{"id":32358,"date":"2025-03-02T11:15:22","date_gmt":"2025-03-02T09:15:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/03\/wir-tun-unser-bestes\/"},"modified":"2025-03-02T11:15:22","modified_gmt":"2025-03-02T09:15:22","slug":"wir-tun-unser-bestes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/03\/wir-tun-unser-bestes\/","title":{"rendered":"\u201eWir tun unser Bestes!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Vorsicht: Hier schreibt ein Sozialarbeiter! Einer, der sich im Spannungsfeld zwischen dem Umsturz der ungerechten Verh\u00e4ltnisse und der blo\u00dfen Anpassung an bestehende Normen befindet. Der aber best\u00e4ndig versucht, Wege aus einer widerspr\u00fcchlichen Situation nach der anderen zu finden. Der sich selbst befreien und am liebsten dabei seine Klientel mitnehmen m\u00f6chte \u2013 und doch nur den systemkonformen Weg eines Arbeitslebens geht. Als Tiger gestartet, als Bettvorleger geendet \u2013 na, hoffentlich nicht!<br \/>\nIch w\u00e4re gerne 2021 in Erfurt gewesen. Denn da hat das dortige Institut f\u00fcr Radikalisierungsforschung beim Bildungskollektiv Biko eine Tagung und Veranstaltungsreihe zur Notwendigkeit linksradikaler Kritik und der Bedeutung von Radikalit\u00e4t in linken Bewegungen und deren Subjekten mit dem Titel \u201eRadikalisiert euch!\u201c durchgef\u00fchrt. Im Anschluss daran ist ein hervorragender Sammelband mit ganz unterschiedlichen Beitr\u00e4gen erschienen, in dem versucht wird, den ganzen F\u00e4cher linksradikaler Kritik an den bestehenden Verh\u00e4ltnissen aufzumachen.<br \/>\nDer Band grenzt sich gegen die b\u00fcrgerliche, pseudowissenschaftliche Extremismustheorie ab. Der Neofaschismus ist nicht einfach als \u201eRechtsextremismus\u201c das Pendant zum \u201eLinksextremismus\u201c und hat mit angeblich gleichem Extremismus-Abstand hin zur Mitte nichts zu tun. Im ersten Teil geht es darum, linksradikaler Bewegungsgeschichte nachzugehen, um aufzuzeigen, woher die heute als selbstverst\u00e4ndlich erscheinenden \u201eErrungenschaften\u201c, wie Sozial- und Arbeitslosenhilfe, Arbeitsnormen und nicht zuletzt die Soziale Arbeit entstammen. Ohne den Kampf einer starken Arbei-ter:innenbewegung h\u00e4tten sich die deutschen Kapitalist:innen und b\u00fcrgerlichen Herrschaften wohl kaum diese \u201eZugest\u00e4ndnisse\u201c abringen lassen. Somit macht der Band schon fr\u00fch klar: ohne Radikalit\u00e4t gibt es keine progressive Ver\u00e4nderung. Das deutet auch auf die Entstehung des Tagungstitels als Forderung, auch wenn sie leicht paternalistisch daherkommen mag. Nein! Sie ist ernst gemeint und eine Erkenntnis aus der theoretischen Auseinandersetzung, die die Autor:innen und Herausge-ber:innen vorgenommen haben.<br \/>\nNeben Beitr\u00e4gen aus der linksradikalen Bewegungsgeschichte kommen auch Kunst und Alltag in den Fokus der Beitragenden, die sich selbst f\u00fcr den radikalen Weg entschieden haben. Viele Beitr\u00e4ge gehen in die Tiefe der Theorie, aber schnell wird klar: Historisch ist gerade nicht der Zeitpunkt, an dem Arbei-ter:innen Macht \u00fcber die Herrschenden im Kapitalismus und Patriarchat gewinnen k\u00f6nnen. Somit machen die Zust\u00e4nde mitunter krank. Ich h\u00e4tte mir mehr praktische Beispiele und \u201eTechniken\u201c gew\u00fcnscht, diese Situation auszuhalten und gleichzeitig die \u201eM\u00f6glichkeitsr\u00e4ume\u201c zu vergr\u00f6\u00dfern, in denen unsere Utopien zumindest teilweise gelebt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAdorno hat einst geschrieben: \u201eEs gibt kein richtiges Leben im Falschen.\u201c Aber es f\u00e4llt nach dem Lesen dieses Sammelbandes vom Erfurter Biko etwas leichter, angesichts dieser Unm\u00f6glichkeit unser Bestes zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorsicht: Hier schreibt ein Sozialarbeiter! Einer, der sich im Spannungsfeld zwischen dem Umsturz der ungerechten Verh\u00e4ltnisse und der blo\u00dfen Anpassung an bestehende Normen befindet. Der aber best\u00e4ndig versucht, Wege aus einer widerspr\u00fcchlichen Situation nach der anderen zu finden. 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