{"id":33062,"date":"2025-09-01T14:57:39","date_gmt":"2025-09-01T12:57:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/09\/widerstand-und-solidaritaet-in-lissabon\/"},"modified":"2025-10-15T00:28:22","modified_gmt":"2025-10-14T22:28:22","slug":"widerstand-und-solidaritaet-in-lissabon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/09\/widerstand-und-solidaritaet-in-lissabon\/","title":{"rendered":"Widerstand und Solidarit\u00e4t in Lissabon"},"content":{"rendered":"<p><strong>Spekulation und Wohnraumpolitik in Lissabon<\/strong><\/p>\n<p>In Portugal sind die Lebenshaltungskosten bereits vor der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine stark gestiegen. Die Inflationsrate f\u00fcr Lebensmittel lag dort 2022 bei 12,99 Prozent und 2023 bei 10,04 Prozent. Konkret bedeutet das, dass viele Lebensmittel in portugiesischen Superm\u00e4rkten \u00e4hnlich teuer oder teurer sind als in Deutschland. Damit h\u00e4lt der Anstieg der L\u00f6hne nicht Schritt. Der Mindestlohn f\u00fcr eine Vollzeitstelle in Portugal ist von 485 Euro im Jahr 2014 schrittweise auf 820 Euro brutto im Jahr 2024 gestiegen, nachdem er zuvor aufgrund der europ\u00e4ischen Sparauflagen im Rahmen der Troika-Politik mehrere Jahre lang eingefroren war. Dieser Anstieg auf fast das Doppelte in zehn Jahren ist, gemessen an den Ausgaben, zu wenig.<\/p>\n<p>Vor allem macht aber vielen Menschen der extreme Anstieg der Mieten stark zu schaffen. Die Deregulierung des Immobilienmarktes in den Jahren zwischen 2009 und 2012 f\u00fchrte zur Abschaffung von Mietpreisbindungen. Auch steuerliche Anreize f\u00fcr Renovierungen wurden vom sozialen Zielen entkoppelt. Diese Liberalisierung, die Touristifizierung des Landes und Goldene Visa ((1)) sind drei von vielen Faktoren, die Investor*innen aus dem In- und Ausland angezogen haben. In den letzten Jahren wurde Lissabon zudem zu einem beliebten Ziel sogenannter digitaler Nomad*innen, die sich dort mit ihrem Einkommen aus reicheren L\u00e4ndern niederlassen. Das im Oktober 2022 eingef\u00fchrte D-Visum, reduzierte Steuern und eigens auf diese Zielgruppe fokussierte Agenturen ((2)) erleichtern ihnen die Ankunft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33107\" aria-describedby=\"caption-attachment-33107\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33107\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa1-300x225.jpg\" alt=\"Lissa1\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa1-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa1.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-33107\" class=\"wp-caption-text\">Vor der Gro\u00dfdemo \u201eRetomamos a Cidade&#8220; (Wir holen uns die Stadt zur\u00fcck) im Rahmen der europaweiten Housing Action Days im April 2023 waren in Lissabon einige Graffiti zu sehen. (Lissabon, 2023) &#8211; Foto: Franziska Wittig<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Wohnungspolitik und der Tourismus sind dabei politisch umk\u00e4mpft. Mit einem Volksbegehren wurde immerhin erreicht, dass die Stadt Lissabon im Fr\u00fchjahr 2025 die Anmeldung neuer Ferienunterk\u00fcnfte in vielen Stadtvierteln gestoppt hat. Die Initiative hatte einen Volksentscheid f\u00fcr die Stadt Lissabon gefordert. Dieser wurde allerdings vom Verfassungsgericht abgelehnt. Die Begrenzungen in kritischen Stadtvierteln stellen einen Kompromiss dar. Doch die Ma\u00dfnahme kommt ein Jahrzehnt zu sp\u00e4t und \u00e4ndert nichts mehr daran, dass beispielsweise im Stadtteil Santa Maria Maior 68,8 Prozent aller Wohnungen touristisch genutzt werden ((3)). Im Zentrum Lissabons ist die Zahl der Tourist*innen doppelt so hoch wie die der Einwohner*innen ((4)).