{"id":33665,"date":"2026-01-31T11:08:07","date_gmt":"2026-01-31T09:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/01\/menschenrechte-durchsetzen-der-faschisierung-trotzen\/"},"modified":"2026-02-05T12:26:10","modified_gmt":"2026-02-05T10:26:10","slug":"menschenrechte-durchsetzen-der-faschisierung-trotzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/01\/menschenrechte-durchsetzen-der-faschisierung-trotzen\/","title":{"rendered":"Menschenrechte durchsetzen, der Faschisierung trotzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Liebe Leser*innen,<\/strong><\/p>\n<p>Yurii Sheliazhenko ist f\u00fcr die Leser*innen der Graswurzelrevolution kein Unbekannter. \u00dcber die Schikanen u.a. des ukrainischen Geheimdienstes gegen den Kriegsdienstverweigerer und Antimilitaristen haben wir in der GWR mehrmals berichtet. Yurii beleuchtet mit seinen Beitr\u00e4gen den Alltag unter dem Kriegsrecht in der Ukraine.<br \/>\nNun besteht die Gefahr, dass er festgenommen wird. Ihm droht die zwangsweise Einberufung im Rahmen des ukrainischen Systems der allgemeinen milit\u00e4rischen Registrierung, das durch willk\u00fcrliche Festnahmen und erzwungene Vorf\u00fchrungen zu Einberufungsstellen durchgesetzt wird. Solche Zwangsma\u00dfnahmen n\u00f6tigen ukrainische Kriegsdienstverweigerer dazu, gegen ihre \u00dcberzeugungen zu handeln. Sie \u201estellen einen direkten Versto\u00df gegen Artikel 18 Absatz 2 des Internationalen Pakts \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte (IPbpR) dar, der jede Form von Zwang verbietet, welche die Freiheit des Denkens, des Gewissens und der Religion beeintr\u00e4chtigt\u201c ((1)), schreibt Connection e.V.<br \/>\nAls Antwort auf seine Einspr\u00fcche gegen die zu Weihnachten 2025 erhaltene Einberufung erhielt Yurii Schreiben von mehreren Beh\u00f6rden, in denen erkl\u00e4rt wurde, dass es in der Ukraine in Kriegszeiten keine Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgr\u00fcnden gebe.<br \/>\nDies ist eine Verletzung der Menschenrechte von Personen, die den Kriegsdienst aus Gewissensgr\u00fcnden verweigern.<br \/>\nDas B\u00fcro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen f\u00fcr Menschenrechte sowie der Menschenrechtskommissar des Europarates haben \u00f6ffentlich gemacht, dass in der Ukraine bereits mehrere Kriegsdienstverweigerer gefoltert und inhaftiert wurden.<br \/>\nDabei ist die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgr\u00fcnden ein Menschenrecht, das auch in der \u201eAllgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte\u201c verankert ist. Es gilt sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten.<br \/>\nIn einer Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung von verschiedenen antimilitaristischen Organisationen vom 23. Januar 2026 hei\u00dft es: \u201eWir fordern die ukrainischen Beh\u00f6rden auf, die Verfolgung von Kriegsdienstverweiger*innen im Land einzustellen, insbesondere von Herrn Sheliazhenko, der seit 1998 \u00f6ffentlich als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgr\u00fcnden bekannt ist, und wir fordern die Regierung auf, die Kriminalisierung jener zu beenden, die das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung aus\u00fcben.