{"id":33660,"date":"2026-01-31T11:08:05","date_gmt":"2026-01-31T09:08:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/01\/widerstand-heisst-leben-berxwedan-jiyan-e\/"},"modified":"2026-02-17T23:48:40","modified_gmt":"2026-02-17T21:48:40","slug":"widerstand-heisst-leben-berxwedan-jiyan-e","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/01\/widerstand-heisst-leben-berxwedan-jiyan-e\/","title":{"rendered":"Widerstand hei\u00dft Leben! \u2013 Berxwedan Jiyan e!"},"content":{"rendered":"<p>Am 11. Januar 2026 versammeln sich die Menschen in den St\u00e4dten von Nord- und Ostsyrien. Mit Fahnen und Bannern stellen sie sich am Rand der Ortsdurchfahrten auf und erwarten den Widerstandskonvoi, der mit den Verwundeten aus Aleppo zur\u00fcckkehren soll.<\/p>\n<p>Wenige Tage zuvor waren hunderte Zivilist:innen in Richtung Aleppo aufgebrochen. Sie hatten sich auf den Weg gemacht, um den Widerstand der selbstverwalteten, kurdischen Viertel Scheich Maksud und Aschrafia gegen die Angriffe der Syrischen Armee zu unterst\u00fctzen. \u201eWartet auf eure Leute, wir kommen, um euch zu unterst\u00fctzen!\u201c, hatte eine der Frauen, die sich aus Koban\u00ea auf den Weg machte, gesagt.<br \/>\nDer Konvoi hatte Aleppo nicht erreicht. Doch durch den entschlossenen Widerstand der Gesellschaft, konnte ein Waffenstillstand ausgehandelt werden, um die Verletzten, sowie die K\u00f6rper der vom islamistischen, syrischen Regime Get\u00f6teten aus den kurdischen Vierteln zu evakuieren. \u00dcber Hundertausend Menschen haben innerhalb weniger Tage ihr Zuhause, ihre Gemeinschaft, Freundinnen und Verwandte verloren. Die meisten von ihnen erleben all das nicht zum ersten Mal. Viele sind urspr\u00fcnglich aus der kurdischen Region Afrin, die bis zum Einmarsch der t\u00fcrkischen Armee und islamistischer Kombattanten 2018 zur selbstverwalteten, autonomen Region Rojava geh\u00f6rte. Nun werden sie zum dritten oder vierten mal in ihrem Leben vertrieben.<br \/>\nDieser Artikel soll nicht von Krieg handeln, sondern von Frieden. Was bedeutet wahrhaftiger Frieden in diesen kriegerischen Zeiten und was hat das mit Heimat zu tun?<\/p>\n<p>In Pal\u00e4stina, Kurdistan, Venezuela, Sudan, Ukraine und Somalia wird Krieg gef\u00fchrt und Menschen werden vertrieben. Auch die europ\u00e4ischen Staaten befinden sich in einer Offensive der Aufr\u00fcstung, die von einer konstanten Faschisierung der Diskurse begleitet wird.<br \/>\nDiese Kr\u00e4fte haben ein gro\u00dfes Thema: Heimat. Ob in Syrien oder in Europa wird diskutiert, wem es erlaubt ist, beheimatet zu sein. Gleichzeitig werden Kriege unterst\u00fctzt und Menschen zur Flucht gezwungen.<\/p>\n<p><strong>Diese Geschichte beginnt in Afrin<\/strong><\/p>\n<p>Afrin ist ein schmerzendes Wort f\u00fcr diejenigen, die dort zu Hause sind, denn sie waren schon lange<br \/>\nnicht mehr dort. Seit der Besatzung durch die t\u00fcrkische Armee, 2018, lebten viele als Gefl\u00fcchtete in einem Camp, das in Shehba, nicht weit von Afrin entfernt, aufgebaut worden war. Auch von dort wurden sie im letzten Winter durch den Krieg der islamistischen S\u00f6ldner, die jetzt in die Syrische Armee eingegliedert wurden, vertrieben. Heute sind viele von ihnen in einem neuen Camp, in Tabqa. Wir besuchen sie dort, werden in ihre Zelte eingeladen, h\u00f6ren von den Schwierigkeiten, der K\u00e4lte im Winter, der Hitze im Sommer, aber auch ihrer Entschlossenheit zusammen zu bleiben und eines Tages nach Afrin zur\u00fcck zu kehren. Im weitesten Nord-Westen von Syrien wurde die Region Afrin 2012 im Zuge der Rojava-Revolution vom Baath-Regime befreit. So wie im ganzen befreiten Gebiet, wurden von den Menschen selbstbestimmt Institutionen der Selbstverwaltung aufgebaut. Seitdem organisiert sich die Gesellschaft in Kommunen und R\u00e4ten, in Kooperativen wurde eine gemeinschaftliche Wirtschaft etabliert und durch Bildung ein kommunales Bewusstsein entwickelt.