{"id":3742,"date":"2001-01-01T00:00:46","date_gmt":"2000-12-31T22:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3742"},"modified":"2022-07-26T14:26:23","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:23","slug":"die-belgrader-frauenbewegung-gegen-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/01\/die-belgrader-frauenbewegung-gegen-gewalt\/","title":{"rendered":"Die Belgrader Frauenbewegung gegen Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Eine feministisch orientierte Beratung sollte sich mit Ratschl\u00e4gen zur\u00fcckhalten, statt dessen erst einmal zuh\u00f6ren und die Sorgen der Frau in den Mittelpunkt stellen: &#8222;Die \u00f6konomische Situation der Frauen ist sehr schlecht und macht die Situation noch unertr\u00e4glicher, weil auch dann, wenn eine Frau sich dazu entschlossen hat, ihren gewaltt\u00e4tigen Mann zu verlassen, hat sie nichts, wo sie hingehen kann, sie hat kein Einkommen, um die Miete zu bezahlen oder f\u00fcr den Unterhalt der Kinder.&#8220; (Gaga vom Counseling Center, der Beratungsstelle gegen Gewalt in der Familie). Denn wovon leben sie und evt. ihre Kinder dann, wo leben sie, wie tritt sie der Familie gegen\u00fcber, was ist mit dem Gef\u00fchl, diesen Mann einmal geliebt zu haben oder vielleicht immer noch zu lieben, Schuldgef\u00fchlen &#8230;.<\/p>\n<p>Gewalt gegen\u00fcber Frauen, zumeist in der eigenen Familie, aber auch am Arbeitsplatz oder &#8211; wie u.a. in vielen L\u00e4ndern Ex-Jugoslawiens &#8211; im Krieg ist ein weltweites Thema und trotzdem wird immer noch versucht, es zu marginalisieren und zu privatisieren.<\/p>\n<p>1990 hat sich in Belgrad als eine der ersten Nichtregierungsorganisationen (NGO) das SOS-Telefon gegr\u00fcndet, eine Initiative der Gruppe &#8218;Frauen und Gesellschaft&#8216; f\u00fcr Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Wichtig ist es den Freiwilligen des Notrufs, auch die gesellschaftliche Dimension zu benennen, sowohl wenn es um die Ursachen wie wenn es um die Konsequenzen von zumeist famili\u00e4rer Gewalt gegen Frauen geht. Ihr Engagement beruht auf dem Grundsatz &#8218;Frauen haben ein Recht auf ein Leben ohne Gewalt&#8216;, und sie arbeiten nach feministischen Prinzipien, wozu Parteilichkeit, Anonymit\u00e4t der Daten, freie Entscheidung der Frau f\u00fcr ihr Handeln geh\u00f6ren. Die Frau wird nicht zur Mitschuldigen erkl\u00e4rt, aktives Zuh\u00f6ren ohne Interpretation ist gefordert, und auch das Recht der Kinder auf ein Leben ohne Gewalt wird mitbedacht. Es wurde ein Trainingskonzept entwickelt, das auf die telefonische Beratung vorbereitet. Mittlerweile haben \u00fcber 350 Ehrenamtliche daran teilgenommen und l\u00e4nger oder k\u00fcrzer am SOS-Telefon gearbeitet.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre sind mehrere neue Projekte aus der Arbeit am Telefon entstanden. 1993 entstand das Autonome Frauenzentrum gegen sexuelle Gewalt. Damit konnte die telefonische Beratung auf individuelle Kontakte ausgeweitet werden und dadurch Frauen l\u00e4nger begleitet werden. So arbeiten dort neben Freiwilligen auch Professionelle. Ein Problem ist, dass sexuelle Gewalt in der Ehe nicht als Straftat definiert ist. Wichtig ist den Aktivistinnen neben der individuellen Hilfe \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu leisten, das Thema &#8218;Gewalt gegen Frauen&#8216; zu enttabuisieren und vor allem darauf hinzuarbeiten, dass es nicht mehr als etwas &#8218;Normales&#8216; angesehen wird. Das Autonome Frauenzentrum arbeitet in verschiedenen Projekten mit Roma-Frauen und Fl\u00fcchtlingsfrauen zusammen