{"id":32021,"date":"2024-11-28T16:47:48","date_gmt":"2024-11-28T14:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/11\/abtreibung-und-us-wahl\/"},"modified":"2025-01-15T21:29:10","modified_gmt":"2025-01-15T19:29:10","slug":"abtreibung-und-us-wahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/11\/abtreibung-und-us-wahl\/","title":{"rendered":"Abtreibung und US-Wahl \u2013"},"content":{"rendered":"<p>In allen elf Bundesstaaten stimmten mehr Menschen f\u00fcr Abtreibungsrechte als f\u00fcr Harris, mit einem Abstand von 5,8 Prozentpunkten in South Dakota und bis zu 19,6 Prozentpunkten in Montana. Seit der Supreme Court 2022 das landesweite Recht auf Abtreibung bis zur 24. Schwangerschaftswoche aus der Roe-Entscheidung kippte, setzen Aktivist_innen auf Referenden in den Bundesstaaten und Abtreibungspillen per Post.<\/p>\n<p>25 der 50 amerikanischen Bundesstaaten haben seit der Dobbs-Entscheidung ihre Abtreibungsgesetze versch\u00e4rft. In 13 Bundesstaaten gibt es nahezu totale Verbote. Laut dem Forschungsinstitut Guttmacher leben mittlerweile knapp ein Drittel aller amerikanischen Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter in Regionen, in denen Abtreibungen nicht verf\u00fcgbar oder stark eingeschr\u00e4nkt sind. Aktuell h\u00e4ufen sich Medienberichte von Schwangeren, denen lebensrettende Abtreibungen verweigert oder erschwert wurden. Mindestens vier Frauen starben aus diesem Grund. Und das sind nur die wenigen F\u00e4lle, von denen wir wissen. Der Tod von Josseli Barnica, Amber Nicole Thurman, Candi Miller und Nevaeh Crain war vermeidbar. Sie starben aufgrund der Abtreibunsverbote, die nach der Entscheidung des Supreme Courts in Georgia und Texas erlassen wurden. Trump br\u00fcstet sich damit, Wegbereiter dieses Urteils zu sein, da er in seiner ersten Amtszeit als US-Pr\u00e4sident zwei extrem rechtskonservative Richter_innen ernannt hat. Erst k\u00fcrzlich lobte er den Supreme Court im Fernsehduell mit Harris f\u00fcr ihre \u201eGenialit\u00e4t und Herz\u201c bei der Entscheidung, Roe vs. Wade aufzuheben.<\/p>\n<p>Es ist schwer einzusch\u00e4tzen, was eine erneute Pr\u00e4sidentschaft von Trump f\u00fcr Abtreibungsrechte bedeuten wird. Er \u00e4u\u00dferte sich bisher nur kryptisch dazu, ob er als erneuter Pr\u00e4sident ein nationales Abtreibungsverbot verh\u00e4ngen w\u00fcrde \u2013 mal so, mal so. Die Forscherin und Aktivistin Lizzie Chadbourne sch\u00e4tzt das als Wahlkampf-Strategie ein: \u201eTrump ist absichtlich verwirrend.\u201c Er und seine Verb\u00fcndeten hielten ihre Aussagen zum Thema Abtreibung so vage wie m\u00f6glich, so dass sie immer die Ansicht vertreten k\u00f6nnten, die politisch am g\u00fcnstigsten ist, so Chadbourne. Sowohl \u00fcberzeugte Abtreibungsgegner_innen als auch moderatere Wechselw\u00e4hler_innen k\u00f6nnten sich dadurch einreden, dass Trump mit ihnen einer Meinung sei. Im Wahlkampf versuchten Trump und sein Vizepr\u00e4sidentschaftskandidat J.D. Vance, ihre Positionen in Bezug auf Abtreibung zu verw\u00e4ssern. Vance nahm k\u00fcrzlich die Forderung, Abtreibung zu \u201ebeenden\u201c von seiner Webseite. Denn das Thema drohte f\u00fcr Republikaner zum Problem zu werden.<\/p>\n<p>Abtreibungsverbote sind unbeliebt. Laut Umfragen sind 63\u00a0% aller US-Amerikaner_innen daf\u00fcr, dass Abtreibung in allen oder fast allen F\u00e4llen legal ist. Das wei\u00df auch Kamala Harris. Sie gab dem Thema Abtreibung mehr Raum in ihrer Kampagne als alle Pr\u00e4sidentschaftkandidat_innen vor ihr. In ihren Wahlkampfreden machte Harris Trump als \u201eArchitekten der Krise\u201c f\u00fcr den Tod von Frauen aufgrund der Abtreibungsverbote verantwortlich. Harris\u2019 Versprechen, das landesweite Recht auf Abtreibung bis zur 24. Schwangerschaftswoche wiederherzustellen, war eine zentrale Forderung ihres Wahlkampfes. Offen blieb allerdings, was Harris als Pr\u00e4sidentin \u00fcberhaupt f\u00fcr Abtreibungsrechte h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. Um die Rechte aus Roe in ein bundesweit geltendes Gesetz zu verwandeln, br\u00e4uchten die Demokraten die Mehrheit im Kongress.