<\/p>\n<p>\u201eDas hei\u00dft, wenn eine Entscheidung gef\u00e4llt wurde, war die Kommune involviert, und auch, wenn Probleme gel\u00f6st wurden. Die Kommune schafft die Organisation der Gesellschaft, wir geben ihr die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung, von allen Institutionen und R\u00e4ten. Alle Menschen finden einen Platz in der Kommune\u201c, erz\u00e4hlen Frauen aus Afrin, die nun in einem Camp f\u00fcr Binnengefl\u00fcchtete der Autonomen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens leben.<\/p>\n<p><strong>Basisdemokratie<\/strong><\/p>\n<p>Das basisdemokratische System, in dem jedes Individuum Teil der Entscheidungsprozesse ist, sodass diese im Sinne des Gemeinwohls getroffen werden, ist die Perspektive eines freien, gesellschaftlichen Lebens der Menschen in Nord- und Ost-Syrien. Die Basis bilden demokratische und \u00f6kologische Werte, wobei die Notwendigkeit von Frauenbefreiung und die Gleichwertigkeit der Geschlechter im Vordergrund stehen.<br \/>\nVom Leben in Afrin erz\u00e4hlen die Frauen weiter: \u201eZu Beginn der Rojava-Revolution 2012\/2013 lebte Afrin in einer selbstversorgenden Kreislaufwirtschaft. Die Menschen ern\u00e4hrten sich von dem Land, das sie umgab. [\u2026] In jedem Haus standen B\u00e4ume im Hof und G\u00e4rten wurden angelegt. [\u2026] Beim Anbau von Pflanzen f\u00fcr den Verkauf werden oft chemische D\u00fcnger genutzt, um den Gewinn zu steigern, doch in Afrin gab es so etwas nicht. Wenn die Frauen zu Hause anbauten, deckten sie die Bed\u00fcrfnisse ihres Haushalts und vielleicht auch die ihrer Nachbar*innen und Freund*innen. Afrin war isoliert (belagert), und wir h\u00e4tten weitere zehn Jahre so \u00fcberleben k\u00f6nnen. Warum? Weil jedes Haus einen eigenen Garten hatte, der die Menschen selbst versorgen konnte. Ma\u00dfgeblich daf\u00fcr waren die Frauen, die das Land bestellten und bew\u00e4sserten. Sie pflanzten hier Blumen und dort<br \/>\nTomaten. Hier eine zarte Rose und daneben Bohnen. Die Menschen in Afrin bauten alles selbst an.<br \/>\nAu\u00dferdem hatte jedes Haus Schafe, f\u00fcr Joghurt, Milch und K\u00e4se. Und auch um diese k\u00fcmmerten sich meist die M\u00fctter. Es gab auch H\u00fchner, sodass die Menschen keine Eier auf dem Markt kaufen mussten.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Tausende Binnenvertriebene aus Afrin entwickelten in den Gefl\u00fcchtetencamps eine Perspektive eines freien, gemeinschaftlichen Lebens.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Frauen sprechen voller Stolz von der nat\u00fcrlichen Kreislaufwirtschaft und der Bedeutung der Selbstversorgung in Zeiten von Krieg und Belagerung. Die Rolle der Frauen und M\u00fctter darin, als Tr\u00e4gerinnen dieses ge-\u2028meinschaftlichen Lebens, steht f\u00fcr sie im Vordergrund. Sie sprechen davon, wie gr\u00fcn Afrin ist, im Gegensatz zu der d\u00fcrren Landschaft, in der sie nun von neuem versuchen ein Leben aufzubauen. Sie meinen das Grau-Gr\u00fcn von Olivenb\u00e4umen. Afrin ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine Olivenb\u00e4ume und die \u00d6lproduktion.