{"id":3496,"date":"2000-10-01T00:00:28","date_gmt":"2000-09-30T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3496"},"modified":"2022-07-26T13:11:53","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:53","slug":"tag-x-23-0ktober-2000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/10\/tag-x-23-0ktober-2000\/","title":{"rendered":"Tag X: 23. 0ktober 2000?"},"content":{"rendered":"<p>Ende Oktober soll ein erster Castor-Transport vom AKW Philippsburg (bei Karlsruhe) zur Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague in Frankreich rollen. Das w\u00e4re dann der erste Atomm\u00fcll-Zug nach dem 1998 noch von Angela Merkel verh\u00e4ngten Transportestopp. Jetzt wird sich entscheiden, ob es stimmt, was Bundeswirtschaftsminister M\u00fcller sich \u00f6ffentlich w\u00fcnschte, da\u00df der sogenannte Atomkonsens die Anti-Atom-Bewegung &#8222;austrocknet&#8220;. Oder ob es stimmt, da\u00df X-tausende darauf warten, endlich der Atomwirtschaft aber auch der Bundesregierung deutlich zu machen, da\u00df der jetzt vereinbarte jahrzehntelange Weiterbetrieb der AKWs auf gro\u00dfen Protest und entschiedenen Widerstand sto\u00dfen wird. Geplant und vom Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz seit dem 21. September genehmigt sind noch in diesem Jahr insgesamt acht Transporte zuerst aus dem AKW Philippsburg, danach aus Biblis und Stade nach La Hague. Im n\u00e4chsten Jahr sollen weitere 48 Atomm\u00fcllz\u00fcge folgen, also durchschnittlich jede Woche ein Transport hochradioaktiver Stoffe quer durch die Republik. Notwendig ist dies f\u00fcr die AKW-Betreiber, weil in inzwischen sieben Reaktoren kein Platz mehr f\u00fcr die Lagerung des hei\u00dfen Atomm\u00fclls vorhanden ist.<\/p>\n<p>Es geht also um die Wurst &#8211; auch f\u00fcr VegetarierInnen. Kann die Atomwirtschaft mit Hilfe der Polizei die Transporte durchsetzen, dann sind sie das Atomm\u00fcll-Problem erst einmal los: Aus den Augen aus dem Sinn. Wird die Anti-AKW- Bewegung beim ersten Transport aus Philippsburg \u00e4hnliche Zust\u00e4nde erreichen, wie bisher bei den Transporten nach Gorleben und Ahaus, dann bekommt die Polizei ein Problem: Solche Gro\u00dfeins\u00e4tze sind nicht beliebig wiederholbar.<\/p>\n<p>Es wird diesen Herbst und Winter also eine Art Show-Down geben.<\/p>\n<h3>Wer hat den l\u00e4ngeren Atem?<\/h3>\n<p>Gelingt es den zahlreichen AtomkraftgegnerInnen mit Unterst\u00fctzung vieler entt\u00e4uschter W\u00e4hlerInnen von rot-gr\u00fcn, in Philippsburg massenhaft Widerstand zu leisten und auch bei den m\u00f6glicherweise darauf folgenden Transporten aus Biblis und Stade Sand im Getriebe zu sein, dann kann es wirklich gelingen, einzelne Kraftwerke wegen fehlender Entsorgung &#8222;vom Netz zu blockieren&#8220;.<\/p>\n<p>Ein Anfang ist schon gemacht: Bei der Anti-Atom-Demonstration in Gorleben am 23.9. waren mehr als 5.000 Menschen und die Stimmung war phantastisch. Alle haben gemerkt: Die Bewegung ist noch da, und viele sind sehr tatendurstig, was die n\u00e4chsten Wochen und Monate angeht. Dies zeigte auch die rege Beteiligung an der direkt an die Demo anschlie\u00dfende Sonder- Bundeskonferenz der Anti-Atom-Initiativen. Dort wurden konkrete Pl\u00e4ne geschmiedet, damit Philippsburg zum Kristallisationspunkt des Widerstandes werden kann. Also: Wer auch immer von den GWR-LeserInnen sich irgendwann im Leben gegen Atomenergie engagiert hat: Jetzt kommt es darauf an!