<\/p>\n<p>Diese Ver\u00e4nderungen sind beim Gang durch die Stadt sp\u00fcrbar. Traditionelle Nachbarschaftskneipen werden nach und nach durch hippe Bars ersetzt und die Preise steigen um ein Vielfaches. Veranstaltungen und Konsum werden zum Luxus, wodurch der Lebensstandard sinkt und das Sozialleben leidet. F\u00fcr viele Menschen ist dies bitter. Schon etwa 2017 war zu beobachten, dass Menschen, die ihr ganzes bisheriges Leben in der Hauptstadt verbracht hatten, sich die Mieten dort nicht mehr leisten konnten und gezwungen waren, in kleinere St\u00e4dte zu ziehen. Der durchschnittliche Mietpreis in Portugal stieg von 4,30 Euro pro Quadratmeter im Januar 2015 auf 16,30 Euro im September 2024 ((5)). In Lissabon stiegen die Preise bei Neuvermietungen allein im Jahr 2022 um 36,9 Prozent ((6)) \u2013 ein Anstieg der noch deutlich \u00fcber den Preissteigerungen in Madrid, Barcelona oder Mailand liegt. Und es ist kein Ende dieser Preisentwicklung in Sicht. Neuerdings werden viele Mietvertr\u00e4ge nur noch f\u00fcr ein Jahr abgeschlossen, um im Anschluss die Miete beliebig erh\u00f6hen zu k\u00f6nnen. So wundert es nicht, dass junge Menschen in Portugal erst mit durchschnittlich 33,6 Jahren ihr Elternhaus verlassen \u2013 so sp\u00e4t wie in keinem anderen europ\u00e4ischen Land\u00a0((7)).<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><em>Der vielleicht anarchistischste Raum in Lissabon d\u00fcrfte Disgra\u00e7a sein. Im<\/em> September 2015 \u00f6ffnete das kulturelle Zentrum, das mit etwa 1000 m\u00b2 auf vier Ebenen Raum f\u00fcr viele Aktivit\u00e4ten bietet<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zunehmende Spekulation f\u00fchrt zu einer Immobilien- und Mietpreisblase. Die portugiesische Politik scheint sich dabei mehr f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen zu interessieren als f\u00fcr das Wohl der Menschen, die in Portugal leben \u2013 eine Entwicklung, die auch eine Folge der Troika-Jahre ist. Der Staat dereguliert den Markt, setzt Programme zur F\u00f6rderung von Investitionen auf und vertreibt Menschen aus klandestinen Siedlungen am Stadtrand, die viele Jahrzehnte geduldet waren. Die Wohnungsknappheit f\u00fchrt zu einem weiteren Preisanstieg. Dort wo dennoch eine Politik f\u00fcr mehr Wohnraum betrieben wird, ist diese investor*innenfreundlich. So wird etwa Wohnungsbau gef\u00f6rdert, Mietbeihilfen gew\u00e4hrt und Vermieter*innen, deren Miete unter einem bestimmten Wert liegt, sind von der Steuer befreit. An der grunds\u00e4tzlichen Situation \u00e4ndern diese Ma\u00dfnahmen wenig, zumal in Lissabon 48.000 und in ganz Portugal 750.000 Wohnungen leer stehen.<\/p>\n<p>Auch gegen Hausbesetzungen, die bis vor kurzem oft geduldet waren, wird insbesondere in Lissabon und Porto zunehmend h\u00e4rter vorgegangen. Der \u00dcbergang von versp\u00e4teten Mietzahlungen zu Besetzungen ist hier flie\u00dfend und steigende Lebenshaltungskosten versch\u00e4rfen das Problem. 