{"id":332,"date":"1996-05-01T00:00:22","date_gmt":"1996-04-30T22:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=332"},"modified":"2022-07-26T14:26:39","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:39","slug":"mannlichkeit-als-kriegsursache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1996\/05\/mannlichkeit-als-kriegsursache\/","title":{"rendered":"M\u00e4nnlichkeit als Kriegsursache"},"content":{"rendered":"<p>Im folgenden will ich erst aufzeigen, wie m\u00e4nnliche Gewalt gegen Frauen als Folge von Krieg und Militarismus zunimmt, und dann Beispiele von Frauen bringen, die sich gegen Gewalt und Ungerechtigkeit in der Gesellschaft erheben. Es ist eine Zusammenfassung der Arbeit der WRI-Frauengruppe \u00fcber Jahre hinweg. Der letzte Teil behandelt die Herausforderungen an die WRI. Wie kann die WRI eine integrierte Geschlechterpolitik \u00a0((1)) entwickeln, sowohl in der Analyse als auch in der Praxis, nach 75 Jahren ohne eine solche Politik? Wenn ich so frage, gehe ich davon aus, da\u00df die WRI eine Weltsicht hat, als ob sie durch eine m\u00e4nnliche Brille blickt. Ich vermute auch, da\u00df die Praxis der WRI als Gesamtorganisation wenig Bewu\u00dftsein \u00fcber die Geschlechterfrage beinhaltet.<\/p>\n<h3>Militarismus und m\u00e4nnliche Gewalt gegen Frauen<\/h3>\n<p>Ebenfalls vor etwa 20 Jahren schrieb Susan Brownmiller das Buch &#8222;Against our will: Men, Women and Rape (deutscher Titel: Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und M\u00e4nnerherrschaft, Frankfurt 1980) und zeigte, da\u00df Vergewaltigung immer Bestandteil von Kriegen war und ist (Brownmiller 1975). Es ist deshalb \u00fcberraschend, wie die Gesellschaft und die Medien reagierten, als die Massenvergewaltigungen in Ex- Jugoslawien bekannt wurden, als ob diese eine isolierte Erscheinung seien. Nichtsdestoweniger wurde durch die Grausamkeiten in Ex-Jugoslawien Vergewaltigung als Kriegsverbrechen thematisiert. Auch die ethnischen Konflikte in diesem Gebiet haben gezeigt, wie Frauen als Werkzeug benutzt werden, um die M\u00e4nner auf der anderen Seite des Konflikts zu beleidigen, und da\u00df alle Konfliktparteien diese Methode benutzen. Dies spiegelt wider, wie die Gesellschaft Frauen meistens als das Eigentum von M\u00e4nnern bewertet, wie der staatliche Nationalismus Frauen f\u00fcr seine Zwecke funktionalisiert. Hier ein Beispiel aus Serbien: serbische Frauen werden als Geb\u00e4rmaschinen benutzt, die Kinder f\u00fcr den Krieg produzieren sollen, wenn dies erw\u00fcnscht ist &#8211; albanische, moslemische oder Romafrauen sollen dagegen ihre Geburten kontrollieren. Dies zeigt, wie auf diese Weise ethnische Unterschiede benutzt werden, um Frauen zu spalten.<\/p>\n<p>Nach dem Milit\u00e4rputsch 1987 auf den Fidji-Inseln gab es Berichte, da\u00df die Frauenh\u00e4user zunehmende Nachfrage nach Unterst\u00fctzung f\u00fcr Frauen, die zuhause geschlagen wurden, registrierten. Der verst\u00e4rkte Militarismus verursachte eine schwierige \u00f6konomische und soziale Situation f\u00fcr viele Menschen. Viele M\u00e4nner wurden arbeitslos und empfanden ihre Lage als erniedrigend, weil sie ihre Familien nicht unterst\u00fctzen konnten. Es gab auch Vergewaltigungen, die von Soldaten begangen wurden, und besonders die auf den Fidji-Inseln lebenden indischen Frauen waren Gewalt ausgesetzt. Der Putsch erschwerte die Lage des indischen Bev\u00f6lkerungsanteils.