{"id":3419,"date":"2000-06-01T00:00:15","date_gmt":"2000-05-31T22:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3419"},"modified":"2012-02-04T18:09:30","modified_gmt":"2012-02-04T16:09:30","slug":"ein-versuch-die-sprachlosigkeit-zu-uberwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/06\/ein-versuch-die-sprachlosigkeit-zu-uberwinden\/","title":{"rendered":"Ein Versuch, die Sprachlosigkeit zu \u00fcberwinden"},"content":{"rendered":"<p>Eine Frau aus dem HerausgeberInnenkreis sprach mich Anfang des Jahres an, mit einem Kollegen aus K\u00f6ln das n\u00e4chste Treffen des HerausgeberInnenKreises und der Redaktionen zu moderieren. Dieses Treffen fand in K\u00f6ln statt. Dort wurde beschlossen, dass auch das folgende Treffen in M\u00fcnster moderiert werden sollte. Zum M\u00fcnster-Treffen, bei dem keine Vertreterin der FrauenLesbenRedaktion erschienen war, lag ein erstes Streikpapier vor, dass ich zu diesem Zeitpunkt nur kurz \u00fcberflogen hatte, weshalb ich die Rolle der Moderatorin noch \u00fcbernehmen konnte.<\/p>\n<p>Nach dem M\u00fcnsteraner Treffen beging ich den &#8222;Fehler&#8220;, das Streik-Papier der FrauenLesbenRedaktion genauer zu lesen.<\/p>\n<p>Aus zwei Gr\u00fcnden kann ich weitere Treffen zwischen HerausgeberInnen und der FrauenLesbenRedaktion nicht mehr moderieren. Zum einen ging meine pers\u00f6nliche Neutralit\u00e4t verloren, da ich in diesem Streikpapier von der FrauenLesbenRedaktion mit einem falschen Zitat vereinnahmt werde. Der zweite Grund findet sich in den Aussagen und der Sprache der FrauenLesbenRedaktion, die mich als Frau, Feministin und Anarchistin erstmal sprachlos machten und meine politische Neutralit\u00e4t aufhoben.<\/p>\n<p>Dieser Text ist entstanden in der Auseinandersetzung mit zwei Diskussionspapieren ((1)), die \u00fcber E-mail und Fax bereits erstaunlich weit in Graswurzel- und FrauenLesben-Kreisen verbreitet sind, und langen Gespr\u00e4chen mit anderen Graswurzlerinnen, die mich ermutigten, ihn zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p><cite>Kursiv<\/cite> und in Anf\u00fchrungszeichen sind jeweils die Originalzitate aus den Papieren der FrauenLesbenRedaktion.<\/p>\n<h3>Ein Papier zur Lage der FrauenLesbenRedaktion<\/h3>\n<p>Das erste Papier zur Lage der FrauenLesbenRedaktion war alarmierend. Im HerausgeberInnenkreis schienen sich Mechanismen abzuspielen, die vielen Frauen aus Graswurzelzusammenh\u00e4ngen wohl vertraut sind &#8211; tlw. mit Bildern von und Erinnerungen an &#8222;ganz spezielle&#8220; M\u00e4nner. Die Forderung nach einer Moderation war abgewogen, und alle, die sich mit Strukturen von Treffen besch\u00e4ftigen, wissen, wie wichtig dies ist und wunderten sich mehr oder weniger sanft, dass dies nicht schon l\u00e4ngst Tradition in einem solchen Kreis ist.<\/p>\n<p>Forderungen wie &#8222;Gespr\u00e4che auf der Basis von gegenseitigem Respekt&#8220;, \u00c4nderung von M\u00e4nnerverhalten, Einforderung <cite>&#8222;kreativer, konstruktiver Kommunikationsformen&#8220;<\/cite> &#8211; welche Frau in GWR-Kreisen f\u00fchlt sich nicht positiv best\u00e4rkt in der Kritik, die sie selbst so oft hatte? Und jetzt leiden andere Frauen unter der gleichen Situation und wollen offensiv etwas \u00e4ndern? Solidarisierung f\u00e4llt da erst mal leicht.