<br \/>\nDie T\u00fcrkische Armee, die im Januar 2018 das kommunale Leben in Afrin gewaltvoll unterbrach, nannte ihre Milit\u00e4roffensive \u201eOperation Olivenzweig\u201c. Mit der neu kreierten S\u00f6ldnergruppe \u201eSyrian National Army\u201c (SNA), die die t\u00fcrkischen Interessen in Syrien umsetzen soll, begann am 20. Januar 2018 ein Angriffskrieg gegen Afrin.<\/p>\n<p>\u201eIm Afrin-Krieg waren auf einmal Kriegsflugzeuge \u00fcber uns am Himmel. Das hatten wir in unserem Leben noch nicht gesehen. Wir hatten keine Erfahrungen mit Krieg\u201c, erz\u00e4hlen die Frauen \u00fcber diesen Tag.<br \/>\nDie t\u00fcrkischen Interessen waren, einen Begriff von Heimat zu verteidigen, der nur einer ethnischen Gruppe, eine Sprache, einer Kultur und einer Religion erlaubt zu Hause zu sein. Um dieses Verst\u00e4ndnis zu etablieren, wurde der t\u00fcrkische Staat auf der Grundlage der Negierung der kurdischen Gesellschaft, der bis 1991 in der T\u00fcrkei offiziell verbotenen Sprache, Ethnie und Kultur aufgebaut. Das bunte gemeinschaftliche Leben, welches sich durch die Rojava-Revolution auf der anderen Seite der t\u00fcrkischen Staatsgrenze entwickelte, bedrohte diesen Begriff zu widerlegen, vor allem weil diese vor allem eine kurdische Initiative war. Die Frauen aus Afrin erz\u00e4hlen, wie durch den Widerstand der Frauen, ethnische Spaltungen \u00fcberwunden wurden und darin eine Leitungsrolle f\u00fcr die gesamte Gesellschaft einnahmen.<br \/>\n\u201eDie Wahrheit ist, dass Frauen das Leben \u00fcber tausende Jahre angef\u00fchrt haben. Aber wir, in der Mitte all dessen, hatten viele Schwierigkeiten. Ob wir es m\u00f6gen oder nicht, in Kultur, Religion, \u00fcberall gibt es Sitten und Traditionen. Die Frauenbewegung wurde ein Vorbild und eine Kraft f\u00fcr uns. Innerhalb der Gesellschaft, als Frauen, Autonomie unter Frauen aufzubauen, sich dadurch selbst kennenzulernen und zu befreien\u2026 und damit Vorreiterinnen zu werden f\u00fcr Frauen weltweit\u2026<\/p>\n<p>In Afrin lebten vor allem kurdische und arabische Frauen, ein paar wenige turkmenische Familien gab es auch. Wenn wir miteinander \u00fcber den Aufbau von Frauenkommunen sprachen, hat es sich angef\u00fchlt, als w\u00fcrde sich die ganze Gesellschaft auf eine Korrekturlinie zu bewegen. Die Gesellschaft konnte einen tiefen Atemzug nehmen und leichter atmen. Wir machten Bildungen zur Verteidigung von Frauenrechten. Frauenbefreiung bedeutet, Frauen m\u00fcssen sich selbst kennen lernen. Wir brauchten Frauenkommunen, denn darin konnten Frauen ihren Schmerz und ihr Leiden durch unterdr\u00fcckerische Traditionen, V\u00e4ter, Br\u00fcder oder Ehem\u00e4nner miteinander teilen.\u201c Zwei Monate nach dem Beginn des Angriffskrieges, am 18. M\u00e4rz 2018, beginnt die Besatzung Afrins durch die t\u00fcrkisch unterst\u00fctze SNA. Diese pl\u00fcndern die D\u00f6rfer, vergewaltigen, morden, entf\u00fchren, foltern und ver\u00fcben zahlreiche menschenrechtswidrige Massaker an der Zivilbev\u00f6lkerung.<br \/>\nDas Sprechen der kurdischen Sprache wird verboten und die geschichtstragenden Olivenhaine werden abgebrannt. Tausende sind gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Da Afrin ein Zufluchtsort f\u00fcr viele Menschen geworden war, die vor Kriegen fliehen mussten, wie zum Beispiel durch die Angriffe des IS auf die Jesid*innen in Shengal, war diese Vertreibung f\u00fcr Viele bereits die zweite in ihrem Leben.