und ist mit vielen Frauengruppen in anderen St\u00e4dten Ex-Jugoslawiens im Austausch. Um auch die besonderen Probleme von M\u00e4dchen in der Pubert\u00e4t und dem \u00dcbergang zum Erwachsen werden besser ber\u00fccksichtigen zu k\u00f6nnen, wurde 1994 ein SOS-Telefon und Zentrum f\u00fcr M\u00e4dchen gegr\u00fcndet. Es gibt individuelle Beratung und Gruppenangebote, auch f\u00fcr die Freizeit. Das Zentrum arbeitet offiziell nicht als M\u00e4dchenkrisenhaus, in dem die M\u00e4dchen auch \u00fcbernachten k\u00f6nnten, doch kommen die Freiwilligen immer wieder in die Situation, ein M\u00e4dchen nicht einfach wieder nach Hause schicken zu k\u00f6nnen. Es gibt keine Jugendhilfe in Jugoslawien. Auch in dem Zentrum arbeiten vorwiegend Freiwillige. Es gab dort breite Diskussionen \u00fcber die Einstellung von Professionellen, z.B. Psychologinnen, \u00c4rztinnen; da die Erfahrung gemacht wurde, das hier vor allem das Prinzip der Parteilichkeit mehrfach verletzt wurde. Allerdings werden ausgebildete Kr\u00e4fte bei verschiedenen St\u00f6rungsbildern und\/oder Suizidgefahr ben\u00f6tigt, sowohl f\u00fcr eine ad\u00e4quate Betreuung der Betroffenen wie zur Entlastung der Freiwilligen.<\/p>\n<p>Aufgrund der gro\u00dfen Nachfrage nach individueller Beratung arbeitet seit mehr als vier Jahren die Beratungsstelle gegen Gewalt in der Familie. Hierhin kommen vorwiegend Frauen, die von ihren (Ex-)Ehem\u00e4nnern, Partnern, S\u00f6hnen oder anderen Verwandten geschlagen werden. Doch auch psychische, sexuelle und \u00f6konomische Gewalt werden genannt. Es wurden in der Vergangenheit Projekte f\u00fcr Frauen im Knast wie auch f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsfrauen angeboten, um ihnen durch eine kleine Ausbildung und konkrete Hilfen bei der Jobsuche ein eigenes Einkommen zu erm\u00f6glichen. Seit diesem Winter besteht zus\u00e4tzlich zu der ambulanten Beratungsstelle eine Kurzzeitunterkunft f\u00fcr Frauen, die unmittelbar von Gewalt bedroht sind.<\/p>\n<p>Eine Rechtsanw\u00e4ltin vom Counseling Center beschreibt die rechtliche Situation von Frauen und Kindern folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie unterst\u00fctzt Du die Frauen? Wo kannst Du nicht helfen und warum nicht?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gaga:<\/strong> Als Juristin helfe ich, f\u00fcr ihr Recht zu k\u00e4mpfen &#8211; sich scheiden zu lassen, das Erziehungsrecht f\u00fcr die Kinder zu bekommen, die Beziehung zu den Kindern zu regeln, mit dem Gatten, mit den Eltern, versuche zu helfen, dass die Frauen ihren Teil des gemeinsamen Besitzes bekommen, strafrechtlich relevante Aspekte, die der Frau oder den Kindern widerfahren sind, in einem Report zusammenzufassen und nat\u00fcrlich zu helfen, dass die Frau aus der Gewaltsituation rauskommt.<\/p>\n<p>Aber meine Arbeit ist von den gesetzlichen Bestimmungen begrenzt, es w\u00fcrde eine l\u00e4ngere Analyse erfordern, so m\u00f6chte ich nur ein paar Beispiele nennen &#8211; Es gibt keine M\u00f6glichkeit, dem T\u00e4ter zu verbieten, sich seinen Opfern zu n\u00e4hern, sogar im Gegenteil nennt das Gesetz das Recht der Eltern, ihre Kinder zu sehen. Das bedeutet, auch wenn ein Ehemann seine Frau vor den Augen der Kinder verpr\u00fcgelt hat (oder sogar auch die Kinder geschlagen hat) und wenn er der Frau und\/oder den Kindern weiterhin droht, hat er das Recht, ihren Aufenthalt zu wissen und Kontakt mit seinen Kinder zu haben, ohne Einschr\u00e4nkungen oder Auflagen. Gerichtsverfahren, bei denen es nicht um besonders harte k\u00f6rperliche Verletzungen als Folge von Gewalt geht, werden