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Mehr als zwei Jahre nach der Dobbs-Entscheidung hat sich die Anzahl der Abtreibungen in den USA trotz der Verbote etwas erh\u00f6ht. Der Grund: In den Bundesstaaten, die Abtreibungen weiterhin erlauben, gibt es jetzt mehr davon.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Linken Aktivist_innen ging Harris nicht weit genug. Sie kritisierten an ihrem Wahlkampf, dass demokratische Regierungen es in der Vergangenheit nicht geschafft haben, Abtreibungsrechte wirksam zu sichern und, dass Roe ohnehin niemals genug war. \u201eDie Demokraten benutzen das Thema Abtreibung, um W\u00e4hlerstimmen zu gewinnen. Seit Jahrzehnten machen sie leere Versprechungen, was den Schutz von Abtreibungsrechten betrifft\u201c, so Jex Blackmore. Die Aktivistin arbeitet bei der Organisation Shout Your Abortion und war Teil des linken Protests vor dem Parteitag der Demokraten im August. Lizzie Chadbourne stimmt zu: \u201eWir m\u00fcssen mehr fordern als die Wiederherstellung der Rechte aus Roe. Ohne Frage: Die Dobbs-Entscheidung des Supreme Courts hat die Versorgungslage weiter verschlechtert, aber beim Zugang zu Abtreibung in den USA gab es schon L\u00fccken und H\u00fcrden, bevor Roe gekippt wurde. Wir brauchen eine nationale Bewegung f\u00fcr kostenlose Abtreibung.\u201c<\/p>\n<p>Der Wahlkampf von beiden, Trump und Harris, ging an der Realit\u00e4t von Abtreibungsaktivist_innen vorbei. Mehr als zwei Jahre nach der Dobbs-Entscheidung hat sich die Anzahl der Abtreibungen in den USA trotz der Verbote etwas erh\u00f6ht. Der Grund: In den Bundesstaaten, die Abtreibungen weiterhin erlauben, gibt es jetzt mehr davon. Ein Netzwerk aus \u201eabortion funds\u201c hilft ungewollt Schwangeren, in andere Bundesstaaten zu reisen. Auch Abtreibungspillen per Post spielen eine Rolle. Es ist heute einfacher, die Medikamente Mifepriston und Misoprostol online zu bestellen, etwa durch telemedizinische Anbieter, Online-Apotheken und feministische Netzwerke \u2013 auch in Bundesstaaten, in denen Abtreibung verboten ist. Daran wird auch eine erneute Pr\u00e4sidentschaft von Trump so schnell nichts \u00e4ndern.<br \/>\nJex Blackmore kommentiert: \u201eDie Zukunft von Abtreibung liegt in unserer Hand: Unser Zugang zu Abtreibung h\u00e4ngt von uns, unseren communities und unserem gemeinsamen Handeln ab, nicht von den Launen der Politiker_innen oder den Entscheidungen der Gerichte.\u201c In den letzten Jahren hat sich in den USA ein Netzwerk aus feministischen Gruppen gebildet, die kostenlos Abtreibungspillen per Post verschicken und Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend der Einnahme anbieten, unabh\u00e4ngig von der Rechtslage. Sogenannte \u201eself-managed abortions\u201c, Abtreibungen, die zu Hause ohne medizinische \u00dcberwachung durchgef\u00fchrt werden, sind sicher und werden von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Eine Aktivistin, die anonym bleiben will, beschreibt ihre Rolle in einem feministischen Netzwerk: \u201eIch verschicke Abtreibungspillen an Menschen, f\u00fcr die der Zugang beschr\u00e4nkt ist, und biete auf Wunsch Begleitung durch den Prozess der selbst zuhause durchgef\u00fchrten Abtreibung an.\u201c Die Pr\u00e4sidentschaftswahl habe keinen Einfluss auf ihre Arbeit. Zwar sei es m\u00f6glich, dass unter einer demokratischen Regierung die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr ihren Einsatz strafrechtlich verfolgt zu werden, geringer sei, aber das sei alles theoretisch. \u201eMeine Sorge gilt nicht den Wahlen. Politiker_innen helfen Menschen nicht, Abtreibungen zu bekommen. Ich schon.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In allen elf Bundesstaaten stimmten mehr Menschen f\u00fcr Abtreibungsrechte als f\u00fcr Harris, mit einem Abstand von 5,8 Prozentpunkten in South Dakota und bis zu 19,6 Prozentpunkten in Montana. Seit der Supreme Court 2022 das landesweite Recht auf Abtreibung bis zur 24. 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