{"id":34055,"date":"2026-05-06T13:43:00","date_gmt":"2026-05-06T11:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/05\/klimaaktivismus-ist-notwendig-nicht-kriminell\/"},"modified":"2026-05-27T12:02:54","modified_gmt":"2026-05-27T10:02:54","slug":"klimaaktivismus-ist-notwendig-nicht-kriminell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2026\/05\/klimaaktivismus-ist-notwendig-nicht-kriminell\/","title":{"rendered":"Klimaaktivismus ist notwendig, nicht kriminell!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Graswurzelrevolution: Du bist aktiv in den Sozialen Bewegungen. Was waren Erfahrungen und pr\u00e4gende Erlebnisse, die Dich dazu inspiriert haben?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea Bonasera:<\/strong> Bei mir waren es zwei miteinander verbundene Erfahrungen. Einerseits war ich tief bedr\u00fcckt, als ich mich zum ersten Mal bewusst mit Themen wie Tierleid und der Klimakrise konfrontiert habe \u2013 mir wurde klar, wie ernst die Situation ist und dass Milliarden Menschen und Tierleben auf dem Spiel stehen. Andererseits habe ich w\u00e4hrend meines Studiums \u00fcber die Wirksamkeit friedlichen Protests gelesen. Das war ein entscheidender Moment f\u00fcr mich: Ich merkte, dass es Wege gibt, aktiv zu werden und aus dem Gef\u00fchl von Ohnmacht und \u00dcberforderung herauszufinden. Diese Erkenntnis hat mir Mut gemacht, mich selbst f\u00fcr Ver\u00e4nderung einzusetzen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was bedeutet Ziviler Ungehorsam f\u00fcr Dich?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> F\u00fcr mich bedeutet Ziviler Ungehorsam, dass Menschen sich friedlich zusammenschlie\u00dfen, um gemeinsam f\u00fcr ihre Rechte einzutreten und gesellschaftliche sowie politische Ver\u00e4nderungen anzusto\u00dfen. Dabei geht es nicht nur um Pazifismus, sondern auch um den bewussten Einsatz von Gewaltfreiheit als strategisches Mittel, um politische Wirksamkeit zu entfalten.<br \/>\nAuch in Deutschland blicken wir auf eine eindrucksvolle und vielf\u00e4ltige Protestgeschichte zur\u00fcck \u2013 von den Gebr\u00fcdern Grimm \u00fcber den Kampf um Helgoland bis hin zur Friedlichen Revolution, der Anti-Atomkraft-Bewegung und dem Volksz\u00e4hlungsboykott. Diese und viele weitere Beispiele greifen wir auch in unserem Podcast auf, um zu zeigen, wie kraftvoll zivilgesellschaftliches Engagement \u00fcber die Jahrzehnte gewirkt hat.<\/p>\n<p><strong>GWR: Im Podcast \u201eTee &amp; Taktik\u201c interviewt Ihr einmal im Monat Aktivist*innen des Zivilen Ungehorsams, darunter erfreulich viele Autor*innen der Graswurzelrevolution. Magst Du etwas zum Konzept und zur Perspektive des Projekts erz\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Ich habe den Podcast gemeinsam mit meiner Kollegin Dr. Dalilah Shemia-Goeke, Protestforscherin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Bundes f\u00fcr Soziale Verteidigung (BSV), ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in einer zug\u00e4nglichen und leicht verst\u00e4ndlichen Sprache aufzubereiten \u2013 also Wissen aus der Forschung mit den Erfahrungen aus sozialen Bewegungen zu verbinden. Vor allem m\u00f6chten wir Menschen ermutigen und ihnen zeigen, dass ihr Handeln einen Unterschied machen kann. Viele f\u00fchlen sich angesichts der aktuellen Krisen ohnm\u00e4chtig. Wir wollen mit dem Podcast Wege aufzeigen, wie Engagement Kraft geben und zu realen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren kann. Wir haben viele spannende Themen, zuletzt Kriegsdienstverweigerung und Richter*innen im Protest.