nicht von einem Staatsanwalt begleitet, sondern m\u00fcssen auf privater Anklage basieren. Dies f\u00fchrt zu sehr geringf\u00fcgigen Verurteilungen, oder in den meisten F\u00e4llen beschlie\u00dfen die Frauen nicht anzuklagen, weil sie w\u00e4hrend und nach dem Prozess nicht gesch\u00fctzt sind. Gewaltopfer sind haupts\u00e4chlich von der direkten Reaktion der Polizei abh\u00e4ngig, und dieses ist eine andere Begrenzung. Denn die Polizei betrachtet famili\u00e4re Gewalt sehr oft als eine &#8217;normale&#8216; Sache, die innerhalb der Familie gekl\u00e4rt werden soll. Auch dann, wenn sie reagieren, beschr\u00e4nkt es sich normalerweise auf eine Verwarnung des T\u00e4ters oder sie nehmen ihn f\u00fcr einige Stunden in Arrest und lassen ihn dann wieder gehen. Das Gericht arbeitet sehr langsam, das hei\u00dft ineffizient, denn in solche F\u00e4llen br\u00e4uchte es eine prompte Reaktion. In den letzten zehn Jahren war es auch so, dass Gerichte und Richter vollst\u00e4ndig von den regierenden Politikern abh\u00e4ngig waren, was zu korrumpierten und ignoranten Richtern gef\u00fchrt hat. Sozialarbeiter sollten entsprechend der Gesetze, die Haupthilfe bei famili\u00e4rer Gewalt bieten. Sie sind aber in den meisten F\u00e4llen undifferenziert, ineffizient und korrumpiert&#8230; Das l\u00e4sst eine Menge Arbeit f\u00fcr NGO&#8217;s, aber unter solchen Bedingungen bewegen wir uns in einer hilflosen Situation und es ist nicht m\u00f6glich, mehr zu helfen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was sind die wichtigsten frauenspezifischen Punkte, die gesetzlich ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gaga:<\/strong> Bereitstellung eines effizienten und direkten Schutzes f\u00fcr die Frau und die Kinder bei famili\u00e4rer Gewalt; ein viel besserer Status betreffend des gemeinsamen Eigentums nach der Scheidung oder Trennung; Anerkennung famili\u00e4rer Gewalt als Straftat und Anhebung der Strafma\u00dfe daf\u00fcr.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie ist die Situation der Kinder und ihre rechtliche Situation?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gaga:<\/strong> Schrecklich, denn alles, was Kinder betrifft, muss \u00fcber Wohlfahrtszentren laufen. Diese haben zu viele F\u00e4lle, nicht gen\u00fcgend Interesse, nicht gen\u00fcgend MitarbeiterInnen, nicht gen\u00fcgend Willen, das Problem wirklich ernst zu nehmen. Kinder leiden am meisten in der Situation, denn sie k\u00f6nnen noch keine Entscheidungen selbst treffen und sie haben keinen Raum der Situation zu entgehen. Auch wenn sie nicht selbst Gewaltopfer sind, so sind sie Zeugen von Gewalt, die ihren M\u00fcttern angetan wird. So sind sie in st\u00e4ndiger Angst und haben Traumata. Auch gibt es fast keine Programme, die sich an solche Kinder richten.<\/p>\n<p>Das Netzwerk von Frauengruppen in Belgrad ist mittlerweile, 10 Jahre nach Gr\u00fcndung des SOS-Telefons und 13 Jahren Milosevic-Regime vielf\u00e4ltiger und breiter und schaut mensch \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus, sieht es noch viel bunter aus. Alle Beratungsangebote sind auf internationale Kontakte und finanzielle Unterst\u00fctzung, vorwiegend \u00fcber spezifische Projekte, angewiesen. In Jugoslawien gibt es bisher nat\u00fcrlich keinerlei staatliche Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Doch haben die aktiven Frauen beschlossen, Frauenthemen nicht mehr nur politischen Parteien zu \u00fcberlassen, sondern Selbsthilfeprojekte anzubieten und Forderungen an die Gesellschaft zu stellen.