{"id":33748,"date":"2026-03-01T12:33:33","date_gmt":"2026-03-01T10:33:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/gelebte-selbstorganisation\/"},"modified":"2026-03-20T02:08:46","modified_gmt":"2026-03-20T00:08:46","slug":"gelebte-selbstorganisation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/gelebte-selbstorganisation\/","title":{"rendered":"Gelebte Selbstorganisation"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich schreibe die Rezension als Anarchist und man m\u00f6ge mir meine ab und zu leicht ausrutschenden anarchistischen Kommentare vergeben. Es sind nicht viele, weil es nichts Wichtigeres gibt, als zu wissen, wie Gesellschaftsformen aussehen k\u00f6nnen, die ma\u00dfgebend das Leben in dem Projekt bestimmen.<br \/>\nIch k\u00f6nnte sagen: Wenn ich den Staat transformieren will und dennoch ein Arrangement mit ihm finden muss, dann sollten alle Beteiligten \u00fcber die b\u00fcrokratischen Strukturen genau Bescheid wissen. Daf\u00fcr ist dieses Buch gut geeignet. Elisabeth Voss hat sich viel M\u00fche gegeben, die gesetzlichen Grundlagen aufzudr\u00f6seln und f\u00fcr alle verst\u00e4ndlich zu machen. Dennoch steht am Anfang jedes Kollektivs oder jeder Gemeinschaft die Frage: Warum? Warum will ich mir diesen Stress antun?<br \/>\nElisabeth Voss ist regelm\u00e4\u00dfige Autorin u.a. der Graswurzelrevolution und arbeitet aus anarcha-feministischer Perspektive u.a. zu solidarischem Wirtschaften, Genossenschaften, Selbstorganisation und Digitalisierung. Kennengelernt habe ich Elisabeth bei dem Vorbereitungstreffen der Ost-West-Kommunen in Klein-Machnow 1990, gerade noch vor der ersten Ost-West-Bundestagswahl. Sie hat dann dort das erste Treffen organisiert, aus dem einige Gemeinschaften hervorgegangen sind. Unter anderem \u201eSieben Linden\u201c und vor allem \u201eLebensgut Pommritz\u201c. Es macht mir Freude, zu ihrem \u201ePraxishandbuch Selbstverwaltung\u201c eine Rezension zu schrieben. Wie der Titel sagt, ist es eine Anleitung wie Kollektive, Hausprojekte und \u00e4hnliche Konstrukte in Selbstverwaltung juristisch gestaltet werden k\u00f6nnen. Sie hat einen kleinen Bereich des Buches verwendet, um Kommunikationsmethoden zu erkl\u00e4ren und zu empfehlen. Sie sind in jedem Fall, f\u00fcr jede Art der Kollektivbildung, gewisserma\u00dfen die Grundlage, also das Fundament. Ich meine, dass das fast der wichtigste Teil des Buches ist. Wenn die Kommunikation nicht konsequent, wie in der Schule, gelernt wird, n\u00fctzen die ausgereiften Betriebsferien wenig. Es sei denn das Kollektiv<br \/>\nmacht einen Betriebsausflug zur Kommune Olgashof.<\/p>\n<p>F\u00fcrwahr, ein dickes Buch. Bevor es zur Sache geht, sind schon 43 Seiten verbraucht.<br \/>\nDas Inhaltsverzeichnis bringt einen guten \u00dcberblick, so dass nicht das ganze Buch gelesen werden muss, sondern haupts\u00e4chlich die Kapitel, die sich mit der gew\u00fcnschten Gesellschafts- oder Betriebsform auseinandersetzen. Erstaunlich, dass Elisabeth die Kapitalgesellschaften kaum bearbeitet, sicherlich weil alternative Kollektive und Gemeinschaften als h\u00f6chste b\u00fcrgerliche Anpassung die Genossenschaft und keine Kapitalgesellschaften w\u00e4hlen werden. Der Genossenschaft wird deshalb auch ein Gro\u00dfteil des Buches gewidmet. Selbstverwaltung ist eine Leitschnur f\u00fcr dieses Buch. Meine Empfehlung, so wenig \u201ejuristische\u201c Selbstverwaltung wie m\u00f6glich und so einfach wie m\u00f6glich. Da ist die Genossenschaft das aufwendigere, aber sicherlich auch das standfesteste. Bei all diesen Gesch\u00e4ftsmodellen sollte auch stets gefragt werden, wer will den ganzen B\u00fcrokram machen und wer will kontrollieren, ob sich die Mitglieder entsprechend irgendwelcher Satzungen verhalten.