{"id":32508,"date":"2025-03-27T18:06:29","date_gmt":"2025-03-27T16:06:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/03\/mit-emma-und-ursula-fuer-anarchie-und-glueck\/"},"modified":"2025-04-02T23:44:07","modified_gmt":"2025-04-02T21:44:07","slug":"mit-emma-und-ursula-fuer-anarchie-und-glueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/03\/mit-emma-und-ursula-fuer-anarchie-und-glueck\/","title":{"rendered":"Mit Emma und Ursula f\u00fcr Anarchie und Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen,<\/p>\n<p>die Palm\u00f6lproduktion in Lateinamerika (S. 1, 19) wurde selten in der GWR thematisiert. Dabei ist das Thema \u00e4hnlich brisant wie die tickende Zeitbombe, \u00fcber die Olga Karach auf Seite 22 berichtet: Das Atomkraftwerk Ostrovets in Belarus.<br \/>\nEinen wichtigen Beitrag zur Geschichtsschreibung von unten leistet die Historikerin Anne S. Respondek. Ihre GWR-Artikelserie \u00fcber KZ-Bordelle endet in dieser Ausgabe mit ihrem Text \u00fcber den Umgang mit den von der KZ-Zwangsprostitution betroffenen Frauen nach 1945 (S. 16).<br \/>\nDie Faschisten und ihre Ideologien waren nach dem Zweiten Weltkrieg nie ganz weg. Seit Januar 2025 k\u00f6nnen wir live die Verwandlung der US-amerikanischen Demokratie in eine faschistoide Autokratie beobachten. Siehe: \u201eEin Wegbereiter autokratischer Herrschaft: Peter Thiel\u201c (S. 17).<br \/>\nIn \u00d6sterreich ist zwar die Regierungsbildung unter F\u00fchrung der rechtsnationalistischen FP\u00d6 gescheitert. Aber die neue Koalition aus NEOS, SP\u00d6 und \u00d6VP hat sich im Bereich Asyl und Migration auf Ma\u00dfnahmen geeinigt, die die Handschrift der AfD-Schwesterpartei tragen. Das zeigt Rosalia Krenn auf Seite 18.<br \/>\nWie krass der Rechtsruck auch in Deutschland ist, konnten wir am 25. M\u00e4rz bei der ersten Sitzung des neu konstituierten Bundestags sehen. Im geschrumpften Parlament hat sich die Zahl der zum gro\u00dfen Teil neofaschistischen AfD-Abgeordneten auf 152 verdoppelt.<br \/>\nWir d\u00fcrfen uns nicht an die Rassisten im Bundestag und auf der Stra\u00dfe gew\u00f6hnen. Es gilt, die antifaschistischen Bewegungen zu st\u00e4rken, B\u00fcndnisse zu organisieren, den Rechten auch im Alltag keinen Fu\u00dfbreit zu \u00fcberlassen. Eine Aufgabe der GWR ist es, freiheitlich-sozialistische Utopien f\u00fcr eine menschenfreundliche, gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft zu verbreiten \u2013 gegen den reaktion\u00e4ren Zeitgeist.<br \/>\nMit einem Kanzler Merz droht ein versch\u00e4rfter Rechtsruck, Sozialkahlschlag und eine rassistische Politik gegen Gefl\u00fcchtete. Er will das Asylrecht weiter aushebeln und das B\u00fcrgergeld einstampfen.<br \/>\nDie neue Regierung steht f\u00fcr Remilitarisierung. CDU\/CSU planen die Wiedereinf\u00fchrung von Zwangsdiensten, eine neue Kriegsdienstpflicht bzw. \u201eWehrpflicht\u201c. 400 Milliarden Euro sollen f\u00fcr Bundeswehr und Krieg ausgegeben werden. Die Ausgaben f\u00fcrs Milit\u00e4r sind ab sofort von der \u201eSchuldenbremse\u201c ausgenommen.<br \/>\nUm die Aufr\u00fcstung zu rechtfertigen, braucht es Feindbilder. \u201eNicht der Despot Putin, seine Oligarchen und seine Armee sind die Schuldigen, sondern \u201ader Russe\u2018. So wundert es nicht, dass russische Deserteure Probleme haben, in Deutschland Asyl zu bekommen\u201c, schreibt Rolf Cantzen in seinem Artikel \u201eDer brutale Russe\u201c (S. 6). Er macht klar, dass es im Sinne einer antimilitaristischen Herrschaftskritik wichtig ist, die Frontstellung West gegen Ost auch unter rassismuskritischen Aspekten zu reflektieren.