{"id":347,"date":"1996-05-01T00:00:43","date_gmt":"1996-04-30T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=347"},"modified":"2022-07-26T14:26:39","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:39","slug":"was-wurde-ich-machen-ware-ich-heute-in-spanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1996\/05\/was-wurde-ich-machen-ware-ich-heute-in-spanien\/","title":{"rendered":"&#8222;Was w\u00fcrde ich machen, w\u00e4re ich heute in Spanien?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Totalverweigerer haben keine historische Erinnerung. Vielleicht ist das einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr ihren Erfolg, da\u00df sie nicht wissen, da\u00df sie eine Geschichte haben und sich in den Widerspr\u00fcchen einer endlosen Gegenwart unvoreingenommen neu erschaffen.<\/p>\n<p>Ohne die Absicht, diese <cite>joie de vivre<\/cite> (&#8222;Lebensfreude&#8220;) der &#8222;Ungehorsamen&#8220; ((*)) zu tr\u00fcben, scheint es angebracht, in diesem Jahre voller Gedenktage an unheilvolle Ereignisse die ersten Schritte des spanischen Antimilitarismus der drei\u00dfiger Jahre dem Vergessen zu entrei\u00dfen. Es handelt sich um eine bescheidene Erfahrung, die, wie die Wahrheit, eine der ersten Opfer des Krieges wurde und \u00fcber Jahrzehnte unter der Geschichtsschreibung der Sieger, der epischen Nostalgie der Besiegten und der Ignoranz ihrer sp\u00e4teren ErbInnen begraben war.<\/p>\n<p>Das Entstehen der antimilitaristischen Bewegung w\u00e4hrend der II. Republik war in der Hauptsache das Ergebnis des Zusammentreffens zweier Str\u00f6mungen: auf der einen Seite die bodenst\u00e4ndige Tradition der Opposition gegen das Milit\u00e4r, in spontanen Formen der Flucht vor der Wehrerfassung wie in der organisierten Richtung aus der ArbeiterInnenschaft. (Opposition gegen die Feldz\u00fcge in Marokko, Generalstreik von Barcelona 1909, anarchistische Zirkel etc.); auf der anderen Seite die pazifistischen Echos, die generell auf den ersten Weltkrieg folgten, und die War Resisters&#8216; International als ihr besonders organisierter Ausdruck.<\/p>\n<p>Die wenigen Zeugnisse, die wir noch von den spanischen AntimilitaristInnen der Epoche besitzen, reden uns von den Hoffnungen, die vom republikanischen Regime und seinen Reformen in der Verfassung von 1931 angefacht wurden, wie die Trennung von Kirche und Staat, die politische und Religions-Freiheit oder die Abschaffung der Todesstrafe. Besonders ermutigend war der Text des Artikels sechs der Verfassung: &#8222;Spanien verzichtet auf den Krieg als Instrument der nationalen Politik&#8220;, er nahm die Formulierung auf, die im Briand-Kellogg-Pakt von 1928 das allgemeine Verbot des Krieges vorsah (das nat\u00fcrlich in der spanischen Verfassung sp\u00e4ter niemals wieder aufgenommen wurde). Das Scheitern des Staatsstreichs des Generals Sanjurjo 1932 und die fortschrittlichen Ma\u00dfnahmen der ersten Zeit, besonders die der Milit\u00e4rreform Anza\u00f1as, wurden gleicherweise in den antimilitaristischen Medien gefeiert. ((2))<\/p>\n<p>Diese anf\u00e4nglichen Hoffnungen verschwanden in dem Ma\u00dfe, in dem die Grenzen der republikanischen Programme bemerkbar wurden, besonders seit der Unterdr\u00fcckung von Casas Viejas 1933, so da\u00df die AntimilitaristInnen definitiv Positionen \u00e4hnlich denen, die in der spanischen Linken in Bezug auf die II. Republik dominierten, annahmen. Die Meinungsverschiedenheiten mit dem Rest der Linken sollten in der Hauptsache aus der Kritik am Gebrauch gewaltsamer Mittel durch die ArbeiterInnenbewegung kommen, eine Frage, deren Relevanz sich, wie wir nachfolgend sehen werden, w\u00e4hrend der revolution\u00e4ren Ereignisse von 1934 enth\u00fcllen sollte.<\/p>\n<h3>Die Republik, die antimilitaristische Bewegung und die revolution\u00e4re Gewalt<\/h3>\n<p>Die ersten Nachrichten von der antimilitaristischen Bewegung zur Zeit der Republik gehen auf 1932 zur\u00fcck, mit der Gr\u00fcndung des &#8222;Orden del Olivo&#8220; durch Jos\u00e9 Brocca, eine Gruppe, die vom ersten Augenblick an in die WRI integriert war. Die Presse der WRI informierte p\u00fcnktlich von London aus \u00fcber die T\u00e4tigkeit dieses urspr\u00fcnglichen Kerns, weshalb Nachrichten zu uns gelangt sind wie die einm\u00fctige Annahme einer Resolution bei der Jahreskonferenz 1932 der Provinzialf\u00f6deration der Gewerkschaften von Almer\u00eda, die die Abschaffung des obligatorischen Milit\u00e4rdienstes, das Verbot der Herstellung von Waffen und den R\u00fcckzug aus Marokko forderte, wobei