{"id":33916,"date":"2026-03-27T14:20:34","date_gmt":"2026-03-27T12:20:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/erziehung-zum-krieg\/"},"modified":"2026-04-22T00:17:34","modified_gmt":"2026-04-21T22:17:34","slug":"erziehung-zum-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/erziehung-zum-krieg\/","title":{"rendered":"Erziehung zum Krieg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gesellschaftlicher und publizistischer Kontext der Kriegsromanhefte<\/strong><\/p>\n<p>Seit den 1950er Jahren gibt es in der Bundesrepublik Deutschland bereits (wieder) ein weit verzweigtes Netz von Buch- und Zeitschriftenverlagen mit neonazistischen, rechtsextremen, militaristischen und geschichtsrevisionistischen Inhalten, das bis heute zu einem festen Bestandteil der Buch- und Zeitschriftenkultur geworden ist (Br\u00fcdigam 1965, J\u00e4ger 1988, Lange 1993, Hunger 2016, \u00d6den 2017). Auch wenn immer wieder einzelne Titel und Ausgaben aus den Verlagen indiziert und verboten, als verfassungsfeindlich, volksverhetzend und jugendgef\u00e4hrdend eingestuft wurden und einzelne Verlage dadurch auch ein Teilnahmeverbot an der Frankfurter Buchmesse erhielten, bleiben diese Druckerzeugnisse und ihre herstellenden und vertreibenden Verlage als Gesamterscheinung legal im Horizont des Grundgesetzes.<br \/>\nIn diesem Publikationskontext nehmen die Landser-Hefte eine besondere Rolle ein, da sie \u00fcber eine immense Verbreitung, \u00fcber sehr hohe Auflagenzahlen und einen oft w\u00f6chentlichen Erscheinungs-Rhythmus verf\u00fcgen. Es kommt hinzu, dass Landser-Hefte auf den ersten Blick auch keinem rechtsradikalen Verlagshintergrund haben. Sie sind publizistisch in einen b\u00fcrgerlichen \u201eRegenbogen-Presse\u201c-Kontext eingebettet. Der Pabel-Moewig Verlag (Rastatt), der Landser von 1957\u20132013 publizierte, gab neben \u201ePerry Rhodan\u201c als Verlags-Flaggschiff seit 1961, auch Frauenzeitschriften, R\u00e4tsel- und Astrologie-Zeitschriften sowie Western- und Science-Fiction-Formate heraus.<\/p>\n<p><strong>Tradition und Entwicklung der Kriegsromanhefte<\/strong><\/p>\n<p>Kriegsromanhefte haben in Deutschland eine \u00fcber 100j\u00e4hrige Tradition. Im Deutschen Kaiserreich erschien von 1911 bis 1916 beispielsweise die Heft-Reihe \u201eUnter deutscher Flagge\u201c mit Kriegsgeschichten aus dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg 1870\/1871, dem Deutsch-D\u00e4nischen Krieg 1864, dem Boxeraufstand in China von 1900, aus den Kolonialkriegen in Afrika und schlie\u00dflich ab Heft 226 aus dem Ersten Weltkrieg. Im Nationalsozialismus erschienen in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 die \u201eKriegsb\u00fccherei der deutschen Jugend\u201c mit 156 Ausgaben und die \u201eKolonial-B\u00fccherei\u201c von 1940-1942 mit 88 Heften (Steiniger-Verlage Berlin). Beide Heftserien wurden von der NSDAP herausgegeben und finanziert.<br \/>\nIn dieser Tradition entstanden in den 1950er-Jahren in der BRD eine Reihe verschiedener Kriegsromanheftformate, von denen sich ab den 1960er Jahren nur noch der Landser im Markt durchsetzen konnte.<br \/>\nNach der Einstellung der Landser-Hefte im September 2013 durch den Pabel-Moewig-Verlag wird diese Form der trivialen Kriegsromanliteratur durch das Nachfolgeformat \u201eWeltkrieg \u2013 Erlebnisberichte\u201c aus dem Schweizer Verlag Mediavari fast nahtlos seit Ende 2013 fortgef\u00fchrt.<br \/>\nWeit verbreitet ist die These, dass der Nachkriegsboom an Kriegsromanheften in den 1950er Jahren mit der Diskussion um die Wiederbewaffnung und Gr\u00fcndung der Bundeswehr 1955 zusammenh\u00e4ngt (Geiger 1974, Wiechmann 2019).