessenheit geraten. Nur vereinzelt gab es mal Beitr\u00e4ge zur \u201eanarchistischen Science Fiction-Literatur\u201c, wie in der britischen Zeitschrift \u201eAnarchy\u201c ((1)).<br \/>\nUm diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen, sollen hier schon mal ein paar mehr oder weniger bekannte Beispiele benannt werden.<br \/>\nEs lohnt sich, mit dem \u201ePlanet der Habenichtse\u201c (1974) von Ursula K. Le Guin (1929\u20132018)\u00a0((2)) zu beginnen. Der Roman feiert dieses Jahr das 50j\u00e4hrige Jubil\u00e4um seines Erscheinens. ((3))<br \/>\nIn ihrer Utopie flie\u00dfen anarchistische, feministische und \u00f6kologische Aspekte zusammen und gehen eine Symbiose ein. Sie diskutiert aber gleichzeitig auch die Umsetzung solcher Ideale in einer Welt mit begrenzten Ressourcen auf. Daneben ist die Gewaltfreie Anarchistin nat\u00fcrlich noch f\u00fcr ihre 1969 erschienene Genderutopie in \u201eDer Winterplanet\u201c bekannt. Auch hier lohnt sich eine Lekt\u00fcre. Sie behandelt dabei eine Welt, in der die Bewohner_innen regelm\u00e4\u00dfig ihr biologisches Geschlecht \u00e4ndern.<br \/>\nMurray Bookchins Spuren finden sich auch in einem weiteren Klassiker wieder \u2013 in Ernest Callenbachs (1929\u20132012) \u201e\u00d6kotopia\u201c (1975). Bereits der Titel ist von Bookchin entnommen. Diese \u00f6kologische Utopie von Callenbach ist eine der ersten ihrer Art und hatte einen gro\u00dfen Einfluss auf die Gegenkultur ihrer Zeit. Auch heute liest sich diese \u00d6kofiktion sehr inspirierend.\u2006 \u2006<br \/>\nFast ebenso bekannt ist die Erz\u00e4hlung \u201ePlanet des Ungehorsams\u201c (1951) von Eric Frank Russel (1905\u20131978) ((4)) bzw. dessen zum Roman erweiterte Fassung unter dem Titel \u201eDie gro\u00dfe Explosion\u201c (1962). Mit viel Humor macht sich Russel \u00fcber Milit\u00e4r und B\u00fcrokratie lustig, pr\u00e4sentiert ein alternatives Wirtschaftssystem und zeigt die Potentiale des zivilen Ungehorsams auf.<br \/>\nIn anarchistischen Kreisen hingegen meist wenig rezipiert wird Robert Heinlein (1907-1988). Sein Roman \u201eRevolte auf Luna\u201c behandelt auch die Beschreibung einer anarchistisch-organisierten Gemeinschaft. Ebenso wie Russels erw\u00e4hnte Erz\u00e4hlung wird der Heinleinsche Roman auch f\u00e4lschlicher Weise als ein Beispiel anarchokapitalistischer Science Fiction gef\u00fchrt und mit Ayn Rands \u201eAtlas wirft die Welt ab\u201c (1957) problematischen Roman in eine Reihe gestellt.<br \/>\nAus anarchafeministischer Perspektive ist dann nat\u00fcrlich noch Marge Piercy (* 1936) zu erw\u00e4hnen. Die Autorin versteht sich selber als Anarchafeministin und hat sich f\u00fcr mehrere Romane u.\u00a0a. von Ursula\u2006 \u2006 K. Le Guin inspirieren lassen, wie auch von den philosophischen Texten Donna Haraway (Cyborg Manifesto). Der bekannteste Roman von ihr ist der Cyberpunkklassiker \u201eEr, Sie, und Es\u201c (1991), in dem sie die Geschichte des Golems von Prag und den Cyborg-Mythos von Haraway miteinander verwebt.\u2006 \u2006 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im Jahr 1890 vermischte der libert\u00e4re Autor und Sozialist William Morris (1834\u20131896) in seinem Roman \u201eKunde vom Nirgendwo\u201c Elemente der klassischen Utopie und Science Fiction miteinander. 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