{"id":33189,"date":"2025-10-03T11:34:15","date_gmt":"2025-10-03T09:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/10\/tierbefreiung-und-antikapitalismus\/"},"modified":"2025-10-03T11:34:15","modified_gmt":"2025-10-03T09:34:15","slug":"tierbefreiung-und-antikapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/10\/tierbefreiung-und-antikapitalismus\/","title":{"rendered":"Tierbefreiung und Antikapitalismus"},"content":{"rendered":"<p>Neo C.s neues Buch \u201eTierbefreiung braucht Antikapitalismus\u201c kn\u00fcpft an seinen im Verlag Graswurzelrevolution erschienenen Band \u201eVeganarchismus. Thesen zum Verh\u00e4ltnis zwischen Veganismus und Anarchismus\u201c an. Der Autor richtet sich mit dem neuen Titel an die Tierbefreiungs-Bewegung, an alle Kapitalismus-Kritiker*innen und jene, die es noch werden sollen. Er legt dar, warum wir alle den Antikapitalismus brauchen und wie eine Transformation zu erreichen sei. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: \u201eTeil 1 \u2013 WAS IST\u201c und \u201eTeil 2 \u2013 WAS TUN?\u201c Im Vorwort kritisiert Neo C. Tiergruppen wie \u201eAnonymous for the voiceless\u201c, welche sich als vermeintlich intersektional inszenieren, und konstatiert, dass Tierbefreiung und Kapitalismus ein Widerspruch sind. Er argumentiert, \u201edass alle Menschen, die das Elend der Tiere beenden wollen, nicht umhinkommen, sich mit der \u00f6konomischen Beschaffenheit unserer Gesellschaft auseinander zu setzen\u201c. \u201eDer Kapitalismus ist die \u00d6konomie der Konkurrenz\u201c Der Autor wettert gegen Staat und Parteien, die notwendige radikale Ma\u00dfnahmen gegen die Klimakatastrophe nicht durchsetzen, sondern stattdessen L\u00fctzerath r\u00e4umen. Die Parteien k\u00f6nnten keine Ver\u00e4nderung herbeif\u00fchren, \u201esolange das Prinzip b\u00fcrgerlichen Eigentums nicht in Frage\u201c gestellt werde. Die Streitschrift legt den Fokus darauf, warum Moralphilosophie und Konsumkritik innerhalb des Kapitalismus nicht zielf\u00fchrend seien. \u201eEine Bewegung, die prim\u00e4r auf Konsumverhalten und ethisches Bewusstsein fokussiert, dabei aber die \u00f6konomischen Bedingungen vernachl\u00e4ssigt\u201c, laufe ins Leere. In vielen seiner S\u00e4tze wird die marxistische Position deutlich, die darauf beharrt, prim\u00e4r die \u00dcberwindung des Kapitalismus voranzutreiben, da im Sinne des Haupt- und Nebenwiderspruchs, mit der Beendigung dieses Wirtschaftssystems die Befreiung der Welt, einschlie\u00dflich aller Menschen, Tiere und Umwelt eintreten w\u00fcrde. Aber werden, wenn der Kapitalismus \u00fcberwunden wird, auch alle anderen Diskriminierungsformen und Ungerechtigkeiten dieser Welt verschwinden? Es gibt keine historischen Belege daf\u00fcr, dass z.B. in den anarchistischen Gebieten w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs in Spanien 1936-1939 oder im staatskapitalistischen \u201eSozialismus\u201c der DDR die Tierausbeutung beendet worden w\u00e4re, obwohl zumindest im kurzen Sommer der Anarchie 1936 in weiten Teilen Spaniens kein Kapitalismus mehr vorherrschte. Im Gegenteil, in beiden Systemen war Tiernutzung der Normalzustand. Neo C. veranschaulicht, warum Kapitalismus Umweltzerst\u00f6rung, Ausbeutungs- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse herbeif\u00fchrt. Dabei wird auch auf das \u201eProblem mit dem Eigentum\u201c eingegangen. Allerdings dreht sich der Autor etwas im Kreis und sieht die Notwendigkeit