<\/p>\n<p><strong>Zur Rezeption der Landser-Hefte<\/strong><\/p>\n<p>Landser-Hefte geh\u00f6ren literaturhistorisch und gattungsgeschichtlich zu den Formaten \u201eGroschenroman\u201c, \u201eGroschenheft\u201c, \u201eHeftroman\u201c und hier in die Rubrik \u201eKriegsliteratur\u201c. Landser-Hefte werden umgangssprachlich als \u201eSchundliteratur\u201c bezeichnet. Sie stilisieren Kriegsabenteuer als \u201eauthentische Erlebnisberichte\u201c (so der Untertitel der Landser-Hefte) und historisch wertvolle Dokumente. Als literarische Gattung sind sie in Deutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt (Galle 1988, 2005).<br \/>\nLandser werden im Rahmen der literatur- und politikwissenschaftlichen Rezeption seit vielen Jahren als \u201eWegbereiter f\u00fcr den Rechtsradikalismus\u201c (Br\u00fchan 1979) diskutiert, \u201ebefriedigen Leserw\u00fcnsche\u201c (Gugel 1983) und Hajo Knebel spricht provokativ von \u201eBomben am Kiosk!\u201c (Knebel 1975).<br \/>\nDer Literaturwissenschaftler Mat\u00edas Mart\u00ednez definierte Landser-Romane als eine Literaturgattung, die \u201eKrieg als heroisches Geschehen\u201c darstelle (Mart\u00ednez 2019, S. 114). Kriegsromanhefte erreichen unterschiedliche Generationen sowie Milieus. Dies belegen die Millionen-Auflagenzahlen seit Jahrzehnten und verdeutlichen, dass Kriegsromanhefte seit den 1950er Jahren in der Mitte der Gesellschaft auf Akzeptanz sto\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Format und Verbreitung<\/strong><\/p>\n<p>Unter dem Label Der Landser aus dem Pabel-Moewig Verlag GmbH (Rastatt) finden sich im Laufe von 56 Jahren der Heft-Produktion verschiedene Reihen und Formate, die in unterschiedlichen Rhythmen (w\u00f6chentlich, vierzehnt\u00e4gig, monatlich), in unterschiedlichen Zeitfenstern, verschiedenen Herstellungsformen (Klammerheftung, Klebebindung mit R\u00fccken) und auch wechselnden Untertiteln erschienen.<br \/>\nDas Flaggschiff von Anfang an war das Format \u201eDer Landser\u201c mit einem Umfang von jeweils 64 bis 66 Seiten. Von 1957 bis 2013 erschienen 2.897 Ausgaben, die auch als \u201eKleinband\u201c bezeichnet wurden. Sie erschienen die meiste Zeit \u00fcber im w\u00f6chentlichen Rhythmus. Hinzu kommen die Formate \u201eGro\u00dfband\u201c, \u201eRitterkreuztr\u00e4ger\u201c, \u201eSammelband\u201c, \u201eFliegergeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg\u201c, \u201eSOS-Schiffsschicksale auf den Meeren der Welt\u201c und \u201eLandser Spezial\u201c (Pocketb\u00fccher).<br \/>\nVon 1957 bis 2013 sind insgesamt 4.620 Titel (www.romanhefte-info.de\/a_verlage_pabel.htm) von allen Landser-Formaten publiziert worden. Da Angaben aus dem Verlag \u00fcber Auflagenh\u00f6hen seit Jahrzehnten nicht vorliegen und seit den 1960er Jahren ein allm\u00e4hlicher R\u00fcckgang der Auflagenzahlen angenommen werden muss, sind valide Einsch\u00e4tzungen zu einer Gesamtauflagenh\u00f6he derzeit nur wage m\u00f6glich.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Landser-Hefte verbinden Militarismus mit B\u00fcrgerlichkeit, indem sie als Bestandteil von Groschenheft-Serien vertrieben und neben Arzt- und Bergromanen, Perry-Rhodan und Western-Hefte in Kiosken pr\u00e4sentiert werden.