{"id":3347,"date":"2000-05-01T00:00:15","date_gmt":"2000-04-30T22:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3347"},"modified":"2022-07-26T14:26:24","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:24","slug":"der-preis-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/05\/der-preis-des-lebens\/","title":{"rendered":"Der Preis des Lebens"},"content":{"rendered":"<p>Im Februar 1999 wurde in den Zeitungen bekannt gegeben, da\u00df der indische H\u00f6chste Gerichtshof ein vier Jahre anhaltendes Moratorium zum Bau des kontroversen, bisher nur halbfertigen Sardar Sarovar-Damms am Flu\u00df Narmada in Zentral-Indien aufgehoben hat. Diese Gerichtsentscheidung kam wie ein k\u00f6rperlich sp\u00fcrbarer Schlag gegen eine der spektakul\u00e4rsten gewaltfreien Widerstandsbewegungen seit dem indischen Freiheitskampf. Es ist eine Bewegung, die &#8211; von ferne betrachtet &#8211; eigentlich bereits erreicht hat, wof\u00fcr sie zum Kampf angetreten war.<\/p>\n<p>Die internationale Aufmerksamkeit wurde auf das Projekt gelenkt. Die Weltbank wurde Mitte der 90er Jahre zum Ausstieg aus dem Projekt gezwungen. Die Regierung schien kaum in der Lage zu sein, das Geld f\u00fcr die Fertigstellung aufzutreiben.<\/p>\n<p>Jetzt, pl\u00f6tzlich, mit dem h\u00f6chstrichterlichen Aufhebungsbeschlu\u00df, ver\u00e4nderte sich das Szenario.<\/p>\n<p>Mein Interesse an den Geschehnissen im Narmada-Tal stieg fortan, denn nahezu jede Person, mit der ich sprach, hatte eine leidenschaftliche Meinung dazu, die &#8211; wie mir schien &#8211; jedoch auf sehr wenig Information basierte. So legte ich also die Romane, die ich mir f\u00fcr die kommenden Monate vorgenommen hatte, beiseite und besch\u00e4ftigte mich mit Zeitungen, B\u00fcchern und Dokumentarfilmen \u00fcber Gro\u00dfstaud\u00e4mme, warum sie gebaut werden und welche Folgen sie haben. Ich entwickelte ein ungew\u00f6hnliches, unnat\u00fcrliches Interesse an Be- und Entw\u00e4sserung. Und ich traf einige AktivistInnen, die seit Jahren in der Narmada Bachao Andolan arbeiten, der &#8222;Bewegung zur Rettung der Narmada&#8220;. Was ich dabei lernte, ver\u00e4nderte und faszinierte mich. Es enth\u00fcllte, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, eine komplexe Regierungspolitik, die Menschen hinter der genialen Maske der Demokratie vollkommen zerst\u00f6rt. Ich habe viele Leute in Indien ver\u00e4rgert, in dem ich das so klar aussprach. Verglichen mit anderen &#8222;Entwicklungsl\u00e4ndern&#8220; sei Indien doch ein Paradies, wurde mir gesagt. Es ist wahr, Indien ist nicht Tibet, oder Afghanistan, oder Indonesien. Es ist wahr, da\u00df der Gedanke, die indische Armee k\u00f6nne putschen, sehr weit hergeholt wirkt. Trotzdem: was hier im Namen des &#8222;nationalen Interesses&#8220; vor sich geht, ist monstr\u00f6s.<\/p>\n<p>Das Narmadatal-Entwicklungsprojekt ist wahrscheinlich das ambitionierteste Flu\u00dftalentwicklungsprojekt in der Welt. Es umfa\u00dft den Bau von 3.200 D\u00e4mmen und macht aus der Narmada und ihren 419 Zufl\u00fcssen eine Aneinanderreihung von Reservoirs, eine Stufenfolge gestauten Wassers. 30 D\u00e4mme sind als Gro\u00dfstaud\u00e4mme geplant, 135 in mittlerer Gr\u00f6\u00dfe und der Rest als kleinere. Zwei der Gro\u00dfstaud\u00e4mme werden multifunktionale Megastaud\u00e4mme sein, der &#8222;Sardar Sarovar&#8220; im Bundesstaat Gujarat und der &#8222;Narmada Sagar&#8220; in Madhya Pradesh.