2023 stiegen die Antr\u00e4ge auf Zwangsr\u00e4umungen um 17 Prozent ((8)) und ein weiterer Anstieg wird erwartet ((9)). Zudem weitet die spanische Firma Desokupa ((9)) derzeit ihren Aktionsradius auf Portugal aus ((10)). Das Unternehmen, das Ex-Polizist*innen, Ex-Milit\u00e4rs, private Sicherheitskr\u00e4fte und Rechtsextreme besch\u00e4ftigt, f\u00fchrt R\u00e4umungen in privatem Auftrag durch, operiert in einer rechtlichen Grauzone und ist f\u00fcr die Anwendung von Gewalt bekannt.<\/p>\n<p><strong>Lebendiger politischer Widerstand<\/strong><\/p>\n<p>Gegen diese Entwicklungen formieren sich seit geraumer Zeit Proteste und an den Wohnraumdemos der letzten Jahre nahmen Tausende teil. 2015 protestierten Aktivist*innen von Stop Demoli\u00e7\u00f5es ((11)) gegen den Abriss der klandestinen Viertel Santa Filomena und Bairro de 6 de Maio in Amadora ((12)). Sie stellten sich den Abrissfahrzeugen entgegen und begleiteten die Bewohner-*innen solidarisch und teils auch juristisch. Die bis heute aktive Gruppe Habita ((13)) leistet \u00e4hnliche Arbeit. Gruppen wie Casa Para Viver ((14)), Habita\u00e7\u00e3o Hoje ((15)) und Stop Despejos ((16)) organisieren Solievents, Diskussionsveranstaltungen und Proteste rund um Wohnraum, Gentrifizierung und Touristifizierung.<\/p>\n<p>Die Gruppe \u201eParar o Hotel no Quartel da Gra\u00e7a\u201c hat eine Petition gegen die Einrichtung eines f\u00fcnf-Sterne-Hotels in der historischen Kaserne im Altstadtviertel Gra\u00e7a ins Leben gerufen. Die Initiative schl\u00e4gt stattdessen eine Nutzung des Geb\u00e4udes als Nachbarschaftszentrum vor ((17)) und h\u00e4lt ihre Versammlungen bewusst im \u00f6ffentlichen Raum ab, um Nachbar*innen den Zugang zu erleichtern.<br \/>\nAm 15. Juni 2025, dem s\u00fcdeurop\u00e4ischen Aktionstag gegen Touristifizierung ((18)), und wenige Tage nach dem Feiertag des Sankt Antonius, dem Stadtheiligen von Lissabon, begleitete die Gruppe augenzwinkernd eben jenen Heiligen, der \u201eaus seiner Kirche vertrieben wurde\u201c, da in Lissabon \u201enicht einmal mehr die Heiligen vor R\u00e4umungen sicher sind\u201c, zur Kaserne, die ein m\u00f6gliches Zuhause werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Bedrohte Zentren des Widerstandes<\/strong><\/p>\n<p>Gruppen wie die genannten nutzen kulturelle und politische Zentren, um sich zu organisieren, Materialien zu lagern oder auszuleihen und Veranstaltungen durchzuf\u00fchren. Doch auch dar\u00fcber hinaus sind politische Orte in der aktuellen Situation besonders essentiell. Sie sind der Ausgangspunkt politischer und \u00f6kologischer K\u00e4mpfe, bieten Raum f\u00fcr praktische Solidarit\u00e4t und wirken nicht zuletzt der Elitisierung des kulturellen Angebots entgegen.<\/p>\n<p>Allerdings haben diese Projekte und Zentren haben selbst mit den Auswirkungen der Touristifizierung und der steigenden Immobilienpreise zu k\u00e4mpfen. Im folgenden einige Beispiele:<\/p>\n<p>2023 wurde Sirigaita ((19)), ein kulturelles Zentrum und Plattform f\u00fcr viele politische und solidarische Gruppen, der Mietvertrag gek\u00fcndigt. Nachdem der Investor keine Bereitschaft zeigte, in irgendeiner Form zu verhandeln, verweigerte Sirigaita im Februar 2024 die Schl\u00fcssel\u00fcbergabe und startete die Widerstands-Kampagne \u201en\u00e3o se despeja um desejo\u201d (man kann ein Verlangen nicht vertreiben).