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Klaus F. Geiger spricht in seiner Dissertation f\u00fcr den Zeitraum der 1950er Jahre bis 1974 von \u201eetwa 100 Millionen in der BRD erschienenen Kriegsheften\u201c (Geiger 1974, S. 9) und Hajo Knebel sch\u00e4tzt eine Auflagenh\u00f6he bis 1971 in H\u00f6he von 50 Millionen Exemplaren mit 250 Millionen Landser-Heft-Lesern (Knebel 1975, S. 1). J\u00fcngst bezieht sich Mat\u00edas Mart\u00ednez auch noch auf die Zahlen von Geiger (1974) und nennt eine monatliche Druckauflage von 500.000 Hefte Ende der 1950er Jahren und f\u00fcr Anfang der 1970er Jahre 60.000 Exemplare pro Heft (Mart\u00ednez 2019, S. 102). Dabei bleibt allerdings unklar, ob sich diese Zahl ausschlie\u00dflich auf den Kleinband Der Landser bezieht oder auch alle anderen Reihen-Formate einschlie\u00dft.<br \/>\nDer Sprach- und Literaturwissenschaftler Peter Conrady stellt 2004 eine monatliche Auflage aller vier Landser-Reihen von zusammen 320.000 Exemplaren fest (Conrady 2004, S. 132). Eine Quelle und Berechnungsgrundlage nennt Conrady nicht.<br \/>\nDer Vertrieb der Landser-Hefte, wie auch der meisten anderen Heftromane, erfolgt seit den 1950er Jahren nahezu ausschlie\u00dflich \u00fcber den Zeitschriftenhandel, \u00fcber Kioske, Schreibwarenl\u00e4den und Bahnhofsbuchhandlungen, ganz selten \u00fcber den Sortimentsbuchhandel. Zehntausende dieser Exemplare aus den Verlagen Moewig und Pabel sind heute antiquarisch \u00fcber verschiedene Online-Kan\u00e4le erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p><strong>Inhalte der Landser-Hefte<\/strong><\/p>\n<p>Erstaunlich ist, dass sich die Inhalte, die Struktur und die Narrative der Landser-Hefte seit den 1950er Jahren bis heute nicht ver\u00e4ndert haben. An folgenden Parametern soll dies verdeutlicht werden:<br \/>\nDie Erz\u00e4hlperspektive ist in vielen F\u00e4llen, vor allem in den 1950er- bis 1970er Jahren, die pers\u00f6nlichen Kriegs-Erfahrungen der Autoren. Es gibt dabei die \u201eIch\u201c-Perspektive, dominant ist jedoch die Sicht eines Erz\u00e4hlers, der das Geschehen \u201evon au\u00dfen\u201c beobachtet und gleichsam \u201eobjektiv\u201c mit der Kamera das Geschehen einf\u00e4ngt. Die Erz\u00e4hlperspektive soll den Eindruck einer Reportage von der Front vermitteln.<br \/>\nDer Krieg wird durchg\u00e4ngig aus der Sicht \u201etapferer\u201c, mit Durchhaltewillen und dem Vaterland dienender deutscher Soldaten erz\u00e4hlt.<br \/>\nRaum und Zeit der Kriegsgeschichten werden exakt beschrieben und sollen ein authentisches historisches und geografisches Profil ergeben. Die Schaupl\u00e4tze der Landser-Geschichten entsprechen geografisch und zeitlich den realen Kriegskontexten 1939 \u2013 1945.<br \/>\nHandlungsstrang und Dramaturgie sind oftmals eindimensional, d. h. eine \u00fcberschaubare Anzahl von Soldaten agiert in einem \u00fcberschaubaren Handlungs-Setting. Der Angriff auf ein russisches Dorf zu Beginn des \u00dcberfalls auf die Sowjet-union 1941 im Mittelabschnitt in der Ukraine wird aus der Sicht einer Kompanie erz\u00e4hlt, wobei die Personen und Perspektiven wechseln: Der Blick des Sto\u00dftrupps, der als erster in das Dorf eindringen muss, wird flankiert von den Beobachtungen eines Maschinengewehr-Trupps, der mit seinem Maschinengewehr die Sicherung in einer gedeckten Stellung am Dorfrand \u00fcbernimmt.<br \/>\nDabei flie\u00dfen auch immer technische Merkmale und Details der verwendeten Waffensysteme ein: Das Maschinengewehr MG 42 mit seiner schnellen Schussgeschwindigkeit deckt den Sto\u00dftrupp, der mit der Maschinenpistole MPi 40 und Stilhandgranaten ausger\u00fcstet ist.