<br \/>\nSeit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind nach neuesten Angaben \u00fcber eine Million Menschen get\u00f6tet oder verletzt worden. Um den Krieg weiterf\u00fchren zu k\u00f6nnen, haben beide Kriegsparteien ausl\u00e4ndische S\u00f6ldner angeworben. Um diese \u201eKrieger zweiter Klasse\u201c geht es in den Artikeln von Franz Nadler auf Seite 3ff.<br \/>\nIm Beitrag \u201eAntimilitaristisch gegen Querfront und Staatsr\u00e4son\u201c werden auch nicht-staatliche Utopien f\u00fcr ein entmilitarisiertes Israel-Pal\u00e4stina diskutiert (S. 8f.).<br \/>\nDer Artikel \u201eGewaltfreie Revolution auf den Philippinen\u201c (S. 9) zeigt, wie von 1984 bis 1986 auf den Philippinen die Marcos-Diktatur ohne Blutvergie\u00dfen \u00fcberwunden wurde. Gro\u00dfartig!<br \/>\nHoffnung macht auch die basisdemokratische Bewegung, die seit November 2024 gegen das korrupte Regime in Serbien demonstriert (S. 11). Ebenso der gr\u00f6\u00dfte Generalstreik in der Geschichte Griechenlands (S. 1, 10) und die feministische Bewegung gegen Femizide in Mexiko (S. 13).<br \/>\nUm den Feminismus Ursula K. Le Guins geht es auf Seite 14. An Emma Goldman erinnert Gisela Notz (S. 15). Die Anarchistin Goldman wandte sich \u00fcbrigens vehement auch gegen das Milit\u00e4r, das sie als Instrument zur Unterdr\u00fcckung sowohl anderer Nationen als auch der Soldaten sah. Kritisch betrachtete sie die schon in ihrer Zeit hochger\u00fcstete USA. Bereits in der Schule w\u00fcrden \u201eKinder in milit\u00e4rischer Taktik ge\u00fcbt, der Ruhm milit\u00e4rischer Siege stundenplanm\u00e4\u00dfig besungen und das kindliche Bewusstsein pervertiert, um der Regierung zu gefallen\u201c, schrieb sie 1911 in ihrer Zeitschrift \u201eMother Earth\u201c. Heere und Marine seien Zeichen des Freiheitszerfalls, die Anarchist*innen dagegen die \u201eeinzige(n) wirkliche(n) Advokaten des Friedens\u201c, die sich gegen den Militarismus wenden. Ihre Hoffnung war, dass sich auch die anderen Menschen eines Tages solidarisch verhalten, das Milit\u00e4r und den Krieg boykottieren und sich friedlich und frei zusammenschlie\u00dfen w\u00fcrden.<br \/>\n1925 war Emma auf der internationalen Konferenz der War Resisters\u2019 International (WRI), der antimilitaristischen Internationale der Kriegs-dienstgegner*innen also, der seit 1973 auch die GWR angeh\u00f6rt. Auf der WRI-Konferenz formulierte sie, dass der Krieg einen H\u00f6hepunkt in der dauernd vom Staate ausge\u00fcbten Unterdr\u00fcckung darstelle. \u201eDer Staat selbst ist die ausgesprochenste Form der Unterdr\u00fcckung. Er greift in jede Lebenssph\u00e4re ein und wirkt daher als andauernder Zwang.\u201c Ihm stehe nicht das Recht zu, \u00fcber das menschliche Leben zu verf\u00fcgen. Es gelte vielmehr, gegen Krieg wirksamen Widerstand zu leisten.<br \/>\nDie Positionen Emma Goldmans bleiben aktuell. Sie inspiriert uns, um f\u00fcr eine nicht-kapitalistische Gesellschaft jenseits von Militarisierung, Herrschaft, Patriarchat und Gewalt einzutreten.<\/p>\n<p>Viel Spa\u00df beim Lesen, Anarchie und Gl\u00fcck,<br \/>\nBernd Dr\u00fccke (GWR-Koordinationsredakteur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen, die Palm\u00f6lproduktion in Lateinamerika (S. 1, 19) wurde selten in der GWR thematisiert. Dabei ist das Thema \u00e4hnlich brisant wie die tickende Zeitbombe, \u00fcber die Olga Karach auf Seite 22 berichtet: Das Atomkraftwerk Ostrovets in Belarus. Einen wichtigen Beitrag zur Geschichtsschreibung von unten leistet die Historikerin Anne S. Respondek. 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