<\/p>\n<h3>Die Fakten<\/h3>\n<p>In den beiden Bl\u00f6cken des badischen AKW Philippsburg ist kein Lagerplatz mehr f\u00fcr hochradioaktive abgebrannte Brennelemente vorhanden. Wenn sich diese Situation nicht bis zum Fr\u00fchjahr \u00e4ndert, dann wird abgeschaltet. Die eigentlich geplante Verpackung des hei\u00dfen Atomm\u00fclls in Beh\u00e4ltern vom Typ Castor V ist gescheitert, weil es der Betriebsmannschaft trotz mehrmaliger Versuche nicht gelungen ist, den Deckel dicht zu bekommen. Damit sind auch alle angedachten Notl\u00f6sungen hinf\u00e4llig. Denn sowohl die geplante &#8222;Transportbereitstellungslagerung&#8220; als auch die beantragte &#8222;Interimslagerung&#8220; in Garagen auf dem Kraftwerksgel\u00e4nde funktioniert nur in Beh\u00e4ltern vom Typ Castor V. Damit bleibt nur noch der Weg zur Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague in Frankreich. Denn f\u00fcr WAA- Transporte m\u00fcssen die Beh\u00e4lter nicht so dicht sein, wie bei dem f\u00fcr die langfristige Zwischenlagerung vorgesehenen Castor V. Doch f\u00fcr den besonders unter der drohenden Atomm\u00fcll-Verstopfung leidenden Philippsburg-Block 2 gibt es nur einen einzigen Transportbeh\u00e4lter vom Typ TN 13. Dieser w\u00fcrde im Mehrweg-Verfahren zwischen Philippsburg und La Hague hin- und herpendeln. Weil aber die einzelnen Uml\u00e4ufe relativ lange dauern (sch\u00e4tzungsweise sechs bis neun Wochen), ist es n\u00f6tig, den ersten Transport rechtzeitig loszuschicken, damit auch der letzte noch auf Reisen geht, bevor neue Brennelemente eingesetzt werden sollen. Im Falle Philippsburg 2 bedeutet &#8222;rechtzeitig&#8220; Ende Oktober.<\/p>\n<h3>Und Ahaus?<\/h3>\n<p>Im Sommer hatten sich die Ger\u00fcchte verdichtet, da\u00df es Anfang November einen Castor-Transport aus Neckarwestheim ins Zwischenlager Ahaus geben k\u00f6nnte (vgl. GWR 251). Doch der Innenminister von NRW hat jetzt einen Brief an den Ahauser B\u00fcrgermeister geschrieben, in dem er ihm versichert, da\u00df es dieses Jahr keinen Ahaus-Castor mehr geben wird. Aus Neckarwestheim und aus Ahaus gibt es auch keine neuen Anzeichen \u00fcber die bereits verbreiteten hinaus, die f\u00fcr einen Transport im November sprechen. Trotzdem bleibt nat\u00fcrlich ein Restrisiko, gerade auch weil in Ahaus ja schon einmal getrickst wurde.<\/p>\n<h3>Das gro\u00dfe Mi\u00dfverst\u00e4ndnis der Polizei.<\/h3>\n<p>Die Polizei meint, den Philippsburg-Castor mit &#8222;einigen Hundertschaften&#8220; durchsetzen zu k\u00f6nnen. Die Prognose, nach der es auch mit solch kleinen Polizeieins\u00e4tzen m\u00f6glich sei, WAA-Transporte durchzusetzen, basiert auf den Erfahrungen fr\u00fcherer Jahre, als fast w\u00f6chentlich und fast unbeachtet Atomm\u00fcllz\u00fcge Richtung Frankreich rollten. Was dabei \u00fcbersehen wird, ist die Tatsache, da\u00df sich in den letzten Jahren die politischen Rahmenbedingungen grundlegend gewandelt haben. Durch den Skandal um die Au\u00dfenkontamination der Beh\u00e4lter kamen die WAA-Transporte Anfang 1998 erstmals ins Rampenlicht. Seither gilt der Transportestopp der damaligen Umweltministerin Angela Merkel.