{"id":32818,"date":"2025-06-04T10:47:31","date_gmt":"2025-06-04T08:47:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/06\/graswurzelrevolutionaerinnen\/"},"modified":"2025-08-19T07:42:39","modified_gmt":"2025-08-19T05:42:39","slug":"graswurzelrevolutionaerinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/06\/graswurzelrevolutionaerinnen\/","title":{"rendered":"Graswurzelrevolution\u00e4rinnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>GWR: Kannst Du dich bitte vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: Ich bin Silke und war 2021\/2022 eineinhalb Jahre lang in der GWR-Redaktion t\u00e4tig. Vorher hatte ich schon \u00f6fter Artikel beigesteuert \u2013 und das mache ich selbstverst\u00e4ndlich auch heute noch.<\/p>\n<p>Agnes: Mein Name ist Agnes und ich arbeite seit inzwischen sechs Jahren im GWR-Abo- und Vertriebsb\u00fcro in Freiburg.<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Ich bin C\u00e9cile, mein Spitzname ist Das Eichh\u00f6rnchen. Ich bin Autorin, Bewegungsarbeiterin und unbequeme (Kletter)-Umwelt-Antiatom-Aktivistin im Rollstuhl. Ich wei\u00df gar nicht mehr, wie lange ich schon im GWR-Heraus-geber*innenkreis mitarbeite. Ich glaube, es sind mehr als zehn Jahre.<\/p>\n<p>Kerstin: Mein Name ist Kerstin und ich bin Kulturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunktthema Gender Studies, also Geschlechterstudien. Ich bin seit vielen Jahren GWR-Leserin und auch Autorin.<\/p>\n<p>Luna: Ich bin Luna und in feministischen und anderen linken Bewegungen aktiv. Ich habe Soziologie und Geographie in M\u00fcnster studiert, aktuell bin ich viel unterwegs. Seit letztem Jahr schreibe ich hin und wieder Artikel f\u00fcr die GWR. Schreiben ist f\u00fcr mich eine Br\u00fccke zwischen Analyse und Praxis, zwischen Kopf und Handgemenge.<\/p>\n<p>Helga: Ich bin Helga Weber-Zucht, lebe in Kassel in einem kleinen Einfamilienhaus mit Garten und hoffe, dass ich diese Selbst\u00e4ndigkeit noch einige Jahre genie\u00dfen kann. Es ist der gleiche Ort, an dem Wolfgang Zucht und ich zusammen lebten und von 1974 bis 1982 f\u00fcr die \u201eGraswurzelwerkstatt\u201c gearbeitet haben, zuerst in unserer K\u00fcche, sp\u00e4ter im B\u00fcro des Verlages Weber &amp; Zucht, wo sich auch f\u00fcr geraume Zeit die Abo-Abteilung der GWR befand. Die Idee f\u00fcr die Graswurzelwerkstatt war im anfangs losen Verbund Gewaltfreier Aktionsgruppen bei ihrem zweiten Treffen (1974 im Freundschaftsheim B\u00fcckeburg) entstanden, um \u00fcberregionale Aktionen und Zusammenarbeit dieser Gruppen durch eine Art \u201eGesch\u00e4ftsstelle-light\u201c zu erleichtern.<\/p>\n<p><strong>Wie und wann bist Du auf die Graswurzelrevolution gesto\u00dfen?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: Das war tats\u00e4chlich sehr fr\u00fch, noch Mitte der 1990er-Jahre. Als Sch\u00fclerin habe ich angefangen, alle linken Zeitungen zu lesen, die ich zwischen die Finger bekommen habe. Auf dem platten Land war das gar nicht so einfach, aber meine \u00e4ltere Schwester hat mich ganz gut mit Printmaterial versorgt. Die Graswurzelrevolution geh\u00f6rte dann schnell zu meinen Lieblingszeitungen.<br \/>\nEnde der 1990er bin ich zum Studium nach Heidelberg gezogen, wo es damals noch ein GWR-Redaktionsb\u00fcro und eine Gewaltfreie Aktionsgruppe gab. Dadurch bin ich noch enger mit der Zeitung und den Abl\u00e4ufen in Ber\u00fchrung gekommen, auch wenn ich nicht aktiv mitgearbeitet habe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32883\" aria-describedby=\"caption-attachment-32883\" style=\"width: 420px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-32883\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_6842.jpeg\" alt=\"Img 6842\" width=\"420\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_6842.jpeg 420w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_6842-225x300.jpeg 225w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/IMG_6842-300x400.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32883\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Wir haben keine Wahl \u2013 wir m\u00fcssen zuversichtlich sein, dass Vieles an positiven Ver\u00e4nderungen gelingen wird.\u201c<br \/>Helga Weber-Zucht bei ihrer 90. Geburtstagsparty im Mai 2025. Foto: Bernd Dr\u00fccke<\/figcaption><\/figure>\n<p>Agnes: Bei mir war das eine ganz andere Geschichte \u2013 nachdem ich zusehends frustriert war \u00fcber die Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Sozialen Arbeit, hat mich eine gute Freundin ins Abo- &amp; Vertriebsb\u00fcro gebracht.<br \/>\nDas gro\u00dfe Vertrauen und die hohe Eigenverantwortlichkeit haben mir von Anfang an gefallen.