<\/p>\n<p>Im ersten \u00dcberschwang der Gef\u00fchle &#8211; schlie\u00dflich tut sich endlich mal wieder was in graswurzel\/anarcha\/feministischen Kreisen &#8211; lie\u00dfen sich andere T\u00f6ne dieses Schreibens \u00fcberlesen, wer sich nach dem ersten \u00dcberfliegen eine Meinung oder sogar ein Urteil gebildet hatte sollte sich bald verwundert die Augen reiben.<\/p>\n<p>Schon in diesem Papier finden sich Formulierungen \u00fcber Menschen, die nachdenklich machen. <cite>&#8222;Renommierte Feministinnen in M\u00fcnchen fangen an, die GWR zu abonnieren.&#8220; &#8222;Die Anwesenden auf dem Berliner Treffen (&#8230;) &#8211; also bestimmt nicht der mainstream der \u00fcblichen &#8218;linken Feministinnen&#8216; (&#8230;)&#8220;.<\/cite><\/p>\n<p>Wer bzw. was sind renommierte Feministinnen f\u00fcr die FrauenLesbenRedaktion? Ist deren Abo mehr wert als das Abo weniger renommierter Feministinnen, dass dies so herausgestellt wird? Und geh\u00f6ren alle die Frauen, die nicht in Berlin waren oder nicht hundertprozentig hinter den Positionen dieses Papiers stehen zum &#8222;mainstream&#8220; (ein verdeckt abwertender Begriff) und werden offen zu &#8222;\u00fcblichen linken Feministinnen&#8220; abgewertet?<\/p>\n<p><cite>&#8222;.. und auch von (Hetero-) M\u00e4nnerseite kommt Neugier, Interesse, Best\u00e4tigung und Zuwendung.&#8220;<\/cite><\/p>\n<p><cite>&#8222;Sie<\/cite> (d. Feministinnen) <cite>lassen sich nicht instrumentalisieren, sondern fordern einen grunds\u00e4tzlichen Wandel im Dominanzverhalten (vor allem wei\u00dfer) M\u00e4nner und klagen Verst\u00e4ndnis und Kooperation ein.&#8220; <\/cite><\/p>\n<p>Das ist alles, was von (Hetero-) M\u00e4nnern gew\u00fcnscht ist? Und was ist genau mit der Formulierung &#8222;grunds\u00e4tzlicher Wandel im Dominanzverhalten&#8220; gemeint? Devot? Oder ausschlie\u00dflich neugierig, interessiert, best\u00e4tigend, zuwendend? Was ist mit einem Dominanzverhalten von men of color? Diese m\u00fcssen sich nicht\/nicht so schnell \u00e4ndern? Klagen im Sinne von beklagen, gleich in die passive Opferrolle gehen, oder im Sinne von anklagen, wobei dann die Frage best\u00fcnde, wem die RichterInnenrolle zuf\u00e4llt, oder sind die Kl\u00e4gerInnen auch RichterInnen?<\/p>\n<p>Noch eine Merkw\u00fcrdigkeit: Unterschrieben ist das Papier mit GWR-FrauenLesbenRedaktion. Im Text wird oft von einer anonym bleibenden <cite>&#8222;ich&#8220;, &#8222;Ich als Redakteurin&#8220;, &#8222;..hat zur Folge, dass ich nicht richtig Zeitung machen kann&#8220;, &#8222;A. <\/cite>(M\u00e4nnername) <cite>und Ich&#8220;<\/cite> gesprochen. Um was handelt es sich denn nun? Ein Positionspapier der FrauenLesbenRedaktion, die dann nur aus &#8222;A. und Ich&#8220; best\u00fcnde? Um ein pers\u00f6nliches Positionspapier, das aber mit GWR-FrauenLesbenRedaktion unterschrieben ist &#8211; womit die dem HerausgeberInnenKreis mehrfach vorgeworfene Funktionalisierung der FrauenLesbenRedaktion hier durch eine Frau und einen Mann stattfinden? Oder um einen ersten Entwurf, nach dem sich nicht die M\u00fche gemacht wurde, gegenzulesen und zu redigieren, was nicht gerade ein Qualit\u00e4tsmerkmal f\u00fcr die FrauenLesbenRedaktion darstellen w\u00fcrde?<\/p>\n<h3>Ein Streik, sein Papier und der Feminismus<\/h3>\n<p>Nach Aussagen von verschiedenen TeilnehmerInnen war das erste moderierte Treffen des HerausgeberInnenKreises in K\u00f6ln &#8222;nicht berauschend, aber doch ganz ordentlich verlaufen&#8220;. Es ist wohl einsichtig, dass auf einem Treffen nicht der gesamte aufgeworfene Themenkatalog abgearbeitet werden konnte. Immerhin fand eine Identifizierung und Strukturierung der notwendigen Arbeitsbereiche statt mit klaren Arbeitsauftr\u00e4gen f\u00fcr das n\u00e4chste Treffen.