<\/p>\n<p>Die Anti-Atom-Bewegung hat sich fr\u00fchzeitig darauf festgelegt, den ersten Transport nach Aufhebung des Stopps, egal von wo nach wo er rollt, massenhaft zu blockieren. Und mit dem Konsensvertrag zwischen Bundesregierung und Atomindustrie wurde festgeschrieben, da\u00df der Weiterbetrieb der Reaktoren in den n\u00e4chsten Jahren durch massenhaften Atomm\u00fclltourismus nach Frankreich und Gro\u00dfbritannien erm\u00f6glicht werden soll. Es w\u00e4re v\u00f6llig verantwortungslos von den AtomkraftgegnerInnen, w\u00fcrden sie sich nur um innerdeutsche Transporte oder die R\u00fcckf\u00fchrung von eingeschmolzenen WAA-Abf\u00e4llen nach Gorleben k\u00fcmmern und die Z\u00fcge, die den Strahlenm\u00fcll zum \u00c4rmelkanal und der Irischen See karren, unbehelligt fahren lassen. Schlie\u00dflich ist die Wiederaufarbeitung die gef\u00e4hrlichste, schmutzigste und unsinnigste Methode zum Umgang mit Atomm\u00fcll. Es regiert die Politik des &#8222;aus den Augen aus dem Sinn&#8220;, nur um die vereinbarten Laufzeiten f\u00fcr die Reaktoren nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Wenn nun demn\u00e4chst X-tausende den ersten Transport zur Wiederaufarbeitung blockieren, dann wird dies ein deutliches Zeichen daf\u00fcr, da\u00df dieses Spiel l\u00e4ngst durchschaut ist.<\/p>\n<p>Wundern wird sich nur die Polizei, die pl\u00f6tzlich auch f\u00fcr WAA-Transporte Gro\u00dfeins\u00e4tze organisieren mu\u00df. Bisher geht n\u00e4mlich beispielsweise das baden-w\u00fcrttembergische Innenministerium noch davon aus, den ersten Transport aus Philippsburg ohne Unterst\u00fctzung durch andere Bundesl\u00e4nder durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie unterscheiden bisher nach &#8222;Castor-&#8220; und &#8222;WAA-Transporten&#8220;.<\/p>\n<p>Wir wollen ihnen zeigen, da\u00df jeder Beh\u00e4lter, ob seine Produktionsbezeichnung nun TN, Excellox oder wie auch immer hei\u00dft, f\u00fcr uns ein Castor ist. Schlie\u00dflich sagen wir auch zu jedem x-beliebigen Klebestreifen &#8222;Tesafilm&#8220; und zu Papiertaschent\u00fcchern &#8222;Tempo&#8220;. &#8222;Castor&#8220; ist das Symbolwort f\u00fcr den Widerstand gegen eine Atompolitik, die nicht den Interessen der Menschen, sondern den Begehrlichkeiten der Industrie verhaftet ist und deshalb nennen wir alle Transporte &#8222;Castor-Transporte&#8220; &#8211; und wir behandeln sie auch so.<\/p>\n<h3>Testfall Philippsburg<\/h3>\n<p>Das Bestreben ist es nun, die geplanten mehr als 50 Transporte einfach dadurch zu verunm\u00f6glichen, da\u00df im Idealfall schon nach dem ersten Tag X so viele \u00dcberstunden bei den &#8222;Ordnungsh\u00fcterInnen&#8220; angefallen sind, da\u00df f\u00fcr absehbare Zeit nichts mehr rollt. Philippsburg im Oktober kann also schon zum entscheidenden Kr\u00e4ftemessen werden. Es ist aus der Vergangenheit bekannt, da\u00df f\u00fcr