{"id":33308,"date":"2025-10-28T13:55:53","date_gmt":"2025-10-28T11:55:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/10\/was-war-denn-das\/"},"modified":"2025-12-29T02:26:02","modified_gmt":"2025-12-29T00:26:02","slug":"was-war-denn-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2025\/10\/was-war-denn-das\/","title":{"rendered":"Was war denn das?"},"content":{"rendered":"<p>Das fing schon bei dem Verbot an, das die K\u00f6lner Polizei \u00fcber das Camp und die Demo verh\u00e4ngen wollte. F\u00fcr den Versuch musste die Parole \u201eKrieg dem Krieg\u201c herhalten, mit der vor allem \u201eRote Gruppen\u201c zum \u201eRheinmetall entwaffnen\u201c-Camp mobilisierten. W\u00e4hrend die juristische Auseinandersetzung lief, beantworteten \u201eRote Gruppen\u201c den Verbotsversuch mit \u201eKrieg dem Krieg \u2013 Jetzt erst recht!\u201c Dies sei eine \u201eKampfansage (\u2026) an alle, die f\u00fcr eine sozialistische Zukunft k\u00e4mpfen und die wissen, dass \u201aKrieg dem Krieg!\u2018 eben das bedeutet\u201c.<br \/>\nDer Widerspruch zu der Parole \u201eKrieg dem Krieg\u201c formulierte sich schnell, da sie \u201emartialisch\u201c sei. In der Kritik hei\u00dft es u.a., dass die Parole eine militante sozialrevolution\u00e4re, feministische und antimilitaristische Perspektive auf Krieg konterkariert. \u201eSie grenzt pazifistische und andere Gruppen aus. Sie bleibt in militaristischer Logik verhaftet. Sie militarisiert soziale Auseinandersetzungen.\u201c Man trage die Parole nicht mit. Eine Erwiderung kam nicht etwa von den \u201eRoten\u201c, sondern von anarchistischer Seite, die in der Intention \u201eKrieg dem Krieg\u201c eher den Bezug auf den Anarchisten und Antimilitaristen Ernst Friedrich sah, der mit seinem \u201eKrieg dem Kriege\u201c-Buch von 1924 eine radikale Position gegen jeden Krieg bezog. Auch Bernd Dr\u00fccke sa\u00df in seinem Editorial der Graswurzelrevolution 501 vom September 2025 unter dem Titel \u201eKrieg dem Kriege! Ernst Friedrichs antimilitaristische Parole wird kriminalisiert\u201c ((1)) diesem Irrtum auf, denn er ging davon aus, die Parole eines anarchistischen Antimilitaristen w\u00fcrde kriminalisiert. Diese Lesart war aber nicht von den \u201eroten Gruppen\u201c intendiert.<br \/>\nNun interessiert die Begr\u00fcndung nicht, welche die Polizei f\u00fcr ein Verbot anf\u00fchrte. H\u00e4tte es diese Parole nicht gegeben, sie h\u00e4tte einen anderen Anlass gefunden. Wir lehnen diese Parole aus inhaltlichen Gr\u00fcnden ab und sind eher verwundert, wieso sich Anarchist*innen haben blenden lassen und damit einen Angriff auf Antimilitarismus assoziierten. Warum? Fakt ist: Wir haben bisher kein Camp erlebt, das sich zwar einerseits gegen Krieg und R\u00fcstung aussprach und andererseits so viele militaristische Tendenzen aufwies, wie in K\u00f6ln. Da muss Klartext geredet werden, da hilft Sch\u00f6nreden nichts.<br \/>\nAutorit\u00e4re, orthodoxe kommunistische Gruppen versuchen das Thema Krieg in einer Weise zu besetzen, die sich eines Antimilitarismus in taktischer Manier bedient, um den aktuellen Widerspruch, der allgemein gegen\u00fcber der Militarisierung vorherrscht, f\u00fcr sich zu nutzen. Unter dessen Deckmantel wird eine autorit\u00e4re Gesellschaftsperspektive angestrebt, die militaristische Positionen bezieht. Das f\u00e4ngt damit an, den Feind im eigenen Land zu sehen und nicht in jedem Land, das ein Milit\u00e4r unterh\u00e4lt, weil man dem klassischen Freund-Feindschema anh\u00e4ngt. Russland oder China