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie sieht Deine Utopie aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Meine Utopie ist eine Welt, in der Frieden und Gleichberechtigung selbstverst\u00e4ndlich sind und wir die Klimakrise, so gut es noch geht, abmildern \u2013 eine Welt, in der es allen Menschen gut geht. Ganz pers\u00f6nlich tr\u00e4ume ich von einem Hof mit vielen verschiedenen Gem\u00fcsesorten, gutem Essen, lieben Menschen und meinen B\u00fcchern \u2013 einem Ort, an dem sich politisches Denken, Leben und Gemeinschaft miteinander verbinden.<\/p>\n<p><strong>GWR: Du hast 2021 die Letzte Generation mitgegr\u00fcndet. Was hat Euch dazu inspiriert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Ich war schon vorher in der Klimagerechtigkeitsbewegung aktiv und hatte viele Erfahrungen gesammelt. Aus meiner Sicht reichten vereinzelte Aktionen nicht mehr aus \u2013 sie sind weniger effektiv. Es brauchte vernetzte, koordinierte Kampagnen, die zusammenlaufen und strikt friedlich bleiben.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie blickst Du heute auf die Aktionen der Letzten Generation zur\u00fcck?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Die Letzte Generation wird in der Boulevardpresse oft als chaotisch, teilweise sogar als sch\u00e4digend dargestellt \u2013 das ist eine sehr einseitige Sicht. Wenn man die Fakten betrachtet, dann hat die Klimagerechtigkeitsbewegung nachweislich politische Agenden gepr\u00e4gt, die \u00f6ffentliche Meinung verschoben und sogar Wahlverhalten nach gr\u00fcn-links geschoben. Proteste wirkten sich auf parlamentarische Debatten aus, und das bei der Mobilisierung von Tausenden Menschen auf friedliche Weise.<br \/>\nEs ist der Letzten Generation leider nicht gelungen, diese Impulse nachhaltig in Gesetze zu verankern, die \u00fcber die Kampagne hinaus wirken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34118\" aria-describedby=\"caption-attachment-34118\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-34118\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Lea2-225x300.jpg\" alt=\"Lea2\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Lea2-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Lea2-300x400.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Lea2.jpg 420w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-34118\" class=\"wp-caption-text\">Gegen die gewaltfreien Aktivistinnen Melanie Guttmann und Lea Bonasera wird nach \u00a7129 StGB ermittelt.<br \/>Foto: Hermann Bredehorst &amp; Laura Straub<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr mich ist der Protest der Letzten Generation auch irgendwann st\u00e4rker aktionsorientiert geworden \u2013 mit mehr Fokus auf Selbstwirksamkeit statt auf der effektivsten Strategie. Deshalb bin ich dann auch ausgestiegen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Aktivist*innen der Letzten Generation haben sich auf Stra\u00dfen festgeklebt, den Verkehr blockiert, Weihnachtsb\u00e4ume und Kunstwerke in Museen mit oranger Farbe bespr\u00fcht. Diese Protestformen haben Aufsehen erregt, wurden aber von einem gro\u00dfen Teil der \u00d6ffentlichkeit abgelehnt. Es gab massive \u00dcbergriffe auf Aktivist*innen und Kriminalisierung. M\u00f6chtest Du dazu etwas sagen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Aufmerksamkeit war nat\u00fcrlich wichtig \u2013 Proteste m\u00fcssen gesehen werden, um Wirkung zu entfalten. Aber es ging mir nie nur darum. Wir haben intensive Vernetzungsarbeit geleistet, mit Politiker*innen, Poli-zist*innen, Kirchen, Museen und K\u00fcnstler*innen \u2013 das wird leider fast immer totgeschwiegen.