Castor-Gro\u00dfeins\u00e4tze bis zu 30.000 BeamtInnen unterwegs waren. Wenn es gelingt, \u00e4hnliches in und um Philippsburg und an der Strecke nach Frankreich hervorzurufen, dann haben wir schon fast gewonnen. Der &#8222;Testballon&#8220; w\u00fcrde platzen. selbst wenn die Staatsmacht den Castor letztendlich durchsetzt. W\u00fcrde er aber ohne nennenswerten Widerstand durchkommen, dann w\u00fcrden in kurzem Abstand weitere Castoren nach La Hague und Sellafield rollen. Der Transportestopp w\u00e4re umfassend beendet. Die AKW-Betreiber k\u00f6nnten jubeln, denn die drohende Verstopfung w\u00e4re effektiv abgewendet. Mit dem Widerstand gegen den ersten Transport stoppen wir also die kommenden, wenn wir viele sind und die n\u00f6tige Qualit\u00e4t an Aktionsformen mitbringen.<\/p>\n<p>Damit keine Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse aufkommen: Nach Philippsburg soll bundesweit mobilisiert werden. So wie 1995 bis 1997 Tausende aus der ganzen Republik ins Wendland und 1998 Tausende nach Neckarwestheim und Ahaus gefahren sind, so ist jetzt Philippsburg Kristallisationspunkt des Widerstandes. So m\u00fcssen sich beispielsweise die Hamburger AktivistInnen fragen, wie viele Menschen sie wohl aus der Hansestadt zu einem Gorleben-Transport mobilisieren k\u00f6nnten. Und als zweites dann, was getan werden kann, da\u00df all diese Menschen diesmal nicht ins Wendland sondern nach Philippsburg fahren. Unrealistisch? Na klar! Und deshalb eine Herausforderung. Schlie\u00dflich wollen wir uns mit einer der m\u00e4chtigsten Industriesparten in diesem Land und gleichzeitig mit der Staatsmacht anlegen. Das geht nicht aus dem Handgelenk, sondern ist manchmal richtig Arbeit (macht aber auch Spa\u00df).<\/p>\n<p>Philippsburg ist nicht Gorleben und so ist es nat\u00fcrlich ein Wagnis, die im Wendland erfolgreichen Aktionsformen wie z.B. die massenhafte gewaltfreie Sitzblockade &#8222;X-tausendmal quer&#8220; auf ein badisches St\u00e4dtchen zu \u00fcbertragen, dessen Name bisher kaum in der Reihe der Symbolorte f\u00fcr den Streit ums Atom aufgetaucht ist. Doch auch vor dem Castor- Transport nach Ahaus 1998 galt es als sehr unsicher, wieviele Menschen sich im M\u00fcnsterland querstellen w\u00fcrden. Mit einer kraftvollen Mobilisierung ist es gelungen, da\u00df trotz kurzfristiger Vorverlegung des Transports Tausende auf Stra\u00dfen und Schienen kamen. Warum soll dies in Philippsburg nicht m\u00f6glich sein? Jedenfalls wenn jede\/r ihren\/seinen Teil dazu beitr\u00e4gt.<\/p>\n<h3>Zur Mobilisierung<\/h3>\n<p>Es ist nur noch wenig Zeit bis Ende Oktober. Erschwerend kommt hinzu, da\u00df der genaue Transporttermin im Augenblick noch nicht feststeht. Vermutet wird der 23. Oktober. Es w\u00e4re jedoch fatal, jetzt unt\u00e4tig darauf zu warten, bis die Informationslage noch klarer ist. Viele Vorbereitungen k\u00f6nnt Ihr jetzt schon treffen. Nehmt Kontakt mit den anderen MitstreiterInnen auf, macht Pl\u00e4ne f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle, \u00fcberlegt, wie Ihr kurzfristig viele Menschen informieren k\u00f6nnt, plant eigene Aktionen, haltet Euch \u00fcber den aktuellen