<br \/>\nDies ist bezeichnend f\u00fcr die Landser-Hefte, die sowohl in der Erz\u00e4hlung als auch in erg\u00e4nzenden und separaten Technik-Information in Wort und Bild die zum Einsatz kommenden Waffen beschreiben. Der Leser soll damit die Geschichte noch weniger als Fiktion erleben. Landser-Hefte haben in diesem Sinne auch immer wieder die Funktion einer milit\u00e4rtechnischen Dokumentation und spiegeln das Interesse vieler Leser an der Wirkungsweise von Waffensystemen wider.<br \/>\nWenn wir die Akteure und Hauptpersonen in den Landser-Heften betrachten, dann sind dies ausschlie\u00dflich M\u00e4nner in Uniform. Es sind vorwiegend die Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrade, die im Mittelpunkt der Kampferz\u00e4hlungen stehen.<br \/>\nOffiziere sind seltener Hauptpersonen. Herausragende und mit Kriegsorden ausgezeichnete einzelne Offiziere werden jedoch nahezu in jedem Landser-Heft auf der zweiten Umschlagseite mit einer Kurzvita und einem Foto dargestellt und als \u201edeutsche Kriegshelden\u201c verkl\u00e4rt.<br \/>\nZivilist*innen sind Randfiguren in der Dramaturgie. In Heften \u00fcber den Russland-Krieg kommen sie vornehmlich als eine in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen lebende b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung vor, von der oftmals Gefahr f\u00fcr deutsche Soldaten ausgeht, da sie mit Partisan*innen oder Sympathisant*innen<br \/>\ngleichgesetzt werden.<br \/>\nAndererseits begegnen die deutschen Soldaten russischen Zivi-list*innen diszipliniert und anst\u00e4ndig. Die massenhaft von den Soldaten begangenen Gr\u00e4ueltaten, Massenerschie\u00dfungen und \u201eS\u00e4uberungen\u201c kommen in den Landser-Heften nicht vor.<br \/>\nEher selten stehen Soldaten anderer kriegf\u00fchrender Nationen im Mittelpunkt der Landser-Hefte. Hin und wieder werden jedoch auch die Kriegsschaupl\u00e4tze im Pazifik und im Fernen Osten mit den kriegf\u00fchrenden Parteien Japan auf der einen Seite und den US-Amerikanern, Briten, Australiern und Neuseel\u00e4ndern auf der Gegenseite beschrieben.<br \/>\nEine relevante Frage bei Kriegsromanen und Kriegsromanheften ist die nach dem Freund-Feind-Schema. Der Gegner der deutschen Soldaten bleibt in der Regel anonym und unpers\u00f6nlich. Die Alltagssorgen im Krieg, die \u00c4ngste, Hoffnungen und Verhaltensweisen, die einen Menschen ausmachen, werden nur beim deutschen Landser sichtbar. Der Feind, der meist in der \u00dcberzahl ist, bleibt nahezu immer unbekannt, fremd und anonym.<br \/>\nDas \u201eHeldentum\u201c der deutschen Soldaten wird weniger mit einem kriegsl\u00fcsternen und schie\u00dfw\u00fctigen Verhalten beschrieben als vielmehr in einem von Kameradschaft, Treue und Opferwillen gekennzeichneten Alltag gegen eine feindliche \u00dcbermacht. Gegen\u00fcber Vorgesetzten gibt es einerseits die \u201egemischten Gef\u00fchle\u201c gegen\u00fcber jenen, die nicht im Kampf stehen und andererseits das \u201eblinde Vertrauen\u201c gegen\u00fcber erfahrenen Offizieren und Unterf\u00fchrern, die \u201evorne\u201c bei der Truppe sind. Gehorsam wird zur Pflichterf\u00fcllung und zur obersten Tugend des deutschen Landsers, auch wenn es gegen seine eigene \u00dcberzeugung geht. Dies ist eine Kernbotschaft zum Habitus des deutschen Soldaten. Das \u201eHeldenhafte\u201c zeigt sich auch im Ertragen von Entbehrungen und Gewalt sowie im Durchhalten in aussichtslosen Lagen gegen einen materiell und personell \u00fcberlegenen Gegner.