<\/p>\n<p>Um so \u00fcberraschender kam f\u00fcr viele der Streik der FrauenLesbenRedaktion. Was war passiert?<\/p>\n<p>Die M\u00fcnchner Redakteurin telefonierte mit einigen M\u00e4nnern aus dem HerausgeberInnenkreis und k\u00fcndigte ihren Streik an. Ob sich dies spontan aus dem Verlauf der Telefonate ergab oder ob dieser Streik, unabh\u00e4ngig von den Ergebnissen des K\u00f6lner Treffens, schon l\u00e4nger geplant war, ist offen. Von einem Streik der FrauenLesbenRedaktion war zu diesem Zeitpunkt keine Rede.<\/p>\n<p>Einer der Herausgeber sah sich gen\u00f6tigt, eine &#8222;pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung der Situation&#8220; und einen emotional gef\u00e4rbten Antrag zum weiteren Umgang mit dieser Situation zu schreiben, der dem HerausgeberInnenkreis und der betreffenden Redakteurin zuging. Auf dieses Schreiben eines (!) Herausgebers an den Kreis &#8211; das im \u00fcbrigen heftig kritisiert wurde und auf dem darauf folgenden Treffen wegen der Anzahl angek\u00fcndigter Vetos nicht mehr behandelt wurde &#8211; bezieht sich ein gro\u00dfer Teil der ersten schriftlichen Streikank\u00fcndigung und der Forderungen der FrauenLesbenRedaktion.<\/p>\n<p>Das Vorgehen der FrauenLesbenRedaktion auf ein solches Papier lie\u00dfe sich leicht nachvollziehen, wenn es sich um eine \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung des HerausgeberInnenKreises gehandelt h\u00e4tte &#8211; als Reaktion auf die tlw. kritikw\u00fcrdige Ausdrucksweise eines einzelnen Mannes ist es schwer verst\u00e4ndlich &#8211; es sei denn, dieser Mann w\u00e4re als so m\u00e4chtig einzusch\u00e4tzen, dass er den HerausgeberInnenkreis total unter Kontrolle hat.<\/p>\n<p>Der Streik der Redakteurin ist eine andere Sache. Als eine von drei hauptamtlichen RedakteurInnen besteht auch f\u00fcr sie die Aufgabe, die Gesamtbelange der Zeitung im Auge zu behalten. Wenn die Redakteurin die Zeitungsproduktion bestreikt, lebt sie selbst den im Streikpapier erhobenen Vorwurf an den HerausgeberInnenkreis bez\u00fcglich Haupt- und Nebenwiderspr\u00fcchen aus, da sie alle anderen f\u00fcr die n\u00e4chste Ausgabe relevanten Themen dem Thema Feminismus in der GWR unterordnet. Eine andere Frage ist, wie der Streik einer Hauptamtlichen in einem Projekt zu bewerten ist, das von vielen ehrenamtlich engagierten Menschen getragen wird, die durch diesen Streik getroffen werden. Dazu m\u00fcsste die Redakteurin belegen, und nicht nur behaupten, dass sie pers\u00f6nlich von den erhobene Vorw\u00fcrfen <cite>&#8222;M\u00e4nnerb\u00fcndelei, Erstarrung, Akademismus, Repr\u00e4sentationspolitik&#8220;<\/cite> sowie <cite>&#8222;Sexismus, Homophobie und A-Label- Anarchismus&#8220;<\/cite> betroffen sei.<\/p>\n<p>In dem am Anfang erw\u00e4hnten Papier zur Lage der FrauenLesbenRedaktion wird der fehlende &#8222;feministische Grundkonsens in der GWR&#8220; behauptet. Wer jedoch einmal z.B. im Internet-Archiv recherchiert wird feststellen, dass in 220 archivierten Ausgaben der GWR 306 Artikel unter dem Stichwort Feminismus ausgegeben werden und sich bestellen lassen (dabei ist dieses Archiv noch nicht einmal fertiggestellt).