<\/p>\n<p>In Indien sind Vergewaltigungen von Frauen in Konflikten zwischen Gemeinwesen keine seltenen Vorf\u00e4lle. Frauen werden mit Land gleichgesetzt, und die Vergewaltigung von Frauen steht f\u00fcr die Wegnahme des Besitzes, um den es geht. W\u00e4hrend des Konflikts fliehen die M\u00e4nner aus dem Dorf, w\u00e4hrend die Frauen zur\u00fcckbleiben, um sich um die Kinder zu k\u00fcmmern. Dann kommen die verfeindeten M\u00e4nnergruppen und vergewaltigen aus Rache die Frauen, wobei sie die Frauen als Objekt betrachten, und dadurch dem Besitz des Mannes Schaden zuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>In Kambodscha war ein gro\u00dfer Anstieg der Prostitution festzustellen. UN-&#8222;Friedenstruppen&#8220; sind unter den Kunden der Bordelle in Phnom Pen. Der Chef der UNCTAD-Soldaten bezeichnete die Zunahme der Prostitution aufgrund der Anwesenheit von UN-Truppen als normal. Der Krieg in Burma dr\u00e4ngt Frauen aus ethnischen Minderheiten in die Prostitution in Thailand, in einigen F\u00e4llen &#8222;freiwillig&#8220;, weil sie keine Alternativen sehen und in einigen F\u00e4llen, weil sie entf\u00fchrt und als Prostituierte verkauft werden.<\/p>\n<p>Kriege und milit\u00e4rische Konflikte machen Situationen angespannter. Soldaten (immer noch haupts\u00e4chlich M\u00e4nner) sind in unnat\u00fcrlichen und isolierten Situationen, die sie gewaltt\u00e4tiger machen. Susan Brownmiller sagt, da\u00df M\u00e4nner, die in Kriegen vergewaltigen, ganz normale M\u00e4nner sind, die sich nur ungew\u00f6hnlich verhalten, weil sie pl\u00f6tzlich Mitglied des &#8222;exklusivsten Jungenclubs der Welt&#8220; geworden seien. Aber warum sollen Frauen die Opfer in solchen Situationen sein? Brownmiller schreibt weiter, da\u00df im Krieg M\u00e4nner einen Vorwand daf\u00fcr finden, ihre Frauenverachtung auszudr\u00fccken. Ob und in welcher Weise sich diese Verachtung in Zukunft zeigen wird, wenn mehr Frauen dem Milit\u00e4r angeh\u00f6ren, ist eine offene Frage. Es gibt heute viele Beispiele, da\u00df die Bel\u00e4stigung von Frauen innerhalb des Milit\u00e4rs weitergeht.<\/p>\n<p>Diese Verachtung zeigt, wie Frauen durch die Gesellschaft als ganzes bewertet werden. Vergewaltigung, Gewalt und andere Formen der Abwertung sind Frauen t\u00e4glich \u00fcberall ausgesetzt. Saswati Roy von SWADHINA in Indien betrachtet die Gewalt gegen Frauen auf verschiedenen Ebenen. Eine Ebene ist die allgemeine gesellschaftliche Gewalt, die von Religionen und Gemeinschaften ausge\u00fcbt wird, die einander bek\u00e4mpfen, was sich schlie\u00dflich negativ auf das Leben von Frauen auswirkt. Was auch immer in der Gesellschaft passiert, hat spezifische Folgen f\u00fcr die Frauen. Dies k\u00f6nne als Ausdruck des gesellschaftlichen Lebens gesehen werden. sagt sie. In Indien werden Frauen nicht als Individuen akzeptiert. M\u00e4dchen und Frauen sind eine Last f\u00fcr die Familie. Weibliche F\u00f6ten werden mit Zustimmung der Mutter abgetrieben. Die Gesundheit von Frauen wird vernachl\u00e4ssigt, ebenso ihre Ausbildung. Frauen werden zum Heiraten weggegeben; dies kostet eine Menge Geld und bedeutet einen Verlust f\u00fcr ihre Familie, w\u00e4hrend eine Heirat f\u00fcr die Familie des Mannes einen Gewinn darstellt. In der Ehe wird der Status der Frau als niedrig angesehen. Wenn diese erste Form