sind f\u00fcr die globale Militarisierung und Kriegsentwicklung nicht so bedeutsam wie der \u201eDeutsche Imperialismus\u201c. Unter diesen Schlagw\u00f6rtern marschierten dann auf dem Camp bei einer Demonstration junge Freunde der DDR in Uniform vorneweg. Niemand hatte sie dazu eingeladen, sich an die Spitze zu setzen und mit ihren Karnevalsuniformen die Clowns abzugeben. In \u00e4hnlicher Weise kaperten autorit\u00e4re Kommunist*innen gleich zu Beginn des Camps den Versuch einer offenen Diskussion. Sie besetzten bei einer sogenannten Fish-bowl-Methode alle Sprechpositionen, so dass nichts anderes durchdringen konnte als ihre Propaganda.<br \/>\nDas war der Zeitpunkt, an dem bei anwesenden Autonomen und Anarchist*innen die Diskussion aufbrach, ob man wieder abreisen solle. Nun k\u00f6nnte man den militaristischen Karnevalsverein der \u201eFreien Deutschen Jugend\u201c f\u00fcr gelungene Realsatire abtun. Aber aus dem \u201eRevolution\u00e4ren Barrio\u201c kamen immer wieder T\u00f6ne, die dem Volkskrieg und der Volksarmee der DDR oder einer neu zu schaffenden \u201eRoten Armee\u201c zusprachen. Ein Jugendlicher mit Stalin-T-Shirts wurde gefragt, ob er sich bewusst sei, f\u00fcr wen er da Werbung mache. Stalin h\u00e4tte die Opposition umgebracht. \u201eJa, die deutschen Soldaten\u201c, spuckte der junge Kommunist freudig hervor. Und seiner Schulung folgend, sei das mit den Gulags nur Propaganda des Imperialismus. Er war sich also bewusst, was er da trug. Am B\u00fccherstand orthodoxer Gruppen freute man sich \u00fcber den Absatz von Lenins Werken und anderen historischen Verbrechern. Hammer- und Sichelfahnen lie\u00dfen keinen Zweifel aufkommen, der autorit\u00e4re Kommunismus ist ein Wiederg\u00e4nger, nur die kommunistische Partei macht uns frei.<br \/>\nFragte man den anderen bleichen Jungmacker, dessen T-Shirt den Neuaufbau der KPD propagierte, wie das vonstatten gehen sollte, dann war im Brustton der \u00dcberzeugung der \u201eVolkskrieg\u201c der Weg. Wer denn das Volk sei, wurde auch beantwortet: \u201eDie deutsche Arbeiterklasse, die Werkt\u00e4tigen.\u201c Eine Anmerkung, dass wir diesen Volkskrieg schon mal gehabt h\u00e4tten und kein Bedarf danach best\u00fcnde, konterte der junge Mann mit \u201eAber Ihr Anarchisten seid doch auch f\u00fcr die Revolution\u201c. Er verstand nicht, weil er, obwohl so jung, schon als Wiederg\u00e4nger aus dem letzten Jahrtausend agierte, taub f\u00fcr Widerspr\u00fcche. Die jungen Frauen der marxistisch-leninistischen Jugendorganisation \u201eYoung Struggle\u201c (YS) wollten einer Organisatorin des Camps einen Platzverweis erteilen, weil die eine kritische Frage zu der durch YS betriebenen Verherrlichung der islamistischen Hamas als \u201eBefreiungsorganisation\u201c zu stellen wagte.<br \/>\nDer Volksbegriff hat ein reaktion\u00e4res Revival, als h\u00e4tte es eine Auseinandersetzung zu Rassismus nie gegeben.<\/p>\n<p><strong>Wieso sind so viele, zum Teil eher auch junge Menschen, f\u00fcr so einfache, autorit\u00e4re L\u00f6sungen zu begeistern?