<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Ich habe bei meinem Erasmus-Jahr in Bayern die deutsche Antiatom-Bewegung kennengelernt. Ich habe in diesem Zusammenhang auch Wolfgang Hertle, der 1972 die GWR in Augsburg gegr\u00fcndet hat, kennengelernt. Als ich wieder in Frankreich war, schenkte mir Wolfgang die Nullnummer der GWR vom Sommer 1972, die war auf rosa Papier gedruckt, mit Schreibmaschinen-Schrift. Es gab Artikel \u00fcber den Widerstand gegen die Armee auf der Larzac-Hochebene. Ein erfolgreicher gewaltfreier Kampf. Die Erz\u00e4hlungen meiner Mutter dar\u00fcber haben meine Jugend gepr\u00e4gt. Ich war sehr an dem Thema interessiert. So kam ich der Graswurzelbewegung n\u00e4her.<\/p>\n<p>Kerstin: Das war w\u00e4hrend meines Studiums. Ich habe damals als Kellnerin in der Frauenstr. 24 in M\u00fcnster gearbeitet, wo sich alle m\u00f6glichen Leute und Organisationen der im weitesten Sinne linken Szene zu Arbeitskreisen oder einfach zum Kaffee getroffen haben. Da hab ich Bernd Dr\u00fccke kennengelernt und ihn irgendwann gefragt, ob ich ein Praktikum bei ihm machen kann. Das war eine tolle Erfahrung, vor allem die wertsch\u00e4tzende Art und Weise, wie mit Texten von Aktivist:innen umgegangen wird und wie die Netzwerke \u00fcber viele Jahre und Jahrzehnte, weite Distanzen und verschiedenste Themen und Organisationen gepflegt werden. Die Stimmung ist eigentlich immer super und ich besuche Bernd auch heute noch gerne auf einen Kaffee in seinem B\u00fcro.<\/p>\n<p>Luna: W\u00e4hrend meines Studiums in M\u00fcnster war ich immer viel in linken Kreisen unterwegs und in verschiedenen politischen Zusammenh\u00e4ngen aktiv. Dadurch war mir auch die Graswurzelrevolution als linke Zeitung ein Begriff. Ich habe schon immer gerne geschrieben und nach Worten f\u00fcr das gesucht, was mich und meine Genoss*in-nen politisch bewegt. W\u00e4hrend eines l\u00e4ngeren Auslandsaufenthalts habe ich nach einem Medium gesucht, das eine Plattform bietet f\u00fcr internationalistischen Dialog. \u00dcber die GWR konnte ich niedrigschwellig \u00fcber internationale politische Entwicklungen berichten und auch sp\u00e4ter in Deutschland an der Zeitung mitarbeiten.<\/p>\n<p>Helga: Wunderbar zu erfahren, dass C\u00e9cile ihre erste GWR von GWR-Gr\u00fcnder Wolfgang Hertle bekommen hat, mit dem ich eine fast gleich lange GWR-Geschichte habe. Ich arbeitete damals bei der War Resisters\u2018 International (WRI) in London. 1972 fand in Sheffield in Gro\u00dfbritannien die 14. Dreijahreskonferenz der WRI zum Thema \u201eRevolution: Perspektiven und Strategien\u201c statt. Einer der ca. 300 Teilnehmenden aus vielen Teilen der Welt war auch Wolfgang Hertle, der diese neue Zeitung vorstellte und gleich deren Aufnahme als assoziiertes Mitglied der WRI beantragte \u2013 mit Erfolg.<br \/>\nMit den Leuten um die GWR blieben Wolfgang Zucht und ich in Kontakt. Als wir im Fr\u00fchjahr 1973 nach sechs bzw. acht Jahren in London wieder nach einem neuen politischen Bet\u00e4tigungsfeld in Deutschland suchten, fanden wir dies deshalb schnell bei der GWR.<\/p>\n<p><strong>Wie ging es dann f\u00fcr Dich weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: Nachdem die GWR-Redaktion in Heidelberg geschlossen worden war, habe ich auch den direkten Draht f\u00fcr einige Jahre verloren. Mit einigen Mit-herausgeber*innen war ich aber weiterhin in gutem Kontakt und habe irgendwann angefangen, erste Artikel zu schreiben. Als 2021 die Redaktionsstelle frei war, habe ich mich darauf beworben. Seither bin ich auch im Herausgeber*innenkreis.<\/p>\n<p>Agnes: Nach einer intensiven Einarbeitungsphase in viele neue Arbeitsbereiche, ging es dann gleich Schlag auf Schlag: Fr\u00fchjahr 2020 B\u00fcro-Management unter Pandemiebedingungen! Das hat uns viel abverlangt \u2013 und trotzdem war das Arbeiten im GWR-B\u00fcro meine Rettung: Regelm\u00e4\u00dfige Auszeit aus dem Pandemiealltag mit drei Kindern zu Hause! Ich habe es genossen, zumindest f\u00fcr ein paar Stunden die Woche in Ruhe arbeiten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Ich hatte Lust, \u00fcber die Antiatom-Bewegung in Frankreich zu berichten. Als nicht Muttersprachlerin sch\u00e4mte ich mich aber f\u00fcr meine Sprachfehler, ich dachte ich kann keine Artikel auf Deutsch schreiben, ich werde ausgelacht oder nicht verstanden. Die GWR hat mich von diesen \u00c4ngsten befreit. Die Menschen, die lektorieren, leisten eine gro\u00dfartige Arbeit. Und ich habe Wertsch\u00e4tzung und Solidarit\u00e4t erfahren. \u00dcber die Jahre habe ich immer mehr Artikel zu verschiedenen Themen geschrieben und bin in den Herausgeber*innenkreis hineingerutscht.