{"id":3590,"date":"2000-11-01T00:00:00","date_gmt":"2000-10-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3590"},"modified":"2022-07-26T14:26:23","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:23","slug":"trostfrauen-fordern-nach-50-jahren-gerechtigkeit-und-entschadigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/11\/trostfrauen-fordern-nach-50-jahren-gerechtigkeit-und-entschadigung\/","title":{"rendered":"&#8222;Trostfrauen&#8220; fordern nach 50 Jahren Gerechtigkeit und Entsch\u00e4digung"},"content":{"rendered":"<p>So jedenfalls dachte der japanische Kaiser im japanisch-chinesischen Krieg von 1937 bis 1945. Er lie\u00df f\u00fcr seine Soldaten &#8222;Troststationen&#8220; &#8211; im Klartext Bordelle &#8211; einrichten. Damit begann f\u00fcr viele s\u00fcdostasiatische Frauen ein langer Leidensweg. 100.000 bis 200.000 Frauen wurden w\u00e4hrend des Krieges zwischen China und Japan vom japanischen Milit\u00e4r in Soldaten-Bordellen zur Prostitution gezwungen. Das berichtete die Koreanerin Yoon-Ok Kim am Dienstag (19.9.00) bei der T\u00fcbinger Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES.<\/p>\n<p>Die so genannten Trostfrauen kamen meist aus dem besetzten Korea, aber auch aus Taiwan, Malaysia, China oder den Niederlanden. Die Vorsitzende der Seouler Frauenorganisation &#8222;Koreanischer Rat f\u00fcr Trostfrauen&#8220; berichtete, wie manche Frauen durch irref\u00fchrende Arbeitsvertr\u00e4ge in die Bordelle gelockt und andere verschleppt oder entf\u00fchrt wurden. Jede Frau habe t\u00e4glich 20 bis 50 Soldaten bedienen m\u00fcssen, wei\u00df die 62-j\u00e4hrige Theologin und Frauenrechtlerin. &#8222;Die Frauen wurden unmenschlicher behandelt als Tiere und f\u00fchrten ein Leben wie Sklavinnen.&#8220; Lange Zeit war das Verbrechen tabu, erst vor knapp 10 Jahren brachen Betroffene ihr Schweigen.<\/p>\n<p>Mit einer spektakul\u00e4ren Aktion in Tokio will nun der &#8222;Koreanische Rat&#8220; auf die Kriegsverbrechen der japanischen Armee aufmerksam machen. Auf dem &#8222;Frauentribunal 2000&#8220; werden vom 7. bis 12. Dezember Frauenorganisationen aus der ganzen Welt sowie ehemalige UN-Menschenrechtler symbolisch Gericht halten. Vorbild ist das Russell- Tribunal von 1967. Japan soll bewegt werden, den betroffenen Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, Entsch\u00e4digung zu zahlen sowie die T\u00e4ter zu bestrafen. Auch TERRE DES FEMMES schlie\u00dft sich diesen Forderungen an.<\/p>\n<p>Bis heute, so Kim, weigere sich die japanische Regierung, die Verantwortung offiziell zu \u00fcbernehmen. Aufforderungen von UNO-Menschenrechtsbeauftragten an Japan seien wirkungslos verhallt, gerichtliche Klagen der Betroffenen meist aus formalen Gr\u00fcnden gescheitert. Zwar habe das Land unter dem Druck der nach und nach aufgetauchten Beweise einige Fakten eingestanden und 1995 einen Fonds f\u00fcr die Betroffenen eingerichtet. Doch die &#8222;Trostfrauen&#8220; lehnen diesen Fonds ab. Sie m\u00f6chten Japan nicht so schnell aus der Verantwortung entlassen. &#8222;Man will die Entsch\u00e4digungen f\u00fcr die Opfer nicht aus der Staatskasse, sondern durch Spenden des japanischen Volkes zahlen&#8220;, emp\u00f6rt sich Kim \u00fcber die Regierungsverantwortlichen.<\/p>\n<p>Frauen und M\u00e4nner, die die ehemaligen Zwangsprostituierten unterst\u00fctzen wollen, k\u00f6nnen sich an TERRE DES FEMMES wenden oder an einer <strong>Demonstration am 22. November vor der japanischen Botschaft<\/strong> teilnehmen. Die Demonstration in Berlin ist eine Solidaraktion mit der seit acht Jahren stattfindenden Mittwochsmahnwache, die w\u00f6chentlich vor der japanischen Botschaft in Seoul abgehalten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So jedenfalls dachte der japanische Kaiser im japanisch-chinesischen Krieg von 1937 bis 1945. Er lie\u00df f\u00fcr seine Soldaten &#8222;Troststationen&#8220; &#8211; im Klartext Bordelle &#8211; einrichten. 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