{"id":3615,"date":"2000-11-01T00:00:25","date_gmt":"2000-10-31T22:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3615"},"modified":"2022-07-26T13:45:09","modified_gmt":"2022-07-26T11:45:09","slug":"das-weltall-dustere-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/11\/das-weltall-dustere-zukunft\/","title":{"rendered":"Das Weltall &#8211; d\u00fcstere Zukunft&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Da&szlig; das auch f&uuml;r STARTREK gilt, ebenfalls nicht: Da&szlig;                 Kommunisten gemeint waren, wenn James T. Kirk in &#8222;The Original                 Serials&#8220; (TOS) gegen Klingonen k&auml;mpfte, ist kein Geheimnis.                 Wenn die Enterprise z.B. in der Folge &#8222;A private little War&#8220; (TOS                 48) Waffen an eine Gruppe liefert, weil die Klingonen dasselbe                 zuvor mit der gegnerischen Gruppe durchf&uuml;hrten, so war dies                 nichts anderes als eine Legitimation f&uuml;r den Krieg im Vietnam.<\/p>\n<p>Ironisch konterkarikiert wird die kommunistische Identit&auml;t                 der Klingonen in &#8222;The Next Generation&#8220; (TNG) dadurch, da&szlig;                 der Klingone Worf von einer russischen Familie aufgezogen wurde.                 Allgemein vertreten die Klingonen in TNG und den nachfolgenden                 Serien das Klischee des &#8222;edlen Wilden&#8220; (vgl. dazu: Melber: Der                 Wei&szlig;heit letzter Schlu&szlig;.). Besonders zu bemerken hier:                 Der Schlachtruf der Klingonen: &#8222;Heute ist ein guter Tag zu sterben!&#8220;,                 ursp&uuml;nglich Schlachtruf der nordamerikanischen Sioux.<\/p>\n<p>Die Rolle der Kommunisten wird in TNG von den &#8222;Borg&#8220; &uuml;bernommen,                 die alles assimilieren und damit gleichmachen wollen. Als es der                 Enterprise-D gelingt, individuelles Denken in der Folge &#8222;I, Borg&#8220;                 (TNG 223) in dieses Kollektiv einzuschleusen, kommt es zu der                 Gefahr einer kriegerischen Diktatur in &#8222;Descent&#8220; (TNG 252\/253):                 Eine Metapher f&uuml;r die Angst vor dem ehemaligen Ostblock in                 den 90er Jahren.<\/p>\n<p>Diese politische Propaganda mu&szlig; nicht immer negativ sein.                 Bekanntestes positives Beispiel ist sicherlich Lieutenant Uhura                 in TOS, einer Suaheli, deren Nachname &#8222;Freiheit&#8220; bedeutet. Die                 Schauspielerin Nichelle Nichols, die Uhura verk&ouml;rperte, wollte                 aus der Serie aussteigen und wurde von niemand geringerem als                 Martin Luther King dazu angehalten, ihre Rolle weiterzuspielen:                 Als erste &#8222;Schwarze&#8220; unter &#8222;Wei&szlig;en&#8220; in einer fortlaufenden                 Serie.<\/p>\n<p>Dennoch bleibt, was bei &#8222;Sience Fiction&#8220; immer suspekt ist: Die                 Rolle des &#8222;Alien&#8220;, des Au&szlig;erirdischen, gleich dem &#8222;Fremden&#8220;.                 Da ist es pl&ouml;tzlich wieder ganz legitim, von &#8222;Rassen&#8220; zu                 sprechen, die &#8222;Aliens&#8220; sind in ihrer Fremdheit entweder faszinierend                 oder gef&auml;hrliche Eindringlinge.Ein besonders ekelhaftes &#8211;                 anders ist es wirklich nicht auszudr&uuml;cken &#8211; Beispiel, wie                 politische Propaganda im Science Fiction funktioniert, liefert                 der Roman &#8222;Gespensterschiff&#8220;, geschrieben von Diane Carey, ver&ouml;ffentlicht                 im Jahr 1988 und spielend in der Serie &#8222;STARTREK &#8211; The Next Generation&#8220;.                 Um diesen Roman soll es im Folgenden gehen.<\/p>\n<h3>Die Geschichte&#8230;.<\/h3>\n<p>Der Roman beginnt im Jahr 1995. Der &#8222;Kalte Krieg&#8220; ist noch nicht                 vorbei und das Verschwinden eines russischen Kriegsschiffes l&ouml;st                 beinahe den &#8222;Dritten Weltkrieg&#8220; aus. Das Schiff wurde jedoch samt                 5000k&ouml;pfiger Besatzung von einem au&szlig;erirdischen Ph&auml;nomen                 entf&uuml;hrt und die gesamte Besatzung ist dazu verdammt, k&ouml;rperlos                 auf ewig in diesem Ph&auml;nomen zu leben.