<\/p>\n<p>Eine Gruppe, die sich die Koordination und den Aufbau von Netzwerken zum Ziel gemacht hat, ist Association for Women&#8217;s Initiatives Network (AWIN). Seit mehreren Jahren unterst\u00fctzen sie Frauen und Frauengruppen in Jugoslawien bei der Gr\u00fcndung sowie bei einzelnen Aktionen. Sie nehmen von sich aus Kontakt mit Gruppen in der Provinz auf und helfen bei der Bildung regionaler Netzwerke und Austausch. Es ist AWIN wichtig, dass dezentrale Strukturen und wechselseitiger Austausch bestehen. Sie bieten Weiterbildungsseminare und Multiplikatorinnentrainings z.B. f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit oder Fundraising an. Auch koordinierte AWIN in den letzten Jahren gemeinsame Aktionen zum Frauenkampftag. Sehr viele unterschiedliche Gruppen sind in dem Netzwerk verbunden, von feministischen bis zu religi\u00f6sen Frauengruppen.<\/p>\n<p>Im Herbst letzten Jahres beteiligte sich AWIN an einer Kampagne im Vorfeld der Wahlen: &#8222;Geh raus und sei aktiv&#8220;. Ich sprach nach den Protesten mit einer Koordinatorin von AWIN \u00fcber Ziele und Erfolg der Kampagne.<\/p>\n<p><strong>GWR: Ihr habt Euch stark in der Wahlkampagne engagiert und dort besonders die Zusammenarbeit verschiedener Frauengruppen gef\u00f6rdert.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Das Netzwerk war eigentlich das Hauptziel der Kampagne. Es war nicht nur eine Wahlkampagne weil die Idee &#8211; und das ist eines der Dinge, die f\u00fcr mich als Aktivistin besonders wichtig sind &#8211; nicht nur eine politische Kampagne sein sollte, sondern auch f\u00fcr langfristige soziale Ver\u00e4nderungen. Wir setzen die Aktionen auch jetzt nach den Wahlen fort mit einem anderen Fokus, der sich an speziellen haupts\u00e4chlichen Frauenthemen orientiert. Es ist also nicht vorbei.<\/p>\n<p><strong>GWR: Kannst Du da ein Beispiel nennen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Ich m\u00f6chte beispielsweise das Thema Gewalt \u00f6ffentlich machen. Die Kampagne hat einen Raum er\u00f6ffnet, es war das erste Mal seit 20 Jahren, dassFrauen an die \u00d6ffentlichkeit gegangen sind. Wir hatten Plakatw\u00e4nde, die ersten feministischen Plakatw\u00e4nde \u00fcberhaupt. Ich denke, dass wir diesen Moment und diesen Raum, den wir selbst geschaffen haben, nutzen m\u00fcssen. Verschiedene Dinge k\u00f6nnen jetzt beginnen, es kann jetzt auf der Kampagne aufgebaut werden. Sie diente dazu, Glaubw\u00fcrdigkeit zu erlangen und \u00fcberhaupt gesehen zu werden. Das ist erreicht, und nun haben wir die Verantwortung, dies auch zu nutzen. &#8230;. Die Kampagne wird jetzt &#8218;Equally-Legally&#8216; hei\u00dfen und verschiedene Dinge werden unter diesem Logo geschehen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Ich m\u00f6chte noch einmal zur\u00fcckschauen. Mit welchen Problemen hattet ihr zu tun, einmal wenn man an das politische Regime denkt, zum anderen an die patriarchalen Strukturen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> W\u00e4hrend der Kampagne lag der vorrangige Fokus darauf, auf eine nicht aggressive Weise Frauen zu erreichen, sie in ihrer Wahrnehmung von Ungleichheit anzusprechen. Aber was wirklich schwierig war, war Mitglieder politischer Parteien und sogar von NGO&#8217;s (Nichtregierungsorganisationen) zu sensibilisieren. Am Anfang betrachteten wir sie als Unterst\u00fctzer und Kooperationspartner, aber es zeigte sich, dass es notwendig war, sogar diese erst einmal zu sensibilisieren. Menschen, auf die du gez\u00e4hlt hattest, haben Probleme mit Forderungen wie &#8218;30% Frauen auf den Wahllisten&#8216; oder &#8218;Gebrauch der weiblichen Form