{"id":32102,"date":"2024-12-19T17:30:47","date_gmt":"2024-12-19T15:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/12\/keine-gute-idee-neuauflage-einer-militaermesse-in-hannover\/"},"modified":"2024-12-19T17:30:47","modified_gmt":"2024-12-19T15:30:47","slug":"keine-gute-idee-neuauflage-einer-militaermesse-in-hannover","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2024\/12\/keine-gute-idee-neuauflage-einer-militaermesse-in-hannover\/","title":{"rendered":"Keine gute IDEE \u2013 Neuauflage einer Milit\u00e4rmesse in Hannover"},"content":{"rendered":"<p>Den Versuch, eine Milit\u00e4rmesse in Hannover zu etablieren, hatte es bereits 1982 gegeben. Die International Defence Electronics Exposition (IDEE) war zuvor durch Proteste aus Wiesbaden vertrieben worden und sollte daraufhin in Hannover eine neue Bleibe finden.<br \/>\nWir hatten fr\u00fchzeitig davon erfahren und trafen uns mit Friedensb\u00fcro, DFG-VK, Graswurzelgruppe und anderen Organisationen aus der Friedensbewegung regelm\u00e4\u00dfig, um Aktionen vorzubereiten.<br \/>\nDann wurde auch der AStA der Uni mit einbezogen und der forderte, dass die Treffen als Plenum stattfinden sollten. Daraufhin kamen regelm\u00e4\u00dfig ca. 100 Unorganisierte zusammen.<br \/>\nIm Vorfeld gab es eine erste Demo gegen die IDEE. Die Polizei erkl\u00e4rte mittendrin, dass die Demo aufgel\u00f6st sei. Irgendjemand hatte angeblich eine Flasche oder Bierdose geworfen. Ich hatte dann vorgeschlagen, dass wir mit erhobenen H\u00e4nden weitergehen, um unsere Friedfertigkeit zu beweisen. Die Demo konnte auf diese Weise gegen den Willen der Polizei fortgesetzt werden. Ein kleiner Erfolg f\u00fcr die Gewaltfreiheit.<br \/>\nIm Mai 1982 gab es zur Er\u00f6ffnung der Waffenmesse eine Gro\u00dfdemo. 20.000 Leute waren gekommen. Darunter auch ein Schwarzer Block. Von dem wurde unterwegs die Polizei angegriffen und Gesch\u00e4fte am Stra\u00dfenrand demoliert. Angeh\u00f6rige Gewaltfreier Aktionsgruppen hatten sich daraufhin mit erhobenen H\u00e4nden dazwischen gestellt. \u201eSeht her, die PazifistInnen sch\u00fctzen die Polizei\u201c, wurde uns hinterher vorgeworfen.<br \/>\nEin VVN-Aktivist hatte uns bei den Treffen der Friedensbewegung gesagt, wir sollten uns wegen ein paar geworfener Steine nicht so anstellen. Als er bei der Demo dann das Verhalten von Autonomen miterlebt hat, hat er ein paar von denen verpr\u00fcgelt. \u201eSeht her, das ist also die Gewaltfreiheit der Pazifisten\u201c, wurde uns dann vorgehalten.<br \/>\nSoweit gekommen ist es, weil Gruppen bei den Vorbereitungen jede Diskussion \u00fcber die Gewaltfrage verhindert hatten. Die Friedensbewegung w\u00fcrde nur die Propaganda der Polizei \u00fcbernehmen, wurde verbreitet. Daraufhin sind auch junge Eltern, die sich darauf verlassen hatten, mit Kinderwagen zur Demo gekommen und haben sich anschlie\u00dfend bitter beschwert.<br \/>\nIn einer sp\u00e4teren Dokumentation der Spontis wurde eine Erkl\u00e4rung von Autonomen abgedruckt, wonach es vereinbart gewesen sei, dass auf dem Weg der Demo geeignete Ziele angegriffen werden sollen. Wer hatte da wohl mit wem verhandelt, um so ein Abkommen zu treffen?<br \/>\nEs war in der militanten Linken damals der \u00dcbergang von der Bewegung der Spontis zur Bewegung der Autonomen. Die Intervention der Gewaltfreien Aktionsgruppen hatte die gro\u00dfe Randale verhindern k\u00f6nnen. Das Hauptthema blieb in der \u00d6ffentlichkeit dadurch weiterhin die Milit\u00e4relektronikausstellung selbst. An jedem Tag gab es eine Demo um das Messegel\u00e4nde herum, dazu Kundgebungen in der Innenstadt. Wir hatten eine eigene Zeitung, die wir verteilten.<br \/>\nIn dieser Phase des Widerstands war fast alles wieder strikt gewaltfrei. Wir m\u00fcssen lernen, besser aufeinander zu achten. Also, Bezugsgruppen bilden und gemeinsam zur Demo gehen.<br \/>\nInsgesamt waren die antimilitaristischen Aktionen gegen die IDEE erfolgreich. Das Konzept dieser Milit\u00e4rmesse wurde aufgegeben. Wer sich \u00fcber die Vielfalt des Gewaltfreien Widerstands informieren m\u00f6chte, kann sich bei Youtube das Video \u201eGewaltfreie Aktionen gegen die Milit\u00e4relektronikausstellung IDEE Mai 1982 in Hannover\u201c anschauen. Unsere damalige Zeitung ist bei kulturzentrum-faust.de unter dem Stichwort \u201eKeine gute I.D.E.E.\u201c als PDF verf\u00fcgbar.<br \/>\nAus Fehlern k\u00f6nnen wir lernen, um sie nicht zu wiederholen. Dazu geh\u00f6rt auch ein trauriges Ereignis aus der Nachgeschichte der IDEE. Aus dem Kreis der Spontis heraus hatte sich eine Gruppe gebildet, die Anschl\u00e4ge auf die Messe-AG ver\u00fcbte. Ein Bekannter von mir war dort hineingeraten und hat sich dann mit einem umgebauten Feuerl\u00f6scher auf dem Messegel\u00e4nde versehentlich selbst in die Luft gesprengt.<br \/>\nZu viele, die mit einer antimilitaristischen Motivation begannen, erwischten die falsche Abzweigung und entwickelten einen eigenen Militarismus, der dann in Kampagnen wie \u201eWaffen f\u00fcr El Salvador\u201c gipfelte.<br \/>\nWichtig w\u00e4re es, sich argumentativ mit Bewegungen wie den Autonomen auseinanderzusetzen und ihnen die Leute abzuwerben. Im Hinblick auf die Waffenmesse 2027 wird das eine Bedeutung bekommen. Russland f\u00fchrt mit Sabotageakten einen hybriden Krieg gegen die NATO.<br \/>\nWir lehnen jede Art von Krieg ab und k\u00f6nnen Frieden nur mit den Mitteln der Gewaltfreien Aktion erreichen. Die Ausgangsbedingungen sind in Hannover diesmal allerdings schlecht. DFG-VK und Graswurzelgruppe Hannover existieren nicht mehr. Das Friedensb\u00fcro l\u00e4uft Sahra Wagenknecht hinterher. Nur die Autonomen sind in Bezug auf die Milit\u00e4rausstellung organisationsf\u00e4hig.<br \/>\nWir brauchen dringend wieder eine Gewaltfreie Aktionsgruppe in Hannover.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Versuch, eine Milit\u00e4rmesse in Hannover zu etablieren, hatte es bereits 1982 gegeben. Die International Defence Electronics Exposition (IDEE) war zuvor durch Proteste aus Wiesbaden vertrieben worden und sollte daraufhin in Hannover eine neue Bleibe finden. 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