<\/p>\n<p>Kerstin: Nach dem Praktikum habe ich noch viele Artikel f\u00fcr die GWR geschrieben. Ich habe mein Studium abgeschlossen und eine Doktorarbeit geschrieben. Seit einigen Jahren bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Germanistik in M\u00fcnster. Seitdem schreibe ich vor allem Rezensionen f\u00fcr die GWR, meistens zu (anarcha-)feministischen Texten.<\/p>\n<p>Luna: Werden wir noch sehen! Aktuell versuche ich, auf verschiedenen Wegen herauszufinden, in welchen Formen das Schreiben und linker Journalismus Werkzeuge f\u00fcr linke Bewegungen sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Helga: Zum viertelj\u00e4hrlichen \u201eZeitungsmachen\u201c fuhren Wolfgang und ich, wie andere aus den Gewaltfreien Aktionsgruppen, des \u00d6fteren nach Berlin, um in der Wohnung von Wolfgang Hertle und seiner Familie (die damalige Redaktionsadresse der GWR) an der Zeitung mit zu arbeiten, Texte zu entwerfen, das Getippte zusammen zu kleben, mit Rubbelbuchstaben die \u00dcberschriften zu gestalten. Schon damals wurden alle Texte (sowie eine Selbstdarstellung) f\u00fcr die GWR gemeinsam diskutiert und \u00fcber die M\u00f6glichkeiten einer gewaltfreien Bewegung in Deutschland nicht nur nachgedacht, sondern auch darauf hin gearbeitet. Letzteres war auch eine von Wolfgang Hertles Ideen. \u2013 Themen waren bei diesen GWR-Treffen u.\u2009a. auch die M\u00f6glichkeiten eines dezentralen Versandes der GWR, die Finanzierung und der Verkauf der Zeitung bei Demos und anderen Gro\u00dfveranstaltungen ebenso wie Solidarit\u00e4t mit Kriegsdienst- und auch Zivildienstverweigerern hier und anderswo.<br \/>\nZur Frage nach dem \u201eWie ging es f\u00fcr Dich weiter\u201c muss ich \u00e4hnlich wie Agnes sagen, dass ich die Arbeit in der Graswurzelwerkstatt f\u00fcr die gewaltfreien Aktionsgruppen wieder als Privileg empfunden habe. Schon durch meine Arbeit in London bei der WRI, wo ich u.\u2009a. viel \u00fcber gewaltfreie Aktionen und Bewegungen weltweit lernte, wie auch in meinen fr\u00fchen pr\u00e4genden Jahren bei der Naturfreundejugend und die Arbeit in Offenbach f\u00fcr den Ostermarsch und den Verband der Kriegsdienstverweigerer konnte ich f\u00fcr Entwicklungen aktiv sein, die mir wichtig waren, ohne das \u00fcbliche kapitalistische System \u00fcber Geb\u00fchr zu unterst\u00fctzen. Alle diese Jobs sind mir fast in den Scho\u00df gefallen, auch der in der Graswurzelwerkstatt. Das passte alles zusammen. Ein Geschenk, dass ich nach Jahrzehnten normaler B\u00fcroarbeit dann \u00fcber 16 Jahre hin in diesen Bewegungsb\u00fcros arbeiten konnte. So hatte ich die M\u00f6glichkeit \u2013 damals und immer noch \u2013 im GWR-\u2028Herausgeber*innen-Kreis mitzuwirken, z.\u00a0B. Berichte aus anderen L\u00e4ndern und Bewegungen zu \u00fcbersetzen, Korrektur zu lesen, an Diskussionen teilzunehmen.<\/p>\n<p><strong>Was gef\u00e4llt Dir an der GWR?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: Die anarchistische Zeitungslandschaft ist in den letzten Jahren ausged\u00fcnnt \u2013 viele Printmedien sind im gro\u00dfen Zeitungssterben eingestellt worden. Umso wichtiger ist es, dass die GWR weiterhin libert\u00e4re Positionen vertritt und auch auf Papier zug\u00e4nglich macht. Dass die GWR so eine gro\u00dfe Bandbreite an Themen abdeckt und gegen alle Formen von Diskriminierung und Ausbeutung Position bezieht, macht sie in Zeiten der Rechtsentwicklung vollends unverzichtbar.<br \/>\nUnd last but not least: Die entschiedene Haltung gegen die allgemeine Kriegstreiberei. W\u00e4hrend nicht nur der Mainstream, sondern auch Teile linker Bewegungen in den gro\u00dfen Kriegstaumel verfallen sind und Waffenlieferungen bef\u00fcrworten, h\u00e4lt die GWR weiterhin ihre klare Haltung zu Gewaltfreiheit und Antimilitarismus aufrecht. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Was ausgebaut werden k\u00f6nnte, ist die engere Vernetzung mit jungen sozialen Bewegungen und mit Gruppen in Regionen, in denen keine GWR-Mitherausgeber*innen oder Stamm-Autor*innen leben.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Agnes: F\u00fcr mich ist es sehr beeindruckend, wie die Graswurzelrevolution seit \u00fcber 50 Jahren durch \u00fcberwiegend ehrenamtliches Engagement gehalten wird! Menschen, die so viel Herzblut und Lebenszeit einbringen \u2013 ohne die w\u00fcrde es die Graswurzel nicht mehr geben! Im Besonderen fasziniert bin ich von Helga! Alles Gute zum 90. Geburtstag!<br \/>\nMit meinem Teil der Arbeit zum Gelingen und Erscheinen jeder einzelnen Ausgabe beizutragen, macht mich auch ein bisschen stolz. Besonders gef\u00e4llt mir die Arbeit im GWR-Archiv. Beim R\u00e4umen und Sortieren alter GWR-Ausgaben kommen mir die Titelseiten und Schlagzeilen manchmal erschreckend aktuell vor!