<\/p>\n<p>Aber es ging auch nicht um die Inhalte der Zeitung, sondern darum, <cite>&#8222;wie es feministischerweise in der Graswurzel zugeht&#8220;,<\/cite> was sich angeblich <cite>&#8222;bundesweit herumsprach&#8220;, <\/cite>weshalb angeblich bei vielen Frauen das Interesse verlorengegangen sei und es der Hauptamtlichen schwerf\u00e4llt &#8222;<cite>FrauenLesben gegen ihre Einsch\u00e4tzung auf ein Treffen zu locken&#8220;. <\/cite><\/p>\n<p>Beim Lesen des Streikpapiers stellt sich dann allerdings die Frage, was die FrauenLesbenRedaktion \u00fcberhaupt unter Feminismus versteht.<\/p>\n<h3>Die FrauenLesbenRedaktion als Opfer des HerausgeberInnenKreises?<\/h3>\n<p>Wer im Streikpapier nachliest, findet viele Vorw\u00fcrfe und Forderungen, die bekannt erscheinen. Die ganze Palette linksfeministischer Kampfvokabeln ist aufgefahren und weckt erst einmal die vertrauten Reflexe zwischen unkritischer Solidarit\u00e4t und Abwehr, je nach Grundeinstellung. Genau gelesen wird das ganze spannend. Sprechen da Opfer?<\/p>\n<p><cite>&#8222;Der HerausgeberInnenkreis verschleppt seine Aufgabe und erf\u00fcllt sie nicht. Er l\u00e4sst damit besonders die FrauenLesbenRedaktion im Stich.&#8220; &#8222;(&#8230;) Keine Auseinandersetzung mit der Geschlechterfrage und Geschlechtlichkeit, obwohl MAN sich eine FL-Redaktion hereingeholt hat.&#8220;<\/cite><\/p>\n<p>Wieso wird &#8222;besonders die FrauenLesbenRedaktion im Stich&#8220; gelassen, wenn HerausgeberInnen ihre Aufgabe verschleppen? (Und welche Aufgabe\/n sind gemeint?) Was ist mit den anderen RedakteurInnen\/AutorInnen? Leiden die weniger? Haben sich da einige FrauenLesben passiv in den HerausgeberInnenKreis hineinziehen lassen, sind somit beinahe Opfer einer Art Vergewaltigung?<\/p>\n<p>Kein einziges Mal kommt dabei zum Ausdruck, dass sich eine Redakteurin selbst auf diese Stelle beworben hat. Ebenfalls bleibt au\u00dfen vor, dass sich FrauenLesben eigenst\u00e4ndig entschieden haben, in diesem Graswurzelprojekt mitzuarbeiten. Die vorgeworfene (zahlenm\u00e4\u00dfige) M\u00e4nnerdominanz war bekannt und wurde nie in Abrede gestellt, ebenso lagen die Entscheidungsstrukturen immer offen. Und zuletzt waren es nicht nur M\u00e4nner, die \u00fcber die Einstellung der Redakteurin entschieden haben. Wie ist die Auseinandersetzung in der FrauenLesbenRedaktion mit der Geschlechterfrage zu verstehen, wenn drei Frauen einfach mal unter einem gro\u00dfgeschriebenen, fettgedruckten &#8222;MAN&#8220; subsumiert werden?<\/p>\n<p><cite>&#8222;Der HerausgeberInnenkreis vermeidet jegliche unterst\u00fctzende offene Auseinandersetzung zu Geschlechterfrage und Gleichgeschlechtlichkeit.&#8220;<\/cite> Wie soll das vonstatten gehen? Eine offene Auseinandersetzung bedeutet auch kritische und abweichende Meinungen, die nicht immer alles unterst\u00fctzen, oder ist hier eigentlich eine &#8222;offen unterst\u00fctzende Auseinandersetzung&#8220; gegen\u00fcber anderen gemeint? Dann g\u00e4be es aber keine Auseinandersetzung nach innen, die doch scheinbar gefordert ist.<\/p>\n<p><cite>&#8222;Der HerausgeberInnenkreis steht nicht hinter der FL-Redaktion: Der HerausgeberInnenKreis ist bez\u00fcglich seiner Meinung \u00fcber die FrauenLesbenRedaktion gespalten eingestellt. Die zwiesp\u00e4ltige Haltung raubt ihr viel Energien. Es entsteht eine Verunsicherung von Anfang an f\u00fcr die FrauenLesbenRedaktion.