gleichzeitig die Erkl\u00e4rung der WRI unterzeichnet wurde. ((3)) Die Sektion der sozialistischen Partei von Almer\u00eda, die AntimilitaristInnen in ihren Reihen z\u00e4hlte, verabschiedete ebenfalls Resolutionen auf derselben Linie. Diese Standortbestimmungen wurden in Barcelona von der &#8222;Asociaci\u00f3n de Idealistas Pr\u00e1cticos&#8220; (Vereinigung der praktischen Idealisten) unterst\u00fctzt, die ebenfalls beschlo\u00df, sich der WRI anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Anfang 1934 sch\u00e4tzte man die verschiedenen Gruppen rund um den <cite>Orden del Olivo<\/cite> auf mehrere hundert AktivistInnen, die Aufgaben wie Werbung, Publikation einer Wochenzeitung, \u00f6ffentliche Aktionen, Radioprogramme etc. wahrnahmen. Die Ideen der WRI fanden die beste Aufnahme in Katalonien, mit der Verbreitung eines Manifestes an die katalanische Jugend, das zum Widerstand gegen den Krieg aufrief, der Organisation verschiedener Seminare mit antimilitaristischer Thematik und mit einem ArbeiterInnenkomitee f\u00fcr antimilitaristische Aktion in Barcelona.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend nach den revolution\u00e4ren Ereignissen von Oktober 1934 SozialistInnen und AnarchistInnen den gescheiterten ArbeiterInnenaufstand verherrlichten, distanzierte sich die antimilitaristische Presse von jeder epischen Lekt\u00fcre, bezeichnete die Ereignisse als &#8222;bruderm\u00f6rderischen Kampf&#8220; und unterstrich ihre unheilvollen Konsequenzen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Krieg ist Krieg &#8230; Wahnsinn, Mord, Blut, Zerst\u00f6rung, Elend. Als der Aufstandsversuch zermalmt wurde, war die Uneinigkeit der Arbeiter vollst\u00e4ndig. Die neutralen Massen, die f\u00fcr sich selbst keine \u00dcberzeugungen haben und von den letzten und st\u00e4rksten Eindr\u00fccken beeinflu\u00dft werden, gingen aus Angst und getragen vom Instinkt zu \u00fcberleben zu den Rechten \u00fcber. Die proletarischen Parteien und die der Linken verloren durch den Gebrauch der Gewalt fast alle ihre Positionen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Debatte \u00fcber die Legitimit\u00e4t und Gebotenheit der revolution\u00e4ren Gewalt war nicht neu. Der Holl\u00e4nder Bart de Ligt, herausragender zeitgen\u00f6ssischer Ideologe der WRI und mit der libert\u00e4ren ArbeiterInnenbewegung verbunden, informierte in einer Studie \u00fcber den spanischen Krieg, die 1938 publiziert wurde, \u00fcber die Versuche der holl\u00e4ndischen SyndikalistInnen, die, &#8222;ohne aus Prinzip gewaltfrei zu sein&#8220;, in der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) &#8222;den systematischen Gebrauch gewaltfreier Methoden&#8220; verteidigt hatten, weil &#8222;die Entwicklung der Kriegstechnik eine vollst\u00e4ndige Revision der revolution\u00e4ren Taktiken verlangt.&#8220; De Ligt beobachtete, da\u00df bei der IAA &#8222;diese Propaganda auf starke Opposition bei den spanischen Syndikalisten und Anarchisten stie\u00df, was umso beklagenswerter war, als die spanische Arbeiterbewegung, speziell die CNT und die FAI, \u00fcber lange Zeit hinweg schlagende Beweise f\u00fcr die Wirksamkeit der beschriebenen (gewaltfreien, d.A.) Methoden (Streik, Boykott, Nichtzusammenarbeit, d.A.) gegeben hat.&#8220; ((4))<\/p>\n<p>Der <cite>Orden del Olivo<\/cite> zeigte sich in diesem Sinne kritisch gegen\u00fcber den Ereignissen von 1934, besonders im Lichte des Ergebnisses, das auch seine eigenen Reihen betraf. Auch wenn die antimilitaristischen Agitationsarbeiten formell verboten waren, wurden sie weitergef\u00fchrt, gelegentlich in Zusammenarbeit mit Gruppen wie dem <cite>Theosophischen Lyzeum<\/cite>, der <cite>Gesellschaft f\u00fcr psychische Forschung<\/cite>, der <cite>Vereinigung der Medizinstudenten<\/cite>, der <cite>Gesellschaft junger christlicher Spiritisten<\/cite> und anderen \u00c4u\u00dferungen der buntgescheckten republikanischen Fortschrittsbewegung, abgesehen von den wichtigen Verbindungen zu den sozialistischen und anarchistischen ArbeiterInnenaktivit\u00e4ten.<\/p>\n<h3>Kriegsdienstverweigerung im republikanischen Spanien der 30er Jahre<\/h3>\n<p>\u00c4hnlich wie bei der Totalverweigerung unserer Tage wurde die zivile Gehorsamsverweigerung dem Heer gegen\u00fcber als zentrales Thema angesehen. So \u00fcbernahm man Erfahrungen wie die des zivilen Postfliegers Quirados J. Gou, der von der Regierung bestraft wurde, weil er sich 1934 geweigert hatte, an den Luftbombardierungen der ArbeiterInnenstellungen in Asturias teilzunehmen. 