{"id":3489,"date":"2000-09-01T00:00:58","date_gmt":"2000-08-31T22:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3489"},"modified":"2012-02-05T14:14:02","modified_gmt":"2012-02-05T12:14:02","slug":"verfehlte-wirklichkeitswahrnehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/09\/verfehlte-wirklichkeitswahrnehmung\/","title":{"rendered":"Verfehlte Wirklichkeitswahrnehmung"},"content":{"rendered":"<p>Alles f\u00fcr die Redakteurin Nachteilige und Kritische, dem Wunschbild nicht Entsprechende, wird nicht erw\u00e4hnt oder wegdefiniert. Bei unserem Antwortpapier soll so eng wie m\u00f6glich am Text der &#8222;feministischen Redaktion&#8220; bzw. Redakteurin geblieben werden, um verfehlte Wirklichkeitswahrnehmungen zu verdeutlichen bzw. falsche Darstellungen zu korrigieren.<\/p>\n<h3>Gewaltt\u00e4tig oder basisdemokratisch?<\/h3>\n<p>Gleich in der Unter\u00fcberschrift wird der Umgang des HerausgeberInnenkreises mit der Redakteurin als &#8222;gewaltt\u00e4tig&#8220; bezeichnet. Das ist Polemik. Der HerausgeberInnenkreis hat im November 1998 eine Koordinationsredakteurin gew\u00e4hlt. Nachdem eine Vernachl\u00e4ssigung ihrer Pflichten als Redakteurin festgestellt wurde und das Vertrauen zu ihr geschwunden war, wurde diese in einem nachvollziehbaren Konsensverfahren im Mai 2000 von ihrer T\u00e4tigkeit entbunden. Dieser Vorgang hat nur mit dem Verhalten der Redakteurin im Redaktionsalltag zu tun. Den &#8222;Streik&#8220; betrifft es nur insofern, als mit der Forderung nach Wegbleibenk\u00f6nnen aus dem HerausgeberInnenkreis die letzte Kommunikationsm\u00f6glichkeit aufgek\u00fcndigt wurde, also de facto der HerausgeberInnenkreis nicht mehr anerkannt wurde. In unserer Entscheidung geht es ausschlie\u00dflich um die hauptamtliche M\u00fcnchner Redakteurin &#8211; und weder programmatisch noch praktisch gegen Feminismus oder Feministinnen in der Zeitung. Die M\u00fcnchner Redakteurin versucht durch Negierung der Kritik an ihrer Arbeit und \u00dcberblendung mit dem Patriarchatsvorwurf die Form der getroffenen Entscheidung auf den Kopf zu stellen. Die Kritik aus dem HerausgeberInnenkreis wurde der Redakteurin und der FrauenLesbenRedaktion m\u00fcndlich und schriftlich ausreichend fr\u00fch \u00fcbermittelt. Es konnte darauf reagiert werden. Der HerausgeberInnenkreis traf nach \u00fcber eint\u00e4giger Diskussion eine basisdemokratische Entscheidung. Diesen Diskussionsproze\u00df, den sich der HerausgeberInnenkreis nicht leicht gemacht hat, als Gewalt abzuqualifizieren, ist eine Verharmlosung wirklicher Gewalttaten und bezeugt eine subjektivistische und willk\u00fcrliche Verwendung der Begriffe Gewalt und Gewaltfreiheit. Im \u00fcbrigen &#8211; und nur als Hinweis, dass die Redakteurin nicht der\/die einzige Betroffene ist oder mit ihr als Frau in personenbezogenen Entscheidungen nicht anders umgegangen wird wie mit jede\/m\/r anderen: in den neunziger Jahren gab es drei personenbezogene Entscheidungen des HerausgeberInnenkreises: zwei M\u00e4nnern wurde nach Diskussion und \u00dcberpr\u00fcfung von Sexismusvorw\u00fcrfen der Wiederverkauf der GWR entzogen, ein weiterer Mann wurde nach einer als sexistisch empfundenen Aussage, die er nicht zur\u00fcck nahm, aus dem HerausgeberInnenkreis ausgeschlossen.<\/p>\n<h3>Die sich &#8222;solidarisierende FrauenLesbenRedaktion&#8220; &#8211; wer ist das?<\/h3>\n<p>Die permanente Verquickung der Behauptungen der Ex-Redakteurin mit der sich mit ihr angeblich immer geschlossen solidarisierenden FrauenLesbenRedaktion scheint uns ein Mythos. Dem HerausgeberInnenkreis liegt ein Schreiben vor, in dem sich eine bisher zur FrauenLesbenRedaktion gez\u00e4hlte Frau als neutral erkl\u00e4rt und in den von ihr miterlebten Diskussionen genau den Mechanismus kritisiert, der auch Anlass f\u00fcr diesen Streit ist: &#8222;In Berlin wurde ich jedoch unfreiwillige Zeugin einer Schlammschlacht, bei welcher der Antifeminismusvorwurf nach meinem Eindruck nur als Totschlagargument herhalten muss. (&#8230;) Und jede inhaltliche Kritik wurde als Antifeminismus aufgefasst. Auch Frauenzeitschriften wollten \u00e4hnliche oder gleiche Texte nicht haben. Sind die alle antifeministisch?&#8220;<\/p>\n<p>Es z\u00e4hlt zu den Mechanismen insbesondere der Redakteurin, eine geschlossene Einheitsfront der Solidarit\u00e4t mit ihr zu behaupten, die so nicht vorhanden ist, nicht einmal in der FrauenLesbenRedaktion selbst. Reagiert wird auf interne Kritik mit Nichterw\u00e4hnung und dem Verratsvorwurf an die betreffende Frau, die ausschert. Inhaltlich geht es bei diesen Diskussionen darum, dass es &#8222;den Feminismus&#8220; nicht gibt, sondern viele Str\u00f6mungen des Feminismus, und viele Streitpunkte auch die Streitpunkte verschiedener feministischer Richtungen oder \u00e4lterer und neuerer Bewegungstendenzen sind. Im Redaktionsalltag und auf den HerausgeberInnentreffen wurde der Redakteurin mehrfach die Frage gestellt, wer in der FrauenLesbenRedaktion mitmacht, wo und wie oft sich getroffen wird und ob die &#8222;Redakteurinnen&#8220; nicht auch mal