von Gewalt erst als normal betrachtet wird, bildet sie die Voraussetzung f\u00fcr andere Formen von Gewalt. Dies werde verinnerlicht. In Indien arbeitet Saswati Roy deshalb mit Frauen aus den D\u00f6rfern, um deren Selbstwertgef\u00fchl aufzubauen. ((2))<\/p>\n<p>Staaten und internationale Institutionen kontrollieren Frauen auf vielerlei Art. In Brasilien finanzierten die USA bis 1992 ein Programm der Massensterilisation. Die indonesische Regierung setzt &#8222;Familienplanungs&#8220;programme ein, um ethnische Gruppen unter Kontrolle zu halten.<\/p>\n<p>Auch im reichen, industrialisierten Teil der Welt zeigt sich, da\u00df T\u00e4tigkeiten, die traditionell Frauen zugeordnet werden, einen geringen Wert haben. In Norwegen haben Frauen viele Rechte erk\u00e4mpft, aber es handelt sich sozusagen automatisch um eine Gleichheit, die an m\u00e4nnlichen Werten ausgerichtet ist. M\u00e4dchen \u00fcbernehmen die Werte der Jungen und nicht umgekehrt. In meiner Gesellschaft kommt es darauf an, der Arbeit und den Aktivit\u00e4ten von Frauen einen h\u00f6heren Stellenwert zu geben und M\u00e4nner in diese Art von Aktivit\u00e4ten einzubeziehen.<\/p>\n<h3>Frauen an der Spitze des Protestes<\/h3>\n<p>Es gibt viele Beispiele in der ganzen Welt, wo Frauen ihre Stimme erheben und aktiv auf Graswurzelebene Alternativen in Form von Aktionen, Sozialarbeit, Landwirtschafts- und Gesundheitsprojekten organisieren. Oft sind sie aktiv, weil es mit ihrem Alltag und der Notwendigkeit zu \u00fcberleben zu tun hat. Durch Kolonialisierung, Unterdr\u00fcckung, Krieg oder wirtschaftliche Depression hat es immer Frauen gegeben, die allein f\u00fcr die Familie verantwortlich sind. Sie m\u00fcssen f\u00fcr das Essen und das Aufwachsen der Kinder sorgen.<\/p>\n<p>Viele weibliche OrganisatorInnen von Kampagnen gibt es bei den indigenen V\u00f6lkern, z.B. bei den UreinwohnerInnen in Lateinamerika und in den pazifischen L\u00e4ndern. Oft k\u00e4mpfen sie mit gewaltfreien Mitteln. Sie sehen sich als BewahrerInnen der Kultur durch ihre Rolle als M\u00fctter zuk\u00fcnftiger Generationen. Oder sie spielen eine herausragende Rolle in gemischten Gruppen, wie zum Beispiel im Kampf der landlosen LandarbeiterInnen in Brasilien, wo Frauen an der Front der Auseinandersetzungen mit der Polizei waren.<\/p>\n<p>In Indien organisieren sich Landfrauengruppen, um sich selbst weiterzubilden und sich gegenseitig f\u00fcr einen strukturellen Wandel zu st\u00e4rken und zu ermutigen, indem sie eine alternative Produktion aufbauen. Die \u00c4nderung von Einstellungen, die St\u00e4rkung des Selbstbewu\u00dftseins, Unabh\u00e4ngigkeit und Eigenst\u00e4ndigkeit sind dabei wichtige Elemente.<\/p>\n<p>In Papua-Neuginea haben Frauengruppen die M\u00e4nner in ihr Programm zu Familienplanung, Gesundheit, gewaltfreies Training, Gewalt gegen Frauen miteinbezogen, weil sie davon ausgehen, da\u00df die M\u00e4nner, wenn sie ausgeschlossen werden, sich als Au\u00dfenseiter f\u00fchlen. Wenn sie in das Programm integriert werden, werden auch die M\u00e4nner einen Bewu\u00dftwerdungsproze\u00df durchlaufen und sich verantwortlich f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Frauen in Ex-Jugoslawien protestieren als &#8222;Frauen in Schwarz&#8220; gegen den Krieg, angeregt durch Frauen in Israel\/Pal\u00e4stina, die dort ebenfalls Grenzlinien \u00fcberschritten und sich zu einem Protest gegen die israelischen Beh\u00f6rden trafen. Wir haben die russischen M\u00fctter und die tschetschenischen Frauen gesehen, die M\u00fctter von der Plaza de Mayo in Buenos Aires in Argentinien gegen die Milit\u00e4rdiktatur, Frauen in Nordirland 1976 und heute, 30 Jahre sp\u00e4ter, als dieses Jahr Bomben in London explodierten und Frauen in Belfast schnell mit wei\u00dfen Papiertauben in den H\u00e4nden die Stra\u00dfen f\u00fcllten. 