in Zeitungsartikeln. Wir wurden \u00fcberzeugt, dass NGO&#8217;s zu einer unserer Zielgruppen wurden, weil sie wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Frauenthemen hatten. Aber inzwischen hat es sich hoffentlich ein wenig gewandelt und wird sich in der Zukunft noch \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>GWR: Habt ihr auch mit DOS kooperiert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Nein, wir haben beschlossen, nur mit Frauengruppen zu kooperieren, auch mit Frauen von den politischen Parteien, die sich selbst zusammengeschlossen haben in einem Netzwerk. Wir wollten ansonsten nicht mit Parteien oder Gewerkschaften zusammenarbeiten, denn ich denke, dass dies weder f\u00fcr die Bewegung noch f\u00fcr sie gut ist.<\/p>\n<p>So haben wir dies so getrennt wie m\u00f6glich gehalten.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was ist eure Hauptforderung an die politischen Parteien?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Die Hauptforderung im politischen Kontext ist es, Frauen auf die Wahllisten zu bekommen. Auf lokaler Ebene lag der Frauenanteil bei 30%, aber auf den anderen Ebenen gab es noch keinerlei Ver\u00e4nderungen. Das ist jetzt eine Forderung &#8211; eine weitere ist es, die Priorit\u00e4tensetzung der Politik zu \u00e4ndern und allt\u00e4gliche Themen, die Frauen ber\u00fchren, auf den Tisch zu bringen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was bedeutet allt\u00e4gliche Themen? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Auf einer Konferenz gemeinsam mit Frauen von verschieden Parteien, Gewerkschaften und den Medien haben wir versucht, die haupts\u00e4chlichen Fraueninteressen zu formulieren. Es war sehr schwierig, dies von den generellen Bed\u00fcrfnissen oder Forderungen zu trennen. So ging es um bessere Arbeitsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen, aber diese ben\u00f6tigt jedeR, denn die Arbeitsmarktsituation ist so schlecht, rechtlich ist es f\u00fcr M\u00e4nner fast ebenso schwierig wie f\u00fcr Frauen. Nat\u00fcrlich sind dann aber mehr Frauen arbeitslos.<\/p>\n<p>Also, die Hauptinteressen sind Gesundheitsthemen wie Verh\u00fctung, Abtreibung ist noch nicht in Gefahr, aber wir werden sehen, da die neue Regierung rechtes Zentrum ist. Weitere vorrangige Themen sind &#8218;education of tolerance&#8216; und Arbeitsbedingungen und nat\u00fcrlich Gewalt.<\/p>\n<p><strong>GWR: Siehst Du Eure Wahlkampagne nicht indirekt als Unterst\u00fctzung von DOS?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Nein, ich pers\u00f6nlich nicht. Viele viele Menschen waren in verschiedenen Wahlkampagnen engagiert und viele Interessen \u00fcberschneiden sich. Aber da sind auch wahnsinnige Unterschiede zwischen den Leuten, die den Wechsel in diesem Land unterst\u00fctzt haben. So, die n\u00e4chsten, die wir zu kritisieren haben, wird wahrscheinlich die neue Regierung sein. Ich sehe es nicht und sah es nie als Unterst\u00fctzung f\u00fcr DOS, sondern als Unterst\u00fctzung f\u00fcr einen Wechsel. Es ging darum, dass Frauen aktiv werden, auch in politischen Parteien, Frauen auf Wahllisten zu bekommen und zu Stellen, wo Entscheidungen getroffen werden.