{"id":3302,"date":"2000-05-01T00:00:45","date_gmt":"2000-04-30T22:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3302"},"modified":"2022-07-26T14:26:24","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:24","slug":"akw-im-erdbebengebiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/05\/akw-im-erdbebengebiet\/","title":{"rendered":"AKW im Erdbebengebiet"},"content":{"rendered":"<h3>Auftragsvergabe f\u00fcr den Kraftwerksbau<\/h3>\n<p>Um die Auftragsvergabe hatten sich bereits vor drei Jahren drei Konsortien beworben:<\/p>\n<p>(a) Nuclear Power International (NPI) Ein Konsortium unter Beteiligung von Siemens (D), Framatome (F), Garanti-Koza (TR) und Simko-STFA-Tekfen (TR). Mit einer Kapazit\u00e4t von 1.482 MW soll das AKW Strom f\u00fcr 2,56 Cents\/Kwh liefern und insgesamt 2,39 Mrd. US$ kosten.<\/p>\n<p>(b) Atomic Energy of Canada Limited (AECL) unter Beteiligung von Kvaerner (GB, N), John Brown (USA), Hitachi (J), Ansoldo (I), Guris-GAMA-Bayindir. Bei einer Kapazit\u00e4t von 1.339 MW und Erstellungskosten von 2,57 Mrd. US$ soll die Kilowattstunde 3.3 Cents kosten.<\/p>\n<p>(c) Westinghouse (USA, GB ((1))), Mitsubishi Heavy Ind. (J), Raytheone and Duke (USA) und ENKA Insaat (TR). Deren Angebot umfasst ein Kraftwerk mit 1.218 MW, welches 3,28 Mrd. US$. kosten soll und einen Strompreis von 3.35 Cents\/Kwh ergibt. ((2))<\/p>\n<p>Lange war NPI von der t\u00fcrkischen Atomernergiebeh\u00f6rde (T\u00fcrkiye Atom Enerjisi Kurumu, TAEK) favorisiert worden. Es war das kosteng\u00fcnstigste und, so zumindest die TAEK und die T\u00fcrkiye Elektrik \u00dcretim ve \u00ddletim A\u00de (TEA\u00de) ((3)) , technisch beste Angebot. Im Januar wurde dann durch die angesehene Zeitschrift &#8222;Nucleonics Week&#8220; ((4)) bekannt, dass die deutsche Bundesregierung eine Kreditb\u00fcrgschaft f\u00fcr das Gesch\u00e4ft nicht bef\u00fcrworten w\u00fcrde. Damit sanken die Chancen von NPI drastisch. Gleichzeitig wurde das Lobbying der verbleibenden Bieter intensiviert und die kanadische Regierung sagte bei einem Gebot von 2,57 Mrd. US$ eine Subvention von 1,0 Mrd. US$ zu. ((5))<\/p>\n<h3>AKW in direkter N\u00e4he einer Erdbebenspalte<\/h3>\n<p>Die Entscheidung \u00fcber die Auftragsvergabe zieht sich auch deshalb in die L\u00e4nge, weil sich in Adana und danach in Izmit schwere Erdbeben ereigneten. Es wurde bekannt, dass das U.S. Geological Survey in einem Radius von 60 Meilen um die geplante Baustelle seit 1973 insgesamt 31 Erdbeben registriert hat. ((6)) Professor Atilla Ulu\u00f0, Mitglied der Anti-Atomplattform und Erdbebenexperte best\u00e4tigte diese Angaben und f\u00fcgte hinzu, dass die zentrale Ecemis- Falte lediglich f\u00fcnf Kilometer von der Baustelle entfernt verl\u00e4uft. Der Turkish Daily News sagte Atillag Ulu\u00f0 &#8222;Die Region ist geologisch zu instabil, um darauf ein AKW zu betreiben. In dieser Region muss jederzeit mit einem starken Erdbeben gerechnet werden.