zum HerausgeberInnentreffen kommen k\u00f6nnten, damit man\/frau sich kennenlernen kann. Nicht ein einziges Mal hat der HerausgeberInnenkreis darauf eine klare Antwort erhalten. Immer wieder hie\u00df es ausweichend, es &#8222;entwickle sich da viel, alles m\u00fcsse erst vernetzt werden&#8220;, usw.. Lediglich bei einem Treffen Ende 1999 kamen einige FrauenLesben &#8211; die sich dort als Gruppe allerdings zum ersten Mal sahen &#8211; und die danach auch wieder wegblieben. Bis heute ist dem HerausgeberInnenkreis nicht klar, wer die FrauenLesbenRedaktion eigentlich ist. Es gab au\u00dfer der Redakteurin nur eine Frau aus der FrauenLesbenRedaktion, die bei mehr als einem Treffen des HerausgeberInnenkreises, n\u00e4mlich zweien, dabei war. Wer bzw. was ist die FrauenLesbenRedaktion? Wie werden Artikel diskutiert? Wer wird dazugez\u00e4hlt? Wer trifft Entscheidungen \u00fcber die Artikel? Das Papier, auf das wir hier antworten, ist unterzeichnet mit &#8222;Die feministische Redaktion&#8220;: etwas ganz Neues, weder die Redakteurin, noch die FrauenLesbenRedaktion? Jedenfalls war von einer &#8222;feministischen Redaktion&#8220; bisher in den gesamten Diskussionen nie die Rede. \u00dcber diese Strukturen ist nicht nur keine Auskunft erh\u00e4ltlich, sondern die Anzahl der Mitglieder der FrauenLesbenRedaktion, welche dann sogar als Redakteurinnen bezeichnet werden, wird jedes Mal, wenn es den eigenen Behauptungen n\u00fctzt, in die H\u00f6he getrieben. Andererseits, wenn es um den Patriarchats\/Sexismusvorwurf geht, wird behauptet, es w\u00fcrden deshalb so viele abspringen, dass die M\u00fcnchner Redakteurin die Arbeit der FrauenLesbenRedaktion alleine bew\u00e4ltigen m\u00fcsste. Bleibt jedoch die Frage, welche Zeitung Redakteurinnen hat, die sich in der ganzen Zeit ihrer Zusammenarbeit bisher nie mit den anderen RedakteurInnen und HerausgeberInnen getroffen haben, geschweige denn eine Form von Kommunikation aufgebaut haben, die \u00fcber die Aufnahme in eine Mailing-List hinausging? Nur in der GWR scheint so etwas m\u00f6glich, und das z\u00e4hlt nicht zu ihren Qualit\u00e4ten! Eine Qualit\u00e4t ist jedoch der hohe Grad an Autonomie, der von der GWR, mit viel Grundvertrauen und Bonus aufgrund der gesellschaftlichen Unterdr\u00fcckungssituation von FrauenLesben, dieser M\u00fcnchner Redakteurin gegeben wurde. Aber trotz aller Autonomie: irgendwo muss es eine gemeinsame Diskussion, ein Zusammenkommen, einen Austausch und einen gemeinsam getragenen Entscheidungsproze\u00df geben, sonst funktioniert so ein Projekt nicht. Jedes gemischte Projekt besteht aus gemeinsamen und autonomen Bereichen und nicht ausschlie\u00dflich aus Autonomie.<\/p>\n<h3>Forderungen nicht gew\u00fcrdigt?<\/h3>\n<p>Es hei\u00dft, &#8222;seit \u00fcber einem halben Jahr&#8220; seien Forderungen der FrauenLesbenRedaktion und eines Ex-Redakteurs &#8222;nicht gew\u00fcrdigt, sondern ignoriert, &#8230; abgewehrt&#8220; worden. In der ganzen Zeit seit Einstellung der Redakteurin und ihrer Einrichtung einer FrauenLesbenRedaktion sind alle Forderungen der Redakteurin und auch eine Forderung eines Ex- Redakteurs erf\u00fcllt worden &#8211; bis auf eine: Die Forderung, nicht mehr am HerausgeberInnenkreis teilzunehmen. Dies ist \u00fcberhaupt die erste Forderung, die abgelehnt wird. Der Forderung der Redakteurin nach Placierung eines Schlampagnenartikels auf Seite eins der GWR im November 1999 wurde entsprochen. Der Forderung nach getrennten M\u00e4nner- und Frauengruppen auf dem Berliner HerausgeberInnentreffen wurde entsprochen. Der Forderung von Redakteurin und Ex-Redakteur nach Moderation auf den nachfolgenden Treffen wurde entsprochen. Der Forderung nach besserer Strukturierung der Redaktionszusammenarbeit wurde mit dem Beschlu\u00df, dass das Endlayout monatlich im Wechsel von den jeweiligen Koordinierungsredaktionen \u00fcbernommen wird, entsprochen. \u00dcber konzeptionelle Fragen und weitere Forderungen der FrauenLesbenRedaktion sollte im Februar 2000 auf einem Treffen diskutiert werden, das urspr\u00fcnglich als offenes LeserInnentreffen geplant war und zu dem bereits in GWR-Nr. 245 (Editorial) eingeladen wurde. Dass dies bereits beschlossen war, beweist die Offenheit des HerausgeberInnenkreises. Das Treffen wurde von der Redakteurin abgesagt, weil eine Moderation nicht rechtzeitig gefunden werden konnte. Manche LeserInnen oder Mitglieder gewaltfreier Aktionsgruppen, die sich zum \u00f6ffentlichen Treffen bereits angemeldet hatten, wurden von der Absage nicht einmal informiert. Es entspricht der Verdrehung von Wirklichkeit, dem HerausgeberInnenkreis hier Ignoranz gegen\u00fcber den Forderungen der Redakteurin und der FrauenLesbenRedaktion vorzuwerfen. Immer konnte sich die Redakteurin mit ihren Forderungen durchsetzen. Dass es dabei im einzelnen Einw\u00e4nde gegeben hat, die aber an der Durchsetzung der Forderung nichts \u00e4nderten, sollte doch wohl kein wirklicher Einwand sein: soll etwa jede Diskussion verboten werden? Was zun\u00e4chst absurd erscheint, wird beim Vorgehen der Redakteurin