<\/p>\n<p>Doch das eigentlich Bedeutsame ist, da\u00df das Narmadatal-Entwicklungsprojekt das Leben von 25 Millionen Menschen, die im Narmadatal leben, ver\u00e4ndern und die \u00d6kologie des gesamten Flu\u00dfgebietes zerst\u00f6ren wird. Heilige B\u00e4ume und Tempel, alte Pilgerwege und arch\u00e4ologische St\u00e4tten werden \u00fcberflutet werden, von denen Gelehrte sagen, sie beinhalteten Zeugnisse menschlicher Zivilisation seit der fr\u00fchen Steinzeit.<\/p>\n<h3>Die Politik der Gro\u00dfstaud\u00e4mme<\/h3>\n<p>\u00dcber ein halbes Jahrhundert nach der indischen Unabh\u00e4ngigkeit haben die Lakaien des ersten Premier Nehru den Bau von Staud\u00e4mmen mit dem Aufbau der indischen Nation gleichgesetzt. Sie bauten nicht nur D\u00e4mme und gro\u00dfe Bew\u00e4sserungsanlagen, sie verstaatlichten zudem kleine, traditionelle Bew\u00e4sserungssysteme, die seit Tausenden von Jahren bestanden, und lie\u00dfen diese verk\u00fcmmern. Um den Verlust zu kompensieren, wurden mehr und mehr D\u00e4mme gebaut. Nach Angaben der Zentralen Wasser-Kommission hat Indien heute 3.600 Gro\u00dfstaud\u00e4mme, von denen 3.300 nach der Unabh\u00e4ngigkeit gebaut wurden. Weitere eintausend Gro\u00dfd\u00e4mme sind derzeit im Bau.<\/p>\n<p>Nehrus bekannter Spruch, Gro\u00dfstaud\u00e4mme seien die modernen Tempel Indiens, steht heute in den Schulb\u00fcchern aller indischer Landessprachen. Gro\u00dfstaud\u00e4mme sind ein Glaubensartikel geworden, der unmittelbar mit Nationalismus zusammenh\u00e4ngt. Ihren Nutzen zu hinterfragen gilt an sich bereits als Vaterlandsverrat. Jedem Schulkind wird gelehrt, Gro\u00dfstaud\u00e4mme w\u00fcrden die Menschen in Indien von Hunger und Armut befreien.<\/p>\n<p>Werden sie das wirklich? Haben sie das bisher? Sind sie wirklich der Schl\u00fcssel zur Ern\u00e4hrungssicherung in Indien?<\/p>\n<p>Indien hat heute mehr bew\u00e4ssertes Land als irgendein anderes Land auf der Welt. In den letzten 50 Jahren stieg der Anteil an bew\u00e4ssertem Land um 140 Prozent. 1947, als der Kolonialismus formal beendet war, mu\u00dfte Indien Nahrung einf\u00fchren. 1951 wurden 51 Mio. Tonnen Getreide produziert, heute nahezu 200 Tonnen. Das ist nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Errungenschaft, auch wenn es Anzeichen daf\u00fcr gibt, da\u00df das nicht reichen wird. Doch niemand wird ernsthaft behaupten, da\u00df die Produktion aufgrund der Gro\u00dfstaud\u00e4mme anstieg. Meist stieg sie aufgrund der besseren Grundwasserausnutzung, vielleicht auch durch besseres Saatgut und D\u00fcnger. Kurioserweise gibt es keine offiziellen Zahlen dar\u00fcber, zu welchem Anteil der Anstieg der Getreideproduktion auf Gro\u00dfstaud\u00e4mme zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Ist das nicht eine unglaubliche Ignoranz des Staates gegen\u00fcber seinen Subjekten? Nachdem die Menschen im Narmadatal inzwischen \u00fcber 15 Jahre um ihre Existenz k\u00e4mpfen, sollte die Regierung doch wenigstens einmal ihre eigene Legitimation zu belegen versuchen, nach der Gro\u00dfstaud\u00e4mme die einzige Option Indiens seien, Nahrung f\u00fcr die st\u00e4ndig wachsende Bev\u00f6lkerung zu produzieren.<\/p>\n<p>Die einzige Studie, die ich kenne, stammt von Himanshu Thakker und wurde der Weltkommission f\u00fcr Staud\u00e4mme vorgelegt. Sie kommt zu dem Ergebnis, da\u00df Gro\u00dfstaud\u00e4mme nur zu 12 Prozent zur Getreideproduktion Indiens beitragen.