{"id":33904,"date":"2026-03-27T14:20:29","date_gmt":"2026-03-27T12:20:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/dem-system-eine-ohrfeige-zu-verpassen-ist-unbezahlbar\/"},"modified":"2026-03-27T14:20:29","modified_gmt":"2026-03-27T12:20:29","slug":"dem-system-eine-ohrfeige-zu-verpassen-ist-unbezahlbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/dem-system-eine-ohrfeige-zu-verpassen-ist-unbezahlbar\/","title":{"rendered":"\u201eDem System eine Ohrfeige zu verpassen, ist unbezahlbar.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit Fachleuten hat die Genossenschaft einen Gesch\u00e4ftsplan zur Herstellung von Lastenfahrr\u00e4dern und Solaranlagen ausgearbeitet, womit zun\u00e4chst um die 100 Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden sollen. Da die Fabrik im Moment noch nicht f\u00fcr die Produktion genutzt werden kann, haben die Arbeiter*innen einige Prototypen des Lastenfahrrads in einer befreundeten Werkstatt gebaut. Ein Fahrrad wurde auf der Konversionstour vorgef\u00fchrt.<br \/>\nSeitdem hat sich einiges getan, aber es sind noch H\u00fcrden zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Institutionelle Unt\u00e4tigkeit<br \/>\nund Geldmangel<\/p>\n<p>Das Fabrikkollektiv hat sich f\u00fcr ein Gesetz zur Reindustrialisierung eingesetzt, das Ende 2024 vom toskanischen Regionalparlament verabschiedet wurde. Im Sommer 2025 wurde ein \u00f6ffentliches Industriekonsortium gebildet, um stillgelegte Fabriken in die Hand von Kooperativen der Arbeiter*innen zu \u00fcberf\u00fchren, jedoch gab es bisher keinerlei weitere Aktivit\u00e4ten.<br \/>\nAuch die italienischen Genossenschaftsverb\u00e4nde unterst\u00fctzen GFF nicht. Darum kommen die Kolleg*innen nicht in den Genuss des Marcora-Gesetzes, das ihnen Rechte an den Produktionsanlagen, finanzielle Zusch\u00fcsse und die Umwandlung ihres Arbeitslosengeldes in Investitionsmittel erm\u00f6glichen w\u00fcrde.<br \/>\nUm entweder in Teilen der Produktionsanlagen von Ex-GKN, oder in anderen R\u00e4umen mit ihrer T\u00e4tigkeit zu beginnen, braucht GFF jedoch erhebliche Gelder. Es gibt bereits schriftliche Zusagen \u00fcber Genossenschaftsanteile in H\u00f6he von 1,5 Millionen Euro. Der Beitritt gestaltet sich allerdings schwierig, denn aufgrund der Vorschriften zur Verhinderung von Geldw\u00e4sche ist ein kompliziertes Online-Registrierungsverfahren mit pers\u00f6nlicher Identifikation erforderlich, erst danach k\u00f6nnen die Genossenschaftsanteile eingezahlt werden.<br \/>\nDie Banca Ethica ist vom Konzept \u00fcberzeugt und hat 2,5 Millionen Euro zugesagt. Soziale Investoren wollten mit zwei Millionen einsteigen, haben sich nun jedoch zur\u00fcckgezogen. Um das auszugleichen, verfolgt die Genossenschaft \u2013 die ihre Solidarit\u00e4t mit den Pal\u00e4stinenser*innen in Gaza bekundet hat \u2013 nun eine \u201eFlottillenmethode\u201c, ermutigt durch die Sumud-Flottille nach Gaza: \u201eDiese neue Kampagne (wird) mit gro\u00dfen oder mit kleinen Schiffen, mit einem Teil des Projekts oder mit dem gesamten Projekt in See stechen.\u201c<\/p>\n<p>Gemeinsam k\u00e4mpfen,<br \/>\ngemeinsam finanzieren<\/p>\n<p>Konkret bedeutet das, dass die Genossenschaft neben den Anteilen nun auch Spenden sammelt, um die fehlenden zwei Millionen Euro auszugleichen. Ihren Spendenaufruf haben die Kollektivist*innen \u00fcberschrieben mit: \u201eDem System eine Ohrfeige zu verpassen, ist unbezahlbar.\u201c Damit spricht die Genossenschaft vor allem diejenigen an, die Kleinbetr\u00e4ge unter dem Genossenschafts-Mindestbetrag von 500 Euro geben m\u00f6chten.<br \/>\nDie Spenden sammelt Arci, ein Zusammenschluss von Vereinen in der Tradition antifaschistischer Partisanen, die ein Netzwerk soziokultureller Zentren betreiben. Mit den gesammelten Spenden sollen Genossenschaftsanteile erworben werden. In Italien ist Arci gemeinn\u00fctzig, kann aber f\u00fcr Spenden aus Deutschland keine Spendenbescheinigungen ausstellen. Sollte das Vorhaben von GFF nicht zustande kommen, ist angedacht, nach R\u00fccksprache mit der Spender*innenversammlung \u2013 der alle angeh\u00f6ren, die mindestens 100 Euro gegeben haben \u2013 das Geld in einen dauerhaften Fonds zur Unterst\u00fctzung von Arbeitsk\u00e4mpfen und Projekten der Reindustrialisierungen von unten einzuzahlen.<br \/>\nUm die Fabrik besetzt zu halten, m\u00fcssen die verbliebenen Arbeiter*innen rund um die Uhr vor Ort sein. Nach 15 Monaten ohne Gehalt bekommen sie nun \u2013 nachdem ihre K\u00fcndigung rechtswirksam wurde \u2013 seit M\u00e4rz 2025 Arbeitslosengeld. Die viereinhalb Jahre Kampf fordern unerm\u00fcdlichen Einsatz. Aktuell bereitet die Genossenschaft zum vierten Mal ein \u201eWorking Class Literature Festival\u201c vor, das vom 10. bis 12. April 2026 in Florenz stattfinden soll.<br \/>\nAuch wenn es breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihren Kampf gibt, ist der Hilferuf un\u00fcberh\u00f6rbar: \u201eWir sind wie Verwundete, die versuchen, die Blutung mit ihren eigenen H\u00e4nden zu stoppen.\u201c<br \/>\nDas Fabrikkollektiv stellt sich selbstbewusst ins Zentrum der gro\u00dfen Fragen unserer Zeit und versteht sein Vorhaben als Alternative zu einer Wirtschaftsweise, die systematisch Mensch und Natur zerst\u00f6rt: \u201eDie Katastrophe steht vor der T\u00fcr \u2013 sei es Krieg, V\u00f6lkermord, \u00d6kozid, Klimawandel \u2013 und wir k\u00f6nnen uns nicht darauf beschr\u00e4nken, sie mit Worten zu bek\u00e4mpfen. Wir brauchen ein Beispiel, das greifbar, erkl\u00e4rbar und verallgemeinerbar ist.\u201c<br \/>\nEin Scheitern dieses modellhaften sozial-\u00f6kologischen Konversionsprojekts w\u00e4re fatal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Fachleuten hat die Genossenschaft einen Gesch\u00e4ftsplan zur Herstellung von Lastenfahrr\u00e4dern und Solaranlagen ausgearbeitet, womit zun\u00e4chst um die 100 Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden sollen. Da die Fabrik im Moment noch nicht f\u00fcr die Produktion genutzt werden kann, haben die Arbeiter*innen einige Prototypen des Lastenfahrrads in einer befreundeten Werkstatt gebaut. 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