&#8220; ((7))<\/p>\n<p>Am 09. M\u00e4rz, einen Tag bevor die Entscheidung \u00fcber dieAuftragsvergabe fallen sollte, wurde bekannt, dass Prof. Mustafa Erdik bereits im November 1999 einen Bericht an die TEA\u00de geschickt hatte, in dem er alle vorgetragenen Bedenken best\u00e4tigt. Prof. Erdik leitet die technische Abteilung im angesehenen Kand?ll? Observatorium und die Erdbebenforschung in der Bospurus-Universt\u00e4t Istanbul. Erdik konstatiert, dass das Gutachten, auf das sich die Auftragsvergabe st\u00fctzt, zehn Jahre alt ist und die neuesten Erkenntnisse aus der Erdebebenforschung nicht beinhaltet. Wie jetzt bekannt wurde, ist dieser Bericht bis zum ersten M\u00e4rz von der TEA\u00de nicht an die Regierung weitergeleitet worden. Die TEA\u00de war am ersten M\u00e4rz von der Regierung beauftragt worden, die Entscheidung \u00fcber die Auftragsvergabe am 10. M\u00e4rz bekannt zu geben. Aufgrund des bekannt gewordenen Berichtes wurde die Auftragsvergabe auf den 07. April verschoben. Kurz vor dem 07. April meldete sich der Finanzminister und brachte starke Bedenken zur Finanzierbarkeit ein. ((8)) Im kommenden Jahr sei die T\u00fcrkei nicht in der Lage, eine Garantie f\u00fcr die Finanzierung zu \u00fcbernehmen. Die Entscheidung ist weiter umstritten und \u00fcber den Ausgang wagt niemand eine klare Prognose. Zumindest haben alle drei Konsortien angek\u00fcndigt, ihre Angebote aufrechtzuerhalten. ((9))<\/p>\n<h3>Atomwaffenprogramm und Interessen der Parteien<\/h3>\n<p>In der \u00d6ffentlichkeit wurde bisher wenig diskutiert, welche Begehrlichkeiten im Hinblick auf Nuklearwaffen entwickelt werden, wenn der Schritt in die Atomtechnologie getan wird. Von Regierungsverantwortlichen wurde auf die Unterschrift unter den Vertrag \u00fcber die Nichtverbreitung von Atomwaffen verwiesen, nicht allerdings darauf, dass es der Vertrag zul\u00e4sst, mit einer Dreimonatsfrist aus dem Vertag auszusteigen. Deutlich wurde der t\u00fcrkische Verkehrsminister Enis Oksuz am 08. M\u00e4rz 2000, als er das Atomprogramm als den Einstieg in die Nuklearwaffentechnologie verteidigte. Er sagte in einer grossen Tageszeitung &#8222;Wenn Du die Atombombe erw\u00e4hnst, haben alle Angst, sie w\u00fcrde Menschen t\u00f6ten. Aber sie ist seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr verwendet worden. Eine solche Waffe in der Hand der T\u00fcrkei w\u00fcrde Sicherheit bedeuten. Sie verschafft Abschreckung.&#8220; ((10))<\/p>\n<p>Enis Oksuz ist Mitglied der extrem rechten, nationalistischen Partei Milliyetci Hareket Partisi (MHP &#8211; Nationalistische Bewegungs-Partei), die die zweitst\u00e4rkste Fraktion im Parlament und damit einen von drei Koalitionspartnern stellt.<\/p>\n<p>Im Streit innerhalb der Regierung, welchem der drei Konsortien der Auftrag zu \u00fcbergeben sei, tritt die MHP offen f\u00fcr das Konsortium unter F\u00fchrung der kanadischen AECL (Atomic Energy of Canada Ltd.) ein, weil es nach Angaben des verstorbenen F\u00fchrers der MHP, T\u00fcrkes, auch Technologie f\u00fcr den Bau von Atomwaffen verspreche. ((11))<\/p>\n<p>Mesut Yilmaz, Vorsitzender der Mutterlandspartei (ANAP) und dritter Koalitionspartner, machte deutlich, was schon die unterschiedliche Beteiligung t\u00fcrkischer Gro\u00dfunternehmen an den drei Konsortien zeigt: Jede der in der Koalition beteiligten Parteien unterst\u00fctzt das Konsortium, welches seine Interessen am besten widerspiegelt. Seine Partei hatte dabei zun\u00e4chst das deutsche Angebot unterst\u00fctzt. Nachdem von der Bundesregierung keine Subventionen zugesagt wurden, unterst\u00fctzte die ANAP vor allem das us-amerikanische Angebot. Der Ministerpr\u00e4sident B\u00fclent Ecevit und mit ihm seine Partei, die BSP \u00e4u\u00dfern sich kritisch zum Kraftwerksbau. Ecevit \u00e4u\u00dferte mehrfach, er sei gegen einen Bau, sehe sich aber an die alten Vertr\u00e4ge gebunden.