<\/p>\n<p>Das w\u00e4ren dann 24 Mio. Tonnen.<\/p>\n<p>Im Jahre 1995 hatten die staatlichen Getreidelager einen \u00dcberschu\u00df von 30 Mio. Tonnen, w\u00e4hrend zur selben Zeit 350 Mio. Menschen in Indien unter der Armutsgrenze lebten.<\/p>\n<p>Nach Regierungsangaben m\u00fcssen 10 Prozent von Indiens Getreideproduktion, das sind 20 Mio. Tonnen, abgeschrieben werden, weil sie infolge schlechter und inadequater Lagerung von Nagetieren und Insekten gefressen werden. Indien mu\u00df das einzige Land in der Welt sein, das Gro\u00dfstaud\u00e4mme baut, dabei menschliche Gemeinschaften zerst\u00f6rt und W\u00e4lder \u00fcberschwemmt, um letztendlich Ratten zu f\u00fcttern. Daraus folgt: wir brauchen schon mal ganz sicher bessere Lagerr\u00e4ume, und zwar dringender als Staud\u00e4mme.<\/p>\n<p>Auch im Bereich der Elektrizit\u00e4t br\u00fcsten sich die PlanerInnen damit, da\u00df Indien heute 20 mal mehr Strom konsumiert als vor 50 Jahren. Aber noch immer haben \u00fcber 70 Prozent der l\u00e4ndlichen Haushalte keinen Strom. In den \u00e4rmsten Bundesstaaten &#8211; Bihar, Uttar Pradesh, Orissa und Rajasthan &#8211; haben mehr als 80 Prozent der Adivasi (sog. &#8222;UreinwohnerInnen&#8220;) und der Dalits (sog. &#8222;Unber\u00fchrbare&#8220;) keine Elektrizit\u00e4t. Strom wird also im Namen der Armen produziert, aber von den Reichen mit endlosem Appetit konsumiert. Nach offiziellen Sch\u00e4tzungen wird zudem rund 22 Prozent des produzierten Stromes in \u00dcberlandleitungen und Systemineffizienzen verloren. Die existierenden Staud\u00e4mme versalzen mir rapider Geschwindigkeit innerhalb der H\u00e4lfte, manchmal einem Viertel ihrer prognostizierten Produktionsspanne.<\/p>\n<p>Staud\u00e4mme werden gebaut, Menschen zwangsumgesiedelt, W\u00e4lder \u00fcberschwemmt &#8211; und dann wird manches Projekt einfach aufgegeben. Kan\u00e4le werden nie fertiggestellt, die versprochenen Vorteile bleiben aus &#8211; au\u00dfer nat\u00fcrlich f\u00fcr die PolitikerInnen, die B\u00fcrokratInnen und die am Bau beteiligten Unternehmen.<\/p>\n<p>Der erste Damm, der an der Narmada gebaut wurde, der Bargi-Damm in Madhya Pradesh, wurde 1990 fertiggestellt. Er kostete zehnmal mehr als geplant und \u00fcberschwemmte dreimal mehr Land als von den IngenieurInnen vorausgesehen. Um Kosten und Aufwand zu sparen, flutete die Regierung das Reservoir ohne Vorwarnung. 70.000 Menschen aus 101 D\u00f6rfern sollten urspr\u00fcnglich umgesiedelt werden. Stattdessen wurden 114.000 Menschen aus 162 D\u00f6rfern um ihre Existenz gebracht. Sie mu\u00dften vor den anschwellenden Fluten aus ihren H\u00e4usern fliehen, rausgetrieben wie Ratten, ohne jede Vorwarnung. Es gab keine Neuansiedlung. Einige bekamen eine minimale Kompensation in bar. Die meisten bekamen \u00fcberhaupt nichts. Einige starben an Hunger. Andere zogen in die Slums der St\u00e4dte. Und das alles &#8211; zu welchem Preis? Heute, zehn Jahre nach Fertigstellung, produziert der Bargi-Damm zwar ein wenig Elektrizit\u00e4t, aber er bew\u00e4ssert nur exakt genauso viel Land wie er \u00fcberschwemmt hat. Das sind nur 5 Prozent des Landes, von dem die PlanerInnen behaupteten, es w\u00fcrde durch den Damm bew\u00e4ssert werden. Die Regierung sagt, sie habe kein Geld f\u00fcr die Kan\u00e4le. Aber f\u00fcr die weiteren D\u00e4mme, den gro\u00dfen Narmada Sagar und den Maheshwar-Damm, die gerade gebaut werden &#8211; daf\u00fcr hat sie Geld.