1935 weigerten sich zwei junge katalanische Anarchisten \u00f6ffentlich, ihren Milit\u00e4rdienst abzuleisten und beschlossen, sich den Autorit\u00e4ten zu stellen. Inmitten einer antimilitaristischen Unterst\u00fctzungskampagne wurden sie nach vier Tagen Haft freigelassen, wobei man sich auf ihren &#8222;verwirrten&#8220; Zustand bezog. Nach ihrer Freilassung verk\u00fcndeten sie in der \u00d6ffentlichkeit die Motive ihres Ungehorsams, und ihr Beispiel diente als Vorbild f\u00fcr eine Gruppe von etwa einhundert jungen M\u00e4nnern, die sich bereit erkl\u00e4rten, &#8222;jeden Milit\u00e4rdienst&#8220; zu verweigern, also Totalverweigerer <cite>avant la lettre <\/cite>(im reinsten Sinne).<\/p>\n<p>Der Triumph der Volksfront im Februar 1936 er\u00f6ffnete, auch wenn er die unheilvolle Zeit der Rechtsregierung beendete, eine Etappe der Instabilit\u00e4t, die die spanischen AntimilitaristInnen mit wahrer Mutlosigkeit betrachteten. Im Juni dieses Jahres machten sie ebenso die Regierung wie die Arbeiterbewegung f\u00fcr eine Situation verantwortlich, deren Gr\u00fcnde sie als &#8222;viele und komplexe&#8220; definierten. Wenn Aza\u00f1a aufgrund &#8222;\u00fcbertriebener Konzessionen an die Feinde der Republik&#8220;, n\u00e4mlich an die wirtschaftliche und milit\u00e4rische Rechte, verantwortlich war, war die ArbeiterInnenbewegung Objekt der Kritik, weil &#8222;sie an milit\u00e4rischen \u00dcbungen Gefallen findet&#8220; und &#8222;sich f\u00fcr die gewaltsamste Aktion ausspricht&#8220;. W\u00e4hrend sich das Land am Rand des Krieges befand, stellten sie fest, da\u00df die schlimmsten Folgen aus einer Situation entstehen w\u00fcrden, in der es &#8222;\u00fcberall eine Explosion von Ha\u00df und Drohungen gibt&#8220;. Die Seiten von &#8222;<cite>The War Resister<\/cite>&#8220; (London) fa\u00dften die Haltung der spanischen AntimilitaristInnen Mitte Juni 1936 in den folgenden Worten zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Kommunisten und Sozialisten suchen eine &#8218;rote&#8216; Diktatur, die sich in Largo Caballero personifiziert, w\u00e4hrend die Parteien der &#8218;Rechten&#8216; die Hoffnung hegen, da\u00df in dem Ma\u00dfe, in dem die Unruhen die Verk\u00fcndung eines Kriegsrechts erfordern, die Soldateska die Gelegenheit nutzen kann, um sich als Diktatur zu erheben und einen Faschismus reinsten Wassers zu etablieren.&#8220; ((**))<\/p><\/blockquote>\n<p>Einige wenige Wochen sollten gen\u00fcgen, um diese Bef\u00fcrchtungen Wirklichkeit werden zu lassen, was auf jeden Fall nicht die Organisation neuer Initiativen behinderte. So schlo\u00df die letzte Schrift, von der wir vor der faschistischen Erhebung wissen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;In dieser st\u00fcrmischen Atmosph\u00e4re hat sich die &#8217;spanische Liga der Kriegsgegner&#8216; als Mitglied der War Resisters&#8216; International gebildet. Im gegenw\u00e4rtigen Augenblick repr\u00e4sentiert diese Bewegung nicht mehr als eine Gruppe \u00fcberzeugter Enthusiasten. Eine intensive Propagandakampagne f\u00fcr die Prinzipien und Taktiken des Widerstandes gegen den Krieg entsteht und findet die g\u00fcnstigste Aufnahme bei anarchistischen Organisationen und in der CNT, die f\u00fcr Spanien sehr wichtig ist. Bis das Kriegsfieber, das zum gegenw\u00e4rtigen Augenblick hoch ist, wieder nachl\u00e4\u00dft, kann man kein schnelles Wachstum oder schnelle Verbreitung voraussagen, aber ein Anfang ist gemacht.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf diese Weise wurde die spanische Liga der Kriegsgegner als spanische Sektion der WRI gegr\u00fcndet, mit Frau Dr. Amparo Poch y Gasc\u00f3n als Pr\u00e4sidentin, Fernando Oca del Valle als Sekret\u00e4r, Jos\u00e9 Brocca als Vertreter im Rat der WRI und anderen herausragenden VertreterInnen wie Juan Grediaga (Barcelona), Mariano Sola (Valencia) und David Alonso Fresno (Madrid).<\/p>\n<h3>Krieg und humanit\u00e4re Hilfe<\/h3>\n<p>&#8222;Was w\u00fcrde ich machen, w\u00e4re ich heute in Spanien?&#8220; fragte sich H. Runham Brown, Ehrensekret\u00e4r der WRI, in einem Artikel mit dem Titel &#8222;Spanien. Eine Herausforderung f\u00fcr den Pazifismus&#8220; vom Dezember 1936. Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage liegt, abgesehen von seinen Betrachtungen \u00fcber Theorie, Praxis, Koh\u00e4renz, etc., die Brisanz des Dokuments in der Wiedergabe eines Briefes von Jos\u00e9 Brocca aus Madrid kurz nach Ausbruch des Krieges. Brocca beginnt, indem er seine Haltung vor dem Kriegsausbruch schildert, in Begriffen, die anscheinend vorherige Aufteilungen der Verantwortung aufgeben und sich der Dialektik des Augenblicks anschlie\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Unter den Umst\u00e4nden, unter denen die faschistische Erhebung stattgefunden hat, hatte das Volk keine andere Alternative, als die Gewalt mit Gewalt zu beantworten. Es ist beklagenswert, aber die ganze Verantwortung f\u00fcr die tragischen und blutigen Tage, die wir erleiden, liegt bei denen, die ohne R\u00fccksicht auf die elementarsten sozialen Menschheitsprinzipien der Zerst\u00f6rung und dem T\u00f6ten freie Hand gelassen haben, nicht um Ideale zu verteidigen, sondern hassenswerte und verg\u00e4ngliche Privilegien, die in mittelalterliche Barbarei zur\u00fcckf\u00fchren.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach diesen Klarstellungen mu\u00dfte man sich fragen, welchen Rahmen das antimilitaristische Credo lie\u00df, um der Republik in Waffen beizustehen, eine Frage, die gel\u00f6st werden mu\u00dfte als Unterst\u00fctzung des bewaffneten Widerstandes, aber bei zivilen Unterst\u00fctzungsaufgaben, die zumindest im n\u00e4chstliegenden Bereich die Widerspr\u00fcche zu den Prinzipien des Widerstandes gegen den Krieg \u00fcberwanden. Das hei\u00dft, man entschied sich aber f\u00fcr eine Art republikanischer und selbstbestimmter &#8222;sozialer Ersatzleistung&#8220;. Aber lassen wir das Brocca selbst in diesem ungew\u00f6hnlichen Zeugnis erkl\u00e4ren:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;F\u00fcr einige Tage blieb ich in Barcelona, um an der Massenversammlung gegen den Krieg teilzunehmen, die wir organisiert hatten, aber die nicht stattfinden konnte, da am selben Abend, an dem sie abgehalten werden sollte, die milit\u00e4r-faschistische Erhebung ausbrach, die Gefahr, die ich euch schon angek\u00fcndigt hatte.<\/p>\n<p>Das waren Tage bitterer K\u00e4mpfe in Barcelona. Vom ersten Augenblick stellte ich mich r\u00fcckhaltlos in den Dienst der Freiheit, ohne jedoch auf meine Prinzipien absoluten Widerstandes gegen den Krieg zu verzichten; das hei\u00dft, ich tue alles, was ich kann, mit Worten und Werken, f\u00fcr die antifaschistische Sache, aber ohne an gewaltt\u00e4tigen Aktionen teilzunehmen, und innerhalb der proletarischen und demokratischen Organisationen, die im Kampfe stehen, um Spanien von dieser reaktion\u00e4ren Tyrannei zu erretten. Meine Arbeit besteht in Information und Propaganda. In Barcelona, in Valencia, in der Provinz C\u00e1ceres und in Madrid war und bin ich weiter t\u00e4tig in so interessanten Aufgaben wie der Ermutigung, Anleitung und Organisierung von Bauern in der Weise, da\u00df sie, statt ihre Feldarbeit zu verlassen, weiterarbeiten, sogar auf den Feldern, die von den Faschisten bei ihrer Flucht verlassen worden sind, um die Unterbrechung der Produktion und der Versorgung der St\u00e4dte zu vermeiden; ich richte Schulen und Heime f\u00fcr die Kinder derjenigen B\u00fcrger ein, die gefallen sind oder an den verschiedenen Fronten k\u00e4mpfen, und nehme allgemein jede Gelegenheit wahr, unter den K\u00e4mpfern unsere humanit\u00e4ren Ideale und unseren Abscheu vor Unterdr\u00fcckung und Grausamkeit zu verbreiten.&#8220; ((5))<\/p><\/blockquote>\n<p>Daher war, wie sp\u00e4ter die Sprecher der Liga in einem an die britische \u00d6ffentlichkeit adressierten Flugblatt erkl\u00e4rten, &#8222;die Propaganda des Widerstandes gegen den Krieg in diesem Augenblick nicht m\u00f6glich&#8220;; was f\u00fcr PazifistInnen \u00fcbrig blieb, war die humanit\u00e4re Hilfe, da unter diesen Umst\u00e4nden &#8222;konstruktive Arbeit dieser Art, <cite>im Namen des Pazifismus<\/cite>, das Wertvollste ist.&#8220; ((6))<\/p>\n<h3>Praktische Unterst\u00fctzung durch die WRI<\/h3>\n<p>Die WRI richtete daher einen Unterst\u00fctzungsfonds f\u00fcr Spanien ein mit dem Zweck, Hilfe zu senden, Informationen \u00fcber Verwandte und Freunde zu erlangen, die auf der franquistischen Seite gefangen waren; den Gefangenenaustausch zu erm\u00f6glichen und ein Heim zur Aufnahme von Kindern zu finanzieren, die in der franz\u00f6sisch-katalanischen Ortschaft Prats de Mollo Zuflucht gefunden hatten. Die Liga verf\u00fcgte \u00fcber Speicherr\u00e4ume, betrieben von ihren AktivistInnen in Madrid, Valencia und Barcelona, in denen sie Spenden aus anderen Sektionen der WRI sammelten, besonders aus der britischen. Sechzig baskische Kinder wurden in einem &#8222;Baskischen Haus&#8220; aufgenommen, das von dieser Gruppe auf britischem Territorium organisiert wurde. ((7))<\/p>\n<p>Dank dieser internationalen Hilfen t\u00e4tigte Jos\u00e9 Brocca beispielsweise 1937 in Holland den Kauf von 19 200 B\u00fcchsen Kondensmilch, die sp\u00e4ter vom Lagerhaus im Hafen Valencias aus an verschiedene Orte verteilt wurden. In Madrid nahmen die AntimilitaristInnen an der Gr\u00fcndung eines Frauenkomitees f\u00fcr die Verteilung von Kleidung und Nahrung teil, mit Spenden, die durch Etiketten mit dem Text &#8222;War Resisters&#8216; International: Pazifistische Hilfe f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung Spaniens&#8220; gekennzeichnet waren.