von mal zu mal deutlicher. Am Beispiel der Forderung im gegenw\u00e4rtigen &#8222;Streik&#8220;, nicht mehr am HerausgeberInnentreffen teilnehmen zu m\u00fcssen, weil dies m\u00e4nnerdominiert sei, zeigt sich die autorit\u00e4re Vorgehensweise der Redakteurin. Diese Forderung wird nicht als Vorschlag zur Diskussion eingebracht &#8211; es h\u00e4tten sich vielleicht L\u00f6sungswege finden lassen, ein kleineres Zwischengremium oder \u00e4hnliches, in welchem die Bed\u00fcrfnisse nach Kommunikationsaufrechterhaltung einerseits und Nichtaushalten der M\u00e4nnerdominanz andererseits erf\u00fcllt h\u00e4tten werden k\u00f6nnen &#8211; nein, die Forderung wird sofort ultimativ erhoben, bevor dar\u00fcber nachgedacht und diskutiert werden kann, wie sich die Problematik l\u00f6sen l\u00e4sst. Dieses Vorgehen ist einem anarchistischen Projekt unangemessen.<\/p>\n<h3>&#8222;Der Herausgeberkreis&#8220; &#8211; das konsequente Negieren von nichtlesbischen Feministinnen<\/h3>\n<p>Kurz darauf hei\u00dft es, der Kern des &#8222;Herausgeberkreises&#8220; bestehe &#8222;de facto nur noch&#8220; aus M\u00e4nnern. Unklar bleibt, was denn der &#8222;Kern&#8220; ist. Wenn sich die M\u00e4nner des HerausgeberInnenkreises als ihr Kern definierten, dann ja. Aber das tun sie nicht. Es hat in der Geschichte des HerausgeberInnenkreises eine bereits vielfach problematisierte M\u00e4nnerdominanz gegeben, dieser HerausgeberInnenkreis bestand aber nie ausschlie\u00dflich aus M\u00e4nnern. Negiert werden von der Redakteurin Anarchafeministinnen, die dem HerausgeberInnenkreis angeh\u00f6ren. Es ist ein Ph\u00e4nomen, dass von der M\u00fcnchner Redakteurin Menschen, die nicht der eigenen Meinung entsprechen, einfach als nicht existent angesehen werden. Dabei ist dort ideologisch egal, ob die von der eigenen Meinung abweichenden Frauen im HerausgeberInnenkreis sind oder nicht. Wenn sie \u00fcberhaupt als existent anerkannt werden, dann sind sie &#8222;Alibifrauen&#8220;, wenn nicht Verr\u00e4terinnen an der FrauenLesbenSolidarit\u00e4t. Auch das ist autorit\u00e4r. Diese Sichtweise entspricht der gemachten Erfahrung, dass anarchafeministische Hetera-Autorinnen, die bisher f\u00fcr die GWR geschrieben haben, nach dem \u00dcbergang zur M\u00fcnchner Redaktion von der dortigen Redakteurin in den eineinhalb Jahren ihrer Redakteurinnent\u00e4tigkeit nicht mehr f\u00fcr weitere Artikel angefragt worden sind. Es ist nichts dagegen einzuwenden, neue lesbische Autorinnen f\u00fcr die GWR zu suchen und zu finden. Wenn jedoch nichtlesbische Feministinnen ausgegrenzt werden, ob durch Nichtber\u00fccksichtigung als Autorinnen oder durch Negierung einer Teilnahme am HerausgeberInnenkreis, dann ist das ein inhaltlicher Eingriff, der so nicht in die Diskussion eingebracht wurde &#8211; und der vom HerausgeberInnenkreis nicht gewollt ist.<\/p>\n<h3>Streik und Kapitalismus<\/h3>\n<p>Weiter hei\u00dft es, auf den &#8222;Streik&#8220; sei &#8222;erstarrt&#8220; reagiert, er sei &#8222;mit dem Abbruch der Kommunikation bestraft&#8220; worden, die den &#8222;Regeln eines kapitalistischen Arbeitgebers entsprechen&#8220; (Arbeitsmoral: arbeiten bis nix mehr geht, &#8230;, Streik bedeutet &#8218;Vertrauensverlust&#8216;, Rauswurf als Antwort auf den Streik, der andere Redakteur wird zum Streikbruch aufgefordert, materielle Abfindung bei Stillschweigen). &#8222;Abbruch der Kommunikation&#8220; war jedoch ein Ziel des &#8222;Streiks&#8220; selbst, das bei Erf\u00fcllung der Forderung der Redakteurin, nicht mehr am HerausgeberInnenkreis teilnehmen zu m\u00fcssen, endg\u00fcltig erreicht worden w\u00e4re. Schon \u00f6fter ist im Alltag der drei Redaktionen (M\u00fcnster, Heidelberg, M\u00fcnchen) die Kommunikation von M\u00fcnchen aus in der gesamten Zeit seit Einstellung der Redakteurin abgebrochen worden, zeitweise monatelang. Wie soll man\/frau so eine Zeitung machen? Eine Zeitung ist auf einen hohen Grad an Kommunikation angewiesen. Dieser kann auch nicht aus separatistischen Gr\u00fcnden abgebrochen werden ohne massive Auswirkungen auf das gesamte Projekt. Die M\u00fcnchner Redakteurin hatte durch die \u00f6rtliche Trennung der Redaktionen, den hohen Grad an Autonomie in M\u00fcnchen und die Verf\u00fcgung \u00fcber die M\u00fcnchner Form der Redaktion einen derart gro\u00dfen Spielraum an Autonomie, dass ein Minimum an Kommunikation eingefordert werden kann. Ein gemischtes Projekt, und ganz besonders eine Zeitung, kann nicht funktionieren, wenn sich eine Seite permanent separatistisch verh\u00e4lt. Der Vorwurf des Kommunikationsabbruchs f\u00e4llt auf die Redakteurin selbst zur\u00fcck. Die Trennung von der Redakteurin ist auch eine Reaktion auf immer wieder vorkommende Kommunikationsabbr\u00fcche dieser Art.