<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Mir gef\u00e4llt, dass die GWR ein Sprachrohr f\u00fcr politische emanzipatorische Bewegungen ist, bei der jede*r Texte vorschlagen kann. Ich mag die Mischung aus Bewegungspolitik, Berichten aus sozialen Bewegungen und Theorie. Die Theorie-Texte haben aber leider oft zu wenige Zwischen\u00fcberschriften und die Sprache ist oft sehr akademisch.<\/p>\n<p>Kerstin: Die GWR ist deshalb so toll, weil hier keine Jour-nalist:innen schreiben, sondern die Aktivist:innen aus ihrem Alltag und ihrer politischen Arbeit berichten. Wie Agnes es sagt: Man sp\u00fcrt das Herzblut der Menschen! Ich kann aber auch C\u00e9ciles Einwand verstehen, dass die Sprache oft zu akademisch ist. Das geht auch auf meine Kappe \u2013 daran m\u00fcssen wir arbeiten.<\/p>\n<p>Luna: Was ich sehr sch\u00e4tze an der GWR ist die klare antimilitaristische Ausrichtung. Ich bin in einer politischen Generation sozialisiert worden, die gar nicht mehr wusste, wie sie zu Krieg steht. Ich habe um mich herum in den letzten Jahren eine gro\u00dfe Sprachlosigkeit und Orientierungslosigkeit erlebt, was das Thema betrifft. Das \u00e4ndert sich mit den aktuellen Entwicklungen wieder ein wenig. Ich denke, es m\u00fcssen wieder Br\u00fccken zwischen Politgenerationen hergestellt und Erfahrungswissen vergangener politischer K\u00e4mpfe weitergegeben werden, um uns gegen den Krieg zu organisieren. Darin sehe ich ein Potenzial der GWR!<\/p>\n<p>Helga: Aus vielen Gr\u00fcnden ist es gro\u00dfartig, dass es die GWR immer noch gibt. Ich kann Allem, was hier gesagt wurde, nur zustimmen. Mir gef\u00e4llt, dass die GWR gegen den Strom schwimmt und daf\u00fcr gute Argumente hat sowie ihre Haltung u.a. zur Gewaltlosigkeit und zum Antimilitarismus trotz Gegenwindes aufrechterh\u00e4lt. Ich wei\u00df von ein paar fr\u00fcheren Graswurzlerinnen, dass sie deswegen die GWR seit einiger Zeit wieder abonniert haben, gerade wegen des Mutmacheffekts dieses Alleinstellungsmerkmales, wie es Silke formuliert hat. Unabh\u00e4ngig von all den \u00dcbereinstimmungen bin ich begeistert davon, dass wir die Zusammenarbeit von Jung und Alt ganz gut praktizieren k\u00f6nnen, es selten Alters-Vorurteile gibt und wir uns immer wieder bem\u00fchen (ja, auch m\u00fcssen), aufeinander zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Was fehlt Dir? Welche Themen sollten mehr Platz in der GWR bekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: Prinzipiell hat sich da in den letzten Jahren vieles getan. Die GWR war schon immer offen f\u00fcr unterschiedliche Themen, aber mein Eindruck ist, dass die Palette noch breiter geworden ist. Was ausgebaut werden k\u00f6nnte, ist die engere Vernetzung mit jungen sozialen Bewegungen und mit Gruppen in Regionen, in denen keine GWR-Mitherausgeber*innen oder Stamm-Autor*innen leben. Allen Leser*innen, die einzelne Themen vermissen, kann ich nur zum guten alten Do-it-yourself-Prinzip raten: Meldet euch bei der Redaktion und steuert einen Artikel bei!<\/p>\n<p>Agnes: Da kann ich mich nur anschlie\u00dfen. Die \u00dcbergabe wertvollen Wissens an die n\u00e4chste Generation von Graswurzelunerm\u00fcdlichen steht an! Es gibt viel Gestaltungsspielraum!<br \/>\nZudem freue ich mich immer \u00fcber mutmachende und hoffnungsvolle Projekte und Aktionen &#8211; wer die Graswurzel liest, sollte gest\u00e4rkt und voller Tatendrang in die Welt gehen.<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Die n\u00e4chste Generation, genau. Der GWR t\u00e4te es sicherlich gut, wenn mehr junge Menschen mit ihren Themen und Ideen im Herausgeber*innenkreis aktiv w\u00e4ren. Manchmal h\u00e4tte ich gern etwas mehr Gelassenheit im Herausgeber*innenkreis bei Diskussionen, wo sich nicht alle einig sind oder im Umgang mit Kritik von au\u00dfen an der Zeitung. Und etwas mehr Offenheit f\u00fcr neue Themen und Begriffe. Ich erinnere mich an eine Unterhaltung \u00fcber den Begriff \u201eAbleismus\u201c, der f\u00fcr behinderte Menschen ein wichtiger Begriff ist, der die strukturelle Ebene der Diskriminierung, die sie tagt\u00e4glich erleben, einschlie\u00dft. Ja, Sprache wandelt sich und es ist gut so. Es ist wichtig, daf\u00fcr offen zu sein.<\/p>\n<p>Kerstin: Ich finde nicht unbedingt, dass ein bestimmtes Thema fehlt, aber ich schlie\u00dfe mich den anderen an, dass man versuchen k\u00f6nnte, ein j\u00fcngeres und diverseres Publikum zu erreichen und als zuk\u00fcnftige Autor:innen anzusprechen, zum Beispiel auch durch zielgruppengerechteren Online Content.