{"id":3672,"date":"2000-12-01T00:00:56","date_gmt":"2000-11-30T22:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3672"},"modified":"2022-07-26T14:16:56","modified_gmt":"2022-07-26T12:16:56","slug":"anares-nord-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2000\/12\/anares-nord-bleibt\/","title":{"rendered":"Anares Nord bleibt"},"content":{"rendered":"<h3>I. Der Stand der Bewegung<\/h3>\n<p>Herzlich willkommen zu unserem ersten Umstrukturierungs-Info nach dem 30.9.2000. Wie viele GWR-LeserInnen schon wissen werden, hatten wir uns mit einer Spenden-Akquirierungs-Kampagne zum Ziel gesetzt, bis zu diesem Tag 30.000,- DM zusammenzubekommen.<\/p>\n<p>Mit diesem Info wollen wir \u00fcber den aktuellen Stand informieren und dar\u00fcber, wie\u00b4s nun weitergeht. Wir haben das &#8211; hochgesteckte &#8211; ausgegebene Ziel nicht erreicht. An Spenden sind bis zu diesem Termin &#8222;nur&#8220; 8800,- DM eingegangen, au\u00dferdem Kredite \u00fcber 4500,- DM sowie vielf\u00e4ltige sonstige Unterst\u00fctzung, die insgesamt aber nicht ausreicht, um den erforderlichen Beitrag zur Rettung des Vertriebes aufzubringen.<\/p>\n<p>Die Zahl der Menschen, die bisher Geld f\u00fcr unsere Umstrukturierung bzw. die Buchvertriebsrettung und den damit m\u00f6glichen Neubeginn gespendet haben, ist zu gering. Sie bewegt sich aber im Rahmen dessen, was wohl realistisch zu erwarten war. Bedauerlicher ist, dass diverse angedachte\/ angek\u00fcndigte Soli-Konzerte bislang nicht stattgefunden haben. Hier h\u00e4tte mehr passieren k\u00f6nnen\/ m\u00fcssen. Auch die linken Medien haben sich insgesamt reserviert verhalten: von \u00fcber 40 Zeitschriften, die zum Teil mehrmals kontaktiert wurden und die teilweise bereits Artikel zu unserer Situation zugesagt hatten, hat nur ein Bruchteil Infos ver\u00f6ffentlicht . Hervorzuheben sind die Graswurzelrevolution und die Contraste, die gleich mehrfach auf unsere Situation hingewiesen haben. Bedanken wollen wir uns auch bei der Direkten Aktion, der &#8222;future is unwritten&#8220; (Jena), dem &#8222;Spunk&#8220; (Erfurt), dem &#8222;Apoplex&#8220; (M\u00fcnster), der &#8222;Bambule&#8220; (Bremen) und dem espero. Dies ist die Liste der Zeitschriften, die bis zum Verfassen dieses Infos unterst\u00fctzend t\u00e4tig wurden, durch Anzeigenabdruck oder eigene Artikel. Au\u00dferdem fanden bisher zwei Radio-Interviews statt. Die Resonanz war\/ ist streckenweise also entt\u00e4uschend. Um so mehr sagen wir allen Menschen, die uns unterst\u00fctzt haben, den herzlichsten &amp; allerfeinsten Dank!<\/p>\n<p>Warum wir uns trotz dieses Feedbacks entschlossen haben, weiterzumachen, h\u00e4ngt mit Entwicklungen zusammen, die wir im folgenden skizzieren.<\/p>\n<h3>II. Das Antiquariat und Buchcaf\u00e9 &#8222;Andere Seiten&#8220;<\/h3>\n<p>Klar war fr\u00fch, dass wir auch nach dem Ablauf des Mietvertrages an unserem bisherigen Standort Uetze (bei Hannover) f\u00fcr den Anares Buchvertrieb R\u00e4umlichkeiten anmieten w\u00fcrden, schon um aus dem allm\u00e4hlichen Abverkauf des betr\u00e4chtlichen Lagerbestandes zumindest einen Teil unserer Schulden begleichen zu k\u00f6nnen. Als Idee gab es zudem den Gedanken, einen \u00f6ffentlichen Raum als