{"id":32890,"date":"2025-06-30T19:41:20","date_gmt":"2025-06-30T17:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/?p=32890"},"modified":"2025-06-30T19:41:20","modified_gmt":"2025-06-30T17:41:20","slug":"nieder-mit-dem-krieg-keine-r-muss-mehr-toeten-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/06\/nieder-mit-dem-krieg-keine-r-muss-mehr-toeten-lernen\/","title":{"rendered":"\u201eNieder mit dem Krieg \u2013 keine\/r muss mehr t\u00f6ten lernen!\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der Zeitung las ich schon vor vielen Jahren, dass deutsche Soldaten in Bosnien Krieg f\u00fchren. In der Zeitung las ich, dass Radfahrer in den USA nicht nur Helme tragen, um bei Unf\u00e4llen den Kopf zu sch\u00fctzen, sondern sich auch Gasmasken \u00fcber das Gesicht ziehen, damit sie sich durch die Abgase der fahrenden oder im Stau stehenden Autos nicht vergiften. Abgebildet ist ein Radfahrer mit Gasmaske. Im Hintergrund steht ein kleines M\u00e4dchen. Das kleine M\u00e4dchen bin ich. Um den Bauch tr\u00e4gt es eine blaue G\u00fcrteltasche aus Segeltuch mit roten Lederpaspeln. Darin ist eine Gasmaske. Das M\u00e4dchen hat sie oft zu Hause zur Probe aufgesetzt, weil die \u00e4ngstliche Gro\u00dfmutter das so wollte. Es geht zum Bunker, nicht weit vom Siedlungsh\u00e4uschen. Unterwegs sieht es einen Mann, er hat eine Waschsch\u00fcssel aus Emaille auf den Kopf gesetzt, aus Angst vor Bombenhagel. Die Nachbarin sagt, er tickt nicht richtig. Die Gro\u00dfmutter erkl\u00e4rt dem M\u00e4dchen, dass dies (leider) kein ausreichender Schutz sei. Nach \u201eKriegsende\u201c will das M\u00e4dchen die G\u00fcrteltaschen nicht tragen, obwohl sie so modern sind. Das M\u00e4dchen f\u00e4hrt ohne Helm Fahrrad, nie wieder will es eine Gasmaske tragen, und niemals wird es M\u00e4nner verstehen, die sich Stahlhelme aufsetzen und in den Krieg ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"Heute\"><\/a>Heute fragt sich eine alte Frau: Warum haben die Menschen nichts aus den Erfahrungen der beiden gro\u00dfen Weltkriege mit den vielen Verlusten gelernt? Warum herrscht \u2013 auch bei weiten Teilen der Feministinnen \u2013 die Ansicht vor, man k\u00f6nnte, indem man Bomben auf ein Land wirft, Konflikte l\u00f6sen? Oder gar: das Volk vom Tyrannen befreien? In dem Aufruf \u201eFrieden schaffen\u201c, der aus der \u201aMitte der Gesellschaft\u2018 kommt, hei\u00dft es: \u201eDie Welt darf nicht in einen neuen gro\u00dfen Krieg hineinschlittern. Die Welt braucht Frieden. Das Wichtigste ist, alles f\u00fcr einen schnellen Waffenstillstand zu tun, den russischen Angriffskrieg zu stoppen und den Weg zu Verhandlungen zu finden.\u201c Die Unterzeichner*innen wenden sich gegen Aufr\u00fcstung und Militarisierung, denn sie kennen die Auswirkungen der furchtbaren Weltkriege, vor denen (nicht nur) Bertha von Suttner, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Luise Zietz, August Bebel und viele andere bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts gewarnt hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rosa Luxemburg hielt im Herbst 1913 in Frankfurt am Main eine Rede, in der sie den Proletarier*innen die Gefahren zeigte, denen sie entgegengingen, und worin sie die Worte sprach: \u201eWenn uns zugemutet werden soll, auf unsere franz\u00f6sischen Br\u00fcder zu schie\u00dfen, so sagen wir: Nein, das tun wir nicht!\u201c Das war ein Verbrechen, das von den Frankfurter Gerichten mit einem Jahr Gef\u00e4ngnis ger\u00e4cht wurde. Sie lie\u00df sich nicht schrecken und k\u00e4mpfte weiter gegen Militarismus und Krieg und f\u00fcr den Frieden.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>Heute scheinen Militarisierung und Kriege alternativlos.<\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland muss wieder kriegst\u00fcchtig werden. Das kostet Geld. Daf\u00fcr wird im Bildungs- und Sozialbereich ebenso gespart, wie im Kulturbereich. Die Waffenindustrie boomt, neue M\u00e4rkte, die Destrukte statt Produkte herstellen, entstehen und die Begeisterung, das Vaterland zu verteidigen, soll schon im Kindergarten und in der Schule geweckt werden. Wir fordern Friedenst\u00fcchtigkeit statt Kriegst\u00fcchtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was will dieser Veteranentag? \u201eEs geht um die Anerkennung derjenigen, die in letzter Konsequenz bereit sind, das \u00c4u\u00dferste f\u00fcr andere zu geben, und die ihr Leib und Leben f\u00fcr unser Land einsetzen.