<br \/>\nEs gibt auch Tabu-Themen. Die Gr\u00e4ueltaten, Massaker und sogenannte \u201eS\u00e4uberungsaktionen\u201c an der Zivilbev\u00f6lkerung von Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten, die in allen \u00fcberfallenen und eroberten Gebieten Europas von Deutschen ver\u00fcbt und bei denen ganze Ortschaften oder Stadtteile ausgel\u00f6scht wurden, finden keine Erw\u00e4hnung. Oradur in Frankreich im Juni 1944, Sant\u2019 Anna di Stazzema in der Toskana im August 1944, Lidice in Tschechien im Juni 1942, Distomo in Griechenland im Juni 1944 oder die Vernichtung des j\u00fcdischen Ghettos in Warschau im Mai 1943 sind nur wenige markante Beispiele einer systematischen milit\u00e4rischen Vernichtungspolitik, die in Landser-Heften nicht auftaucht. Diese Gr\u00e4ueltaten, oft ver\u00fcbt von deutschen bewaffneten Einheiten im Zusammenwirken von Wehrmacht, SS und Polizei, an der europ\u00e4ischen Zivilbev\u00f6lkerung, waren ein Teil des kriegerischen Alltags im Zweiten Weltkrieg, keine Einzelf\u00e4lle und folgten einer \u00fcbergeordneten milit\u00e4risch-politischen Strategie des Nationalsozialismus.<br \/>\nEin weiteres Tabu-Thema ist der Nationalsozialismus, die NSDAP und politische Kontexte. Die ideologischen Ursachen des Krieges, der Antisemitismus, der Rassismus, die verbrecherische Kriegf\u00fchrung sowie die Vernichtungs-, Eroberungs- und Ausbeutungspolitik der nationalsozialistischen Diktatur und der von Deutschen zielgerichtet betriebene V\u00f6lkermord werden nicht thematisiert. Es wird der Eindruck erweckt, als ob der Krieg in einer unpolitischen Parallelwelt stattfindet, die mit Politik nichts zu tun hat.<br \/>\nDiese Trennung von Krieg und Politik, von Verbrechen und Ideologie und Krieg ist signifikant f\u00fcr die Landser-Geschichten.<\/p>\n<p><strong>\u00c4u\u00dferes Erscheinungsbild und Rubriken der Landser-Hefte<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausgaben erscheinen mit einem einheitlichen Reihen-Cover und einem Umfang, je nach Format (Kleinband, Gro\u00dfband, Ritterkreuztr\u00e4ger), von ca. 60 bis 100 Seiten in einem w\u00f6chentlichen (Kleinband), vierzehnt\u00e4gigen (Gro\u00dfband) oder monatlichen (Ritterkreuztr\u00e4ger) Rhythmus. Anders als bei vielen anderen Heftroman-Reihen stehen in den Landser-Heften jedoch keine namentlichen Serienhelden \u2013 wie etwa Perry Rhodan, Jerry Cotton oder der \u201eBergdoktor\u201c \u2013 im Mittelpunkt. Es sind \u201eeinfache Soldaten\u201c, also \u201eLandser\u201c, die in jedem Heft andere (erfundene) Namen haben.<br \/>\nAb Heft 554 vom November 1968 (\u201eTodeskessel Budapest\u201c) erfolgt eine Umstellung im Layout. Von da an wurden die Landser-Formate bis zur Einstellung 2013 mit einem einheitlichen Cover-Layout ausgestattet: Etwa 1\/3 des Covers machte ein gro\u00dfer einfarbiger Titelbalken mit Landser-Logo, Titel und Preisen aus und ca. 2\/3 werden mit einer gezeichnete Kampfszene, koloriert oder schwarz-wei\u00df ausgef\u00fcllt. Eine Zeitlang wurden stattdessen auch schwarz-wei\u00dfe Dokumentarfotos verwendet. Die Farben waren bis 2013 f\u00fcr den Kleinband orange, f\u00fcr die Ritterkreuztr\u00e4ger-B\u00e4nde blau, f\u00fcr die Gro\u00dfb\u00e4nde ebenfalls blau und f\u00fcr die Sammelb\u00e4nde blau, gr\u00fcn und selten rot.<br \/>\nEine weitere Neuerung war die Verarbeitung ab Heft 554, die nicht mehr mit einer R\u00fcckstichheftung mit zwei Klammern erfolgte, sondern als Klebebindung (Lumbeck) mit einem geraden R\u00fccken, der eine optische Aufwertung \u00e4hnlich einer Buchverarbeitung zum Ziel hatte. Schlie\u00dflich wurde auch der Untertitel ver\u00e4ndert: Statt bislang \u201eErlebnisberichte zur Geschichte des 2. Weltkrieges\u201c lautete er ab Heft 554: \u201eDie authentischen Erlebnisberichte zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges\u201c. Sp\u00e4ter wurde das \u201eauthentisch\u201c wieder weggelassen und der Untertitel hei\u00dft bis zur Einstellung der Landser 2013 nur noch \u201eErlebnisberichte zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges\u201c.