1915 kamen Frauen aus kriegsf\u00fchrenden und neutralen L\u00e4ndern zusammen, um gegen den ersten Weltkrieg zu protestieren; sp\u00e4ter gr\u00fcndeten sie die &#8222;Women&#8217;s International League for Peace and Freedom&#8220;.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns auch bewu\u00dft sein, da\u00df Frauen durch ihre Passivit\u00e4t und ihre untergeordnete Stellung in der Gesellschaft oft zu Komplizinnen des Krieges der M\u00e4nner werden. Sie unterst\u00fctzen ihre M\u00e4nner, die in den Krieg ziehen. Auf der anderen Seite gibt es auch Frauen, die sich gegen Ungerechtigkeit wehren, indem sie sich dem Krieg der M\u00e4nner anschlie\u00dfen. K\u00fcrzlich wurde \u00fcber tschetschenische Frauen berichtet, die sich der Guerrillaarmee angeschlossen hatten. Sie sagten einerseits, da\u00df sie an der Befreiung teilnehmen w\u00fcrden, aber gleichzeitig \u00e4u\u00dferten sie auch, da\u00df ihre Rolle dem Mann untergeordnet sei und sie tun m\u00fc\u00dften, was dieser sagt.<\/p>\n<p>Da aber Guerrilla- bzw. sog. Befreiungsarmeen immer durch Hierarchien gekennzeichnet sind, st\u00f6\u00dft der Anspruch auf Frauenbefreiung dort sehr schnell an Grenzen.<\/p>\n<p>Hier stellt sich auch die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis zwischen Feminismus und Gewaltfreiheit. Beiden Ans\u00e4tzen ist gemeinsam, da\u00df sie Herrschaftsverh\u00e4ltnisse grunds\u00e4tzlich kritisieren. Dies bedeutet aber nicht, da\u00df eine gewaltfreie Aktion, oder eine Organisation, die sich auf gewaltfreie Prinzipien bezieht, Frauenbefreiung sozusagen selbstverst\u00e4ndlich mit einschlie\u00dft. Vielmehr m\u00fcssen auch dort die Gewaltstrukturen und die Hierarchie zwischen den Geschlechtern eigens thematisiert werden.<\/p>\n<p>Andersherum sind Frauen nat\u00fcrlich auch nicht sozusagen automatisch gewaltfrei. Jedoch wird den Frauen traditionell qua Geschlecht &#8222;Friedfertigkeit&#8220; zugeschrieben &#8211; eine Eigenschaft, die auch systemstabilisierende Komponenten aufweist.<\/p>\n<p>Feministische Gewaltfreiheit mu\u00df deshalb immer wieder neu speziell auch Herrschaftsstrukturen zwischen den Geschlechtern thematisieren, M\u00e4nnergewalt kritisieren und am Abbau von Rollenklischees arbeiten.<\/p>\n<h3>Internationale Solidarit\u00e4t<\/h3>\n<p>Einige Kampagnen und Aktionen k\u00f6nnen an einem bestimmten Ort erfolgreich sein. Aber ein solcher &#8222;Sieg&#8220; wirkt sich auf andere Orte der Welt m\u00f6glicherweise negativ aus. So hat die Frauenbefreiung im &#8222;Norden&#8220; Konsequenzen f\u00fcr Frauen im &#8222;S\u00fcden&#8220;, z.B. wenn M\u00e4nner aus dem Norden auf Sextouren in den &#8222;S\u00fcden&#8220; reisen.