&#8220; <\/cite><\/p>\n<p>Wie soll ein &#8222;hinter der FL-Redaktion stehen&#8220; sich zeigen? Hat sich der HerausgeberInnenKreis in seiner Gesamtheit zu einzelnen Themen kritisch ge\u00e4u\u00dfert? Oder waren nicht alle Personen im HerausgeberInnenkreis mit der Einrichtung einer FrauenLesbenRedaktion einverstanden?<\/p>\n<p>Im ersten Fall muss sich diese FrauenLesbenRedaktion die Frage gefallen lassen, warum sie au\u00dferhalb der Kritik des HerausgeberInnenKreises stehen soll, der ja schlie\u00dflich gesamtverantwortlich f\u00fcr die Zeitung zeichnet. Im zweiten Fall stellt sich die Frage, wieso schon die Nichtzustimmung eines Teiles der HerausgeberInnen reicht, um so zu verunsichern. Schlie\u00dflich kann es sich um max. 25% der Entscheidenden gehandelt haben, die Mindestzustimmung f\u00fcr neue Projekte in der Zeitung liegt bei 75%, sonst kommen sie nicht zustande. Oder ist die FrauenLesbenRedaktion hier wirklich Opfer, allerdings ihrer eigenen Unsicherheit?<\/p>\n<p><cite>&#8222;Die FrauenLesbenRedaktion ist mit der Regelung dieses Konfliktes so belastet, dass sie kaum richtig Zeitung machen kann. (&#8230;) Die FrauenLesbenRedaktion scheint f\u00fcr die Aufarbeitung mangelnder Beziehungsf\u00e4higkeit von M\u00e4nnern da zu sein. Anstatt daf\u00fcr honoriert zu werden, gilt sie noch als St\u00f6rfaktor.&#8220;<\/cite><\/p>\n<p><cite>&#8222;(&#8230;) so gab es Streit <\/cite>(zwischen den RedakteurInnen)<cite>, welche feministische Aktion auf das Titelblatt darf, anstatt feministische Anliegen zu f\u00f6rdern.&#8220;<\/cite><\/p>\n<p><cite>&#8222;Die Redakteurin wird pers\u00f6nlich aufgerieben: Kann ein m\u00e4nnlicher Redakteur Konflikte noch halbwegs wegdr\u00fccken (&#8230;) zerfasert eine FrauenLesbenRedaktion unter diesen Erschwernissen g\u00e4nzlich.&#8220; <\/cite><\/p>\n<p>Die FrauenLesbenRedaktion stellt mangelnde Beziehungsf\u00e4higkeit fest &#8211; anhand welcher Kriterien ist noch immer offen &#8211; und kann deshalb nicht richtig Zeitung machen? Die abweichende Meinung eines Redakteurs, welches Thema auf ein Titelblatt kommen soll, ist also antifeministisch? Weil er es als Mann ge\u00e4u\u00dfert hat? Als Nicht-FrauenLesbenRedaktions- Mitglied? Hier erscheint zum ersten mal offen auch die biologistische Haltung, mit der die FrauenLesbenRedaktion arbeitet. M\u00e4nner k\u00f6nnen &#8211; qua Geschlecht &#8211; Gef\u00fchle wegdr\u00fccken und FrauenLesben leiden. Und dieses Leiden wird zum Thema gemacht. (Anstatt zu erw\u00e4hnen, dass die Redakteurin mit gro\u00dfer Unterst\u00fctzung des HerausgeberInnenKreises die Titelseite bekam.)<\/p>\n<h3>Feministischerweise oder Die (Un)Sprache der FrauenLesbenRedaktion<\/h3>\n<p>Viel wurde sich in der FrauenLesbenRedaktion wohl nicht mit dem Thema einer gleichberechtigten Sprache besch\u00e4ftigt, zumindest lese ich zum erstenmal in GWR-Zusammenh\u00e4ngen die Formulierung <cite>&#8222;m\u00e4nnlicher Redakteur&#8220;<\/cite>, die nach einmaligem Studium von Luise F. Pusch &#8222;Das Deutsch als M\u00e4nnersprache&#8220;, einer Klassikerin feministischer Literatur, nicht mehr vorkommen d\u00fcrfte. Aber auch ohne diese &#8211; zugegeben &#8211; Spitzfindigkeit lassen sich sowohl unter graswurzlerischen wie feministischen Gesichtspunkten Bedenken \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Was sollen GraswurzelerInnen davon halten, dass eine hauptamtliche Redakteurin meinte, <cite>&#8222;FrauenLesben gegen ihre Einsch\u00e4tzung auf ein Treffen (zu) locken&#8220;<\/cite> zu m\u00fcssen?