<\/p>\n<p>Der nationale Sicherheitsrat hat sich in den vergangenen Monaten mit \u00c4u\u00dferungen zur\u00fcckgehalten. Eine Stellungnahme des Sicherheitsrates k\u00e4me einer Entscheidung gleich. Anfang M\u00e4rz berichtete die Cumhuriyet, dass der angesehene Direktor des nationalen Energieausschusses, Ibrahim Kavrako\u00f0lu, dem nationalen Sicherheitsrat seine Bedenken vortrug. Ein AKW w\u00e4re mit den Interessen der T\u00fcrkei unvereinbar und w\u00fcrde neue Risiken hervorrufen. Ein AKW zu betreiben bedeute nicht, einen wirklichen Schritt in die Nukleartechnologie zu tun. \u00c4hnlich wie Turkish Airlines zwar Flugzeuge benutze, aber nicht \u00fcber Luftfahrttechnologie verf\u00fcge. W\u00e4hrend Flugzeuge aber einen Beitrag zum Tourismus lieferten, seien AKW&#8217;s eine Quelle der Angst und 10% Einbu\u00dfen aus den Tourismusgesch\u00e4ft w\u00fcrden sich auf 1 Milliarde US $ j\u00e4hrlich belaufen. Zu den Energiebedarfsrechnungen \u00e4u\u00dferte er ernste Bedenken.<\/p>\n<h3>Wieviel Energie braucht die T\u00fcrkei?<\/h3>\n<p>Um den Bau der geplanten zehn Kraftwerke zu verteidigen, werden die Regierungsmitglieder nicht m\u00fcde, den Energiebedarf der T\u00fcrkei f\u00fcr die Zukunft hochzurechnen. F\u00fcr das Jahr 2000 wird ein Gesamtverbrauch von 134 Milliarden kWh erwartet. Die Prognose f\u00fcr das Jahr 2020 betr\u00e4gt 546 Milliarden kWh. Begr\u00fcndet wird dieser Anstieg mit der geplanten Industrialisierung des S\u00fcdostens und einem ver\u00e4nderten Lebensstil der Privathaushalte. Der steigende Stromverbrauch sei Folge und gleichzeitig Voraussetzung daf\u00fcr, dass sich die t\u00fcrkische \u00d6konomie an westeurop\u00e4ische Standards anpasse. Die T\u00fcrkei produziert zur Zeit etwa 92% des eigenen Bedarfs selbst und importiert Elektrizit\u00e4t aus Bulgarien, dem Iran und Georgien. Ein Stromimport aus Syrien wird erwogen. ((12)) Die Hochrechnungen gleichen denjenigen, mit denen bereits im Jahr 1970 ein AKW begr\u00fcndet werden sollte. Damals war f\u00fcr das Jahr 2000 ein Bedarf von 200 Milliarden kWh prognostiziert worden. Inzwischen sind in den Nachbarl\u00e4ndern der T\u00fcrkei reiche Gas- und \u00d6lvorkommen gefunden worden. Ein Gaskraftwerk l\u00e4\u00dft sich in einem Viertel der Zeit und zu erheblich niedrigeren Kosten errichten. Diese Ressourcen und die erst zur H\u00e4lfte genutzten M\u00f6glichkeiten aus der Wasserkraft k\u00f6nnen den Bedarf der T\u00fcrkei decken. ((13))<\/p>\n<p>Im Januar 2000 wurde in verschiedenen Regionen der T\u00fcrkei der Strom t\u00e4glich f\u00fcr zwei Stunden abgestellt. Bis vor einem Monat war die Region von Akkuyu und Mersin besonders betroffen. Dort, wo das Kraftwerk gebaut werden soll, war der Strom t\u00e4glich vier Stunden unterbrochen. Zun\u00e4chst lie\u00df das Energieministerium verlautbaren, dass die &#8222;drastischen Einsparungsma\u00dfnahmen&#8220; unumg\u00e4nglich seien und die t\u00e4glichen Strompausen sich ohne den Bau von Kraftwerken drastisch verl\u00e4ngern w\u00fcrden. Nach zahlreichen Protesten aus der Opposition und den Medien r\u00e4umte der Minister Ers\u00fcmer ein, dass die Stromversorgung aus technischen M\u00e4ngeln unterbrochen werden musste. ((14))<\/p>\n<p>Die Kammer der ElektroingenieurInnen in Izmir (EMO) setzt hier