<\/p>\n<p><strong>GWR: Du erw\u00e4hnst \u00f6fters die Zusammenarbeit mit Frauen aus Parteien. Ist das f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige NGO nicht gef\u00e4hrlich? Inwieweit gebrauchen sie Eure Ziele und Kraft f\u00fcr ihre Anliegen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Das ist etwas, mit dem in Zukunft umgegangen werden muss. In dieser Zeit des Wechsels waren viele Dinge vermischt, nicht mehr deutlich. Ich sehe als n\u00e4chsten Schritt, eine Art gemeinsame Plattform zu formulieren, um die Unterschiede zu erkennen, wo k\u00f6nnen wir zusammenarbeiten, wo geht es nicht, wo k\u00f6nnen wir nicht einmal zusammen sein. Es ist auch eine Frage der Zeit, wie lange das Netzwerk der Frauen in den Parteien h\u00e4lt, denn sie kommen aus einem breiten Spektrum, von rechts bis zur extremen Linken &#8211; o nein, nicht links, sehr falsche Dinge wurden in diesem Land links genannt. Wenn du Dich selbst als Linke bezeichnest, denken die Leute, du seiest verr\u00fcckt, denn du wei\u00dft, dass JUL, die Partei von Mira Markovic als Linke bezeichnet wurde&#8230;. Ich sehe was in Irland beispielsweise aufgebaut wurde, dort sind Frauen aus unterschiedlichen Parteien zusammengekommen und jetzt ist &#8218;Women&#8217;s Coalition&#8216; die drittst\u00e4rkste Partei in Irland. Ich wei\u00df nicht, ob wir die St\u00e4rke dazu haben, aber irgendeine Bewegung in diese Richtung, das ist meines Erachtens m\u00f6glich und ich denke, dass die Menschen die Notwendigkeit daf\u00fcr erkennen &#8230;. Innerhalb der Frauenbewegung sehe ich eine Verpflichtung, daf\u00fcr Raum zu schaffen. In vielen L\u00e4ndern arbeiten Frauen aus den Parteien eng mit der Bewegung zusammen oder kommen aus ihr, eine Frauenbewegung sollte auch offen sein f\u00fcr Frauen aus Parteien, das ist notwendig, auch wenn wir nicht immer gl\u00fccklich sein werden \u00fcber die Frauen, die kommen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Und &#8211; dein pers\u00f6nliches Ziel ist es, eines Tages im Parlament zu sitzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Milica:<\/strong> Nein, in diese Art von Politik m\u00f6chte ich nicht einsteigen, ich denke, dass ich auch jetzt Politik betreibe und dies ist genau die Arbeit, die ich machen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Es ist eines der Ziele der Kampagne, mehr Frauen in die Parlamente zu bekommen, aber mein haupts\u00e4chliches Anliegen ist es, die Frauenbewegung und feministische Ideen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine feministisch orientierte Beratung sollte sich mit Ratschl\u00e4gen zur\u00fcckhalten, statt dessen erst einmal zuh\u00f6ren und die Sorgen der Frau in den Mittelpunkt stellen: &#8222;Die \u00f6konomische Situation der Frauen ist sehr schlecht und macht die Situation noch unertr\u00e4glicher, weil auch dann, wenn eine Frau sich dazu entschlossen hat, ihren gewaltt\u00e4tigen Mann zu verlassen, hat sie nichts, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/01\/die-belgrader-frauenbewegung-gegen-gewalt\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Die Belgrader Frauenbewegung gegen Gewalt - graswurzelrevolution","description":"Eine feministisch orientierte Beratung sollte sich mit Ratschl\u00e4gen zur\u00fcckhalten, statt dessen erst einmal zuh\u00f6ren und die Sorgen der Frau in den Mittelpunkt ste"},"footnotes":""},"categories":[243,1038,1027],"tags":[],"class_list":["post-3742","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-255-januar-2001","category-kleine-unterschiede","category-wir-sind-nicht-alleine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3742","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3742"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3742\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3742"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3742"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3742"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}