<br \/>\nAn vielen Stellen hat das geklappt: Polizist*innen, die uns unterst\u00fctzt haben, Kirchen, die sich \u00f6ffneten. So konnten wir Menschen f\u00fcr den Klimaschutz gewinnen, auch wenn nicht jeder die Aktionsform selbst umsetzen wollte.<\/p>\n<p><strong>GWR: Die Graswurzelrevolution hat sich immer mit den kriminalisierten Klima-aktivist*innen solidarisiert. In der GWR gab es aber auch Kritik, weil sich die gewaltfreien Aktionen der Letzten Generation nicht gegen Klimakillerkonzerne wie RWE richteten, sondern gegen Menschen von nebenan, z.\u2009\u2009B. die Hebamme auf dem Weg zur Arbeit. Dabei sind laut Carbon Majors Report ((4)) seit 1988 nur 100 Konzerne, darunter RWE, f\u00fcr 71\u00a0% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Und es kommt darauf an, die Menschen zu gewinnen und \u00fcber Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse aufzukl\u00e4ren, anstatt sie zu ver\u00e4rgern. Die Letzte Generation wurde in der GWR als zu hierarchisch, die Forderungen als zu \u201ereformistisch und staatsgl\u00e4ubig\u201c ((5)) kritisiert. Wie antwortest Du diesen gewaltfrei-anarchistischen Kritiker*innen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Ich stimme absolut zu, dass klimasch\u00e4dliche Konzerne in die Verantwortung genommen werden m\u00fcssen. Deshalb m\u00f6chte ich korrigieren: Es gab viele Proteste der Letzten Generation an \u00d6lpipelines und Ministerien (Verkehrsministerium, Umweltministerium, Bundestag etc.). Aber genau an der gestellten Frage zeigt sich, wie erfolglos diese Formen oft waren \u2013 sie sind untergegangen oder wurden von der Polizei extrem schnell unterbunden und die \u00d6ffentlichkeit wurde auch nicht \u00fcberzeugt.<br \/>\nAuch ich habe immer mit Stra\u00dfenblockaden gehadert, denke aber, dass disruptive Methoden im Angesicht der Klimakatastrophe gerechtfertigt waren. Ich frage mich immer wieder: Wie findet man beim Thema Umweltschutz eine Protestform, die so disruptiv ist, dass sie nicht ignoriert wird, aber gleichzeitig positiv und einladend wirkt? Die \u201eEssen retten\u201c-Aktionen mit Containern waren gut, aber selbst die sind irgendwie untergegangen. Es ist eine echte Herausforderung, friedliche St\u00f6rung und Konstruktivit\u00e4t zu verbinden.<\/p>\n<p><strong>GWR: Die M\u00fcnchener Staatsanwaltschaft wirft Dir und Melanie Guttmann vor, mit der \u201eLetzten Generation\u201c eine kriminelle Vereinigung gegr\u00fcndet zu haben. Sie ermittelt nach \u00a7129 StGB ((6)). Damit greift der Staat in Eure Grundrechte ein. Wie geht Ihr mit dieser massiven Einsch\u00fcchterung um? Kannst Du uns etwas zum Stand der Ermittlungsverfahren gegen Euch sagen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Wir sind insgesamt zw\u00f6lf Angeklagte, davon sieben in M\u00fcnchen und f\u00fcnf in Potsdam. Zum Gl\u00fcck ist Miri nicht mehr angeklagt in Flensburg. Der Paragraf 129 StGB ist eigentlich f\u00fcr organisierte Kriminalit\u00e4t und Terrorismus gedacht \u2013 er wird immer wieder gegen friedliche, demokratische Proteste missbraucht. Die Konsequenzen sind massiv, besonders wenn man als \u201eR\u00e4delsf\u00fchrerin\u201c angeklagt ist wie wir: Hohe Strafen bis zu f\u00fcnf Jahren Gef\u00e4ngnis, Hausdurchsuchungen, Konten\u00fcberwachung, Telefonabh\u00f6rungen, Observationen. Ein erheblicher Teil der Beweise basiert sogar auf Abh\u00f6rungen des Pressetelefons mit Journalist*innen, die dagegen Verfassungsbeschwerde eingelegt haben.