ihre Kritik an. Die Energiekrise der T\u00fcrkei sei keine Frage der fehlenden Ressourcen sondern eine des schlechten Managements. Ein AKW stelle keine L\u00f6sung dar, weil es nicht helfe, das veraltete Leitungsnetz und die Infrastruktur zu erneuern. Nach Berechnungen der EMO verliert das Leitungsnetz 20% mehr an Energie, als notwendig. Damit geh\u00f6re es zu den schlechtesten der Welt. Dieser Verlust sei auch durch die geplanten 10 Atomkraftwerke nicht zu kompensieren. ((15))<\/p>\n<h3>Protest aus dem Ausland<\/h3>\n<p>Am zweiten M\u00e4rz meldete sich die griechische Regierung zu Wort und legte eine Studie vor, die f\u00fcr einen GAU eine atomare Verseuchung Athens nach zwei bis maximal drei Tagen berechnet. Sie warnt auch vor m\u00f6glichen Folgen f\u00fcr die Natur und den Tourismus, da das Kraftwerk u.a. mit Wasser aus dem Mittelmeer gek\u00fchlt werden soll. Der Au\u00dfenminister von Zypern, Ioannis Cassoulides, protestierte mit \u00e4hnlichen Bef\u00fcrchtungen ebenfalls gegen den geplanten Bau. Akkuyu liegt direkt n\u00f6rdlich von Zypern. ((16)) Im Ton sind die Proteste aber verhalten und es ist das deutliche Bem\u00fchen zu erkennen, den Kraftwerksbau nicht zu einem zwischenstaatlichen Problem werden zu lassen.<\/p>\n<h3>Protest- und Widerstandsbewegung<\/h3>\n<p>In der direkt betroffenen Region, aber auch in verschiedenen St\u00e4dten regen sich bereits seit Jahren Proteste. Sie nahmen seit dem Herbst zu und erreichten Ende Dezember &#8217;99 ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt. Dabei verwenden die AktivistInnen eine Vielzahl von Aktionsformen.<\/p>\n<p>Die Bewohner Akkuyus stimmten in einer Umfrage von Greenpeace und lokalen Gruppen mit 84% ((17)) gegen den Bau eines Kraftwerks. Ein breites B\u00fcndnis rief zum 25.12.99 zu einer Demonstration auf, zu der 2.500 Personen nach Mersin kamen. In Anbetracht der Tatsache, dass eine Busreise von Istanbul nach Mersin zwanzig Stunden und mehr dauern kann, eine beachtliche Zahl.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt der Protest von den Dorfbewohnern aus Bergama. Sie sind in der T\u00fcrkei f\u00fcr ihre unkonventionellen Aktionen gegen den geplanten Goldabbau mit Zyanid in ihrer Region bekannt. Die M\u00e4nner protestieren regelm\u00e4\u00dfig mit nackten Oberk\u00f6rper und \u00fcberschrieben eine Aktion im Dezember mit dem Slogan: &#8222;Wir wollen kein AKW. Nicht in Akkuyu noch anderswo&#8220; ((18))<\/p>\n<p>Unter verschiedenen Namen bildeten sich in den St\u00e4dten Ankara, Adana, Antalya, Eskiehir, Istanbul und Izmir Plattformen gegen den Bau von Atomkraftwerken in der T\u00fcrkei. An den Plattformen beteiligt sich ein breites Spektrum von Nichtregierungsorganisationen, deren einflussreichste VertreterInnen die Kammern der IngenieurInnen, Anw\u00e4ltInnen und \u00c4rztInnen sind. In den Wochen vor der immer wieder verschobenen Entscheidung \u00fcber die Auftragsvergabe traten diese Plattformen mit symbolischen Aktionen und Presseerkl\u00e4rungen auf. So k\u00fcndigte die Izmirer Plattform an, sie werden eine Kampagne gegen den Bau ins Leben rufen und jede Form von Protest unternehmen, um den Bau zu verhindern. ((19))<\/p>\n<p>In Istanbul erreichte ein \u00e4hnlich breites B\u00fcndnis am 1. M\u00e4rz mit einer symbolischen Aktion die \u00d6ffentlichkeit. Auf einem der zentralen Pl\u00e4tze, dem Taksim-Platz, lie\u00dfen AktivistInnen eine Sirene f\u00fcr Atomunf\u00e4lle ert\u00f6nen, fielen wie tot zu Boden und skandierten &#8222;Der Tod braucht keine Energie&#8220;. 