<\/p>\n<p>Luna: Ich schlie\u00dfe mich den anderen an: Mehr Anbindung an junge Bewegungsdiskurse und K\u00e4mpfe! Weniger Altlinke-M\u00e4nner-Kl\u00fcngelei, mehr offene Plattform. Das ist die GWR zwar dem Anspruch nach, sie wird aber in manchen Bewegungs-Kreisen zu wenig wahrgenommen. Das k\u00f6nnte sich beispielsweise durch eine gr\u00f6\u00dfere (erg\u00e4nzende, nicht ersetzende!) Social-Media-Pr\u00e4senz \u00e4ndern. Das Social-Media-Spiel widerstrebt mir zwar eigentlich, weil man damit eine gewisse digitale Logik mit-bedient, es ist aber unerl\u00e4sslich, um ein junges Publikum zu erreichen und Debatten mitzupr\u00e4gen. Aber vor allem das gezielte Zugehen auf j\u00fcngere linke Gruppen und Medienprojekte kann, denke ich, bereichernd sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32886\" aria-describedby=\"caption-attachment-32886\" style=\"width: 717px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-32886\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/daisy-lotta-illustration-daisylotta_com-take-it-to-the-streets.webp\" alt=\"Daisy lotta illustration daisylotta com take it to the streets\" width=\"717\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/daisy-lotta-illustration-daisylotta_com-take-it-to-the-streets.webp 717w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/daisy-lotta-illustration-daisylotta_com-take-it-to-the-streets-300x234.webp 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/daisy-lotta-illustration-daisylotta_com-take-it-to-the-streets-600x469.webp 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32886\" class=\"wp-caption-text\">Anarchafeminismus. Illustration: Daisylotta.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Helga: Das sehe ich auch so, dass wir \u201eNachr\u00fcckende\u201c brauchen. Das war einfacher in den Zeiten, als wir eine \u201eeigene Organisation\u201c, die F\u00f6GA (F\u00f6deration gewaltfreier Aktionsgruppen) hatten, als es Trainingskollektive gab, die auf gewaltlose Aktionen zivilen Ungehorsams vorbereiteten und mithalfen, dass die Menschen \u201egest\u00e4rkt und voller Tatendrang in die Welt gehen konnten\u201c. Ich w\u00fcnsche mir, dass die GWR in diesen herausfordernden Zeiten mit ihren Inhalten dazu beitr\u00e4gt, der verbreiteten Niedergeschlagenheit zu entkommen und gesellschaftsver\u00e4ndernd, d.\u2009h. f\u00fcr mich auf jeden Fall gesellschaftsverbessernd, zu wirken. Ist alles nicht so einfach, aber: Wat mut dat mut! Die alte Frage sollte immer neu gestellt werden \u201eWie wollen wir leben? Wie wollen wir das jetzt mal gleich beginnen, zu organisieren?\u201c \u201eWie k\u00f6nnen wir uns und alle anderen so st\u00e4rken, durch welche Trainings, dass wir uns den Mut zum Widerspruch, zum zivilen Ungehorsam aneignen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wie sieht Deine Utopie aus?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: F\u00fcr mich stehen Solidarit\u00e4t, gegenseitige Hilfe und selbstverwaltete Organisierung aller gesellschaftlichen Bereiche im Mittelpunkt. Mein Ziel ist eine Welt, in der Ausbeutung, Diskriminierung und Kriege der Vergangenheit angeh\u00f6ren und Konflikte gewaltfrei gel\u00f6st werden. Dazu k\u00f6nnte ich jetzt noch viel mehr sagen, aber das w\u00fcrde den Rahmen sprengen.<\/p>\n<p>Agnes: In meiner Utopie arbeiten Menschen nicht, um \u00fcber die Runden zu kommen, sondern sind mit einem bedingungslosen Grundeinkommen abgesichert. Dadurch werden sie gl\u00fccklicher und ges\u00fcnder und setzen sich f\u00fcr das ein, was ihnen wirklich wichtig ist. Eine friedliche und tolerante Gesellschaft, die jedem Menschen ein Grundvertrauen entgegen bringt, etwas Gutes aus sich hervorzubringen, k\u00e4me dabei heraus. Davon bin ich \u00fcberzeugt!<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Eine Welt in der Atomkraft, Kriege, Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung etc. nicht m\u00f6glich sind. Ein Systemchange mit Menschen und Natur im Mittelpunkt &#8211; frei von Esoterik. Ich bin f\u00fcr kleine Schritte f\u00fcr gro\u00dfe Tr\u00e4ume. Beeilen wir uns langsam die Welt zu ver\u00e4ndern. Das hei\u00dft, dass es nicht \u00fcberst\u00fcrzt sein soll, sondern gut \u00fcberlegt.<\/p>\n<p>Kerstin: Eine Welt ohne Grenzen, in der alle dorthin gehen und dort leben k\u00f6nnen, wo und wie sie wollen; in der alle eine reale Chance haben, ihre Lebensweise und die ihrer Gemeinschaft entscheidend mitzugestalten; in der alle genug zu essen haben und in der alle Kinder eine Zukunft haben, die sie selbst w\u00e4hlen und gestalten k\u00f6nnen, frei von Gewalt, Krieg und Unterdr\u00fcckung; in der nicht deine Herkunft z\u00e4hlt, sondern wer du bist und was du tust, und die frei ist von Autokrat:innen, Diktator:innen und Faschist:innen. Ist doch gar nicht so viel verlangt, oder?