<\/p>\n<p>Warum passiert so etwas? Wie kann es passieren?<\/p>\n<p>Gro\u00dfstaud\u00e4mme sind Monumente der Korruption, der internationalen Korruption in un\u00fcbersehbarer Gr\u00f6\u00dfenordnung.<\/p>\n<p>Banker, PolitikerInnen, B\u00fcrokratInnen, UmweltmanagerInnen, Hilfsorganisationen &#8211; sie alle sind Teile derselben Mafia. Die betroffenen Menschen sind die \u00e4rmsten und marginalisiertesten Teile der armen L\u00e4nder. Doch sie z\u00e4hlen nicht als Menschen. Darum z\u00e4hlen die Kosten von Staud\u00e4mmen nicht als wirkliche Kosten. Die Betroffenen tauchen noch nicht einmal in den Abrechnungsb\u00fcchern auf. Stattdessen werden riesige L\u00f6hne an internationale RatgeberInnen f\u00fcr Wiederansiedlung bezahlt &#8211; globale ExpertInnen f\u00fcr Verzweiflung. Und sie entwickeln immer noch sensiblere, noch humanistischere, noch netter zu lesende Wiederansiedlungsprojekte &#8211; die niemals umgesetzt werden. Es gibt einen unter den Betroffenen wohlbekannten Spruch: Aus der Armut ist eine Menge Geld zu holen!<\/p>\n<h3>Was nicht in den B\u00fcchern steht<\/h3>\n<p>Ich dachte, es w\u00e4re einmal n\u00f6tig herauszufinden, wieviele Menschen durch Gro\u00dfstaud\u00e4mme in Indien vertrieben wurden. Der Zweck war, wenigstens damit anzufangen, eine humanistische Perspektive in die Diskussion zu werfen. Als Grundannahme benutzte ich eine Studie von 54 gro\u00dfen Staud\u00e4mmen vom indischen Institut f\u00fcr \u00f6ffentliche Verwaltung. Diese 54 D\u00e4mme vertrieben 2,4 Mio. Menschen. Im Schnitt machte das 44.000 pro Damm. Da es sich bei der Studie um sehr gro\u00dfe D\u00e4mme handelte, reduzierte ich die Durchschnittszahl auf 10.000 pro Damm.<\/p>\n<p>Nach dieser reduzierten Grundannahme bel\u00e4uft sich die Gesamtzahl an durch gro\u00dfe Staud\u00e4mme vertriebenen Menschen in Indien innerhalb der letzten 50 Jahre auf skandal\u00f6se 33 Millionen Menschen.<\/p>\n<p>33 Millionen Menschen!<\/p>\n<p>Vor kurzem sch\u00e4tzte N.C. Saxena, ein Sekret\u00e4r der Planungskommission, die Anzahl auf ungef\u00e4hr 40 Millionen.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr 60 Prozent der Vertriebenen sind Dalits oder Adivasi. Wenn in Betracht gezogen wird, da\u00df Dalits nur 15 Prozent und Adivasis 8 Prozent der indischen Bev\u00f6lkerung ausmachen, wird eine ganz andere Dimension dieser Geschichte deutlich. Die ethnische &#8222;Andersartigkeit&#8220; der Opfer wirft ein bezeichnendes Licht auf diejenigen, die mit den D\u00e4mmen eine &#8222;Nation&#8220; aufbauen wollen (&#8222;Dam-Builders are Nation-Builders&#8220;).<\/p>\n<p>Was geschah mit diesen Millionen von Menschen? Wo sind sie jetzt? Wie schlagen sie sich durchs Leben? Niemand wei\u00df das wirklich. Wenn Geschichte geschrieben wird, stehen sie nicht in den B\u00fcchern, nicht mal als Statistik. Immer wenn es um Wiederansiedlung geht, werden die Priorit\u00e4ten der Regierung deutlich. Indien hat gar keine bundesweite Wiederansiedlungspolitik. Vertriebene haben nur Anrecht auf minimale finanzielle Entsch\u00e4digung. Die \u00e4rmsten unter ihnen, Dalits und Adivasi, die entweder landlos waren oder die keinen formalen Schriftbeweis f\u00fcr ihr Landeigentum hatten, deren Leben aber v\u00f6llig vom Flu\u00df abhing, bekommen nichts. Einige Vertriebene wurden noch weitere drei- oder viermal vertrieben &#8211; wegen des Damms, eines anderen Damms, einer Uranmine usw. Wenn sie einmal von ihrem Zuhause weg m\u00fcssen, kommen sie nicht mehr zur Ruhe.