<\/p>\n<p>Frau Dr. Poch und Jos\u00e9 Brocca unternahmen auch eine Kampagne f\u00fcr die Abschaffung der Waisenh\u00e4user auf dem von der Republik kontrollierten Territorium, die wegen ihrer &#8222;traurigen \u00c4hnlichkeit mit Gef\u00e4ngnissen&#8220; kritisiert wurden, und setzten sich statt dessen f\u00fcr Kinderheime ein, die die Unterbringung von Gruppen von nicht mehr als 25 Kindern in w\u00fcrdigeren Umst\u00e4nden erm\u00f6glichten. 1937 organisierten sie gleicherma\u00dfen die Abreise einer Gruppe von 500 Kindern nach Mexiko, wo sie von den mexikanischen KriegsgegnerInnen empfangen wurden.<\/p>\n<p>Die internationale antimilitaristische Hilfe umfa\u00dfte auch einige Freiwillige, wie z.B. Lucie Penru, eine franz\u00f6sische Krankenschwester und Aktivistin der WRI, die vom Beginn des Krieges an im Hospital de Sangr\u00e9 de la Barriada in Barcelona arbeitete, bis das Zentrum 1938 aus Mangel an Mitteln geschlossen wurde; von da an k\u00fcmmerte sie sich um ein Heim f\u00fcr spanische Fl\u00fcchtlingskinder in Frankreich.<\/p>\n<p>Weniger Gl\u00fcck hatte Heinz Kraschutzki, ein herausragender deutscher Antimilitarist. Nach seiner Erfahrung als Leutnant in der deutschen Kriegsmarine w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges wurde er aktiver Kriegsgegner und \u00fcbernahm die Leitung des Organs der Deutschen Friedensgesellschaft &#8222;<cite>Das andere Deutschland<\/cite>&#8222;. Aufgrund der Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber die laufenden Wiederaufr\u00fcstungspl\u00e4ne in dieser Zeitung wurde er wegen Hochverrats angeklagt, verlie\u00df Deutschland und lie\u00df sich mit seiner Familie 1932 auf Mallorca nieder. Obwohl er es vermieden hatte, sich in Spanien politisch zu bet\u00e4tigen, wurde er im August 1936 von den faschistischen Kr\u00e4ften festgenommen. Die franquistischen Beh\u00f6rden wurden daraufhin einerseits mit Petitionen f\u00fcr die Freilassung Kraschutzkis seitens der WRI in Zusammenarbeit mit dem britischen Au\u00dfenministerium bedr\u00e4ngt, und auf der anderen Seite vom Verlangen der NazivertreterInnen in Spanien, die seine Auslieferung verlangten mit dem Ziel, ihn hinzurichten. In etwas salomonischer Weise machte die Junta von Burgos mit den Nazibeh\u00f6rden aus, da\u00df Kraschutzki nicht hingerichtet w\u00fcrde, aber er sollte auch nicht freigelassen werden, sondern wurde im Oktober 1938 in einem Kriegsgerichtsverfahren zu 30 Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die WRI die Anstrengungen f\u00fcr seine Freilassung wieder auf, wiederum in Zusammenarbeit mit dem britischen Au\u00dfenministerium, und Heinz Kraschutzki wurde schlie\u00dflich Ende 1945 freigelassen, nachdem er mehr als neun Jahre in den Gef\u00e4ngnissen Francos verbracht hatte. Um freigelassen zu werden, mu\u00dfte er also in langen Jahren von Exil und Kerker die Niederlage Deutschlands abwarten in einem Krieg, dessen Vorbereitung er selbst als einer der ersten an den Pranger gestellt hatte. ((8))<\/p>\n<h3>Die Debatte im internationalen Pazifismus<\/h3>\n<p>Der Ausbruch des Krieges f\u00fchrte zu einer heftigen Ersch\u00fctterung in der internationalen \u00f6ffentlichen Meinung, die bereits mit Sorge die wachsende deutsche Aggressivit\u00e4t und Mussolinis Invasion in Abessinien verfolgt hatte. Wenn die Linke den 18. Juli 1936 als einen direkten Angriff auf ihre Programme in der ganzen Welt verstand, war der Spanische B\u00fcrgerkrieg f\u00fcr die internationale pazifistische Bewegung, wie es der nordamerikanische Historiker Allen Guttman ausgedr\u00fcckt hat, &#8222;die erste Krise nach dem Ende des Gro\u00dfen Krieges.&#8220; ((9))<\/p>\n<p>Die Verbreitung des Pazifismus in den zwanziger Jahren, die Gr\u00fcndung der WRI 1921 selbst waren gekennzeichnet vom Verm\u00e4chtnis des Schreckens des ersten Weltkrieges und seinen mehr als acht Millionen Toten. Der Pazifismus hatte sich aus der klaren Einsicht entwickelt, da\u00df alles, was ein anst\u00e4ndiger Mensch angesichts des Krieges tun konnte, war, sich frontal dagegenzustellen und seine Mitarbeit zu verweigern, eine Gewi\u00dfheit, die mit den Ereignissen von 1936 infrage gestellt wurde.