<\/p>\n<p>Helga: Mir war wohl immer zu viel Realit\u00e4t im Wege, um mich dem Tr\u00e4umen hingeben zu k\u00f6nnen. Aber Silke, Agnes, C\u00e9cile, Luna und Kerstin haben bereits so viele wunderbare Fernziele aufgef\u00fchrt, dass ich uns nur noch die Energie f\u00fcr Alle w\u00fcnsche, sich diesen Utopien zu n\u00e4hern. Dabei gilt es, die Voraussetzungen daf\u00fcr zu erforschen und zu schaffen: Eine davon ist sicher, wie Agnes formuliert hat, dass die Menschen einander ein\u2006 \u2006 Grundvertrauen entgegenbringen, damit sie Misstrauen und Vorurteile \u00fcberwinden. Gerne, wie C\u00e9cile schreibt, in kleinen Schritten. Ohne Vertrauen zueinander wird das nicht klappen. \u2013 Ja, Kerstin hat Recht, es ist nicht zu viel verlangt. Nicht von anderen, aber eben auch nicht von uns selbst. \u2013 Seien wir mutig \u2013 fangen wir an! \u2013 Oder richtiger, machen wir weiter!<\/p>\n<p>Luna: Eine solidarische Welt, in der viele Welten Platz haben und niemand Angst haben muss. Eine Welt der F\u00fcrsorge, Sch\u00f6nheit, St\u00e4rke und Verletzlichkeit. Weder Mensch noch Natur werden zu einer ausbeutbaren Ressource degradiert. Wenn wir konkreter werden wollen: \u00f6kologische, feministische R\u00e4tedemokratie!<\/p>\n<p><strong>Im Selbstverst\u00e4ndnis der GWR hei\u00dft es u.\u2009a.: \u201eWir k\u00e4mpfen f\u00fcr eine Welt, in der die Menschen nicht l\u00e4nger wegen ihres Geschlechtes oder ihrer geschlechtlichen Orientierung, ihrer Sprache, Herkunft, \u00dcberzeugung, wegen einer Behinderung, aufgrund rassistischer oder antisemitischer Vorurteile diskriminiert und benachteiligt werden.\u201c Wie k\u00f6nnen wir es schaffen, dass die immer noch recht \u201em\u00e4nnerlastige\u201c GWR diesem Anspruch gerechter wird?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: M\u00f6glichkeiten w\u00e4ren, noch mehr aktuelle feministische und queere Themen aufzugreifen, gezielt feministische Initiativen um Beitr\u00e4ge zu bitten und auch den queerfeministischen Diskurs st\u00e4rker mitzudenken. Vor allem aber will ich an dieser Stelle alle FLINTA* in der Leser*innenschaft einladen: Bringt euch durch Artikel und Rezensionen ein oder meldet euch bei Interesse an sonstiger Mitwirkung!<\/p>\n<p>Agnes: Im Abo- und Vertriebsb\u00fcro sind wir gar nicht m\u00e4nnerlastig! ;-)<br \/>\n&#8230;im Herausgeber*innenkreis aber schon. Diese Frage muss zusammen mit dem Generationenwechsel gedacht werden.<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Das frage ich mich immer wieder&#8230; Ich stimme da Agnes zu.<\/p>\n<p>Kerstin: Ich stimme auch zu. Mehr Frauen* sind immer gut, aber ich will auch keine M\u00e4nner \u201eloswerden\u201c oder sie davon abhalten, in Zukunft f\u00fcr die GWR zu schreiben. Feminismus ist doch ein Thema f\u00fcr alle Geschlechter, denn auch M\u00e4nner k\u00f6nnen unter diesen d\u00e4mlichen Geschlechtszuschreibungen leiden, werden zugerichtet von einer Gesellschaft, die in Schubladen operiert. Die Frage ist f\u00fcr mich also gar nicht unbedingt eine zahlenbezogene, z.\u2009B. indem wir gerne genauso viele M\u00e4nner wie Frauen im Heraus-geber:innenkreis h\u00e4tten, sondern f\u00fcr mich ist das vor allem eine inhaltliche Frage, also wie man Genderthemen generell noch sichtbarer machen und auch in anderen Fragestellungen mitlaufen lassen kann. Und dazu k\u00f6nnen m\u00e4nnliche Autoren genauso viel beitragen wie alle anderen Geschlechter. Vor allem in einem Umfeld wie der GWR, wo wir ja viele M\u00e4nner haben, die sich als Feministen verstehen.<\/p>\n<p>Helga: Das habe ich mich auch oft gefragt. Ist oder war da zu viel Theorie im Spiel? Aber warum sollten Frauen nicht an den anarchistischen Theorien so interessiert sein wie M\u00e4nner? Mir ist keine Antwort eingefallen. Leider war ich an den Diskussionen auch nicht beteiligt, weil ich mich dem Ganzen gegen\u00fcber verantwortlich f\u00fchlte, nicht einer Art Aufspaltung. \u2013 Aber ich erinnere mich an die BI in Kassel gegen ein AKW in der N\u00e4he, da waren wir \u00fcberwiegend Frauen. Auch daf\u00fcr gab es damals keine Erkl\u00e4rung. Allerdings waren die meisten der Frauen bereits M\u00fctter und sahen ihre Aktivit\u00e4ten als \u201ef\u00fcr das Leben\u201c auf diesem Hintergrund. \u2013 Ganz andere Themen also? Es bleibt mir ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p><strong>Angesichts von Klimawandel, Artensterben und Rechtsruck, welche Perspektiven f\u00fcr eine Gesellschaft jenseits von Patriarchat, Herrschaft und Gewalt siehst Du?<\/strong><\/p>\n<p>Silke: Das ist eine schwierige Frage. In so schwierigen Zeiten m\u00fcssen wir wohl realistisch sein und uns darauf beschr\u00e4nken, Rechtsentwicklung, globales Wettr\u00fcsten und Klimawandel zumindest zu verlangsamen. Aber auch wenn sie nicht in greifbarer N\u00e4he sind, d\u00fcrfen wir unsere Utopien und unsere politischen \u00dcberzeugungen nicht aus den Augen verlieren, sondern weiterhin konsequent vertreten.