<\/p>\n<p>Dreihundert Jahre sp&auml;ter st&ouml;&szlig;t die Enterprise-D                 auf dieses Ph&auml;nomen und die russischen Seeleute treten in                 Kontakt mit der Besatzung der Enterprise &#8211; mit einer konkreten                 Bitte: Sie wollen get&ouml;tet werden&#8230;<\/p>\n<h3>Die Ideologie&#8230;<\/h3>\n<p>Hier beginnt ein philosophisches Dilemma, um das sich schon ganz                 andere Leute als Diane Carey den Kopf zerbrochen haben: Die Frage                 nach der Legitimit&auml;t von Sterbehilfe, oder sagen wir ruhig:                 Euthanasie.<\/p>\n<p>Einer derjenigen, die sich dar&uuml;ber den Kopf zerbrochen haben,                 ist der australische Philosoph und &#8222;Ethiker&#8220; Peter Singer. Bekannt                 ist Singer durch sein Buch &#8222;Animal Liberation&#8220;, das auch in Teilen                 der (linken?) Tierrechtsszene Beachtung fand. In seinem sp&auml;teren                 Buch &#8222;Praktische Ethik&#8220; formuliert er seine Thesen noch einmal.                 Kurz sollen hier Singers Grundgedanken skizziert werden:<\/p>\n<p>Peter Singer unterscheidet zwischen Personen und Nicht-Personen.                 Personen sind alle, die &uuml;ber ein Bewu&szlig;tsein ihrer Selbst                 verf&uuml;gen, ob nun Mensch oder Tier. Nicht-Personen dagegen                 sind Tiere, denen ein solches Bewu&szlig;tsein abgesprochen werden                 mu&szlig; und auch Menschen, wie etwa komat&ouml;sen Patienten,                 S&auml;uglingen etc. Die Rechte, die wir als &#8222;Menschenrechte&#8220;                 bezeichnen w&uuml;rden, spricht Singer nur den &#8222;Personen&#8220; zu,                 also nicht allen Menschen.<\/p>\n<p>Singer pl&auml;diert nun daf&uuml;r, sowohl eine Gruppe von kranken                 Menschen zu t&ouml;ten, als auch daf&uuml;r, lieber diese als                 sich selbst bewu&szlig;te Tiere f&uuml;r Experimente zu nutzen.<\/p>\n<p>Das &#8222;Praktische&#8220; in Singers &#8222;Ethik&#8220; liegt darin, da&szlig; eine                 Gruppe von Menschen, die f&uuml;r die Gesellschaft eine &#8222;Last&#8220;                 darstellt und ihr keinen &#8222;Nutzen&#8220; mehr bringt, einfach ausgel&ouml;scht                 wird: Das spart Kosten, und zwar gleich doppelt: Krankenh&auml;user                 m&uuml;ssen keine &#8222;unn&uuml;tzen Esser&#8220; mehr durchziehen, und                 diese erf&uuml;llen gleich noch einen letzten gesellschaftlichen                 Zweck als Versuchs&#8220;kaninchen&#8220;. Und die sich selbst bewu&szlig;ten                 Tiere, die Personen sind, d&uuml;rfen weiterleben.<\/p>\n<p>Dahinter steckt die neoliberale Ideologie der Effektivit&auml;t.                 Das Effektivit&auml;t jedoch etwas ist, nach dem sich Ethik bemessen                 darf, w&uuml;rde ich ganz vehement abstreiten.<\/p>\n<p>Die von mir verwendeten Vokabeln deuten es schon an: Peter Singer                 ist, was Euthanasie betrifft, ein Stichwortgeber der extremen                 Rechten und wird gerne in Zeitungen wie der &#8222;Deutschen National-Zeitung&#8220;                 rezipiert. Doch leider nicht nur hier: Auf &#8222;gesellschaftliche&#8220;                 Effektivit&auml;t z&auml;hlende Mediziner und Ethik-Kommissionen                 kommen heutzutage zu ganz &auml;hnlichen Schl&uuml;ssen wie Peter                 Singer, denn in den Krankenh&auml;usern und den staatlichen medizinischen                 Einrichtungen mu&szlig; gespart werden: Wo k&auml;men wir hin,                 wenn uns Todkranke auf der Tasche liegen? Gegenfrage: Wo kommen                 wir hin, wenn sich dieses Denken durchsetzt?