<br \/>\nWir fordern die ukrainischen Beh\u00f6rden auf, die Anschuldigung der angeblichen \u201aRechtfertigung der russischen Aggression\u2018 gegen Herrn Sheliazhenko zur\u00fcckzunehmen, die auf seinen pazifistischen \u00c4u\u00dferungen beruht, in denen er zu gewaltfreiem Widerstand gegen die russische Aggression aufrief und diese ebenso wie alle anderen Kriege verurteilte, sowie seine Meinungsfreiheit zu gew\u00e4hrleisten und seine Rechte gem\u00e4\u00df ukrainischem Recht im Einklang mit internationalen Standards zu sch\u00fctzen.\u201c<br \/>\nDieser Forderung schlie\u00dft sich die Graswurzelrevolution an: Freiheit f\u00fcr Yurii!<br \/>\nAm 5. M\u00e4rz 2026 findet der n\u00e4chste \u201eSchulstreik gegen Wehrpflicht!\u201c ((2)) statt. Eine gute Gelegenheit, um auch \u00fcber die Situation von Kriegsdienstverweigerern in der Ukraine, Russland und Belarus hinzuweisen.<\/p>\n<p><strong>Blick in die GWR 506<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt auch \u201eAnarchist*innen\u201c, die sich weder gegen jeden Nationalismus stellen noch sich mit allen Deserteuren und den Kriegsdienst verweigernden Menschen solidarisieren. Stattdessen propagieren sie, dass \u201eAnarchisten\u201c als \u201eM\u00e4rtyrer\u201c in die ukrainische Armee eintreten und, Seite an Seite mit Faschisten, f\u00fcr einen Nationalstaat in den Krieg ziehen und andere Menschen auf Befehl t\u00f6ten. \u00dcber die \u201eKriegsanarchisten\u201c berichtet Alexander Ametistow auf Seite 21 dieser GWR.<br \/>\nDen Schwerpunkt dieser Ausgabe bilden internationale Berichte.<br \/>\nAuf Seite 3 f. geht es um die \u201eRevolte gegen die Mullah-Diktatur\u201c und den Staatsterror des islamischen Regimes gegen die Massenproteste im Iran.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33688 alignleft\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/999-666-max-300x200.jpg\" alt=\"999 666 max\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/999-666-max-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/999-666-max-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/999-666-max-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/999-666-max.jpg 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\nIn vielen deutschen Medien, inklusive im \u00f6ffentlich-rechtlichen ZDF (heute), wird das Vorr\u00fccken der islamistischen Regierung Syriens gegen die selbstverwalteten, kurdischen Autonomiegebiete (Rojava) als \u201ewichtiger Schritt zu einem syrischen Einheitsstaat\u201c dargestellt. Diese Medien haben vor elf Jahren den erfolgreichen Widerstand der syrischen Kurd*innen gegen den Islamischen Staat (IS) gefeiert. Geschichtsvergessen!<br \/>\nDas Medienversagen ist umso unertr\u00e4glicher, umso mehr Videos von gefolterten und ermordeten Kurd*innen, durch Islamisten gesch\u00e4ndete kurdische Friedh\u00f6fe und zerst\u00f6rte Symbole der kurdischen Frauenbefreiung in den \u201eSozialen Medien\u201c \u00f6ffentlich werden. 60 % des kurdischen Selbstverwaltungsgebiets wurden von den Islamisten im Januar 2026 erobert, zigtausend IS-Terrorist*innen aus kurdischer Haft befreit. Heute wird die durch die Befreiung vor elf Jahren ber\u00fchmt gewordene kurdische Stadt Koban\u00ea erneut von Islamisten belagert.<br \/>\nIn Raqqa, das, bis zur Befreiung durch syrisch-kurdische K\u00e4mpfer*innen 2017, die Hauptstadt des \u201eIslamischen Staates\u201c war, weht jetzt wieder die IS-Fahne.<br \/>\nDen Menschen in Koban\u00ea droht ein Massenmord, die Rache der Islamisten.<br \/>\nRobert Krieg: \u201eWir bitten Euch herzlich, in dieser Notsituation den Menschen in Rojava mit einer Spende zu helfen. Wir empfehlen die St\u00e4dtepartnerschaft Friedrichshain-Kreuzberg &#8211;\u00a0D\u00earik e.V., die wir pers\u00f6nlich kennen und sch\u00e4tzen.