<br \/>\nBesonders besorgniserregend: Die M\u00fcnchner Staatsanwaltschaft verwendet boulevardeske Begriffe wie \u201eKlimachaoten\u201c und macht absurde Vorw\u00fcrfe \u2013 etwa, wir h\u00e4tten nur \u201ejunge Frauen mit traurigem Gesicht angeworben, um zu emotionalisieren\u201c. Statt fairer juristischer Aufarbeitung scheint sie vorab zu verurteilen und hetzerische Sprache zu bem\u00fchen.<br \/>\nBundesinnenminister Dobrindt hat die Stimmung bereits vor Jahren mit Begriffen wie \u201eKlima-RAF\u201c vorbereitet, um jetzt h\u00e4rtere Strafen zu rechtfertigen. Diese ganzen Entwicklungen und staatlichen Repressionen reihen sich in einen globalen, systematischen Anstieg von Repression gegen Klimaproteste, der von den Vereinten Nationen und Amnesty International scharf kritisiert wird. Neue Gesetze, zweckentfremdete Strafverfolgung, entpolitisierte Gerichtsverfahren, die es verbieten, Klimawandel als Verteidigungsargument anzuf\u00fchren, harte Polizeipraktiken, Delegitimierung \u2013 der Staat hat ein ganzes Arsenal entwickelt, um friedliche Proteste systematisch zu ersticken.<\/p>\n<p><strong>GWR: Das Landgericht Flensburg hat am 6. April 2026 festgestellt, dass die Letzte Generation keine kriminelle Vereinigung ist und die Aktionen keine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit darstellen. Wie beurteilt Ihr das?\u00a0Hat das Auswirkungen auf Eure Verfahren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Das Urteil des Landgerichts Flensburg vom 6. April ist ein wichtiger Pr\u00e4zedenzfall: Die Letzte Generation ist keine kriminelle Vereinigung, und unsere Aktionen stellen keine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit dar. \u00c4hnlich wurde es zuvor schon in Berlin festgestellt.<br \/>\nDie M\u00fcnchner Staatsanwaltschaft wird nat\u00fcrlich alles versuchen, um ihre Anklage durchzusetzen \u2013 aber das Verfahren muss sofort eingestellt werden. \u00a7 129 StGB darf nicht l\u00e4nger missbraucht werden, um demokratischen Protest zu kriminalisieren.<br \/>\nDiese Anklage ist ein Warnsignal: Wenn gewaltfreier Protest als kriminell gilt, geraten Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte ins Rutschen. Die Auswirkungen sieht man bereits: Eine Studie zeigt, dass \u00fcber 80\u00a0% der Klimaprotestierenden Polizeigewalt erlebt haben oder f\u00fcrchten \u2013 ein Drittel passt sein Verhalten im Alltag daran an. Das ist Selbstzensur \u2013 ein riesiges Demokratieproblem.<br \/>\nDer Staat sollte nicht die Warner*innen bek\u00e4mpfen, sondern die Ursache: Jetzt klimapolitisch handeln, zum Schutz heutiger und zuk\u00fcnftiger Generationen<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie k\u00f6nnen wir und die Leser*innen der Graswurzelrevolution Euch unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Jeder kennt jemanden, der wiederum jemanden kennt \u2013 das ist unsere gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke. Sprecht mit Freundinnen, Kolleginnen, Nachbarinnen: Lehrerinnen, Wissenschaftlerinnen, K\u00fcnstler*innen, Eltern, Studierenden \u2013 alle, die eine lebendige Zivilgesellschaft wollen. Teilt, was passiert, in Euren Netzwerken. Jede Unterhaltung schafft Bewusstsein und Solidarit\u00e4t.<br \/>\nBesonders in M\u00fcnchen und Potsdam brauchen wir Unterst\u00fctzung \u2013 durch Gespr\u00e4che, Veranstaltungen, Spenden oder einfach Sichtbarkeit. Es geht um Demokratie, Freiheit und das Recht, f\u00fcr Gerechtigkeit einzutreten.