{"id":31864,"date":"2024-10-29T18:23:13","date_gmt":"2024-10-29T16:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/10\/foltertod-auf-athener-polizeiwache\/"},"modified":"2024-12-18T18:58:40","modified_gmt":"2024-12-18T16:58:40","slug":"foltertod-auf-athener-polizeiwache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/10\/foltertod-auf-athener-polizeiwache\/","title":{"rendered":"Foltertod auf Athener Polizeiwache"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die von der \u201eBewegung gemeinsam gegen Rassismus und faschistische Bedrohung\u201c (KEERFA) ver\u00f6ffentlichten grausamen Fotos des geschundenen K\u00f6rpers, die auch in der Athener Tageszeitung Efimer\u00edda ton Syntakt\u00f3n (Efsyn) vom 27. September ver\u00f6ffentlicht wurden, zeigen die Vielzahl der Schl\u00e4ge auf Kopf und R\u00fccken, in die Seiten und auf beide Beine. Die Handgelenke sind blutig und stark geschwollen, was auf Handschellen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, mit denen das Opfer gefesselt war. In der offiziellen gerichtsmedizinischen Sterbeurkunde ist von einer \u201eunbestimmten Todesursache\u201c die Rede, das hei\u00dft, es wird keine pathologische Ursache f\u00fcr das Ableben des Opfers angegeben. Ausdr\u00fccklich festgehalten werden jedoch die Pre-Mortem-Wunden, die das Ergebnis von Schl\u00e4gen am ganzen K\u00f6rper sind. Genauere Aussagen dar\u00fcber, wie Mohamed Kamran Asik im Polizeirevier von \u00c1gios Pantel\u00e9imon gestorben ist, werden von der makroskopischen Untersuchung des Leichnams erwartet. Das Revier ist seit Jahrzehnten ber\u00fcchtigt f\u00fcr seine engen Verbindungen zur kriminellen Nazi-Vereinigung Chrys\u00ed Avg\u00ed (<a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/10\/neonazis-morden-in-griechenland\/\">Goldene Morgenr\u00f6te<\/a>) und in die Athener Unterwelt, sowie f\u00fcr ungez\u00e4hlte F\u00e4lle von brutalen Misshandlungen und ungekl\u00e4rten Todesf\u00e4llen festgenommener Migrant:innen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die griechische Polizei behauptet, dass Asik drogenabh\u00e4ngig war und sein Tod auf pathologische Ursachen zur\u00fcckzuf\u00fchren sei, was die Familie des Opfers vehement bestreitet. Sie k\u00fcndigte im Beisein ihrer Anw\u00e4ltin Maria Sf\u00e9tsou an, alle notwendigen rechtlichen Schritte zu unternehmen, um die Umst\u00e4nde seines Todes aufzukl\u00e4ren. Im Interview mit Efsyn am 27. September beanstandet Sf\u00e9tsou, dass die Untersuchungen durch die Beamten der Polizeiwache \u00c1gios Pantel\u00e9imon, also durch die Personen, gegen die ermittelt wird, gef\u00fchrt werden. Sie fordert die Staatsanwaltschaft auf, dies sofort zu unterbinden. Sf\u00e9tsou beklagt au\u00dferdem, dass die Polizei \u201edas Opfer mit Dreck bewirft, um ihm ein kriminelles Profil anzuh\u00e4ngen\u201c. Sein Tod soll ausgerechnet \u201ein der einzigen Zelle ohne Kamera\u00fcberwachung\u201c eingetreten sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was genau in den Tagen vor dem Tod des Opfers geschah, ist noch weitgehend unklar, da die Anw\u00e4lte der Familie noch offizielle Beweise und schriftliche Berichte von den unterschiedlichen Polizeiwachen sammeln, auf denen der 37-j\u00e4hrige Pakistaner festgehalten wurde. Bisher ist folgende Chronologie bekannt: Am 13. September wurde Asik nach einer Anzeige wegen h\u00e4uslicher Gewalt von einer Streife zur Polizeistation Om\u00f3nia gebracht. Am n\u00e4chsten Morgen wird er zum Gericht in der Evelp\u00eddon Stra\u00dfe gebracht. Die Verhandlung wird auf den 16. September