<\/p>\n<p>Zur angeblichen Parallele dieses &#8222;Streiks&#8220; mit einem Streik in einem kapitalistischen Betrieb: in der Graswurzelrevolution &#8222;streikt&#8220; eine von drei Personen, die in diesem Projekt \u00fcberhaupt Geld f\u00fcr ihre Arbeit bekommen. Gesch\u00e4digt wird nicht ein\/e kapitalistische\/r ArbeitgeberIn, ein\/e Reiche\/r oder ein Konzern. Gesch\u00e4digt werden Menschen, die zum Teil \u00fcber viele Jahre ihr ganzes politisches Engagement, ihre freie Zeit und ihre Leidenschaft dieser Zeitung und den gewaltfreien Aktionsgruppen, an denen sie beteiligt waren, gegeben haben! Und diese Menschen haben keinen Pfennig f\u00fcr ihre Arbeit bekommen, sie haben alle freiwillig gearbeitet und oft sogar eigenes Geld in das Projekt gesteckt. Aufgrund der Tatsache, wer hier streikt und wer hier gesch\u00e4digt wird, wird deutlich, wie polemisch und falsch der Vergleich mit eine\/m\/r kapitalistischen ArbeitgeberIn ist. Von der Redakteurin hat niemand verlangt, zu arbeiten &#8222;bis nix mehr geht&#8220;. Statt dessen wurden zum ersten Mal seit langem wieder drei Redaktionsb\u00fcros eingerichtet, davon zwei Endlayoutredaktionen, um die Menge anfallender Arbeit an der Zeitung sinnvoll zu verteilen. Die klar formulierte Aufgabe der M\u00fcnchner Redakteurin war es, Redaktionsarbeit und das Endlayout der Zeitung zu machen. Die Priorit\u00e4tensetzung f\u00fcr die Stellenbeschreibung und die Arbeitsaufgabe, auf die sich die M\u00fcnchner Redakteurin beworben hat, war immer klar: erst kommt die Erstellung der Zeitung, dann andere Projekte, hier der Aufbau einer FrauenLesbenRedaktion. Der HerausgeberInnenkreis hat immer wieder versucht, auf Probleme in der Arbeitssituation der Redakteurin zu reagieren, z. B. mit dem Beschluss des HerausgeberInnentreffens im Dezember 1999 in Berlin, die Verantwortung f\u00fcrs Endlayout monatlich rotieren zu lassen, damit der Arbeitsanfall f\u00fcr die Zeitungsproduktion besser verteilt werden kann und mehr zusammenh\u00e4ngende Zeit f\u00fcr Projekte der Redaktionen bleibt. Andere Redaktionen oder die Finanzstelle haben Aufgaben \u00fcbernommen, die normalerweise den Koordinationsredaktionen zufielen (Versenden von Probeexemplaren, Sondernummern, Korrekturlesen usw.). Wenn der M\u00fcnchner Redakteurin der Aufbau der FrauenLesbenRedaktion wichtiger ist und mehr Arbeit beansprucht als die eh schon verringerte Redaktions- und Layoutarbeit, so soll sie dies zur politischen Diskussion im HerausgeberInnenkreis stellen und nicht den zus\u00e4tzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand dem HerausgeberInnenkreis vorwerfen. Es stellt sich auch die Frage, warum die FrauenLesben der FrauenLesbenRedaktion nicht einige Aufgaben \u00fcbernehmen konnten\/wollten um f\u00fcr eine Entlastung der Redakteurin zu sorgen? Es scheint, dass die FrauenLesbenRedaktion eher virtuell existiert. Denn in den anderen Redaktionsorten gibt es auch Redaktionsgruppen oder Aktionsgruppen, die die beiden Redakteure zus\u00e4tzlich zu ihrer Aufgabenstellung aufgebaut haben. Diese begleiten jedoch die Zeitung und helfen auch mal bei anfallender Arbeit. Der Vertrauensverlust hat mit dem &#8222;Streik&#8220; selbst nichts zu tun und resultiert aus den \u00fcber Monate hinweg gemachten Erfahrungen mit der Redakteurin. Es geh\u00f6rte zu den Qualit\u00e4ten der Redaktionsarbeit der GWR, dass die RedakteurInnen nicht kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Weder wird eine feste Arbeitszeit verlangt, noch diese \u00fcberpr\u00fcft, es gibt auch keine anderen nachpr\u00fcfbaren Kontrollen (Arbeitsstundennachweise oder \u00e4hnliches). Bei einigen Ex-Redakteuren hat das nach einer anstrengenden ersten Zeit dazu gef\u00fchrt, dass die Arbeit am Endlayout aufgrund von Erfahrung verk\u00fcrzt werden konnte auf vielleicht drei Wochen pro Monat. So waren eine oder zwei Wochen frei f\u00fcr individuelle Interessen bzw. eigene Projekte. Und jetzt machen zwei, im Notfall sogar drei Redaktionen die anfallende Arbeit. Wenn es aber keine Kontrollen gibt, wenn bei uns alles \u00fcber Vertrauen l\u00e4uft, dann muss es Kriterien f\u00fcr dieses Vertrauen geben: erstens das Produkt Zeitung selbst als sichtbarer Ausdruck der Arbeit. Wenn in der Zeitung nun ersichtlich wenig M\u00fche auf Layout verwandt wird und wenn dann noch deutlich wird, dass sich eine Redaktion an der Produktion von drei Nummern nicht beteiligt hat, dann wird der Vorwurf, es w\u00fcrde ein &#8222;arbeiten bis nix mehr geht&#8220; verlangt, absurd. Als weiteres Kriterium f\u00fcr Vertrauen kann nur die Kommunikation im Redaktions- und HerausgeberInnenalltag gelten. Wenn diese Kommunikation schwindet und sich feststellen l\u00e4sst, dass wiederholt versucht wurde, einzelne Personen des HerausgeberInnenkreises gegeneinander auszuspielen, dann ist das Vertrauen weg und l\u00e4sst sich auch nicht einfach wiederherstellen, vor allem nicht nach solchen verzerrten Wirklichkeitsdarstellungen wie den vorliegenden. Exemplarisch f\u00fcr diese Vorgehensweise ist die angebliche Aufforderung zum Streikbruch des anderen Redakteurs und die angebliche Schmierung dieses Redakteurs &#8222;bei Stillschweigen&#8220; durch den HerausgeberInnenkreis. Es hat weder eine solche &#8222;Aufforderung&#8220; noch ein &#8222;Schmieren&#8220; gegeben. Dabei ist uns schmerzhaft bewusst, dass der betreffende Redakteur bzw. die betreffende Redaktion nun vorl\u00e4ufig auch noch die Aufgaben der M\u00fcnchner Redaktion \u00fcbernehmen musste, damit die Zeitung erscheinen kann. Dass die anfallende Arbeit besser bezahlt werden m\u00fcsste &#8211; wenn wir denn k\u00f6nnten &#8211; ist eine ganz andere Frage. Hier k\u00f6nnen wir nur Danke sagen.