{"id":3909,"date":"2001-04-01T00:00:29","date_gmt":"2001-03-31T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=3909"},"modified":"2022-07-26T13:56:56","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:56","slug":"online-demo-gegen-deportation-business","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/04\/online-demo-gegen-deportation-business\/","title":{"rendered":"Online-Demo gegen &#8222;Deportation Business&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Deutsche Lufthansa AG steht aufgrund ihres Gesch\u00e4fts mit Abschiebungen immer st\u00e4rker in der Kritik. Vor Flugschaltern und Reiseb\u00fcros, selbst auf der j\u00e4hrlichen Aktion\u00e4rsversammlung protestieren antirassistische Gruppen gegen das &#8222;deportation bussiness&#8220; der Fluglinie.<\/p>\n<p>Das Netzwerk kein mensch ist illegal (<a href=\"http:\/\/www.deportation-alliance.com\">http:\/\/www.deportation-alliance.com<\/a>) und die Solidarit\u00e4tsinitiative Libertad! (<a href=\"http:\/\/www.libertad.de\">http:\/\/www.libertad.de<\/a>) planen nun, diese Proteste ins Internet auszuweiten.<\/p>\n<p>Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre gr\u00f6ssten Filialen im Netz aufbauen, dann muss man auch genau dort demonstrieren. \u00c4hnlich wie bei einer Sitzblockade soll der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch tausende InternetnutzerInnen zeitweise versperrt werden. Aber das geht nur, wenn viele mitmachen. Kein mensch ist illegal und Libertad! rufen deshalb internationale und deutsche Gruppen auf, sich an den Vorbereitungen der Internet-Demo zu beteiligen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest, aber f\u00fcr den Tag X erwarten wir mehrere tausend TeilnehmerInnen.<\/p>\n<p>\u00dcber 30.000 Menschen werden jedes Jahr per Flugzeug aus Deutschland abgeschoben &#8211; und die Lufthansa mit ihrem &#8222;weltumspannenden Verbindungsnetz&#8220; verkauft den L\u00f6wenanteil der als &#8222;deportee-tickets&#8220; gekennzeichneten Flugscheine. Die Deportation Class bringt also betr\u00e4chtliche Einnahmen, aber nicht nur das: seitdem am 28. Mai 1999 der Sudanese Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine unter den Misshandlungen deutscher Grenzpolizisten zu Tode kam (vgl. GWR 240), sieht sich der Konzern mit lauter werdenden Forderungen nach einem R\u00fcckzug aus dem schmutzigen Gesch\u00e4ft konfrontiert. Nachdem kein mensch ist illegal auf die m\u00f6gliche Haftung der Flugkapit\u00e4ne im Falle der T\u00f6tung oder Verletzung von Zwangspassagieren hingewiesen hatte, empfahl die Pilotenvereinigung Cockpit ihren Mitgliedern, zuk\u00fcnftig keine Personen an Bord zu nehmen, die einen Transport ablehnen oder gar gefesselt sind. Und selbst die \u00d6TV forderte ihre im Lufthansa-Aufsichtsrat sitzenden Mitglieder auf, sich gegen das Gesch\u00e4ft mit den Abschiebungen einzusetzen.<\/p>\n<p>Am empfindlichsten d\u00fcrfte den Konzern-Vorstand jedoch getroffen haben, dass sich auch in den USA das verschlechterte Image zunehmend bemerkbar macht. In einem Artikel des Wall Street Journals vom 29. Januar 2001 wurde ausf\u00fchrlich \u00fcber die \u00f6ffentliche Diskussion um die Abschiebefl\u00fcge berichtet &#8211; keine gute publicity, wo man die USA gerade zum &#8222;Zukunftsmarkt&#8220; erkl\u00e4rt hatte. Und den will Lufthansa durch das Internet erobern. Der eCommerce-Bereich, der jetzt noch weniger als 10% der Buchungen verzeichnet, soll im Jahr 2005 schon 40% der gesamten Ums\u00e4tze erwirtschaften.<\/p>\n<p>So verlockend gewinntr\u00e4chtig, so anf\u00e4llig ist der elektronische Kapitalismus. Zusammen mit der Siemens AG, der Deutschen Telekom und dem BKA ist die Lufthansa deshalb am &#8222;Arbeitskreis zum Schutz von Infrastrukturen&#8220; beteiligt, der abseits der \u00d6ffentlichkeit Ma\u00dfnahmen zur polizeilichen Kontrolle des Netzes vorbereitet. In den Vorstandsetagen f\u00fcrchtet man Hackerattacken, wie sie bereits yahoo, CNN und Microsoft trafen &#8211; und vielleicht mehr noch die Ausweitung politischer online-Proteste. Wie empfindlich Lufthansa auf Kritik aus dem Netz reagiert, wurde schon im Oktober 2000 deutlich, als der Konzern seine Anw\u00e4ltInnen anwies, einem Aktivisten von kein mensch ist illegal Unterlassungsgelder anzudrohen, falls nicht eine kritische Plakatausstellung aus dem Internet verschwinde. Dieses recht Konventionelle Vorgehen f\u00fchrte jedoch nur dazu, dass sich weltweit dutzende Internetprojekte gegen die Zensurversuche solidarisierten und die Ausstellung durch Spiegelung auf ihren Servern weitere Verbreitung fand.<\/p>\n<p>Man darf gespannt sein, wie die Lufthansa auf die online-Demo reagiert.<\/p>\n<p>Der Konzern verf\u00fcgt \u00fcber enorme Rechenkapazit\u00e4ten f\u00fcr seine Internetpr\u00e4senz. Sollte es trotzdem gelingen, die Homepage wie geplant zu blockieren, w\u00fcrde dies sicherlich nicht das Vertrauen der KundInnen f\u00f6rdern, die zuk\u00fcnftig nicht mehr im Reiseb\u00fcro, sondern im Internet buchen sollen. Wir sind optimistisch und setzen darauf, dass die Kritik an den Abschiebefl\u00fcgen schon so breite Kreise erreicht hat, dass eine gro\u00dfe Demonstration mit internationaler Beteiligung zustandekommen wird. Proteste auf Flugschaltern wird es nat\u00fcrlich weiterhin geben. Damit computerunkundige DemonstrantInnen aber auch per Mausklick teilnehmen k\u00f6nnen, wird noch rechtzeitig vor der Internet-Demo eine Protest-Software ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Deutsche Lufthansa AG steht aufgrund ihres Gesch\u00e4fts mit Abschiebungen immer st\u00e4rker in der Kritik. Vor Flugschaltern und Reiseb\u00fcros, selbst auf der j\u00e4hrlichen Aktion\u00e4rsversammlung protestieren antirassistische Gruppen gegen das &#8222;deportation bussiness&#8220; der Fluglinie. Das Netzwerk kein mensch ist illegal (http:\/\/www.deportation-alliance.com) und die Solidarit\u00e4tsinitiative Libertad! (http:\/\/www.libertad.de) planen nun, diese Proteste ins Internet auszuweiten. 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