<\/p>\n<p>Die Volksbewegung auf den Philippinen vertrieb schlie\u00dflich die amerikanischen Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte. Dies hinterlie\u00df eine Reihe von Problemen, z.B. Auswirkungen auf Arbeitspl\u00e4tze und Infrastruktur, die mit den St\u00fctzpunkten verbunden waren, das Schicksal von Frauen, die als Prostituierte gearbeitet hatten, und \u00f6kologische Probleme, die durch die St\u00fctzpunkte verursacht worden waren. Durch den Abzug der Milit\u00e4rbasen von den Philippinen entstand f\u00fcr das US-Milit\u00e4r ein milit\u00e4risches Sicherheitsproblem. Jahrelang hatten die USA Druck auf Palau ausge\u00fcbt, diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen. Besonders aktiv gegen den amerikanischen Druck auf Palau waren die dortigen Frauen. Diese Beispiele zeigen deutlich, wie wichtig es ist, nicht nur die eigene Betroffenheit im Blick zu haben, sondern die weltweiten Auswirkungen zu analysieren, um die Folgen f\u00fcr Frauen in anderen Regionen der Erde \u00fcberblicken zu k\u00f6nnen. Die transnationale Vernetzung von Frauen ist ein Weg, dies zu erreichen.<\/p>\n<p>Ein solches weltweites Netzwerk, das versucht, Solidarit\u00e4t zwischen Individuen, Gruppen und Regionen in der ganzen Welt aufzubauen, ist die Frauenarbeitsgruppe der WRI.. Die Frauen in Ex-Jugoslawien haben immer wieder betont, wie ihnen in der ersten Phase des Krieges Solidarit\u00e4t entgegengebracht wurde. In Serbien versuchte die Regierung, das Volk entlang ethnischer Trennungslinien zu spalten. PazifistInnen und Feministinnen von au\u00dferhalb halfen ihnen, moralisch und psychisch zu \u00fcberleben, als 1990 die Verbindungen zwischen den verschiedenen Gruppen innerhalb des Landes abbrachen. Die Bewegung drau\u00dfen brachte ihnen auf alternativen Wegen Post, Nachrichten und S\u00fc\u00dfigkeiten.. Vor allem italienische Feministinnen organisierten Treffen mit Frauen in Ex-Jugoslawien, was f\u00fcr diese von gro\u00dfer Bedeutung war.<\/p>\n<p>Diese und \u00e4hnliche Erfahrungen inspirierten die internationale Frauenkonferenz in Bangkok (1992), den 8. M\u00e4rz zu einem Aktionstag zum &#8222;\u00dcberschreiten von Grenzen&#8220; (crossing the line) zu machen, wodurch Frauen auf lokaler Ebene einbezogen werden sollten. Die Idee war, da\u00df Frauengruppen mit ebensolchen in anderen Staaten, Gemeinden, ethnischen Gruppen und Kulturen der &#8222;anderen Seite&#8220; kommunizieren und gemeinsame Aktionen planen, egal ob es sich um Nachbarschaftsviertel oder Nationen handelt, die miteinander in Konflikt stehen (wie z.B. gemeinsame Aktionen von griechischen und t\u00fcrkischen Frauen auf Zypern, israelischen und pal\u00e4stinensischen Frauen, kroatischen, serbischen und bosnischen Frauen oder, wie in den USA, Frauen verschiedener Hautfarbe oder \u00f6konomischer Klassen.) Dieser Aktionstag kam nie so richtig in Gang wie frau es sich vorgestellt hatte, trotz Aktivit\u00e4ten an vielen Orten auf lokaler Ebene, die vielleicht nicht bekannt wurden.<\/p>\n<h3>Herausforderungen f\u00fcr eine Organisation von Frauen und<br \/>\nM\u00e4nnern<\/h3>\n<p>Es gibt Zusammenh\u00e4nge zwischen Militarismus, Gewalt gegen Frauen und \u00f6konomischer Unterdr\u00fcckung, ebenso wie Nationalismus und Ethnozentrismus Frauen in besonderer Weise betreffen. Die Lage unterscheidet sich von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, und besonders verschieden sind die Lebensbedingungen von Frauen aus dem &#8222;Norden&#8220; und dem &#8222;S\u00fcden&#8220;. Es gibt jedoch gewisse gemeinsame Aspekte wie allt\u00e4gliche Gewalt gegen Frauen und