<\/strong><\/p>\n<p>Werden einfache Antworten gesucht, die in der komplexen Welt mit vielen Gleichgesinnten eine Nestw\u00e4rme erzeugen, die sonst so einfach nicht zu haben ist, weil um Positionen und Widerspr\u00fcche gerungen werden m\u00fcsste? Weil man eigentlich keine Widerspr\u00fcche zulassen kann, um dieses identit\u00e4re Gebilde nicht zu gef\u00e4hrden? Und weil man zwischen Schule und Studium und dem Basteln an der Karriere nicht auch noch Zeit in Widerspr\u00fcche verschwenden kann, sondern sich schnell und ohne gro\u00dfe M\u00fche auf der richtigen Seite sehen will? Glauben sie den Schei\u00df, den sie da politisch vertreten? Oder geht es da gar nicht drum? Sitzen sie schon in den Startl\u00f6chern, um irgendwann kleine Machtp\u00f6stchen zu bekleiden und \u00fcben schon mal? Die Geschichte der K-Gruppen ist voll von Mitl\u00e4ufern, die sich irgendwann desillusioniert zur\u00fcckzogen oder der Parteipolitik hingaben.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong> Wir haben bisher kein Camp erlebt, das sich zwar einerseits gegen Krieg und R\u00fcstung aussprach und andererseits so viele militaristische Tendenzen aufwies, wie in K\u00f6ln. Da muss Klartext geredet werden, da hilft Sch\u00f6nreden nichts.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Die Frage an die Camp-Orga: Warum wird autorit\u00e4ren Positionen ein Platz einger\u00e4umt?<\/strong><\/p>\n<p>Blo\u00df weil sie rote Fahnen haben und auf den ersten Blick gegen Krieg sind? Auch die AfD gibt vor, gegen Krieg zu sein \u2013 das alleine kann kein Kriterium sein.<br \/>\nWieso hat die Camp-Orga politisch nicht eine Agenda, die militaristische Positionen selbstbewusst und offensiv ausschlie\u00dft bzw. diese Widerspr\u00fcche zur Diskussion stellt?<br \/>\nEin Camp, das gegen Krieg ist, ist gegen Krieg und nicht f\u00fcr den gerechten Krieg, nicht den antiimperialistischen Krieg, nicht f\u00fcr den Volkskrieg! So ist die scharfe Kritik an \u201eKrieg dem Krieg\u201c zu lesen, die sich f\u00fcr \u201eSoziale Revolution gegen jeden Krieg!\u201c aussprach. W\u00fcrde \u201eKrieg dem Krieg\u201c im Geiste eines radikalen Antimilitarismus und des antimilitaristischen Anarchisten Ernst Friedrichs gerufen, w\u00e4re sie diskutierbar. Da sie hier aber im Geiste eines Militarismus verwendet wird, der Krieg f\u00fchren will und das auch so meint, kann einer solchen Parole nur eine Absage erteilt werden.<br \/>\nDer Frage, warum sich so viele junge M\u00e4nner* und Frauen* in das \u201eRote Heer\u201c begeben und allen Ernstes Patriarchat als einen Nebenwiderspruch betrachten, der mit dem Verschwinden des Kapitalismus auch verschwinden w\u00fcrde, widmen wir uns an dieser Stelle nicht auch noch.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gab es im Rahmen des Camps auch einen politisch ausgestalteten Bereich des autonomen Feminismus, in dem sich viele junge und \u00e4ltere Flintas mischten. Ausgehend von der Geschichte der \u201eTrostfrauen\u201c wurde ein Denkmal aufgestellt, zu Ehren der Frau, Yong I, die ihre Geschichte der sexuellen Versklavung durch das japanische Milit\u00e4r im Faschismus offen gemacht hat. Ausgehend von anklagenden Stimmen wurden Hunderttausende Frauen und M\u00e4dchen mit diesem Denkmal sichtbar gemacht. In einer gro\u00dfen Veranstaltung im zentralen Zelt vor \u00fcber 300 Menschen wurden Fakten aus vielen Armeen und Kriegen zusammen getragen, die Vergewaltigung als zentrales Moment von Milit\u00e4r herausgearbeitet haben. Diese Auseinandersetzung war f\u00fcr \u00e4ltere Feminist*innen zwar nicht neu, doch die Aufz\u00e4hlung vieler historischer systemischer Vergewaltigungen in verschiedensten kriegerischen Konflikten zeigte noch mal deutlich: Ein jedes Milit\u00e4r betrachtet den Frauen*k\u00f6rper als milit\u00e4risches Ziel, als K\u00f6rper, der in der Logik des Milit\u00e4rs kolonisiert und kontrolliert werden muss. Durch die thematische Pr\u00e4senz, viele Veranstaltungen und ein festes