<\/p>\n<p>In Philosophie-Seminaren beispielsweise zur Bioethik &#8211; sowohl                 an Universit&auml;ten als auch an Schulen &#8211; ist die &#8222;Praktische                 Ethik&#8220;mittlerweile als Lehrbuch ebenfalls beliebt, u.a. weil an                 ihr das &#8222;stichhaltige Argumentieren&#8220;, ganz unabh&auml;ngig vom                 Inhalt, studiert werden k&ouml;nne. Singers Ethik entspricht mittlerweile                 jedoch auch dem philosophischen Mainstream an den Universit&auml;ten.<\/p>\n<h3>Der Sieg der Effektivit&auml;t&#8230;<\/h3>\n<p>Und wie sollte es auch anders sein? Im 24. Jahrhundert hat sich                 die Ideologie Peter Singers und seiner Apologeten durchgesetzt.                 Beverly Crusher, die Schiffs&auml;rztin der Enterprise, wei&szlig;                 dar&uuml;ber zu dozieren, wie dies in heutiger Zeit geschah:&#8220;Klinisch                 gesehen, zog man schlie&szlig;lich eine Grenze zwischen Tieren                 mit Erinnerungsverm&ouml;gen und Tieren, die &uuml;ber ihr blo&szlig;es                 Erinnerungsverm&ouml;gen in der Lage sind, sich ein Bild ihrer                 zuk&uuml;nftigen Lage zu machen und W&uuml;nsche betreffs dieser                 Zukunft zu artikulieren. [&#8230;]&#8220; (S.195)<\/p>\n<p>Dr. Crusher zitiert hier fast w&ouml;rtlich die Definition Peter                 Singers einer Person. Nach dieser fiktiven Zukunft hat augenscheinlich                 in absehbarer Zeit die &#8222;Praktische Ethik&#8220; sich durchgesetzt und                 scheint auch in ferner Zukunft noch Lehrbuch an der medizinischen                 Abteilung der Sternflottenakademie zu sein.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Planeten Erde im 20. Jahrhundert, insbesondere                 der Jahre 1933 &#8211; 1945, und das heute gl&uuml;cklicherweise noch                 &uuml;bliche Unbehagen bei dem Begriff &#8222;Euthanasie&#8220; scheint im                 24. Jahrhundert auch in Vergessenheit geraten zu sein. Nochmal                 Crusher:<\/p>\n<p>&#8222;Das Wort <i>Euthanasie<\/i> (Hervorhebung im Original, T.W.)                 hat eine andere Bedeutung, als viele Leute meinen. Zum einen ist                 es ein intransitives Konzept. Es beschreibt etwas, das ihnen zuteil                 wird, nicht etwas, was man ihnen bewu&szlig;t zuf&uuml;gt. Urspr&uuml;nglich                 bedeutet es einen sanften, ruhigen, guten Tod, normalerweise einfach                 nur einen <i>Gl&uuml;cksfall <\/i>(Hervorhebung von mir, T.W.).                 Im Lauf der Zeit hat es die Gesellschaft dann als Umschreibung                 daf&uuml;r verstanden, dem Leben ein schmerzloses Ende zu setzen,                 um unn&ouml;tiges Leid zu vermeiden. [&#8230;]&#8220; (S.188)<\/p>\n<p>Dr. Beverly Crusher scheint mir da etwas vergessen zu haben.                 Aber vielleicht k&ouml;nnen wir es Menschen im 24. Jahrhundert                 verzeihen, wenn sie nicht ganz so viel Ahnung von Geschichte haben&#8230;<\/p>\n<p>Diese beiden Zitate sollen gen&uuml;gen, um einen Einblick in                 das zu geben, was uns heute als ethischer Mainstream verkauft                 wird. H&uuml;ten wir uns vor der Zukunft, wenn sie so aussieht.<\/p>\n<p>Die Autorin Carey hat sich betreffs der ethischen Probleme in                 ihrem Roman beraten lassen von einem David Forsmark, wie sie in                 der Danksagung schreibt. Zu bef&uuml;rchten ist, da&szlig; auch                 viele andere Philosophen sie h&auml;tten beraten k&ouml;nnen,                 ohne da&szlig; das Buch einen anderen Tenor gehabt h&auml;tte:                 Singers &#8222;Praktische Ethik, das sollte klar geworden sein, schl&auml;gt                 hohe Wellen.<\/p>\n<p>Ach ja: Das Ende des Romans m&ouml;chte ich auch nicht verschweigen.                 Die Besatzung der Enterprise-D vernichtet das au&szlig;erirdische                 Wesen und gibt damit dem Wunsch der russischen Seeleute nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da&szlig; das auch f&uuml;r STARTREK gilt, ebenfalls nicht: Da&szlig; Kommunisten gemeint waren, wenn James T. 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