<br \/>\nDie Menschen aus Afrin gaben das Ziel nicht auf, zur\u00fcckzukehren. Viele entfernten sich daher nur so weit wie n\u00f6tig, gingen nach Aleppo oder nach Shehba. Auch in Shehba waren die Angriffe der SNA pr\u00e4sent und viele Menschen hatten die Region verlassen. Shehba war von der t\u00fcrkischen Besatzung und dem totalit\u00e4ren syrischen Assad-Regime umzingelt, einem wirtschaftlichen Embargo und st\u00e4ndigen Angriffen ausgeliefert.<br \/>\nTausende Binnenvertriebene aus Afrin entwickelten in den Gefl\u00fcchtetencamps eine Perspektive eines freien, gemeinschaftlichen Lebens.<br \/>\n\u201eNach unserer Ankunft [in Shehba] haben wir zun\u00e4chst drei Monate lang die Familien in den Zelten besucht. Wir sind von Haus zu Haus gegangen und haben miteinander dar\u00fcber gesprochen, wie Frauen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, Probleme fr\u00fchzeitig erkennen und ihre Kinder und die Umgebung sauber halten k\u00f6nnen. Denn wenn Frauen gut vorbereitet und gest\u00e4rkt sind, k\u00f6nnen sie die ganze Familie versorgen. Anschlie\u00dfend haben wir uns im Gemeinderat getroffen. Wir besprachen unsere Situation, die Kriegslage, wie es zu unserer Vertreibung gekommen war und wie wir uns k\u00fcnftig organisieren wollten.\u201c<br \/>\nIn den Gefl\u00fcchtetencamps wurde auch die Selbstverteidigung selbst organisiert. \u201eWer auch immer ins Camp kam, in die Kommune, wenn ein Fremder kam, hat jemand aus dem Selbstverteidigungskomitee direkt nachgesehen, wer es ist. Es ging ihnen darum, das allt\u00e4gliche Leben gut zu organisieren und eine Zukunft zu gestalten, die die Kriegssituation \u00fcberwinden kann.<br \/>\n\u201eWir hatten in Shehba eine Kita eingerichtet. F\u00fcr den ersten Tag der Kinder war alles vorbereitet. Aber wir mussten den Kindergarten aufgeben und Shehba verlassen.\u201c<br \/>\nSieben Jahre lang hatten die Menschen aus Afrin in Shehba gelebt und sich dort in den Camps weiterhin selbstverwaltet gegen die Angriffe der T\u00fcrkischen Armee verteidigt.<br \/>\n\u201eWenn deine H\u00e4nde in der Erde etwas anpflanzen, baust du Wissen und Energie auf. Du kannst Frauen aus Afrin nicht von der Natur trennen. Man denkt, in den Camps w\u00fcrde gar nichts wachsen. Doch wir haben alles angepflanzt. Davon getrennt zu sein, ist wie von der eigenen Sch\u00f6nheit, der Liebe des Lebens, des Geistes getrennt zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Als im Herbst 2024 das Assad-Regime gest\u00fcrzt wurde, nutzte die T\u00fcrkei diesen Moment und griff die Region mit Luft- und Bodenangriffen durch SNA und das t\u00fcrkische Milit\u00e4r an. Am 2. Dezember 2024 wurden die Gefl\u00fcchtetencamps evakuiert und die Menschen mussten erneut fliehen. Das \u201ehat einen Einfluss auf die Menschen. Frauen sind am meisten beeinflusst. Weil sie oft ans Haus gebunden sind. Sie versorgen den Haushalt, ziehen die Kinder gro\u00df. Ob alles lebensnotwendige verf\u00fcgbar ist oder nicht, ob es Arbeit gibt oder nicht, ob alles l\u00e4uft oder nicht, es beeinflusst sie. Einige Probleme werden erlebt und Schwierigkeiten, durch dieses Fliehen\u201c, erz\u00e4hlt eine der Frauen.