<br \/>\nEin Weckruf: 2024 hat CIVICUS die Bundesrepublik Deutschland erstmals von \u201eoffener\u201c auf \u201ebeeintr\u00e4chtigte Zivilgesellschaft\u201c herabgestuft \u2013 wegen Demonstrationsverboten und Verfolgung von Klimaengagierten. Das zeigt: Wir m\u00fcssen Freiheitsrechte jetzt aktiv verteidigen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Angesichts von ungebremstem Klimawandel, Artensterben, Kriegspolitik und Rechtsruck, welche Chancen f\u00fcr ein Wiedererstarken der Klimagerechtigkeitsbewegung siehst Du?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Nat\u00fcrlich stehen wir vor gro\u00dfen externen Herausforderungen \u2013 es gibt massive politische R\u00fcckabwicklungen: Die USA sind unter Trump aus dem Pariser Abkommen ausgetreten, die CDU debattiert Klimaneutralit\u00e4t, w\u00e4hrend Kanzler Merz fossile Energiepartnerschaften mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aushandelt. Obwohl der Glaube an Klimawissenschaft stark und stabil bleibt, polarisieren rechte Akteure Klimapolitik. Und dann nat\u00fcrlich die steigenden staatlichen Repressionen gegen Klimaprotestierende.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Meine Utopie ist eine Welt, in der Frieden und Gleichberechtigung selbstverst\u00e4ndlich sind und wir die Klimakrise, so gut es noch geht, abmildern \u2013 eine Welt, in der es allen Menschen gut geht<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Trotzdem sehe ich Chancen: Wir k\u00f6nnen neue Taktiken ausprobieren \u2013 weg von \u00fcbernutzten Demos hin zu Nonkooperation und Streiks. \u201eWir Fahren Zusammen\u201c hat den \u201eKlima-Arbeiter-Wandel\u201c angesto\u00dfen und es ist wichtig, daran anzukn\u00fcpfen, um Berufsgruppen wie Fahrer*innen, Landwirt*nnen oder Pfleger*innen hinter dem Klimathema zu vereinen. Online-Proteste bleiben in Blasen stecken; wir brauchen zus\u00e4tzlich langfristige Offline-Kampagnen, die aufeinander aufbauen. Die Bewegung braucht Ressourcen: Aktuell lastet Klimaschutz auf unbezahlter, freiwilliger Care-Arbeit \u2013 das f\u00fchrt zu Burnout. Achtsamkeit gegen\u00fcber Protestierenden ist essenziell: Eine tolle Kampagne scheitert, wenn Menschen ausbrennen. Mit finanzieller Unterst\u00fctzung, starken Strukturen und innovativen Strategien k\u00f6nnen wir erstarken.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was fehlt Dir? M\u00f6chtest Du unseren Leser*innen noch etwas mit auf den Weg geben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lea:<\/strong> Die Klimakrise ist keineswegs vorbei, auch wenn es manchmal so scheint. Die Welt rast auf eine Drei-bis-Sechs-Grad-Erw\u00e4rmung zu, sieben von neun planetaren Grenzen sind \u00fcberschritten, und 2026 \u00fcberschreiten wir 1,5\u00a0\u00b0C zum dritten Mal in Folge, mit UN-Warnungen vor Wassermangel, \u00dcberschwemmungen in Spanien und Waldbr\u00e4nden in Chile und Argentinien. Man kann traurig, w\u00fctend oder \u00e4ngstlich sein \u2013 das geht mir genauso. Wichtig ist aber, sich nicht unterkriegen zu lassen und gemeinsam dranzubleiben. Ich glaube daran, dass wir das noch besser k\u00f6nnen \u2013 mit riesigen, effektiven Protesten, wie in den letzten Monaten in Serbien, in der T\u00fcrkei oder in Indonesien.<\/p>\n<p><strong>GWR: Herzlichen Dank!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution: Du bist aktiv in den Sozialen Bewegungen. Was waren Erfahrungen und pr\u00e4gende Erlebnisse, die Dich dazu inspiriert haben?\u00a0 Lea Bonasera: Bei mir waren es zwei miteinander verbundene Erfahrungen. 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