<br \/>\nIm Mai 2025 stattete die Stadtverwaltung Lissabons dem kulturellen Zentrum RDA69 ((20)), das seit 2010 existiert, einen Spontanbesuch ab und entfernte Fahrradst\u00e4nder und Blumenk\u00fcbel vor dem Projekt. Ironischerweise wurden selbige Fahrradst\u00e4nder vor einigen Jahren in Kooperation mit der Stadt angebracht und durch \u00f6ffentliche Mittel finanziert. Aber nun passen sie offenbar nicht mehr in eine Stadt, die ordentlich aussehen und Kapital anziehen soll. Auch die bemalte Fassade und das mit Aufklebern beklebte Tor lie\u00df die Stadtverwaltung ohne Absprache mit der Organisation oder deren Vermieterin \u00fcberstreichen.<\/p>\n<p>Der selbstverwalteten Kneipe Zona Franca ((21)) wurde 2024 nach zw\u00f6lf Jahren der Mietvertrag gek\u00fcndigt. Auf das Angebot des Kulturvereins, der die Kneipe betreibt, in Zukunft deutlich mehr Miete zu zahlen, reagierte die Vermieterin ablehnend ((22)).<\/p>\n<figure id=\"attachment_33109\" aria-describedby=\"caption-attachment-33109\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33109\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa2-300x225.jpg\" alt=\"Lissa2\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa2-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Lissa2.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-33109\" class=\"wp-caption-text\">Auch das klandestine Viertel Segundo Torr\u00e3o auf der s\u00fcdlichen Tejo-Seite wurde nach und nach ger\u00e4umt und die H\u00e4user abgerissen. Die N\u00e4he zu Lissabon und die Str\u00e4nde hatten zuvor zu einem starken Anstieg der Bodenpreise gef\u00fchrt. (Almada, 13.02.2023) &#8211; Foto: Franziska Wittig<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einige weitere Projekte mussten bereits schlie\u00dfen oder befinden sich im Kampf. Aktivist*innen sehen einen \u201edringenden Bedarf an gesicherten R\u00e4umen\u201c. Dies wird auf verschiedene Weise und in Solidarit\u00e4t untereinander versucht.<\/p>\n<p><strong>Antiautorit\u00e4re R\u00e4ume \u00fcber den H\u00fcgeln von Lissabon<\/strong><\/p>\n<p>Der vielleicht anarchistischste Raum in Lissabon d\u00fcrfte Disgra\u00e7a ((23)) sein. Im September 2015 \u00f6ffnete das kulturelle Zentrum, das mit etwa 1000 m\u00b2 auf vier Ebenen Raum f\u00fcr viel bietet ((24)): Zahllose Konzerte, Filmabende, Lesungen, Debatten ziehen immer wieder ein gro\u00dfes Publikum an und unterst\u00fctzen auch politische K\u00e4mpfe anderer Gruppen. Auch Lesekreise und kleinere Gruppen nutzen die R\u00e4ume. Der Sportraum steht allen Gruppen offen, die ihn gemeinschaftlich und unkommerziell nutzen wollen \u2013 sei es f\u00fcr Yoga, Kampfsport oder Shibari. Der DIY-Montag l\u00e4dt w\u00f6chentlich zum Basteln, N\u00e4hen und Upcyclen ein. Und Donnerstags gibt es seit Jahren eine K\u00fcfA (K\u00fcche f\u00fcr Alle). Disgra\u00e7a versteht sich als \u201eLaboratorium f\u00fcr antiautorit\u00e4re Praktiken\u201c. In der oft chaotischen horizontalen Organisierung ist das Lernen und Experimentieren ein wichtiger Teil. Genauso wichtig sind Solidarit\u00e4t und der Widerstand gegen Staat und Kapital.