<\/p>\n<p>Agnes: Solange es Menschen gibt, die sich mutig und entschlossen f\u00fcr eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft einsetzen, gibt es Grund zur Hoffnung!<\/p>\n<p>C\u00e9cile: Ich bin pessimistisch und habe Angst vor der Zukunft. Der Rechtsruck gef\u00e4hrdet alles: unsere Grundrechte, unser Leben, die Umwelt. Aber das bedeutet, dass ich erst recht f\u00fcr eine bessere Welt k\u00e4mpfe. Aus meiner Angst und Wut wird Energie. Und Aktivismus kann auch Spa\u00df machen. Das ist wichtig. Der Erfolg einer Aktion, der Austausch mit anderen Aktivist*innen, die Verbindung meiner Leidenschaft, das Klettern, mit Aktivismus\u2026 Wer mein im Verlag Graswurzelrevolution erschienenes Buch \u201eKommen Sie da runter!\u201c liest, versteht dann besser was ich damit meine.<\/p>\n<p>Kerstin: Ich habe auch Angst und bin oft wirklich traurig und resigniert. Ich bin aber auch zum Optimismus gezwungen, denn wenn ich meine Tochter sehe und mir ihre Zukunft ausmale, dann will ich zumindest alles in meiner M\u00f6glichkeit Stehende unternommen haben, um ihr Leben bestm\u00f6glich zu gestalten. Das gibt mir dann Kraft, um weiterzumachen. Hoffnung gibt es immer, solange Menschen zusammenkommen und was verbessern wollen.<\/p>\n<p>Luna: Ich bin auch oft Hoffnungs-Suchend. Hoffnung geben mir aber all meine Freund*in-nen, die von politischer Entschlossenheit getragen sind und wissen, dass es keine Alternative zur gemeinsamen Organisierung, zum gemeinsamen politischen Kampf gibt, wenn wir einen Ausweg finden wollen. Ich sehe Hoffnung vor allem in Initiativen, die sich nicht in kurzfristigen Abwehrk\u00e4mpfen verlieren, sondern langfristige Beziehungs- und Aufbauarbeiten machen, wie zum Beispiel in revolution\u00e4re Stadtteilorganisationen. Auch die Anbindung an internationalistische Bewegungen ist best\u00e4rkend und kann uns hier inspirieren. Hoffnung gibt, dass es so viele junge Menschen gibt, die den gegenw\u00e4rtigen Zust\u00e4nden nichts abgewinnen k\u00f6nnen. Mit denen k\u00f6nnen wir eine neue Welt aufbauen. Und uns dabei in Geduld \u00fcben. Hektik macht dumm, hat mal eine gute Genossin zu mir gesagt.<\/p>\n<p>Helga: So schwer es auch ist, wir haben keine Wahl \u2013 wir m\u00fcssen zuversichtlich sein, dass Vieles an positiven Ver\u00e4nderungen gelingen wird. Als Letzte in dieser kleinen Runde kann ich den meisten \u00c4u\u00dferungen von Luna, C\u00e9cile, Silke, Agnes und Kerstin zustimmen. So viel Hoffnungsvolles haben sie bereits benannt. \u2013 Und entgegen allen politischen und milit\u00e4rischen Gegenstr\u00f6mungen f\u00fchle ich mich ermutigt durch das, was Freund*innen und ganz unterschiedliche Gruppierungen in den USA an Widerstand gegen die Trump-Politik organisieren (siehe Artikel von Rivera Sun in der GWR 499). \u2013 Das macht mir Mut.<\/p>\n<p>Interview (per PAD):<br \/>\nBernd Dr\u00fccke<\/p>\n<p>Reicht das aus?<br \/>\nHelgas Nachtrag zum Graswurzelrevolution\u00e4rinnen-Interview<\/p>\n<p>Eine Frage, die von Bernd noch nicht gestellt wurde, der wir uns aber stellen m\u00fcssen, ist, ob es f\u00fcr diese wunderbaren Utopien ausreicht, 500 Ausgaben GWR zu machen, selbst wenn es in weiteren 53 Jahren eine Nummer 1.000 geben sollte. Solche Ziele sind nicht mit ein paar Bogen Papier zehn Mal im Jahr zu erreichen. Das wissen wir eigentlich alle. \u2013 Ich erinnere mich begeistert an das pulsierende Leben der vielen Gewaltfreien Aktionsgruppen, deren Aktivit\u00e4ten uns immer wieder befl\u00fcgelten auf dem Weg zu den Utopien. Wir hatten damals die Zeitung nicht allein im Blick, sondern sahen alles im Verbund mit diesen Gruppen, auch neben anderen Organisationen, die sich der Gewaltlosigkeit verpflichtet sehen.<\/p>\n<p>Hier einige Organisations-Schnipsel aus den Anf\u00e4ngen, die r\u00fcckblickend noch Mut machen. \u2013 Wat mut dat mut auch erz\u00e4hlt werden!!!: \u2013 Ohne Garantie auf Vollst\u00e4ndigkeit.<br \/>\n\u2022 Die Graswurzler hatten eine Art \u201eGesch\u00e4ftsstelle\u201c zur \u00fcberregionalen Koordination der Gruppen \u2013 die \u201eGraswurzelwerkstatt\u201c, ab 1974 f\u00fcr acht Jahre in Kassel, anschlie\u00dfend \u00fcbernommen von Mitgliedern der GA G\u00f6ttingen und zum Schluss bis Anfang der 1990er Jahre in K\u00f6ln mit Menschen aus der dortigen Gewaltfreien Aktionsgruppe.<br \/>\n\u2022 Die Verbindung zwischen den Gruppen war der Koordinationsrat (Korat-Treffen 3\u20134x j\u00e4hrlich) und zur Au\u00dfendarstellung die leider kurzlebige F\u00f6deration gewaltfreier Aktionsgruppen, die f\u00fcr eine Weile auch Herausgeberin der GWR gewesen ist und intensiv an der Organisierung der Gro\u00dfdemonstrationen in Bonn gegen die Mittelstreckenraketen beteiligt war.