<\/p>\n<p>&#8222;Was ist los mit der pazifistischen Bewegung?&#8220; \u00fcberschrieb der britische Philosoph C. E. M. Joad im Mai 1937 einen Artikel, in dem er die pazifistischen Reaktionen auf das Anwachsen des europ\u00e4ischen Faschismus analysierte. Wenn die Bewegung bis 1935 in der Unterst\u00fctzung des V\u00f6lkerbundes als Instrument internationaler friedlicher Regelungen \u00fcbereingestimmt hatte, so bedeutete die Machtlosigkeit dieser Institution bei den Konflikten von Abessinien und Spanien den Bruch dieses Konsenses und das Auftauchen neuer Str\u00f6mungen. Zwei gegens\u00e4tzliche Tendenzen gewinnen an Boden und bedrohen den Zusammenhalt der Bewegung; in Worten von Joad &#8222;der reine Pazifismus&#8220; und &#8222;die mit der Volksfront verbundenen Ideen&#8220;. Der Zusammenprall beider Standpunkte in der Debatte \u00fcber den Spanischen B\u00fcrgerkrieg war unvermeidlich. ((10))<\/p>\n<p>Unter denen, die die zweite Option vertraten, ist vielleicht das herausragendste Beispiel das von Albert Einstein, der, w\u00e4hrend der Entwicklung der Atombombe zur Zusammenarbeit mit den Milit\u00e4rs \u00fcberging, 1938 \u00f6ffentlich die Aufhebung des Waffenembargos zur Unterst\u00fctzung der Republik forderte. ((11)) Und Ende 1936 reichte sogar der Sekret\u00e4r der WRI, Fenner Brockway, seinen R\u00fccktritt ein, weil er nicht mit der Haltung \u00fcbereinstimmte, die die WRI angesichts des Widerstands der Republik angenommen hatte. F\u00fcr Brockway war die Unterst\u00fctzung &#8222;nur bei sozial konstruktiven Diensten&#8220; nicht ausreichend, es sei im Gegenteil geboten, den Widerstand der Republik in allen seinen Konsequenzen zu \u00fcbernehmen, eingeschlossen die Versorgung mit Waffen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Sehr zu meinem Bedauern f\u00fchle ich, da\u00df ich die WRI verlassen mu\u00df. (&#8230;) Diese enge Verbindung mit der Bewegung macht die Entscheidung zum R\u00fccktritt schwierig, aber ich meine, das ist der einzige ehrenhafte Weg, den ich nehmen kann. Mein Temperament und der Kern meiner Philosophie bleiben pazifistisch. (&#8230;) Aber ich stelle mich dieser Tatsache. W\u00e4re ich in diesem Augenblick in Spanien, w\u00fcrde ich mit den Arbeitern gegen die faschistischen Kr\u00e4fte k\u00e4mpfen. Ich glaube, es ist nicht der richtige Weg zu verlangen, da\u00df die Arbeiter mit den Waffen abgeschlachtet werden, die ihren Feinden von den faschistischen M\u00e4chten so freigiebig geliefert werden. Ich respektiere die Haltung der Pazifisten in Spanien, die, w\u00e4hrend sie den Erfolg der Arbeiter w\u00fcnschen, meinen, da\u00df sie ihre Unterst\u00fctzung nur in konstruktiven sozialen Diensten ausdr\u00fccken d\u00fcrfen. Meine Schwierigkeit bei dieser Haltung ist: wenn jemand w\u00fcnscht, da\u00df die Arbeiter triumphieren, so kann er meiner Meinung nach nicht ablassen, alles zu tun, was notwendig ist, um diesen Triumph zu erm\u00f6glichen.&#8220; ((12))<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend der Dreijahreskonferenz der WRI vom Sommer 1937 sollte Bart de Ligt die von Brockway vertretene Haltung zur\u00fcckweisen und die Einstellung des &#8222;reinen Pazifismus&#8220; der WRI hinsichtlich des aktuellen Krieges st\u00e4rken. &#8222;Wir, Widerst\u00e4ndler gegen den Krieg, akzeptieren den Klassenkampf, aber wir akzeptieren keinen Klassenkrieg,&#8220; begann de Ligt seinen ausf\u00fchrlichen Beitrag. Nachdem er, mit scharfer Kritik am Militarismus Stalins, das sowjetische Experiment im einzelnen betrachtet hatte, stellte er in einer genauen Erz\u00e4hlung die Ereignisse in Spanien dar und nahm offen Partei f\u00fcr CNT und POUM in der Frage der Militarisierung der Milizen, die von der PCE (spanische Kommunistische Partei) und den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften gef\u00f6rdert worden war. Trotz dieser Sympathie f\u00fcr die republikanischen Kr\u00e4fte werden Brockways Argumente ausdr\u00fccklich zur\u00fcckgewiesen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir haben keinerlei Grund, dem Beispiel unseres Kameraden Fenner (Brockway, d.A.) zu folgen, der seit dem Ausbruch des Klassenkrieges die modernen Kriegsmethoden als unvermeidliche Mittel akzeptierte, um unsere sozialen Ziele zu erreichen. Wir stimmen mit