<\/p>\n<p>So klein dieser Satz ist, so ungeheuerlich ist, was er bedeutet wenn er der Wahrheit entspricht. Da h\u00e4tte eine Graswurzelredakteurin anderweitig engagierten FrauenLesben die eigene Wahrnehmung\/Einsch\u00e4tzung abgesprochen und h\u00e4tte diese wider besseren Wissens mit irgendwelchen Versprechungen oder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu einem Treffen &#8222;gelockt&#8220;. Und das Ganze dient dann auch noch als Nachweis f\u00fcr die M\u00fche mit dem Aufbau einer Redaktion!<\/p>\n<p>Wenn schon die eigenen Kreise in dieser Art betrachtet und behandelt werden, wie sieht es dann mit Frauen\/Lesben au\u00dferhalb der FrauenLesbenRedaktion aus? Und wie werden M\u00e4nner gesehen?<\/p>\n<p>Frauen, die nicht mit der FrauenLesbenRedaktion konform gehen, werden sprachlich ausgegrenzt oder eliminiert. Im Gegensatz zur herk\u00f6mmlichen Umgangssprache, in der das &#8222;man&#8220; meistens gedankenlos eingesetzt wird, dient in der Formulierung <cite>&#8222;obwohl MAN sich eine FL-Redaktion hereingeholt hat&#8220;<\/cite> dieses Wort der offenen Wegleugnung von Frauen im HerausgeberInnenKreis. Noch offener f\u00e4llt eine Botschaft an diese Frauen auf: &#8222;<cite>Der HerausgeberInnenkreis muss allm\u00e4hlich in der Lage sein, ohne weibliche Hilfe selbstst\u00e4ndig und niveauvoll mit einer FrauenLesbenRedaktion umzugehen.&#8220; <\/cite>Die Frauen im HerausgeberInnen-Kreis haben sich gef\u00e4lligst rauszuhalten. Oder sie gelten als unweiblich.<\/p>\n<p>Ein Rundumschlag gegen alle, die sich nicht mit der jetzigen FrauenLesbenRedaktion im Einklang sehen wird mit dem folgenden Satz ausgeteilt.<\/p>\n<p>&#8222;<cite>Manche M\u00e4nner <\/cite>(im HerausgeberInnenKreis)<cite> verhalten sich wie in einer b\u00fcrgerlichen Kleinfamilie, in der Interessen gewahrt werden (Konflikte innen, heile Welt nach au\u00dfen). Deshalb fehlt ihnen die entsprechende Sensibilit\u00e4t im Umgang mit der FrauenLesbenRedaktion sowie mit schwulen M\u00e4nnern.&#8220;<\/cite><\/p>\n<p><cite><\/cite>Es wird hier so getan, als k\u00e4me dieser Umgang mit Konflikten ausschlie\u00dflich in Hetero-Kreisen vor bzw. nur dort g\u00e4be es die genannten Folgen. Ignoriert wird au\u00dferdem, dass viele schwule und lesbische Paare die Lebensform der Kleinfamilie ebenfalls bevorzugen und zweitens diese Form des Umgangs mit Konflikten wirklich nicht geschlechtsspezifisch ist. Aber vielleicht ja ohne die negativen Folgen? Spannend auch, dass es um &#8222;fehlende Sensibilit\u00e4t&#8220; gegen\u00fcber der &#8222;FrauenLesbenRedaktion sowie (..) schwulen M\u00e4nnern&#8220; geht. Was ist mit den vielen Hetero\/Bi\/FrauenLesben au\u00dferhalb der Redaktion? Brauchen die nicht so viel Sensibilit\u00e4t? Und Bi- bzw. Hetero-M\u00e4nner sowieso nicht ?<\/p>\n<h3>Ist der Ansatz der FrauenLesben-Redaktion feministisch?<\/h3>\n<p>F\u00fcr den Feminismus soll hier Janet Radcliffe Richards sprechen, die seit \u00fcber 20 Jahren international feministisch t\u00e4tig ist.<\/p>\n<p>&#8222;Ziel des Feminismus ist somit nicht, all jenen Personen Vorteile zu verschaffen, die zuf\u00e4llig weiblichen Geschlechts sind, sondern die gesellschaftliche Behandlung des Frauseins zu verbessern, unter der einzelne Frauen heute als Frauen leiden [&#8230;] Die Behauptung der Ungerechtigkeit gegen\u00fcber Frauen bedeutet nicht, dass jeder einzelnen Frau eine gr\u00f6\u00dfere Summe an Unheil widerf\u00e4hrt als jedem Mann.