<br \/>\n\u2022 Eine vervielf\u00e4ltigte A4-Zeitung (getippt auf Wachsmatritzen) mit einer Auflage von ca. 800 einmal monatlich, der INFOrmationsdienst f\u00fcr gewaltfreie Organisatoren, fungierte als internes Diskussionsforum, f\u00f6rderte den Austausch \u00fcber Strukturen, Aktionsvorbereitungen sowie deren Auswertung und informierte \u00fcber \u00e4hnliche Experimente anderswo.<br \/>\n\u2022 Dazu die wechselnden Redaktionssitze und Vertriebsstellen der GWR (zur Vermeidung von Zentralisation) sowie eine Frauen-Lesben-GWR-Redaktion in M\u00fcnchen und viel sp\u00e4ter eine feministische Frauen-Redaktion \u2013 ganz dezentral, in M\u00fcnster und in Heidelberg.<br \/>\n\u2022 Warum die Idee eines F\u00f6GA-Frauen-Korates nicht gegriffen hat, ist nicht klar. \u2013 Tja, niemand scheint die Geschichte dieser lebendigen Experimente aufgeschrieben zu haben.<br \/>\n\u2022 Eine F\u00f6GA-Frauen-Gruppe traf sich \u00fcberregional \u00fcber Jahre hin, sogar noch lange, nachdem die F\u00f6GA zur Ruhe gebettet wurde.<br \/>\n\u2022 Zur F\u00f6rderung zielgerichteter Diskussion und Organisierung der Zivildienstverweigerung und entsprechenden Hilfen f\u00fcr die Verweigerer gr\u00fcndete sich die Gruppe Kollektiver Gewaltfreier Widerstand gegen Militarismus (KGW) mit eigenem Rundbrief.<br \/>\n\u2022 Ebenso bildete sich das bundesweite \u201eTrainingskollektiv\u201c zur Vorbereitung auf gewaltfreie Aktionen jeglicher Art.<br \/>\n\u2022 Zweiw\u00f6chige Sommerlager, um gemeinsam ein anderes Leben einzu\u00fcben oder sich das Handwerkszeug f\u00fcr gewaltlose Aktionen anzueignen, fanden u.\u2009a. am Kaiserstuhl mit Seminar \u00fcber Atomkraftwerke und Aktionen in Freiburg und auch auf Hallig Hooge statt. Ebenso wie die regelm\u00e4\u00dfigen Treffen zwischen den Jahren. \u2013 Immer stand auch die GWR im Mittelpunkt, um weitere ehrenamtliche Mitwirkende zu gewinnen und die aktuellen Themen zu diskutieren.<br \/>\n\u2022 Nicht zu vergessen das Sommerlager in Herford, bei dem ein alter Schweinestall umgebaut werden sollte in eine selbst organisierte Graswurzel-Schule \u2013 musste leider aufgegeben werden, obwohl schon die Diskussionen \u00fcber das Wie gut liefen und der Umbau gut angefangen hatte.<br \/>\n\u2022 Wer erinnert sich noch an die Namen besetzter Pl\u00e4tze von AKWs oder Mittelstreckenraketen-Orten, an denen die gewaltfreien Aktionsgruppen beteiligt waren? Oder an die Blockade des Milit\u00e4rflughafens Ramstein wegen unsinniger Flug\u00fcbungen? Hier eine Auswahl: Mutlangen, Gro\u00dfengstingen, Hunsr\u00fcck (wo auch F\u00f6GA-Frauen \u00fcber Monate ausharrten), Brokdorf, Hamm-Uentrop, Grohnde, Borken bei Kassel, Wackersdorf und Gorleben (u.a. Gro\u00dfauftritt der Trainingskollektive). Die Aktionen gegen die elektronischen Waffenmessen in Wiesbaden und Hannover f\u00fchrten sogar dazu, dass sie in andere L\u00e4nder verlegt wurden. Leider demn\u00e4chst zur\u00fcck in Hannover, wie man in der GWR k\u00fcrzlich lesen konnte.<br \/>\n\u2022 Dazu noch die von der WRI initiierten und von den Graswurzlern mitgetragenen \u201eInternationalen gewaltfreien M\u00e4rsche zur Entmilitarisierung\u201c mit Sommerlagern als Basis u.\u2009a. in Holland, Frankreich und Deutschland, durch die das politische Leben einer Vielzahl junger Menschen erst begann.<br \/>\n\u2022 Auf diesen Hintergr\u00fcnden entstanden schon fr\u00fch Verlag und Versandbuchhandlung Weber &amp; Zucht (Kassel) mit der Absicht, den Gruppen Erfahrungsberichte aus anderen L\u00e4ndern verf\u00fcgbar zu machen, gleichzeitig der Z\u00fcndh\u00f6lzchen-Verlag von Frank Schenker in Stuttgart mit Berichten aus der Alternativbewegung und sp\u00e4ter der Buchverlag der Graswurzelrevolution in Heidelberg. Es w\u00e4re spannend, zu sammeln, was bereits geschrieben wurde, um aus Fehlern und Erfolgen dieser wunderbaren Zeit zu lernen. Wer wagt es?<br \/>\nHelga Weber-Zucht<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GWR: Kannst Du dich bitte vorstellen? Silke: Ich bin Silke und war 2021\/2022 eineinhalb Jahre lang in der GWR-Redaktion t\u00e4tig. Vorher hatte ich schon \u00f6fter Artikel beigesteuert \u2013 und das mache ich selbstverst\u00e4ndlich auch heute noch. Agnes: Mein Name ist Agnes und ich arbeite seit inzwischen sechs Jahren im GWR-Abo- und Vertriebsb\u00fcro in Freiburg. C\u00e9cile: &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/06\/graswurzelrevolutionaerinnen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":32881,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Graswurzelrevolution\u00e4rinnen - graswurzelrevolution","description":"GWR: Kannst Du dich bitte vorstellen? Silke: Ich bin Silke und war 2021\/2022 eineinhalb Jahre lang in der GWR-Redaktion t\u00e4tig. 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