direkt erreichbaren Anares-St\u00fctzpunkt aufzubauen. Kurzfristig haben wir jetzt R\u00e4umlichkeiten \u00fcber zwei Ebenen gefunden, die diese \u00dcberlegungen forciert haben. Im Keller wird der Buchvertrieb seinen Platz finden. Dar\u00fcber werden wir einen Buchladen samt einem kleinen Veranstaltungs-Caf\u00e9 einrichten. W\u00e4hrend der Laden zum Freitag, den 1.12. um 12.00 Uhr er\u00f6ffnen wird, werden wir versuchen, ab dem n\u00e4chsten Jahr regelm\u00e4\u00dfige Lesungen, Ausstellungen etc. durchzuf\u00fchren. Auf diesem Wege wollen wir Literatur erlebbar machen und den Austausch sowie Diskussionen dar\u00fcber f\u00f6rdern. Der Name des Projektes ist Programm: es geht uns um die B\u00fccher, die im normalen Buchhandelsmarkt unterrepr\u00e4sentiert sind, um auch inhaltlich andere Seiten als diejenigen, die im Medien-Mainstream \u00fcblicherweise ihre \u00d6ffentlichkeit finden. Der ziemlich umfassende Buchbestand (besonders im antiquarischen Bereich) von Anares Nord wird die Erstausstattung sein. Dabei macht jedoch bereits der Name deutlich, dass das Sortiment \u00fcber das bisherige Anares-Spektrum hinausgeht. Neben neuen, antiquarischen und verlagsneuen, aber erm\u00e4\u00dfigten (Modernes Antiquariat) Titeln zu den Themen Sozialwissenschaften, Anti-P\u00e4dagogik, Philosophie, kritische Theorie, Geschichte und Politik, Sozialismus\/ Anarchismus, Medien- und Kulturkritik, ausgew\u00e4hlter Belletristik und Literaturwissenschaften wird dort u.a. eine Abteilung Kinder- und Jugendb\u00fccher aufgebaut werden. Das spezielle an den &#8222;Anderen Seiten&#8220; soll neben einem unverwechselbaren Flair auch im Regalaufbau liegen: wir haben vor, antiquarische wie neue B\u00fccher nach Rubriken sortiert im selben Regal zu pr\u00e4sentieren, diese Bereiche also r\u00e4umlich nicht zu trennen, was zumindest f\u00fcr den deutschen Buchmarkt ungew\u00f6hnlich ist. Damit m\u00f6chten wir Menschen bei ihrer themenspezifischen Suche mehr \u00dcbersichtlichkeit bieten.<\/p>\n<p>Wir hoffen auf zahlreiche Menschen, die auch aus anderen Regionen, z.B. in Verbindung mit einem Bremen-Besuch, bei uns vorbeischauen, zum st\u00f6bern oder auch zum Kaffeetrinken.<\/p>\n<p>Wir freuen uns \u00fcber B\u00fccherspenden von Verlagen oder Einzelpersonen zu den angegebenen Themen f\u00fcr die Erweiterung unseres antiquarischen Angebotes!<\/p>\n<h3>III. Der Anares e.V.<\/h3>\n<p>Ermuntert von Menschen, die uns f\u00fcr den Fall eines Vereins regelm\u00e4\u00dfige Beitr\u00e4ge in Aussicht gestellt haben und diese zum Teil auch schon per Dauerauftrag \u00fcberweisen, gehen wir derzeit vor allem die Einrichtung eines Vereins zur F\u00f6rderung der Lesekultur an. \u00dcber diesen m\u00f6chten wir u.a. die geplanten Veranstaltungen durchf\u00fchren. Auch das Caf\u00e9 wird Teil der Vereinst\u00e4tigkeit sein. Insbesondere hoffen wir, \u00fcber den Verein an Menschen heranzukommen, die uns regelm\u00e4\u00dfig unterst\u00fctzen und uns damit auch einen planbaren monatlichen Etat erm\u00f6glichen. Ein Rechenexempel verdeutlicht die Vorteile des Vereins: schon 30 F\u00f6rdermitglieder, die uns mit monatlich 50,- DM unterst\u00fctzen (der regul\u00e4re Monatsbeitrag wird bei 10,- DM