<\/p>\n<p>Wer das international vernetzte Zentrum \u00fcber das Erdgeschoss betritt, kann im Buch- und Infoladen Tortuga st\u00f6bern. Die darunter liegenden drei Stockwerke werden auch liebevoll Katakomben genannt. Im Treppenhaus befindet sich der wahrscheinlich einzige Verschenkeladen Lissabons. Es gibt eine Werkstatt, einen Siebdruckraum und einen Proberaum f\u00fcr Bands. Dank der H\u00fcgellage befindet sich im zweiten Untergeschoss eine gro\u00dfe Au\u00dfenterrasse. Im dazwischen liegenden Stockwerk hat das viel \u00e4ltere Bibliotheksprojekt BOESG ((25)) eine neue Heimat gefunden.<\/p>\n<p>Der 2015 f\u00fcr zehn Jahre abgeschlossene Mietvertrag war im Verh\u00e4ltnis zu heute sehr g\u00fcnstig. Trotzdem erlebte die Gruppe das Aufbringen der Miete immer wieder als Belastung. Mit einem neuen Vertrag und heutigen Mietpreisen k\u00f6nnte das Zentrum nicht weiter betrieben werden. Deshalb entschieden sich die Aktiven im M\u00e4rz 2024 f\u00fcr den Kauf der R\u00e4ume und starteten eine Kampagne, um die notwendigen 275.000 Euro \u00fcber Crowdfunding, Soliveranstaltungen und Direktkredite zusammenzubringen. \u201eKrass, ist das viel Geld\u201c, sagten sie. Aber auch: \u201eWir wollen diese R\u00e4ume f\u00fcr immer dem Immobilienmarkt entziehen.\u201c<\/p>\n<p>Als im September 2024 167.000 Euro zusammengekommen waren, unterschrieben sie einen Vorvertrag und zahlten eine Anzahlung von zehn Prozent, um den Kauf abzusichern. Solikonzerte in Paris, Leipzig, Berlin, Frankfurt, Amsterdam, Prag und vielen weiteren europ\u00e4ischen St\u00e4dten halfen, kleine und mittlere Betr\u00e4ge beizusteuern. Im Sommer 2025 waren f\u00fcnf in Disgra\u00e7a beheimatete Bands in zwei Solitouren quer durch Europa unterwegs. Privatpersonen spendeten oder gaben zinslose Darlehen.<\/p>\n<p>\u201eDie Solidarit\u00e4t, die wir erhalten haben, ist bewegend\u201c, erz\u00e4hlt ein Aktiver aus dem Kollektiv. \u201eNeulich bekamen wir eine Nachricht aus Mexiko. Dort haben Leute von uns geh\u00f6rt und spontan eine Soliveranstaltung organisiert. Sie haben uns 1.000 Euro \u00fcberwiesen.\u201c<\/p>\n<p>Bis Oktober 2025 m\u00fcssen noch weitere 40.000 Euro aufgebracht werden und anschlie\u00dfend sind weitere Einnahmen notwendig um Darlehen zur\u00fcckzuzahlen.<\/p>\n<p>Der Kauf des Geb\u00e4udes wird die Wohnraumkrise in Lissabon nicht beenden. Aber er ist wichtig, um einen Freiraum solidarischen Miteinanders und politischen Widerstandes zu erhalten. Die Sicherung dieser R\u00e4ume steht auch f\u00fcr die K\u00e4mpfe vieler weiterer Kollektive in Lissabon und Porto.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spekulation und Wohnraumpolitik in Lissabon In Portugal sind die Lebenshaltungskosten bereits vor der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine stark gestiegen. Die Inflationsrate f\u00fcr Lebensmittel lag dort 2022 bei 12,99 Prozent und 2023 bei 10,04 Prozent. Konkret bedeutet das, dass viele Lebensmittel in portugiesischen Superm\u00e4rkten \u00e4hnlich teuer oder teurer sind als in Deutschland. 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