stereotype Bilder von Frauen, die von der Gesellschaft geschaffen werden. Der Unterschied besteht darin, wie dies ausgedr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p>Die bisher dargestellten Aspektes sind nur eine Auswahl von den Themen, die auf der Tagesordnung der WRI- Frauenarbeitsgruppe stehen. Andere Themen waren Analysen zu Feminismus, Militarismus und Gewaltfreiheit sowie internationale Aktionen gegen einen Wehrdienst f\u00fcr Frauen. Auch wurde \u00fcber Frauen in Befreiungsarmeen diskutiert. Frauen, die &#8211; als erstes in Greenham Common &#8211; die Zufahrt zu milit\u00e4rischen Einrichtungen besetzten, vernetzen sich mit Frauen, die gegen westliche Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte und Sextourismus im &#8222;S\u00fcden&#8220; k\u00e4mpfen., und nun hat auch die Frage nach &#8222;Entwicklung&#8220; als Thema Eingang in die Gruppe gefunden. Dies sind jedoch Fragen, die separat von den anderen Punkten der WRI-Tagesordnung behandelt werden.<\/p>\n<p>Die WRI ist eine Organisation, deren Ziel es seit 75 Jahren ist, alle Kriegsursachen zu beseitigen. In diesem Zusammenhang habe ich die Folgen von Kriegen f\u00fcr Frauen betrachtet. Von den vielen Themen der WRI konzentriert sich die Organisation vor allem auf die Zusammenh\u00e4nge zwischen Armut und Krieg, Milit\u00e4rindustrie und milit\u00e4rischem System. All diese Aspekte haben starke Auswirkungen auf Frauen: Frauen sind die gro\u00dfe Mehrheit unter den Armen. Kriege, Militarismus und Milit\u00e4rausgaben verursachen Armut. Wir k\u00f6nnen uns nur wundern, warum der Geschlechteraspekt noch kein integrierter Bestandteil der Perspektive und des Programms der WRI geworden ist.<\/p>\n<p>Der Begriff Kriegsursachen legt (mindestens) zwei Betrachtungsweisen nahe: Was sind die Ursachen von Krieg?, und: Was sind die Folgen von Krieg? In einer geschlechtsspezifischen Betrachtungsweise wird M\u00e4nnlichkeit als eine der Kriegsursachen ausgemacht werden. Es sind die M\u00e4nner, die in der Position sind, den Krieg zu beginnen und die Waffen f\u00fcr den Krieg zu produzieren; sie sind immer noch die Soldaten, die im Krieg k\u00e4mpfen usw. In der gleichen Weise kann eine Analyse der strukturellen Gewalt gemacht werden, die Teil des gesellschaftlichen Alltags ist und wo Frauen immer noch die Opfer sind.<\/p>\n<p>Die WRI ist eine m\u00e4nnlich dominierte Organisation. Durch ihre Geschichte hindurch waren Anti- Wehrpflichtkampagnen eine wichtige Grundlage f\u00fcr ihre Existenz, und wie immer hat es Frauen gegeben, die die M\u00e4nner unterst\u00fctzten, als diese nein zu einem System sagten, das der Zerst\u00f6rung diente.<\/p>\n<p>So ist es nicht verwunderlich, da\u00df Frauen in der WRI vor etwa 20 Jahren begannen, ihre eigenen Themen einzubringen, ihre Situation als Frauen innerhalb der WRI thematisierten und nach Zusammenh\u00e4ngen zwischen Militarismus, Gewaltfreiheit und Feminismus fragten. Um diese Fragen genauer untersuchen zu k\u00f6nnen, wurden Frauentreffen und -konferenzen organisiert. (siehe nebenstehenden Artikel) Daneben gab es w\u00e4hrend der Dreijahreskonferenzen Arbeitsgruppen nur f\u00fcr Frauen &#8211; dies geschah nicht ohne mehr oder weniger offene Proteste der M\u00e4nner der Bewegung.