liegen) erm\u00f6glichen uns perspektivisch eine entspanntere Arbeit, da damit u.a. die Mietkosten abgedeckt werden k\u00f6nnten. Auch bez\u00fcglich Sachmittelspenden bietet ein Verein mehr M\u00f6glichkeiten, z.B. f\u00fcr Firmen und Institutionen, die uns mit Einrichtungsgegenst\u00e4nden f\u00fcr den Laden oder mit erm\u00e4\u00dfigten Druckkostenrechnungen unterst\u00fctzen wollen. Menschen, die hierzu bereits Ideen haben, k\u00f6nnen sich mit uns in Verbindung setzen. Eine erste Reaktion zur Satzung vom zust\u00e4ndigen Amt war positiv, die leicht ver\u00e4nderte Satzung liegt jetzt jedoch noch bei der Bearbeiterin auf dem Schreibtisch&#8230;<\/p>\n<h3>IV. Der Anares Buchvertrieb<\/h3>\n<p>Es geht weiter mit Anares! Allerdings wird der bisherige Vertrieb nur ein Teil unserer k\u00fcnftigen Aktivit\u00e4ten sein. In welchem Ma\u00dfe wir auch in Zukunft Buchkataloge herausgeben und verschicken oder gar mal wieder eigene Publikationen herausgeben k\u00f6nnen, h\u00e4ngt neben unseren zeitlichen M\u00f6glichkeiten vor allem davon ab, wie sich die finanzielle Situation entwickelt. Um unsere Situation in Griff zu bekommen, haben wir uns entschlossen, einen Kredit bei der GLS-Bank zu beantragen. Damit wollen wir den nach unserer Spenden-Akquise fehlenden Betrag f\u00fcr Vertrieb und Laden aufbringen. Abgesichert wird der Kredit mit Einzelb\u00fcrgschaften, da wir keine bank\u00fcblichen Sicherheiten bieten k\u00f6nnen bzw. unser Konzept auch nicht den erforderlichen voraussichtlichen Ertrag f\u00fcr ein Existenzgr\u00fcndungsdarlehen oder \u00e4hnliche Finanzierungshilfen bietet. Die GLS-Bank ist da flexibler. Dass es sich dabei um ein anthroposophisches Projekt handelt, m\u00fcssen wir schlucken (haben deshalb auch lange gez\u00f6gert, diesen Schritt zu gehen); doch wissen wir von anderen libert\u00e4ren Projekten, dass die GLS-Bank relativ kooperativ ist und auch keine inhaltlichen Forderungen an eine Darlehensvergabe koppelt. B\u00fcrgInnen f\u00fcr den GLS-Kredit (in H\u00f6hen von 1000,- DM aufw\u00e4rts, was nur dann in anteiliger H\u00f6he f\u00e4llig w\u00fcrde, wenn der Kredit sich nicht als komplett r\u00fcckzahlungsf\u00e4hig erweist) k\u00f6nnen sich gerne bei uns melden.<\/p>\n<p>Neben den bisherigen gedruckten Katalogen wird Anares auch im Internet verst\u00e4rkt pr\u00e4sent sein. Wir sind allerdings noch einige Zeit mit dem aufwendigen Datenbank-Aufbau besch\u00e4ftigt, was wiederum Voraussetzung f\u00fcr eine Bestell- und Suchfunktion ist. Hilfe bei der Datenbank-Einrichtung ist gern gesehen!<\/p>\n<h3>V. Blick nach vorn<\/h3>\n<p>Das Verlegen von B\u00fcchern bezeichnete der Verleger Klaus Wagenbach einmal als &#8222;die sch\u00f6nste Art, Geld zu verlieren&#8220;. Wenn wir es auch aufgrund der finanziellen Dramatik nicht ganz so gelassen sehen k\u00f6nnen, so ist doch eindeutig, dass das Verlegen wie auch der Vertrieb von emanzipatorischen Medien in dieser gegenw\u00e4rtigen Gesellschaft nichts sein kann, was profitorientiert l\u00e4uft. Das hei\u00dft, dass es ein politischer Fehler ist, wenn in einem politischen Projekt \u00f6konomische Faktoren nicht ausreichend realisiert und beachtet werden (was nicht als Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Kommerzialisierung mi\u00dfzuverstehen ist!). F\u00fcr die Vergangenheit zahlen wir da Lehrgeld, zumal uns auch einige &#8222;anarchistische&#8220; Projekte mit Summen von teils mehreren Tausend DM abgezogen haben. Aber damit ist klar, dass ein Projekt wie unseres nur so gut sein kann, wie das Umfeld. Denn wir werden auch weiterhin auf finanzielle wie organisatorische Unterst\u00fctzung angewiesen sein. Bleibt diese aus, so bedeutet dies ein mangelndes Interesse, d,h, auch eine mangelnde politische Wichtigkeit unseres Anliegens, was dann darauf hinausl\u00e4uft, dass wir unser Projekt dann einstellen m\u00fcssten. Wobei wir versprechen, dass wir das dann lautstark tun w\u00fcrden, nicht sang- und klanglos wie viele andere linke\/ libert\u00e4re Medienprojekte der letzten Jahre. Jedoch denken wir, dass unsere Chancen &amp; M\u00f6glichkeiten mit Laden &amp; Verein deutlich verbessert sind, vorausgesetzt, dass diese Struktur entsprechend angenommen wird.<\/p>\n<p>Dabei wollen wir nicht verschweigen, dass der Rahmen, in dem wir uns bewegen, unseren Pl\u00e4nen &amp; Hoffnungen nicht eben entgegenkommt. Denn der Niedergang selbstorganisierter Medien ist umfassend. Betroffen sind davon nicht nur Zeitungen &amp; Zeitschriften, Buchverlage &amp; Buchl\u00e4den, sondern z.B. auch sich vielfach zunehmend anbiedernde, ehemals politische Radioprojekte; auch die Vergessenheit selbstbestimmter Bildungsarbeit, freier Volkshochschulen und Bildungsnetze ist ein Beleg f\u00fcr einen beinahe vollendeten Niedergang aufkl\u00e4rerischer Arbeit. Im Buchmarkt klagen inzwischen selbst gro\u00dfe Verlage wie DTV \u00fcber einen \u00f6konomischen Transformationsprozess, der qualitative und inhaltliche Kriterien in den Hintergrund treten l\u00e4sst &#8211; die Entwicklung ist nicht neu, versch\u00e4rft sich aber zusehends. Mit unserem Buchcaf\u00e9 wollen wir einen Ansatz bieten, sich wieder in gesellschaftliche Prozesse einzumischen, emanzipatorische (Anti-)Politik gerade in diesen anti-aufkl\u00e4rerischen, restaurativen Zeiten wieder wahrnehmbar zu machen und Anst\u00f6\u00dfe zur Vernetzung in unserem (medialen) Bereich bieten. Das ist ein schwieriges Unterfangen; wenn wir nur auf die Verk\u00e4uflichkeit unserer Titel schielen, haben wir schon verloren. Die Zukunft h\u00e4ngt deshalb von Euch ab &#8211; nutzt die M\u00f6glichkeiten!<\/p>\n<p>Am <strong>9. Dezember,<\/strong> findet in unseren R\u00e4umen <strong>ab F\u00fcnf vor Zw\u00f6lf (11.55) ein SpenderInnen-Brunch<\/strong> statt, als Informations-Austausch f\u00fcr alle Menschen, die uns bisher unterst\u00fctzt haben oder dies k\u00fcnftig tun wollen. Alle offenen Fragen k\u00f6nnen dann in Ruhe gekl\u00e4rt werden und Menschen, die uns bis dahin unterst\u00fctzt haben, k\u00f6nnen dann sehen, was durch diese Unterst\u00fctzung erm\u00f6glicht wurde. Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen, wobei eine vorherige Anmeldung sinnvoll ist, damit wir wissen, wieviele Menschen kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Der Stand der Bewegung Herzlich willkommen zu unserem ersten Umstrukturierungs-Info nach dem 30.9.2000. 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