darin, den \u201eIndividuellen Idealismus\u201c anzugreifen und das Bild zu verfestigen, \u201edas kapitalistische Treiben\u201c nehme davon \u201ekaum Notiz\u201c. Alternativer Konsum sei \u201egut f\u00fcr das individuelle Gewissen und punktuell vielleicht auch f\u00fcr den Planeten\u201c, aber sicher scheint er sich dabei nicht zu sein. Der Appell an die Moral wird herangezogen, nur um wieder zu erkl\u00e4ren, warum diese nicht effektiv sei mit dem Blick darauf, wer was schlecht macht oder schuld ist. So wird das Bild der \u201esogenannten Superreichen\u201c genutzt, \u201edie mit ihrem individuellen Lebensstil tats\u00e4chlich einen relevanten Einfluss zum Beispiel auf den Klimawandel haben\u201c. Konsumkritik sei nur gerechtfertigt, wenn sie an die Profiteur*innen dieses Systems gerichtet sei. Einzig ein Vorgehen, das den Kapitalismus \u00fcberwindet, sei zielf\u00fchrend. Diese These finden wir auch beim B\u00fcndnis Marxismus &#038; Tierbefreiung, doch bleibt beim Marxismus die Frage offen, wieso marxistische Systemkritik sich \u00fcberhaupt von Moralphilosophie distanziert. Denn im Kern beinhaltet die marxistische Analyse des Kapitalismus auch einen Appell an die Moral, die Ungerechtigkeit des kapitalistischen Systems zu \u00fcberwinden. Auch in anderen Wirtschaftsformen gab es Sexismus, Rassismus und Tierausbeutung, diese sind kein Symptom des Kapitalismus, sondern existieren auch parallel zur Wirtschaftsform. Ein Aktivismus, der alle anderen K\u00e4mpfe als Nebenwiderspruch einordnet, ist im Kern marxistisch und verschleiert die Intersektionalit\u00e4t von Unterdr\u00fcckung. Ein \u00e4hnliches Argument finden wir oft bei Marxist*innen gegen\u00fcber Feminismus, wo K\u00e4mpfe von Aktivist*innen als Nebenwiderspr\u00fcche abgetan werden. Wieso soll es wirkungsvoll sein, den Kapitalismus individuell abzulehnen, aber wirkungslos, die Tiernutzung individuell abzulehnen? Wieso k\u00f6nnen wir nicht antikapitalistisch sein und gleichzeitig individuell die Ausbeutung der Tiere auch moralisch problematisieren? Ist mit Kapitalismuskritik allein viel geholfen? \u201eTeil 2  \u2013 Was Tun?\u201c besch\u00e4ftigt sich mit Handlungsoptionen und l\u00e4sst leider Fragen offen. Im Buch wird durch Thesen und Zitate deutlich, warum wir Antikapitalismus brauchen, aber nicht, wie dieser konkret aussieht und umgesetzt werden kann, au\u00dfer anhand von Beispielen, wie einem veganen Nachbarschaftscaf\u00e9, welches sicher sch\u00f6n zu haben w\u00e4re, aber uns auch nicht aus den Fesseln der kapitalistischen Wirtschaftsweise l\u00f6st. Was aber konkret hilft, kein Tierleid mehr zu finanzieren, ist eine vegane Lebensweise. 3\u202f% leben in Deutschland vegan \u2013 das sind 2,5 Millionen Menschen. Insgesamt empfand ich \u201eTierbefreiung braucht Antikapitalismus\u201c als interessantes, spannendes Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Antikapitalismus, wenn auch mit einem marxistischen Beigeschmack. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neo C.s neues Buch \u201eTierbefreiung braucht Antikapitalismus\u201c kn\u00fcpft an seinen im Verlag Graswurzelrevolution erschienenen Band \u201eVeganarchismus. Thesen zum Verh\u00e4ltnis zwischen Veganismus und Anarchismus\u201c an. Der Autor richtet sich mit dem neuen Titel an die Tierbefreiungs-Bewegung, an alle Kapitalismus-Kritiker*innen und jene, die es noch werden sollen. 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