<br \/>\nDer Landser-Gro\u00dfband erschien 14-t\u00e4gig und unterschied sich zum Kleinband durch einen bebilderten Magazin-Anhang zu kriegshistorischen und waffentechnischen Themen sowie mit einem Bilderdruck-Fototeil von ca. sechs Seiten, schwarz-wei\u00dfen Dokumentarfotos zum Thema des Heftes.<br \/>\nAuf der vierten Umschlagseite (U 4) der Landser-Hefte befindet sich ab den 1970er Jahren die Abbildung oder das Foto eines Waffensystems, schwerpunktm\u00e4\u00dfig eines deutschen und alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg und auf U 3 dazu eine Beschreibung mit Risszeichnung. In der Regel waren schwerpunktm\u00e4\u00dfig Panzer, Schiffe, Flugzeuge oder Infanteriewaffen abgebildet.<\/p>\n<p><strong>Selbstlegitimation \u2013 Pazifismus im Militarismus?<\/strong><\/p>\n<p>Trotz oder gerade wegen der wissenschaftlichen und \u00f6ffentlichen kritischen Rezeption der Landser-Hefte, die in der Tradition militaristischer und kriegsverherrlichender Trivialliteratur in Deutschland seit Anfang des 20. Jahrhunderts gesehen wird (z. B. Br\u00fchan 1979, Knebel 1975, K\u00fchn 1978, Gugel 1983, Mart\u00ednez 2019), war der Verlag von Anfang an daran interessiert, mit redaktionellen oder Leserbrief-Statements diesem Bild gegenzusteuern und es zu relativieren.<br \/>\n1977 hei\u00dft es beispielsweise in einem Landser-Heft: \u201eKriegsgeschichtliche Werke schildern den Verlauf gro\u00dfer Schlachten in summarischer Form, der LANDSER jedoch die Details und die endlose Skala der Schrecken, die jeder Krieg mit sich bringt. Dadurch formt sich seine stumme Anklage gegen kriegerische Gewalt in jeder Form\u201c (Bergmann 1977, S. 63).<\/p>\n<p><strong>Zur Ideologie der Landser-Hefte<\/strong><\/p>\n<p>Seit \u00fcber 60 Jahren wird mit diesen Kriegsroman-Heften eine Ideologie transportiert, die vor allem jugendliche und erwachsene M\u00e4nner als Zielgruppe erreicht und soldatische Tugenden wie Tapferkeit, Treue und Entschlossenheit zelebriert.<br \/>\nDer Soldat als Mensch wird auf seine Rolle als \u201eKrieger\u201c bzw. \u201eLandser\u201c reduziert. Der Mensch als\u00a0politisch denkendes und handelndes Wesen wird ausgeklammert. Gehorsam, Drill, (Todes-)Mut, Treue einem F\u00fchrer und einer Nation gegen\u00fcber und Kameradschaft unter Gleichgesinnten werden als Tugenden dargestellt und st\u00e4ndig wiederholt. Kulturelle, politische, zeit- und milit\u00e4rhistorische Kontexte werden ausgeklammert. Der (einfache) Soldat wird zu einem geschichtslosen Helden mit einem individuellen Kriegs-Schicksal in einem gro\u00dfen Drama, das weder verstanden noch erkl\u00e4rt wird. Er k\u00e4mpft f\u00fcr das \u201eGute\u201c \u2013 in Treu und Glauben an F\u00fchrer und Nation \u2013 und ist ansonsten seinem soldatischen Eid verpflichtet. Es gibt, so wird suggeriert, im Kriege keine Alternative zum \u201eKampf\u201c.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Erziehung zum Krieg?<\/strong><\/p>\n<p>Erstaunlich ist die Kontinuit\u00e4t der Kriegserz\u00e4hlungen \u00fcber die Jahrzehnte hinweg. Die hier untersuchten Kategorien weisen \u00fcber alle Jahrzehnte eine hohe Konstanz auf. Die Kriegserz\u00e4hlungen aus den 1950er Jahren sind in Stil und Inhalt identisch mit denen aus den 2000er Jahren.