<\/p>\n<h3>Zum &#8222;Schm\u00e4hbrief&#8220; und zur &#8222;informellen Hierarchie&#8220;<\/h3>\n<p>Im folgenden wird ein Brief eines Herausgebers zur Kritik am Verhalten der Redakteurin als &#8222;Schm\u00e4hbrief&#8220; bezeichnet und am Ende eine Entschuldigung verlangt. Dieser Darstellung muss widersprochen werden: in dem genannten Brief wurden verschiedene Probleme in der Kommunikation und mit dem Verhalten der Redakteurin dargestellt. Es ging dabei nie &#8211; wie vorgeworfen &#8211; gegen die Notwendigkeit feministisch-lesbischer Inhalte in der Zeitung, sondern ausschlie\u00dflich um eine Kritik am individuellen Verhalten und den entstandenen pers\u00f6nlichen Vertrauensverlust. Dass es bei solcher Kritik zu Formulierungen kommen kann, die von der Betroffenen als Beleidigung aufgefasst werden, ist bedauerlich und nicht Absicht des Schreibenden gewesen. Angesichts der Tatsache, dass die Betroffene die Wirklichkeit ganz anders einsch\u00e4tzt, w\u00e4re das kaum zu vermeiden gewesen. Als beleidigend werden nicht einzelne Formulierungen, sondern die inhaltliche Gesamttendenz des Kritikpapiers empfunden. Diese wurde jedoch vom HerausgeberInnenKreis weitestgehend auf seinem letzten Treffen geteilt. Jede Form der Kritik, jede Abweichung von der eigenen Meinung und Darstellung wird von der Redakteurin nicht diskutiert und \u00fcberdacht, sondern sofort mit dem Sexismusvorwurf gekontert. Auf dieser Basis kann es keine fruchtbare Diskussion, kein Weiterentwickeln von Positionen geben. Diese Reaktionsweise auf Kritik ist sektiererisch und l\u00e4sst bef\u00fcrchten, dass gerade dies die Zeitung unoffen f\u00fcr alle m\u00f6glichen sozialen Bewegungen und neuen Einfl\u00fcsse macht. Hinzu kamen weitere konkrete Kritikpunkte, wie der Nachdruck von Texten, die l\u00e4ngst anderswo erschienen sind, z.B. aus der &#8222;Unsere Zeit&#8220; (Zeitung der DKP), der Abdruck des zuvor vom vorherigen Koordinationsredakteur zu Recht als &#8222;obskur&#8220; abgelehnten &#8222;jetzt beenden wir Aids&#8220;-Artikels in GWR 244, mangelnde Sorgfalt beim Korrekturlesen,&#8230; Bei der inhaltlichen Kritik ging es nie darum, ob feministische Artikel in der GWR erscheinen, sondern um einzelne konkrete Aussagen, die nicht oder nicht immer geteilt wurden. Sehr oft, wie auch beim weiter unten erhobenen Homophobie-Vorwurf, war die Kritik nicht dramatisch oder grunds\u00e4tzlich, sondern detailliert und als Anregung f\u00fcr zuk\u00fcnftige Artikel gedacht.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorwurf ist, im HerausgeberInnenkreis g\u00e4be es eine &#8222;informelle Hierarchie&#8220;, in der wenige M\u00e4nner das Sagen haben sollen und alle anderen es nur billigen. Der Begriff der &#8222;Billigung&#8220; spricht allen, die die Entscheidung zur Trennung mitgetragen haben, das eigene Denkverm\u00f6gen ab und \u00fcbersieht, dass es sich um einen moderierten Konsensprozess gehandelt hat. \u00dcber die Problematik der &#8222;informellen Hierarchie&#8220; im HerausgeberInnenkreis lohnt immer ein Nachdenken und es w\u00e4re falsch, nicht Ungleichheiten und Machtungleichgewichte zu erkennen, die sich schon aus Erfahrung und verschieden langer Beteiligung ergeben. Der HerausgeberInnenkreis ist durch seine Offenheit heterogen: es gibt die &#8222;alten&#8220;, langj\u00e4hrig beteiligten Menschen, die kontinuierlich und intensiv arbeiten wollen und immer wieder neue, von den Ideen der GWR begeisterte Menschen, die einsteigen, aber vielleicht nicht sofort so viel tun wollen oder k\u00f6nnen. Es ist ein Problem, einerseits offen f\u00fcr Neue sein zu wollen, andererseits Verantwortlichkeiten verbindlich wahrnehmen zu wollen. Immer wieder hat es Versuche gegeben, festzulegen, wer &#8222;dazu&#8220; geh\u00f6rt ohne dabei zu hohe H\u00fcrden f\u00fcr Beteiligung und Neueinstieg aufzubauen. Wenn es einzelne Personen im Kreis gibt, die aufgrund ihrer langj\u00e4hrigen Mitarbeit in einzelnen Punkten dominieren, dann gibt es aber zumindest ein Bewusstsein f\u00fcr die Problematik der &#8222;informellen Hierarchien&#8220;, die immer wieder selbstkritisch betrachtet und in Ans\u00e4tzen auch bek\u00e4mpft werden. Dies zeigt sich in Einzelf\u00e4llen auch in den Versuchen der betreffenden Personen selber, aus bestimmenden Positionen und zentralen Orten auszusteigen, ihre Arbeit zu reduzieren oder w\u00e4hrend der Produktionsphase der Zeitung lange in Urlaub zu fahren. Das alles sind Versuche, Verantwortung abzugeben, informelle Hierarchien abzubauen, ohne gleich die Mitverantwortung f\u00fcr das Gesamtprojekt aufzugeben oder in kritischen Phasen einfach nur andere machen zu lassen. Solche Versuche fanden und finden immer wieder statt. Diese prinzipiellen Probleme