\u201c ((3))<br \/>\nRobert hat im November 2025 mit der kurdischen Filmemacherin Sev\u00eenaz Evdik\u00ea \u00fcber die Situation von Frauen in Rojava und das islamistische Regime in Damaskus gesprochen. Ein bewegendes Interview: \u201eDie L\u00f6sung ist die Dezentralisierung der Macht\u201c (S. 4 f.).<br \/>\nMaria Blauwig berichtet direkt aus dem syrischen Kriegsgebiet \u00fcber die Angriffe in Aleppo und Nord-\/Ost-Syrien aus Sicht von Kurd*innen, die nun erneut vertrieben werden: \u201eWiderstand hei\u00dft Leben! \u2013 Berxwedan Jiyan e!\u201c (S. 5 f.)<\/p>\n<p>Neben Rojava wurden auch die zapatistischen, selbstverwalteten Autonomiegebiete im mexikanischen Bundesstaat Chiapas in den letzten Jahren zu einem positiven Bezugspunkt f\u00fcr basisdemokratische, antiautorit\u00e4re und anarchistische Internationalist*innen. \u201eDie Zapatistas selbst benennen es nicht so, aber der real existierende Zapatismus beinhaltet tats\u00e4chlich viele libert\u00e4r-sozialistische Elemente\u201c, schreibt Luz Kerkelnig. Mit seinem Artikel \u201eVon Pyramiden, Geschichten, Lieben und, na klar, Abneigungen\u201c (S. 8) zeigt er auf, dass die Zapatistas weiter auf anti-kapitalistischem Kurs sind.<\/p>\n<p>Am 24. Januar 2026 wurde der Krankenpfleger und Gewerkschafter Alex Pretti von ICE-Mitarbeitern auf offener Stra\u00dfe in Minneapolis ermordet, weil er einer Frau half, die mit Tr\u00e4nengas attackiert wurde. Mehrere Videos des Tathergangs zeigen eindeutig, wie Alex Pretti deeskalierend die H\u00e4nde hochh\u00e4lt und versucht, die Frau zu sch\u00fctzen. Dann wird er von den ICE-Beamten zu Boden gerissen, geschlagen und schlie\u00dflich erschossen. Dabei ist zu sehen, dass er sich durchgehend mit beiden H\u00e4nden am Boden abst\u00fctzt und keinerlei Gefahr von ihm ausgeht.<br \/>\nDas ist der zweite Mord durch ICE-Beamte innerhalb weniger Tage.<br \/>\nDie USA entwickeln sich unter dem Trump-Regime in eine neofaschistische Autokratie.<br \/>\nDiesen Entwicklungen m\u00fcssen wir uns zusammen mit den antifaschistischen Bewegungen in den USA und weltweit entgegenstellen. Die Rolle der ICE-Beh\u00f6rde beim Weg der USA in die autokratische Gesellschaft zeichnet Wolfgang Haug auf Seite 9 f. nach.<br \/>\nIm GWR-506-Artikel \u201eDebanking\u201c (S. 1, 20) geht es um deutsche Banken und die Anti-Antifa-Politik des Trump-Regimes. Auch die GWR wurde im Juli 2025 Opfer dieser gegen antifaschistische Projekte gerichteten Politik, als die Postbank ohne Begr\u00fcndung zwei Konten von Buchverlag und Zeitschrift Graswurzelrevolution k\u00fcndigte.<br \/>\nAnkn\u00fcpfend an den in der GWR 505 erschienenen ersten Teil geht es auch im zweiten Teil des Interviews mit dem Buchautor Andreas Speit um die \u201eAutorit\u00e4re Rebellion\u201c (S. 11) und die Frage, wie wir uns erfolgreich der Faschisierung entgegenstellen k\u00f6nnen.<br \/>\n\u00dcber die Waldbesetzung gegen die A39 berichtet GWR-Mitherausgeberin C\u00e9cile Lecomte: \u201eL\u00fcni bleibt!\u201c (S. 13)<br \/>\nMut machen kann das Interview, das ich mit Helga (*1932), Katja (*1963) und Clara Tempel (*1995) \u00fcber generations\u00fcbergreifende Solidarit\u00e4t, Utopien und Gewaltfreien Widerstand gef\u00fchrt habe: \u201eGeborgenheit und Frauenpower\u201c (Seite 1, 14 f.)