Fenner \u00fcberein, wenn er auf der Notwendigkeit der praktischen Solidarit\u00e4t mit der revolution\u00e4ren Bewegung in Iberien besteht. Aber wir denken, da\u00df er sich irrt, wenn er erkl\u00e4rt, da\u00df die einzige Art, diese Solidarit\u00e4t zu beweisen, darin besteht, auf die gewaltfreie Aktion zu verzichten und den Klassenkrieg mit all seinen unvermeidlichen Konsequenzen zu akzeptieren. Wenn wir in irgendeinem Fall von Klassenkrieg auf unseren gewaltfreien Kampf verzichten und &#8218;vorl\u00e4ufig&#8216; die gewaltsame Aktion akzeptieren, wird das Ergebnis eine andauernde Akzeptanz des Krieges im Namen der Revolution und eine systematische Unterh\u00f6hlung der Revolution durch die ungeeignetsten Mittel sein.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00c4hnliche Diskussionen wiederholten sich in den verschiedensten pazifistischen und antimilitaristischen Gruppen und f\u00fchrten alte Gef\u00e4hrtInnen bei der Verurteilung des Ersten Weltkrieges zu unvereinbaren Positionen. Das war etwa der Fall bei Norman Thomas und John Haynes Holmes, beide herausragende pazifistische Wortf\u00fchrer Nordamerikas und Gef\u00e4hrten in der War Resisters&#8216; League (der nordamerikanischen Sektion der WRI). Thomas, Gr\u00fcnder der &#8222;No Conscription League&#8220; (Keine Wehrpflicht-Liga) und herausragender F\u00f6rderer der Kriegsdienstverweigerung in den USA, organisierte die Anwerbung von Freiwilligen f\u00fcr die &#8222;Kolonne Eugene V. Debs&#8220; (zu Ehren der historischen sozialistischen Leitgestalt Nordamerikas) innerhalb der Internationalen Brigaden und argumentierte, &#8222;weil ich so fest an den Schrecken und die Nutzlosigkeit des Krieges glaube, daher denke ich, wir m\u00fcssen unseren spanischen Kameraden helfen, Francos Krieg zu stoppen.&#8220; Im Licht der internationalen Konjunktur behauptete Thomas, die Unterst\u00fctzung des milit\u00e4rischen Widerstandes der Republik bedeute, &#8222;weithin die Hoffnung der Welt zu vermehren, da\u00df die Katastrophe eines zweiten Weltkrieges vermieden wird, der noch viel schlimmer sein w\u00fcrde als der erste.&#8220; ((13))<\/p>\n<p>In offenem Widerspruch dazu setzte sich sein Gef\u00e4hrte John Haynes Holmes mit Unterst\u00fctzung der War Resisters&#8216; League, die Thomas \u00f6ffentlich antwortete und seine Initiative mit der Mobilisierungspropaganda f\u00fcr den Ersten Weltkrieg verglich, in dessen Verurteilung beide einig gewesen waren:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Du und ich, Norman, wir haben diese Geschichte schon einmal gesehen. Wir haben uns schnell erhoben, als die Belgier auf ebenso bedauerliche Weise st\u00f6hnten, wie es heute die Spanier tun. Wir weigerten uns, auf die betr\u00fcgerischen Aufrufe von 1917 zu h\u00f6ren, nach denen die Welt mit Hilfe des Gebrauchs der Waffen f\u00fcr den Tod der Menschen in der Schlacht die Demokratie verteidigen, die Kultur retten und den Krieg f\u00fcr immer abschaffen werde. Sollen wir jetzt unt\u00e4tig zuschauen, wo eine neue Generation, in derselben Versuchung wie wir es waren, dem Ruf nach einem neuen Kampf zur Rettung der Demokratie und nach einem weiteren Krieg zur Herstellung des Friedens nachgibt?&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr Holmes wie f\u00fcr die Mehrheit in der WRI &#8222;f\u00fchrt&#8220; der spanische B\u00fcrgerkrieg &#8222;Loyale und Rebellen auf ein gemeinsames Feld von Gewalt, Grausamkeit und Ha\u00df&#8220;, und die Haltung der pazifistischen Bewegung ging zur humanit\u00e4ren Hilfe \u00fcber: &#8222;Schicken wir ihnen Nahrung, medizinisches Material in H\u00fclle und F\u00fclle, aber nicht ein Gewehr, keine Bombe, kein Flugzeug, das den Krieg verl\u00e4ngert und Zerst\u00f6rung und Tod vermehrt.&#8220; ((14))<\/p>\n<p>Diese Polemiken nahmen die Widerspr\u00fcche vorweg, die im Pazifismus wenige Jahre sp\u00e4ter durch den Zweiten Weltkrieg hervorgerufen wurden und die definitiv die ewige Gratwanderung wiedergeben, auf der dieser Diskurs in all seiner Gr\u00f6\u00dfe und seinem Elend sich enth\u00fcllt.