vertagt und es wird angeordnet, dass er bis zum Prozess in der Om\u00f3niawache inhaftiert bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 16. September wird der Prozess endg\u00fcltig auf Dezember vertagt und seine Freilassung angeordnet. Stattdessen wird er im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens auf die Polizeiwache Patiss\u00edon verlegt, um dort festzustellen, ob er eine legale Aufenthaltsgenehmigung hat oder die Voraussetzungen f\u00fcr seine Abschiebung vorliegen. Da diese Polizeistation nicht \u00fcber Haftr\u00e4ume verf\u00fcgt, wird er in der Folge zur Polizeistation Galats\u00edou gebracht und dort bis zum Nachmittag des 17. September festgehalten. Dann wird er zur Fortsetzung der Verwaltungshaft auf das Polizeirevier Kolono\u00fa gebracht und dort in der Nacht freigelassen, nachdem das Revier Patiss\u00edon mitgeteilt hat, dass der Bruder des 37-J\u00e4hrigen alle legalen Dokumente f\u00fcr seinen Aufenthalt im Lande vorgelegt habe.<br \/>\nNach der Freilassung &#8211; die genaue Uhrzeit ist nicht bekannt &#8211; wird Asik von Beamten der ber\u00fcchtigten Dias-Motorradtruppe \u201ezur Identifizierung\u201c festgehalten und am 18. September um 00:30 Uhr zur Polizeistation von \u00c1gios Pantel\u00e9imon gebracht.<br \/>\nDort wird er wegen \u201eBesch\u00e4digung fremden Eigentums, Ungehorsam und Widerstand\u201c verhaftet. Unter anderem soll Asik ein Waschbecken des Polizeireviers zerst\u00f6rt haben. Nach bisher bekannten Informationen wurde er am Morgen des 18. September wegen der von den Polizeibeamten angeklagten Straftaten vor ein Schnellgericht gestellt und zu vier Monaten Haft ohne Bew\u00e4hrung verurteilt. Er wird auf das Revier zur\u00fcckgebracht und inhaftiert. Drei Tage sp\u00e4ter ist er tot.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Sein Tod soll ausgerechnet \u201ein der einzigen Zelle ohne Kamera\u00fcberwachung\u201c eingetreten sein<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut offizieller Antwort des Ambulanzdienstes an die Anw\u00e4ltin der Familie wurde ein Krankenwagen einige Stunden nach der ersten Einlieferung Asiks auf das Polizeirevier von \u00c1gios Pantel\u00e9imon in der Nacht des 18. September um 2.10 Uhr dorthin beordert. Dort wurde diagnostiziert, dass der 37-J\u00e4hrige Wunden und Prellungen hatte. Das Personal des Rettungsdienstes war jedoch der Ansicht, dass er nicht ins Krankenhaus gebracht werden musste. Weiteren Aufschluss erhofft sich die Anw\u00e4ltin von der beantragten Beschlagnahmung der Videoaufnahmen der anderen beteiligten Polizeireviere, da dort zu sehen sein muss, ob, und wie schwer der Get\u00f6tete verletzt war, bevor er auf dem Revier von \u00c1gios Pantel\u00e9imon festgenommen wurde. Die Wache selbst ist die einzige, bei der die \u00dcberwachungskameras keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Todesursache des 37-J\u00e4hrigen zulassen, da er nach Aussage des Revierleiters im einzigen Raum ohne Kamera tot aufgefunden wurde. Gleiches gilt f\u00fcr die angebliche Zerst\u00f6rung des Waschbeckens in den Toiletten der Wache. Im Polizeibericht hei\u00dft es au\u00dferdem, er sei durch Schl\u00e4ge anderer Personen in der Zelle verletzt worden und die j\u00fcngsten Verletzungen seien beim Zertr\u00fcmmern des Waschbeckens verursacht wurden.<br \/>\n\u201eAls ich dorthin kam, war die einzige Fl\u00e4che, die nicht von einer Kamera erfasst wurde, dieser Raum. Es gab \u00fcberall Kameras. Auf den Fluren und in den Arrestzellen. Au\u00dfer dort und in den Toiletten, wo wir die Vorf\u00e4lle haben\u201c, so die Anw\u00e4ltin, Maria Sf\u00e9tsou, auf einer von der KEERFA organisierten Pressekonferenz am 27. September.