{"id":33746,"date":"2026-03-01T12:33:33","date_gmt":"2026-03-01T10:33:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/ja-ich-will\/"},"modified":"2026-03-19T13:25:33","modified_gmt":"2026-03-19T11:25:33","slug":"ja-ich-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/ja-ich-will\/","title":{"rendered":"Ja, ich will"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Serie, in der das kleine Buch erscheint, hei\u00dft \u201eLinker Alltag\u201c. Dar\u00fcber freue ich mich, denn es w\u00e4re wirklich sch\u00f6n, wenn es allt\u00e4glich w\u00e4re, Menschen durch eine Hochzeit den Aufenthalt in Deutschland zu erm\u00f6glichen. Und genau darum geht es im neuen Buch von Pia Klemp.<\/p>\n<p>Ein historischer Teil widmet sich Schutzehen in der Vergangenheit. Nicht immer war ihr Zweck ein Aufenthaltstitel, so erm\u00f6glichten Ehen in den 1930ern britischen schwulen M\u00e4nnern durch den Schein der Heterosexualit\u00e4t einer Strafverfolgung zu entgehen.<br \/>\nHeinz R\u00fchmann hingegen kommt schlecht weg: Er lie\u00df sich zugunsten seiner Karriere von seiner j\u00fcdischen Frau scheiden, die zum Gl\u00fcck durch eine Schutzehe mit einem Schweden emigrieren konnte. Auch Rosa Luxemburg taucht auf in diesem Teil des Buches. Ihren Namen w\u00fcrden wir heute vermutlich nicht kennen, wenn es ihr nicht durch eine Schutzehe gelungen w\u00e4re, ihren sicheren Aufenthalt in Deutschland, und damit die M\u00f6glichkeit politischer Arbeit, sicher zu stellen.<\/p>\n<p>Bei genauerer Betrachtung ist vollkommen klar, dass in zahlreichen Ehen Liebe keine Rolle spielt. Es geht um finanzielle Sicherheiten und Vorteile, Erben und Namen, um Kinder und Immobilienk\u00e4ufe. Die wenigsten dieser Ehen stehen unter dem Verdacht eine Scheinehe zu sein, im Gegenteil ist es weithin akzeptiert, aus pragmatischen Gr\u00fcnden zu heiraten. Der Aufenthaltstitel eines Partners oder einer Partnerin jedoch stellt die \u201eEchtheit\u201c der Ehe sofort in Frage.<br \/>\nPia Klemp verdeutlicht in ihrem Text, wie schockiert deutsch-deutsche Paare w\u00e4ren, w\u00fcrden sie sich monate- oder jahrelang erkl\u00e4ren m\u00fcssen, bevor sie die Ehe schlie\u00dfen d\u00fcrften. F\u00fcr binationale Paare ist das hingegen Alltag, ganz egal, wie \u201eecht\u201c die Ehe ist.<\/p>\n<p>Die Definition dessen, was als \u201eeheliche Lebensgemeinschaft\u201c gilt, liegt in der Willk\u00fcr der Standes\u00e4mter und Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden. \u201eDie Betroffenen k\u00f6nnen theoretisch gar nichts an sich Richtiges oder Falsches sagen, sondern sind vom Weltbild der Pr\u00fcfenden abh\u00e4ngig\u201c schreibt Klemp. \u201eIn der Folge werden nun etwa Romantik, Langlebigkeit der Beziehung und Homogamie* pl\u00f6tzlich als Parameter aus dem Hut gezaubert. [&#8230;] Das vermengt mit rassistischen, sexistischen, queerfeindlichen und klassistischen Vorurteilen ergibt einen kafkaesken Verwaltungsapparat.\u201c<br \/>\nDer Generalverdacht gegen binationale Ehen wird immer wieder auch mit dem Vorgehen gegen Zwangsehen begr\u00fcndet. Dass die derzeit g\u00e4ngige Praxis das nun genau nicht leistet, legt Pia Klemp ebenfalls \u00fcberzeugend dar. Im Gegenteil sei es gerade \u201edie restriktive Einwanderungspolitik, die dazu f\u00fchrt, dass Migrierende in Zwangsehen landen\u201c.<\/p>\n<p>Einen weiteren Teil des B\u00fcchleins bilden schlie\u00dflich zahlreiche konkrete FAQ zum Thema Schutzehe. Es geht um Support-Netzwerke, anwaltliche Hilfe und um m\u00f6gliche Anh\u00f6rungsfragen. Und wer nun zurecht anmerkt, dass es all diese Infos dringend auch auf Englisch, Franz\u00f6sisch, Arabisch, Kurdisch, Spanisch und Farsi br\u00e4uchte, sei zum Schluss noch auf schutzehe.org verwiesen, wo sich all dies findet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Serie, in der das kleine Buch erscheint, hei\u00dft \u201eLinker Alltag\u201c. Dar\u00fcber freue ich mich, denn es w\u00e4re wirklich sch\u00f6n, wenn es allt\u00e4glich w\u00e4re, Menschen durch eine Hochzeit den Aufenthalt in Deutschland zu erm\u00f6glichen. Und genau darum geht es im neuen Buch von Pia Klemp. 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