FLINTA-Zelt wurde ein Raum geschaffen, der Krieg und Patriarchat zusammen denkt und einen Anlauf- und Organisierungsort schuf. So wurde zur Desertion aus den bin\u00e4ren Strukturen und dem Freund-Feind-Schema aufgerufen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_33418\" aria-describedby=\"caption-attachment-33418\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33418\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1024-683-max-300x200.jpg\" alt=\"1024 683 max\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1024-683-max-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1024-683-max-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1024-683-max-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1024-683-max.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-33418\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Anarchistischer Kriegsrat Berlin<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch in anarchistischer Hinsicht wurden zwei Anlaufpunkte geschaffen. Das war zum einen das \u201eAnarchistische Barrio\u201c, in dem sich gemeinsam und selbstorganisiert koordiniert wurde und Veranstaltungen stattfanden. Und in dem ein Spitzel aus Frankreich aufflog, der von f\u00fcnf Bullen gef\u00fchrt wurde.<br \/>\nEs gab auch ein Zelt von Anar-chist*innen, Feminist*innen und \u2028Autonomen, welches vor allem f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von Deserteuren in allen Teilen der Welt warb und Aufkleber in vielen verschiedenen Sprachen verschenkte.<br \/>\nNat\u00fcrlich war auch die Interventionistische Linke (IL) anwesend, erkennbar an den pinken Basecaps. Aber bei um die Tausend oder mehr Menschen auf dem Camp war es schwierig, aus allen Bereichen etwas mitzubekommen. In den verschiedenen Zelten liefen parallel gute wie auch schlechte Veranstaltungen. Mehrere Aktionen in K\u00f6ln und Umland gab es, von denen viele als erfolgreich galten. Doch wir beurteilen hier nicht, was wir nicht mit eigenen Augen gesehen haben. Denn es war \u00fcblich, von den Aktionen im Stil der \u201eroten Gruppen\u201c wie bei einer Propagandaveranstaltung jubelnd zu berichten und sich selbst zu beklatschen, so dass der Raum f\u00fcr Zwischent\u00f6ne und Zweifel ausgeknipst war.<\/p>\n<p>Die Abschlussdemo war eine weitere denkw\u00fcrdige Angelegenheit. F\u00fcr Autonome mit einem Erfahrungshintergrund militanter Demos war es wie ein D\u00e9j\u00e0-vu, blo\u00df in verdrehter Form. Die Kommunist*innen reklamierten f\u00fcr sich, wie auf dem Camp mit ihrem hochtrabend genannten \u201erevolution\u00e4ren Barrio\u201c, die Revolution\u00e4re schlechthin zu sein. Sie mussten das auch lautstark als \u201erevolution\u00e4rer Block\u201c unter Beweis stellen, als w\u00fcrde die Lautst\u00e4rke sie zu den einzigen Vertreter*innen einer revolution\u00e4ren Politik machen. Von \u201eAu\u00dfen\u201c besehen, also als Revolution\u00e4re, die keinen Block auf der Demo anstrebten, schien der \u201erevolution\u00e4re Block\u201c wie eine identit\u00e4re Positionierung, die Radikalit\u00e4t imitiert, ohne sie einl\u00f6sen zu k\u00f6nnen und auch nicht zu wollen. Es war die Selbstdarstellung einer Idee, geleitet von dem Transparent \u201eDie revolution\u00e4re Seite aufbauen \u2013 Krieg dem Krieg\u201c. Es war die Selbstdarstellung einer Idee, geleitet vor der Parole \u201eKrieg dem Krieg\u201c, und von den autonomen Gruppen der 80er Jahre abgekupfert war, die auch damals nichts mit Ernst Friedrich zu tun hatte, aber durchaus auch von