Stand auf dem Laufenden, und vor allem: setzt all Eure Kraft daf\u00fcr ein, da\u00df m\u00f6glichst viele Menschen aus Eurer Region oder Euer Organisation sich auf den Weg nach Philippsburg machen, wenn es soweit ist. Der allerwichtigste Grundsatz bei einer so kurzfristigen Mobilisierung: \u00dcbernehmt selbst Verantwortung daf\u00fcr, da\u00df es klappt. Wartet nicht darauf, da\u00df es andere tun. Wenn Ihr diese Castor-Auseinandersetzung als Eure Sache begreift, in die Ihr Hirnschmalz und Herzblut steckt, dann haben wir gute Chancen, in Philippsburg f\u00fcr einige \u00dcberraschungen zu sorgen. Schlie\u00dflich ist die Zahl der Unzufriedenen mit der Atompolitik der Bundesregierung sehr gro\u00df. Diese Unzufriedenen gilt es in den n\u00e4chsten Wochen zu erreichen und davon zu \u00fcberzeugen, da\u00df es jetzt die einzigartige M\u00f6glichkeit gibt, \u00f6ffentlich die fehlende Akzeptanz des Konsens- Nonsens zu demonstrieren. Jede\/r kennt das aus dem angeblich nicht-politischen Privatleben: Es gibt Phasen, da tritt der Alltag mit all seinen Wichtigkeiten und Verpflichtungen f\u00fcr eine k\u00fcrzere oder l\u00e4ngere Zeit in den Hintergrund und alle Energie wird von einem einzigen Ereignis in Anspruch genommen, beispielsweise eine Pr\u00fcfung, eine neue Liebe, ein Trauerfall, ein Umzug, eine Geburt, ein gro\u00dfer Streit. \u00c4hnliches passiert jetzt auf der politischen Ebene: die n\u00e4chsten Wochen und vor allem dann die Zeit rund um den &#8222;Tag X&#8220;, den Tag des Transportes, das ist so eine Ausnahmesituation und wer sich darauf einlassen kann und will, der\/die schafft es auch, die sonstigen Verpflichtungen eine Zeit lang zur\u00fcckzustellen oder an andere Menschen zu delegieren. Viele, die diesen Artikel lesen, verstehen sich (auch) als politische Menschen, sind mehr oder weniger politisch aktiv. Dann wi\u00dft Ihr auch, wie unendlich m\u00fchsam die politische Alltagsarbeit meist ist. Oftmals \u00fcberwiegt das Gef\u00fchl, da\u00df das, was wir tun, kein Streiten gegen Unrecht ist, sondern nur seine kritische Begleitung. Die n\u00e4chsten Wochen sind anders: Es geht ums Ganze. Entweder die Entsorgungsl\u00fcge wird zuk\u00fcnftig wieder durch fast w\u00f6chentliche Transporte zu den Wiederaufarbeitungsanlagen zementiert oder es gelingt uns, ihnen einen kr\u00e4ftigen Strich durch die Rechnung zu machen. Das ist der oft postulierte Unterschied zwischen Protest und Widerstand (frei nach Dale A. Smith):<\/p>\n<p>Protestieren hei\u00dft, sich gegen etwas auszusprechen. Man nimmt an einer Demonstration teil, h\u00f6rt die Reden an und geht nach Hause, um sich im Fernsehen zu sehen.<\/p>\n<p>Widerstand leisten hei\u00dft, nicht nur zu sagen: &#8222;Ich will nicht&#8220;. Es hei\u00dft, ich werde mich bem\u00fchen, da\u00df viele andere auch nicht wollen. Und ich werde nicht nur nicht dulden, was die scheinbar M\u00e4chtigen tun, sondern ich werde den Versuch unternehmen, sie daran zu hindern, das zu tun, was sie wollen.