<\/p>\n<h3>Niederlage, Exil und Ausl\u00f6schung der antimilitaristischen Bewegung<\/h3>\n<p>Zur\u00fcck zu den Aufgaben, die die Mitglieder der spanischen Liga der Kriegsgegner besch\u00e4ftigten: Als der Krieg zu Ende ging, wurde von London aus die Schlie\u00dfung des Heims von Prats del Mollo angeregt, sobald alle dort versammelten Kinder einen endg\u00fcltigen Bestimmungsort gefunden h\u00e4tten, und gleichzeitig erreichte man eine Erlaubnis zur Aufnahme von Jos\u00e9 Brocca in Gro\u00dfbritannien. Die Liga beschlo\u00df jedoch angesichts der N\u00e4he zur Grenze und dem von den triumphierenden Kr\u00e4ften entfesselten Terror, das Zentrum ge\u00f6ffnet zu halten, um bei der heimlichen Grenz\u00fcbertritt von Fl\u00fcchtlingen auf franz\u00f6sisches Gebiet mitzuhelfen. Jos\u00e9 Brocca selbst \u00fcberquerte die Grenze oftmals, um die Flucht von GenossInnen und Verb\u00fcndeten, die noch in Spanien waren, vorzubereiten und zu erleichtern.<\/p>\n<p>In dieser Zeit, zwischen der Bitterkeit der Niederlage der Republik und der drohenden Ausdehnung des Krieges auf Europa, antwortete Brocca auf die Besorgnisse seiner GenossInnen in London mit einer gef\u00fchlsbeladenen Botschaft:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Macht euch um mich keine Sorgen. Ich bin vollkommen ruhig und voller Mut, um die Zukunft ohne Angst zu bestehen, was auch immer geschieht. Mir ist bewu\u00dft, da\u00df mich der Ausbruch des Krieges der M\u00f6glichkeit berauben k\u00f6nnte, nach England zu gehen. Ich hatte Zeit zu gehen, aber ich konnte unser Heim nicht verlassen, ohne vorher Sicherheit f\u00fcr alle Bewohner gefunden zu haben. Mir schien, da\u00df meine Pflicht die des Kapit\u00e4ns eines Schiffes ist: bis zum Schlu\u00df an Bord zu bleiben und jede m\u00f6gliche Sicherheit f\u00fcr die \u00fcbrigen zu gew\u00e4hrleisten. Wenn meine ganze Arbeit zu Ende ist, werde ich versuchen, eine Anstellung zu suchen, denn ich habe mich niemals durch die einfachsten Arbeiten erniedrigt gef\u00fchlt. Wenn ich es schaffe, werde ich zu einem der Fl\u00fcchtlingslager gehen, wo es schon Tausende von Spaniern gibt, die mit mir von einem Geist und Fleisch sind. Ihr sollt sicher sein, da\u00df ich in diesen Zeiten allgemeinen Leidens, welches auch immer mein Los sein wird, niemals in Verzweiflung fallen werde. Nichts soll mich von meinen Prinzipien abbringen. Mein moralischer Widerstand ist st\u00e4rker als die Kraft der Ereignisse. Nichts und niemand wird in der Lage sein, ihn zu brechen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das organisierte Leben der antimilitaristischen Bewegung, bescheiden w\u00e4hrend der Republik und gequ\u00e4lt w\u00e4hrend des Krieges, erlischt endg\u00fcltig im republikanischen Exil. Am 23. Mai 1939, kaum ein Monat nach dem faschistischen Sieg, schifft sich der Kern von etwa einem Dutzend Mitgliedern der Spanischen Liga der Kriegsgegner im franz\u00f6sischen Hafen Port Vendres mit dem Ziel Mexiko ein, wo sie von den mexikanischen GenossInnen der WRI aufgenommen werden. Andere Familien, die mit der Bewegung verbunden waren, hatten bereits in Kolumbien, Kuba und Paraguay Aufnahme gefunden.<\/p>\n<p>In dieser Zeit besch\u00e4ftigte sich die WRI bereits mit der Aufnahme von etwa hundert AntimilitaristInnen aus Deutschland und \u00d6sterreich, von denen die meisten aus Gef\u00e4ngnissen und Konzentrationslagern der Nazis befreit worden waren, und f\u00fchrte so die Aufgaben humanit\u00e4rer Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge fort, die mit dem Spanischen B\u00fcrgerkrieg angefangen hatte; sie sollte w\u00e4hrend der Jahre des Zweiten Weltkrieges andauern. ((15))<\/p>\n<p>Was Jos\u00e9 Brocca betrifft, den historischen Pionier der Bewegung, so wurde er, nachdem er die M\u00f6glichkeit zur\u00fcckgewiesen hatte, nach England zu entkommen, bei verschiedenen Gelegenheiten festgenommen und schlie\u00dflich in einem franz\u00f6sischen Konzentrationslager interniert. Seinen FreundInnen gelang es, ihn aus Vichy- Frankreich zu retten, und er kam im Oktober 1942 in Mexiko an, wo er von den AntimilitaristInnen dieses Landes aufgenommen wurde. ((16))<\/p>\n<p>Jos\u00e9 Brocca starb im Juni 1950 in Mexiko aufgrund einer Gehirnthrombose. Mit ihm endete diese Erfahrung der antimilitaristischen Bewegung und die Vertretung der WRI im spanischen Staat.<\/p>\n<p>Mehr als drei Jahrzehnte sp\u00e4ter gr\u00fcndete sich, in vollst\u00e4ndiger Unkenntnis dieser Vorgeschichte, die Movimiento de Objeci\u00f3n de Conciencia (Bewegung der Kriegsdienstverweigerer) als Sektion der WRI und gelangte dazu, mit der Totalverweigerung angesichts der Milit\u00e4rmacht unserer Tage den Geist von Jos\u00e9 Brocca, Amparo Poch, Heinz Kraschutzki und allen KriegsgegnerInnen wiederzubeleben, die uns in den turbulenten drei\u00dfiger Jahren vorausgegangen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Totalverweigerer haben keine historische Erinnerung. 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