<br \/>\nIst das Leben in Kollektiven bereits ein politischer Ausdruck und viel wirkungsvoller f\u00fcr eine Transformation des Kapitalismus, als auf die Stra\u00dfe zu gehen und sich an verzweifelten Aktionen zu beteiligen? Beides nat\u00fcrlich. Eines ist auch klar: Die Definitionshoheit hat stets der Staat. Im Abschnitt \u201eSystem Change\u201c, auf Seite 30, spricht Elisabeth diese Frage an.<br \/>\nAuf Seite 39 beschreibt sie in einer guten \u00dcbersicht, welche Schritte zu tun sind, um das Unternehmen irgendwann anzufangen. Wenn dann das Programm, der Weg bis zum Anfang steht, dann empfehle ich, so schnell wie m\u00f6glich anzufangen und den ganzen Plan wieder loszulassen. Es kommt garantiert anders. Und dieses Bild gleicht einem sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden Chaos und das nennt sich: \u201ePolitisches aktives Leben.\u201c<br \/>\nBei diesen Projekten ist eines ganz entscheidend zu lernen, das Loslassen von Eigentum. Um das zu ertragen, muss, wie in der Schule, gelernt werden.<br \/>\nElisabeth beschreibt das in vorsichtiger Form und f\u00fchrt hier die g\u00e4ngigen Kommunikationsmethoden an. Das spricht sie im Kapitel 2.1 \u201eKultur der Kooperation\u201c an und erkl\u00e4rt auch gleich dankenswerter Weise die \u00dcberraschungen, die in der Gruppe zu finden sind.<br \/>\nBedeutsam ist an Elisabeths Einlassungen, dass sie gut verst\u00e4ndlich sind und Raum f\u00fcr die eigenen Erfahrungen lassen. An vielen Stellen betont sie, dass es sich um einen Entwicklungsprozess handelt, um einen Organismus, der erst einigerma\u00dfen zur Ruhe kommt, wenn an der Ladent\u00fcr das \u201eGe\u00f6ffnet\u201c-Schild steht. Oder die Tischlerinnen den ersten wichtigen Auftrag haben.<br \/>\nWenn die Kollektivist*innen nicht Jura oder Wirtschaft studiert haben, dann empfehle ich dieses Buch, das seit heute auch im B\u00fccherschrank unserer Kommune steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich schreibe die Rezension als Anarchist und man m\u00f6ge mir meine ab und zu leicht ausrutschenden anarchistischen Kommentare vergeben. Es sind nicht viele, weil es nichts Wichtigeres gibt, als zu wissen, wie Gesellschaftsformen aussehen k\u00f6nnen, die ma\u00dfgebend das Leben in dem Projekt bestimmen. Ich k\u00f6nnte sagen: Wenn ich den Staat transformieren will und dennoch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/gelebte-selbstorganisation\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Gelebte Selbstorganisation - graswurzelrevolution","description":"&nbsp; Ich schreibe die Rezension als Anarchist und man m\u00f6ge mir meine ab und zu leicht ausrutschenden anarchistischen Kommentare vergeben. Es sind nicht viele,"},"footnotes":""},"categories":[2119],"tags":[],"class_list":["post-33748","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-507-maerz-2026"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33748"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33748\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33823,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33748\/revisions\/33823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}