<\/p>\n<p>Die WRI befindet sich nun in einem Vakuum, eine neue Rolle in einer sich ver\u00e4ndernden Welt zu finden. Die europ\u00e4ischen Sektionen, die in vielerlei Hinsicht die Basis der WRI gewesen sind (zumindest finanziell), sind dabei, sich aufzul\u00f6sen, weil die Staaten nun Berufsarmeen bevorzugen. Es ist deshalb wahrscheinlich notwendig, neue antimilitaristische Kampagnen zu organisieren, um diese Gruppen wieder neu zu beleben, ebenso wie es dann f\u00fcr Frauen selbstverst\u00e4ndlich sein wird, sich zu beteiligen, da viele Frauen auch als Berufssoldatinnen rekrutiert werden.<\/p>\n<p>Eine der vielen neuen Herausforderungen f\u00fcr die WRI ist es, Friedensteams f\u00fcr Konfliktsituationen zu initiieren. Freiwillige (M\u00e4nner und Frauen) werden ausgebildet, um den Dialog zwischen gegnerischen Gruppen in Konfliktsituationen zu erm\u00f6glichen. Sie gehen in Gesellschaften, die sich von ihrer eigenen sehr stark unterscheiden. In der Gesellschaft Ex-Jugoslawiens werden Frauen massiv unterdr\u00fcckt, was durch den Krieg noch verst\u00e4rkt wird, und sie ist wesentlich unterdr\u00fcckerischer als die Gesellschaften, aus denen viele der Freiwilligen kommen. Wie wird die sich widersprechende gesellschaftliche Bewertung von Frauen innerhalb der Teams reflektiert? Und wie wirkt sich dies auf den Umgang des Teams mit der Bev\u00f6lkerung im allgemeinen und besonders mit Frauen aus? Ist es n\u00f6tig, besondere R\u00fccksichten zu treffen? Werden solche Fragen \u00fcberhaupt gestellt??<\/p>\n<p>Die exjugoslawische Gesellschaft ist nach dem Ende des Kalten Krieges sexistischer geworden wie viele andere osteurop\u00e4ische L\u00e4nder auch. Die WRI sieht die Notwendigkeit, ihre Arbeit entsprechend der Umbr\u00fcche der letzten Jahre zu ver\u00e4ndern. Im Proze\u00df der Ver\u00e4nderung ihrer Strategien hat die WRI eine einzigartige Chance, den Geschlechteraspekt zu integrieren. Denn in einer sich ver\u00e4ndernden Welt ist es auch angemessen zu fragen, auf welche Weise sich die Situation von Frauen gewandelt hat und welche Rolle Frauen einnehmen wollen.<\/p>\n<p>Auf der Dreijahreskonferenz in Brasilien 1994 schlo\u00df die Arbeitsgruppe der Frauen ihre Arbeit mit folgender Erkl\u00e4rung ab:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Der Alltag von Frauen mu\u00df sichtbar und Teil internationaler Politik werden. H\u00e4usliche Gewalt und \u00f6konomische Unterdr\u00fcckung sind alle Teil einer gro\u00dfen sozialen Frage: die Unterbewertung von Frauen in der Gesellschaft. Frauen haben sehr viel Bewu\u00dftseinsarbeit geleistet, und es mu\u00df noch mehr getan werden. Aber wenn dieser Themenkomplex Teil der Arbeit der WRI werden soll, werden wir die M\u00e4nner in der WRI herausfordern m\u00fcssen. Die Herausforderung steht im Zusammenhang damit, wie wir die Welt ver\u00e4ndern wollen. Sie hat mit materiellen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen zu tun, aber auch damit, wie wir unsere Beziehungen zueinander gestalten.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im folgenden will ich erst aufzeigen, wie m\u00e4nnliche Gewalt gegen Frauen als Folge von Krieg und Militarismus zunimmt, und dann Beispiele von Frauen bringen, die sich gegen Gewalt und Ungerechtigkeit in der Gesellschaft erheben. Es ist eine Zusammenfassung der Arbeit der WRI-Frauengruppe \u00fcber Jahre hinweg. Der letzte Teil behandelt die Herausforderungen an die WRI. 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