&#8220; (Janet Radcliff Richards, &#8222;Welche Ziele der Frauenbewegung sind feministisch?&#8220;, 1983)<\/p>\n<p>Besteht der Konflikt zwischen den HerausgeberInnen und der FrauenLesbenRedaktion oder der Redakteurin aufgrund einer Diskriminierung als Frauen? Anders gefragt, w\u00e4re dieser Konflikt nicht entstanden, wenn es sich um M\u00e4nner gehandelt h\u00e4tte? Beides l\u00e4sst sich verneinen. Im Gegenteil, gerade mit der Begr\u00fcndung des Frauseins wird versucht, Vorteile zu erringen, die einem Mann in der Redaktionsarbeit in dieser Form nie zugestanden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Arbeitsverweigerung der Redakteurin, wie auch f\u00fcr den Streik der FrauenLesbenRedaktion tr\u00fcge jetzt nur noch, wenn dem biologistischen Ansatz zuzustimmen w\u00e4re: Hetero-, Bi- und Lesbische Frauen w\u00fcrden dann aufgrund ihres Frauseins in einem solchen Herausgeber-InnenKreis leiden. Diese Argumentation f\u00fchrt jedoch feministische Arbeit ad absurdum, immerhin hat die Ausgrenzung von Frauen jahrtausendelang nach dem gleichem Muster funktioniert.<\/p>\n<h3>Worum es anscheinend wirklich geht<\/h3>\n<p>&#8222;Eine Feministin muss sich f\u00fcr die faire Behandlung der Frauen als eigenst\u00e4ndiges Ziel einsetzen, ganz ungeachtet, ob daraus auch ein anderer Nutzen wachsen k\u00f6nnte.&#8220; (Janet Radcliff Richards, s.o.)<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, ob die FrauenLesben, die FrauenLesbenRedaktion oder die anwesenden Frauen auf den Treffen &#8222;unfair&#8220; behandelt wurden. Ebenfalls m\u00fcssen sich die FrauenLesbenRedaktion sowie einzelne Frauen die Frage gefallen lassen, ob sie selbst fair handeln.<\/p>\n<p>Letztendlich findet sich die eigentliche Forderung der FrauenLesbenRedaktion in einem kleinen, gut versteckten Satz auf Seite 2 des ersten Streikpapiers: <cite>&#8222;Eine FrauenLesbenRedaktion ist ideell, moralisch und in allen anderen Beziehungen so zu st\u00e4rken, dass sie sich wohl f\u00fchlt, aber nicht in die Frauenecke rutscht oder zum Alibi verkommt.&#8220;<\/cite><\/p>\n<p>Dieser ultimative, materielle wie emotionale Versorgungsanspruch, der in den bisherigen Papieren angedeutet, aber nie so offen ausgesprochen wurde, ist es, der so sprachlos macht. Nicht nur, dass keine Chance besteht, ihn je erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen &#8211; bei &#8222;in jeder Beziehung unterst\u00fctzen&#8220; l\u00e4sst sich immer wieder eine neue &#8222;Beziehung&#8220; finden, die noch nicht erf\u00fcllt wurde &#8211; nein, jeder emanzipatorische oder feministische Grundgedanke ist mit diesem Satz aufgek\u00fcndigt. Konkret bedeutet dieser Satz: Wenn ihr (M\u00e4nner und nicht in unserem Sinne denkende Frauen) uns nicht absolut, ohne wenn und aber, versorgt und best\u00e4tigt, k\u00f6nnen wir nicht arbeiten \/ leben <cite>(&#8222;wenn es keine ad\u00e4quat lebbare L\u00f6sung f\u00fcr die FrauenLesbenRedaktion gibt.&#8220;)<\/cite> und ihr seid antifeministisch, erstarrt, sexistisch, homophob, mackerhaft.<\/p>\n<p><cite>&#8222;Feminismus wird gedacht, aber nicht gelebt&#8220;<\/cite> &#8211; dieser Vorwurf findet sich gegen\u00fcber dem HerausgeberInnenKreis. Ich behaupte: Feminismus wird von der Redakteurin und der FrauenLesbenRedaktion vorgeschoben und dieser Begriff missbraucht, um Vorteile bzw. Macht zu erringen und jegliche Kritik auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<h3>Wie weiter?