<br \/>\nLandser-Hefte haben, was ihre Wirkung betrifft, eine intermedi\u00e4re Funktion: Sie verbinden Generationen und bringen jugendliche Leser und Erwachsene bzw. ehemalige Soldaten der Wehrmacht miteinander ins Gespr\u00e4ch. Landser-Hefte verbinden Militarismus mit B\u00fcrgerlichkeit, indem sie als Bestandteil von Groschenheft-Serien vertrieben und neben Arzt- und Bergromanen, Perry-Rhodan und Western-Hefte in Kiosken pr\u00e4sentiert werden.<br \/>\nEine zentrale Stereotype sind die Erz\u00e4hlungen vom heldenhaften Kampf deutscher Soldaten an allen Fronten, ihrer Aufrichtigkeit, Ritterlichkeit, Tapferkeit und Opferbereitschaft \u2013 insbesondere in Russland \u2013 gegen einen zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegenen Gegner.<br \/>\nLandser-Hefte und ebenso das Nachfolgeformat der \u201eWeltkriegs\u201c-Hefte ab 2013 sind literaturhistorisch ein Relikt aus der Zeit des \u201eKalten Krieges\u201c in der Tradition des deutschen Militarismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<br \/>\nDiese Kontinuit\u00e4t \u00fcber Jahrzehnte und \u00fcber alle gesellschaftlichen Entwicklungen hinweg ist ein Markenzeichen dieser Kriegsromanhefte und transportiert ein stereotypes Soldatenbild aus vergangenen Zeiten. Dies ist gleichsam der \u201eHeimliche Lehrplan\u201c, den die Landser-Hefte seit fast 60 Jahren ungehindert transportieren. Der Landser ist damit zu einer informellen und beil\u00e4ufigen Sozialisationsinstanz f\u00fcr Militarismus und Heldenverehrung geworden, die f\u00fcr viele M\u00e4nner-Generationen die Haltung zu Krieg und Frieden mitgepr\u00e4gt hat.<br \/>\nAuch wenn der erzieherische und propagandistische Effekt dieser Kriegsgeschichten nicht mehr so wirkm\u00e4chtig sein d\u00fcrfte wie zu den Zeiten des Kalten Krieges, wird aber immer noch ein<br \/>\nBild des deutschen Soldaten gezeigt, das durch die Verk\u00fcrzung auf Kampferz\u00e4hlungen eine Heroisierung erzeugt und damit Kriegsgeschichte trivialisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesellschaftlicher und publizistischer Kontext der Kriegsromanhefte Seit den 1950er Jahren gibt es in der Bundesrepublik Deutschland bereits (wieder) ein weit verzweigtes Netz von Buch- und Zeitschriftenverlagen mit neonazistischen, rechtsextremen, militaristischen und geschichtsrevisionistischen Inhalten, das bis heute zu einem festen Bestandteil der Buch- und Zeitschriftenkultur geworden ist (Br\u00fcdigam 1965, J\u00e4ger 1988, Lange 1993, Hunger 2016, \u00d6den &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/03\/erziehung-zum-krieg\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":502,"featured_media":34007,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Erziehung zum Krieg - graswurzelrevolution","description":"Gesellschaftlicher und publizistischer Kontext der Kriegsromanhefte Seit den 1950er Jahren gibt es in der Bundesrepublik Deutschland bereits (wieder) ein weit v"},"footnotes":""},"categories":[2120],"tags":[994],"class_list":["post-33916","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-508-april-2026","tag-leitartikel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33916","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/502"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33916"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33916\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34010,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33916\/revisions\/34010"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34007"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}