werden jedoch bis zu einer alle zufriedenstellenden L\u00f6sung noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Ex-Redakteurin sollte sich Gedanken dar\u00fcber machen, dass eine Redaktionsstelle im Gef\u00fcge der Zeitung ebenfalls eine Machtposition ist, eine Position, in der Informationen zusammenlaufen, die eine\/n RedakteurIn von vorneherein gegen\u00fcber allen sonst am Projekt Beteiligten privilegiert. Redaktionen sind immer potentielle Machtpositionen &#8211; und das Gesamtprojekt wird keineswegs vom HerausgeberInnenkreis allein gelenkt. Die vergleichsweise seltenen Treffen alle 2-3 Monate garantieren, dass die Redaktionen in vielen Bereichen die Entscheidung dar\u00fcber treffen, was in die Zeitung kommt und was nicht. Der HerausgeberInnenkreis kann aufgrund der Struktur nur beratend t\u00e4tig sein, und \u00fcberwiegend nur fr\u00fchere Ausgaben im Hinblick darauf diskutieren, was in den n\u00e4chsten Ausgaben besser gemacht werden k\u00f6nnte. Die wenigsten Artikel kann der HerausgeberInnenkreis vor Abdruck diskutieren, deshalb bedarf es einer Sensibilit\u00e4t der Redaktionen, mit ihrem Machtpotential basisdemokratisch umzugehen und Diskussionsanregungen aus dem HerausgeberInnenkreis aufzunehmen. Gerade die im Nachhinein erfolgende Diskussion der letzten Ausgaben, das Zusammentragen von Reaktionen bei Wiederverkauf und zu anderen Gelegenheiten sind meist sehr zielgerichtet und ernsthaft und zudem der einzige Ort im Strukturgef\u00fcge der Zeitung, wo \u00fcber die Zeitung von allen Beteiligten diskutiert werden kann &#8211; also mit das Wichtigste, was der HerausgeberInnenkreis zur Hilfe der Redaktionen leisten kann. Es wird erwartet, dass RedakteurInnen die Kritik dieser Diskussionen \u00fcber einzelne Artikel, an denen sich nicht selten Grundsatzdiskussionen \u00fcber Konzepte entspannen, produktiv aufnehmen, nicht im Detail und in jedem Einzelfall, aber doch der Tendenz nach. Auf diese Weise bildet der HerausgeberInnenkreis ein Gegengewicht zur Macht der Redaktionen, die sich in der allt\u00e4glichen Redaktionsarbeit entwickelt. Eine Macht, die die M\u00fcnchner Redakteurin oft geneigt war auszuspielen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist ein Editorial in der November-Ausgabe letzten Jahres, in dem trotz Abratens anderer Redakteure eine falsche Aussage \u00fcber die Geschichte der Zeitung gemacht wurde, n\u00e4mlich dass es in der Zeitungsgeschichte eine Art kollektiven Auszug von &#8222;Lesben-Frauen&#8220; aus den Graswurzelredaktionen &#8222;aus feministischen Gr\u00fcnden&#8220; gegeben habe. Ein solcher kollektiver Auszug hat nicht stattgefunden und es hatte mit einer Ausnahme in den 80er Jahren auch keine Lesben in den Redaktionen gegeben. Auch nach mehrfacher Aufforderung inner- und au\u00dferhalb des HerausgeberInnenkreises hat die Redakteurin diese Falschaussage nicht berichtigt.<\/p>\n<p>Wie gering die Diskussionen und Anregungen des HerausgeberInnenKreises von der Redakteurin gesch\u00e4tzt wurden, erschlie\u00dft sich aus der Formulierung, bei diesen HerausgeberInnentreffen werde &#8222;etwas \u00fcber die letzten Nummern geplaudert&#8220;. Der HerausgeberInnenkreis kann nur Vorschl\u00e4ge und Konzepte f\u00fcr den Redaktionsalltag erarbeiten, die Macht der Umsetzung obliegt den Redaktionen. Die einzige Ebene, auf der der HerausgeberInnenkreis in das Machtgef\u00fcge der Redaktionen eingreifen kann, ist die Einstellung oder die Abwahl der Angestellten, wenn sich der Eindruck best\u00e4tigt, dass die Redaktionsmacht missbraucht wird. Und das geschieht hier in der Geschichte der GWR zum ersten Mal.<\/p>\n<p>Eine Klage der Redakteurin ist, dass die Defizite des HerausgeberInnenkreises nicht angegangen w\u00fcrden und dass es keinen Kreis g\u00e4be, der sich mit inhaltlichen Kriterien f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen besch\u00e4ftigen w\u00fcrde. Es ist abzusehen, dass ein solcher Kreis von der Redakteurin als Kontrolle kritisiert w\u00fcrde, wenn er nicht im Detail ihrer Vorstellung (die noch dazu unklar sind) entspr\u00e4che. Zum anderen hat der HerausgeberInnenkreis mehrfach inhaltliche Kriterien f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen benannt, n\u00e4mlich eine qualitative Gleichbehandlung gewaltfreier, anarchistischer und feministischer Konzepte und Artikel. Die Kritik richtet sich im wesentlichen auch nicht gegen die feministischen Artikel, sondern gegen die konzeptionelle Nichtber\u00fccksichtigung und Vernachl\u00e4ssigung gewaltfreier und anarchistischer Inhalte in der allt\u00e4glichen Redaktionsarbeit der Redakteurin. Der HerausgeberInnenkreis hat im Gegensatz zur Behauptung der Redakteurin viel Verantwortung \u00fcbernommen, als er die Bed\u00fcrfnisse der RedakteurInnen immer wieder diskutiert und nach L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten gesucht hat. Hier Verantwortungslosigkeit zu unterstellen, ist unrichtig. Die Fraktionen in diesem Konflikt werden als der Block der &#8222;alten Gruppe&#8220; und im Gegensatz dazu die M\u00fcnchner