\u201c, sagt der Verteidigungsminister. Wir sagen: <strong>Wir brauchen keinen Veteranentag und einen nationalen schon gar nicht:<\/strong> Es geht um die Anerkennung derjenigen, die ihre Beteiligung an jedem Krieg verweigern und die sich damit f\u00fcr das Leben aller Menschen einsetzen.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Nieder mit den Kriegen! \u2013 \u00fcberall<\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir schaffen einen neuen attraktiven Wehrdienst, der zun\u00e4chst auf Freiwilligkeit basiert.\u201c So hei\u00dft es im gerade verabschiedeten Koalitionsvertrag der Bundesregierung in Deutschland. \u201eDie Betonung liegt auf zun\u00e4chst\u201c, sagte der Verteidigungsminister. Da hilft es wohl nichts, zu singen: \u201eNein, meine S\u00f6hne geb\u2018 ich nicht\u201c, wie es der Liedermacher Reinhard Mey mit seinen Freunden 1986 gesungen hat. Wenn es so weiter geht, wird die Vergangenheit die Zukunft sein \u2013 <strong>wenn wir keinen Widerstand leisten.<\/strong> Die ganze Welt scheint verr\u00fcckt zu spielen und viel zu viele spielen mit. Es sind nicht nur die Mitglieder und W\u00e4hler*innen von AfD und CDU\/CSU. Und es sind auch nicht nur die wehrt\u00fcchtigen Jungm\u00e4nner. Seit 2001 d\u00fcrfen auch Frauen in der Bundeswehr das T\u00f6ten lernen. Tanja Kreil hat das vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof erstritten. Frauen k\u00f6nnen mit dem Urteil vom 11. Januar 2000, das unter Verweis auf den Gleichheitsgrundsatz die \u00d6ffnung aller Dienste in den Streitkr\u00e4ften f\u00fcr Frauen fordert, \u00fcberall dabei sein. Die Idee f\u00fcr die EU-Klage hatten Alice Schwarzer und die damalige Staatssekret\u00e4rin im Verteidigungsministerium, Michaela Geiger (CDU). Unterst\u00fctzt wurden sie vom Bundeswehrverband.<strong> Als emanzipatorischer Erfolg kann das nicht gefeiert werden.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleiche Teilhabe an milit\u00e4rischen Positionen bedeutet auch gleiche Teilhabe an kriegerischen Auseinandersetzungen, an Auslandseins\u00e4tzen und an der T\u00f6tungsindustrie. Gleichberechtigung h\u00e4tte auch mit der Abschaffung der Dienste f\u00fcr alle erreicht werden k\u00f6nnen. Auch viele M\u00e4nner haben den Dienst bei der Bundeswehr verweigert. Ihnen h\u00e4tte die Solidarit\u00e4t emanzipierter Frauen gelten sollen. Selbst der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages erstellte im August 2003 ein Gutachten zur Zul\u00e4ssigkeit einer Dienstpflicht auch f\u00fcr Frauen, wie sie aktuell wieder diskutiert wird, und stellte fest, dass dem Grundsatz der Gleichberechtigung f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen entsprochen werden k\u00f6nnte, \u201edurch Erstreckung der Dienstpflicht auf Frauen oder durch komplette Abschaffung der Dienstpflicht\u201c. Zurzeit haben wir ein Heer von freiwilligen S\u00f6ldner*innen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frauen k\u00f6nnen heute mit Stahlhelm und Kampfanzug als Soldatinnen auch bei internationalen Eins\u00e4tzen dabei sein. Bald wurde die sexuelle Bel\u00e4stigung durch die \u201eKameraden\u201c zum Problem. \u201eSexuelle Bel\u00e4stigung am Arbeitsplatz ist auch in zivilen Berufen gang und g\u00e4be\u201c, tr\u00f6stete \u201eEmma\u201c (3\/2002).<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie jeder andere.<\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ist eine Institution, die t\u00e4glich f\u00fcr den Ernstfall \u00fcbt und auf absolutem Befehl und Gehorsam beruht. Sie schafft keine Arbeitspl\u00e4tze, sondern \u201eTodespl\u00e4tze\u201c (Robert Jungk). \u201eEine Soldatin riskiert heute nicht weniger als der Soldat an den Fronten fern der Heimat ihr Leben \u2013 oder zumindest eine lebenslange Traumatisierung\u201c, schrieb Emma in H 1\/2011. \u201eKeiner darf mehr fallen\u201c forderte K\u00e4the Kollwitz schon im Oktober 1918 im Vorw\u00e4rts (SPD) \u2013 und das hei\u00dft heute auch keine. Wir wollen, dass niemand mehr nirgends auf der Welt ermordet wird, weder von Soldatinnen noch von Soldaten \u2013 von niemandem und weder auf dem Schlachtfeld noch in den H\u00e4usern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Zeitung las ich schon vor vielen Jahren, dass deutsche Soldaten in Bosnien Krieg f\u00fchren. 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