<\/p>\n<h3>Die n\u00e4chsten Schritte<\/h3>\n<p>Jetzt gilt es dreierlei zu tun: Mobilisieren, d.h. m\u00f6glichst viele Menschen davon \u00fcberzeugen, da\u00df sie mitmachen, Organisieren, d.h. die Infrastruktur oder Kleingruppenaktionen f\u00fcr den Tag X vorbereiten und Agieren, d.h. schon im Vorfeld Aktionen machen oder mitmachen, um den politischen Druck zu erh\u00f6hen. So gibt es am 8. Oktober um 14.30 Uhr (Treffpunkt Marktplatz) den ersten &#8222;Sonntagsspaziergang&#8220; in der hei\u00dfen Mobilisierungs-Phase in Philippsburg. Da geht es darum erst einmal mit vielen Menschen vor Ort Flagge zu zeigen, aber auch darum, sich ortskundig zu machen. Am Wochenende vor dem Tag X, also wahrscheinlich am 21. Oktober wird es in der Region eine gro\u00dfe Auftaktdemonstration geben. Bei bisherigen Castor-Kampagnen hatte sich dieser Ablauf bew\u00e4hrt. Im direkten Anschlu\u00df an die Demo k\u00f6nnten ein oder mehrere Camps &#8222;bezogen&#8220; werden. Die alte wendl\u00e4ndische Regel, da\u00df unsere Chancen um so gr\u00f6\u00dfer sind, je fr\u00fcher wir uns vor Ort einnisten, gilt wohl auch f\u00fcr Philippsburg. Im Camp k\u00f6nnen sich Einzelne zu Bezugsgruppen zusammenfinden und es finden Trainings statt. Der SprecherInnenrat konstituiert sich und diejenigen, die nicht selbst mitblockieren wollen, k\u00f6nnen unterst\u00fctzende Aufgaben in der Infrastruktur \u00fcbernehmen.<\/p>\n<h3>&#8222;X-tausendmal quer &#8211; \u00fcberall&#8220;<\/h3>\n<p>Eine der gro\u00dfen Aktionen beim Castor aus Philippsburg wird die gro\u00dfe gewaltfreie Sitzblockade der Kampagne &#8222;X- tausendmal quer &#8211; \u00fcberall&#8220;. Schon mehr als 3.000 Menschen haben sich bei der Kampagne zur\u00fcckgemeldet. Viele noch Unentschlossene sollen bis zum Tag X gewonnen werden. Schon 1997 in Gorleben war &#8222;X-tausendmal quer&#8220; ein gro\u00dfer Erfolg. Jetzt verlegt die Kampagne einen Gro\u00dfteil ihrer Infrastruktur in den Raum Philippsburg, bleibt aber wachsam, falls doch ein anderer Transport zuerst rollen soll.<\/p>\n<p>Ein Zitat aus dem &#8222;X-tausendmal quer &#8211; \u00fcberall&#8220;-Aufruf: &#8222;Wenn alle dazu beitragen, kann unsere Vision Wirklichkeit werden: Die Kraft entschlossenen gewaltfreien Handelns ist st\u00e4rker als alle staatliche Gewalt zur Durchsetzung des Castor-Transports.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Oktober soll ein erster Castor-Transport vom AKW Philippsburg (bei Karlsruhe) zur Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague in Frankreich rollen. Das w\u00e4re dann der erste Atomm\u00fcll-Zug nach dem 1998 noch von Angela Merkel verh\u00e4ngten Transportestopp. Jetzt wird sich entscheiden, ob es stimmt, was Bundeswirtschaftsminister M\u00fcller sich \u00f6ffentlich w\u00fcnschte, da\u00df der sogenannte Atomkonsens die Anti-Atom-Bewegung &#8222;austrocknet&#8220;. Oder &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/10\/tag-x-23-0ktober-2000\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Tag X: 23. 0ktober 2000? - graswurzelrevolution","description":"Ende Oktober soll ein erster Castor-Transport vom AKW Philippsburg (bei Karlsruhe) zur Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague in Frankreich rollen. 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