45 von ihnen wurden vor\u00fcbergehend festgenommen. ((20)) Die \u00c4rzte traten bei einer Aktion im Dezember in Kitteln auf, skandierten &#8222;Eure \u00c4rzte wollen keine AKW&#8217;s&#8220; und zeigten Bilder von verkr\u00fcppelten Kindern, die nach dem GAU in Tschernobyl geboren wurden. Diese Bilder sind verbreitetes Material der Bewegung. Plakate, Brosch\u00fcren und Handzettel mahnen mit Fotografien dieser Art an die Unbeherrschbarkeit. Bei Demonstrationen zum geplanten Auftragsvergabetermin beteiligten sich drei Polizisten in Uniform an den Protesten und wurden zusammen mit anderen Beteiligte in Gewahrsam genommen.<\/p>\n<p>Als ein Erfolg der Protestbewegung kann betrachtet werden, das der Umweltminister Feyzi Aytekin \u00f6ffentlich zugeben muss, dass er \u00fcber die von Atomkraftwerken ausgehende Gefahr nicht informiert gewesen sei. W\u00e4hrend einer Konferenz in Mersin (I\u00e7el) am 02.02. luden ihn die DorfbewohnerInnen von B\u00fcy\u00fckeceli (Akkuyu) ein, sich die Umgebung anzusehen und sich besser zu informieren. Das lehnte der Minister ab. ((21))<\/p>\n<p>Die staatliche Repression auf die Anti-AKW-Bewegung kann f\u00fcr t\u00fcrkische Verh\u00e4ltnisse als massvoll bezeichnet werden. In aller Regel werden die AktivistInnen der Aktionen f\u00fcr einige Stunden auf die Polizeiwache mitgenommen, erkennungsdienstlich behandelt und wieder frei gelassen. Es folgt eine Anklage wegen Versto\u00df gegen das Versammlungsgesetz, ein Verfahren, dass eingestellt wird oder mit Geld- und Bew\u00e4hrungsstrafen endet. In den Medien wird relativ ausf\u00fchrlich berichtet und Pressemitteilungen von Protestgruppen finden immer wieder Eingang in die Printmedien.<\/p>\n<p>Die Bewegung, die auf den ersten Blick einen aktiven und geschlossenen Eindruck macht, ist gespalten. Dabei treten die Trennungslinien dort auf, wo die politischen Vorstellungen \u00fcber das eine Ziel, den AKW-Bau zu verhindern, hinausgehen. Gestritten wird \u00fcber die Frage, welche politische Organisation oder Partei innerhalb der Plattformen einen F\u00fchrungsanspruch anmeldet und durchzusetzen versucht. Die Plattform in Istanbul ist \u00fcber diese Auseinandersetzung handlungsunf\u00e4hig geworden. Verschiedene politische Str\u00f6mungen bilden dort ihre eigenen Plattformen, die an einer Kooperation nur m\u00e4\u00dfig interessiert sind.<\/p>\n<p>Trotz der guten Medienpr\u00e4senz wird der Einfluss der Protestbewegung auf die Entscheidung &#8211; auch von Aktiven der Bewegung selbst &#8211; als gering eingesch\u00e4tzt. Die Bedeutung der Proteste liegt m.E. darin, dass ein Politikmodell von sozialer Bewegung vorgestellt und f\u00fcr deren Handlungsm\u00f6glichkeiten geworben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auftragsvergabe f\u00fcr den Kraftwerksbau Um die Auftragsvergabe hatten sich bereits vor drei Jahren drei Konsortien beworben: (a) Nuclear Power International (NPI) Ein Konsortium unter Beteiligung von Siemens (D), Framatome (F), Garanti-Koza (TR) und Simko-STFA-Tekfen (TR). Mit einer Kapazit\u00e4t von 1.482 MW soll das AKW Strom f\u00fcr 2,56 Cents\/Kwh liefern und insgesamt 2,39 Mrd. 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