<br \/>\nGisela Notz erz\u00e4hlt auf Seite 16 die Geschichte der afro-amerikanischen, leider nicht gewaltfreien Anarchokommunistin Lucy Parsons. Um den franz\u00f6sischen Streikorganisator und Anarchisten Jul\u00e8s Durand geht es auf Seite 17.<br \/>\nMirja Lisa Nicolas, Fabian Fritz und Joni Technau kritisieren mit ihrem Artikel \u201eSolidarit\u00e4t endet nicht am Krankenbett\u201c (S. 18) die Unsichtbarkeit von ME\/CFS und postakuten Infektionssyndromen in linker Theorie und Praxis.<br \/>\nMit \u201eAnarchie in grauer Vorzeit\u201c (S. 19) liefert Heike Knops einen weiteren Diskussionsbeitrag zur Kontroverse zum Themenkomplex Anarchismus, Herrschaftsfreiheit und Religion. Die Diskussion begann mit Rolf Cantzens Artikel \u201eKein Gott, kein Staat, kein Patriarchat\u201c, Helfried Lohmanns \u201ePl\u00e4doyer f\u00fcr einen anarchistischen Umgang mit Gottheiten\u201c und dem Interview \u201eAnarchismus und j\u00fcdische Renaissance. Gustav Landauer und der Kulturzionismus\u201c im Dezember 2025 in der GWR 504 und wurde von Torsten Bewernitz im Januar 2026 mit dem Beitrag \u201eAtheismus in Missionarsstellung. Lieber Atheist sein als gar keinen Glauben haben\u201c in der GWR 505 fortgesetzt.<br \/>\nKeinen Bezug zu dieser Debatte hat die Kolumne von Elmar Wigand, auch wenn sie den Titel \u201eBetriebsr\u00e4te, Z\u00f6libat und Rudolf Rocker\u201c (S. 22) hat.<br \/>\nUm Anarchismus geht es in dem Artikel \u201eBakunin in der Revolution 1848\u201c (S. 23) und in der Comic-Kolumne von Maurice Schuhmann, der an den vor drei\u00dfig Jahren gestorbenen franz\u00f6sischen Anarchisten und Krimiautor L\u00e9o Malet erinnert (S. 12).<br \/>\nEmpfehlen m\u00f6chte ich Euch auch die neue 55minutige Radio Graswurzelrevolution-Sendung, ein Interview ((4)) von Markus Beinhauer mit Pit Budde, dem S\u00e4nger der Anarcho-Folkrockband Cochise.<\/p>\n<p><strong>Eine gute Nachricht:<\/strong><\/p>\n<p>Die EU-Kommission bereitet ein vollst\u00e4ndiges Importverbot f\u00fcr russische Kernbrennstoffe vor.<br \/>\n\u201eEs ist fast vier Jahre her, seit Russland mit der umfassenden Invasion der Ukraine begonnen hat. In dieser Zeit hat die Europ\u00e4ische Kommission zahlreiche Ma\u00dfnahmen ergriffen, um die Gewinne Moskaus aus dem Export fossiler Brennstoffe zu verringern. Es sind russische Treibstoffe, die Putin dabei helfen, diesen blutigen, unprovozierten Krieg, den gr\u00f6\u00dften in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, fortzusetzen\u201c, schreibt der russische Anarchist und alternative Nobelpreistr\u00e4ger Vladimir Slivjak am 27. Januar 2026. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch! Das ist ein Erfolg der Anti-Atom-aktivist*innen, die die Europ\u00e4ische Kommission immer wieder aufgefordert haben, russischen Kernbrennstoff sowie jegliche Zusammenarbeit mit dem russischen Atomriesen Rosatom zu stoppen.<\/p>\n<p>Anarchie und Gl\u00fcck,<br \/>\nBernd Dr\u00fccke (GWR-Koordinationsredakteur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser*innen, Yurii Sheliazhenko ist f\u00fcr die Leser*innen der Graswurzelrevolution kein Unbekannter. \u00dcber die Schikanen u.a. des ukrainischen Geheimdienstes gegen den Kriegsdienstverweigerer und Antimilitaristen haben wir in der GWR mehrmals berichtet. Yurii beleuchtet mit seinen Beitr\u00e4gen den Alltag unter dem Kriegsrecht in der Ukraine. Nun besteht die Gefahr, dass er festgenommen wird. 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