<\/h3>\n<p>Auch wenn das Vorgehen der FrauenLesbenRedaktion und einer Redakteurin bedenklich ist, auch wenn sprachlich und argumentativ Begriffe wie Erstarrung, Homophobie oder Sexismus in \u00e4hnlicher Weise benutzt werden wie der Feminismusbegriff, eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Vorw\u00fcrfen ist dem HerausgeberInnenKreis anzuraten und wurde dort zum Thema &#8222;Eigener Sexismus&#8220; auch schon f\u00fcr das n\u00e4chste Treffen beschlossen.<\/p>\n<p>Wie notwendig dies ist, zeigt sich m.E. darin, dass anscheinend bei der Einstellung der M\u00fcnchner Redakteurin die im Sinne echter Gleichbehandlung gleichen Kriterien und kritischen Nachfragen wie gegen\u00fcber dem M\u00fcnsteraner Redakteur unterblieben. Ob dies aufgrund der Eigendarstellung der Bewerberin geschehen konnte, aus positivem Sexismus bzw. unkritischer Begeisterung, weil sich &#8222;endlich eine Frau&#8220; auf die Stelle beworben hat, oder in der Hoffnung, dass &#8222;endlich eine FrauenLesbenRedaktion&#8220; entstehen k\u00f6nnte, w\u00e4re dringend zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Nachdem der HerausgeberInnenKreis \u00fcber ein Jahr den Mitteln der FrauenLesbenRedaktion nichts entgegensetzen konnte ist zu diskutieren, wie mit Gruppen umgegangen werden kann, die einerseits aus ihrer spezifischen Situation legitime Anspr\u00fcche haben, andererseits jedoch Machtpolitik betreiben. Damit ein gewaltfreier Umgang in solchen Situationen gelingen kann, muss die eigene Position eindeutig gekl\u00e4rt sein und immer wieder neu \u00fcberpr\u00fcft werden. Der Beschluss des HerausgeberInnen-Kreises, zum eigenen Sexismus zu arbeiten, ist da ein ermutigender Beginn.<\/p>\n<p>Die FrauenLesbenRedaktion sollte sich ihrerseits dringend mit ihrem Verst\u00e4ndnis von Feminismus auseinandersetzen, und kl\u00e4ren, ob sie \u00fcberhaupt mit den Zielen der Graswurzelrevolution \u00fcbereinstimmt. Falls dies (doch) der Fall sein sollte, w\u00e4re hier die Reflexion des eigenen Verhaltens und der eigenen Sprache mindestens so notwendig wie im HerausgeberInnenKreis, um gemeinsam konstruktiv politisch t\u00e4tig sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Frau aus dem HerausgeberInnenkreis sprach mich Anfang des Jahres an, mit einem Kollegen aus K\u00f6ln das n\u00e4chste Treffen des HerausgeberInnenKreises und der Redaktionen zu moderieren. Dieses Treffen fand in K\u00f6ln statt. Dort wurde beschlossen, dass auch das folgende Treffen in M\u00fcnster moderiert werden sollte. Zum M\u00fcnster-Treffen, bei dem keine Vertreterin der FrauenLesbenRedaktion erschienen war, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/06\/ein-versuch-die-sprachlosigkeit-zu-uberwinden\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Ein Versuch, die Sprachlosigkeit zu \u00fcberwinden - graswurzelrevolution","description":"Eine Frau aus dem HerausgeberInnenkreis sprach mich Anfang des Jahres an, mit einem Kollegen aus K\u00f6ln das n\u00e4chste Treffen des HerausgeberInnenKreises und der Re"},"footnotes":""},"categories":[220,59],"tags":[],"class_list":["post-3419","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-250-sommer-2000","category-graswurzelrevolution"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3419"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3419\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}