<br \/>\nEine andere Frau f\u00fcgt hinzu: \u201eAls wir von Shehba fliehen mussten und hierher kamen, war<br \/>\nWinter. Wir waren in der K\u00e4lte in Zelten. Aber die Frauen haben Widerstand geleistet und sich<br \/>\nselbst in den Camps verteidigt, denn eine Frau, die nicht organisiert ist und sich nicht verteidigen kann, kann unter solchen Bedingungen nicht leben. [\u2026] Die Frauen ermutigen sich gegenseitig, um den Bedingungen zu trotzen.\u201c<\/p>\n<p>Manche Familien sind in die St\u00e4dte gegangen, haben Arbeit aufgenommen, andere sind in andere Gefl\u00fcchtetencamps gezogen, wie die Frauen dieses Interviews und wieder andere sind nach Aleppo gezogen.<br \/>\nIn Aleppo wurden sie in den selbstverwalteten Stadtteilen Shehmesud und Ashafriye in die dortige Nachbarschaftskommunen integriert und engagierten sich in den Komitees. Die restlichen Teile der Stadt Aleppo unterstehen der neuen Syrischen \u00dcbergangsregierung, die sich nach der Macht\u00fcbernahme der islamistischen Miliz Hay\u2019at Tahrir al-Sham (HTS) im Herbst 2024 bildete.<br \/>\nDamit haben die zwei selbstverwalteten Stadtteile durch ihre Lage eine bedeutende Rolle und waren immer wieder Ort von Auseinandersetzungen. Die \u00dcbergangsregierung sch\u00fcrte Spaltungen und Hetze, vor allem gegen religi\u00f6se und ethnische Minderheiten in den selbstverwalteten Vierteln. In einem Verhandlungsprozess zur Integration der Selbstverteidigungseinheiten der Autonomen Selbstverwaltung, der Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens (QSD), in die \u00dcbergangsregierung wurde sich am 10. M\u00e4rz 2024 auf ein Abkommen geeinigt.<br \/>\nDas Ziel einer Demokratisierung sollte ein Syrien schaffen, in der alle dort ans\u00e4ssigen Menschen gemeinsam Heimat finden k\u00f6nnen. So lautet Punkt 7 des Abkommens: \u201eAblehnung von Aufrufen zur Spaltung, Hassreden und Versuchen, Zwietracht zwischen den Bev\u00f6lkerungsgruppen Syriens zu s\u00e4en.\u201c<br \/>\nUnd Punkt 5: \u201eGew\u00e4hrleistung der R\u00fcckkehr aller vertriebenen Syrerinnen und Syrer in ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer und Gew\u00e4hrleistung ihres Schutzes durch den syrischen Staat.\u201cIn der Umsetzung des Abkommens und einer Dezentralisierung Syriens hatte Aleppo eine besondere Rolle. Die Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens \u00fcbergaben die Wahrung der Sicherheit der selbstverwalteten Stadtviertel an interne Sicherheitskr\u00e4fte, welche in den Selbstverteidigungskomitees der Kommunen wurzeln. Im April 2024 unterzeichnete der zivile Rat der Stadtviertel ein Abkommen mit der Syrischen \u00dcbergangsregierung. Darin wird best\u00e4tigt, dass die beiden Stadtteile selbstverwaltet bleiben und dennoch als Teil von Aleppo anerkannt werden, wobei die soziale und kulturelle Identit\u00e4t des Gebiets respektiert wird. Die Stra\u00dfen in den restlichen Teil Aleppos sollten ge\u00f6ffnet werden und die Verantwortung \u00fcber die Sicherheit der Viertel gemeinsam getragen werden.<br \/>\nGegen Ende des Jahres wurde immer klarer, dass die Prozesse der Demokratisierung und Dezentralisierung Syriens blockiert werden.<br \/>\nDie daraus folgenden Spannungen zeigten sich vor allem in den Vierteln in Aleppo. Im Dezember wurden die Zufahrtsstra\u00dfen in die Viertel von den Regierungstruppen blockiert, sodass die Versorgung erschwert wurde. Es folgten milit\u00e4rische Auseinandersetzungen zwischen Regierung und internen Sicherheitskr\u00e4ften auf Angriffe auf Demonstrationen der Bev\u00f6lkerung. Am 6. Januar 2026 griffen die S\u00f6ldnermilizen der Syrischen \u00dcbergangsregierung und der T\u00fcrkei mit schweren Waffen gezielt Zivilist*innen und Infrastruktur an. Sie mordeten und zerst\u00f6rten.