Redaktion mit der &#8222;einzigen Frau&#8220; des HerausgeberInnenkreises, zweier M\u00e4nner und der &#8222;ganzen FrauenLesbenRedaktion&#8220; dargestellt. Nicht umsonst nennt die Redakteurin bei der Darstellung der Str\u00f6mung das Ganze nicht HerausgeberInnenkreis, sondern &#8222;Aktive&#8220; &#8211; was immer das hier bedeuten mag. Wieder wird unterschlagen, dass es mindestens drei Feministinnen gibt, die derzeit im HerausgeberInnenkreis aktiv sind. Die im Papier genannte &#8222;einzige Frau&#8220; (die eben nicht die einzige Frau ist) hat sich mehrfach explizit neutral erkl\u00e4rt und unterst\u00fctzt den &#8222;Streik&#8220; nicht. Die FrauenLesbenRedaktion unterst\u00fctzt den &#8222;Streik&#8220; ebenfalls nicht &#8222;ganz&#8220;, dazu wurde oben bereits eine abweichende Meinung aus der FrauenLesbenRedaktion zitiert. Schlie\u00dflich wird die Zahl von 15 Personen (und noch mehr) ins Feld gef\u00fchrt, die niemand nachpr\u00fcfen kann, weil diese Personen im Diskussionsproze\u00df der GWR noch nie gesehen wurden. Mag sein, dass es diese Gruppe gibt, in irgendeiner Weise Verantwortung f\u00fcr die GWR haben sie sichtbar bisher noch nicht \u00fcbernommen. Wenn schon diese Personen angef\u00fchrt werden, dann m\u00fcssten mindestens ebenso auf der anderen Seite sechs j\u00fcngere M\u00e4nner und Frauen aus Berlin angef\u00fchrt werden, die eigentlich eine Berliner Redaktion aufbauen wollten und durch das Auftreten von einigen FrauenLesben in Berlin und die enge Ausrichtung der GWR davon wieder abgebracht wurden. Und die die Redaktionen unterst\u00fctzenden Gruppen in M\u00fcnster und Heidelberg fehlen ebenfalls.<\/p>\n<h3>Fast bei Null angefangen?<\/h3>\n<p>&#8222;Vor einem Jahr hat eine seit 10 Jahren m\u00e4nnlich gepr\u00e4gte GWR eine feministische Redakteurin angeworben. Sie leistete zus\u00e4tzlich zu der Bearbeitung der Gesamtzeitung konsequent feministische Aufbauarbeit in der GWR. (&#8230;) Die Redakteurin fing fast bei Null an.&#8220; Die Redakteurin hat sich selbst aufgrund der schwulen\/antirassistischen\/antisexistischen\/feministischen Artikel in der GWR auf die Stelle beworben. Mehrere M\u00e4nner im HerausgeberInnenkreis haben eine z.T. jahrelange Erfahrung in M\u00e4nnergruppen oder Gruppen wie &#8222;M\u00e4nner gegen M\u00e4nnergewalt&#8220;. Die Frauen, die in den letzten Jahren in den Redaktionen mitgearbeitet haben, blieben blieben mal l\u00e4nger, mal k\u00fcrzer Redakteurin. Keine von ihnen war (unseren Wissens) Lesbe, aber alle verstanden sich als Feministinnen. Wenn sie gingen, dann nicht im Streit, obwohl sie im Einzelfall durchaus antisexistische Kritik an einzelnen Personen oder Strukturen der Zeitung hatten. Immer wieder hat der HerausgeberInnenkreis anhand dieser Kritik die Auseinandersetzungen gef\u00fchrt: es wurden in diesen zehn, zw\u00f6lf Jahren aus den Diskussionen u.a. folgende Schl\u00fcsse gezogen und umzusetzen versucht: die angestrebte Quotierung der Redaktionsstellen; die Forderung an alle M\u00e4nner, sich bei allen Themen mit ihrer feministischen\/antisexistischen Dimension zu besch\u00e4ftigen; ein Extra- Seminar in Kurve Wustrow zur Erweiterung des HerausgeberInnenkreises; eine einj\u00e4hrige Diskussion um Sexismus im HerausgeberInnenkreis anhand konkreter F\u00e4lle; die Unterst\u00fctzung eines schwulen Redakteurs, seine Positionen in der Zeitung darzustellen und zu verbreiten. Und das alles soll nichts sein? Das alles soll sich nicht in der Zeitung, und nicht im Verhalten der Mitglieder des HerausgeberInnenkreises widerspiegeln? Dass es sich in der Zeitung immer widergespiegelt hat, zeigt ein Blick in irgendeine Ausgabe der letzten 10 Jahre. Im HerausgeberInnenkreis hat es immer eine Kultur des Ausredenlassens, des gegenseitigen Zuh\u00f6rens und Bem\u00fchens um Verst\u00e4ndnis gegeben. Dies gelingt nicht immer perfekt und hier kann vieles kritisiert und verbessert werden, aber selbst die im Konflikt zugezogenen ModeratorInnen erw\u00e4hnten den emanzipatorischen Stil der Diskussion. Auch jetzt wird sich im HerausgeberInnenkreis wieder mit M\u00e4nnerdominanz und Sexismus besch\u00e4ftigt. Diese Auseinandersetzung muss immer wieder neu gef\u00fchrt werden. Dasselbe l\u00e4sst sich jedoch auch \u00fcber Rassismus, Antisemitismus und weitere Herrschaftsformen sagen. Vergleichend kann gesagt werden, dass die Auseinandersetzung mit Sexismus im HerausgeberInnenkreis in den letzten 10 Jahren einen sehr hohen Stellenwert hatte. Die Behauptung der Redakteurin, dass sie &#8222;bei Null&#8220; anfangen musste, ist eine Anma\u00dfung. Und die &#8222;Fettn\u00e4pfchen&#8220;, in die &#8222;die M\u00e4nner&#8220; angeblich getreten sind, haben sich oft als peinlich f\u00fcr die Redakteurin selbst herausgestellt. Ein Beispiel von vielen ist die Behauptung der Redakteurin (der FrauenLesbenRedaktion?) in einem Lagepapier, dass Feminismus f\u00fcr die GWR nicht die Bedeutung gehabt habe, die er h\u00e4tte haben m\u00fcssen, abgeleitet anhand der Tatsache, dass sich die Zeitung in den 80er Jahren lediglich &#8222;antisexistisch&#8220; und nicht &#8222;feministisch&#8220; genannt habe. Nun war es aber Quintessenz der Diskussionen in den 80er Jahren, dass sich ein gemischtes Projekt nicht &#8222;feministisch&#8220; nennen durfte, weil die beteiligten M\u00e4nner dadurch eine Anma\u00dfung begangen h\u00e4tten. Mag sein, dass diese Unterscheidung heute nicht mehr als so wichtig eingestuft wird, damals war sie wichtig. Das nicht zu wissen, und den Anspruch, der damals explizit in der Zeitung formuliert wurde, sich antisexistischen Zielen zu verpflichten, umzudrehen in einen Vorwurf des Sexismus, straft die Behauptung der Redakteurin fast &#8222;bei Null&#8220; anfangen zu m\u00fcssen, L\u00fcgen. Zudem wird damit den M\u00e4nnern im HerausgeberInnenKreis, die immer wieder Auseinandersetzungen mit eigenem Sexismus und Sexismus allgemein gef\u00fchrt haben ein wichtiger Teil der bisherigen Arbeit und des bisherigen Lebens abgesprochen, noch dazu ohne jede Kenntnis der Entwicklung in der GWR. Ein Projekt des Sexismus anzuklagen, weil es sich explizit antisexistisch nennt, und &#8211; wie geschehen &#8211; schon Minuten sp\u00e4ter den Allgemeinplatz zu verlieren, &#8222;mann&#8220; habe in drei\u00dfig Jahren Frauenbewegung wohl nichts gelernt, ist Polemik. Und obwohl auf einem Treffen des HerausgeberInnenkreises der Sachverhalt um die Begriffe &#8222;feministisch\/antisexistisch&#8220; erl\u00e4utert wurde bevor jenes Lagepapier entstand, wurden wider besseren Wissens mit diesem wiederkehrenden Vorwurf andere uninformierte Leute noch weiter desinformiert. Wir sind jetzt erst bei der H\u00e4lfte der Kritik des Papiers &#8222;Welche ihre F\u00fc\u00dfe unter unseren Tisch stellt&#8230;&#8220; angelangt und enden hier. Es geh\u00f6rt zu den tr\u00fcbseligen Erkenntnissen solcher Auseinandersetzungen, dass manchmal ein Buch geschrieben werden k\u00f6nnte, um alles richtig zu stellen, was ein einziges Papier an Falschdarstellungen anh\u00e4uft. Manche Vorw\u00fcrfe sind so unglaublich, dass sie sich von selbst erledigen, etwa der Vorwurf, in dem Kritikpapier eines Herausgebers werde &#8222;FrauenLesben generell das Interesse und die Verantwortlichkeit f\u00fcr die GWR abgesprochen&#8220;, gefolgt vom Biologismus-Vorwurf. Denn wieso h\u00e4tte ein Herausgeber im November 1998 der Einstellung einer FrauenLesbe zustimmen sollen, wenn er solche Ansichten hegte? Was hier anhand einiger Beispiele aufgezeigt werden sollte ist die sich in diesen Details ausdr\u00fcckende, chronisch scheinende entgegengesetzte Wirklichkeitswahrnehmung der Redakteurin. Auf dieser Basis kann kein Vertrauen in eine zuk\u00fcnftige Redaktionszusammenarbeit wachsen und die erfolgte Trennung war die einzige verbliebene M\u00f6glichkeit, einen Schlu\u00dfstrich zu setzen.<\/p>\n<p>In dem Trennungsbeschlu\u00df wurde explizit festgehalten, dass die Diskussion um M\u00e4nnerdominanz und Sexismus auf den n\u00e4chsten Treffen weiter gef\u00fchrt wird. Allerdings wird im gesamten HerausgeberInnenKreis festgelegt, in welcher Form diese Diskussion gef\u00fchrt wird, ob und wann sie als vorl\u00e4ufig ausreichend empfunden wird und mit welchen Ergebnissen sie endet. Als Feministin kann die fr\u00fchere Redakteurin eine solche Diskussion legitimer weise fordern. Aber sie ist nicht die letzte Entscheidungsinstanz f\u00fcr die abschlie\u00dfende Bewertung dieser Diskussion, ebenso wenig wie die FrauenLesbenRedaktion allein &#8211; zumal die bisher genannte Kriterien daf\u00fcr sich zwischen &#8222;ad\u00e4quat lebbarer L\u00f6sung&#8220; und einem die &#8222;FrauenLesbenRedaktion ideell, moralisch und in allen anderen Bereichen so zu st\u00e4rken, dass sie sich wohl f\u00fchlt&#8220; bewegen. Der Anspruch bzw. das Selbstverst\u00e4ndnis der Ex-Redakteurin sich zur letzten Entscheidungsinstanz zu machen ist &#8211; basisdemokratische Prinzipien vorausgesetzt &#8211; emp\u00f6render Machtmissbrauch. Und weil diese Forderungen in ultimativer Form vorgebracht wurden, blieb nichts anderes \u00fcbrig, als sich von der Redakteurin zu trennen. Die begonnene \u00f6ffentliche Diffamierungskampagne gegen die GWR stellt die Strukturen und die internen Abl\u00e4ufe der Zeitung in falschem Licht dar und schadet ihr damit. Die Energie, die es die HerausgeberInnen kostet, diese durch die \u00f6ffentliche Kampagne vorgezeichnete Form der Auseinandersetzung zu f\u00fchren, w\u00e4re besser in konstruktive Diskussionen und Projekte geflossen. Und deshalb macht uns diese Auseinandersetzung zugleich w\u00fctend und traurig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles f\u00fcr die Redakteurin Nachteilige und Kritische, dem Wunschbild nicht Entsprechende, wird nicht erw\u00e4hnt oder wegdefiniert. Bei unserem Antwortpapier soll so eng wie m\u00f6glich am Text der &#8222;feministischen Redaktion&#8220; bzw. Redakteurin geblieben werden, um verfehlte Wirklichkeitswahrnehmungen zu verdeutlichen bzw. falsche Darstellungen zu korrigieren. Gewaltt\u00e4tig oder basisdemokratisch? 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