autonomen Anarchist*innen vertreten wurde. Eine Idee eines Kommunismus, die leer blieb und etwas Autistisches hatte. Schon fr\u00fch war erkennbar, dass ein Block geschlossen, und mit diesem Ausdruck einfach nicht bis zum Ende der Demo durchzubringen war. F\u00fcr die Polizei war der Block der Magnet, der sie anzog und mit dem sie die Reibung suchten. Der Block agierte \u00f6rtlich sinnfrei und nicht ganz passend, indem Bengalos in den Farben Pal\u00e4stinas gez\u00fcndet wurden. Was die Polizei erneut auf den Plan rief. Vorher waren diese \u201egenervt\u201c, wegen der miteinander verknoteten Transpis des Blocks. \u00dcber allem schwebte die Drohne und filmte jedes Gesicht auf dem Camp. Wir wissen, wenn die Polizei einen Grund finden will, dann findet sie auch einen, um eine Demo nicht ankommen zu lassen. Gescheitert mit dem Verbotsantrag und der Aktionen in und um K\u00f6ln herum gegen die Bundeswehr und Waffenfabriken, die sie nicht haben verhindern k\u00f6nnen, war klar, dass die Demo eine Abrechnung wird. Und die \u201eRevolution\u00e4re\u201c boten sich auf dem Silbertablett en bloc. Die Demoleitung, bestehend u.\u2009a. aus dem Friedensforum K\u00f6ln, versuchte gegen\u00fcber der Polizei die Demo und den Block abzusichern, aber irgendwann war damit Schluss. Der Zug wurde wiederholt angehalten, der Block gewaltsam vom Rest der Demo getrennt und isoliert. Auch wenn die Demo stehen blieb und sich solidarisch verhielt, war der Spielraum begrenzt, aber es gab ihn noch. Denn der ebenfalls mit eingekesselte anarchistische Block war einfach, schwuppdiwupp, verschwunden. Erst wurden vereinzelt, aufgrund von Kameraaufzeichnungen und wahrscheinlich eher l\u00e4cherlicher Vorw\u00fcrfe, Menschen gewaltsam aus dem \u201erevolution\u00e4ren Block\u201c gezogen, dann der Lautsprecherwagen durchsucht. Am Schluss gew\u00e4hrte die Polizei dann den Abzug aller Demonstrant*innen, wenn sie den Block verlassen w\u00fcrden und man w\u00fcrde nur diejenigen festnehmen, die Straftaten oder \u00c4hnliches begangen haben. Auf so eine Spaltung kann man sich nat\u00fcrlich nicht einlassen, also blieb der Block zusammen. Er verharrte aber auf der Stelle, unternahm keine Initiative mehr und war auch sonst nicht sehr beweglich. Die Cops ergriffen die Chance, als der Block keine Initiative ergriff, au\u00dfer der Dinge zu harren, die da kommen m\u00f6gen. So konnte die Polizei dann \u00fcber zehn Stunden die Eingekesselten nacheinander ED-behandeln. Schon am Vortag wurden bei einer Aktion 200 Menschen gekesselt und ED-behandelt. Nun waren es \u00fcber 500 Menschen, die Eingekesselten sangen in beeindruckender Ausdauer, riefen und schrien \u00fcber Stunden, was sicher auch zur St\u00e4rkung eines identit\u00e4ren Wir-Gef\u00fchls beigetragen hat. Davon kann mensch sich emotional bewegen lassen, wer aber \u201erevolution\u00e4re Politik\u201c nicht auf den moralischen Aspekt des \u201eWir sind die Guten und Edlen\u201c reduziert, hat sich das angeschaut, ohne sich mitrei\u00dfen zu lassen. Denn in diesem Block waren die Freunde Stalins und Lenins und des Volkskrieges auch vertreten, deren Positionen auch einige j\u00fcngere Genoss*innen leider nachbeteten. Politisch aus einer revolution\u00e4r-anarchistischen Position betrachtet, war da nichts, was einen Sinn zu machen schien. Die Veranstalter*innen der Demo bedauerten, dass die \u201eParade\u201c, wie sie genannt wurde, nicht am Zielort ankam und diskutieren aktuell eine Wiederholung der Demo. Aber vielleicht war aus dem Camp mehr nicht rauszuholen und man sollte nach vorne schauen. F\u00fcr die Polizei, nach der Niederlage des Campverbots und der Aktionen im Nachhinein ein Stempel, demn sie dem Camp aufsetzten. Viele Ermittlungsverfahren wegen (schweren) Landfriedensbruchs, \u00fcber 1000 erfasste Personendaten, Gigabytes von Bilddaten der Campdrohne, die nun ausgewertet und zugeordnet werden, sind mit in eine Bewertung des Camps und der Demo mit einzubeziehen.