<\/p>\n<p>Das \u015eehid-Xalid-Fecir-Kranken-haus wurde von der Regierung zu einem milit\u00e4rischen Ziel erkl\u00e4rt und zerst\u00f6rt, wodurch die medizinische Versorgung von hunderten Verletzen verhindert wurde.<br \/>\nViele verlie\u00dfen die Viertel und begaben sich ins Ungewisse. Andere folgten dem Aufruf der Kommunen und R\u00e4te und beschlossen, in ihren Vierteln zu bleiben und Widerstand zu leisten.<br \/>\nDie internen Sicherheitskr\u00e4fte der Selbstverwaltung verteidigten die Viertel und leisteten Widerstand, w\u00e4hrend die islamistischen S\u00f6ldnergruppen mit menschenverachtenden Methoden angriffen.<br \/>\nDabei filmten sie ihre Taten und stellten sie ins Internet, so dass die ganze Welt sehen konnte, wie sie gefangene Zivilist*innen dem\u00fctigten und die Leichen der Ermordeten verst\u00fcmmelten und sch\u00e4ndeten. Den K\u00f6rper einer ermordeten kurdischen K\u00e4mpferin warfen sie unter dem Gejohle von Islamisten aus dem dritten Stock auf die Stra\u00dfe. Gerade die Frauen erfahren besondere Gewalt durch die faschistisch-islamistischen Angreifer.<br \/>\nDer Widerstandswille der Gesellschaft in Nord-und Ostsyrien ist gro\u00df. Die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert ist, auch. Mit ihrem Widerstand zeigt sie der Welt, dass Revolution, Selbstbestimmung und Frauenbefreiung m\u00f6glich sind.<br \/>\nDer 11. Januar 2026 war ein Tag von Verlust. Eine weitere Heimat wurde genommen. Der Widerstandskonvoi aus Aleppo wurde mit einer Stimmung voller Schmerz und Wut empfangen. Die Menschen riefen \u201eBij\u00ee Berxwedana \u015e\u00eaxmeqs\u00fbd, Bij\u00ee Berxwedana E\u015frefiye!\u201c (Hoch lebe der Widerstand in Scheich Maksud und Aschrafia). Sie sangen: \u201eBerxwedan Jiyan e!\u201c (Widerstand ist Leben). Sie schwenkten Fahnen und, trotz der Tr\u00e4nen in den Augen, des Schmerzes, den jeder Krieg bringt, steht eines f\u00fcr sie fest: nur ein widerst\u00e4ndiges Leben kann Frieden bringen.<br \/>\nAuch nach acht Jahren Besatzung Afrins sind die Menschen fest entschlossen zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>\u201eAlle sagen, die Milizen haben Afrin eingenommen, die B\u00e4ume gef\u00e4llt, sie t\u00f6ten, besetzen und zerst\u00f6ren alles. Aber wir wollen auf unser Land zur\u00fcckkehren. Wir werden Afrin wieder gr\u00fcn machen, so wie es vorher war. Wir Frauen haben diesen Glauben.\u201c So beendet eine der Frauen das Gespr\u00e4ch. Eine andere f\u00fcgt hinzu: \u201eIch sage, wenn ich nach Afrin zur\u00fcckkehre, werde ich auf die Spitze eines Berges gehen, ein Lehmhaus bauen und dort leben. Wir werden uns selbst versorgen. Wir werden zu unserer Kultur und Lebensweise zur\u00fcckkehren, so dass wir die Jahre, die wir Afrin verlassen mussten, hinter uns lassen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 11. Januar 2026 versammeln sich die Menschen in den St\u00e4dten von Nord- und Ostsyrien. Mit Fahnen und Bannern stellen sie sich am Rand der Ortsdurchfahrten auf und erwarten den Widerstandskonvoi, der mit den Verwundeten aus Aleppo zur\u00fcckkehren soll. Wenige Tage zuvor waren hunderte Zivilist:innen in Richtung Aleppo aufgebrochen. 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