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer am 26. September von der Polizeizentrale ver\u00f6ffentlichten Stellungnahme wird die Behauptung bekr\u00e4ftigt, dass der 37-J\u00e4hrige \u201eoffensichtlich unter Drogen- oder Alkoholeinfluss\u201c stand, als er in den fr\u00fchen Morgenstunden des 18. September von Dias-Beamten eingeliefert wurde. Es habe w\u00e4hrend seines Aufenthalts in der Haftanstalt \u201eeinen kleinen Zwischenfall mit Mitgefangenen gegeben\u201c. Nicht erkl\u00e4rt wird, warum das Opfer am Morgen des 21. September bewusstlos aufgefunden wurde, w\u00e4hrend der Krankenwagen einige Tage zuvor seine Verletzungen als leicht eingestuft hatte. Im Polizeibericht ist des Weiteren von einem \u201eobdachlosen Mann\u201c die Rede, der \u201ekein Griechisch sprach\u201c. Behauptungen, die nirgends best\u00e4tigt werden: Laut Dokumenten, die die Familie des Opfers vorlegte, lebte der 37-J\u00e4hrige seit 20 Jahren in Griechenland und sprach flie\u00dfend Griechisch. Er erhielt 2017 die notwendigen legalen Dokumente, hatte eine gemietete Wohnung auf seinen Namen und arbeitete als Kurierfahrer.<br \/>\nLaut Asiks Verwandten, die an der Pressekonferenz teilnahmen, hatte der 37-J\u00e4hrige stets zwei Mobiltelefone sowie die Ausweispapiere bei sich. Beweise, die bis zum heutigen Tag verschwunden sind. \u201eMan hat nichts bei ihm gefunden. Nicht einmal Hausschl\u00fcssel. Wir haben seit dem 13. September nach ihm gesucht, doch seine Telefone waren ausgeschaltet, w\u00e4hrend wir am Tag zuvor noch normal gesprochen haben\u201c, so die Familie. Deren Anklage ist sehr konkret: Polizeifolter mit Todesfolge. Laut Anw\u00e4ltin verweist der Gerichtsmediziner auf Wunden, die eindeutig auf schwere Schl\u00e4ge hindeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Motto \u201eELAS \u2013 griechische Polizei, Spitzel, M\u00f6rder und Folterer\u201c versammelten sich knapp tausend Demonstrant:innen aus der antirassistischen, anarchistischen und antifaschistischen Bewegung spontan auf dem \u00c1gios Pantel\u00e9imon-Platz, der nur wenige Blocks von der ber\u00fcchtigten Polizeiwache entfernt liegt. Die kurz nach 22 Uhr gestartete Demo wurde jedoch sofort mit Tr\u00e4nengas- und Blendschockgranaten von MAT-Sondereinheiten gestoppt. Nach Auseinandersetzungen wurden bis Mitternacht vier Personen festgenommen. F\u00fcr den 12. Oktober, dem Tag der Beerdigung von Mohamed Kamran Asik in Pakistan, rief die KEERFA auf dem Victoria-Platz zur Gro\u00dfdemonstration auf. Weitere Demos fanden in anderen griechischen St\u00e4dten statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenige Tage nach dem qualvollen Tod des 37-j\u00e4hrigen Pakistaners wurde am 1. Oktober auf dem Polizeirevier Om\u00f3nia ein 29-J\u00e4hriger aus Bangladesch erh\u00e4ngt in der Zelle gefunden. Erste Ver\u00f6ffentlichungen auf indymedia athens gehen davon aus, dass es sich nicht, wie von der Polizei behauptet, um Suizid handelte, sondern um einen erneuten Polizeimord aus rassistischen Gr\u00fcnden, da der Tote ebenfalls deutliche Spuren von Misshandlungen zeigte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die von der \u201eBewegung gemeinsam gegen Rassismus und faschistische Bedrohung\u201c (KEERFA) ver\u00f6ffentlichten grausamen Fotos des geschundenen K\u00f6rpers, die auch in der Athener Tageszeitung Efimer\u00edda ton Syntakt\u00f3n (Efsyn) vom 27. 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