<\/p>\n<p>Wenn dieser Beitrag nach vorne schaut, dann muss deutlich ausgesprochen werden: Das Camp mit einer unwidersprochenen Position autorit\u00e4r-dogmatischer, militaristischer Richtung z.T. antifeministisch und antiemanzipatorisch, dominiert von den \u201eRoten Gruppen\u201c, sollte f\u00fcr die Zukunft so nicht reproduziert werden.<br \/>\nIn den zuk\u00fcnftigen Camps wird eine intensive Diskussion um eine emanzipatorische Perspektive der Camps von N\u00f6ten sein, wenn wir das Camp und \u201eRheinmetall entwaffnen\u201c politisch nicht aufgeben wollen. Wobei sich viele Gruppen schon aus diesem rot dominierten Camp verabschiedet haben.<br \/>\nOder wir organisieren mit unterschiedlichen Gruppen eine eigene Camp-Perspektive gegen Krieg und Milit\u00e4r, die das auch so meint und Antimilitarismus nicht selektiv aus einem taktischen Verh\u00e4ltnis benutzt.<br \/>\nOder mensch tut sowohl das eine ohne das andere zu vernachl\u00e4ssigen. Das hei\u00dft, jene Kr\u00e4fte zu unterst\u00fctzen, die es auf dem Camp noch gibt, die einen universellen Antimilitarismus richtig finden, Volksbegrifflichkeiten hinterfragen und Milit\u00e4r und Patriarchat nicht abspalten etc. Das hie\u00dfe im Vorfeld Kontakt aufzunehmen mit anderen Gruppen und eigenen Inhalten und Aktionsvorstellungen in das Camp hineinzutragen. Auch um diejenigen, die eine Perspektive jenseits autorit\u00e4rer, marxistisch-leninistischer Gruppen suchen, zu erreichen. Vielleicht kann ein anarchistisches Barrio viel mehr im Vorfeld auch politisch vorbereitet werden, um stark aufgestellt vor Ort zu sein und nicht erst, aus guten Anspr\u00fcchen heraus, sich vor Ort organisieren, um niemanden aus z.B. kleinen St\u00e4dten auszugrenzen.<br \/>\nUnd andererseits geht es vielleicht darum, neue B\u00fcndnisse au\u00dferhalb solcher von \u201eRoten Gruppen\u201c dominierten Strukturen neu aufzubauen und zu einem z.\u2009B. anarchistisch-feministisch-autonomen Widerstandscamp einzuladen. Vielleicht ist es an der Zeit, mit diesem Selbstbewusstsein in die Offensive zu gehen. Die Geschichte ist auf unserer Seite, denn Nationalismus ist \u00fcberall die Basis von Milit\u00e4r und Krieg. Das Volk gibt es nicht, es gibt Menschen, die verschiedene P\u00e4sse bekommen haben und unterschiedliche Sprachen sprechen und sich zusammenfinden k\u00f6nnen, um sich gegen alle Herrschaft zur Wehr zu setzen. Der Feind steht in jedem Land, hei\u00dft Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung. Er ist international organisiert und hei\u00dft Patriarchat. Und jeder Deserteur, jede Deserteur*in schw\u00e4cht Milit\u00e4r.<\/p>\n<p>No nation united us \u2013 no border divides us.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das fing schon bei dem Verbot an, das die K\u00f6lner Polizei \u00fcber das Camp und die Demo verh\u00e4ngen wollte. F\u00fcr den Versuch musste die Parole \u201eKrieg dem Krieg\u201c herhalten, mit der vor allem \u201eRote Gruppen\u201c zum \u201eRheinmetall entwaffnen\u201c-Camp mobilisierten. 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