<\/p>\n<p>Dagegen gibt es in diesem Land ein verst\u00f6rendes Schweigen \u00fcber die Politik der erzwungenen, unfreiwilligen Umsiedlung. Und wenn dar\u00fcber geredet wird, dann auf andere Art und Weise: Die Betroffenen werden als Menschen bezeichnet, die sich weigern, den Preis f\u00fcr nationalen Fortschritt zu zahlen. Sie werden als &#8222;antinational&#8220; und &#8222;gegen Entwicklung eingestellt&#8220; abqualifiziert. Damit wirft man sie ins Gef\u00e4ngnis. Der nationale Konsens scheint so zu lauten: &#8222;Ja, es ist traurig, aber harte Entscheidungen mu\u00dften getroffen werden. Und irgendjemand mu\u00df wohl den Preis f\u00fcr Entwicklung zahlen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Menschen im Narmadatal antworteten, in dem sie erkl\u00e4rten, sie w\u00fcrden lieber in den Fluten ertrinken als ihre H\u00e4user zu verlassen. Von Juli bis Oktober letzten Jahres wurden weitere Teile des Narmadatals geflutet, w\u00e4hrend DorfbewohnerInnen tagelang in ihren H\u00e4usern in brusttiefem Wasser ausharrten, um zu protestieren, w\u00e4hrend ihr Gem\u00fcse geflutet wurde und w\u00e4hrend die AktivistInnen der Narmada-Bewegung Regierungsbeamte des falschen Zeugnisses anklagten. Die Beamten behaupteten, Wiederansiedlung sei m\u00f6glich, wo sie doch genau w\u00fc\u00dften, da\u00df daf\u00fcr nichts getan werde.<\/p>\n<p>Heute ist der Sardar Sarovar-Damm 88 Meter hoch. Er hat bis jetzt nur ein Viertel des Raumes \u00fcberschwemmt, der eingeplant war f\u00fcr die volle Dammh\u00f6he von 138 Metern. Wenn das Projekt in dieser H\u00f6he belassen w\u00fcrde, w\u00fcrde es die Rettung Hunderttausender Menschen bedeuten. Es w\u00fcrde die Rettung eines der fruchtbarsten Ackerb\u00f6den in Asien bedeuten. Es w\u00fcrde bedeuten, da\u00df genug Geld f\u00fcr lokale Bew\u00e4sserung in den D\u00f6rfern vorhanden w\u00e4re, denen die PlanerInnen Vorteile vom Damm versprachen. Es w\u00fcrde einen Sieg f\u00fcr die Gewaltfreiheit und die Prinzipien der Demokratie bedeuten. Es w\u00fcrde bedeuten, da\u00df wir noch immer hoffen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Februar 1999 wurde in den Zeitungen bekannt gegeben, da\u00df der indische H\u00f6chste Gerichtshof ein vier Jahre anhaltendes Moratorium zum Bau des kontroversen, bisher nur halbfertigen Sardar Sarovar-Damms am Flu\u00df Narmada in Zentral-Indien aufgehoben hat. Diese Gerichtsentscheidung kam wie ein k\u00f6rperlich sp\u00fcrbarer Schlag gegen eine der spektakul\u00e4rsten gewaltfreien Widerstandsbewegungen seit dem indischen Freiheitskampf. Es ist &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/05\/der-preis-des-lebens\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Der Preis des Lebens - graswurzelrevolution","description":"Im Februar 1999 wurde in den Zeitungen bekannt gegeben, da\u00df der indische H\u00f6chste Gerichtshof ein vier Jahre anhaltendes Moratorium zum Bau des kontroversen, bis"},"footnotes":""},"categories":[217,26,1027],"tags":[],"class_list":["post-3347","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-249-mai-2000","category-okologie","category-wir-sind-nicht-alleine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3347","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3347"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3347\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}